I.
EINFÜHRUNG
1. Die Art und Weise, wie die Menschen mit den sozialen
Kommunikationsmitteln umgehen, kann positive und negative Auswirkungen nach sich
ziehen. Auch wenn es immer wieder heißt
— wir werden das hier oft wiederholen —, daß «die Medien» dies oder jenes tun, handelt es sich bei ihnen doch nicht um
blinde Naturkräfte außerhalb
jeder menschlichen Kontrolle. Denn selbst wenn das Kommunikationsgeschehen oft
unbeabsichtigte Folgen hat, hängt es dennoch von der Entscheidung der Menschen
ab, ob sie die Medien für gute oder schlechte Zwecke, auf gute oder schlechte
Weise benutzen.
Diese Entscheidungen, die für die ethische Frage von zentraler
Bedeutung sind, werden nicht nur von den Kommunikationsempfängern —
Zuschauern, Hörern, Lesern — getroffen, sondern insbesondere von denjenigen,
die die sozialen Kommunikationsmedien kontrollieren und über ihre Strukturen,
ihre Politik und ihren Inhalt entscheiden. Zu ihnen gehören Inhaber
öffentlicher Ämter und Vorstände, Geschäftsführer, Mitglieder von
Regierungsorganen, die Eigentümer von Medienunternehmen, Herausgeber, Verleger,
Intendanten und Direktoren von Rundfunk- und Fernsehsendern, Redakteure und
Chefredakteure von Zeitungen, Produzenten, Autoren, Korrespondenten und andere.
Für sie stellt sich die ethische Frage besonders dringlich: Werden die
Massenmedien für gute oder für schlechte Zwecke benutzt?
2. Der Einfluß
der Medien ist übermächtig. Hier kommen Menschen mit anderen Menschen und mit
Ereignissen in Kontakt und bilden sich ihre Meinungen und Wertvorstellungen.
Durch diese Medien übermitteln und empfangen sie nicht nur Informationen und
Ideen, sondern oft erfahren sie das Leben selbst als eine durch die Medien
vermittelte Erfahrung (vgl. Päpstlicher Rat für die Sozialen
Kommunikationsmittel, Aetatis novae, 2).
Der technologische Wandel macht die Kommunikationsmitttel sehr
rasch noch beherrschender und mächtiger. «Das Aufkommen der
Informationsgesellschaft ist tatsächlich eine Kulturrevolution» (Päpstlicher
Rat für die Kultur, Für eine Pastoral der Kultur, 9); die
eindrucksvollen Neuerungen des zwanzigsten Jahrhunderts dürften wohl nur ein
Prolog zu dem gewesen sein, was uns das neue Jahrhundert bringen wird.
Die Verbreitung und Vielfalt der Medien, die den Menschen der
wohlhabenden Länder zugänglich sind, ist erstaunlich: Bücher und
Zeitschriften, Fernsehen und Radio, Filme und Videos, Tonaufzeichnungen, über
Funk, Kabel, Satelliten oder Internet übermittelte elektronische Kommunikation.
Die Inhalte dieses ungeheuren Stromes an Kommunikation reichen von blossen
Nachrichten bis zu reiner Unterhaltung, vom Gebet bis zur Pornographie, von der
Kontemplation bis zur Gewalt. Je nachdem, wie sie die Medien nutzen, können
Menschen entweder in der Fähigkeit zu Mitleid und Mitgefühl wachsen oder aber
in einer narzißhaften,
um sich selbst kreisenden Welt von fast betäubend wirkenden Reizen isoliert
werden. Nicht einmal Menschen, die den Medien ausweichen, können Kontakte mit
anderen Menschen, die sich tief von den Medien beeinflussen lassen, vermeiden.
3. Außer
diesen Motiven hat die Kirche noch ihre eigenen Gründe dafür, sich für die
sozialen Kommunikationsmittel zu interessieren. Im Licht des Glaubens
betrachtet, kann man die Geschichte der menschlichen Kommunikation als eine
lange Reise sehen, die von Babel, Schauplatz und Sinnbild des Zusammenbruchs der
Kommunikation (vgl. Gen 11,4-8), bis Pfingsten und zur Gabe des
Zungenredens (vgl. Apg 2,5-11), also der Wiederherstellung der
Kommunikation durch die Kraft des vom Sohn gesandten Geistes, führt. Die
Kirche, die in die Welt hinausgesandt wurde, die Frohe Botschaft zu verkünden
(vgl. Mt 28,19-20; Mk 16,15), hat den Auftrag zur Verkündigung
des Evangeliums bis ans Ende der Zeiten. Und die Kirche weiß, daß
heute für die Glaubensverkündigung der Einsatz der Massenmedien unentbehrlich
geworden ist (vgl. II. Vatikanisches Konzil, Dekret Inter mirifica, 3;
Paul VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi, 45; Johannes Paul II.,
Enzyklika Redemptoris missio, 37; Päpstlicher Rat für die Sozialen
Kommunikationsmittel, Communio et progressio, 126-134; Aetatis novae,
11).
Die Kirche weiß
auch, daß
sie communio ist, das heißt
eine Gemeinschaft aus Personen und eucharistischen Gemeinschaften, die «in der
innigen Gemeinschaft der Dreifaltigkeit ihren Ursprung hat und diese
widerspiegelt» (Aetatis novae, 10; vgl. Kongregation für die
Glaubenslehre, Einige Aspekte der Kirche als Communio). In der Tat
gründet sich alle menschliche Kommunikation auf die Kommunikation zwischen
Vater, Sohn und Heiligem Geist. Aber mehr noch: die trinitarische Gemeinschaft
erreicht die Menschheit: Der Sohn ist das vom Vater ewig «gesprochene» Wort;
und in und durch Jesus Christus, Sohn und fleischgewordenes Wort, teilt Gott
Frauen und Männern sich selbst und sein Heil mit. «Viele Male und auf
vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in
dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn, den er zum Erben
des Alls eingesetzt und durch den er auch die Welt erschaffen hat» (Hebr 1,1-2).
Ausgangspunkt der Kommunikation in der Kirche und durch die Kirche ist die
Gemeinschaft der Liebe zwischen den göttlichen Personen und ihre Kommunikation
mit uns.
4. Die Kirche begegnet den Mitteln der gesellschaftlichen
Kommunikation grundsätzlich positiv und ermutigend. Sie bleibt nicht einfach
bei Vorurteil und Verurteilung stehen; vielmehr sieht sie diese Mittel nicht nur
als Produkte des menschlichen Erfindungsgeistes, sondern auch als großartige
Gaben Gottes und echte Zeichen der Zeit (vgl. Inter mirifica, 1; Evangelii
nuntiandi, 45; Redemptoris missio, 37). Sie möchte diejenigen, die
beruflich im Medienbereich tätig sind, durch die Festlegung positiver
Prinzipien, die ihnen bei ihrer Arbeit helfen sollen, unterstützen, während
sie gleichzeitig einen Dialog fördert, an dem alle interessierten Seiten —
das bedeutet heutzutage praktisch jedermann — teilnehmen können. Diese
Zielsetzungen liegen dem vorliegenden Dokument zugrunde.
Wir wiederholen: Die Medien tun nichts von selbst; sie sind
Instrumente, Werkzeuge, die so benutzt werden, wie die Menschen sie benutzen
wollen. Wenn wir über die Mittel der sozialen Kommunikation nachdenken, müssen
wir uns ehrlich der «wesentlichsten» Frage stellen, die der technische
Fortschritt aufwirft: «Wird der Mensch als Mensch im Zusammenhang mit diesem
Fortschritt wirklich besser, das heißt
geistig reifer, bewußter
in seiner Menschenwürde, verantwortungsvoller, offener für den Mitmenschen,
vor allem für die Hilfsbedürftigen und Schwachen, und hilfsbereiter zu allen?»
(Johannes Paul II., Enzyklika Redemptor hominis, 15).
Wir nehmen als selbstverständlich an, daß
die große
Mehrheit derer, die in irgendeiner Form im Medienbereich tätig sind,
gewissenhafte Menschen sind, die das Richtige tun wollen. Inhaber öffentlicher
Ämter, Entscheidungsträger, Intendanten und Direktoren möchten das
öffentliche Interesse, so wie sie es verstehen, respektieren und fördern.
Leser, Hörer und Zuschauer wollen ihre Zeit gut nutzen für ihre persönliche
Entwicklung, damit sie ein glücklicheres, erfüllteres Leben führen können.
Eltern sind darauf bedacht, daß
das, was durch die Medien in ihre Wohnungen Eingang findet, ihren Kindern zum
Nutzen gereicht. Die meisten Medienschaffenden wollen ihre Talente einsetzen, um
der Menschheitsfamilie zu dienen, und sind beunruhigt über den in vielen
Medienbereichen zunehmenden wirtschaftlichen und ideologischen Druck, die
geltenden ethischen Standards zu senken.
Die Inhalte der zahllosen Entscheidungen, die von all diesen
Personen im Zusammenhang mit den Massenmedien getroffen werden, unterscheiden
sich zwar von Gruppe zu Gruppe und von Mensch zu Mensch, aber alle
Entscheidungen haben ethisches Gewicht und sind einer sittlichen Bewertung
unterworfen. Voraussetzung für eine richtig getroffene Wahl bzw. Entscheidung
ist «die Kenntnis der Grundsätze sittlicher Wertordnung und die Bereitschaft,
sie auch wirklich anzuwenden» (Inter mirifica, 4).
5. Die Kirche bringt mehrere Elemente in dieses Gespräch ein.
Sie bringt eine lange Tradition moralischer Weisheit mit, die
ihren Ursprung in der göttlichen Offenbarung und im menschlichen Denken hat
(vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Fides et ratio, 36-48). Dazu gehört
ein gehaltvoller und weiter wachsender Bestand an Soziallehre, deren
theologischer Horizont ein wichtiges Korrektiv zu der «‘atheistischen'
Lösung» darstellt, «die den Menschen eines seiner fundamentalen Bausteine,
nämlich des geistlichen, beraubt, als auch zu den permissiven und
konsumistischen Lösungen, die es unter verschiedenen Vorwänden darauf
abgesehen haben, ihn von seiner Unabhängigkeit von jedem Gesetz und von Gott zu
überzeugen» (Johannes Paul II., Enzyklika Centesimus annus, 55). Das
ist mehr als ein einfaches Urteil; diese Tradition bietet sich selbst zum Dienst
an den Medien an. Zum Beispiel kann »die kirchliche Kultur der Weisheit die
Informationskultur der Medien davor bewahren, zu einer sinnlosen Anhäufung von
Fakten zu werden» (Johannes Paul II., Botschaft zum 33. Welttag der Sozialen
Kommunikationsmittel, 1999).
Die Kirche bringt auch noch etwas anderes in das Gespräch ein.
Ihr besonderer Beitrag zur menschlichen Ordnung, einschließlich
der Welt der sozialen Kommunikation, «ist ihre Sicht von der Würde der Person,
die sich im Geheimnis des menschgewordenen Wortes in ihrer ganzen Fülle
offenbart» (Centesimus annus, 47). In der Formulierung des Zweiten
Vatikanischen Konzils «macht Christus, der Herr, Christus, der neue Adam, in
der Offenbarung des Geheimnisses des Vaters und seiner Liebe dem Menschen den
Menschen selbst voll kund und erschließt
ihm seine höchste Berufung» (Gaudium et spes, 22).
II.
DIE SOZIALE KOMMUNIKATION
IM DIENST DES MENSCHEN
6. Im Anschluß
an die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et
spes (vgl. Nr. 30-31) stellt die Pastoralinstruktion über die sozialen
Kommunikationsmittel Communio et progressio mit aller Klarheit fest, daß die Medien berufen sind, der Menschenwürde dadurch zu dienen, da
ß sie dem Menschen helfen, ein gutes Leben zu führen und als Person in
Gemeinschaft zu leben. Die Medien tun das, indem sie Männer und Frauen
ermutigen, sich ihrer Würde bewußt
zu sein, auf die Gedanken und Gefühle anderer einzugehen, ein gegenseitiges
Verantwortungsgefühl zu entwickeln und in der persönlichen Freiheit, in der
Achtung vor der Freiheit der anderen und in der Fähigkeit zum Dialog zu
wachsen.
Medien-Kommunikation verfügt über eine ungeheure Macht, Glück
und Erfüllung des Menschen zu fördern. Ohne den Anspruch zu erheben, mehr als
nur einen kurzen Überblick zu geben, erwähnen wir hier, wie wir es schon bei
anderer Gelegenheit getan haben (vgl. Päpstlicher Rat für die Sozialen
Kommunikationsmittel, Ethik in der Werbung, 4-8), einige positive Seiten
in wirtschaftlicher, politischer, kultureller, erzieherischer und religiöser
Hinsicht.
7. Wirtschaftlich. Der Markt ist weder eine
Sittlichkeitsnorm noch eine Quelle moralischer Werte, und die Marktwirtschaft
kann mißbraucht
werden; doch der Markt kann dem Menschen dienen (vgl. Centesimus annus,
34), und in einer Marktwirtschaft spielen die Medien eine unverzichtbare Rolle.
Die gesellschaftliche Kommunikation unterstützt das Geschäftsleben und den
Handel, sie hilft das Wirtschaftswachstum anzukurbeln, fördert Beschäftigung
und Konjunktur, ermutigt zu Verbesserungen in der Qualität bestehender und zur
Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen; sie fördert den
verantwortlichen Wettbewerb, der den Interessen der Allgemeinheit dient, und
ermöglicht den Menschen, durch Informationen über Verfügbarkeit und
Eigenschaften von Produkten eine sachkundige Wahl zu treffen.
Mit einem Wort, die heutigen komplexen nationalen und
internationalen Wirtschaftssysteme könnten ohne die Medien gar nicht
funktionieren. Würde man die Medien abschaffen, würden zum großen
Schaden unzähliger Menschen und der ganzen Gesellschaft entscheidende
Strukturen der Wirtschaft zusammenbrechen.
8. Politisch. Die Medien-Kommunikation kommt der
Gesellschaft zugute, weil sie dem informierten Bürger die Teilnahme am
politischen Prozeß
erleichtert. Die Medien führen Leute zusammen, die gemeinsame Absichten und
Ziele verfolgen, und tragen so zur Bildung und Aufrechterhaltung echter
politischer Gemeinschaften bei.
In den heutigen demokratischen Gesellschaften sind die Medien
unentbehrlich. Sie liefern Informationen über Probleme und Ereignisse, über
Amtsinhaber und Amtsbewerber. Sie ermöglichen den Führungskräften, über
dringende Fragen rasche, direkte Verbindung mit der Öffentlichkeit aufzunehmen.
Die Medien sind wichtige Instrumente der Verantwortlichkeit, wenn sie
Inkompetenz, Korruption und Vertrauensmißbrauch
ins Rampenlicht rücken; sie lenken aber die Aufmerksamkeit ebenso auf Beispiele
für Kompetenz, Zivilcourage und Pflichteifer.
9. Kulturell. Die sozialen Kommunikationsmittel bieten
den Menschen Zugang zu Literatur, Theater, Musik und Kunst, die ihnen sonst
nicht zugänglich wären, und fördern auf diese Weise die menschliche
Entwicklung im Hinblick auf Wissen, Weisheit und Schönheit. Wir meinen damit
nicht nur Darbietungen klassischer Werke und Forschungsergebnisse, sondern auch
gesunde volkstümliche Unterhaltung und nützliche Informationen, welche die
Familien zusammenführen, den Menschen bei der Lösung ihrer Alltagsprobleme
helfen, kranke, ans Bett gefesselte und ältere Menschen innerlich aufrichten
und Lebensmüdigkeit und Langeweile vertreiben.
Die Medien ermöglichen es auch ethnischen Gruppen, ihre
kulturellen Traditionen in Ehren zu halten und zu pflegen, sie mit anderen zu
teilen und sie an die jüngeren Generationen weiterzugeben. Im besonderen
führen sie Kinder und Jugendliche in ihr Kulturerbe ein. Wie die Künstler, so
dienen auch die Medienschaffenden dem Gemeinwohl durch Bewahrung und
Bereicherung des Kulturerbes von Nationen und Völkern (vgl. Johannes Paul II., Brief
an die Künstler, 4).
10. Erzieherisch. Die Medien sind in vielen Bereichen,
von der Schule bis zum Arbeitsplatz, und in vielen Lebensabschnitten wichtige
Erziehungsinstrumente. Kinder im Vorschulalter, die in die Grundkenntnisse des
Lesens und Rechnens eingeführt werden, junge Menschen, die eine
Berufsausbildung oder den Erwerb eines akademischen Grades anstreben, ältere
Menschen, die sich in ihren letzen Lebensjahren noch einmal auf die Schulbank
setzen — sie und viele andere haben über diese Medien Zugang zu einer reichen
und ständig wachsenden Palette von Bildungsmitteln.
Die Medien gehören in vielen Klassenzimmern zu den
Standardinstrumenten im Unterricht. Und au ßerhalb
der Schulmauern überwinden die Medien, einschlie ßlich
des Internet, die trennenden Schranken weiter Entfernungen und der Isolation und
erschließen
Dorfbewohnern in entlegenen Gegenden, in Klausur lebenden Ordensleuten, ans Haus
gefesselten Kranken, Gefangenen und vielen anderen neue Lernmöglichkeiten.
11. Religiös. Das religiöse Leben vieler Menschen wird
durch die Medien außerordentlich
bereichert. Sie bringen Nachrichten und Informationen über religiöse
Ereignisse, Ideen und Persönlichkeiten; sie sind Instrumente der
Glaubensverkündigung und Katechese. Tagaus, tagein bieten sie Menschen, die in
ihren Häusern oder in Heimen eingeschlossen sind, Anregung, Ermutigung und
Gelegenheit zum Gottesdienst.
Manchmal tragen die Medien auf ungewöhnliche Weise zur
geistlichen Bereicherung der Menschen bei. So schaut sich zum Beispiel ein
riesiges Fernsehpublikum überall auf der Welt wichtige Ereignisse im Leben der
Kirche regelmäßig
über Satellit aus Rom an und nimmt gewissermaßen
daran teil. Und im Laufe der Jahre haben die Medien die Worte und Bilder von den
Pastoralbesuchen des Heiligen Vaters zu Millionen und Abermillionen Menschen
getragen.
12. In all diesen Umfeldern — wirtschaftlich, politisch,
kulturell, erzieherisch, religiös — wie auch in anderen Situationen können
die Medien dazu benutzt werden, menschliche Gemeinschaft aufzubauen und zu
erhalten. Und in der Tat sollte alle Kommunikation offen sein für die
Gemeinschaft der Menschen untereinander.
«Um Bruder und Schwester zu werden, ist es notwendig sich zu
kennen. Um sich kennenzulernen, ist jedoch ein umfassenderer und tieferer
Austausch untereinander erforderlich» (Kongregation für die Institute des
geweihten Lebens und die Gemeinschaften des apostolischen Lebens, Brüderliches
Leben in Gemeinschaft, 29). Kommunikation, die echter Gemeinschaft dient,
ist «mehr als nur Äußerung
von Gedanken oder Ausdruck von Gefühlen; im Tiefsten ist sie Mitteilung seiner
selbst in Liebe» (Päpstliche Kommission für die Instrumente der Sozialen
Kommunikation, Pastoralinstruktion Communio et Progressio, 11).
Eine Kommunikation dieser Art sucht das Wohlergehen und die
Erfüllung der Mitglieder der Gemeinschaft im Hinblick auf das Gemeinwohl aller.
Es bedarf aber der Beratung und des Dialogs, um dieses Gemeinwohl zu erkennen.
Deshalb ist es für alle, die mit gesellschaftlicher Kommunikation zu tun haben,
unumgänglich, sich in diesem Dialog zu engagieren und sich der Wahrheit
darüber, was gut ist, zu unterwerfen. Auf diese Weise können die Medien ihrer
Verpflichtung gerecht werden, «Zeugnis zu geben von der Wahrheit über das
Leben, über die Würde des Menschen, über den wahren Sinn unserer Freiheit und
gegenseitigen Abhängigkeit» (Johannes Paul II., Botschaft zum 33. Welttag der
Sozialen Kommunikationsmittel, 1999).
III.
SOZIALE KOMMUNIKATION
DIE DAS WOHL
DES
MENSCHEN VERLETZT
13. Die Medien können aber auch dazu benutzt werden,
Gemeinschaft zu verhindern und das ganzheitliche Wohl von Menschen zu verletzen.
Das geschieht, wenn sie Menschen entfremden oder an den Rand drängen und
isolieren; wenn sie Menschen in entartete, um falsche, zerstörerische Werte
gebildete Gemeinschaften hineinziehen; wenn sie Feindseligkeit und Konflikte
fördern, andere dämonisieren und eine Gesinnung des «wir» gegen «sie»
schaffen; wenn sie das Niedrige und Menschenunwürdige in einem falschen Glanz
präsentieren, während sie von dem, was erhebt und adelt, entweder gar keine
Notiz nehmen oder es herabsetzen; wenn sie Falschinformation und Desinformation
verbreiten, Trivialisierung und Bagatellisierung fördern. Stereotypen bzw.
Klischeevorstellungen — auf Grund rassischer und ethnischer Zugehörigkeit,
des Geschlechts, des Alters und anderer Faktoren, einschlie ßlich
der Religion — sind in den Massenmedien bedauerlicherweise allgemein
verbreitet. Oft läßt
die soziale Kommunikation auch unbeachtet, was wirklich neu und wichtig ist,
einschließlich
der Frohbotschaft des Evangeliums, und konzentriert sich auf das, was
vorübergehend «in Mode» ist.
Mißbräuche
gibt es in jedem der schon oben erwähnten Bereiche.
14. Wirtschaftlich. Die Medien werden manchmal zur
Errichtung und Erhaltung von Wirtschaftssystemen benutzt, die der Gewinnsucht
und Geldgier dienen. Ein typisches Beispiel ist der Neoliberalismus: «Gestützt
auf eine rein ökonomische Auffassung vom Menschen, sieht er — zum Schaden der
Würde und Achtung der einzelnen Menschen und der Völker — den Profit und das
Gesetz des Marktes als seine einzigen Parameter an» (Johannes Paul II., Ecclesia
in America, 156). Unter diesen Umständen werden die Kommunikationsmittel,
die allen zugute kommen sollten, zum Vorteil einiger weniger ausgebeutet.
Der Globalisierungsprozeß kann «außergewöhnliche
Möglichkeiten zu immer größerem
Wohlstand» hervorbringen (Centesimus annus, 58); aber mit diesem Prozeß
geht die Tatsache einher, ja gehört als Bestandteil zu ihm, daß manche Nationen und Völker unter Ausbeutung und Ausgrenzung leiden und dadurch
im Kampf um Entwicklung immer weiter zurückfallen. Diese sich ausbreitenden
Nester von Not und Elend inmitten des Überflusses sind Brutstätten von Neid,
Ressentiment, Spannungen und Konflikten. Das unterstreicht den dringenden Bedarf
an «wirksamen internationalen Kontrollund Leitungsorganen, die die Wirtschaft
auf das Gemeinwohl hinlenken» (Centesimus annus, 58).
Angesichts schwerwiegender Ungerechtigkeiten darf es
Medienschaffenden nicht genügen, einfach zu sagen, ihre Aufgabe bestehe darin,
über die Dinge zu berichten, wie sie sind. Das ist zweifellos ihre Aufgabe.
Aber es gibt Fälle von menschlichem Leid, die von den Medien weithin ignoriert
werden, während über andere durchaus berichtet wird; und insofern das eine von
den Medienschaffenden getroffene Entscheidung widerspiegelt, läßt
sich darin eine nicht zu rechtfertigende Selektivität erkennen. In einem noch
grundsätzlicheren Sinn sind Strukturen und Politik der Kommunikation sowie die
Verteilung der erforderlichen Technologie Faktoren, die dazu beitragen, manche
Menschen «informationsreich», andere aber «informationsarm» zu machen, und
das in einer Zeit, wo der Wohlstand, ja das Überleben von der Information
abhängen.
Auf diese Weise tragen dann die Medien oft zu den
Ungerechtigkeiten und Unausgewogenheiten bei, die zu dem Leid führen, von dem
sie berichten. «Es gilt, die Barrieren und Monopole zu durchbrechen, die so
viele Völker am Rande der Entwicklung liegenlassen. Es gilt, für alle —
einzelne und Nationen — die Grundbedingungen für die Teilnahme an der
Entwicklung sicherzustellen» (Centesimus annus, 35). Kommunikation und
Informationstechnologie, Hand in Hand mit entsprechender Ausbildung zu ihrem
Gebrauch, ist eine dieser Grundbedingungen.
15. Politisch. Skrupellose Politiker benutzen die
Massenmedien für ihre Demagogie und Täuschung zur Unterstützung der Unrechtma
ßnahmen
und Unterdrückung in Gewaltregimen. Sie schalten Gegner aus und entstellen und
unterdrücken durch Propaganda und Verdrehung systematisch die Wahrheit. Anstatt
die Menschen zusammenzubringen, dienen die Medien dann dazu, sie voneinander zu
trennen, indem sie Spannungen und Verdächtigungen und damit die Voraussetzung
für Konflikte erzeugen.
Selbst in Ländern mit demokratischen Systemen ist es ganz
normal, daß
führende Politiker die öffentliche Meinung mit Hilfe der Medien manipulieren,
anstatt durch sachkundige Information die Teilnahme am politischen Prozeß zu fördern. Die Regeln der Demokratie werden zwar beachtet, doch aus dem
Bereich von Werbung und Public Relations entlehnte Techniken werden im Namen
einer Politik angewandt, die einzelne Gruppen ausbeutet und Grundrechte,
einschließlich
des Rechtes auf Leben, verletzt (vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium
vitae, 70).
Oft machen die Massenmedien auch den ethischen Relativismus und
Utilitarismus populär, die der heutigen Kultur des Todes zugrunde liegen. Sie
machen sich häufig zu Komplizen der aktuellen «Verschwörung gegen das Leben»,
«indem sie jener Kultur, die die Anwendung der Empfängnisverhütung, der
Sterilisation, der Abtreibung und selbst der Euthanasie als Zeichen des
Fortschritts und als Errungenschaft der Freiheit hinstellt, in der öffentlichen
Meinung Ansehen verschaffen, während sie Positionen, die bedingungslos für das
Leben eintreten, als freiheits- und entwicklungsfeindlich beschreibten» (Evangelium
vitae, 17).
16. Kulturell. Kritiker tadeln häufig die
Oberflächlichkeit und den schlechten Geschmack der Medien; auch wenn ihre
Darbietungen nicht freudlos und langweilig zu sein brauchen, sollten sie jedoch
auch nicht geschmacklos und herabwürdigend sein. Zu sagen, die Medien spiegeln
die Standards des Publikums wider, ist keine Entschuldigung; denn die Medien
beeinflussen ja auch nachdrücklich die Meinungen des Publikums und sind deshalb
geradezu verpflichtet, die Maßstäbe
zu heben und nicht zu senken.
Das Problem nimmt verschiedene Formen an. Anstatt komplizierte
Angelegenheiten sorgfältig und wahrheitsgemäß
zu erklären, weichen die Nachrichtenmedien ihnen aus oder vergröbern sie. Die
Unterhaltungsmedien produzieren zersetzende, enthumanisierende Darbietungen,
wozu auch die ausbeuterische Behandlung von Sexualität und Gewalt gehört. Es
ist äußerst
verantwortungslos, zu ignorieren oder als unwesentlich abzutun, daß «Pornographie und sadistische Gewaltanwendung entarteter Sexualität die
menschlichen Beziehungen verderben, das Ehe- und Familienleben untergraben,
antisoziales Verhalten fördern und den moralischen Zusammenhalt der
Gesellschaft aufweichen» (Päpstlicher Rat für die Sozialen
Kommunikationsmittel, Pornographie und Gewalt in den Kommunikationsmedien.
Eine pastorale Antwort, 10).
Auf internationaler Ebene ist auch die durch die sozialen
Kommunikationsmedien ausgeübte kulturelle Vorherrschaft ein wachsendes ernstes
Problem. Traditionelle kulturelle Ausdrucksformen werden manchenorts vom Zugang
zu den Publikums-Medien praktisch ausgeschlossen und stehen vor der
Auslöschung; unterdessen verdrängen die Werte der säkularisierten
Wohlstandsgesellschaften in zunehmendem Maße
die althergebrachten Werte von Gesellschaften, die ärmer und schwächer sind.
In Anbetracht dieser Situation sollte besondere Aufmerksamkeit darauf verwendet
werden, Kinder und Jugendliche mit Medienangeboten zu versorgen, die sie in
lebendigen Kontakt mit ihrem Kulturerbe bringen.
Kommunikation über die Kulturgrenzen hinweg ist wünschenswert.
Die Gesellschaften können und sollten voneinander lernen. Doch sollte
kulturübergreifende Kommunikation nicht auf Kosten der Schwächeren gehen.
Heute «sind selbst die am wenigsten verbreiteten Kulturen nicht mehr isoliert.
Sie profitieren von vermehrten Kontakten, leiden aber auch unter dem Druck eines
starken Trends zu Gleichförmigkeit» (Päpstlicher Rat für die Kultur, Für
eine Pastoral für die Kultur, 33). Der Umstand, daß nun soviel Kommunikation nur in eine Richtung — nämlich von den entwickelten
Nationen zu den in Entwicklung befindlichen und zu den armen Ländern — fließt,
wirft ernsthafte ethische Fragen auf. Haben die Reichen nichts von den Armen zu
lernen? Sind die Starken taub für die Stimmen der Schwachen?
17. Erzieherisch. Die Medien können, anstatt das Lernen
zu fördern, die Menschen zerstreuen und ablenken und sie zur Zeitverschwendung
veranlassen. Kinder und Jugendliche kommen auf diese Weise besonders zu Schaden,
aber auch Erwachsene leiden darunter, seichten, minderwertigen und kitschigen
Medienangeboten ausgesetzt zu sein. Eine der Ursachen dieses Vertrauensmi ßbrauchs
durch die Medienschaffenden ist die Geldgier, der es mehr um den Profit als um
die Menschen geht.
Manchmal werden die Medien auch als Werkzeuge der Indoktrination
eingesetzt, um das Wissen der Menschen zu kontrollieren und ihnen den Zugang zu
der Information zu verwehren, die sie nach dem Willen der zuständigen Stellen
nicht erhalten sollen. Das ist eine Entartung echter Erziehung, die ja bestrebt
ist, das Wissen und die Fähigkeiten der Menschen zu erweitern und ihnen bei der
Verfolgung wertvoller Ziele behilflich zu sein, nicht aber ihren Horizont
einzuengen und ihre Kräfte in den Dienst einer Ideologie einzuspannen.
18. Religiös. Im Beziehungsverhältnis zwischen der
Medien-Kommunikation und der Religion gibt es auf beiden Seiten Versuchungen.
Auf der Seite der Medien treten diese Versuchungen folgendermaßen
in Erscheinung: Die Medien ignorieren religiöse Ideen und Erfahrungen oder
drängen sie ins Abseits; sie behandeln Religion mit Verständnislosigkeit,
vielleicht sogar Verachtung, als ein Objekt der Neugier, das keine ernsthafte
Beachtung verdient; sie fördern auf Kosten des überlieferten Glaubens
religiöse Modetorheiten; sie gehen mit anerkannten religiösen Gruppen
feindselig um; sie wägen die Angemessenheit von Religion und religiöser
Erfahrung nach weltlichen Maßstäben
ab und begünstigen religiöse Ansichten, die dem weltlichen Geschmack
entsprechen, gegenüber jenen, die das nicht tun; sie versuchen, die
Transzendenz in die Grenzen des Rationalismus und Skeptizismus einzuschließen.
Die heutigen Medien spiegeln oft den postmodernen Zustand eines menschlichen
Geistes wider, »der in die Grenzen seiner Immanenz eingeschlossen ist, ohne
irgendeinen Bezug zur Transzendenz zu haben» (Johannes Paul II., Enzyklika Fides
et ratio, 81).
Die Versuchungen auf der Seite der Religion sehen so aus: Die
Religion macht sich von den Medien ein ausschließlich
verurteilendes und negatives Bild; sie kann nicht verstehen, daß
vernünftige Maßstäbe
einer guten Medienpraxis wie Objektivität und Unparteilichkeit eine
Sonderbehandlung für institutionelle Interessen der Religion ausschließen
können; sie bietet religiöse Botschaften auf eine emotionale, manipulative Art
an, als handelte es sich um Konkurrenzerzeugnisse im Überangebot eines Marktes;
sie gebraucht die Medien als Instrumente für Kontrolle und Vorherrschaft; sie
übt unnötige Heimlichtuerei und verstößt
andererseits gegen die Wahrheit; sie spielt die Forderung des Evangeliums nach
Umkehr, Buße
und einer Besserung des Lebens herunter, während sie an deren Stelle eine
farblose Religiosität setzt, die den Menschen wenig abverlangt; sie
unterstützt Fundamentalismus, Fanatismus und religiöse Exklusivität,
Haltungen, die Verachtung und Feindseligkeit gegenüber anderen nähren.
19. Kurz gesagt, die Medien können für gute oder schlechte
Zwecke benutzt werden — das ist eine Frage der getroffenen Entscheidung. «Man
darf niemals vergessen, daß
mediale Kommunikation nicht ein utilitaristisches Tun ist, einfach darauf
gerichtet, zu motivieren, zu überreden oder zu verkaufen. Noch weniger ist sie
ein Vermittler für Ideologie. Die Medien können gelegentlich die Menschen auf
Konsumeinheiten oder konkurrierende Interessengruppen reduzieren oder Zuschauer,
Leser und Hörer als bloße
Zahlen manipulieren, von denen man sich einen Vorteil verspricht - ob Verkauf
von Produkten oder politische Unterstützung; all das zerstört die
Gemeinschaft. Es ist die Aufgabe von Kommunikation, Menschen zusammenzubringen
sowie ihr Leben zu bereichern, und nicht, sie zu isolieren und auszubeuten. Die
Mittel der sozialen Kommunikation können — richtig genutzt — dazu
beitragen, eine menschliche Gemeinschaft zu schaffen und aufrechtzuerhalten, die
auf Gerechtigkeit und Liebe beruht; und insoweit sie das tun, werden sie Zeichen
der Hoffnung sein» (Johannes Paul II., Botschaft zum 32. Welttag der sozialen
Kommunikationsmittel, 1998).
IV.
EINIGE WICHTIGE
ETHISCHE PRINZIPIEN
20. Ethische Prinzipien und Normen, die in anderen Bereichen von
Belang sind, gelten auch für die soziale Kommunikation. Sozialethische
Prinzipien wie Solidarität, Subsidiarität, Gerechtigkeit, Gleichheit und
Verantwortlichkeit bei der Verwendung öffentlicher Geldmittel sowie in
Ausübung öffentlicher Vertrauensfunktionen sind immer anzuwenden.
Kommunikation muß
immer wahrheitsgetreu sein, weil die Wahrheit wesenhaft zur Freiheit des
einzelnen und zur echten Gemeinschaft unter den Menschen gehört.
Die Ethik in der sozialen Kommunikation bezieht sich nicht nur
auf das, was auf Kinoleinwänden und Fernsehschirmen, in Radiosendungen, in der
Presse und im Internet erscheint, sondern muß
auch für viele andere Aspekte gelten. Die ethische Dimension betrifft nicht nur
den Inhalt der Kommunikation (die Botschaft) und den Kommunikationsprozeß
(wie die Kommunikation zustande kommt), sondern auch grundsätzliche Struktur-
und System-Fragen, die häufig grosse politische Fragen im Zusammenhang mit der
Verbreitung hochentwickelter Technologien und Produkte (wer soll reich und wer
soll arm an Information sein?) einschließen.
Diese Fragen bringen weitere mit sich, mit politischen und wirtschaftlichen
Folgen im Hinblick auf Eigentum und Kontrolle. Zumindest in den offenen
Gesellschaften mit Marktwirtschaft besteht das ethische Problem aller darin, den
Gewinn gegen den Dienst im Interesse der Allgemeinheit — im Sinne eines
umfassenden Verständnisses von Gemeinwohl — abzuwägen.
Auch für die Menschen guten Willens ist nicht immer unmittelbar
klar, wie ethische Prinzipien und Normen auf bestimmte Fälle anzuwenden sind.
Dazu sind Überlegungen, Diskussionen und Dialog nötig. In der Hoffnung, unter
Medienpolitikern, beruflich im Medienbereich Tätigen, Ethikern und
Moraltheologen, Medien-Rezipienten und anderen das Nachdenken und den Dialog zu
fördern, legen wir folgende Überlegungen vor.
21. In allen drei Bereichen — Botschaft, Prozeß,
Struktur- und System-Fragen — gilt folgendes ethische Grundprinzip: Der Mensch
und die Gemeinschaft der Menschen sind Ziel und Maßstab
für den Umgang mit den Medien. Kommunikation sollte von Mensch zu Mensch und
zum Vorteil der Enntwicklung des Menschen erfolgen.
Ganzheitliche Entwicklung erfordert ausreichend materielle
Güter und Produkte, aber auch eine gewisse Berücksichtigung der «geistigen
Dimension» (vgl. Johannes Paul II., Enzyklika Sollicitudo rei socialis,
29; 46). Allen gebührt die Möglichkeit, zu wachsen und zu gedeihen, indem sie
aus der großen
Palette von materiellen, intellektuellen, emotionalen, moralischen und
geistlichen Gütern schöpfen. Der einzelne Mensch hat eine unveräu ßerliche
Würde und Bedeutung und darf nicht im Namen kollektiver Interessen geopfert
werden.
22. Das erste Prinzip wird durch ein zweites ergänzt: Das Wohl
der Menschen läßt
sich nicht unabhängig vom Gemeinwohl der Gemeinschaft verwirklichen, der sie
angehören. Dieses Gemeinwohl sollte ausschließlich
als Gesamtsumme wertvoller gemeinsamer Zielsetzungen verstanden werden, für
deren Erreichung sich alle Mitglieder der Gemeinschaft miteinander einsetzen;
und der Dienst an diesen Zielsetzungen ist der Grund für das Bestehen der
Gemeinschaft selbst.
Darum sollten die sozialen Kommunikationsmittel, auch wenn sie
mit Recht die Bedürfnisse und Interessen besonderer Gruppen im Auge haben, zum
Beispiel nicht im Namen des Klassenkampfes, des übertriebenen Nationalismus,
der rassischen Überheblichkeit, der ethnischen Säuberung und ähnlichem eine
Gruppe gegen die andere aufbringen. Die Tugend der Solidarität, «die feste und
beständige Entschlossenheit, sich für das Gemeinwohl einzusetzen» (Sollicitudo
rei socialis, 38), sollte alle Bereiche des sozialen, wirtschaftlichen,
politischen, kulturellen und religiösen Lebens beherrschen.
Medienschaffende und Entscheidungsträger im Medienbereich
müssen sich auf allen Ebenen in den Dienst an den tatsächlichen Bedürfnissen
und Interessen sowohl der einzelnen wie der Gruppen stellen. Es gibt einen
dringenden Bedarf an Gerechtigkheit auf internationaler Ebene, wo die ungerechte
Verteilung materieller Güter zwischen Nord und Süd durch eine schlechte
Verteilung der Kommunikationsmittel und der Informationstechnologie, von denen
die Produktivität und der Wohlstand abhängen, verschärft wird. Ähnliche
Probleme gibt es auch in den reichen Ländern, »wo der ununterbrochene Wandel
in den Produktionsweisen und im Konsumverhalten bereits erworbene Kenntnisse und
langjährige Berufserfahrungen abwertet und ein ständiges Bemühen der
Umschulung und Anpassung erfordert», so daß «jene, denen es nicht gelingt, mit der Zeit Schritt zu halten, leicht an den
Rand gedrängt werden» (Centesimus annus, 33). Es bedarf natürlich
einer breiten Beteiligung am Entscheidungsprozeß nicht nur in bezug auf die Botschaften und die Prozesse der sozialen
Kommunikation, sondern auch hinsichtlich der System-Fragen und der Verteilung
der Geldmittel. Wer auf diesem Gebiet Entscheidungen trifft, hat die ernste
moralische Pflicht, die Bedürfnisse und Interessen all derer zur Kenntnis zu
nehmen, die besonders verwundbar sind: der Armen, der Alten, der Ungeborenen,
der Kinder und Jugendlichen, der Unterdrückten und Ausgegrenzten, der Frauen
und der Minderheiten, der Kranken und Behinderten sowie der Familien und der
religiösen Gruppen. Insbesondere sollten heute die internationale Gemeinschaft
und das internationale Medien-Interesse großzügig
und umfassend den Nationen und Regionen gegenübertreten, wo das, was die
Massenmedien tun bzw. unterlassen, sie teilhaben läßt
an der Scham über das Fortbestehen von Übeln wie Armut, Analphabetentum,
politische Unterdrückung und Verletzung der Menschenrechte, Konflikten zwischen
Religionen, zwischen religiösen und gesellschaftlichen Gruppen und
Unterdrückung der einheimischen Kulturen.
23. Jedenfalls glauben wir nach wie vor, daß «die Lösung der Probleme, die aus dieser ungeregelten Kommerzialisierung und
Privatisierung entstanden sind, nicht in einer staatlichen Medienkontrolle
liegt, sondern in einer umfassenderen Regelung, die den Normen des öffentlichen
Dienstes entspricht, sowie in größerer
öffentlicher Verantwortlichkeit. In diesem Zusammenhang muß darauf hingewiesen werden, daß,
obwohl sich der rechtlich-politische Rahmen, worin die Medien bestimmter Länder
funktionieren, gegenwärtig deutlich bessert, es andere Gegenden gibt, wo das
Eingreifen seitens der Regierung nach wie vor ein Instrument der Unterdrückung
und Ausschließung
ist» (Aetatis novae, 5).
Man muß
immer für die Freiheit der Meinungsäußerung
eintreten, denn «wenn die Menschen ihrer Natur folgend untereinander
Erkenntnisse und Meinungen austauschen, üben sie ihr ureigenstes Recht aus und
erfüllen zugleich eine Pflicht gegenüber der Gesellschaft» (Communio et
progressio, 45). Von einem ethischen Standpunkt aus betrachtet, ist diese
Voraussetzung jedoch keine absolute, unverjährbare Norm. Es gibt ganz
offensichtlich Fälle, wo kein Recht zur Kommunikation besteht; dazu gehören
z.B. Verleumdung und Rufschädigung; Botschaften, die den Haß
und Konflikt zwischen einzelnen und Gruppen zu schüren versuchen;
Obszönitäten und Pornographie; die krankhafte Beschreibung der Gewalt. Auch
die freie Meinungsäußerung
sollte Prinzipien wie Wahrheit, Korrektheit und Achtung vor der Privatsphäre
einhalten.
Die Medienschaffenden sollten sich, in Zusammenarbeit mit den
Vertretern der Öffentlichkeit, aktiv für die Entwicklung und Stärkung
moralischer Verhaltensnormen für Medienberufe einsetzen. Religiösen
Körperschaften und anderen Gruppen steht es zu, sich an diesem ständigen
Bemühen zu beteiligen.
24. Ein weiteres, bereits erwähntes, wichtiges Prinzip betrifft
die Teilnahme der Öffentlichkeit am Entscheidungsprozeß
über Medienpolitik. Diese Beteiligung auf allen Ebenen sollte systematisch
organisiert und wirklich repräsentativ sein und nicht zugunsten bestimmter
Gruppen umgelenkt werden. Dieses Prinzip gilt auch, ja vielleicht noch mehr,
dort, wo die Medien im Privateigentum stehen und Gewinn- und Erwerbszwecken
dienen.
Im Interesse der Beteiligung der Öffentlichkeit ist es an den
Medienschaffenden, «sich mit den Menschen kommunikativ auszutauschen und nicht
nur zu ihnen zu sprechen. Dazu gehört die Kenntnis der Nöte und Bedürfnisse
der Menschen, das Wissen um ihre Probleme, und alle Kommunikationsformen müssen
mit dem Einfühlungsvermögen dargeboten werden, das die menschliche Würde
verlangt» (Johannes Paul II., Ansprache an die Experten der Massenmedien,
Los Angeles, 15. September 1987).
Auflagenhöhe, Einschaltquoten und Einnahmen zeigen, zusammen
mit der Marktforschung, manchmal am besten die Stimmung des Publikums an; sie
sind in der Tat die einzigen Daten, die das Gesetz des Marktes braucht, um
handeln zu können. Zweifellos kann man auf diese Weise die Stimme des Marktes
hören. Doch sollten die Entscheidungen über die Medien-Inhalte und -Politik
nicht allein dem Markt und den Wirtschaftsfaktoren, das heißt
dem Gewinn, überlassen werden; denn auf Gewinne allein kann man sich weder
stützen, um das öffentliche Interesse im allgemeinen, noch im besonderen die
legitimen Interessen von Minderheiten zu schützen.
In gewissem Maße
kann man auf diesen Einwand mit dem sogenannten »Nischen»-Konzept antworten,
mit dem sich manche Zeitschriften, Programme, Rundfunkstationen und
Fernsehsender an besondere Leser-, Hörer- und Zuschauergruppen wenden. Der
Ansatz ist bis zu einem gewissen Punkt berechtigt. Die Diversifizierung und
Spezialisierung, d.h. die Medien einem Pubklikum entsprechend zu organisieren,
das sich in immer kleinere, auf Wirtschaftsfaktoren und Konsummodellen beruhende
Einheiten aufsplittert, sollten aber nicht allzu weit getrieben werden. Die
sozialen Kommunikationsmittel müssen ein «Areopag» bleiben (vgl. Enzyklika Redemptoris
missio, 37), ein Forum für den Austausch von Gedanken und Informationen,
das Solidarität und Frieden fördert, indem es die einzelnen Menschen und
Gruppen verbindet. Besonders das Internet ruft eine gewisse Sorge hervor
hinsichtlich «seiner radikal neuen Konsequenzen: Verlust des eigentlichen
Wertes der Informationsmittel; undifferenzierte Uniformität bei den
Botschaften, die so zu bloßer
Information verkürzt werden; Fehlen eines verantwortungsvollen Feedback und
eine gewisse Verzagtheit in den zwischenmenschlichen Beziehungen» (Für eine
Pastoral der Kultur, 9).
25. Aber die Medienschaffenden sind nicht die einzigen, die
ethische Pflichten haben. Auch das Publikum, die Medien-Rezipienten, also die
Zuschauer, Hörer und Leser, haben Verpflichtungen. Die Medienschaffenden, die
Verantwortung zu übernehmen versuchen, verdienen ein Publikum, das sich seiner
eigenen Verantwortlichkeiten bewußt
ist.
Die erste Pflicht der Medien-Nutzer sollte in der Unterscheidung
und in der Auswahl bestehen. Sie sollten sich über die Medien, über ihre
Strukturen, Arbeitsweisen und Inhalte informieren und nach gesunden ethischen
Kriterien eine verantwortungsvolle Wahl darüber treffen, was sie lesen, sehen
oder hören wollen. Was heute alle nötig haben, sind Formen einer ständigen
Medienerziehung, sei es durch persönliches Studium, sei es durch die Teilnahme
an einem organisierten Programm oder beides zusammen. Die Erziehung zum Umgang
mit den Massenmedien bringt den Menschen nicht in erster Linie die Techniken
bei; sie soll ihnen vielmehr helfen, sich Maßstäbe
des guten Geschmacks und ein wahrheitsgemäßes
moralisches Urteil zu bilden. Es handelt sich also um einen Aspekt der
Gewissensbildung.
Die Kirche sollte durch ihre Schulen und ihre Bildungsprogramme
eine Medienerziehung dieser Art anbieten (vgl. Aetatis novae, 28; Communio
et progressio, 107). Die folgenden, ursprünglich an die Institute des
geweihten Lebens gerichteten Worte finden eine weiter reichende Anwendung: »Angesichts
des Einflusses [der Massenmedien] erzieht sich eine Gemeinschaft dahin, mit der
evangeliumsgemäßen
Klarheit und inneren Freiheit dessen, der gelernt hat, Christus zu kennen (vgl. Gal
4,17-23), diese Mittel zum persönlichen und gemeinschaftlichen Wachstum zu
nutzen. Tatsächlich vertreten die Medien eine Mentalität und eine Einstellung
zum Leben — und drängen sie oftmals geradezu auf —, die in ständigem
Gegensatz zum Evangelium stehen. Von vielen Seiten wird hier nach einer
eingehenderen Schulung zur kritischen Rezeption und Nutzung der Medien gerufen
(Kongregation für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des
apostolischen Lebens, Das brüderliche Leben in Gemeinschaft, 34).
Desgleichen haben Eltern die ernste Pflicht, ihren Kindern dabei
zu helfen, daß
sie die sozialen Kommunikationsmittel zu bewerten und zu benutzen lernen, indem
sie das Gewissen der Kinder richtig bilden und ihre Kritikfähigkeit entwickeln
(vgl. Johannes Paul II., Familiaris consortio, 76). Um des Wohles ihrer
Kinder und um ihres eigenen Wohles willen müssen sich die Eltern die
Fertigkeiten urteilsfähiger Zuschauer, Hörer und Leser aneignen und
praktizieren, indem sie als Vorbilder für den besonnenen Umgang mit den Medien
fungieren. Die Kinder und Jugendlichen sollten, dem Alter und den Umständen
entsprechend, zur Medienbildung angeleitet werden, damit sie der billigen
Versuchung zu unkritischer Passivität, dem von ihren Spielgefährten und
Schulkameraden ausgeübten Druck und der kommerziellen Ausbeutung widerstehen.
Die Familien, Eltern und Kinder zusammen, werden es hilfreich finden, in Gruppen
zusammenzukommen und die von der sozialen Kommunikation geschaffenen Probleme
und Möglichkeiten zu studieren und zu erörtern.
26. Außer
der Förderung der Medienerziehung haben die Einrichtungen, Agenturen und
Sendeprogramme der Kirche hinsichtlich der sozialen Kommunikationsmittel noch
weitere wichtige Verantwortlichkeiten. Zuallererst sollte die kirchliche
Kommunikationspraxis beispielhaft sein und höchste Wertmaßstäbe
hinsichtlich Wahrhaftigkeit, Verantwortlichkeit und Sensibilität für die
Menschenrechte sowie andere wichtige Prinzipien und Normen widerspiegeln.
Darüber hinaus sollten die sozialen Kommunikationsmedien der Kirche engagiert
sein, die Fülle der Wahrheit über die Bedeutung des menschlichen Lebens und
der Geschichte zu vermitteln, und zwar so, wie sie in dem geoffenbarten Wort
Gottes enthalten ist und vom kirchlichen Lehramt formuliert wurde. Die Hirten
der Kirche sollten zum Einsatz der sozialen Kommunikationsmittel für die
Verbreitung des Evangeliums ermutigen (vgl. Codex des kanonischen Rechtes, can.
822,1).
Die Vertreter der Kirche sollen in ihren Beziehungen zu den
Journalisten ehrlich und offen sein. Auch wenn die Fragen mitunter «peinlich
oder beunruhigend sind, insbesondere dann, wenn sie absolut nicht der Botschaft
entsprechen, die wir verteidigen müssen», muß
man sich darüber im klaren sein, daß
»solche befremdlichen Fragen ja von einem Großteil
unserer Zeitgenossen gestellt werden» (Für eine Pastoral der Kultur,
34). Alle, die im Namen der Kirche sprechen, sollen auf diese anscheinend
unbequemen Fragen glaubwürdig und wahrheitsgemäß
antworten, damit die Kirche heute glaubwürdig zu den Menschen spricht.
Die Katholiken haben wie andere Bürger das Recht, sich frei zu
äußern,
und somit auch das Recht auf Zugang zu den Kommunikationsmedien. Das Recht auf
Meinungsäußerung schließt
ein, daß
Meinungen, die das Wohl der Kirche betreffen, ausgesprochen werden unter Wahrung
der Unversehrtheit des Glaubens und der Sitten, des Respektes gegenüber den
Hirten und unter Beachtung des Gemeinwohls und der Würde der Personen (vgl. Codex
des kanonischen Rechtes, can. 212,3; can. 227). Niemand hat jedoch das
Recht, im Namen der Kirche zu sprechen oder einen entsprechenden Eindruck zu
erwecken, wenn er nicht dazu beauftragt ist. Persönliche Ansichten sollten
nicht als Lehre der Kirche ausgegeben werden (vgl. ebd., can. 227).
Es wäre ein guter Dienst an der Kirche, wenn mehr von ihren
Amtsträgern und Funktionsinhabern eine Ausbildung in Kommunikation erhielten.
Das gilt nicht nur für die Seminaristen, für die in der Ausbildung stehenden
Ordensleute und für junge katholische Laien, sondern für das Personal der
Kirche im allgemeinen. Wenn die Medien «neutral, offen und ehrlich» sind,
bieten sie gut vorbereiteten Christen »eine missionarische Rolle an vorderster
Front» an, und es ist wichtig, daß
die Betreffenden «gut geschult und unterstützt werden». Die Hirten sollten
ihren Gläubigen über die Massenmedien und ihre mitunter widersprüchlichen und
sogar destruktiven Botschaften Orientierungshilfen anbieten (vgl. ebd.,
can. 822, 2.3).
Solche Überlegungen beziehen sich auf die kircheninterne
Kommunikation. Ein wechselseitiger Fluß
von Informationen und Meinungen zwischen Hirten und Gläubigen, die Freiheit der
Meinungsäußerung
mit Gesprür für das Wohl der Gemeinschaft und für die Rolle des Lehramtes bei
dessen Förderung und eine verantwortungsvolle öffentliche Meinung — das
alles sind wichtige Äußerungen
des «Grundrechtes auf Dialog und auf Information innerhalb der Kirche» (Aetatis
novae, 10; vgl. Communio et progressio, 120).
Das Recht zur Meinungsäußerung
muss mit Achtung vor der geoffenbarten Wahrheit und der Lehre der Kirche und vor
den kirchlichen Rechten anderer wahrgenommen werden (vgl. Codex des
kanonischen Rechtes, can. 212, 1.2.3, can. 220). Wie andere Gemeinschaften
und Institutionen, sieht sich auch die Kirche bisweilen veranlaßt
— ja manchmal dazu gezwungen —, Geheimhaltung und Verschwiegenheit zu üben.
Aber das sollte nicht zum Zweck der Manipulation und Kontrolle geschehen. In der
Glaubensgemeinschaft «stehen die Amtsträger, die mit heiliger Vollmacht
ausgestattet sind, im Dienste ihrer Brüder, damit alle, die zum Volke Gottes
gehören und sich daher der wahren Würde eines Christen erfreuen, in freier und
geordneter Weise sich auf das nämliche Ziel hin ausstrecken und so zum Heile
gelangen» (II. Vatikan. Konzil, Lumen gentium, 18). Ein Weg, um diese
Einsicht zu verwirklichen, ist der richtige Umgang mit den Kommunikationsmedien.
V.
SCHLUSS
27. Am Beginn des dritten christlichen Jahrtausends ist die
Menschheit daran, ein weltumspannendes Netzwerk zu schaffen für die
unverzügliche Übermittlung von Informationen, Gedanken und Werturteilen zu
Wissenschaft, Handel, Erziehung, Unterhaltung, Politik, Kunst, Religion und
jedem anderen Bereich.
Dieses Netzwerk ist bereits vielen Menschen zugänglich: zu
Hause, in den Schulen und am Arbeitsplatz, ja, in der Tat überall, wo sie
sich aufhalten. Es ist eine Alltäglichkeit, sich Ereignisse — von
Sportveranstaltungen bis hin zu Kriegen —, die sich zeitgleich auf der
anderen Seite des Planeten abspielen, auf dem Bildschirm anzuschauen. Man hat
direkten Zugriff auf Datenbestände, die für viele Gelehrte und Studenten
noch vor kurzem unerreichbar waren. Ein Einzelner kann die Höhen menschlichen
Geistes und menschlicher Tugend erklimmen oder aber in den Abgrund
menschlicher Erniedrigung stürzen, während er allein vor einem «Monitor»
(Computer-Tastatur und Bildschirm) sitzt. Die Kommunikationstechnologie
erzielt ständig neue Durchbrüche mit einem enormen Potential für Gutes und
Schlechtes bei der Anwendung. Mit zunehmender Interaktion verwischt sich die
Unterscheidung zwischen Medienschaffenden und -rezipienten. Notwendig ist eine
ständige Untersuchung bezüglich der Auswirkungen und insbesondere der
ethischen Folgen der neu auftauchenden Medien.
28. Aber trotz ihrer ungeheuren Macht sind die
Kommunikationsmittel nur Medien und werden es auch bleiben, das hei ßt
Instrumente, Werkzeuge, die für gute wie für schlechte Verwendung zur
Verfügung stehen. Die Medien erfordern keine neue Ethik; sie erfordern die
Anwendung bereits festgelegter ethischer Prinzipien auf die neue Situation.
Und das ist eine Aufgabe, in der jeder eine Rolle zu spielen hat. Ethik in den
Medien ist nicht eine Aufgabe, die allein die Spezialisten angeht, seien es
Spezialisten in sozialer Kommunikation oder Spezialisten in Moralphilosophie;
vielmehr muß
es zu einem eingehenden, alle Beteiligten einschließenden
Nachdenken und Dialog kommen, den dieses Dokument anzuregen und zu
unterstützen sucht.
29. Die sozialen Kommunikationsmittel können Menschen in
Gemeinschaften verbinden, wo Sympathie und gemeinsame Interessen herrschen.
Werden diese Gemeinschaften von Gerechtigkeit, Anstand und Achtung vor den
Menschenrechten geprägt sein, werden sie sich um das Gemeinwohl bemühen?
Oder werden sie egoistisch und selbstbezogen sein, auf Kosten anderer dem
Nutzen einzelner — wirtschaftlicher, rassischer, politischer und religiöser
— Gruppen verpflichtet? Wird die neue Technologie allen Nationen und
Völkern dienen, während sie die Kulturtraditionen eines jeden von ihnen
respektiert? Oder wird sie ein Werkzeug sein, um die Reichen noch reicher und
die Mächtigen noch mächtiger zu machen? Die Entscheidung liegt bei uns.
Die Kommunikationsmittel können auch dazu mißbraucht
werden, um zu trennen und zu isolieren. Die Technologie erlaubt es Menschen
zunehmend, Pakete von Informationen und Dienstleistungen zusammenzustellen,
die einzig und allein für sie bestimmt sind. Darin liegen echte Vorteile, es
erhebt sich jedoch eine unausweichliche Frage: Wird das Massenmedienpublikum
der Zukunft aus einer Menge von Leuten bestehen, die nur auf einen hören?
Auch wenn die neue Technologie die individuelle Selbständigkeit zu fördern
vermag, hat sie andere, weniger wünschenswerte Folgen. Statt eine die ganze
Welt umspannende Gemeinschaft zu bilden, könnte sich das »Netz» der Zukunft
als ein riesiges, aufgesplittertes Netzwerk isolierter Individuen entpuppen
— menschliche Wesen in ihren Zellen, die sich statt untereinander mit Daten
austauschen? Was würde in einer solchen Welt aus der Solidarität, was würde
aus der Liebe werden?
Die menschliche Kommunikation hat bestenfalls ernste Grenzen,
ist mehr oder weniger unvollkommen und in der Gefahr zu scheitern. Es ist für
die Menschen mühsam, sich konsequent auf ehrliche Weise so untereinander
auszutauschen, daß
kein Schaden angerichtet und den besten Interessen aller gedient wird. In der
Welt der Massenmedien werden zudem die der Kommunikation innewohnenden
Schwierigkeiten oft durch Ideologien, durch Profitgier und politische
Kontrolle, durch Rivalitäten und Konflikte zwischen Gruppen und durch andere
gesellschaftliche Mißstände
noch verstärkt. Die heutigen Medien steigern zwar enorm die
Leistungsfähigkeit und Reichweite, die Quantität und Geschwindigkeit der
Kommunikation; aber sie machen die Disposition des Geistes für den Geist
eines anderen, des Herzens für das Herz eines anderen nicht weniger
zerbrechlich, nicht weniger empfindlich, nicht weniger anfällig für ein
Scheitern.
30. Die besonderen Beiträge, welche die Kirche in die
Diskussion über diese Fragen einbringt, bestehen, wie wir schon gesagt haben,
in einer Auffassung von der menschlichen Person und ihrer unvergleichlichen
Würde, ihren unverletzbaren Rechten und in einer Auffassung von der
menschlichen Gemeinschaft, deren Glieder durch die Tugend der Solidarität
beim Streben nach dem gemeinsamen Wohl aller untereinander verbunden sind.
Diese beiden Sichtweisen sind besonders dringend erforderlich zu einer Zeit,
wo man «die Bruchstückhaftigkeit von Angeboten feststellen mu ß,
die unter der Vortäuschung der Möglichkeit, zum wahren Sinn des Daseins zu
gelangen, das Vergängliche zum Wert erheben. So kommt es, da ß viele ihr Leben fast bis an den Rand des Abgrunds dahinschleppen, ohne zu
wissen, worauf sie eigentlich zugehen» (Johannes Paul II., Enzyklika Fides
et ratio, 6).
Angesichts dieser Krise erscheint die Kirche als »erfahren in
den Fragen, die den Menschen betreffen», und diese Erfahrung «veranlaßt
sie, ihre religiöse Sendung notwendigerweise auf die verschiedenen Bereiche
auszudehnen», in denen Menschen wirken (Johannes Paul II., Enzyklika Sollicitudo
rei socialis, 41; vgl. Paul VI., Populorum progressio, 13). Sie
darf die Wahrheit über den Menschen und die menschliche Gemeinschaft nicht
für sich behalten; sie muß
sie frei mit anderen teilen und sich dabei immer bewußt
sein, daß
die Menschen nein sagen können zur Wahrheit und zur Kirche.
Während die Kirche darum bemüht ist, hohe ethische Standards
beim Umgang mit den sozialen Kommunikationsmitteln nachhaltig zu fördern,
sucht sie den Dialog und die Zusammenarbeit mit anderen: mit Inhabern
öffentlicher Ämter, zu deren besonderer Pflicht der Schutz und die
Förderung des Gemeinwohls der politischen Gemeinschaft gehört; mit Männern
und Frauen aus der Welt der Kultur und der Künste; mit Wissenschaftlern und
Lehrern, die in der Ausbildung der Medienschaffenden und des Publikums der
Zukunft arbeiten; mit Mitgliedern anderer Kirchen und religiöser Gruppen, die
den Wunsch der Kirche teilen, daß
die Medien zur Ehre Gottes und zum Dienst an der Menschheit eingesetzt werden
(vgl. Päpstlicher Rat für die sozialen Kommunikationsmittel, Richtlinien
für die ökumenische und interreligiöse Zusammenarbeit im
Kommunikationswesen); und besonders mit den Medienschaffenden, also
Autoren, Redakteuren, Reportern, Korrespondenten, Schauspielern, Produzenten,
dem technischen Personal, zusammen mit den Eigentümern, Geschäftsführern
und Entscheidungsträgern in diesem Bereich.
31. Die menschliche Kommunikation hat trotz ihrer Grenzen
etwas vom schöpferischen Tun Gottes an sich. «Der göttliche Künstler kommt
dem menschlichen Künstler» — und wir könnten sagen, auch dem
Medienschaffenden — «liebevoll entgegen und gibt ihm einen Funken seiner
überirdischen Weisheit weiter, indem er ihn dazu beruft, an seiner
Schöpfungskraft teilzuhaben»; wenn Künstler und Medienschaffende das
begreifen, können sie »sich selbst, ihre Berufung und ihre Sendung in
letzter Tiefe erfassen» (Johannes Paul II., Brief an die Künstler,
1).
Der christliche Medienschaffende hat insbesondere eine
prophetische Aufgabe, eine Berufung: Er muß
sich klar und deutlich gegen die falschen Götter und Idole von heute —
Materialismus, Hedonismus, Konsumdenken, engherziger Nationalismus usw. —
aussprechen, indem er für alle sichtbar einen Bestand moralischer Wahrheit
hochhält, der gegründet ist auf die Würde und die Rechte des Menschen, auf
die Präferenz-Option für die Armen, auf die universale Bestimmung der
Güter, auf die Liebe zu den Feinden und auf die bedingungslose Achtung vor
jedem menschlichen Leben, vom Augenblick der Empfängnis bis zum natürlichen
Tod; und indem er sich die vollkommenere Verwirklichung des Reiches Gottes in
der Welt zum Ziel setzt, während ihm bewußt
bleibt, daß
am Ende der Zeiten Jesus alle Dinge wiederherstellen und sie wieder dem Vater
übergeben wird (vgl. 1 Kor 15,24).
32. Auch wenn diese Überlegungen an alle Menschen guten
Willens, nicht nur an die Katholiken gerichtet sind, erscheint es angemessen,
zum Abschluß
von Jesus als Vorbild für die Medienschaffenden zu sprechen. «In dieser
Endzeit» hat Gott der Vater «zu uns gesprochen durch den Sohn» (Hebr 1,2);
und dieser Sohn teilt uns jetzt und immer die Liebe des Vaters und den letzten
Sinn unseres Lebens mit.
«Während seines Erdenwandels erwies sich Christus als
Meister der Kommunikation. In der Menschwerdung nahm er die Natur derer an,
die einmal die Botschaft, welche in seinen Worten und seinem ganzen Leben zum
Ausdruck kam, empfangen sollten. Er sprach ihnen aus dem Herzen, ganz in ihrer
Mitte stehend. Er verkündete die göttliche Botschaft verbindlich, mit Macht
und ohne Kompromiß.
Andererseits glich er sich ihnen in der Art und Weise des Redens und Denkens
an, da er aus ihrer Situation heraus sprach» (Communio et progressio,
11).
Während des öffentlichen Lebens Jesu strömten die Menschen
zusammen, um ihn predigen und lehren zu hören (vgl. Mt 8,1, 18; Mk 2,2;
4,1; Lk 5,1 usw.), und er lehrte sie «wie einer, der (göttliche)
Vollmacht hat» (Mt 7,29; vgl. Mk 1,22; Lk 4,32). Er
erzählte ihnen über den Vater und verwies zugleich auf sich selbst, indem er
erklärte: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben» (Joh 14,6)
und «Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen» (Joh 14,9). Er
verschwendete keine Zeit mit müßigem
Gerede oder mit seiner Selbstverteidigung, auch nicht, als er angeklagt und
verurteilt wurde (vgl. Mt 26,63; 27,12-14; Mk 15,5; 15,61). Denn
seine »Nahrung» war es, den Willen des Vaters zu tun, der ihn gesandt hat (Joh
4,34), und mit allem, was er sagte und tat, nahm er darauf Bezug.
Jesus verkündete seine Lehre oft in Form von Gleichnissen
oder lebendigen Geschichten, die tiefe Wahrheiten in einer einfachen
Alltagssprache zum Ausdruck brachten. Nicht nur seine Worte, sondern seine
Taten, insbesondere seine Wunder, waren Akte der Kommunikation, durch die er
die Aufmerksamkeit auf seine Identität lenkte und die Macht Gottes offenbarte
(vgl. Paul VI., Evangelii nuntiandi, 12). In seinen Botschaften bewies
er Achtung vor seinen Zuhörern, teilnehmendes Interesse für ihre Situation
und ihre Bedürfnisse, Mitleid für ihre Leiden (vgl. Lk 7,13) und die
feste Entschlossenheit, ihnen das, was sie zu hören nötig hatten, auf eine
Weise zu sagen, die ihre Aufmerksamkeit anziehen und ihnen helfen würde, ohne
Zwang oder Kompromiß,
ohne Täuschung oder Manipulation die Botschaft zu empfangen. Andere lud er
ein, ihm ihre Herzen und Sinne zu öffnen, denn er wußte, daß
sie auf diese Weise zu ihm und zum Vater hingezogen werden würden (vgl. Joh
3,1-15; 4,7-26).
Jesus lehrte, daß
Kommunikation ein moralischer Akt ist: »Denn wovon das Herz voll ist, davon
spricht der Mund. Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil er Gutes in sich
hat, und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil er Böses in sich hat.
Ich sage euch: Über jedes unnütze Wort, das die Menschen reden, werden sie
am Tag des Gerichts Rechenschaft ablegen müssen; denn aufgrund deiner Worte
wirst du freigesprochen, und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden»
(Mt 12, 34-37). Er warnte streng davor, die «Kleinen» zum Bösen zu
verführen, und sagte, für einen, der das tut, «wäre es besser, wenn er mit
einem Mühlstein um den Hals ins Meer geworfen würde» (Mk 9,42; vgl. Mt
18.6; Lk 17,2). Er war ganz und gar rein, ein Mensch, von dem
gesagt werden konnte, »in seinem Mund war kein trügerisches Wort», und: «Er
wurde geschmäht, schmähte aber nicht; er litt, drohte aber nicht, sondern
überließ
seine Sache dem gerechten Richter» (1 Petr 2,22-23). Er verlangte von
den anderen Aufrichtigkeit und Wahrhaftigkeit und verurteilte Heuchelei,
Unehrlichkeit und jede Art von betrügerischer, falscher Mitteilung: «Euer Ja
sei ein Ja, euer Nein ein Nein; alles andere stammt vom Bösen» (Mt 5,37).
33. Jesus ist Vorbild und Maßstab
für unsere Kommunikation. Für alle, die im Bereich der sozialen
Kommunikationsmittel engagiert sind, seien es die Politiker und
Entscheidungsträger oder die Medienschaffenden, die Medien-Rezipienten oder
die Inhaber irgendeiner anderen Rolle, ist die Schlußfolgerung
klar: «Legt deshalb die Lüge ab, und redet untereinander die Wahrheit; denn
wir sind als Glieder miteinander verbunden... Uber eure Lippen komme kein
böses Wort, sondern nur ein gutes, das den, der es braucht, stärkt, und dem,
der es hört, Nutzen bringt» (Eph 4,25.29). Der Dienst am Menschen,
der Aufbau einer auf Solidarität, Gerechtigkeit und Liebe gegründeten
menschlichen Gemeinschaft und das Aussprechen der Wahrheit über das
menschliche Leben und seine endgültige Erfüllung in Gott waren, sind und
bleiben der eigentliche Kern der Ethik in der sozialen Kommunikation.
Vatikanstadt, 4. Juni 2000, Welttag der Sozialen
Kommunikationsmittel, Jubiläum der Journalisten.
John P. Foley
Präsident
Pierfranco Pastore
Sekretar