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Die Uniform der Schweizergarde:
Eine Frage, die jedem ganz spontan in den Sinn kommen könnte, ist: Wie waren wohl die ersten Schweizergardisten gekleidet, die im Januar 1506 zum ersten Mal ihren Einzug im Vatikan hielten? Änderte sich ihre Bekleidung im Laufe der Jahrhunderte nicht? Wer hat die auffallende Uniform von heute entworfen?
In den Chroniken gibt es keinerlei Hinweise zur Bekleidung der ersten Schweizer, die von Julius II. am 22. Januar 1506 willkommen geheißen wurden. Deshalb kann man mit Sicherheit annehmen, daß sie nicht außergewöhnlich war und sich durch nichts von der anderer Soldaten jener Zeit unterschied, wobei jedoch darauf hingewiesen werden muß, daß es damals eine Uniform im eigentlichen Sinne noch nicht gab. Man weiß mit Sicherheit nur, daß Schuhe und Kleidung, »vestiti usque ad calceas«, auf Kosten des Papstes gingen und daß die Schweizer vermutlich das weiße Schweizer Kreuz auf der Brust trugen. Sie waren mit Hellebarden und Schwertern bewaffnet, und Schultern, Brust und Arme waren durch einen Metallpanzer geschützt.
Im 16. Jahrhundert trugen die Soldaten gewöhnlich eine eng anliegende Weste oder ein Wams, das vorne unterhalb des Gürtels in spitzen Schößchen auslief, oder sie hatten ein bis zum Knie reichendes Überwams an. Sowohl Weste als auch Überwams hatten keinen Kragen. Der Hals wurde meistens frei gelassen; das geht aus einer Miniatur in der Vatikanischen Bibliothek hervor, auf der von Silenen beim Einzug Julius' II. in Bologna mit unbedecktem Halsdargestellt ist. Der weite Teil der Ärmel und der Beinkleider konnte mit bunten, aufgelegten Bändern versehen werden, die lose an beiden Enden vernäht wurden. Die verschieden artigen Farben dieser Bänder hoben die Anführer unter den Söldnern der einzelnen Kompanien hervor. Die Strümpfe reichten gewöhnlich bis zum Knie.

Diese Art Bekleidung war von den eidgenössischen Söldnern, die von ihren Feldzügen
in Italien zurückkehrten, in der Schweiz eingeführt worden. Auch die
Bekleidung der deutschen Soldaten, insbesondere der Landsknechte, war ähnlich.
Eine einheitliche Bekleidung und Bewaffnung der eidgenössischen Soldaten gab es
erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Während der italienischen
Renaissance wurde sowohl die Bekleidung der Adeligen als auch der übrigen Bevölkerung
einfacher. Zwischen den beiden Gesellschaftsschichten gab es keine allzu großen
Unterschiede mehr. So sieht man zum Beispiel auf dem Fresko »Die Messe von
Bolsena« von Raffael, das sich in den Stanzen Raffaels befindet, rechts unten
eine Gruppe wunderbar gekleideter Personen, bei denen es sich nicht um Schweizer
handelt, sondern um kniende »Sesselträger«, die ein Schwert tragen. Das könnte
leicht zu einem Mißverständnis führen, doch trug zu jener Zeit fast jeder ein
Schwert, selbst die Priester und ihre Angehörigen. Auf seinem Bild »Cacciata di Eliodoro« (Vertreibung des Heliodor) in den Stanzen des Vatikans stellte Raffael Julius II., umgeben von einigen
Schweizergardisten, dar, die weite, nur bis zum Knie reichende Beinkleider
tragen und eine hüftlange Weste. Diese Art Bekleidung war in Rom und ganz
Italien üblich. Neben dem normalen Überwams gab es auch eine Art lange Kutte,
die bis unter das Knie reichte. Bei Regen und Kälte trug man einen weiten, ärmellosen,
schwarzen Tuchmantel, die »Giornea«, der an den Seiten offen war und durch blaue Kordeln zusammengehalten wurde.
Diese Art Umhang ist auf dem Fresko »Krönung Pius' III.« von Pinturicchio über dem Eingang zur Picolominibibliothek im Dom von
Siena abgebildet.
Heute tragen die Schweizer einen dunkelblauen Umhang. Zu
besonders feierlichen Anlässen trugen die Offiziere über dem langen Umhang den
»Robone«, einen bis zum Knie reichenden Überwurf. So ist Kaspar Röist auf dem Kreuzigungsbild in der Kirche Santa Maria auf dem Campo Santo Teutonico dargestellt.
Im allgemeinen wurden Wollstoffe verwendet. Klemens IX. (1667-1669) gab dem »Armenhaus
der Bettelmädchen«, in dem Wolle verarbeitet wurde, das Exklusivrecht auf die
Lieferung der Stoffe für die Bekleidung der Garde.
In der Renaissance war die Bekleidung nicht nur raffinierter, sondern auch
bunter geworden, Rot war die dominierende Farbe. Unter Leo X. wurde auch die
Uniform der Schweizergarde um die Farbe Rot bereichert, und aus dem Blau-Gelb
der della Rovere wurde das Blau-Gelb-Rot der Medici.
Die Kopfbedeckung der Schweizer Söldner war sehr unterschiedlich. Es gab
breitkrempige Hüte mit Hutband, turbanartige, gefütterte Lederkappen oder auch
einfache Metallhelme. All diese Kopfbedeckungen hatten jedoch eines gemeinsam;
sie waren mit auffallenden Reiher- oder Fasanenfedern geschmückt, wie jene, die
Kommandant von Silenen beim Einzug Julius' II. in Bologna getragen hat. Der Metallhelm wurde sehr bald
durch die Sturmhaube (Morion), einen halbkugelförmigen Metallhelm mit einem
hohen »Kamm« ersetzt, der nach vorne und nach hinten in hochgezogene Spitzen
auslief.

Auch heute noch benutzen die Schweizergardisten die Sturmhaube bei besonders
feierlichen Anlässen, wie zum Beispiel bei der Vereidigung der Rekruten. Im
Laufe der Jahrhunderte wurde dann und wann auch ein nach unten breit
auslaufender Helm benutzt. Man kann ihn auf dem Fresko der Sala Sistina in der
Vatikanischen Bibliothek sehen, auf dem die Aufstellung des Obelisken auf der
Piazza SanPietrodargestellt ist. Die Französische Revolution übte ihren Einfluß auch auf die
Uniform der Schweizergarde aus. Man versuchte, das zu kopieren, was sehr
praktisch schien: den Zweispitz mit seiner Kokarde und den französischen Kragen.
Auch das extrem breite Schultergehänge aus Leder, das von der rechten Schulter
bis zum linken Oberschenkel reichte und an dessen Ende die Scheide für den Säbel
befestigt war, wurde übernommen. Während der napoleonischen Zeit gab es keine weiteren Veränderungen, da es an
den nötigen Geldern dafür fehlte. Einige Jahre später, während des
Pontifikats Leos XII.,wurden weitere Versuche unternommen,
die Uniformen noch mehr denen der napoleonischen Soldaten anzugleichen. Doch
blieb es glücklicherweise bei den Versuchen, andernfalls gäbe es heute die
ruhmreichen und malerischen alten Uniformen nicht mehr.
Die heutige Uniform:
Die heutige Uniform der Schweizer ist weitgehend dem Entwurf des Kommandanten
JulesRepond (1910 bis 1921) zu verdanken, der einen ausgeprägten Sinn für Formen und
Farben hatte. Nach langem Suchen und Forschen und in Anlehnung an die Fresken
Raffaels schaffte er die Hüte ab und ersetzte sie durch die heute noch übliche
Baskenmütze, an der die Rangabzeichen befestigt sind. Er führte den weißen
Kragen an Stelle der mehr oder weniger gefältelten Halskrause ein. Er bemühte
sich auch um die Rüstungen, die er nach alten Abbildungen anfertigen ließ. Nur
zur Galauniform gehören die auffallende Halskrause, weiße Handschuhe, ein
heller Metallhelm mit weißer Straußenfeder für den Kommandanten und den
Feldweibel, mit dunkelvioletter Feder für die Offiziere, mit roter für die
Unteroffiziere und Hellebardiere und mit gelb-schwarzer auf schwarzem Helm für
die Trommler und Pfeifer. Auf den beiden Seitenteilen des Galahelms ist die
Eiche der della Rovere im Relief abgebildet.

Die Farben, die die Gardeuniformen so auffallend machen, sind die
Traditionsfarben des Hauses Medici, Blau, Rot und Gelb, zu denen das Weiß der
Handschuhe und des Kragens sehr gut paßt. Die blauen und gelben Stoffstreifen
unterbrechen in fließender Bewegung das Rot der Weste und der Hose. Die
Alltagsuniform ist vollständig in blauer Farbe gehalten. Es hat also im Laufe
der Jahrhunderte Veränderungen an den Uniformen der Schweizergarde gegeben,
auch wenn es sich manchmal nur um Details handelte. Der Entwurf der Uniformen wird gewöhnlich Michelangelo zugeschrieben, doch es scheint, als
habe er sich nie damit befaßt. Doch hat, wie wir gesehen haben, Raffael durch
seine Malerei zweifellos den Geschmack der italienischen Renaissance mitbestimmt
und verbreitet und dadurch indirekt einen gewissen Einfluß auf die Entwicklung
der Uniform gehabt.
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