Alljährlich feiert die Kirche am Sonntag vor dem Pfingstfest, in diesem Jahr
also am 3. Juni, den "Welttag für die Sozialen Kommunikationsmittel".
Papst Paul VI. hat für diesen Gedenktag folgendes Thema gewählt: "Die
Sozialen Kommunikationsmittel im Dienst der Bejahung und Förderung der
geistigen Werte."
Es kann niemandem verborgen bleiben, daß diese Mittel - Presse, Radio,
Fernsehen, Film, Schallplatten und viele andere - schon bald nach ihrer
technischen Herstellung dazu berufen waren, die Welt, in der wir leben, durch
ihren machtvollen Einfluß tief zu verändern. Sie stärken die Brüderlichkeit
und Gemeinschaft unter den Menschen und tragen zu deren Verwirklichung bei. Die
Kirche sieht in ihnen reiche und wirksame Möglichkeiten, die dem Menschen auf
seinem Weg zu Gerechtigkeit und Frieden, Wohlwollen und gegenseitiger Hilfe, zur
Liebe und schließlich zur Gemeinschaft in die Hand gegeben sind (vgl. Communio
et progressio, Nr. 12). Diese Instrumente sind ihrer Natur nach ein
providentielles Werkzeug, das darauf hingeordnet ist, die Beziehungen der
Menschen untereinander und den von Gott gewollten menschlichen Fortschritt zu fördern.
Der Heilige Vater brachte in seiner Ansprache am 24. Januar 1973 seine
Besorgnis über all das zum Ausdruck, von dem die Existenz des Menschen berührt
wird: seine Rechte, die Familie, die Kultur, wirtschaftliche und soziale
Probleme sowie der Aufbau einer internationalen Gemeinschaft. Dies alles wurde
in einem Zusammenhang gesehen, in welchem die Sozialen Kommunikationsmittel eine
treibende Rolle spielen. Der Heilige Vater fügte hinzu, daß alle Gläubigen -
zusammen mit den anderen Menschen - den einen Dienst zu leisten hätten, ohne
dabei jedoch die Verwirklichung des Gottesreiches aus dem Auge zu verlieren. Er
wies ferner darauf hin, daß es von der richtigen Einstellung und vom
Verantwortungsbewußtsein derer, denen die Medien in die Hand gegeben sind, abhängt,
daß die Menschheit nicht in die Irre geführt wird, sondern ein klareres Bild
der Dinge erhält und angeregt wird, durch die in den Medien vermittelte Sicht.
Dabei müssen die Medien jedoch folgendes an den Tag legen: eine unbeirrbare
Liebe zur Wahrheit, angestrengtes Studium der Dinge, Aufrichtigkeit,
Bescheidenheit und Bereitschaft zum Dialog. Diejenigen, die im Bereich der
Sozialen Kommunikation beruflich tätig sind, tragen die Verantwortung dafür,
daß die vermittelte Bildung von echten geistigen Werten getragen wird, damit
sie wirklich dem ganzen Menschen dient.
Man sollte jedoch bedenken, daß die Medien nur ein Instrument sind, ein
Werkzeug, mit dem man recht Unterschiedliches anstellen kann. Ihre Macht und
Wirksamkeit können den erwähnten geistigen Werten dienen, andererseits aber
auch - bei schlechtem Gebrauch - zur Verbreitung von Irrtum, Widerspruch oder
schlechtem Verhalten führen.
Zu häufig müssen wir jedoch leider Zeuge sein, daß beim Gebrauch dieser
Mittel der Sozialen Kommunikation grundlegende Werte verleugnet und verfälscht
werden. Bedauerlicherweise befinden sich die Medien oftmals in Händen von
solchen, denen es nur um finanziellen Gewinn geht oder um Interessen, bei denen
der Mensch ehrgeizigen Zielen und dem Streben nach Macht zum Opfer fällt. Dabei
werden im Menschen Tendenzen stimuliert, die er um seiner menschlichen und
christlichen Reife willen zügeln müßte.
Diese Dinge begegnen uns leider sehr häufig. Sie sind besonders bedauerlich,
wenn davon Menschen betroffen sind, die sich dem Dienste der Kirche geweiht
haben und sich unter Verletzung ihres eigenen Gewissens einem solchen Angebot öffnen,
oder wenn durch eine raffinierte, symbolreiche Sprache das Unterbewußtsein
stimuliert und so die Person unter Mißachtung der Freiheit beeinflußt wird.
Schließlich auch dann, wenn ästhetische Werte dazu mißbraucht werden, die
besten inneren Haltungen zu zerstören und grundlegende Werte zu verfälschen -
darunter oft genug das menschliche Leben selbst.
Die Kirche hat die Aufgabe, hier richtungsweisende Kriterien aufzuzeigen und
über deren Verwirklichung im Bereich der Sozialen Kommunikation zu urteilen.
Dazu gehört ferner, daß die Kirche unverzichtbar auf eigene Medien zählen
kann, die es ihr errnöglichen, gemäß dem Auftrag des Evangeliums das Wort
Gottes in allen Erdteilen und in allen Gesellschaftsschichten zu verbreiten.
Andererseits kann die Kirche an das Gewissen derer appellieren, die in den
Medien - besonders in den religiös neutralen - tätig sind, und sie dazu
anregen, das Publikum so zu erziehen, daß es in christlichem Geist das Echte
vom Falschen unterscheiden lernt.
Für diejenigen, die sich der Medien bedienen, also für die Rezipienten, ist
eine grundlegende Unterweisung unerläßlich. Dieses Bildungsangebot muß
zeitgemäß, jeweils gut angepaßt, ausreichend und leicht zugänglich sein.
Doch sind mit einer solchen zweckmäßigen Vorbereitung noch längst nicht alle
Probleme gelöst. Darüber hinaus bleibt nämlich die Aufgabe, ein gutes
kritisches Urteil und das Bewußtsein der eigenen sittlichen Verantwortung gegenüber
dem Angebot der Medien zu bewahren und zu entfalten. Wichtig ist auch, daß die
Christen und ganz allgemein alle Menschen guten Willens die Überzeugung
gewinnen und sich dessen bewußt werden, daß sie auf die Art des Angebots von
Presse, Radio, Fernsehen, Film usw. und sogar auf die Inhalte einen bestimmenden
Einfluß ausüben können. Es handelt sich im Wesentlichen darum, zu einer
positiven Haltung der Mitwirkung und Zustimmung oder des Verzichts und der
Ablehnung gegenüber bestimmten Programmen oder Leseangeboten hinzuführen. Von
diesem Verhalten wird es abhängen, welche Rolle die Medien spielen, ob sie, wie
es sein muß, menschliche und christliche Orientierung vermitteln, damit die
Medien die ihnen eigene providentielle Aufgabe wirklich erfüllen.
In vielen Fällen, besonders was äußere Probleme anbelangt, kann die Kirche
nicht konkret wirksam werden. Ihr eigen sind nur die übernatürlichen Mittel
wie das Meßopfer, Gebete und persönliche Opfer, durch die wir von Gott eine
klarere Sicht, die Ausrichtung unseres Willens auf das Gute sowie eine Zügelung
der Leidenschaften und Begierden erlangen können, um negative Auswirkungen zu
verhindern und das Gute, das in Übereinstimmung mit dem Plan Gottes zweifellos
erreichbar ist, zu fördern und wohl zu ordnen. Der Welttag für die Soziale
Kommunikation ist ein Aufruf zur Besinnung und zur allgemeinen Bewußtseinsbildung,
vor allem ein Anruf zum Gebet, zu dem alle Menschen guten Willens, besonders
aber diejenigen eingeladen sind, die von Gott durch eine persönliche Berufung
mit dieser für die Kirche grundlegenden Aufgabe betraut wurden.
Wir müssen gestehen, so sagt uns Papst Paul VI. in seiner Ansprache während
der Generalaudienz am 14. Februar, daß die Menschen heute nicht gern und nicht
ohne Schwierigkeiten beten. "Weithin bemüht man sich nicht mehr um das
Gebet, findet keinen Gefallen daran, ja man will gar nicht mehr beten." Zu
den typischen Schwierigkeiten, die sich heute dem Gebet entgegenstellen, gehört,
wie der Papst weiter sagt, ein "psychologisches Hindernis, das seinen
Ursprung hat in einer Überflutung mit fantastischen, profanen, sinnenhaften
Bildern, die nur zu oft sinnliche Ausschweifung bieten. In dieser Hinsicht
machen die in sich wunderbaren Instrumente der Sozialen Kommunikation den
seelischen Zustand der Gesellschaft deutlich."
Die Probleme des modernen Menschen dürfen den Ordensmännern und
Ordensfrauen, die ihrer Berufung zu einem ausschließlich kontemplativen Leben
treu sind und um Christi willen die Welt ganz verlassen haben, nicht fremd sein.
Zu dem kontemplativen Gebet, das ihr Herz und ihren Geist mit Gott verbindet, muß
die apostolische Liebe hinzukommen, die sich bemüht, sich einzureihen in das
Werk der Erlösung und des Reiches Gottes unter den Menschen (vgl. Perfectae
caritatis, Nr. 5 und 7).
Wer im Bereich der Sozialen Kommunikation mit der Verkündigung des Wortes
Gottes beauftragt ist, muß sich deshalb dazu verpflichtet fühlen, die
kontemplativen Ordensgemeinschaften dazu einzuladen, sich an der Verwirklichung
allgemeiner Ziele des Apostolats zu beteiligen, indem man sie auf ein Gebiet
hinweist, das wegen seiner Risiken, aber auch wegen seiner unermeßlichen Möglichkeiten
der Hingabe und des Einsatzes in Opfer und Gebet würdig ist.
Darum wenden wir uns in besonderer Weise an die kontemplativen
Ordensgemeinschaften. Obwohl sie sich der Sozialen Kommunikationsmittel nicht
sonderlich bedienen, ist doch ihr ganzes Leben durch ihr besonderes Zeugnis der
schweigenden Bejahung und kraftvollen Förderung der Werte des Geistes gewidmet,
die das Zentrum des Lebens bilden, jedoch der schweren Gefahr ausgesetzt sind -
darunter heute auch unsere christlichen Werte -unterzugehen.
Die päpstliche Kommission für die Soziale Kommunikation wünscht, herzliche
und häufige Beziehungen zu kontemplativen Ordensgemeinschaften herzustellen.
Gern wird sie darum bemüht sein, mehr Informationen zur Verfügung zu stellen,
bei ergänzenden Dokumentationen behilflich zu sein, Initiativen anzuregen und
mit denen, die das wünschen, in Kontakt zu bleiben. Dabei leitet uns die
Hoffnung, daß dieser fruchtbare Dialog dazu beitragen wird, von Gott die Gnade
zu erhalten, allen Menschen die richtige Sicht und den rechten Gebrauch einer
von den Werten des Geistes getragenen Sozialen Kommunikation nahezubringen.
Edward L. Hesten, C.S.C
Titularerzbischof von Numida
Präsident
Andreas M. Deskur
Sekretär