Exzellenz!
Am 13. August haben Sie die hohe Ehre und große Freude, in
Aviano der Eucharistiefeier vorzustehen, mit der des Ehrwürdigen Dieners
Gottes und Kapuziners Pater Marco anläßlich des 300. Jahrestages seines
Hinscheidens gedacht wird. Es ist angemessen, daß Sie als derzeitiger
Apostolischer Nuntius in Österreich diesem Anlaß durch Ihre Anwesenheit
Gewicht verleihen. Denn es ist bekannt, wie eng seinerzeit die Bande waren,
durch die sich Pater Marco mit Wien und verschiedenen dort wirkenden
Vertretern des Heiligen Vaters zum Wohl der Kirche verbunden wußte. So bittet
Sie Papst Johannes Paul II., die Festversammlung seiner geistigen Nähe zu
versichern und ihr herzliche Segenswünsche zu übermitteln.
Mit dem Dank an Gott, der in Pater Marco d’Aviano der Kirche
in bedrängter Zeit einen wertvollen Ratgeber geschenkt hat, verbindet Seine
Heiligkeit die Bitte, die Botschaft dieses unermüdlichen Dieners Gottes für
unsere Tage zu erschließen. Man hat Pater Marco den Beinamen »Retter Europas«
gegeben. Sein Wort in kirchlichen und politischen Fragen war damals nicht
selten Gold wert. Es spannte den Bogen über den Kreis der Katholiken hinaus zu
Protestanten, Juden und Moslems. Dabei war sein Reden gedeckt durch
glaubwürdiges Handeln. Für Pater Marco waren Liebe und Wahrheit kein
gegensätzliches Paar, sondern zogen einander an: Je tiefer seine Liebe auch zu
Fernstehenden und Andersgläubigen war, umso weniger enthielt er diesen seine
Überzeugung vor, umso mehr führte er sie ein in die Wahrheit, von der er als
katholischer Christ und Ordensmann durchdrungen war.
Was er aus seinem Familiennamen ererbt hatte, wurde für ihn
Programm: Marco »Cristofori« zu heißen bedeutete für ihn tatsächlich, seinen
Lebensweg als unerschrockener und liebender »Christusträger« zu gehen. In den
religiösen und kulturellen Unterschieden, die sich in unserer Zeit einem
zusammenwachsenden Europa als Herausforderung stellen, richtet Pater Marco
d’Aviano eine ermutigende und zugleich mahnende Botschaft an alle Europäer von
heute und morgen. Den Christen schärft er ein: Gebt Europas christlichen Grund
nicht auf! Stellt den Kontinent auf dieses feste Fundament! Und gleichzeitig
schlägt er die Brücke zu allen, die an Einen Gott glauben: Besinnt Euch auf
Gott, Euren Schöpfer, der unser aller Vater und Richter ist! Dann wird der Bau
des europäischen Hauses wohl gelingen.
Zu diesem anspruchsvollen und zugleich erfüllenden Vorhaben,
dem der Ehrwürdige Diener Gottes Pater Marco d’Aviano den Weg mitbereitet hat,
erteilt Papst Johannes Paul II. den zur Feier anwesenden Bischöfen, Priestern
und Gläubigen, besonders den Vertretern der franziskanischen Familien, gern
den Apostolischen Segen.
Aus dem Vatikan, am 6. August 1999
Angelo Kardinal Sodano
Staatssekretär Seiner Heiligkeit
*L'Osservatore Romano. Wochenausgabe in deutscher Sprache n.40 p.6
.