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BISCHOFSSYNODE XI. ORDENTLICHE VOLLVERSAMMLUNG DIE EUCHARISTIE: INSTRUMENTUM LABORIS Vatikanstadt
INHALT
EUCHARISTIE UND HEUTIGE WELT
I. Kapitel: HUNGER NACH DEM BROT GOTTES
II. Kapitel: EUCHARISTIE UND KIRCHLICHE GEMEINSCHAFT
DER GLAUBE DER KIRCHE AN DAS GEHEIMNIS DER EUCHARISTIE
I.Kapitel: DIE EUCHARISTIE EIN GESCHENK GOTTES AN SEIN VOLK
II.Kapitel: OSTERGEHEIMNIS UND EUCHARISTIE
EUCHARISTIE IM LEBEN DER KIRCHE I. Kapitel: DIE EUCHARISTIE DES HERRN FEIERN
II. Kapitel: DAS GEHEIMNIS DES HERRN ANBETEN
DIE EUCHARISTIE IN DER SENDUNG DER KIRCHE
I. Kapitel: EUCHARISTISCHE SPIRITUALITÄT
II. Kapitel: EUCHARISTIE UND EVANGELISIERUNGSAUFTRAG
Seit ihren Anfängen lebt die Kirche von der Eucharistie. In ihr findet sie den Sinn ihres Daseins, die unerschöpfliche Quelle ihrer Heiligkeit, die Kraft der Einheit und das Band der Gemeinschaft, den Impuls ihrer evangeliumgemäßen Lebendigkeit, das Prinzip ihrer Evangelisierungstätigkeit, den Quell der Nächstenliebe und den Schwung zur Förderung des Menschen sowie die Vorwegnahme ihrer Herrlichkeit im ewigen Hochzeitsmahl des Lammes (vgl. Offb 19,7-9). Der auferstandene Herr ist in seiner Kirche auf verschiedene Weise gegenwärtig, aber in ganz besonderer Weise im Sakrament der Eucharistie, wo durch die
Gnade des Heiligen Geistes und die Worte der Konsekration das Brot und der Wein
in den Leib und das Blut Jesu Christi verwandelt werden, zum Lob und Ruhm
Gottes, des Vaters. Dieses kostbare Geschenk und große Geheimnis fand im letzten Abendmahl und durch das ausdrückliche Gebot des Herrn Jesus:
»Tut dies zu meinem Gedächtnis« (Lk 22,19), seine Vollendung und wurde uns durch die Apostel und
ihre Nachfolger überliefert. Der Apostel Paulus schrieb in seinem Bericht vom Brot und Kelch des
neuen Bundes: »Denn ich habe vom Herrn empfangen, was ich euch dann überliefert habe« (1
Kor 11,23). Es handelt sich um die kirchliche Tradition, die
getreu von Generation zu Generation bis in unsere Tage weitergegeben wurde. Das eucharistische Glaubensgut ist, trotz verschiedener Streitfragen in Lehre und Disziplin, durch die Gnade der göttlichen Vorsehung in seiner ursprünglichen Reinheit und vor allem durch die Lehre der beiden ökumenischen Konzilien von Trient (1545-1563) und des II. Vatikanums (1962-1965) zu uns gelangt. Zum besseren Verständnis des eucharistischen Geheimnisses haben mehrere Päpste viel beigetragen, unter ihnen ist pflichtgemäß an die Päpste Paul VI. und Johannes Paul II. ehrwürdigen Andenkens zu erinnern, die sich beide auf der Ebene der universalen Kirche um die Anwendung der Beschlüsse des II. Vatikanischen Konzils bemüht haben. Während des Pontifikats Johannes Pauls II. wurde die katholische Kirche um bedeutsame Dokumente über das Sakrament der Eucharistie bereichert. Es genügt, an den Katechismus der Katholischen Kirche, die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia und das Apostolische Schreiben Mane nobiscum Domine zu erinnern. Im Hinblick auf die Anwendung des II. Vatikanischen Konzils und in treuer Kontinuität zu der zweitausendjährigen Tradition der Kirche hofft auch der jetzige Heilige Vater Benedikt XVI. sein Pontifikat zu verwirklichen, denn er hat schon in seiner ersten Ansprache, die durch das Kardinalskollegium an die ganze Kirche gerichtet war, angekündigt, daß die Eucharistie den immerwährenden Mittelpunkt und die Quelle des ihm anvertrauten Petrusdienstes bildet. Die genannten Dokumente enthalten eine dichte Reflexion über das Sakrament der Eucharistie mit wichtigen geistlichen und pastoralen Implikationen. Die pastorale Sensibilität, die bischöfliche Verantwortlichkeit und die prophetische Vision erfordern es, zu Beginn des dritten Jahrtausends des Christentums zu prüfen, wie dieses reiche Glaubensgut in der Wirklichkeit der in den fünf Kontinenten verbreiteten katholischen Kirche angewendet wird. Es überraschte also nicht, daß die Bischofskonferenzen der ganzen Welt und andere kirchliche Organismen,
als sie mit Zustimmung des Ordentlichen Rats vom Generalsekretariat der
Bischofssynode befragt wurden, den Vorschlag machten, Papst Johannes Paul II.
das Thema Eucharistie für die XI. ordentliche Generalversammlung der Bischofssynode zur Approbation zu
unterbreiten. In Anbetracht dieses wichtigen Themas hat Seine Heiligkeit sehr
gern den Vorschlag angenommen und als Thema »Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche« sowie den Zeitpunkt der Versammlung vom 2. bis 23. Oktober 2005
beschlossen. In der Themenwahl ist der ausdrückliche Hinweis auf die Lehre des II. Vatikanischen Konzils über die Eucharistie, vor allem der dogmatischen Konstitution Lumen gentium
(Nr. 11) nicht zu übersehen, die auch von Ecclesia de Eucharistia (Nr. 1 und 13)
aufgegriffen wird. Es handelt sich nicht um einen zufälligen, sondern um einen programmatischen Aufruf, den Enthusiasmus des II.
Vatikanischen Ökumenischen Konzils wieder aufleben zu lassen und die Anwendung der Lehre über das Sakrament der Eucharistie im Licht des nachfolgenden Lehramtes der
Kirche zu überprüfen. Mit Hilfe der Mitglieder des Ordentlichen Rates hat das Generalsekretariat der Bischofssynode die Vorbereitung der XI. ordentlichen Generalversammlung durch die Erstellung der Lineamenta begonnen. Dieses Dokument wurde zu Beginn des Jahres 2004 mit der Absicht veröffentlicht, ein weitreichendes kirchliches Nachdenken über das Geheimnis der Eucharistie anzuregen, das in den Diözesen und Gemeinschaften der katholischen Kirche gefeiert und angebetet und der ganzen Welt verkündet wird. Das Dokument wurde deshalb den Bischofskonferenzen, den katholischen orientalischen Kirchen sui iuris, den Dikasterien der Römischen Kurie und der Vereinigung der Generaloberen zugestellt mit der ausdrücklichen Bitte, nach Reflexion und Gebet einen Fragebogen über verschiedene pastorale Themen im Bezug auf die Eucharistie zu beantworten. Das Dokument wurde über die Medien in der Kirche und in aller Welt verbreitet. Von den Hirten angeleitet, hat das Volk Gottes diese Befragung gut beantwortet, indem es für die Vorbereitung der Synodenversammlung wertvolle Beiträge geliefert hat. In vielen Ländern wurden Gesprächsrunden auf diözesaner und pfarrlicher Ebene und in weiteren kirchlichen Gemeinschaften geführt. Es handelte sich also um eine Befragung über den Glauben und die eucharistische Praxis in der universalen Kirche. Die Reaktionen sind beim Generalsekretariat seitens der vorgenannten Organismen mit deutlicher kollegialer Dimension in Form von »Antworten« und seitens derer, die spontan ihren Beitrag zum synodalen Vorgang leisten wollten, in Form von »Bemerkungen« eingegangen. Die Resultate sind im vorliegenden Instrumentum laboris zusammengefaßt, das eine getreue Synthese der eingegangenen Beiträge darstellt. Bei der Wiedergabe des Inhalts der Antworten wollte man keine systematische und vollständige theologische Zusammenfassung über das Sakrament der Eucharistie vorlegen, die im übrigen schon in der Kirche existiert, sondern vielmehr einige Lehrwahrheiten in Erinnerung rufen, die auf die Feier des höchsten Geheimnisses unseres Glaubens starken Einfluß haben, weil sie den tiefen pastoralen Reichtum hervorheben. Das Dokument konzentriert sich deshalb hauptsächlich auf die positiven Aspekte der Eucharistiefeier, die die Gläubigen zusammenruft und sie zu einer Gemeinschaft macht trotz der Unterschiede von Rasse, Sprache, Nation und Kultur. In dem Dokument werden auch manche Versäumnisse und Nachlässigkeiten in der Eucharistiefeier erwähnt, die - Gott sei Dank! - nur nebensächlich sind. Sie erlauben aber, die Achtung und Verehrung stärker bewußt zu machen, mit denen sich der Klerus und alle Gläubigen anschicken sollten, die Eucharistie, das heilige Geheimnis, zu feiern. Am Ende fehlt es nicht an einem konstruktiven Teil, der sich aus den vielen Antworten ergibt als Frucht vertieften pastoralen Nachdenkens der Teilkirchen und der anderen befragten Organismen. Natürlich erweist sich die Feier des Sakraments der Eucharistie in den einzelnen Ländern und Kontinenten als sehr vielfältig, was besonders deutlich wird, wenn man die verschiedenen spirituellen Traditionen oder Riten der katholischen Kirche berücksichtigt. Die Unterschiedlichkeit schwächt keineswegs ihre Einheit, sondern offenbart den Reichtum der Kirche in der katholischen Gemeinschaft, für die der Austausch der Gaben und Erfahrungen bezeichnend ist. Die Katholiken lateinischer Tradition spüren diesen Reichtum in der tiefen Spiritualität der katholischen orientalischen Kirchen, wie aus den Lineamenta und aus dem Instrumentum laboris hervorgeht. Die Christen der orientalischen Traditionen entdecken ihrerseits das bemerkenswerte theologische und spirituelle Erbe der lateinischen Tradition. Diese Haltung hat auch eine ökumenische Zielsetzung. Denn wenn die katholische Kirche mit zwei Lungen atmet - dafür dankt sie der göttlichen Vorsehung -, dann wartet sie auch auf den seligen Tag, an dem dieser geistliche Reichtum durch die volle und sichtbare Einheit mit den orientalischen Kirchen, die trotz der mangelnden vollen Gemeinschaft sich zum Großteil zu demselben Glauben an das eucharistische Geheimnis Jesu Christi bekennen, erweitert und belebt werden kann. Das Instrumentum laboris ist für die Synodenväter als Arbeitspapier und zum weiteren Nachdenken über die Eucharistie bestimmt, die als Herz der Kirche diese zu einem neuen missionarischen Eifer in der Gemeinschaft anspornt. Die Reflexion wird zweifellos fruchtbar sein, weil der Geist der Kollegialität, der den synodalen Versammlungen eigen ist, die Zustimmung zu den für den Heiligen Vater bestimmten Vorschlägen fördern wird. Außerdem werden aus der Liturgiereform, den exegetischen Forschungen und der theologischen Vertiefung, die die Zeit nach dem II. Vatikanischen Konzil gekennzeichnet haben, reiche Früchte hervorgehen. In den im Instrumentum laboris zusammengefaßten Antworten spürt man die Hoffnung des Volkes Gottes, daß die Arbeiten der Synodenväter, die um den Bischof von Rom, das Haupt des Bischofskollegiums und Präsidenten der Synode, zusammen mit anderen Vertretern der Gemeinschaft der Kirche versammelt sind, dazu beitragen, die Schönheit der Eucharistie, des Opfers, Gedächtnisses und Gastmahls Jesu Christi, des Erlösers und Retters der Welt, wiederzuentdecken. Die Gläubigen erwarten entsprechende Weisungen, damit das Sakrament der Eucharistie, das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist (vgl. Joh 6,58) und von Gott, dem Vater, in seinem eingeborenen Sohn angeboten wird, mit mehr Würde gefeiert wird; damit der Herr unter den Gestalten von Brot und Wein mit mehr Verehrung angebetet wird, und damit die Bande der Einheit und Gemeinschaft unter denen, die sich vom Leib und Blut des Herrn nähren, verstärkt werden. Diese Erwartung überrascht nicht, denn die von der Gnade des Heiligen Geistes erleuchteten Christen, die am Herrnmahl teilhaben, sind lebendiger Teil der Kirche, des mystischen Leibes Jesu Christi, sowie seine Zeugen im Umfeld ihres Lebens und ihrer Arbeit; sie achten auf die geistlichen und materiellen Bedürfnisse des Menschen von heute, und sie beteiligen sich aktiv am Aufbau einer Welt mit mehr Gerechtigkeit, wo keinem »unser tägliches Brot« fehlt. Die Synodenväter werden ihre synodalen Aufgaben erfüllen, indem sie dem Vorbild der seligen Jungfrau Maria, der eucharistischen Frau, folgen in der Bereitschaft, den Willen Gottes, des Vaters, in Offenheit für die Eingebungen des Heiligen Geistes zu erfüllen. Sie werden in dieser wichtigen Arbeit gestützt durch die Bande der Gemeinschaft mit dem Klerus und den Gläubigen, die in diesem Jahr der Eucharistie mit neuem Eifer beten und die Fruchtbarkeit des eucharistischen Geheimnisses unaufhörlich feiern, anbeten und durch ein christliches Leben und die brüderliche Liebe bezeugen. Dies tun sie, indem sie mit neuer apostolischer Kraft den Nahen und den Fernen die Schönheit des großen Geheimnisses des Glaubens, das im Sakrament der Eucharistie enthalten ist, verkünden, das Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche für das dritte Jahrtausend des Christentums ist.
Nikola Eterović
Synodenversammlung im Jahr der Eucharistie
1. Der nächsten XI. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode, die vom 2. bis 23. Oktober 2005 über das Thema Die Eucharistie: Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche stattfindet, geht eine Zeit der Vorbereitung voraus, die die ganze weltumspannende katholische Kirche einbezieht. Dies geschieht dank des Lehramtes Johannes Pauls II., der die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia und das Apostolische Schreiben Mane nobiscum Domine veröffentlich hat, sowie der Einladung seitens der Bischöfe und Theologen während des 48. Internationalen Eucharistischen Kongresses in Guadalajara, Mexiko.[1] Hinweisend auf das Synodenthema sind auch die Instruktion Redemptionis sacramentum und der Beitrag der Kongregation für den Gottesdienst und die Disziplin der Sakramente: Jahr der Eucharistie. Anregungen und Vorschläge, der anläßlich der Eröffnung des Jahres der Eucharistie verbreitet wurde, das am 17. Oktober 2004 begonnen hat und mit der Bischofssynode enden wird. Zur Ausrichtung der eigentlichen Vorbereitung wurden die Lineamenta erstellt Sie sollten aber keinen vollständigen Traktat über die Eucharistie und ebensowenig über die in den obengenannten Dokumenten enthaltenen Weisungen in der Lehre darlegen, sondern die Probleme aufzeigen, die im Bezug auf die Kernpunkte der eucharistischen Lehre der Kirche hinsichtlich der Heiligen Schrift und der Tradition entstanden sind. Antworten auf die Lineamenta und auf den entsprechenden Fragebogen wurden von den Bischofskonferenzen, von den orientalischen katholischen Kirchen sui iuris, von der Römischen Kurie und von der Vereinigung der Generaloberen sowie in Form von Bemerkungen seitens der Bischöfe, Priester, Ordensleute, Theologen und gläubigen Laien eingesandt; alle Antworten wurden dann im Instrumentum laboris gesammelt. Dieses Arbeitspapier der kommenden Versammlung dient dazu, über die Wirklichkeit des Glaubens, des Kultes und des eucharistischen Lebens der Teilkirchen in der Welt zu informieren und sie mit der Wirklichkeit der universalen Kirche zu vergleichen. Das Instrumentum laboris und seine Verwendung
2. Um das Nachdenken und die vorbereitende Diskussion sowie die Wortmeldungen und die Debatte in der Synodenaula zu unterstützen, stellt das Instrumentum laboris die Fakten in der Lehre und Pastoral dar. Denn in diesen beiden Bereichen sind die Bischöfe ständig mit der Ausübung ihres dreifachen bischöflichen Dienstes beschäftigt, d.h., daß sie das Volk Gottes lehren, heiligen und leiten. In der Tat muß die Kirche in der Welt sich in der Praxis ständig mit der ewigen Lehre auseinandersetzen, die von der Heiligen Schrift und der Tradition genährt wird. Indem die Methode auf das Thema der Synode angewandt wird, ist es notwendig, zu prüfen, ob das Gesetz des Gebets dem Gesetz des Glaubens entspricht, das heißt, zu fragen, was das Volk Gottes glaubt und wie es lebt, damit die Eucharistie immer mehr Quelle und Höhepunkt des Lebens und der Sendung der Kirche und jedes einzelnen Gläubigen mit Hilfe der Liturgie, der Spiritualität und der Katechese in den kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Umfeldern sein kann. Aus den Antworten auf die Lineamenta ergibt sich das Bedürfnis, die Eucharistie im Hinblick auf ihre doppelte Eigenschaft als fons et
culmen in der Kirche zu verstehen. Das sakramentale Opfer ist Quelle,
weil es kraft der Worte des Hern und des Werkes des Heiligen Geistes die
Wirksamkeit des Leidens Jesu Christi und die Macht seiner Auferstehung enthält. Die Eucharistie ist Höhepunkt des Lebens der Kirche, weil sie zur Gemeinschaft mit dem Herrn, zur
Heiligung und zur Vergöttlichung des Menschen führt, der Mitglied einer um den Tisch des Herrn versammelten Gemeinschaft ist.
Aus dieser Wahrheit, fons et culmen, erwächst die Verpflichtung, die zeitlichen Wirklichkeiten umzuwandeln. Das ist das
allgemeine Thema der Synode. Man kann sagen, daß in der Eucharistie der Sinn des Opfertodes Jesu enthalten ist: Gott
schenkt sich vollständig und unentgeltlich, und der Mensch überläßt sich vollständig dem Vater, der ihn liebt. Es handelt sich um einen zweifachen Ausdruck der
Liebe, der in gewisser Weise der Eucharistie als Opfer und als Mahl entspricht. Die Tatsache, daß die Lineamenta die Eucharistie nicht nur mit Blick auf die Liturgie lateinischer Tradition, sondern auch mit Blick auf die Liturgien der orientalischen Traditionen dargelegt haben, wird von den Antworten allgemein gelobt: Der Austausch gilt als bereichernd und wohltuend, auch um die Lichtpunkte hervorzuheben und die Schatten zu vertreiben, die an nicht wenigen Orten festzustellen sind. Der Text des Instrumentum laboris soll dem gleichen Zweck dienen, indem es die ganze Tradition der Kirche umfaßt, nicht nur aus der Sicht des lateinischen Ritus, obwohl nicht zu vergessen ist, daß einige Phänomene diesem eigen sind. Jetzt wird das vorliegende Instrumentum laboris den Hirten der
Teilkirchen zur Reflexion vorgelegt, damit sie sich mit dem Volk Gottes auf die
Synode vorbereiten, in der die Väter dem Bischof von Rom Vorschläge machen werden, die der eucharistischen Erneuerung des kirchlichen Lebens
dienen sollen. EUCHARISTIE UND HEUTIGE WELT
I. Kapitel
Hunger nach dem Brot Gottes
»Das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und
Brot für den Menschen in der Welt
3. Auf die Frage, welches Zeichen er tue, damit man ihm glauben könne, hat Jesus der Menschenmenge sich selbst als das wahre Brot angeboten, das den Menschen sättigt (vgl. Joh 6,35), das Brot, das vom Himmel herabkommt, um der Welt das Leben zu geben. Auch heute hungert die Welt nach diesem Brot und will das Leben haben. Im Gespräch mit Jesus, der sich selbst als das Brot für das Leben der Welt vorstellte, bat die Menge ihn spontan: »Herr, gib uns immer dieses Brot.« Es handelt sich um eine bedeutsame Bitte, um den Ausdruck der tiefen Sehnsucht, die nicht nur dem Herzen des Gläubigen, sondern dem eines jeden Menschen innewohnt, der die Glückseligkeit ersehnt, die durch das Brot des ewigen Lebens versinnbildlicht wird. Auch im Jahr des Herrn 2005 sehnt sich die Welt trotz Schwierigkeiten und Widersprüchen aller Art nach dem Glück und verlangt nach dem Brot des Lebens der Seele und des Leibes. Um auf diese Sehnsucht zu antworten, hatte der Papst die ganze Kirche dazu aufgerufen, das Jahr der Eucharistie auch zum Anlaß eines ernsthaften und tiefgehenden Bemühens zu nehmen und das Drama des Hungers, die Geißel der Krankheiten, die Vereinsamung der alten Menschen, die Entbehrungen der Arbeitslosen und die Widrigkeiten der Migranten zu bekämpfen. Die Früchte dieses Bemühens werden den Beweis für die Wahrhaftigkeit der Eucharistiefeiern sein.[2] Aber nicht nur der Mensch, auch die ganze Schöpfung erwartet einen neuen Himmel und eine neue Erde (vgl. 2 Petr 3,13) und daß in Christus alles vereint wird, alles, was im Himmel und auf Erden ist (vgl. Eph 1,10). Weil sie der Höhepunkt ist, dem die ganze Schöpfung zustrebt, ist die Eucharistie auch die Antwort auf die Sorge der jetzigen Welt um das ökologische Gleichgewicht. Denn das Brot und der Wein, die Materie, die Jesus Christus für jede heilige Messe gewählt hat, verbinden die Eucharistiefeier mit der Wirklichkeit der geschaffenen Welt, die der Herrschaft des Menschen anvertraut ist (vgl. Gen 1,28) unter Achtung der Gesetze, die der Schöpfer in die Werke seiner Hände gelegt hat. Das Brot, das Leib Christi wird, soll von einer fruchtbaren, reinen und nicht verschmutzten Erde herkommen. Der Wein, der sich in das Blut des Herrn Jesus verwandelt, soll Zeichen einer Arbeit sein, die das Geschaffene verwandelt entsprechend den Bedürfnissen der Menschen, die sich sorgen und die notwendigen Ressourcen auch für die kommenden Generationen bewahren wollen. Das mit Wein vermischte Wasser versinnbildlicht die Vereinigung der menschlichen Natur mit der göttlichen Natur im Herrn Jesus und soll seine heilsamen Eigenschaften für die Menschen bewahren, die nach Gott dürsten, nach »der sprudelnden Quelle, deren Wasser ewiges Leben schenkt« (Joh 4,14).
Wichtige statistische Daten
4. Das Thema der Synode erfordert es auch, daß die wichtigsten Daten der Welt, in der die Kirche lebt und wirkt, berücksichtigt werden. Da es nicht möglich ist, ein vollständiges und erschöpfendes Bild zu liefern, werden nur die wichtigsten Angaben und entsprechende Überlegungen gemacht. Manche Daten verdeutlichen das statistische Verhältnis zwischen der Bevölkerung im allgemeinen und den Gläubigen, die den katholischen Glauben bekennen. In diesem Sinn ist festzustellen, daß die Anzahl der Katholiken im Jahr 2003 1.086.000.000 betrug, das sind 15.000.000 Personen mehr als im Vorjahr; auf die Kontinente verteilt: Afrika +4,5%; Amerika +1,2%; Asien +2,2%; Ozeanien +1,3%. In Europa ist die Lage gleich geblieben. Wenn man die Anzahl der Katholiken in der ganzen Welt auf die einzelnen geographischen Bereiche verteilt, ergibt sich, daß in Amerika 49,8% der Katholiken leben, während in Europa 25,8%, in Afrika 13,2%, in Asien 10,4% und in Ozeanien 0,8% Katholiken leben.[3] Der Bevölkerungsanteil der Katholiken beträgt in den einzelnen Kontinenten: 62,46% in Amerika, 39,59% in Europa, 26,39% in Ozeanien, 16,89% in Afrika und 2,93% in Asien.[4] Hinsichtlich der geographischen Verteilung der Kirche ist anzumerken, daß im Jahr 2003 die Kirchenbezirke 2.893 betrugen, 10 mehr als im Jahr 2002, mit einer Zunahme in allen Kontinenten.[5] Die Anzahl der Bischöfe in der Welt ist um 27,68% gestiegen, das heißt von 3.714 im Jahr 1978 auf 4.742 im Jahr 2003; die Gesamtzahl der Priester ist im Jahr 2003 (405.450: 268.041 Diözesan- und 137.409 Ordenspriester) im Vergleich zu 1978 (420.971: 262.485 Diözesan- und 158.486 Ordenspriester) um 3,69% zurückgegangen, das bedeutet eine Verringerung um 13,30% der Ordenspriester und eine Zunahme von 2,12% der Diözesanpriester. Außerdem ist eine Verringerung von 27,94% der Anzahl der Profeßordensmänner, die nicht Priester sind, zu verzeichnen (von 75.802 im Jahr 1978 auf 54.620 im Jahr 2003). In der Anzahl der Profeßordensfrauen ist ebenfalls ein Rückgang um 21,65% festzustellen (von 990. 768 im Jahr 1978 auf 776.269 im Jahr 2003).[6] Da die Feier des Sakraments der Eucharistie wesentlich an das Weihesakrament gebunden ist, muß man für die Zeit von 1978 bis 2003 auch die steigende Zahl der Katholiken berücksichtigen, die auf einen Priester entfällt. Denn zu Beginn entfielen 1.797 Katholiken und am Ende des genannten Zeitraums 2.677 Katholiken auf einen Priester. Das Verhältnis unterscheidet sich nicht wesentlich von Kontinent zu Kontinent. Im Vergleich zu ca. 1.386 Katholiken pro Priester in Europa sind es in Afrika ca. 4.723, in Amerika 4.453, in Asien 2.407 und in Ozeanien 1.746.[7] Hervorzuheben ist außerdem, daß die ständigen Diakone im gleichen Zeitraum die Gruppe mit der größten Wachstumsrate bilden. Sie haben sich in allen Kontinenten mehr als verfünffacht mit einer Zunahme um 466,7%. Interessant mag der Hinweis sein, daß diese kirchliche Rolle besonders in Nordamerika sehr verbreitet ist mit 65,7 % aller Diakone der Welt, während auf Europa ebenfalls 32% entfallen. Wichtig ist auch die Rolle, die die Laienmissionare (172.331) und die Katechisten (2.847.673) weltweit in der Evangelisierung spielen.[8]
5. Die Synode findet in einer Zeit statt, die von starken Widersprüchen der Völkerfamilie gekennzeichnet ist. Die Globalisierung erlaubt die Wahrnehmung der Einheit der Menschheit, auch dank der Massenmedien, die über die Wirklichkeit in jedem Winkel der Erde berichten. Es handelt sich um einen wichtigen Aspekt des technischen Fortschritts, der sich in den vergangenen Jahrzehnten in außergewöhnlicher Weise entwickelt hat. Leider haben die Globalisierung und der technische Fortschritt weder den Frieden noch eine größere Gerechtigkeit zwischen den reichen und den armen Nationen der 3. und der 4. Welt gefördert. Alles weist darauf hin, daß in vielen Teilen der Welt Gewaltakte, Terrorismus und Kriege stattfinden, während die Synodenväter sich versammeln. Zur gleichen Zeit werden viele Brüder und Schwestern Opfer von Krankheiten, z.B. von Aids, die in breiten Bevölkerungsschichten vor allem in den armen Ländern Trostlosigkeit hervorrufen. Der Skandal des Hungers, ein Phänomen, das sich in den letzten Jahren erschwert hat, bleibt leider weiterhin bestehen, denn über eine Milliarde Menschen lebt im Elend. Hier dürfen Phänomene wie der Hunger, die die soziale Wirklichkeit betreffen, nicht außer Acht gelassen werden, wenn man an das Verhältnis Kirche und Welt hinsichtlich der Evangelisierung denkt. Denn die Kirche hat schon immer die Verkündigung des Evangeliums und die Weitergabe des Heils durch die Sakramente mit den Werken der Förderung des Menschen begleitet, und zwar in vielen sozialen Lebensbereichen, wie im Gesundheitswesen, in der humanitären Hilfe und in der Erziehung und Bildung. Nicht zu vergessen ist deshalb u.a., daß es im Zeitraum von 1999 bis 2001 842 Millionen unterernährte Menschen in der ganzen Welt gegeben hat, davon 798 Millionen in den Entwicklungsländern, vor allem in der Subsahara von Afrika, in Asien und im pazifischen Raum.[9] Diese dramatische Wirklichkeit darf in der Reflexion der Synodenväter nicht fehlen, die wie jeder Christ mehrmals am Tag den Herrn bitten: »Gib uns heute unser tägliches Brot.« Die Eucharistie in verschiedenen Kontexten der Kirche
6. Aus den Antworten auf die Lineamenta geht hervor, daß der Besuch der Sonntagsmesse in vielen Teilkirchen der afrikanischen und mancher asiatischer Nationen ziemlich hoch ist. In den europäischen und amerikanischen Ländern und zum Teil in Ozeanien ist das Gegenteil zu verzeichnen, wobei der negative Stand von 5% erreicht wird. Die Gläubigen, die das Sonntagsgebot meist vernachlässigen, halten die Teilnahme an der Messe nicht für besonders wichtig. Im Grund wissen sie nicht, was das eucharistische Opfer und Mahl ist, das die Gläubigen um den Altar des Herrn vereint. Die Messe am Vorabend zum Sonntag erlaubt vielen Gläubigen, das Gebot zu halten, auch wenn es in manchen Fällen dazu benutzt wird, am Sonntag zu arbeiten. Vielerorts wird die Messe an Wochentagen von wenigen Personen besucht. Einige nehmen aus Gewohnheit an ihr teil, andere zufällig und andere wiederum auf Grund ihres Einsatzes im kirchlichen Leben. Zu ermutigen wäre eine kontinuierliche und verstärkte katechetische Tätigkeit im Bezug auf die Bedeutung und die Pflicht, sonn- und feiertags an der Messe teilzunehmen. Manchmal wird die Bedeutung des Gebotes heruntergespielt mit der Behauptung, es genüge, das Gebot zu beobachten, wenn einem danach zu Mute ist.
7. Unter den Teilkirchen sind einige häufig auftretende Phänomene zu verzeichnen. Besonders unter den Jugendlichen ist ein Niedergang der Glaubenspraxis, der Teilnahme an der Messe, festzustellen. Da ist zu überlegen, wieviel Zeit die Hirten und Katechisten der Glaubensbildung von Jugendlichen und Kindern widmen, und wieviel Zeit sie für andere z.B. soziale Tätigkeiten verwenden. Man spürt in den säkularisierten Gesellschaften eine Schwächung des Sinnes für das Geheimnis, die auch manchen Auslegungen und Akten zuzuschreiben ist, die vom Sinn der Liturgiereform des Konzils abweichen und zu banalen Riten führen, denen der spirituelle Sinn fehlt. Christliche Gemeinschaften in anderen Ländern haben einen ausgeprägten Sinn für das Geheimnis bewahrt, so daß die Liturgie bei ihnen eine große Bedeutung hat. Man zeigt sich befriedigt über eine inkulturierte Liturgie, die erlaubt, die aktive Beteiligung an der Liturgie zu verbessern. Infolgedessen hat die Teilnahme an der Messe zugenommen. Viele Jugendliche und Erwachsene nehmen am Leben und an der Sendung der Kirche teil. Wenn auf Grund des Priestermangels in den ländlichen Gebieten nur monatlich oder sogar jährlich die Messe gefeiert werden kann, dann wird der Sonntagsgottesdienst unausweichlich den Laien anvertraut.
8. Es ist klarzustellen, daß der Zugang zum Geheimnis von einer würdigen Feier der Liturgie, einer genauen Vorbereitung, aber vor allem vom Glauben an das Geheimnis abhängt. Sehr hilfreich ist in dieser Beziehung die Enzyklika Redemptoris missio, die die beiden Aspekte des mangelnden Glaubens hervorhebt, die den missionarischen Schwung negativ beeinflussen: die Säkularisierung des Heils und der religiöse Relativismus. Erstere führt dazu, sich für den Menschen einzusetzen, aber für einen Menschen, der allein auf die horizontale Dimension reduziert ist.[10] Manche scheinen die Berufung zum Verwalter der Geheimnisse Gottes an die des Organisators der sozialen Gerechtigkeit zu binden. Der zweite Aspekt führt zur Abschaffung der Wahrheit des Christentums in der Meinung, daß eine Religion gleich viel gilt wie die andere.[11] Ohne dem Vergangenen nachzutrauern, hatte Johannes Paul II. in dem Apostolischen Schreiben Novo Millennio ineunte dazu aufgerufen, die Missionstätigkeit der Kirche zu verstärken.[12] Unter Berücksichtigung dieses Kontextes kann man das Thema korrekt entfalten, ohne zu vergessen, daß für die Apostel und die Väter - man denke nur an Justinus[13] - die Eucharistie die heiligste Handlung der Kirche ist, die fest glaubt, daß in ihr der auferstandene Herr Jesus gegenwärtig ist. Diese Gegenwart ist das fundamentale Ergebnis des Sakraments. Gerade dieses Ereignis, das aus der Verwandlung der Gestalten von Brot und Wein erwächst, bewirkt, daß sich die Kirche immer mit Furcht und Zittern und zugleich mit Vertrauen dem Mysterium naht, das das Wesen der Liturgie ausmacht. Heute ist es nötig, die Achtung vor dem Geheimnis der Eucharistie und das Bewußtsein seiner Unantastbarkeit zu bekräftigen. Dazu ist es notwendig, ein gegliedertes Bildungsprogramm zu beachten. Viel wird von der Existenz vorbildlicher Orte abhängen, wo die Eucharistie wahrhaftig geglaubt wird, wo sie korrekt gefeiert wird, und wo man persönlich erleben kann, was sie ist: die einzige wahre Antwort auf die Suche nach dem Sinn des Lebens, die den Menschen auf allen Breitengraden auszeichnet.
Eucharistie und christlicher Sinn des Lebens
9. Der Mensch fragt nach dem Sinn des Lebens: Was wird aus meinem Leben? Was ist Freiheit? Warum gibt es Leiden und Tod? Gibt es etwas nach dem Tod? Mit einem Wort: Hat das Leben des Menschen einen Sinn oder nicht?[14] Die Frage bleibt, auch wenn der Mensch sich einbildet, unabhängig zu sein, oder wenn er voll Angst und Unsicherheit ist. Die Religion ist die endgültige Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, weil sie den Menschen zur Wahrheit über sich selbst in der Beziehung zum wahren Gott führt. Die Eucharistie, die »den christlichen Sinn des Lebens offenbart«,[15] beantwortet diese Frage, indem sie die Auferstehung und die wirkliche, volle und andauernde Gegenwart des Herrn als Unterpfand der zukünftigen Herrlichkeit verkündet. Das schließt ein, daß der Mensch seine Beziehung zu Gott allem zugrunde legt, weil sie Quelle der Freiheit ist, die ihn befähigt, in sein Innerstes einzutreten, um sich unentgeltlich zu schenken. Das geschieht im Ostergeheimnis, in dem die Wahrheit und die Liebe zusammentreffen und zeigen, daß sie die Merkmale der wahren Religion sind. So offenbart die Eucharistie die Wahrheit des Wortes Gottes: nihil hoc verbo veritatis verius, (er ist selbst die Wahrheit, die nicht trügen kann), heißt es in dem Hymnus Adoro Te, devote. Der Sinn der Eucharistie erklärt sich ganz aus den Worten Jesu: »Tut dies zu meinem Gedächtnis« (Lk 22,19). Sie verkünden an erster Stelle, daß Jesus Christus die Ewigkeit in die Zeit eingebracht hat, indem er ihr die endgültige Ausrichtung gegeben und ihre vernichtende Macht beseitigt hat. An zweiter Stelle wird durch diese Worte hervorgehoben, daß die Freiheit Gottes und die des Menschen in Jesus zusammentreffen und die Gemeinschaft schaffen, die erlaubt, den Bösen zu besiegen. Schließlich bedeuten diese Worte, daß Jesus Christus die unversiegbare Quelle der Erneuerung des Menschen und der Welt ist, trotz der Grenzen und der Sünde der Menschen.
10. Die Antworten auf die Lineamenta beklagen eine gewisse Entfremdung des pastoralen Lebens von der Eucharistie, deshalb erwartet man sich von der Synode die Ermutigung, die Verbindung zwischen Leben und Sendung zu verstärken. Die Eucharistie ist die Antwort auf die »Zeichen der Zeit« der zeitgenössischen Kultur. Auf die Kultur des Todes antwortet die Eucharistie mit der Kultur des Lebens. Im Gegensatz zum individuellen und sozialen Egoismus bekräftigt die Eucharistie die Ganzhingabe. Dem Haß und dem Terrorismus setzt die Eucharistie die Liebe entgegen. Angesichts des wissenschaftlichen Positivismus verkündet die Eucharistie das Mysterium. Indem sie sich der Verzweiflung widersetzt, lehrt die Eucharistie die sichere Hoffnung auf die ewige Seligkeit. Die Eucharistie will darauf hinweisen, daß die Kirche und die Zukunft der Menschheit an Christus gebunden ist, den einzigen wirklich dauerhaften Fels, und an keine andere Wirklichkeit. Deshalb ist der Sieg Christi das christliche Volk, welches das eucharistische Geheimnis glaubt, feiert und lebt.
Eucharistie und kirchliche Gemeinschaft
»E i n Brot ist es. Darum sind wir viele e i n Leib; Das eucharistische Geheimnis ist Ausdruck der kirchlichen Einheit 11. Wenn er die Gläubigen ermahnt, den Götzendienst zu meiden und das Fleisch, das den Götzen geopfert wird, nicht zu essen, hebt der Apostel Paulus das enge Band der
Gemeinschaft der Christen mit dem Blut Christi und dessen Leib hervor, das
imstande ist, aus den vielen Gläubigen eine einzige Gemeinschaft, die eine Kirche, zu machen (vgl.
1 Kor
8,1-10). Das Thema der kirchlichen Gemeinschaft hat seitens des II. Vatikanischen Ökumenischen Konzils besondere Aufmerksamkeit verdient.[16] Dafür spricht, daß das Thema im Schlußbericht der II. außerordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode besonders herausgestellt wurde, die anläßlich des 25. Jubiläumsjahres des vorgenannten Konzils gefeiert wurde,[17] ebenso in einem Dokument der Kongregation für die Glaubenslehre an die Bischöfe der katholischen Kirche.[18] Außerdem wurde das Thema im VI. Kapitel des nachsynodalen Apostolischen Schreibens Pastores gregis eingehend behandelt, das Papst Johannes Paul II. nach der X. ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode veröffentlicht hat. In diesem päpstlichen Dokument, das die synodalen Überlegungen über das Thema zusammenfaßt, wird hervorgehoben, daß die Gemeinschaft der Bischöfe mit dem Nachfolger Petri, dem Zeichen der Einheit zwischen der universalen Kirche und den Teilkirchen, in der Eucharistiefeier der Bischöfe mit dem Papst während der ad-limina-Besuche den Höhepunkt findet. Die Eucharistie, der der Papst vorsteht und die von den Hirten der Teilkirchen konzelebriert wird, drückt in hervorragender Weise die Einheit der Kirche aus. Diese Konzelebration erlaubt es, noch klarer zu erfassen, daß »jede Eucharistie ... in Gemeinschaft mit dem eigenen Bischof, mit dem Papst und mit dem Bischofskollegium gefeiert wird, und durch diese mit den Gläubigen der Teilkirche und der ganzen Kirche. Auf diese Weise ist die Universalkirche in der Teilkirche gegenwärtig, und diese ist mit den anderen Teilkirchen in die Gemeinschaft der Gesamtkirche eingeordnet«.[19] Im Bezug auf die Thematik der Eucharistie als Ausdruck der kirchlichen Gemeinschaft gehen aus den Antworten auf die Linementa folgende Themen hervor, die eine besondere Behandlung verdienen: Beziehung zwischen Eucharistie und Kirche; Beziehung zwischen Eucharistie und den anderen Sakramenten, insbesondere der Buße; Beziehung zwischen Eucharistie und den Gläubigen; Schatten über der Eucharistiefeier.
Die Beziehung zwischen Eucharistie und Kirche, »Braut und Leib Christi« 12. Die Eucharistie ist das Herz der kirchlichen Gemeinschaft. Das Konzil
hat unter den vielen Bildern der Kirche eines vorgezogen, das ihre ganze
Wirklichkeit ausdrückt: Mysterium. Vor allen anderen ist die Kirche das Geheimnis der Begegnung
zwischen Gott und der Menschheit; deshalb ist sie Braut und Leib
Christi, Volk Gottes und Mutter. Die gegenseitige Beziehung zwischen
Eucharistie und Kirche erlaubt es, auf beide die Merkmale aus dem Credo
anzuwenden: eine, heilige, katholische und apostolische, die die Enzyklika
Ecclesia de Eucharistia näher beschrieben hat.[20] Die Eucharistie baut die Kirche, und die Kirche ist der Ort, wo sich die Gemeinschaft mit und unter den Menschen verwirklicht. Die Kirche ist sich dessen bewußt, daß die Eucharistie das Sakrament der Einheit und der Heiligkeit, der Apostolizität und der Katholizität ist, das für die Kirche, die Braut Christi und ihren Leib, wesentlich ist. Die Eigenschaften der Kirche sind zugleich die Bande der katholischen Gemeinschaft, welche die rechtmäßige Feier der Eucharistie erlauben. Papst Johannes Paul II. erinnerte daran, daß »die Kirche der Leib Christi« ist. »Man ist in dem Maß -mit Christus- auf dem Weg, in dem man in Beziehung - zu seinem Leib - steht«.[21] Das ist der eigentliche Sinn der Beachtung der Normen und der würdigen Feier: Es ist der Gehorsam seitens der Kirche, seiner Braut, zu Christus.
13. Die Kirche vollzieht die Eucharistie, und die Eucharistie baut die
Kirche auf. Obwohl beide von Christus im Bezug zueinander eingesetzt wurden,
sind diese Bezeichnungen des bekannten Aphorismus nicht gleichwertig. Wenn die
Eucharistie die Kirche wachsen läßt, weil im Sakrament der lebendige Jesus Christus ist, dann hat er die Kirche
noch früher gewollt, damit sie Eucharistie feiert. Die Christen des Ostens
unterstreichen besonders, daß die Kirche seit der Schöpfung vor ihrer irdischen Verwirklichung besteht. Die Zugehörigkeit zur Kirche ist vorrangig, um die Sakramente empfangen zu können. Man kann die Eucharistie nicht empfangen, wenn man nicht zuvor die Taufe
empfangen hat, oder man darf die Eucharistie nicht erneut empfangen, ohne das Bußsakrament empfangen zu haben, welches die
»mühsame Taufe« für die schweren Sünden ist. Seit ihren Anfängen hat die Kirche, um diese propädeutische Dringlichkeit auszudrücken, jeweils das Katechumenat für die Initiation und den Bußweg für die Versöhnung eingesetzt. Außerdem gibt es ohne das Weihesakrament keine gültige und rechtmäßige Eucharistie. Aus diesen Gründen spricht die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia vom »ursächlichen Einfluß der Eucharistie auf den Ursprung der Kirche selbst«,[22] und von der engen Verbindung zwischen der einen und der andern.[23] Dies vorausgesetzt, versteht man folgende Aussage: »Die Feier der Eucharistie kann aber nicht der Ausgangspunkt der Gemeinschaft sein, sie setzt die Gemeinschaft vielmehr voraus und möchte sie stärken und zur Vollendung führen. Das Sakrament drückt dieses Band der Gemeinschaft aus, und zwar sowohl auf der unsichtbaren Ebene, ... als auch auf der sichtbaren Ebene... Die enge Beziehung, die zwischen den unsichtbaren und den sichtbaren Elementen der kirchlichen Gemeinschaft besteht, ist ein konstitutives Merkmal der Kirche als Sakrament des Heiles. Nur in diesem Zusammenhang ist die Feier der Eucharistie rechtmäßig und die Teilnahme an ihr wahrhaftig«. [24] Von eucharistischer Ekklesiologie sprechen bedeutet nicht, daß in der Kirche alles auf die Eucharistie zurückzuführen ist, aber sie bleibt die Quelle und der Höhepunkt des kirchlichen Lebens. In der Tat bekräftigt das II. Vatikanische Konzil: »In der heiligen Liturgie erschöpft sich nicht das ganze Tun der Kirche; denn ehe die Menschen zur Liturgie hintreten können, müssen sie zu Glauben und Bekehrung gerufen werden«.[25] Der Bereich, wo sich natürlich das kirchliche Leben abspielt, ist die Pfarrei. Sie sollte, entsprechend erneuert und angeregt, der geeignete Ort für die Bildung und den eucharistischen Kult sein, denn - so hat Papst Johannes Paul II. gelehrt, »die Pfarrei ist nämlich eine Gemeinschaft von Getauften, die ihre Identität vor allem durch die Feier des eucharistischen Opfers ausdrücken«.[26] Sie sollte auch die Erfahrung und den Beitrag der neuen Bewegungen und Gemeinschaften nutzen, die unter dem Impuls des Heiligen Geistes die Elemente der christlichen Initiation entsprechend den eigenen Charismen zur Geltung bringen wollen. Sie helfen auf diese Weise vielen Gläubigen, die Schönheit der christlichen Berufung neu zu entdecken, deren Mitte für alle in der Pfarrgemeinde das Sakrament der Eucharistie ist. 14. Der liturgische Ausdruck der katholischen Ekklesiologie findet sich in der Anaphora mittels der sogenannten Diptycha, die an die eucharistische Dimension des Primats des Bischofs von Rom, des Papstes, ähnlich dem des Bischofs der Teilkirche als inneres Element der universalen Kirche erinnern.[27] Es ist die eine Eucharistie, die die Kirche in der Einheit gegen jede Zersplitterung zusammenruft. Die von Christus gewollte eine Kirche verweist immer auf eine Eucharistie, die sich in Gemeinschaft mit dem Apostelkollegium, dessen Haupt der Nachfolger Petri ist, verwirklicht. Der von Christus gewollten eucharistischen Einheit entspricht keinesfalls eine nur quer verlaufende Gemeinschaft zwischen den sogenannten Schwesterkirchen. Ein dem Sakrament innewohnendes Element ist die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri, dem Prinzip der Einheit in der Kirche und Hüter des Charismas der Einheit und Universalität, welches das petrinische Charisma ist. Die kirchliche Einheit offenbart sich also in der sakramentalen und eucharistischen Einheit der Christen.
Die Beziehung zwischen der Eucharistie und den anderen Sakramenten 15. Es besteht eine besondere Beziehung zwischen der Eucharistie und allen anderen Sakramenten. Hier ist einmal zu berücksichtigen, daß gemäß dem Konzil von Trient die Sakramente »die Gnade enthalten, die sie bezeichnen«, und diese kraft des vollzogenen Ritus mitteilen.[28] Zum andern sind alle Sakramente sowie alle kirchlichen Dienste und Apostolatswerke eng mit der heiligen Eucharistie verbunden und auf sie hingeordnet.[29] Deshalb ist das Sakrament der Eucharistie »die Vollkommenheit der Vollkommenheiten«.[30] Die Beziehung zur Eucharistie betrifft nicht nur die liturgische Feier, sondern
vor allem das Wesen eines jeden Sakraments. Das Sakrament der Taufe ist unerläßlich, um in die kirchliche Gemeinschaft einzutreten, die von den anderen
Sakramenten bekräftigt wird, indem sie dem Gläubigen »Gnade über Gnade« (Joh 1,16) anbietet. Die grundlegende Beziehung zwischen der Taufe
und der Eucharistie als Quelle des christlichen Lebens ist bekannt. In den
Kirchen orientalischer Tradition empfängt man mit der Taufe auch die heilige Kommunion, während man in den Kirchen lateinischer Tradition erst nach Erreichung des vernünftigen Alters und nach Empfang der Taufe die heilige Eucharistie empfängt. Die Antworten auf die Lineamenta empfehlen, den theologischen Zusammenhang zwischen Taufe und Eucharistie als Höhepunkt der Initiation deutlich zu machen, das heißt aber nicht, daß die Taufe immer während der Messe stattfinden soll. Hierzu werden Besorgnisse geäußert wegen der Qualität einer angemessenen Katechese.
16. Es besteht ein theologischer Zusammenhang zwischen der Firmung und der Eucharistie, weil der Heilige Geist den Menschen veranlaßt, an Jesus Christus, den Herrn, zu glauben. Um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, wurde in einigen Teilkirchen wieder die Praxis eingeführt, die Firmung vor der Erstkommunion zu spenden. Die Eucharistie ist der Höhepunkt eines authentischen Weges der christlichen Initiation. Christliches Leben bedeutet, das von der Firmung belebte Geschenk der Taufe gegenwärtig zu setzen, indem es durch die regelmäßige Teilnahme an der heiligen Messe an den Sonntagen und gebotenen Feiertagen genährt wird. Zu beachten ist, daß die Spendung der Firmung oft den Priestern übertragen wird, wodurch die Rolle des Bischofs, der ihr ursprünglicher Verwalter ist, in den Hintergrund rückt. So versäumen die Neugefirmten die Gelegenheit, dem Vater und sichtbaren Haupt der Teilkirche zu begegnen.
17. Manche Antworten werfen die Frage auf, welches Alter am geeignetsten
sei für den Zugang zum Sakrament in der Kirche lateinischer Tradition, in
Anbetracht der guten geistlichen und pastoralen Ergebnisse, die durch die
Spendung der heiligen Kommunion im Kindesalter erzielt worden sind. Es ist
gut, an das zu erinnern, was Papst Johannes Paul II. in seinem Buch »Auf, laßt uns gehen!« festgestellt[31]
und worauf er später hingewiesen hat, das heißt, daß »die Kinder die Gegenwart und die Zukunft der Kirche sind. Sie spielen eine
aktive Rolle in der Evangelisierung der Welt, und sie tragen durch ihr Beten
dazu bei, sie zu retten und zu verbessern«.[32] Vorher hat im Bezug auf dasselbe Thema das Dekret Quam singulari den Kindern vom siebten Lebensjahr an den Empfang der Eucharistie erlaubt, weil es als das Alter der Vernunft betrachtet wurde und sie das eucharistische Brot vom allgemeinen Brot unterscheiden konnten, und unter der Voraussetzung der sakramentalen Erstbeichte.[33] Diese Tendenz scheint heute noch nötiger zu sein, weil der Gebrauch der Vernunft wie auch die Gefahren und Versuchungen noch früher eintreten. Mit dieser Praxis wird der Vorrang der Gnade bekannt, die der Kirche große Wohltaten geschenkt hat, indem auch die Priesterberufungen gefördert wurden.
18. Die Beziehung zwischen dem geweihten Amt und der Eucharistie wird gerade in der Meßfeier, die vom Bischof oder Priester in der Person Christi, des Hauptes, geleitet wird, sichtbar. Die Lehre der Kirche macht das geweihte Amt zur unerläßlichen Voraussetzung für die gültige Feier der Eucharistie. Aus diesem Grund wird lebhaft empfohlen, daß »die priesterliche Funktion des Amtspriestertums in der Feier der Eucharistie hervorgehoben wird, weil es sich vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen nicht nur dem Grad nach, sondern im Wesen deutlich unterscheidet«.[34] Deshalb ist die Empfehlung richtig, daß die Priester an der Eucharistie als Zelebranten beteiligt sind und die Funktion ihrer Weihe erfüllen.[35]
19. Es ist bekannt, daß das Sakrament der Ehe in den lateinischen Kirchen gewöhnlich während der Messe gefeiert wird, zum Unterschied dessen, was in den orientalischen Kirchen geschieht. Wenn die Eheschließung während der Messe gefeiert wird, ist als Vorbild der christlichen Liebe auf die Liebe Jesu Christi hinzuweisen, der die Kirche als seine Braut liebt und sein Leben für sie hingibt. Diese bräutliche Liebe soll auch in den Fällen erwähnt werden, in denen das Ehesakrament außerhalb der Messe gefeiert wird.[36] Denn die Eucharistie bleibt die unversiegbare Quelle der Einheit und der unauflöslichen Liebe der Ehe und wird die Speise der ganzen Familie beim Aufbau ihrer christlichen Gemeinschaft. 20. Die Beziehung zwischen der Eucharistie und der Krankensalbung hat wie alle Sakramente ihren Ursprung in der Person Christi: Er offenbarte in der Sorge um die Kranken den Sinn seiner Sendung, den Menschen zu heilen und zu erlösen.In den Antworten auf die Lineamenta wird auch empfohlen, den Bezug von Krankensalbung und Eucharistie hauptsächlich als Ermutigung und Hoffnung in der Krankheit und dann erst als letzte Wegzehrung darzustellen. Die außerordentlichen Kommunionhelfer werden eingeladen, sich um die schwerkranken und alten Personen zu kümmern, die an der Eucharistiefeier in der Kirche nicht mehr persönlich teilnehmen können. Zu ihrem Wohl wäre es angemessen, wie einige Antworten empfehlen, die Nutzung der Medien zur Übertragung der heiligen Messen und anderer liturgischer Feiern zu verstärken. Es ist wünschenswert, daß die Fachleute, die diese moderne Technologie verwenden, auch eine entsprechende theologische, pädagogische und kulturelle Bildung haben.
21. Was die Eingliederung der Sakramente in die Messe betrifft, ist diese von den liturgischen Bestimmungen der orientalischen Kirchen nicht vorgesehen, obwohl hie und da Ausnahmen für die Taufe und die Eheschließung bestehen. Im Hinblick auf diese Praxis steht es den einzelnen Kirchen zu, angemessene Bestimmungen zu erlassen. Für die Teilkirchen des lateinischen Ritus zeigen die Antworten, daß die Eingliederung in unterschiedlicher Weise von Land zu Land entsprechend den Gewohnheiten gehandhabt wird. In manchen Diözesen gibt es Bestimmungen, die die Feier der Sakramente und der Sakramentalien während der Messe regeln, besonders für die gemischten Ehen und die Begräbnisse von nicht praktizierenden Personen. Die Rituale unterscheiden natürlich den individuellen vom gemeinschaftlichen Ritus wie bei Taufe und Buße. Obwohl in der Pastoral letzterer vorgezogen wird, darf man nicht in eine Art von Gemeinschaftlichkeit verfallen, sei es, weil das Sakrament immer ein Geschenk an eine Einzelperson ist, sei es, weil der Gläubige unter bestimmten Bedingungen das Recht auf die individuelle Spendung des Sakraments hat. Die enge Verbindung zwischen der Eucharistie und der Buße22. Das Sakrament der Versöhnung stellt die von der Todsünde unterbrochenen Bande der Gemeinschaft wieder her.[37] Deshalb verdient die Beziehung zwischen der Eucharistie und dem Sakrament der Versöhnung besondere Aufmerksamkeit. Die Antworten zeigen die Notwendigkeit, es im Zusammenhang der Beziehung zwischen Eucharistie und Kirche darzustellen und als Bedingung, um dem Herrn, dem Hochheiligsten, im Geist der Heiligkeit und mit reinem Herzen zu begegnen und ihn anzubeten. Er hat den Aposteln die Füße gewaschen, um auf die Heiligkeit des Geheimnisses hinzuweisen. Die Sünde, so sagt der Apostel Paulus, erzeugt eine Profanierung ähnlich der Prostitution, denn unsere Leiber sind Glieder Christi (vgl. 1 Kor 6,15-17). Der hl. Cesare de Arles sagt: »Jedesmal, wenn wir in die Kirche kommen, ordnen wir unsere Herzen so, wie wir das Gotteshaus finden möchten. Willst du eine glänzende Basilika finden? Dann beflecke dein Herz nicht mit dem Schmutz der Sünde«.[38] Die Beziehung zwischen Eucharistie und Buße in der heutigen Gesellschaft hängt sehr vom Sinn für die Sünde und vom Sinn für Gott ab. Der Unterschied zwischen gut und böse wird oft subjektiv. Der moderne Mensch, der sich nur auf das Urteil seines eigenen Gewissens verläßt, läuft Gefahr, den Sinn der Sünde umzukehren.
23. Die Antworten auf die Lineamenta, die über die Beziehung zwischen Eucharistie und Versöhnung berichten, sind sehr zahlreich. In vielen Ländern hat man das Bewußtsein der notwendigen Bekehrung vor dem Empfang der Eucharistie verloren oder
ist im Begriff, es zu verlieren. Die Verbindung mit der Buße wird nicht immer als die Notwendigkeit verstanden, vor dem Empfang der
Kommunion im Stand der Gnade zu sein, so daß die Pflicht vernachlässigt wird, die Todsünden zu beichten.[39] Auch die Idee der Kommunion als »Wegzehrung« hat dazu geführt, die Notwendigkeit zu unterschätzen, im Stand der Gnade zu sein. Wie aber die Nahrung einen lebendigen und gesunden Organismus voraussetzt, so erfordert die Eucharistie den Stand der Gnade, um das Taufversprechen zu bekräftigen: Man darf nicht im Stand der Todsünde sein, wenn man den empfangen will, der die »Medizin« der Unsterblichkeit und das »Gegenmittel« gegen den Tod ist.[40] Viele Gläubigen wissen, daß sie mit einer Todsünde nicht die Kommunion empfangen dürfen, aber sie sind sich nicht im klaren darüber, was Todsünde ist. Andere erforschen sich in dieser Hinsicht nicht mehr. So entsteht ein Teufelskreis: »Ich kommuniziere nicht, weil ich nicht gebeichtet habe; ich habe nicht gebeichtet, weil ich keine Sünden begangen habe.« Die Ursachen können verschieden sein, aber ein Hauptgrund ist die mangelnde Katechese in dieser Frage. Ein anderes sehr verbreitetes Phänomen besteht darin, daß der Zutritt zum Sakrament der Versöhnung nicht durch entsprechende festgelegte Zeiten erleichtert wird. In manchen Ländern wird dem Einzelnen das Bußsakrament nicht gespendet; höchstens zweimal im Jahr wird eine gemeinsame Bußandacht gefeiert, indem man eine Formel zwischen dem vom Ritualbuch vorgesehenen II. und III. Weg findet. Festzustellen ist gewiß ein großes Mißverhältnis zwischen den vielen Gläubigen, die kommunizieren, und den wenigen, die beichten. Sehr häufig achten die Gläubigen, die die Kommunion empfangen, nicht darauf, ob sie im Stand der Todsünde sind. Nicht selten ist deshalb in manchen Ländern die Zulassung zum Kommunionempfang bei denen, die geschieden und standesamtlich wiederverheiratet sind. Bei den Totenmessen oder bei Hochzeiten und anderen Meßfeiern gehen viele Teilnehmer zur Kommunion, weil die Meinung verbreitet ist, daß die Messe ohne Kommunionempfang nicht gültig sei.
24. Angesichts dieser pastoralen Wirklichkeiten gibt es auch viele ermutigende Antworten. Sie hoffen, den Personen zu helfen, daß diese sich der Bedingungen zum Kommunionempfang und der Notwendigkeit der Buße bewußt werden, weil die Buße nach vorausgegangener Gewissensprüfung das Herz bereitet und von der Sünde reinigt. Zu diesem Zweck scheint es angemessen, daß der Zelebrant auch in der Predigt öfter über den Zusammenhang der beiden Sakramente spricht. Es wurde der Wunsch ausgesprochen, überall das eucharistische Fasten wieder einzuführen, jene strenge Aufmerksamkeit, die bei den orientalischen Kirchen noch Brauch ist.[41] In der Tat erfordert das Fasten als Selbstbeherrschung die Mitwirkung des Willens und führt zur Reinigung des Sinnes und des Herzens. Der hl. Athanasius sagt: »Willst du wissen, was das Fasten bewirkt? ... Es verjagt die Teufel und befreit von schlechten Gedanken, es erfreut den Sinn und reinigt das Herz«.[42] In der Fastenliturgie wird oft auf die Reinigung des Herzens durch Fasten und Stillschweigen hingewiesen, wie es der hl. Basilius empfiehlt.[43] In manchen Antworten auf die Lineamenta wird die Frage gestellt, ob es nicht angemessen sei, die Pflicht des dreistündigen eucharistischen Fastens wieder einzuführen. Man lädt dazu ein, sich anzustrengen, um mehr Gelegenheit zur individuellen Versöhnung zu schaffen, indem man auf die Zusammenarbeit zwischen den Pfarreien am Samstag und Sonntag und in höherem Maße im Advent und in der Fastenzeit zurückgreift. Viel könnte auch in der Predigt und Katechese getan werden, um den Sinn für die Sünde und die Bußpraxis wieder zu wecken und die Schwierigkeiten zu überwinden, die der säkularisierten Mentalität zuzuschreiben sind. Man hält es für notwendig, die Möglichkeit zur Beichte vor der Messe anzubieten, indem die Zeiten der wirklichen Situation der Bußfertigen angepaßt werden, aber auch während der Eucharistiefeier, wie es das Apostolische Schreiben Misericordia Dei empfiehlt.[44] Die Priester sollen zur Spendung des Bußsakramentes ermutigt werden und diese als eine bevorzugte Gelegenheit nutzen, Zeichen und Werkzeug der Barmherzigkeit Gottes zu sein. Die Kirche ist den Priestern äußerst dankbar, wenn sie eifrig Beichte hören, um die Gläubigen darauf vorzubereiten, Christus in der Eucharistie zu empfangen und ihm zu begegnen. Anderseits werden die Gläubigen ermutigt, zu beichten, besonders wenn sie den Priester in der Ausübung seines Dienstes im Beichtstuhl sehen, wie es in unseren Tagen die Heiligen Leopold Mandi?, Pio da Pietrelcina und viele heilige Priester bezeugt haben. Die Beziehung zwischen der Eucharistie und den Gläubigen25. Die gläubigen Laien, wesentlicher Teil der hierarchisch aufgebauten Gemeinschaft der Kirche, wie es das II. Vatikanische Konzil und andere lehramtliche Dokumente betonen,[45] sind in der heiligen Versammlung zusammengerufen, um an der Eucharistiefeier teilzuhaben. Die Menschwerdung des göttlichen Wortes, in dem sich Gott, der Vater, sichtbar gemacht hat, hat den geistlichen Kult vernunftgemäß eingeführt, der im Heiligen Geist vollzogen wird; der Kult darf kein »angelerntes menschliches Gebot« (Jes 29,13) mehr sein. Der christliche Kult hat eine christologische und anthropologische Implikation. Deshalb besteht die Teilhabe der Gläubigen an der Liturgie und vor allem an der Eucharistiefeier hauptsächlich darin, in diesen Kult einzutreten, in dem Gott zum Menschen herabsteigt und der Mensch zu Gott emporsteigt. Die Eucharistie, das Gedächtnis des Sohnes, ist der Kult der Anbetung, der im Geist zum Vater aufsteigt. Das ist das Fundament der vom II. Vatikanischen Konzil gewollten liturgischen Erneuerung. Vielfach wird festgestellt, daß die Teilnahme oft auf die äußeren Aspekte reduziert ist. Nicht alle erfassen ihren wahren Sinn, der aus dem Glauben an Jesus, den Sohn Gottes, erwächst. Die Teilhabe an der Eucharistie wird zu Recht als ein vorrangiger Akt des Lebens der Kirche angesehen, als Gemeinschaft mit dem Leben der Dreifaltigkeit, mit dem Vater, der der Ursprung jeden Geschenkes ist, mit dem Mensch gewordenen und auferstandenen Sohn und mit dem Heiligen Geist, der die Verwandlung und Vergöttlichung des menschlichen Lebens bewirkt. Die Antworten auf die Lineamenta stimmen in der Feststellung überein, daß es notwendig ist, den Gläubigen zu helfen, das Wesen der Eucharistie und die Verbindung mit der Menschwerdung des Wortes zu erfassen, um an dem eucharistischen Geheimnis mit Herz und Sinn, vor jedem äußeren Akt, teilzuhaben, indem man vor allem sich selbst darbringt. In dieser Hinsicht wird empfohlen, die bräutliche Beziehung der Eucharistie und des neuen Bundes als Modell der Berufungen der Christen darzustellen: Ehe, Jungfräulichkeit, Priestertum. Das alles hat zum Ziel, eucharistische Personen und Gemeinschaften zu bilden, die glauben, lieben und dienen wie Jesus in der Eucharistie. 26. Außerdem wäre es gut, die schon vorhandenen Kommunikationsmittel zu verstärken, vor allem um die Teilnahme jener Gläubigen zu erleichtern, die aus verschiedenen Gründen verhindert sind, persönlich in der Kirche an den Eucharistiefeiern teilzunehmen, wie das II. Vatikanische Konzil empfiehlt.[46] Es gibt Vorschläge, die die Medien des Heiligen Stuhls betreffen, die mit bestmöglicher Synergie imstande sein sollen, rechtzeitig und sachkundig der universalen Kirche angemessene Dienste zu leisten und rasch auf die Verbreitung antichristlicher Prinzipien zu reagieren. In diesem Werk sollten alle katholisch inspirierten Kommunikationsmittel eine große Rolle spielen. Ihre Verstärkung ist dringend notwendig, um die christliche Botschaft in ausgewogener und positiver Weise anzubieten und um die Gewissen der gutwilligen Menschen über ethische und moralische Themen zu erleuchten, die für das Leben der Kirche und der Gesellschaft außerordentlich wichtig sind.
Schatten über der Feier der Eucharistie 27. Durch die Schatten über der Eucharistiefeier, die auch aus den Antworten auf die Lineamenta hervorgehen, wird die kirchliche Gemeinschaft schwer gestört und verletzt. Das Thema, das schon von Johannes Paul II. in der Enzyklika Ecclesia de Eucharistia behandelt wurde,[47] und im einzelnen in der Instruktion der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Redemptionis Sacramentum, erläutert wird,[48] ist eine Einladung, einen aufmerksamen und ausgewogenen, aber nicht unkritischen Blick darauf zu werfen, wie die Kirche dieses Sakrament feiert, das die Quelle und der Höhepunkt ihres Lebens und ihrer Sendung ist. Gerade die Tatsache, daß diese Einladung in diesem geschichtlichen Augenblick gemacht wird, während sich die Kirche immer stärker in den Dialog mit den Religionen und mit der Welt engagiert, ist nichts anderes als eine providentielle Inspiration des Nachfolgers Petri, die zu verstehen gegeben hat, daß die Kirche notwendigerweise immer auf sich selbst schauen muß, wenn sie mit den Gesprächspartnern bessere Beziehungen aufbauen will, ohne daß sie die eigene Identität als universales Heilssakrament verliert.Im vorliegenden Text werden mehrere Schatten gemeldet, die aus der Analyse der Antworten auf die Lineamenta hervorgehen. Solche Schatten sollten nicht nur als reine Überschreitungen der liturgischen Rubriken und Praktiken betrachtet werden, sondern als Ausdruck der inneren Haltung. Festzustellen ist eine Verringerung der Teilnahme an der Feier des Dies Domini, des Tags des Herrn, am Sonntag und an den gebotenen Feiertagen auf Grund einer mangelnden Kenntnis des Inhalts und der Bedeutung des eucharistischen Geheimnisses, auf Grund von Gleichgültigkeit, insbesondere in den stark säkularisierten Ländern, wo sich der Sonntag nicht selten auch in einen Arbeitstag verwandelt. Verbreitet ist die Meinung, daß die Gemeinschaft die Gegenwart Christi bewirkt, und nicht daß Christus die Quelle und der Mittelpunkt unserer Gemeinschaft und das Haupt seines Leibes, der Kirche, ist. Der Sinn für das Heilige im Bezug auf dieses große Sakrament verändert sich; es ist die Auswirkung einer Entkräftigung des Gebets, der Betrachtung und der Anbetung des eucharistischen Geheimnisses. Man läuft Gefahr, die Wahrheit des katholischen Dogmas der Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu Christi abzuschwächen, die traditionsgemäß als Transsubstantiation bezeichnet wird, und in der Folge die Wahrheit der Realpräsenz Christi in der Eucharistie; dies geschieht im Zusammenhang von Ideen, die das eucharistische Mysterium nicht so sehr in sich selbst, sondern mehr in der Perspektive des Subjekts zu erklären suchen, mit dem es in Beziehung tritt; zum Beispiel durch Bezeichnungen wie Transfinalisation und Transsignifikation. Festzustellen ist eine Inkohärenz zwischen dem im Sakrament bekannten Glauben und der moralischen Dimension, sei es in der Privatsphäre, sei es im Bereich des kulturellen und sozialen Lebens. Die Dokumente der Kirche und insbesondere des II. Vatikanischen Konzils sind kaum bekannt, so die großen Enzykliken über die Eucharistie, wie Ecclesia de Eucharistia, das Apostolische Schreiben Mane nobiscum Domine u.a. Es fehlt die rechte Ausgewogenheit in der Feier; das geschieht durch einen passiven Ritualismus oder eine übertriebene Kreativität, die manchmal so weit geht, daß der Zelebrant der Eucharistie die Hauptrolle spielt, nicht selten sehr redselig ist, zu viel und zu lange kommentiert und das Mysterium durch den Ritus und die Formeln der Liturgie nicht sprechen läßt.
DER GLAUBE DER KIRCHE AN
I. Kapitel
Die Eucharistie ein Geschenk Gottes an sein Volk
Die Eucharistie Geheimnis des Glaubens 28. Mit diesen Worten verkündet der Priester, der der Eucharistie vorsteht, mit Staunen den Glauben der Kirche an den auferstandenen Herrn, der wirklich gegenwärtig ist unter den Gestalten von Brot und Wein, die kraft der Gnade des Heiligen Geistes in den Leib und in das Blut des Herrn Jesus verwandelt wurden. Bekanntlich beharrte das konziliare Lehramt auf der Eucharistie als Mitte und Herz des Lebens der Kirche und vor allem als Geheimnis des Glaubens, als Plan Gottes, der in Jesus Christus offenbar wurde. Gott, der sich uns schenkt, der mit uns ist, ist ein Geschenk und Geheimnis von unaussprechlichem Reichtum, ein Geschenk und Geheimnis, das es ständig neu zu entdecken gilt. Das Mysterium fidei ist Gott, der sich uns schenkt, Er, der Erste, der Letzte und der Lebendige, der in die Zeit eingetreten ist. Der Herr Jesus ist wahrhaftig Mensch und wahrhaftig Gott unter uns. Er ist der Gottessohn und der Menschensohn. Ein bekannter Text des II. Vatikanischen Konzils beantwortet die Frage über Glauben und Geheimnis:
»Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das Geheimnis des Menschen
wahrhaft auf. Christus ... macht eben in der Offenbarung des Geheimnisses des
Vaters und seiner Liebe dem Menschen den Menschen selbst voll kund und erschließt ihm seine höchste
Berufung«.[49] Das Wort Geheimnis wird dreimal wiederholt, so daß die Wahrheit über Christus und die Wahrheit über den Menschen verdichtet wird. Das Geheimnis des Wortes, das Geheimnis des Vaters und das Geheimnis des Menschen bleiben kein unlösliches Rätsel, sondern finden Antwort in Jesus Christus, der wahrer Gott und wahrer Mensch ist. Er, der wirklich »einer von uns« geworden ist und sich »in gewisser Wiese mit jedem Menschen vereinigt« hat,[50] hat jedem, der es wünscht, erlaubt, den Weg zu finden, der zum Vollsinn des Daseins führt. Er hat sich dem Menschlichen nicht entfremdet, sondern die Wahrheit der Schöpfung zur Vollendung geführt, denn »mit Menschenhänden hat er gearbeitet, mit menschlichem Geist gedacht, mit einem menschlichen Willen hat er gehandelt, mit einem menschlichen Herzen geliebt«.[51] Johannes Paul II. hatte diesen Text in seiner ersten Enzyklika Redemptor hominis aufgegriffen ,[52] gleichsam um ihn zum Programm der Kirche zu machen, die berufen ist, aus der Wahrheit über Christus die Wahrheit über den Menschen abzuleiten, die sich im Evangelium findet.
29. Das Faktum und Geheimnis der Menschwerdung, des Todes und der Auferstehung Jesu Christi, des Herrn, das dem Menschen erlaubt, am göttlichen Leben teilzuhaben, ist in der Eucharistie, dem Brot des ewigen Lebens, gegenwärtig, weil es die Kraft mit sich bringt, den Tod zu besiegen. »Wer mein Fleisch ißt und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn auferwecken am Letzten Tag« (Joh 6,54). Die Auferstehung ist deshalb die ständige Quelle der Sinngebung, die der Menschheit angeboten wird. Die Eucharistie steht also im Mittelpunkt der Botschaft, die den Christen in der Welt seit zweitausend Jahren verkündet wird, d.h., daß der gekreuzigte Jesus, der tot war, zum Leben zurückgekehrt ist, und daß wir seine Zeugen sind (vgl. 1 Kor 15,3-5). Die Eucharistie verkündet den Tod Christi, dessen Dramatik alle verstehen können. Aber sie verkündet auch seine Auferstehung, die den Glauben und die Öffnung erfordert, Gott in unser Dasein aufzunehmen. Der Glaube ist der neue
Lebensstil, der aus der Eucharistie erwächst und in sich selbst den letzten und endgültigen Sinn der Erwartung der Wiederkunft des Herrn in sich hat. Ohne Glauben kann man Eucharistie weder feiern noch leben, wie die in den Pastoralplänen so verbreitete Dreiheit Glaube, Liturgie und Leben ausdrückt. Ohne Glauben ist aktive Teilnahme an der Liturgie kein Thema.
Eucharistie - neuer und ewiger Bund 30. Der Katechismus der Katholischen Kirche schreibt unter Hinweis auf den hl. Irenäus: »Die Eucharistie ist also der Inbegriff und die Summe unseres Glaubens: »Unsere Denkweise stimmt mit der Eucharistie überein, und die Eucharistie wiederum bestätigt unsere Denkweise«.[53] Sieht man hier nicht den Bund mit Gott, den der Mensch zum Leben braucht, den Bund des Glaubens, verwirklicht? »Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht« (Jes 7,9b), spricht der Herr. Die Eucharistie ist der neue und ewige Bund, der Pakt und das Testament, das Jesus im Sakrament seines Leibes und seines Blutes hinterlassen hat. Denn in ihr drückt die ganze Kirche ihren Glauben aus: Nachdem das Wort Gottes gehört wurde, bekennt man den Glauben an das eucharistische Geheimnis, die Offenbarung und das Geschenk Gottes in Jesus, der die Christen zur vollen und vollkommenen Selbsthingabe anspornt. Besonders in der Eucharistie bedeutet der Glaube, Jesus Christus zu erkennen und aufzunehmen wie in einer Begegnung, in der die Person des Gläubigen voll einbezogen ist, nach Marias Vorbild, dem Modell eines voll verwirklichten Glaubens. Glaube und Feier der Eucharistie 31. Die Antworten auf die Lineamenta stellen auch die Eigenschaften des Glaubens als notwendige Bedingungen, die Eucharistie zu feiern, ins Licht. In ihr tut sich der Primat der Gnade Gottes kund, das heißt der Glaube, daß Gott immer der Ursprung von allem ist, und daß er uns sein geheimnisvolles Handeln im Sakrament für die Verwandlung von Brot und Wein in den Leib und das Blut Jesu und für unsere Heiligung durch das Geschenk des Heiligen Geistes aufnehmen läßt. Wenn man zur eucharistischen Liturgie geht, ohne an die Gnade zu glauben und man sich nicht einmal wünscht, im Stand der Gnade zu sein, gibt es keine Teilhabe an der Anbetung im Geist und in der Wahrheit.In der Eucharistie wird die Wahrheit des Wortes Gottes verkündet, die sich in Jesus, dem fleischgewordenen Wort, geoffenbart hat, der die letzte Vollendung der menschlichen Geschichte schon in sich trägt. Wenn man mit Zweifel anstatt mit Zustimmung zur Wahrheit an der Liturgie der Eucharistie teilnehmen will, besteht keine wahre Teilhabe. Das Geschenk der Freiheit, das der Schöpfer dem Geschöpf gemacht hat, bewirkt, daß der Glaube ein freier Akt der Zustimmung zur Person Jesu, dem Weg, der Wahrheit und dem Leben (vgl. Joh 14,6), ist. In der Liturgie der Eucharistie macht er sich bekannt, bleibt aber zugleich verborgen, um die Vernunft und den Verstand des Gläubigen anzuregen, ihn ständig zu suchen, um ihn im Leben zu finden, d.h., daß er gegenwärtig ist. Das ist das Wirken des Geheimnisses, in das die Liturgie immer tiefer eindringt. Die Väter nannten es Mystagogik. Die Liebe verwirklicht und vollendet den Glauben, wie die Apostel Jakobus und Paulus schreiben (vgl. Jk 2,14 ff; Röm 13,10; Gal 5,6). Der Glaube wandelt das Herz des Gläubigen, er bekehrt es und öffnet es für die Liebe. Glaube, Hoffnung und Liebe begründen das Christsein. Die Eucharistie ist das Sakrament der Liebe, das den Menschen für die Liebe öffnet und ihn seinen Ursprung und seine Daseinsberechtigung finden läßt. Ohne Agape gibt es kein Leben im Heiligen Geist. Alle diese Eigenschaften führen die Teilhabe so weit, daß man den Willen Gottes im Höchstmaß tun will, wie im Vaterunser gebetet wird, im Hinblick auf die Fülle der Gemeinschaft. Gewiß kann man an der Messe auch teilnehmen, obwohl man die Bedingungen nicht erfüllt hat, um zur Kommunion gehen zu können, aber man muß immer den Wunsch und den Willen haben, sie möglichst bald zu erfüllen.
Persönlicher und kirchlicher Glaube
32. Die Gemeinschaft mit Christus und mit der Kirche macht offenbar, daß die persönliche Dimension des Glaubens ständig die kirchliche Dimension anstrebt, so wie es die Liturgie vom Glaubensbekenntnis in der Taufe tut. Deshalb gibt es ohne Taufe keinen Zutritt zur Eucharistie, die den Glauben voraussetzt. Hat man also durch die Sünde die Taufgnade verloren, bedarf es der »mühsamen Taufe«, der Buße, um zur Eucharistie zurückkehren zu können. Vor der Eucharistie wird das Glaubensbekenntnis erneuert, das unerläßliche Band, das die Gemeinschaft jeder Teilkirche mit allen anderen in der Welt verstreuten Ortskirchen und zuerst mit der Kirche von Rom und ihrem Bischof, dem notwendigen Prinzip der Einheit, bezeugt. Das gleiche tut man in der Anaphora, wenn man die Dypticha verkündet. Wir bekunden in der Eucharistie den persönlichen und den kirchlichen Glauben. Die Teilhabe an der Eucharistie schärft den Verstand für das Geheimnis, das in den Menschen und in sein Leben einbricht und dem Christen erlaubt, seinen Glauben gegen irrige und mangelhafte Auslegungen zu schützen. Nicht zufällig ist die Liturgie integrierender Bestandteil des Glaubensweges, der das ganze Leben hindurch dauert. Den Vollsinn des Glaubens erfaßt man vor allem im Zeugnis der Märtyrer, die den ihnen um des Glaubens willen auferlegten Tod frei angenommen haben, oft während oder gleich nach der Eucharistiefeier. Sie waren fest überzeugt, in der Wahrheit zu sein und das Leben zu haben, indem sie Christus nachfolgen, der sich freiwillig geopfert und in der Eucharistie das Gedächtnis seines Opfertodes hinterlassen hat. Im Martyrium wird sie tatsächlich in höchster Weise als fons et culmen des Lebens und der Sendung der Kirche offenbar, wie es in vielen Kirchen geschieht, die offen oder heimlich verfolgt werden.
Wahrnehmung des eucharistischen Geheimnisses unter den Gläubigen 33. Aus den Antworten auf die Lineamenta geht im allgemeinen eine
gewisse Verringerung der Wahrnehmung des gefeierten Geheimnisses hervor. Nicht
immer wird das Geschenk und das Geheimnis der Eucharistie voll wahrgenommen.
Aber es gibt unterschiedliche Nuancen entsprechend den verschiedenen kulturellen
Kontexten. In den meisten westlichen Ländern, wo im allgemeinen eine Atmosphäre des Friedens und Wohlstandes herrscht, wird z.B. das eucharistische Geheimnis
von vielen als eine Erfüllung des Sonntagsgebotes betrachtet und als ein brüderliches Mahl angesehen. In den Ländern mit Krieg und schwierigen Lebensbedingungen hingegen ist ein vertieftes
Verständnis des eucharistischen Geheimnisses in seiner Ganzheit, das heißt auch in der Dimension des Opfers, festzustellen. Das auf dem Altar unblutig
gefeierte Ostergeheimnis gibt in solchen Ländern den Leiden der katholischen Christen einen sehr tiefen geistlichen Sinn
und hilft ihnen, diese durch die Teilhabe am Geheimnis des Todes und der
Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus anzunehmen. In einigen Antworten, die von der Kirche, die in Afrika lebt, kommen, wird auf die Tatsache hingewiesen, daß der Opfergedanke Teil der Kulturen dieses Erdteils ist und daß diese Auffassung, nachdem sie von den Elementen, die dem Evangelium fremd sind, gereinigt und erhoben wurde, oft in der Pastoral und Katechese verwendet wird, um die Eucharistie als Opfer verständlicher zu machen. In der Katechese zeigt sich die Schwierigkeit, Eucharistie als Opfer und Mahl beizubehalten, weil man oft den Akzent auf letzteren Aspekt legt. Um diese pastoralen Situationen zu bewältigen, wünschen viele Antworten auf die Lineamenta eine wirksame und getreue Anwendung der Liturgiereform, die das Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Dimensionen der Eucharistie wieder herstellt. Wenn nötig, könnte man an eine Änderung der liturgischen Normen denken. Zugleich wird empfohlen, eine angemessene Katechese auf allen Ebenen zu fördern, um noch verständlicher zu machen, daß sich in der Eucharistie das Ostergeheimnis erneuert und daß sie das Opfer des Lobes und der Gemeinschaft ist, das die Gemeinschaft wachsen läßt.
Sinn für das Heilige in der Eucharistie 34. Zweifellos hat die im Geist des II. Vatikanischen Konzil durchgeführte Liturgiereform große Auswirkungen gehabt. Denn die nachkonziliare Liturgie hat die aktive, bewußte und fruchtbringende Teilhabe der Gläubigem am heiligen Opfer des Altares sehr gefördert.[54] Dennoch wurden in den Antworten, die aus vielen Nationen eingesandt wurden, sowohl vom Klerus als auch von den Gläubigen Mängel und Schatten in der Praxis der Eucharistiefeier gemeldet, die ihren Ursprung in einem geschwächten Sinn für das Heilige im Bezug auf das Sakrament haben. Geschützt wird dieser Sinn im Grunde von dem Bewußtsein, daß die Eucharistie ein Geheimnis und ein Geschenk ist, deren Gedächtnis Zeichen und Worte erfordert, die dem sakramentalen Wesen entsprechen. Oft werden in den Antworten auf die Lineamenta gemeldet, die den Sinn für das Heilige gefährden. Zum Beispiel: die Nachlässigkeit in der Verwendung des eigenen liturgischen Schmuckes seitens des Zelebranten und der Priester sowie die mangelnde schickliche Kleidung der Teilnehmer an der Messe; die Ähnlichkeit bestimmter in der Kirche verwendeter Lieder mit den profanen Liedern; die schweigende Zustimmung, einige liturgische Gesten auszulassen, weil sie für altmodisch gelten, wie die Kniebeuge vor dem Allerheiligsten Sakrament; eine unangemessene Kommunionausteilung in die Hand, ohne eine entsprechende Katechese; wenig ehrerbietige Haltungen vor, während und nach der Feier der heiligen Messe, nicht nur von seiten der Laien, sondern auch von seiten des Zelebranten selbst; die schlechte architektonische und künstlerische Qualität der Gotteshäuser und der sakralen Einrichtungsgegenstände; Fälle von Synkretismus aufgrund einer leichtsinnigen Inkulturation der liturgischen Formen, die mit Elementen anderer Religionen gemischt werden. Alle diese negativen Wirklichkeiten, die in der lateinischen Liturgie häufiger auftreten als in den orientalischen Liturgien, sollen keine falsche Panik verursachen, weil sie begrenzt sind. Aber sie müssen zu einem ehrlichen und eingehenden Nachdenken führen mit dem Ziel, sie zu beseitigen und zu veranlassen, daß die eucharistischen Liturgien Orte des Lobes, des Gebets, der Gemeinschaft, des Hörens, der Stille und der Anbetung werden unter Achtung des Geheimnisses Gottes, der sich in Christus unter Brot und Wein offenbart, und in der respektvollen Freude, sich als Glieder einer Gemeinschaft von Gläubigen zu fühlen, die mit Gott dem Vater in der Gnade des Heiligen Geistes versöhnt sind. Die Eucharistie ist der heiligste und höchste Punkt des Gebets. Sie ist ein großes Gebet.
II. Kapitel
Ostergeheimnis und Eucharistie
»Sooft ihr von diesem Brot eßt und aus dem Kelch trinkt,
Zentralität des Ostergeheimnisses 35. In jeder Eucharistiefeier erneuert sich das Ostergeheimnis des Todes und der Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus, Brot, das gebrochen wird für das Leben der Welt, und Blut, das für die Erlösung der Menschen und die Befreiung des Kosmos vergossen wird (vgl. Röm 8,19-23). Das synodale Thema soll das Ostergeheimnis Jesu als Geheimnis der Erlösung, aus dem das Leben und die Sendung der Kirche fließt, neu entdecken lassen. Die Eucharistie erweist sich als das Geschenk: Der Herr schenkt sich selbst, er ist der Gott mit uns. Die Eucharistie ist seine Person und sein Leben für uns. Durch die Eucharistie übt der Herr die priesterliche, die prophetische und die königliche Sendung aus. »Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen« (Lk 24,34), sagten die Apostel und die Jünger. Paulus mahnt Timotheus:
»Denk daran, daß Jesus Christus ... von den Toten auferstanden ist« (2
Tim 2,8). Gerade im Bezug auf das apostolische Zeugnis bemerkt
Johannes Chrysostomus: »Deshalb ist klar: Wenn sie ihn nicht als Auferstandenen gesehen hätten, und wenn sie nicht einen unwiderlegbaren Beweis seiner Macht gehabt hätten, dann hätten sie sich nicht einer so großen Gefahr
ausgesetzt«.[55] Der Mensch kann in gewissem Sinn alles wollen, aber Macht hat er nur über das, was er konkret verwirklicht. Der Tod und seine Anzeichen wie Krankheit und Leiden zeigen die Grenze, die der Entscheidungsfreiheit des Menschen gesetzt ist. Durch seine Auferstehung legt Jesus in die Geschichte der Menschheit den Keim der endgültigen Hoffnung: den Sieg über den Tod. Das ist schließlich der Höhepunkt der Offenbarung, die er vollbringt. Der Tod ist besiegt, einmal, weil die Sünde getilgt und der Mensch mit Gott versöhnt wurde; zweitens, weil das Leben wiederhergestellt ist und jedem, der an Christus glaubt, in Ewigkeit gegeben wird. Das konkrete Zeichen dieser Hoffnung bietet unser Herr Jesus, indem er die Kirche als seinen mystischen Leib will. Denn die Gläubigen sind mit Christus gestorben und auferstanden (vgl. Röm 6,1-11).
Benennungen der Eucharistie
36. Zum Verständnis des christlichen Kultes ist es notwendig, die Benennungen der Eucharistie zu erklären und ihren Inhalt zu vertiefen. Der Katechismus der Katholischen Kirche zählt die Namen auf, mit denen dieses Sakrament bezeichnet wurde: Zunächst Eucharistie,[56] dann Mahl des Herrn als Gedächtnis des von ihm gefeierten Abendmahls und als Vorwegnahme des Hochzeitsmahles des Lammes im himmlischen Jerusalem; Brechen des Brotes, ein Ritus, der das gemeinschaftliche Teilen unterstreicht, wo alle einen einzigen Leib bilden, und auf dem die synaxis oder eucharistische Versammlung gründet, in der die Kirche sichtbar zum Ausdruck kommt; Gedächtnis des Leidens und der Auferstehung des Herrn; heiliges Opfer, denn es vergegenwärtigt das einzigartige Opfer Christi, des Erlösers; heilige und göttliche Liturgie, heilige Mysterien, heiligstes Sakrament, Kommunion, Heilige Dinge, Arznei der Unsterblichkeit, Wegzehrung, heilige Messe, welche die missionarische Dimension unterstreicht. Für eine vollständige Katechese, die die Voraussetzung zu einer wirklich bewußten Teilhabe an der Liturgie bildet, ist es äußerst wichtig, die Bedeutung aller dieser Benennungen ohne Ausnahme zu erklären bzw. verständlich zu machen.
Opfer, Gedächtnis und Mahl 37. In den Antworten und in den Bemerkungen zu den Lineamenta wird häufig gefordert, den Opfercharakter der Eucharistie zu vertiefen, und man bittet
darum, diese Wahrheit unseres Glaubens noch klarer, dem jüngsten Lehramt der Kirche folgend, darzustellen. Schon das II. Vatikanische Konzil hat das theologische Nachdenken über den Sinn des Opfertodes Jesu als vollkommene, freie und ungeschuldete Opfergabe an den Gott, den Vater, für das Heil der Welt gefördert. Unter den vielen Texten, die diesen Aspekt behandeln, verdient der Text aus der dogmatischen Konstitution Lumen gentium, der die Ausübung des Amtspriestertums betrifft, besondere Aufmerksamkeit: Die Priester »üben ihr heiliges Amt in der eucharistischen Feier oder Versammlung aus, wobei sie in der Person Christi handeln und sein Mysterium verkünden, die Gebete der Gläubigen mit dem Opfer ihres Hauptes vereinigen und das einzige Opfer des Neuen Bundes, das Opfer Christi nämlich, der sich ein für allemal dem Vater als unbefleckte Gabe dargebracht hat (vgl. Hebr 9,11-28), im Meßopfer bis zur Wiederkunft des Herrn (1 Kor 11,26) vergegenwärtigen und zuwenden.«[57] Im Katechismus der Katholischen Kirche [58] heißt ein Titel: Das sakramentale Opfer: Danksagung, Gedächtnis, Gegenwart, dem zu entnehmen ist, daß der bevorzugte Name, der alle anderen einschließt, sakramentales Opfer lautet, das heißt, die Tatsache des Todes Christi, der uns durch seinen Opfertod, dessen Wirksamkeit im Sakrament jedem Menschen zur Verfügung steht, erlöst hat. Die Danksagung wird also für sein Opfer gebracht, für das Gedächtnis seines Opfertodes, für die Gegenwart seines Opfers im Leib, der hingegeben und im Blut, das vergossen wurde. Die Danksagung gilt Gott für die Erschaffung und die Erlösung der Welt. In dieser Betrachtungsweise der Eucharistie wird die Dialektik zwischen Opfer
und Mahl überwunden. Denn wenn man den zweiten Terminus als Synonym für Abendmahl versteht, schließt er den Opfertod mit ein, weil es sich um das Mahl des geopferten Lammes
handelt; wenn man ihn als Synonym für Gemeinschaft versteht, verweist er auf das Ziel oder den Höhepunkt der Eucharistie. Die Enzyklika Ecclesia de Eucharistia, die das eucharistische Opfer behandelt,[59] lehrt, daß die Kirche das Opfer Christi auch in Form der Fürbitte darbringt, weil der Sohn sich in seinem Leib geopfert hat und so Mittler zwischen dem Menschen und dem Vater ist. Die Kirche Christi ist mit diesem Opfer in der Anaphora oder dem Eucharistischen Hochgebet vereint. Dieses wenn auch unblutige Opfer ist nicht neu, sondern es ist das gleiche wie das am Kreuz vollbrachte Opfer. In diesem Sinn wird der Hinweis der Enzyklika verständlich: »Die Messe macht das Opfer des Kreuzes gegenwärtig, sie fügt ihm nichts hinzu und vervielfältigt es auch nicht«.[60] Die Versicherung, daß das auf Grund der Opferliebe des Herrn geschieht, dient dazu, das in der Enzyklika Gesagte zu wiederholen.
Konsekration
38. Die Menschwerdung, der Tod und die Auferstehung, die Himmelfahrt und Pfingsten sind Ereignisse, die wirklich stattgefunden haben und zu verstehen geben, daß die ständige und substantielle Gegenwart des Herrn im Sakrament nicht typologisch oder metaphorisch ist. Wenn das Sakrament hingegen nur als ein Symbol für die Gegenwart Christi dargestellt wird, dann bezweifelt man, daß Gott in materielle Wirklichkeiten eingreifen kann. Versetzt man sich nun in den Kontext der anderen Weisen des Gegenwärtig-Seins, dann läßt das Ostergeheimnis die Natur der eucharistischen Gegenwart erfassen, die von der Verwandlung der Gestalten gegeben ist, das heißt die Transsubstantiation. Das Brot wird hingegebener Leib, gebrochen zu unserem Heil: Corpus Christi salva me - Leib Christi erlöse mich; der Wein wird vergossenes Blut, überfließend von göttlicher Köstlichkeit: Sanguis Christi, inebria me - Blut Christi tränke mich.[61] Die Überwindung der Distanz zwischen der Armut der sakramentalen Gestalten und Jesus Christus, der sich wirklich und substantiell schenkt, erlaubt der Eucharistie, den Samen der neuen Geschichte in die Welt einzusenken.[62] Das Ostergeheimnis bekräftigt die Nachsicht Gottes und die kenosi des Sohnes, indem es die absolute Transzendenz der Dreifaltigkeit bleibt. Jesu Worte: »Nehmet und eßet«, bezeichnen vor allem, daß er sich uns schenkt. An zweiter Stelle bedeuten sie das brüderliche Mahl, die Tischgemeinschaft, die Einheit der Gemeinschaft der Kirche,
die Verpflichtung, das Brot mit dem zu teilen, der keines hat. Daraus entspringt
die Anbetung, das heißt das ständige Wiedererkennen des Herrn, der den Weg des Volkes Gottes begleitet. Die Transsubstantiation ereignet sich in der Konsekration von Brot und Wein. In dieser Hinsicht wird in den Antworten die Erklärung der Theologie der Konsekration im Licht der kirchlichen Traditionen des Ostens und des Westens empfohlen, besonders die Konsekration als Nachfolge des Herrn in dem, was er beim letzten Abendmahl getan und befohlen hat, und die Anrufung des Heiligen Geistes in der Epiklese. Eine verständlichere Theologie der Konsekration dürfte von großem Nutzen sein, nicht nur für den ökumenischen Dialog mit den orientalischen Kirchen, mit denen noch keine volle Einheit besteht, sondern auch für die Beseitigung mancher Schatten, die von den Antworten auf die Lineamenta vorgebracht wurden, wie zum Beispiel die Verwendung von Hostien, die mit Hefe und anderen Zutaten hergestellt werden; die Feier mit gewöhnlichem Brot; das Improvisieren des Eucharistischen Hochgebetes, das ganz oder teilweise auf Wunsch des Zelebranten vom Volk mitgesprochen wird; die fractio panis im Augenblick der Konsekration.
Wirkliche Gegenwart
39. Die Gegenwart des Herrn im Sakrament ist von ihm selbst gewollt, um dem
Menschen nahe zu sein und ihn mit seinem Selbst zu nähren und so in der kirchlichen Gemeinschaft zu bleiben. Die Antwort des Menschen
ist der Glaube an die wirkliche und substantielle Gegenwart, wie in manchen
Antworten auf Grund der Enzykliken Ecclesia de Eucharistia und
Mysterium fidei betont wird. Mit dem Glauben an die Gegenwart Christi im
Sakrament werden die anderen Aspekte verbunden: der Sinn für das Geheimnis und die Haltungen, die ihn ausdrücken, der Ort des Tabernakels, die würdevolle Feier, die eschatologische Bedeutung oder das Sakrament als Unterpfand
der Herrlichkeit: Denn es ist auch Vorwegnahme der letzten und ewigen
Wirklichkeit auf dem Pilgerweg zum Haus des himmlischen Vaters, wie es zum
Beispiel durch die bräutliche Erwartung der geweihten Personen zum Ausdruck kommt. Johannes Paul II. erklärte im Apostolischen Schreiben Mane nobiscum Domine zum Jahr der Eucharistie diese Glaubenssynthese der Gegenwart Christi, der in seiner Kirche lebt: »Diese Dimensionen der Eucharistie verdichten sich in einem Aspekt, der mehr als alle anderen unseren Glauben auf die Probe stellt: das Geheimnis der -Realpräsenz-. Mit der Gesamttradition der Kirche glauben wir, daß unter den eucharistischen Gestalten Jesus wirklich gegenwärtig ist. Es handelt sich um eine Gegenwart, die - wie Papst Paul VI. vortrefflich erklärte - 'wirklich' genannt wird nicht im ausschließlichen Sinn, als ob die anderen Formen der Gegenwart nicht wirklich wären, sondern hervorhebend, denn kraft der Realpräsenz wird der ganze und vollständige Christus in der Wirklichkeit seines Leibes und seines Blutes substantiell gegenwärtig. Deswegen verlangt der Glaube von uns, vor der Eucharistie zu stehen im Bewußtsein, vor Christus selbst zu stehen. Gerade seine Gegenwart verleiht den übrigen Dimensionen - des Gastmahls, des Pascha-Gedächtnisses, der eschatologischen Vorwegnahme - eine Bedeutung, die weit über einen reinen Symbolismus hinausgeht. Die Eucharistie ist das Geheimnis der Gegenwart, durch das sich die Verheißung Christi, immer bei uns zu sein bis ans Ende der Welt, auf höchste Weise verwirklicht«.[63] Dieses Zitat bekräftigt die Lehraussage, die von vielen Antworten auf die Lineamenta hervorgehoben wird: Er, der im Sakrament verborgen ist, ist der erhabene Mittler zwischen Gott und dem Menschen, der ewige Hohepriester, der göttliche Lehrer, der Richter der Lebenden und der Toten, der Gottmensch, das fleischgewordene Wort, er, der alle Gläubigen auf geheimnisvolle Weise in der großen Gemeinschaft der Kirche zusammenhält. So zeigt er sich in der Messe.
40. Aber aus manchen Antworten auf die Lineamenta geht hervor, daß Erklärungen verbreitet werden, die der Transsubstantiation und der Realpräsenz - verstanden nur im symbolischen Sinn - entgegenstehen, und
Verhaltensweisen werden beobachtet, die implizit diese Überzeugung offenbaren. Viele merken in ihren Antworten an, daß einige sich in der Liturgie scheinbar wie Animatoren verhalten, die die
Aufmerksamkeit des Publikums auf ihre Person lenken müssen, anstatt daß sie als Diener Christi handeln, die berufen sind, die Gläubigen zur Vereinigung mit ihm zu führen.[64]
Das wirkt sich natürlich negativ auf das Volk aus, das Gefahr läuft, im Verständnis und im Glauben an die Realpräsenz Christi im Sakrament verwirrt zu werden. In der Tradition der Kirche wurde eine genaue Ausdrucksweise der liturgischen Gesten geschaffen mit dem Ziel, den rechten Glauben an die Realpräsenz Christi in der Eucharistie auszudrücken, wie zum Beispiel die sorgfältige Reinigung der heiligen Gefäße nach der Kommunion und der Stelle, wo die eucharistischen Gestalten gegebenenfalls auf den Boden gefallen sind, die Kniebeuge vor dem Tabernakel, der Gebrauch der Patene beim Austeilen der Kommunion, das regelmäßige Auffüllen der im Tabernakel aufbewahrten Hostien, die Aufbewahrung des Tabernakelschlüssels an einem sicheren Ort, die Würde und Sammlung des Zelebranten in Übereinstimmung mit dem transzendentalen und göttlichen Charakter des Sakraments. Das Auslassen oder Vernachlässigen dieser heiligen Zeichen, die eine tiefere und weitere Bedeutung ihres äußeren Aspekts enthalten, trägt sicher nicht dazu bei, den Glauben an die Realpräsenz Christi im Sakrament zu bewahren. Deshalb wird in den Antworten empfohlen, daß die ausdrucksstarken Zeichen und Symbole des Glaubens an die Realpräsenz Gegenstand einer angemessenen Mystagogie und liturgischen Katechese seien.
41. Nicht zu vergessen ist außerdem, daß der Ausdruck des Glaubens an die Realpräsenz des Herrn im Heiligsten Sakrament, der gestorben und auferstanden ist, den Höhepunkt in der eucharistischen Anbetung hat, in einer Tradition, die in der lateinischen Kirche fest verwurzelt ist. Diese Praxis, so wird in vielen Antworten auf die Lineamenta betont, sollte nicht als Diskontinuität zur Eucharistiefeier dargestellt werden, sondern als ihre natürliche Verlängerung. Dieselben Antworten weisen darauf hin, daß in einigen Teilkirchen ein Wiedererwachen der eucharistischen Anbetung stattfindet, die auf jeden Fall mit Würde und Feierlichkeit zu vollziehen ist. Auch die Aufstellung des Tabernakels an einem gut sichtbaren Ort dient dazu, den
Glauben an die Gegenwart Christi im Heiligsten Sakrament hervorzuheben. In den
Antworten auf die Lineamenta wird darum gebeten, über die richtige Aufstellung des Tabernakels in den Kirchen mehr nachzudenken,
wobei die kanonischen Vorschriften zu berücksichtigen sind.[65]
Es wäre zu überlegen, ob die Entfernung des Tabernakels aus der Mitte des presbyterialen
Raumes und seine Aufstellung in einer unscheinbaren und nicht würdevollen Ecke oder in einer Seitenkapelle, oder die Verlegung des Sitzes des
Zelebranten in die Mitte oder vor den Tabernakel, wie es in den antiken oder in
den neugebauten Kirchen geschehen ist, nicht zur Verringerung des Glaubens an
die Realpräsenz beitragen könnte. Aus denselben Antworten geht hervor, daß dort, wo Anweisungen für den Neubau und den Umbau der Kirchen gegeben wurden mit besonderer Betonung des Ortes für die Aufstellung des Tabernakels, damit er das Bewußtsein der Realpräsenz ausdrückt, positive Ergebnisse wie die Zunahme des Glaubens und der Anbetung zu verzeichnen waren. Die Gotteshäuser müssen Orte des Gebets und der Anbetung bleiben und nicht in Museen umgewandelt werden. Das gilt auch für die Kathedralen und Basiliken von großem geschichtlichen und künstlerischen Wert.
EUCHARISTIE IM LEBEN DER KIRCHE I. Kapitel
Die Eucharistie des Herrn feiern
»Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt« (Mt 28,20)
»Wir danken dir, daß du uns berufen hast, vor dir zu stehen«[66]
42. Die Feier der heiligen Messe beginnt mit dem Bekenntnis, daß dort, wo zwei oder mehr in seinem Namen versammelt sind, Gott gegenwärtig ist, und daß wir vor ihm stehen. Wenn wir an der Messe teilnehmen, müssen wir uns der Gnadenquelle nahe fühlen: »Unser Lobpreis kann deine Größe nicht mehren, doch uns bringt er Segen und Heil«.[67] Der Mensch schaut in der Liturgie nicht auf sich selbst, sondern auf Gott. Nicht unser Lobpreis, sondern sein Handeln schafft Eucharistie. Die Eucharistie
ist Mittelpunkt der kosmischen Liturgie, in der die Dreifaltigkeit gegenwärtig ist, die von Maria und von den Engeln in Ewigkeit angebetet wird, wobei sie
uns ein Modell des Dienstes anbieten. Der dreieinige und dreifaltige Gott wird
auch von den Heiligen und von den Gerechten angebetet, die seine selige Schau
genießen und Fürsprache für uns einlegen, ebenso von den Seelen der Gläubigen, die sich reinigen in Erwartung, Gott zu sehen. Hier offenbart sich die
Kirche als Familie Gottes, wie das II. Vatikanische Konzil und jüngst das nachsynodale Apostolische Schreiben Ecclesia in Africa lehren.[68] Der dem Herrn und den Heiligen dargebrachte Gottesdienst hat seine Mitte im Ostergeheimnis: »In den Gedächtnisfeiern der Heiligen verkündet die Kirche das Pascha-Mysterium in den Heiligen, die mit Christus gelitten haben und mit ihm verherrlicht sind«.[69] Diese Liturgie der Gemeinschaft, die Himmel und Erde vereint, wird für das Heil aller gefeiert, auch derer, die nicht glauben. Die himmlische Liturgie in Erinnerung rufen heißt nicht, sich von der irdischen Liturgie zu entfernen, sondern will die pilgernde und die eschatologische Dimension der Liturgie erfassen.
43. Die Feier der Eucharistie hat eine eigene Struktur und eigene Elemente, die in der Allgemeinen Ordnung des römischen Meßbuches und in der Instruktion für die Anwendung der liturgischen Vorschriften des Codex der Canones der orientalischen Kirchen angegeben sind, besonders in der byzantischen Tradition, die in den katholischen orientalischen Kirchen am meisten verbreitet ist, aber auch in den anderen Traditionen. Zu bekräftigen ist, daß die Eucharistiefeier den demütigen Gehorsam des Priesters und der Diener gegenüber diesen kanonischen Normen erfordert. Um die gebührende Achtung und Verehrung der Eucharistie zu fördern, ist es wünschenswert, daß vor allem die Priester sich durch Gebet auf die Feier des eucharistischen Opfers vorbereiten, in dem der Herr in ihren Händen gegenwärtig wird, und daß sie nach der Feier Gott Dank sagen.[70] Wie es in manchen Antworten heißt, werden diese Zeiten der Vorbereitung und der Danksagung nicht immer beachtet. Und doch muß anerkannt werden, daß viele Bischöfe, Priester, Diakone und Laien diesen Lobpreis und diese Danksagung mit großem geistlichen Gewinn vollbringen. In dieser Hinsicht darf die von vielen Antworten ausgehende Mahnung nicht unterlassen werden, sich auf die Feier durch Stille und Gebet vorzubereiten und sich an die ehrwürdigen Traditionen des Gottesdienstes zu halten.
44. Um diesen Gebetsgeist zu wecken, wird nicht nur hilfreich sein, daß der Zelebrant sich des großen Geheimnisses, das er vollzieht, und des Gebrauchs von gewissen Zeichen bewußt ist, wie des Weihrauchs, der das Gebet symbolisiert, das zu Gott aufsteigt, nach den Worten des Psalms: »Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf; als Abendopfer gelte vor dir, wenn ich meine Hände erhebe« (Ps 141,2). Auch ein Minimum an Assistenz und Mitarbeit seitens der Laien bei der würdigen Feier der heiligen Geheimnisse trägt dazu bei, eine für die eucharistische Liturgie angemessene Atmosphäre zu schaffen. Manchmal übernehmen die Zelebranten auch die Rolle der Zerimoniäre, sie unterweisen die Leute, erteilen Anordnungen, kümmern sich um alles, während sie die Eucharistiefeier vorbereiten. Aber der Priester bedarf der Hilfe von Lektoren, Akolythen, Ministranten und Laien, so daß er sich auf die heiligen Geheimnisse konzentrieren kann, die er feiert, und diese Haltung des Friedens und der Sammlung auf die um den Tisch des Herrn gescharte Versammlung überträgt. In vielen Antworten wird deshalb vorgeschlagen, die Mitarbeit der entsprechend ausgebildeten Laien zu verstärken und den Dienst der »ostiari« wieder einzuführen, das heißt von Laien, die bereit sind, die Personen in der Kirche zu begrüßen, während der Liturgiefeier die Ordnung zu überwachen und darauf zu achten, daß die Kommunion nicht an außenstehende Personen ausgeteilt wird.
Eröffnungsritus
45. Der Gesang zur Eröffnung, das Kreuzzeichen, die Begrüßung, im römischen Ritus der Gesang des Gloria, wenn vorgesehen; im byzantinischen Ritus und in den anderen Riten wie im ambrosianischen und im mozarabischen Ritus sowie in den altorientalischen Riten die Antiphonen, die Litaneien, der Hymnus Eingeborener Sohn, dienen dazu, den Gläubigen, bevor sie das Wort Gottes hören und ihm mit der Eucharistie Dank sagen, bewußt zu machen, daß sie vor dem Herrn, stehen. Besonders der Bußakt verweist auf die Haltung, die notwendig ist, um die heiligen Geheimnisse zu feiern: die Haltung des Zöllners, der demütig bekennt, daß er ein Sünder ist. Obwohl dieser Akt kein Sakrament ist, erinnert er an die unauflösliche Verbindung zwischen Buße und Eucharistie; auf dieses Band wird in den katholischen orientalischen Kirchen besonders geachtet. Wenn er von der Austeilung des Weihwassers ersetzt wird, weist er auf die Taufe hin, den Beginn des neuen Lebens, in der wir den Werken des Bösen widersagt haben. Von Anfang an werden wir daran erinnert, daß wir, wenn wir die Eucharistie empfangen wollen, durch die Buße gereinigt werden müssen, das heißt frei von Streit und Spaltung sein müssen, die das Gegenteil des Zeichens der Einheit sind, das die Eucharistie ist. Es ist wichtig, in der Katechese solche Aspekte zu beschreiben und auch klarzustellen, daß der Bußakt keine schweren Sünden nachläßt, und es deshalb nötig ist, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen. Wortgottesdienst
46. Die biblischen Lesungen, der 1. und der 2. Zwischengesang, die Predigt, das Glaubensbekenntnis bilden den Wortgottesdienst. Gott hat zu uns durch den Sohn, sein fleischgewordenes Wort, gesprochen. Das göttliche Wort ist nur eines, und weil es das vollbringt, was es sagt, wird es zur selben Zeit Brot des Lebens, das Zeichen, das Jesus Christus vollbracht hat. Unter Hinweis auf die Erzählung von Emmaus (vgl. Lk 24) zeigte Papst Johannes Paul II. die unauflösliche Verbindung zwischen dem »Tisch« des Wortes und dem »Tisch« der Eucharistie.[71] Der Wortgottesdienst in Verbindung mit der eucharistischen Liturgie bezeichnet deshalb die Feier als einen einzigen Gottesdienst, der keinen Bruch erlaubt. Der Wortgottesdienst verbindet uns mit der Offenbarung, die Gott im Alten Testament gemacht hat. Der große Reichtum der mächtigen Gegenwart Gottes, die der Ruhm des auserwählten Volkes Israel war, ist Teil der katholischen Liturgie geworden, erleuchtet vom Licht des menschgewordenen Wortes, Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist für alle. Wie das II. Vatikanische Konzil lehrt, geht die Offenbarung Jesu über die Verschlüsselung des Textes der Heiligen Schrift hinaus, die sie nicht vollständig ausdrückt.[72] Sein Wort bleibt lebendig im Leben der Kirche, die es im Verlauf der Jahrhunderte weitergibt und im sakramentalen Zeichen zugänglich macht. Die Verkündigung, die Jesus durchführt, ist von seiner Gegenwart im Sakrament nicht getrennt, weil er eine nie zuvor erreichte und nachher wiederholte Einheit schafft. Seine Menschwerdung, sein Leiden und Sterben, seine Auferstehung sind
Wort und Ereignis, die es zu sehen und zu betrachten gilt. Das Wort verweist
auf das Ereignis. Das eucharistische Geheimnis wird das Leben der Kirche
immer begleiten als Synthese von Wort und Ereignis, und wird zur Betrachtung
hinführen. Im römischen Ritus und im byzantinischen »Kleinen Einzug« wird das alles in Erinnerung gerufen von der Verehrung und der Ehre, die
dem Evangeliar als mystischem Eintritt des menschgewordenen Wortes und seiner
Gegenwart inmitten der Versammlung der Gläubigen erwiesen wird. 47. In dieser Hinsicht wurde hervorgehoben, daß die Verkündigung des Wortes Gottes nicht immer in angemessener Weise gepflegt wird. Zu verbessern wäre der Dienst der Lektoren, wenn sie an die Gläubigen die Schönheit des Inhalts und der Form des Wortes weitergeben, das Gott an sein Volk richtet. An einigen Orten, wo die Gewohnheit überwiegt, nur am Sonntag und an den gebotenen Feiertagen zwei Lesungen zu halten, wird der Mangel der Kenntnis der Lesungen und der Apostelgeschichte beklagt. Deshalb ist es angemessen, daran zu erinnern, solche Lesungen, die vom Handeln Gottes in der Urkirche berichten, nicht auszulassen. Ein wichtiger Teil des Wortgottesdienstes ist die Predigt, die vom geweihten Amtsträger gehalten wird mit dem Ziel, den Gläubigen zu helfen, daß sie mit Herz und Sinn dem Wort Gottes zustimmen. Zu diesem Zweck werden vielfach mystagogische Homilien empfohlen, die es erlauben, die Gläubigen in die heiligen Geheimnisse einzuführen, die gefeiert werden, entsprechend den verkündeten Lesungen, um das Leben jedes Einzelnen mit dem Licht Jesu Christi zu erhellen, wobei aber unangemessene profane Andeutungen und Hinweise zu vermeiden sind. Unter Berücksichtigung der Schriftlesungen sollte man auch an thematische Homilien denken, die im Lauf des liturgischen Jahres die großen Themen des christlichen Glaubens vorstellen können: das Credo; das Pater noster; der Aufbau der heiligen Messe; die Zehn Gebote u.a. Dazu wären Vorlagen nützlich, die von sachkundigen Kommissionen der Bischofskonferenzen oder der Bischofssynoden der orientalischen Kirchen sui iuris oder von anderen in der Pastoral spezialisierten Einrichtungen erstellt wurden. In den katholischen orientalischen Kirchen klagt man über Homilien, die mit den liturgischen Lesungen nicht zusammenhängen, weil jedes Jahr dieselben Lesungen an den gleichen Tagen wiederholt werden. Eucharistische Liturgie
48. Die Antworten auf die Lineamenta empfehlen, bei der Darbringung der Gaben darauf zu achten, daß die Aufmerksamkeit zuerst auf das Brot und den Wein gelenkt wird, die Leib und Blut des Herrn werden. Deshalb soll in erster Linie auf diese für den Gottesdienst bestimmten Gaben hingewiesen werden, denn für sie findet die Vorbereitung und Darbringung am Altar statt, und danach auf die für caritative Zwecke u.a. bestimmten Gaben. Diese Gaben verweisen auch auf das große Geschenk der Liebe, die Eucharistie, die den Impuls zur Liebe gegenüber den Ärmsten gibt. Im Bezug auf dieses Thema ist es notwendig, durch eine entsprechende Katechese die Bedeutung des Almosens während der Eucharistiefeier zu erklären, das für die Armen und für die Bedürfnisse der Kirche bestimmt ist. So wird das Bewußtsein für die soziale Dimension der Eucharistie geweckt. Dieses Bewußtsein ist vor allem in solchen Ländern zu bekräftigen, wo die Kirche ihre caritative Tätigkeit nicht frei ausüben kann. Die Gläubigen müssen aufgerufen werden, denjenigen, die in Not sind, zu helfen.
49. Auf die Darbringung der Gaben folgt das Eucharistische Hochgebet, das in seinen verschiedenen Formen im Osten und im Westen die Kirche im Licht des dreifaltigen Geheimnisses sieht: ihren Anfang in der Schöpfung, ihren Höhepunkt im Pascha-Mysterium und ihr Ziel in der Vereinigung von allem am Ende der Zeiten. Deshalb beginnt es mit der Einladung des Zelebranten, die Herzen zum Herrn zu erheben. Der Terminus Anaphora heißt, die Gaben und uns selbst zum Vater zu erheben, sich an den Herrn zu wenden, von dem das Heil kommt. Mit der Epiklese bittet die Kirche den Vater, den Heiligen Geist zu senden, damit er mit seiner Macht auf die Gabe herabkomme. In der orientalischen Liturgie wird in der Epiklese nach der Konsekration das Band zwischen der Eucharistie und dem Pfingstgeheimnis, der Ausgießung des Heiligen Geistes auf die versammelte Gemeinde, betont: »Herr, wir bitten dich, wie du deinen Heiligen Geist auf deine heiligen Jünger und auf deine heiligen Apostel ausgegossen hast, so gieße deinen heiligen Geist auch über uns aus, damit er unser Herz, unsern Leib und unsern Geist heilige«.[73] Die Anrufung des Heiligen Geistes betrifft diejenigen, die die Kommunion empfangen, damit sie die Kraft haben, sich einander zu schenken und dem Sakrament entsprechend zu leben, das sie feiern. Mittelpunkt des Eucharistischen Hochgebets ist der Einsetzungsbericht mit den
Segensworten, die Jesus über das Brot und den Wein gesprochen hat. Es ist die Wandlung, der feierliche
Augenblick, in dem sich die Realpräsenz des auferstandenen Herrn unter den Gestalten von Brot und Wein vollzieht.
Sie sichert die ständige Kontinuität der Eucharistie, von Christus zu den Aposteln und ihren Nachfolgern und
Mitarbeitern, den Bischöfen und Priestern, die durch das hierarchische Dienstamt in Namen des Herrn
zugunsten der Kirche handeln. Diese Kontinuität kommt besonders in der Fürsprache zum Ausdruck: »Gedenke deiner Kirche auf der ganzen Erde«.[74] Hier zeigt die Eucharistiefeier, daß sie ein Akt der Kirche in ihrer Universalität ist, die jedem besonderen und örtlichen Unterschied vorangestellt ist. Im Bewußtsein ihrer Pilgerschaft auf Erden tritt die eucharistische Versammlung mit den Fürbitten in die Gemeinschaft der Heiligen ein, richtet sich auf das Reich aus, weiß aber, daß sie hier auf Erden lebt. Sie vergißt in der Fürbitte nicht die Schwierigkeiten, denen sie begegnet, die Verfolgungen, die sie erleidet, die zeitlichen Katastrophen, die Kriege, indem sie vor allem die Gaben der Einheit und des Friedens erbittet. Der Heilige Geist drückt dem Hochgebet die innere Ausrichtung auf den Herrn Jesus auf, damit die Gabe »auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit« getragen werde[75] und der dreifaltige Lobpreis »per ipsum, cum ipso et in ipso« mit der Zustimmung des Volkes Gottes erwiesen wird, das Amen spricht. Kommunion 50. Die Allgemeine Ordnung des römischen Meßbuches empfiehlt, daß die »Gläubigen wohlgesinnt« die Kommunion empfangen.[76] Die gute Gesinnung erwächst aus dem Unterscheidungsvermögen, nach dem der Leib des Herrn kein gewöhnliches Brot, sondern ein Brot des Lebens ist, das auf diejenigen wartet, die sich mit dem Vater versöhnt haben. Wie das Teilen des Mahles unter den Menschen Eintracht voraussetzt, so ist die Eucharistie das Sakrament der Versöhnten, in dem Sinn, daß sie durch das Bußsakrament der Höhepunkt des Weges der Versöhnung mit Gott und mit der Kirche ist. Auf diese Weise wird das Mitleid Christi für das Heil der Seelen offenbar, das auch das höchste Gesetz der Kirche ist. Nachdem die Versöhnung durch die Buße wieder hergestellt ist und der Stand der Gnade wieder erlangt worden ist, dienen die Riten der Kommunion der unmittelbaren Vorbereitung. Es wäre angemessen, mehr die Bedeutsamkeit der Gnade der Sakramente als ein Gut zu unterstreichen, das niemandem verweigert werden darf, sobald die erforderlichen Bedingungen erfüllt sind,[77] die in den kanonischen und liturgischen Vorschriften festgelegt sind, ohne daß andere hinzugefügt werden.Erforderlich für die Vorbereitung auf die Kommunion ist die Reinigung, die notwendig ist, um sich dem Herrn nähern zu können. In der Tat obliegt es jedem von uns, sich zu prüfen, ob er diese Gesinnung hat. Dazu mag eine angemessene Katechese über die Macht der Eucharistie, läßliche Sünden zu tilgen, hilfreich sein. Denn durch den Kommunionempfang mit reumütigem Herzen erlangt man die Gnade des Heiligen Geistes, damit man den Versuchungen nicht erliegt, sondern ein christliches Lebenszeugnis gibt, trotz des meist ungünstigen Umfeldes. Auch das Gebet des Pater noster hilft uns, weil wir dadurch die Reinigung von den Sünden und die Befreiung vom Bösen erbitten, so wie der Friedensgruß dann den Gläubigen erlaubt, die kirchliche Gemeinschaft und die gegenseitige Liebe zum Ausdruck zu bringen,[78] während er ein Anlaß ist, die Bereitschaft zur Vergebung zu prüfen, die notwendig ist, um die Kommunion würdig zu empfangen. In den orientalischen Liturgien und in der ambrosianischen Liturgie wird gerade dieser Aspekt, die Tilgung jeder Feindschaft (vgl. Mt 5,23-24), durch den Friedenskuß hervorgehoben, der bei der Gabenbereitung getauscht wird. Von mehreren Seiten wird angemerkt, daß die Friedensgeste fakultativ ist und sich nicht mit der nachfolgenden und hauptsächlichen Geste der fractio panis überschneiden darf, die auf den für uns zerbrochenen Leib hinweist. Im Augenblick der Kommunionausteilung - so ist in manchen Antworten zu lesen - segnet der Priester die Kinder oder die eigens gekennzeichneten Katechumenen, die vortreten und die Erstkommunion noch nicht empfangen haben. In manchen Kirchen wird der Segen auch den Nichtkatholiken erteilt, wenn sie zum Altar kommen im Augenblick der Kommunion. In dieser Hinsicht wird von asiatischen Ländern vorgeschlagen, eine Geste für die Nichtchristen während der Kommunion zu erwägen, damit sie sich nicht von der liturgischen Gemeinschaft ausgeschlossen fühlen. Entlassungsritus
51. Nach dem Empfang der Kommunion soll man beten, um die Früchte des gefeierten Geheimnisses zu erlangen. Eine der ersten Früchte ist das Heilmittel für die täglichen Unterlassungen und die Todsünden.[79] Es ist notwendig, vor allem darum zu bitten, daß unser Glaube und die Gemeinschaft mit Christus es erreichen, daß wir sein Evangelium in der Welt, in allen unseren Lebensbereichen, durch das Zeugnis unserer Werke verkünden, damit die Menschen an Gott den Vater glauben und ihn lobpreisen. Die Entlassung aus der Messe schließt eine Einladung zur Sendung ein, die die Kirche, von der Eucharistie unterstützt, vom Beispiel und der Fürsprache Marias angeführt und begleitet, in der Evangelisierung der Welt von heute zur Vollendung bringt. Die Eucharistie hat das Ziel, uns in der Liebe Christi wachsen zu lassen, und in seinem Wunsch, allen das Evangelium zu bringen.
Ars celebrandi
52. Es ist notwendig, auf die ars celebrandi zu achten, um die Gläubigen zum wahren Gottesdienst, zur Verehr |