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48. Eucharistischer Weltkongress
10. – 17. OKTOBER 2004
„Die Eucharistie, Licht und Leben für das neue Jahrtausend”

Grundsatzdokument Erzdiözese Guadalajara
Inhalt
Abkürzungen
Einleitung
I. Wir wollen dein
Antlitz betrachten, Herr Die wirkliche
Gegenwart Jesus Christi im eucharistischen Geheimnis
Betrachter
des eucharistischen Christus Wir glauben an
die wirkliche Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie „Da
freuten sich die Jünger, dass sie den Herrn sahen“: der Weg des Geistes „Dein
Angesicht, Herr, will ich suchen“: das eucharistische Antlitz Christi
II. „UND DAS LICHT LEUCHTET IN DER
FINSTERNIS, UND DIE FINSTERNIS HAT ES
NICHT ERFASST“ (Joh 1,5) Licht und Schatten in der heutigen Welt
Das Licht Die
Schatten
III. Die
Eucharistie, Licht und Leben für das neue
Jahrtausend „Die
Eucharistie, Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens” (LG 11)
1. Die Eucharistie begleitet uns auf unserer Pilgerschaft Opfer
des Neuen Bundes Brot,
das verwandelt
2. Die Eucharistie, Geheimnis der
Kommunion und Mitte des Lebens
der Kirche
3. Die Eucharistie,
Aufforderung zum Teilen
4. Der evangelisierende
Jesus Christus und die Eucharistie, Quellen der
Evangelisierung
5. Maria, „Mutter des wahren
Gottes, durch den wir leben“ Maria,
„Leitstern der Evangelisierung“
Gebet zum eucharistischen
Christus
Gebet des eucharistischen Weltkongresses
Abkürzungen
ChL Johannes
Paul II., Apostolisches Schreiben Christifideles Laici (30.12.1988) CCL Corpus
Christianorum. Series Latina, Tournhout 1953ff CSCO Corpus
Scriptorum Christianorum Orientalium, Paris-Louvain,1903ff DD Johannes
Paul II., Apostolisches Schreiben Dies Domini (31.05.998) DetV Johannes
Paul II., Enzyklika Dominum et Vivificantem (18.05.1986) DH H.Denzinger-P.
Hünermann, El Magisterio de la Iglesia, Herder, Barcelona, 2000 DI Kongregation
für die Glaubenslehre, Dominus Iesus (06.08.2000) DM Johannes
Paul II., Enzyklika Dives in Misericordia (30.11.1980) DTC Dictionnaire
de théologie catholique, Paris 1903-1970 DV 2.Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Dei Verbum (18.11.1965) EA Johannes Paul
II., Nachsynodales Apostolisches
Schreiben Ecclesia in America (22.01.1999) EN Paul
VI., Enzyklika Evangelii Nuntiandi (08.12.1975) EV Johannes
Paul II., Enzyklika Evangelium Vitae (25.031995) FetR Johannes
Paul II., Enzyklika Fides et Ratio (14.09.1998) GS 2.
Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et Spes (07.12.1965) KKK Katechismus
der katholischen Kirche (11.10.1992) LG 2.Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution Lumen Gentium (21.11.1964) NMI Johannes
Paul II., Apostolisches Schreiben Novo Millennio Ineunte (06.01.2001) OLM Kongregation
für die Sakramente und den Gottesdienst, Ordo lectionum Missae (21.01.1981) PO 2.
Vatikanisches Konzil, Dekret Presbyterorum Ordinis (07.12.1965) RH Johannes
Paul II., Enzyklika Redemptor Hominis (04.03.1979) SC 2.
Vatikanisches Konzil, Konstitution Sacrosanctum Concilium (04.12.1963) TMA Johannes
Paul II., Apostolisches Schreiben Tertio Millenio Adveniente (10.11.1994) UR 2.
Vatikanisches Konzil, Dekret Unitatis Redintegratio (06.08.1993) VS Johannes
Paul II., Enzyklika Veritatis Splendor (06.08.1993)
Einleitung
1 Jesus Christus ist das Wort, das von
Anbeginn existierte, das Wort, das Leben schafft und schenkt (vgl. Joh
1,1.3-4). Dieses Leben war das Licht der Menschen: „Das wahre Licht, das
jeden Menschen erleuchtet, kam in die Welt“ (Joh 1,9; vgl. Joh 1,4). Und
das Wort ist Fleisch geworden, damit wir es betrachten und berühren können (vgl.
Joh 1,14) und die Fülle des Lebens empfangen, die es enthält (vgl. Joh 1,
4.16). Jesus Christus gibt uns das Leben durch seinen Leib und sein Blut, wie er
es in seiner Rede in Kafarnaum betont (vgl. Joh 6, 51-58).
2 Zu Beginn des neuen Jahrtausends und nachdem
wir mit Freude und Dankbarkeit das Große Jubiläum der Menschwerdung Jesus
Christi, unseres Herrn, begangen haben, der „derselbe ist, gestern, heute und
in Ewigkeit“ (vgl. Hebr 13,8), erfährt die durch Ihn gegründete Kirche auch
weiterhin seine erneuerte Gegenwart durch sein Wort,—Licht, das ihren Weg erleuchtet—, durch die Liturgie und durch den
Bruder, insbesondere durch den armen Bruder,
das menschliche Antlitz des leidenden Christus (vgl. EA 12), aber vor allem in
der Eucharistie: Opfer, Gedächtnis, Mahl und Gegenwart (vgl. SC 7). In der
Eucharistie, in der Christus leibhaftig gegenwärtig ist[1],
bietet er als Speise für das neue Leben denselben Leib dar, der vor 2000 Jahren
aus dem Schoß Mariens kam (vgl. TMA 55),sein Fleisch, das durch den Heiligen Geist lebt und Leben
schafft, das den
Menschen das Lebenspendet (vgl. PO 5).
3 Im Vertrauen auf diese Gegenwart, die uns
der auferstandene Herr selbst versprochen hat: „Ich bin bei euch alle Tage
bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,20), haben wir durch die Stimme des
Nachfolgers Petri die Motivation und den Ansporn erhalten, auf dem Weg
weiterzugehen, als Echo der Worte, die der Apostel von seinem Meister gehört
hatte: „Fahr hinaus auf den See!“ (Lk 5,4; vgl. NMI 1). Die Kirche fährt
hinaus auf das Meer eines neuen Jahrtausends in dem Wissen, dass sie in den
sicheren Hafen gelangen wird, weil sie auf ihrem Weg nicht alleine und auf ihre
eigenen Kräfte angewiesen ist, sondern der Herr bei ihr ist, ihr seinen Geist
gibt und sie mit seinen Sakramenten speist, insbesondere mit der Eucharistie.
4 Diese pilgernde Kirche, die in Dankbarkeit
auf Jesus Christus Eucharistie zurückblickt, wird beim 48. Eucharistischen
Weltkongress in der mexikanischen Stadt Guadalajara zur Betrachtung
zusammenkommen, der Heimat von erst kürzlich heilig gesprochenen Märtyrern,
die in der Eucharistie Kraft und Mut gefunden haben, um ihr Leben für ihr Volk
und für ihren Glauben mit dem Ruf zu opfern: „Es lebe Christ König, Es lebe
Unsere Liebe Frau von Guadalupe!“. An dieser Statio orbis geht die in
Gebet, Betrachtung und in der Feier versammelte Kirche mit neuer Hoffnung in das
dritte Jahrtausend, sie betet Jesus Christus Eucharistie an, der Licht und Leben
der Menschen ist und sie auf ihrem Weg begleitet, bessere Lebensbedingungen zu
schaffen, während sie sich nach der endgültigen Heimat sehnt.
5 Der nächste Eucharistische Weltkongress kann für die Kirche eine wunderbare
Gelegenheit sein, Jesus Christus zu verherrlichen – der in ihr gegenwärtig
ist – indem sie ihn öffentlich mit den Banden der Nächstenliebe und der
Einheit verehrt. Es ist ein hervorragender Anlass, ihren Glauben in der
eucharistischen Gegenwart zu bekunden, dieses Mysterium in einigen Aspekten zu
vertiefen und seine zentrale Bedeutung für das Leben und die Aufgabe der Kirche
in der heutigen Welt aufzuzeigen sowie neue Verpflichtungen in Bezug auf die
Evangelisierung einzugehen. Dazu ist eine sorgfältige Vorbereitung notwendig.
6 Der vorliegende Text soll daher den
Ortskirchen einige Denkanstöße geben, die sowohl in der Vorbereitungsphase als
auch während des Kongresses als Grundlage für die Weiterentwicklung und spätere
Vertiefung in Studien- und Gebetstreffen dienen können. Der Text lädt dazu ein,
die Sehnsucht nach der Betrachtung Jesus Christi, des wahren Gottes und des
wahren Menschen, zu erleben, sich von Ihm betrachten zu lassen und seine
Gegenwart zu erfahren: Wir wollen dein Angesicht schauen, Herr (Kapitel
I). Wir erfahren seine Gegenwart durch die Betrachtung „die uns nicht etwa von
unseren Zeitgenossen entfernt, sondern uns, im Gegenteil, empfänglich und offen
macht für die menschliche Freude und den Kummer und unser Herz zu einer
weltweiten Dimension weitet“,[2]
und somit eine Sicht unserer Gegenwart aus dem Glauben heraus vorbereitet, in
der Gewissheit, dass „Das Licht in der Finsternis leuchtet, und die
Finsternis es nicht erfasst hat“ (Joh 1,5), (Kapitel II). Als
„Höhepunkt einer jeden Evangelisierung und das deutlichste Zeugnis der
Auferstehung Christi“,[3] ist Die
Eucharistie, Licht und Leben des neuen Jahrtausends für die Kirche,
die unterwegs ist und die Aufgabe einer Neuevangelisierung begonnen hat (Kapitel
III). Schließlich ist zu Beginn dieses neuen Jahrtausends eine deutliche
und freudige Verkündigung unseres Glaubens an Jesus Christus notwendig, damit
er diese neue Etappe der Geschichte erleuchten möge. Dazu das Gebet zum
eucharistischen Christus.
+ Kardinal Juan Sandoval Íñiguez Erzbischof von Guadalajara.
I.
- Wir wollen dein anTLITZ BETRACHTEN, herr Die wirkliche Gegenwart Jesu Christi im eucharistischen Geheimnis
Betrachter des eucharistischen Christus
7 Wie jene griechischen Pilger, die zum
Paschafest nach Jerusalem gekommen waren, dem Apostel Philippus sagten, dass sie
Jesus sehen wollten, so bitten die Menschen unserer Zeit, wenn auch nicht immer
bewusst, die heutigen Gläubigen, nicht nur von Jesus Christus zu sprechen,
sondern ihn auch in gewisser Weise sichtbar zu machen. Das ist genau die Aufgabe
der Kirche!: Das Licht Christi in jeder Epoche der Geschichte widerzuspiegeln,
sein Antlitz auch vor den Generationen des neuen Jahrtausend erstrahlen zu
lassen. Wir können diese Aufgabe jedoch nicht erfüllen, wenn wir nicht zuerst
Betrachter seines Angesichtes sind (vgl. NMI 16). Daher ist es notwendig, dass
wir zuerst das erleben, was der Apostel Johannes zum Ausdruck bringt: „Was
wir gesehen und gehört haben, das verkünden wir auch euch, damit auch ihr
Gemeinschaft mit uns habt.“ (1Joh 1, 3).
8 Wie können wir heutzutage dieses Leben,
dieses Licht der Menschen (vgl. Joh 1,4), das sich uns offenbart hat, sehen und
betrachten? Durch die Menschwerdung des Sohnes Gottes (vgl. NMI 22), ist
Christus sichtbar geworden und hat unter uns gewohnt (vgl. Joh 1,14). Daher
konnten die Apostel im menschlichen Angesicht Jesu das Angesicht Gottes sehen,
vor allem da sie Zeugen seiner zahlreichen Zeichen und Wunder waren (vgl. Joh
20,30-31; vgl. NMI 24). Sie betrachteten auch das Antlitz Jesus voller Schmerzen
am Kreuz, Geheimnis im Geheimnis, vor dem der Mensch nur in Anbetung die Knie
beugen kann (vgl. NMI 25). Und sie betrachteten vor allem das Antlitz des
Auferstandenen (vgl. NMI 28), der ihnen den verlorenen Frieden und die verlorene
Freude zurückgab (vgl. Lk 24,36-43). All dies erlebt die Kirche bei der
Betrachtung des eucharistischen Geheimnisses. Dort treffen wir täglich diesen
Jesus, wahrer Gott und wahrer Mensch; dort wiederholen sich auf unblutige Weise
sein Leiden und sein Tod; und dort treffen wir schließlich den auferstandenen
Jesus, das Brot des ewigen Lebens, das Pfand für unsere Auferstehung.
9 Jesus Christus ist Licht und Leben (vgl. Joh 8,18). Daher ist es so dringend
notwendig, die entsprechenden Mittel und Wege zu suchen, damit sein Wort wirksam
verkündet und die Feier der Eucharistie ankommt und von dort aus in alle
Bereiche der Gesellschaft gelangt, als Sauerteig für eine neue
Zivilisation.
Wir glauben an die wirkliche Gegenwart Jesu Christi in der Eucharistie
10 Können wir Christus tatsächlich
in der Eucharistie begegnen? Ausgehend vom Letzten Abendmahl (vgl. Mt 26,17ff;
Lk 22,15) glaubt die Kirche an die wirkliche Gegenwart des Leibes und des Blutes
Christi, mit seiner Seele und seiner Göttlichkeit, in den Gestalten von Brot
und Wein: „In der Eucharistiefeier werden Brot und Wein durch die Worte
Christi und die Anrufung des Heiligen Geistes in den Leib und das Blut
Christi verwandelt.“ (KKK 1333). Es stimmt, was uns die Kirche lehrt, Christus
ist in seiner Kirche auf mehrfache Weise gegenwärtig, vor allem aber in den
eucharistischen Gestalten von Brot und Wein (vgl. KKK 1373).
11 Unter Einbeziehung einer Reihe von Zeugnissen der Überlieferung,
lehrt uns der Katechismus der Katholischen Kirche, dass „die Weise der
Gegenwart Christi unter den eucharistischen Gestalten einzigartig ist. Sie
erhebt die Eucharistie über alle Sakramente, so dass sie ‚gleichsam die
Vollendung des geistigen Lebens und das Ziel aller Sakramente’ ist.“ (KKK
1374). Die Kirche verstand immer den Realismus der Worte Jesu bei der Einsetzung
der Eucharistie; daher fasst das Konzil von Trient den Glauben an die wirkliche
Gegenwart zusammen, wenn es erklärt: „Weil aber Christus, unser Erlöser,
sagte, das was er unter der Gestalt des Brotes darbrachte, sei wahrhaft sein
Leib, deshalb hat in der Kirche Gottes stets diese Überzeugung geherrscht, und
dieses heilige Konzil erklärt es jetzt von neuem“ (KKK 1376).
12 Die Rede Jesu in Kafarnaum nach der Brotvermehrung (vgl.
Joh 6,1-71), verdeutlicht den Realismus seiner Worte, indem er uns offenbart,
dass Er das Brot ist, das vom Himmel herabgekommen ist (Joh 6, 51), und dass wir
daher sein Fleisch essen und sein Blut trinken müssen (Joh 6, 53), um das Leben
zu erhalten, das uns das Brot des Lebens schenkt (Joh 6, 48). Die Wirkung des
Realismus der Worte Jesu war derart, dass die Menschen sich stritten und fragten:
„Wie kann er uns sein Fleisch zu essen geben?“ (Joh 6, 52). Als
Christus darauf bestand, dass seine Aussagen wörtlich zu nehmen seien „denn
mein Fleisch ist wirklich eine Speise und mein Blut ist wirklich ein Trank“
(Joh 6, 55), empörten sich viele seiner Jünger und verließen ihn sogar (Joh
6, 66). Am Ende seiner Rede spricht er auch seine Apostel an und fragt sie, ob
auch sie gehen wollen. Die Worte von Petrus machen Jesus deutlich, dass sie sehr
wohl an die Wahrheit seiner Worte glauben: „Herr, zu wem sollen wir gehen?
Du hast Worte des ewigen Lebens“ (Joh 6, 68). Leider gab es damals und
gibt es auch noch heute Menschen, die nicht an die wirkliche Gegenwart Christi
im eucharistischen Brot glauben (Joh 6, 64). Die Kirche muss sich zu Beginn des
dritten Jahrtausends fragen: Warum ist es so schwierig, das Angesicht Christi in
der Eucharistie zu entdecken? Was ist zu tun, damit die Menschen diesen Christus,
der sich uns hingibt, schätzen und sich an ihm erfreuen? Was ist zu tun, damit
er in Stille vor dem Allerheiligsten angebetet oder feierlich am Hochfest Fronleichnam
angerufen wird?
„Da freuten sich die
Jünger, dass sie den Herrn sahen“ (Joh 20,20): der Weg des Geistes
13 Das Angesicht, das die Apostel nach der Auferstehung betrachteten, war dasselbe wie das jenes
Jesus, mit dem sie drei Jahre gelebt hatten, und der sie nun von der verblüffenden Wahrheit seines neuen Lebens
dadurch überzeugte, dass er ihnen seine Hände und seine Seite zeigte. Es war
sicher nicht leicht zu glauben. Die Emmausjünger glaubten erst am Ende eines
Weges, der ihnen geistig viel abverlangte (vgl. Lk 24, 13-35). Der Apostel
Thomas glaubte erst, nachdem er aufgefordert worden war, den Auferstandenen zu
berühren (vgl. Joh 20, 24-29). Doch soviel man auch seinen Leib sehen und berühren
mochte, in Wirklichkeit konnte nur der Glaube voll in das Geheimnis vordringen.
Das war eine Erfahrung, welche die Jünger eigentlich schon im geschichtlichen
Leben Jesus hätten machen müssen, als sie sich täglich durch seine Wunder und
seine Worte vor Rätsel gestellt fühlten. Zu Jesus gelangt man in der Tat nur
durch den Weg des Glaubens, durch einen Weg, dessen Etappen uns das Evangelium
selbst in der bekannten Szene von Cäsarea Philippi vorzeichnet: „Du bist
der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes! Jesus sagte zu ihm: ‚Selig bist
du, Simon Barjona; denn nicht Fleisch und Blut haben dir das offenbart, sondern
mein Vater im Himmel‘ " (Mt 16,16-17; vgl. NMI 19).
14 Petrus war in der Lage, zum Glauben an den
eucharistischen Jesus zu gelangen, nicht weil er als Mensch zur Erkenntnis kam,
sondern von Gott diese Gnade erhielt (vgl. NMI 20). Daher „geschieht es nicht
durch die Sinne, dass wir ihn erfahren und Ihm nahe sind. In den Gestalten von
Brot und Wein sind es der Glaube und die Liebe, die uns den Herrn erkennen
lassen“.[4] Heutzutage ist es
wichtiger denn je, darauf hinzuweisen, dass „allein die Erfahrung des Schweigens und des Gebetes den geeigneten
Horizont bietet, in dem die wahrste, getreueste und stimmigste Erkenntnis jenes
Geheimnisses heranreifen und sich entfalten kann”(NMI 20).
„Dein Angesicht, Herr, will ich suchen“
(Ps 27,8): das eucharistische Angesicht Christi
15 Die alte Sehnsucht des Psalmisten konnte keine größere und überraschendere
Erfüllung finden als in der Betrachtung des Angesichtes Christi. In ihm hat uns
Gott wahrhaftig gesegnet und ‚sein Angesicht über uns leuchten lassen’(Ps 67,2).Gleichzeitig
offenbart er uns als Gott und Mensch auch das echte Antlitz des Menschen, er ‚macht
dem Menschen den Menschen selbst voll kund’” (NMI 23). Diese Sehnsucht des Psalmisten ist im Herzen eines jeden
Menschen vorhanden, aber vor allem bei denjenigen, der bereits von Gott durch
den Glauben berührt wurden. Diese Sehnsucht, das Angesicht Gottes zu betrachten,
ist nicht vergebens, denn Christus ist nicht fortgegangen, sondern erfüllt sein
Versprechen: „Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“
(Mt 28,20).
16 In dem Bewusstsein dieser Gegenwart des Auferstandenen
unter uns, dank der Eucharistie, und „zweitausend Jahre nach diesen Ereignissen erlebt die Kirche sie wieder, als wären
sie heute.Im Angesicht Christi betrachtet sie, die Braut, ihren Schatz, ihre
Freude.‚Dulcis Iesu memoria, dans vera cordis gaudia’:Wie süß ist
die Erinnerung an Jesus, die Quelle echter Herzensfreude! Durch diese Erfahrung
gestärkt, nimmt die Kirche heute ihren Weg wieder auf, um der Welt zu Beginn
des dritten Jahrtausends Christus zu verkünden: Er ‚ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit’ (Hebr 13,8)“
(NMI 28).
17 Der Aufforderung Seiner Heiligkeit, Papst Johannes Paul
II. folgend, „die lebendige Pforte, die Christus ist, weiter geöffnet zu lassen denn je”(NMI 59), ist es angebracht, darüber nachzudenken, wie wir die Erfahrung der
eucharistischen Betrachtung teilen können, damit sie unsere Gemeinschaften
erleuchtet und sie in Gemeinschaften voller Freude und Hoffnung verwandelt.
II. „Und das licht leuchtet in der finsternis und die finsternis hat es nicht erfassT“( Joh 1,5)
Licht und Schatten in der heutigen Welt
18 Jesus Christus ist das Licht und das Leben. Diese Worte
sind wie die Synthese aller guten Dinge, die Er uns schenkt und die sich im
Geheimnis der Eucharistie zusammenfassen lassen. Brot und Wein dienen dazu, das
natürliche Leben zu erhalten. Wenn wir das eucharistische Brot nicht essen, ernähren
wir analog dazu nicht das Leben, das wir in der Taufe erhalten haben. Es ist ein
Leben, das immer vollkommener wird, weil durch die Eucharistie die Tugenden
wachsen und alle Gaben des Geistes gefördert werden, um der Erlösung, für die
sie eingesetzt wurde, teilhaftig zu machen. Im Gegensatz zum natürlichen Leben,
hat das Leben der Gnade keine Grenzen. An der Schwelle dieses neuen Jahrtausends
tauchen Fragen und Hoffnungen, Licht und Schatten auf; es ist der ewige Kampf
der Finsternis, das Licht zu verdunkeln. Der Erlöser ist bereits gekommen und
seine Gegenwart in der Eucharistie ist eine Garantie der Erlösung für uns und
für die Geschichte.
Das Licht
19 Seine Heiligkeit, Papst Johannes Paul II. fordert uns
immer wieder dazu auf, die hellen Seiten zu sehen, die diese Welt trotz der Not
liebenswürdig und liebenswert machen. Denn der Sohn Gottes ist Mensch geworden
in einer wunderschönen Welt, die sein Vater als eine gute Welt geschaffen
hatte, als er nacheinander die Dinge schuf (vgl. Gen 1, 10.12.18.21.25). Im
Neuen Testament vergleicht Lukas die Kinder des Lichts mit den Kindern dieser
Welt, Johannes sagt uns, dass Gott die Fülle des Lichts sei. Jesus Christus ist
als Offenbarung des Vaters das Licht, das sich den Menschen offenbart, aber
diese Welt der Finsternis empfängt das Licht nicht. Als Kinder des Lichts sind
wir dazu aufgerufen, dem Leben einen Sinn zu geben, diese Lichtstrahlen sichtbar
zu machen. Darunter sind folgende besonders hervorzuheben:
20 Es ist eine wahre Freude, den Anstieg der Zahl der
Katholiken in den letzten Jahren, das Wachsen vieler kirchlichen Bewegungen und
das verheißungsvolle Erwachen des geistlichen Lebens beobachten zu können.
Jesus nachzufolgen ist weiterhin die Antwort vieler Frauen und Männer in der
Welt. Ebenfalls stellen wir einen Anstieg der Berufungen zum Priester und zum
gottgeweihten Leben fest, was uns Hoffnung für eine bessere Zukunft gibt.
21 Die Verteidigung der Würde des Menschen und der
Menschenrechte im Namen des Evangeliums ist ein zentraler Aspekt der Aufgabe und
Arbeit vieler Christen. Papst Paul VI. sagte: „Die Kirche erklärt sich in
gewisser Hinsicht während des ganzen Konzils zur Dienerin der Menschheit“.[5]
Ein großes Licht ist es zu sehen, wie die Herrlichkeit des Herrn „in allen Jahrhunderten und besonders in dem Jahrhundert, das wir soeben hinter
uns gelassen haben, dadurch gewirkt hat, dass er seiner Kirche eine große
Schar von Heiligen und Märtyrern zugesichert hat [...]Als beredte
Botschaft, die keiner Worte bedarf, stellt sie auf lebendige Weise das Angesicht
Christi dar.”(NMI 7). Weitere Zeichen der Hoffnung sind: der Zusammenbruch der atheistischen
totalitären Regime, die neuen Räume der Freiheit und der Fortschritt der
Demokratie in vielen Ländern.
22 Der Mensch sucht die Wahrheit, er will nicht in der Lüge leben. Daher schlug
der Papst zu Recht den jungen Menschen eine wunderbare Aufgabe vor: zu „Wächtern
des Morgens“ zu werden (vgl. NMI 9; Is 21, 11-12). Die Eucharistie wird für
sie immer die Sonne sein, die ihre Leben erhellt und ihnen Wärme schenkt, in
der sie dem begegnen, der das wahre Leben ist. In der Eucharistie sucht
nicht nur der Mensch Gott, sondern Gott sucht und erwartet auch den Menschen.
23 Die Kirche spricht oft von der Kultur des Lebens, zeigt
uns den unvergleichlichen Wert eines jeden Menschen und wie „dasEvangelium von der Liebe Gottes zum Menschen, das Evangelium von der Würde der
Person und das Evangelium vom Leben ein einziges, unteilbares Evangeliumsind”(EV 2). Die Eucharistie, Brot des ewigen Lebens, lässt uns erneut verkündigen,
dass der Wert des menschlichen Lebens von seiner Empfängnis zu bis seinem natürlichen
Tod heilig ist. In jeder Begegnung mit der Eucharistie erinnert uns Jesus: „achte, verteidige, liebe das Leben, jedes menschliche Leben, und diene ihm”(EV 5).
24 Die christliche Gemeinschaft und die Zivilgesellschaft
haben viele Initiativen zu Gunsten der Schwächsten und Schutzlosesten ergriffen
und werden sie auch weiterhin in die Wege leiten. Die Kinder werden als
Gottesgeschenk gesehen. Es entstehen Zentren für Lebenshilfe. Der
wissenschaftliche, technische und medizinische Fortschritt wird mehr geschätzt,
vorausgesetzt, dass er sich in den Dienst der Würde des Menschen und des Wohls
der Nationen stellt. Es wird eine stärkere Abneigung gegenüber der Todesstrafe
und dem Krieg als Lösungen für Konflikte festgestellt (vgl. EV 26-27).
25 Ebenso der Respekt für die
Natur: Die Menschen sind sich der Tatsache stärker bewusst, dass wir in ihr ein
Geschenk und eine Aufgabe erhalten haben, nämlich Verwalter der Schöpfung zu
sein. Das eucharistische Brot und der eucharistische Wein, Frucht der Natur und
der Arbeit des Menschen, stellen im Grunde genommen die Sehnsucht dar, die ganze
Schöpfung zur Fülle zu bringen, die seufzt und in Geburtswehen liegt und die
Erlösung erwartet (vgl. Röm 8, 22).
26 In Dankbarkeit angesichts der hellen Seiten, die wir festgestellt haben, fragen
wir uns: Wie können wir die positiven Aspekte der heutigen Welt vermehren,
indem wir die göttliche Gnade anrufen? Wie können wir mit unseren
Anstrengungen und unserer Verantwortung dazu beitragen?
Die Schatten
27 Wir stehen vor ernsten Problemen: Wir leben in einer
ambivalenten und daher manchmal ausgrenzenden Globalisierung. Es entstehen
erbarmungslose Wirtschaftssysteme, die nicht den Menschen berücksichtigen, mächtige
Kulturen, welche die schwächsten Kulturen ausgrenzen, die Kluft zwischen Arm
und Reich wird immer breiter statt sich zu verkleinern.
28 Wir bedauern die Verdunkelung des moralischen
Bewusstseins, den Verlust der Fähigkeit, bis zum Ende zu lieben, den
Terrorismus, Tod und Leid, die durch Gewalt verursacht werden, das Desinteresse
an der Wahrheit, die Zerrüttung der Familien, den Schmerz, ein Leben zu leben,
das keinen Sinn hat, die Abtreibung, durch die erbarmungslos die Wehrlosesten
getötet werden, die unsichere Arbeitssituation, die langsam das eigene und
familiäre Leben von vielen Menschen erstickt.
29 Die Finsternis scheint den Weg der Christen zu verdunkeln:„Zu diesen Sünden sind auch ‚der Drogenhandel, die Geldwäsche, die
Korruption in sämtlichen Bereichen, die Schrecken der Gewalt, die Aufrüstung,
die Rassendiskriminierung, die Ungleichheit innerhalb der sozialen Schichten und
die vernunftlose Zerstörung der Natur zu zählen‘.Diese Sünden zeigen eine tiefe Krise auf, die wir dem verloren gegangenen Sinn
für Gott und dem Abhandenkommen moralischer Grundsätze zu verdanken haben,
welche eigentlich das Leben eines jeden Menschen bestimmen sollten. Ohne
irgendeinen moralischen Bezugspunkt verfällt der Mensch einem uneingeschränkten
Drang nach Reichtum und Macht, welcher jegliche am Evangelium orientierte
Sichtweise der sozialen Wirklichkeit verdunkelt.“(EA 56).
30 Wir stellen die Abwesenheit von Gott fest, der vom
privaten und gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wird, während sich die
verschiedenen Formen einer sektiererischen und fanatischen, oft
fundamentalistischen Religiosität bzw. einer diffusen Spiritualität ohne Bezug
zu Gott und ohne moralische Verpflichtung vermehren.
31 Diese und andere Licht- und Schattenseiten unserer
Zeit lassen uns folgende Frage stellen:Was sollen wir tun, damit unsere Gemeinschaften mit ihrer christlichen Berufung
zu Kindern des Lichts werden, der Welt die Früchte des Lichts: Güte,
Gerechtigkeit und Wahrheit bringen? (vgl. Eph 5, 8).
III. die eucharistie, licht und leben für das neue jahrtausend „Die Eucharistie, Quelle und Höhepunkt des christlichen Lebens“ (LG 11)
1. Die eucharistie begleitet uns auf unsereR PILGERschaft
32 Zu Beginn des Dritten Jahrtausends begeht die Kirche den 48. Eucharistischen
Weltkongress in der Hoffnung der immer neuen Gegenwart des Herrn. Die Kirche,
das pilgernde Volk, findet in der Eucharistie die Speise des Lebens, die es auf
seinem Weg ernährt, denn das Volk weiß, dass es auf die endgültige Heimat
zugeht (vgl. Hebr 11, 13-16). Die Kirche „feiert das Gedächtnis des
auferstandenen Herrn, während sie den Sonntag ohne Sonnenuntergang erwartet, an
dem die gesamte Menschheit in deine ewige Ruhe eintreten wird“ (10. Präfation
für Sonntage im Jahreskreis).
Opfer des Neuen Bundes
33 Die Eucharistie ist ein Opfer: das Opfer der Erlösung und gleichzeitig das
Opfer des Neuen Bundes.[6] Im Letzten
Abendmahl setzte Jesus das eucharistische Opfer seines Leibes und seines Blutes
ein, umdadurch das Opfer des Kreuzes durch die Zeiten hindurch fortdauern zu lassen und
so der Kirche eine Gedächtnisfeier seines Todes und seiner Auferstehung
anzuvertrauen.(vgl. SC 47).
34 Jesus ist in der Eucharistie das Opfer, das uns der
Vater schenkt, um geopfert zu werden; das Opfer, das hingegeben wird, um uns zu
reinigen und mit Ihm zu versöhnen. Diese Darbringung eines Opfers finden wir
bereits im Alten Testament in dem Opfer Abrahams vorausgenommen (vgl. Gen 22,
1-14), wie in der Fronleichnamsequenz: „In figuris praesignatur, cum Isaac
immolatur“ (Sequenz „Lauda Sion“) gesungen wird. Der
Opfercharakter der Eucharistie tritt schon in den Einsetzungsworten zutage:
„Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird“ und „mein Blut, das für
euch vergossen wird“ (vgl. Lk 22, 19-20; KKK 1365). Das Opfer Christi und das
Opfer der Eucharistie sind ein einziges Opfer: denn die Opfergabe ist ein und
dieselbe, allein die Weise des Opferns ist verschieden (vgl. K. v. Trient DS
1743; KKK 1367). Das Opfer Christi ist auch das Opfer der Glieder seines Leibes,
sodass „das Leben der Gläubigen, ihr Lobpreis, ihr Leiden, ihr Gebet und ihre
Arbeit mit denen Christi und mit seiner Ganzhingabe vereinigt werden und so
einen neuen Wert erhalten“ (KKK 1368).
35 Ebenso ist „die Eucharistie das Gedächtnis des Pascha Christi, die
sakramentale Vergegenwärtigung und Darbringung seines einzigen Opfers in der
Liturgie seines Leibes, der Kirche“ (KKK 1362). Sie ist Gedächtnisfeier, in
der die Wunder, die Gott für die Menschen gewirkt hat, verkündet und das
Pascha Christi vergegenwärtigt werden. Das Opfer, das er damals und für alle
Zeit am Kreuz gebracht hat, aktualisiert sich durch die Feier (vgl. Heb 7,
25-27). Indem uns die Gedächtnisfeier die Vergangenheit vergegenwärtigt,
bringt sie uns in die Zukunft, in der Hoffnung der Rückkehr des Herrn: „So oft ihr von diesem Brot esst und aus diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den
Tod des Herrn, bis er kommt.”(2. Ruf nach der Konsekration).
36 Seit ihren Anfängen feiert die Kirche die Eucharistie gemäß dem Auftrag des
Herrn: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (1 Kor 11, 24-25). So beten
wir im zentralen Teil des Eucharistischen Hochgebets, direkt nach der
Einsetzung: „Darum, gütiger Vater, feiern wir das Gedächtnis deines Sohnes:
Wir verkünden sein heilbringendes Leiden, seine glorreiche Auferstehung und
Himmelfahrt und erwarten seine Wiederkunft. So bringen wir dir mit Lob und Dank
dieses heilige und lebendige Opfer dar.“ (3. Eucharistisches Hochgebet).
Brot, das verwandelt
37 Die Heilige Schrift stellt die Eucharistie auch als Speise dar. Die
eucharistischen Vorbilder des Alten Testaments verkünden und betonen diesen
Aspekt. Eine der Darstellungen ist das Opfer von Melchisedek, der dem Höchsten
Gott Brot und Wein darbringt (vgl. Gen 14, 18). Auch das Osterlamm und die ungesäuerten
Brote verweisen auf die Eucharistie als Speise (vgl. Ex 12, 1-28): bevor
das Volk aus der Sklaverei befreit wird, findet dieses Mahl statt, in dem das
Lamm das Symbol für die Heilshandlung Gottes ist; das Volk beginnt außerdem
die lange Wanderschaft, die es in das gelobte Land bringen wird. Auch das Mahl,
das Moses mit den siebzig Ältesten nach dem Opfer, mit dem der Bund besiegelt
wurde, gefeiert hat, weist auf die Eucharistie hin (vgl. Ex 24,
11).
38 Die Bedeutung der Eucharistie als Mahl des Pilgers, findet sich auch in der
Gestalt des Manna wieder (vgl. Ex 16, 1-35; Dtn 8, 3), der wundersamen Speise,
die Gott dem hebräischen Volk geschickt hat und die es vierzig Jahre lang auf
seinem Weg durch die Wüste stärkte und auf das sich Christus ausdrücklich
bezog, als er von seinem eucharistischen Leib als dem Brot des Lebens vom
Himmel sprach (vgl. Joh 6, 49-51. 58).
39 Eine weiteres Vorbild der Eucharistie in Bezug auf das Mahl, das den Pilger
speist, ist das Brot, das Elija aß und das in glühender Asche gebacken war: „Da
stand er auf, aß und trank und wanderte, durch diese Speise gestärkt, vierzig
Tage und vierzig Nächte bis zum Gottesberg Horeb.” (1 Kön 19,
5-8).
40 Die Eigenschaft der Eucharistie als Pilgerspeise wird in poetischer Art und
Weise in der feierlichen Fronleichnamsequenz aufgenommen: „Ecce panis
angelorum, factus cibus viatorum” (Sequenz „Lauda, Sion“). Das
Brot der Eucharistie ist die Kraft der Schwachen: „Wenn wir sein Fleisch essen, das er für uns geopfert hat, werden wir gestärkt.”(1. Präfation der Eucharistie). Das Brot ist Trost der Kranken, Wegzehrung der
Sterbenden, Christus wird darin „zur Speise und zum Trank des Geistes, um uns
auf unserer Reise zum ewigen Paschafest Nahrung zu sein“ (Präfation der
Eucharistie III). Es ist die gehaltvolle Speise, die so viele Christen in ihrem
Zeugnis für die Wahrheit des Evangeliums stärkt, das sie in verschiedenen
Bereichen geben.
41 „So wird jeder, der mich isst, durch mich leben.”(Joh 6, 57), dies sagt Jesus, um uns auf die Notwendigkeit hinzuweisen, dass
der Christ sich von Ihm, der das Brot ist, das vom Himmel kam, ernähren muss.
Die Teilnahme an diesem heiligen Mahl lässt uns zum mystischen Leib Jesus
Christi werden. Jesus Christus Eucharistie ist daher das Zentrum des Lebens der
Kirche.
42 Die Kirche hat die Eucharistie als Speise, die sie nährt und im Innern
verwandelt. Dazu sagte Leo der Große:„nichts anderes wirkt die Teilhabe an Leib und Blut Christi, als dass wir in
den verwandelt werden, den wirempfangen”.[7] Wir werden von
Christus aufgenommen, wir werden in neue Menschen verwandelt, die mit Ihm, dem
Kopf des mystischen Leibes eng verbunden sind.
43 Das neue Leben, das uns Christus in der Eucharistie
gibt, wird für uns „Arznei der Unsterblichkeit, Gegengift gegen den Tod und
eine Speise, um immer in Jesus Christus zu leben” (Hl.Ignatius von Antiochien, Brief an die Epheser20, 2). Wir, die wir durch Christus leben, der möchte, dass wir alle ein Leben
in Fülle haben, müssen den heiligen Charakter des menschlichen Lebens verkünden,
von seiner Empfängnis bin zu seinem natürlichen Tod und wir müssen den schädlichen
Einflüssen der Kultur des Todes widerstehen.
2. Die eucharistie, geheimnis der Kommunion und zentrum des Lebens der kirche
44 Die Eucharistie ist das Sakrament der Einheit in der Kirche, wie es der Apostel
Paulus verkündet: „Ein Brot ist es. Darum sind wir viele ein Leib, denn
wir alle haben teil an dem einen Brot“ (1 Kor 10,17). Christus selbst drückt
im Gebet, das er nach der Einsetzung der Eucharistie für seine Jünger zum
Vater spricht, den Wunsch aus, dass sie eins und ihm bleiben mögen, wie Er eins
mit dem Vater ist und in ihm bleibt (vgl. Joh 17, 20-23). Die Apostelgeschichte
berichtet, wie durch das Brechen des Brotes eine lebendige Lebens-und
Herzensgemeinschaft gebildet wird (vgl. Apg 2, 42-47). Die Eucharistie
bezeichnet und schafft Einheit.
45 Die Teilnahme an einem einzigen Tisch ist bereits für sich alleine gesehen ein
Symbol der Geschwisterlichkeit und der Gemeinschaft im Geiste. Das äußere
Zeichen der Speise, die gegessen wird, ist auch, wie uns die Didaché
(vgl. 9,4) erinnert, Frucht des Weizens, der zerstreut war auf den Bergen und in
einem Brot zusammengebracht wurde, als Symbol der Einheit der Kirche, die in
allen Winkeln der Erde vereint ist. Dieser eucharistische Symbolismus in Bezug
auf die Einheit der Kirche ist seit Beginn der Kirche von den Kirchenvätern
umfassend behandelt worden, und das Konzil von Trient nimmt diesen Gedanken
erneut auf, wenn es sagt, dass Christus seiner Kirche die Eucharistie
hinterlassen hat „als Zeichen seiner Nächstenliebe und Barmherzigkeit, durch
die er wollte, dass alle Christen miteinander vereint und eng verbunden sind“
(DH 1628), und als Symbol jenes einen Leibes, dessen Haupt er selber ist. Auch
das Zweite Vatikanische Konzil beschreibt die Eucharistie als „das Sakrament huldvollen Erbarmens, das Zeichen der Einheit, das Band der
Liebe”(SC 47 – unter Bezugnahme auf den Heiligen Augustinus).
46 Wenn nun die Eucharistie Quelle der Einheit ist, so ist sie auch das Zentrum des
Lebens der Kirche, und das ist darauf zurückzuführen, dass wir in ihr ein
einzigartiges und transzendentes Prinzip haben, mit dessen Hilfe, das erreicht
werden kann, was für die Menschen wegen ihrer Sünde und ihrer Zersplitterung
nicht möglich ist. Dieses Prinzip der Einheit ist der wahre Leib Christi, der
seiner Kirche hingegeben wurde, um sie zu einem mystischen Leib zu erbauen,
dessen Haupt Er ist und dessen Glieder wir sind.
47 Die Kirche macht die Eucharistie und die Eucharistie macht die Kirche (vgl. RH
20). Daher ist die Eucharistie das Zentrum des Lebens der Kirche und auf sie
sind die übrigen Sakramente (vgl. SC 7), die kirchlichen Ämter und die Werke
des Apostolats ausgerichtet. Die Heiligste Eucharistie ist Quelle und Höhepunkt aller Evangelisierung.Die Eucharistie enthält
ja das Heilsgut der Kirche in seiner ganzen Fülle:Christus selbst, unser
Osterlamm und das lebendige Brot. Durch sein Fleisch, das durch den Heiligen
Geist lebt und Leben schafft, spendet er den Menschen das Leben(vgl. PO 5).
48 Das eucharistische Geheimnis muss daher auch das Zentrum der Ortskirche sein.Diese Kirche Christi ist wahrhaft in allen rechtmäßigen Ortsgemeinschaften der
Gläubigen anwesend, die in der Verbundenheit mit ihren Hirten im Neuen
Testament auch selbst Kirchen heißen.In den Kirchen werden durch die Verkündigung
der Frohbotschaft Christi die Gläubigen versammelt, in ihnen wird das Mysterium
des Herrenmahls begangen, auf dass durch den Leib und das Blut des Herrn alle zu Geschwistern
verbunden werden.In diesen Gemeinden, auch wenn sie oft klein und arm sind oder
in der Diaspora leben, ist Christus gegenwärtig, durch dessen Kraft die eine,
heilige, katholische und apostolische Kirche geeint wird.Denn die Teilhabe an
Leib und Blut Christi lässt uns in den verwandelt werden, den wir empfangen(vgl. LG 26).
49 Die Eucharistie, Geheimnis der Kommunion für die Erlösung der Welt. Die von
uns getrennten Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften sind trotz ihrer Mängel
Mittel des Heils, deren Wirksamkeitsich von der katholischen Kirche anvertrauten Fülle der Gnade und Wahrheit
herleitet, so das Zweite Vatikanische Konzil(vgl. UR 3). Diese Kirchenerfreuen
sich nicht jener Einheit, die Jesus Christus seiner Kirche geschenkt hat, weil
sie nicht die Fülle der Heilsmittel besitzen, mit denen Christus seine Kirche
beschenkt hat. Unter diesen Heilsmitteln ist insbesondere die Feier der
Eucharistie wichtig, in der die Einheit aller Menschen, die an Christus glauben, bezeichnet
und verwirklicht wird.
50 Die Kirchen des Orients, so das Zweite Vatikanische Konzil, haben das
Weihesakrament und unseren selben eucharistischen Glauben beibehalten (vgl. UR
15), während einige nicht katholische christliche Gemeinschaften des
Abendlandes vor allem wegen des Fehlens des Weihesakramentes die ursprüngliche
und vollständige Wirklichkeit (substantia) des eucharistischen Mysteriums nicht
bewahrt haben, obwohl sie bei der Gedächtnisfeier des Todes und der
Auferstehung des Herrn im Heiligen Abendmahl bekennen, dass hier die lebendige
Gemeinschaft mit Christus bezeichnet werde und seine glorreiche Wiederkunft
erwarten (vgl. UR 22). Aus diesem Grund fordert uns die Feier der Eucharistie
selbst dazu auf, die positiven Werte in den Kirchen und kirchlichen
Gemeinschaften, die nicht in völliger Gemeinschaft mit der katholischen Kirche
sind, zu entdecken und sie zur Erkenntnis zu führen, dass die Einheit wie auch
die Eucharistie Werk Gottes ist, das uns zu einer aktiven und
verantwortungsvollen Zusammenarbeit „mit Wahrheitsliebe, Nachstenliebe und Demut“(UR 11)
aufruft.
51 Eine lebendige Gemeinde ist identisch mit einer eucharistischen Gemeinschaft:
„Die christliche Gemeinde wird aber nur auferbaut, wenn sie Wurzel und Angelpunkt
in der Feier der Eucharistie hat; von ihr muss darum alle Erziehung zum Geist
der Gemeinschaft ihren Anfang nehmen” (PO 6). Daher müssen Planung und Durchführung der Pastoralprogramme
bei der Eucharistie beginnen, die gefeiert und in Anbetung betrachtet wird,
damit sie insbesondere im Bereich der Berufungen Früchte bringen.
3. Die eucharistie, aufforderung zum teilen
52 „So gelebt, wird die Eucharistiefeier zu einer großartigen Schule der Nächstenliebe“ (Johannes Paul II., Schreiben Dominicae Cenae, 6). So verstehen wir
den Zusammenhang zwischen der Eucharistie und dem Licht, wenn der Apostel
Johannes sagt: „Wer sagt, er sei im Licht, aber seinen Bruder hasst, ist noch
in der Finsternis.“ (1 Joh 2, 9).
53 Wirklich das Opfer Christi darzubringen, bedeutet, diese selbe Opfer in einem
Leben voller Hingabe an die Mitmenschen fortzusetzen. So wie Er sich im Opfer in
Form von Brot und Wein hingegeben hat, müssen wir uns in geschwisterlichem und
demütigem Dienst unseren Nächsten hingeben und uns dabei mehr an ihren Bedürfnisse
als an ihren Verdiensten orientieren und ihnen das Brot, beziehungsweise das
geben, das was sie für ein würdiges Leben am dringendsten benötigen.
54 Die Christen haben weder die Speise noch das Mahl erfunden. Es sind Elemente,
die zum menschlichen Leben gehören und Grundbedürfnisse darstellen. Sein
Inhaltsreichtum manifestiert sich weniger in der materiellen Tatsache des Essens
und Trinkens, sondern durch das Kommunizieren, Teilen und Verbrüdern. Für den
Christen, der sich bewusst ist, dass er ein Glied des mystischen Leibes Christi
ist, stellt die Möglichkeit, das „Eucharistische Mahl“ zu feiern, ein
Privileg, aber auch eine Aufforderung dar. Brot und Wein, die wir auf dem Altar
darbringen, führen uns auf die Speise und den Trank zurück, der auf dem Tisch
eines jeden Menschen sein sollte, denn es gibt viele Menschen, die nicht von
diesem Recht profitieren, weil sie entweder nichts zu essen haben oder weil sie
niemanden haben, mit dem sie teilen können, was eine große Ungerechtigkeit
darstellt.
55 Diese Situation steht in krassem Gegensatz zu dem, was Jesus während seines
Lebens predigte und tat und was die Urgemeinde, der Lehre Christi folgend,
beachtete und lebte. Daher lädt uns die als Mahl gefeierte und partizipierte
Eucharistie ein, das Teilen des Brotes mit der Gütergemeinschaft (vgl. Apg
2,42.44; 4,34), mit Kollekten für die Bedürftigen (vgl. Apg 11,29; 12,25), mit
dem Dienst an den Tischen (vgl. Apg 6,2) und mit der Überwindung jeglicher
Teilung und Diskriminierung (vgl. 1 Kor 10,16; 11,18-22; Jak 2, 1-13) zu
verbinden. Dies hat ganz klare Konsequenzen für die Evangelisierung in der Welt
und insbesondere in den Entwicklungsländern.
56 Die Eucharistie aktualisiert die Diakonia oder den
Dienst Christi und ist Ort der Erneuerung des Auftrags der Kirche, vor allem
zugunsten die Bedürftigsten. Somit ist die Eucharistie Schule, Quelle der Liebe
und Diakonia, die notwendigerweise im Leben angestrebt werden muss. Dies
bedeutet, dass in der Eucharistie und durch die Eucharistie die Werte der
geschwisterlichen Aufnahme, der Solidarität und der Gütergemeinschaft gefördert
werden. Dieses Zeugnis der Liebe ist ein unverzichtbares Element wirklicher
Evangelisierung.
4. Der evangelisierende jesus christus und die eucharistie, quelle der
evangelisierung
57 Im Zentrum des Heilswerkes Jesus Christi steht seine Evangelisierungsaufgabe.
Die Verkündigung des Reiches macht Jesus nicht nur mit Worten sondern „durch sein ganzes Dasein und seine ganze Erscheinung[...]vor allem aber durch
seinen Tod und seine herrliche Auferstehung von den Toten” (DV 4). Wir können eigentlich sagen, dass Jesus Christus selbst das
Reich ist.
58 Papst Paul VI. selbst weist darauf hin, dass die Evangelisierung „bereits während
des Lebens Christi beginnt und durch seinen Tod und seine Auferstehung endgültig
erworben wird; sie muss aber mit Geduld im Verlauf der Geschichte fortgeführt
werden, um dann voll verwirklicht zu werden am Tage der endgültigen Ankunft
Christi ” (EN 9). Daher ist es die wichtigste Pflicht der Kirche, den
Auftrag Christi fortzusetzen und sich die Worte des Heiligen Paulus zu Eigen zu
machen: „Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!” (1 Kor 9,
16).
59 Die Eucharistie ist die Quelle der Evangelisierung, denn sie ist in gewisser
Hinsicht das „Zentrum des Evangeliums”. Sie scheint in Zusammenhang zu
stehen mit dem Paschamahl, wie in den Texten der Einsetzung der Eucharistie erzählt
wird (vgl. u.a. Mt 26, 17-25 ), und auch mit den wichtigsten Themen des
Evangeliums, wie Verkündung des Wortes Gottes, Umkehr und Glaube, Nächstenliebe
und Koinonía, Versöhnung und Vergebung und sogar ewiges Leben (vgl. Joh 6; Apg
2, 42-46; 1 Kor 10, 14-22; 11, 17-26).
60 Die Eucharistie ist außerdem der Höhepunkt des sakramentalen Weges, denn sie
vereint und verweist auf die verschiedenen sakramentalen Etappen wie Taufe,
Firmung, Ehe, durch die der Christ seine Aufnahme in das Geheimnis Christi und
seiner Kirche zu Ausdruck bringt. Daher bezieht die Eucharistie die gesamte
Kirche und jeden einzelnen Christen ein, nicht nur um in der Gleichgestaltung
mit Christus voranzukommen, sondern auch um als Glieder des mystischen Leibes
Christi die Aufgabe der Evangelisierung der Mitmenschen zu erfüllen.
61 Die Eucharistie ist schließlich ein Impuls für die Evangelisierung in diesem
3. Jahrtausend, denn sie ist nicht nur ihr Zentrum sondern auch ihre Quelle,
welche jede Evangelisierungsarbeit in der heutigen Welt bewirkt und fördert
(vgl. NMI 36).
62 Einen besonderen Aspekt stellt sicherlich die liturgische und volkstümliche
Verehrung von Christus im Allerheiligsten Sakrament dar. Die Monumente des Gründonnerstag,
die feierliche Atmosphäre der Fronleichnamsprozessionen, die Sitte des Besuchs
des Allerheiligsten, das Vierzigstündige Gebet, die Kirchen, in denen das
Allerheiligste ständig ausgesetzt ist, die Segnung mit dem Allerheiligsten, die
Kommunion am Herz-Jesu-Freitag, die Nächtliche Anbetung und die Eucharistischen
Kongresse sind unter vielen anderen Dingen Ausdruck eines einfachen und tiefen
Glaubens an die wirkliche Gegenwart Jesus Christi in der Eucharistie und einer
innigen Liebe dem gegenüber, der „unter uns wohnt“. Es ist unbestreitbar,
dass die Evangelisierungsaufgabe der Kirche, insbesondere in unserer, Zeit hier
ein Gebiet der Reinigung und eines außergewöhnlichen Wachstums, findet, damit
angesichts „der Finsternis und den Schatten des Todes” (Lk 1,79), die
unsere Welt umhüllen, die Eucharistie Licht und Leben für die Menschheit
ist.
63 Die evangelisierende Kraft der Eucharistie fordert den Christen dazu auf, sich
selbst einem großzügigen missionarischen Engagement hinzugeben, das auf die
Situation einer jeden Region und eines jeden Lands zugeschnitten ist, denn wenn
Jesus uns beim Letzten Abendmahl sagt: „Tut dies zu meinem Gedächtnis“ (Lk
22, 19), können wir seine Aufforderung nicht ignorieren, wie Er das Brot zu
sein, das geteilt wird und der Wein zu sein, der für das Leben der Welt
vergossen wird; ohne dieses Engagement wäre die Feier der Eucharistie keine
wirkliche „Verkündigung des Evangeliums“, wie Paulus bereits den Korinthern
sagte (vgl. 1 Kor 11, 17-34).
64 Die Teilnahme an der Eucharistie ist für jeden Christen das Herz des
Sonntags.
Den Tag des Herrn zu heiligen ist ein unverzichtbares Privileg und ein Anspruch,
den man nicht nur erfüllt, um einer Pflicht nachzukommen, sondern weil er für
ein wahrhaft bewusstes und stimmiges christliches Leben notwendig ist. (vgl. NMI 36). Daher muss die Förderung der Teilnahme an der
Eucharistie,
insbesondere an der sonntäglichen Eucharistie, ein unentbehrlicher Teil der
Pastoralprogramme der Neuen Evangelisierung sein.
5. MARIA, „Mutter des wahren gottes, DURCH den wir leben”
(Nican Mopohua)
65 Die Jungfrau Maria von Guadalupe sagte damals zu Juan Diego und wiederholt es
auch heute für jeden Christen: „Du musst wissen, ich werde immer die Jungfrau
Maria sein, die Mutter des wahren Gottes, durch den wir leben“, und sie sagte
ihm auch: „Bin etwa nicht ich es, die hier steht, deine Mutter?“.[8]
Die Jungfrau Maria stellte sich so als Mutter Jesus und Mutter der Menschen vor.
Unsere liebe Frau von Guadalupe ist noch heute ein Symbol für die Nähe
Christi. Sie lädt uns zur Gemeinschaft mit Jesus Christus ein, um so zum Vater
zu gelangen. Auf die mütterliche Hilfe Marias zählend möchte die Kirche die
Menschen zur Begegnung mit Christus führen, denn diese ist Ausgangs- und
Endpunkt für eine echte Umkehr und eine erneuerte Gemeinschaft und Solidarität.
66 Die Jungfrau Maria war für die Menschen dieses Kontinents das große Zeichen
des mütterlichen Antlitzes voller Erbarmen, der Nähe zum Vater und zum Sohn,
mit denen sie uns einlädt, in die Gemeinschaft einzutreten. Die Religiosität
der amerikanischen Völker besitzt daher aufgrund ihrer Geschichte und ihrer
Kultur eine starke mütterliche und marianische Komponente und findet ihren
besonderen Ausdruck in dem Mestizenantlitz Unserer Lieben Frau von Guadalupe,
die sich als Mutter Jesus Christi auch als Mutter der indigenen Bevölkerung,
der Armen, Unterdrückten und Hilfsbedürftigen verstand. Die ersten Missionare,
die aus Ländern mit bedeutender marianischer Tradition nach Amerika kamen,
lehrten außer den Grundlagen des christlichen Glaubens auch die Liebe zur
Jungfrau Maria, zur Mutter Jesus und Mutter aller Menschen. Die
Marienerscheinung, die Juan Diego auf dem Hügel von Tepeyac, Mexiko, hatte, war
für die Evangelisierung von entscheidender Bedeutung (vgl. EA 11). Daher
schrieb Papst Johannes Paul II.: „Das Mestizenantlitz Unserer Lieben Frau von
Guadalupe war auf dem Kontinent von Anfang an ein Symbol der Inkulturation der
Evangelisierung, deren Stern und Führung sie war.” (EA 70).
67 Die Gegenwart Marias im Abendmahlsaal ist der Bezugspunkt der ganzen
Kirchengemeinschaft, die sich vorbereitet, die Gnade des Heiligen Geistes zu
empfangen um zu evangelisieren (vgl. AG 4; LG 49; EN 82). Die marianische
Erfahrung ist in den christlichen Gemeinschaften immer gegenwärtig. Sie ist
eine Realität, die sich in der Feier der Eucharistie der Urgemeinden und
heutzutage in den großen Zeichen der marianischen Volksfrömmigkeit äußert.
Der heilige Ephräm unterstreicht in seinen poetischen Hymnen die enge
Beziehung, die zwischen der Jungfrau Maria und der Eucharistie besteht: „Maria
gibt uns die Eucharistie, im Gegensatz zum Brot, das wir von Eva erhielten.
Maria ist außerdem der Tabernakel, in dem das Fleisch gewordene Wort wohnte,
Symbol der Wohnung des Fleisches in der Eucharistie. Jesus Leib selbst, der von
Maria geboren wurde, kam in die Welt, um zur Eucharistie zu werden.“[9]
Maria, „Leitstern der Evangelisierung”
68 Papst Paul VI verleiht der Gottesmutter am Ende seiner Enzyklika Evangelii
Nuntiandi den Titel „Leitstern der Evangelisierung“: „Am Pfingstmorgen
hat sie den Beginn der Evangelisierung mit ihrem Gebet unter dem Wirken des
Heiligen Geistes eingeleitet. Möge sie der Leitstern einer sich selbst stets
erneuernden Evangelisierung sein! Die Kirche muss diese getreu dem Auftrag des
Herrn durchführen und vollenden – ganz besonders in dieser unserer zugleich
schwierigen und hoffnungsvollen Zeit.” (EN 82). Daher ist Maria ein sicherer
Weg, um Christus zu begegnen. Die der Mutter des Herrn entgegengebrachte Frömmigkeit
hilft, wenn sie echt ist, stets, das eigene Leben nach dem Geist und den Werten
des Evangeliums auszurichten (vgl. EA 11).
69 Maria ist in mehrerer Hinsicht der „Leitstern der Evangelisierung“: weil sie
durch ihr Gebet mit den Aposteln als Mutter an den Anfängen der Kirche teilnahm
und die Gnade des Heiligen Geistes empfing, weil sie durch ihre Mutterschaft
Vorbild und Leitfigur der Kirche ist, weil sie durch ihren gelebten Glauben und
ihre mütterliche Fürsprache den Glauben der Kirche wachsen lässt. Sie
begleitet die Evangelisierungsarbeit der Kirche, die durch das Wort und die
Sakramente den Glauben bringt, zur Umkehr von der Sünde führt und das Leben
als Kinder Gottes verleiht. Ihr Tun ist daher wirklich mütterlich.
70 Wir empfehlen der Allerheiligsten Jungfrau Maria die Vorbereitung und Durchführung
des 48. Eucharistischen Weltkongresses, damit er ein Ereignis des Glaubens und
ein evangelisierender Impuls im neuen Jahrtausend werde, welche das wahre Licht
und Leben, das Jesus Christus Eucharistie ist, so nötig braucht.
gebet zuM eucharistischen CHRISTUS
1. Gott, unser Vater, wir glauben, dass du der Schöpfer aller Dinge bist, dass du uns dir ähnlich gemacht hast im Antlitz deines Sohnes, der durch das Werk des Heiligen Geistes von der Jungfrau Maria empfangen
wurde, um für uns Voraussetzung und Garantie für das ewige Leben zu
sein.
2. Wir glauben, vorsorglicher Vater, dass sich durch die Kraft deines Geistes Brot und Wein in Leib und Blut deines Sohnes verwandeln, in die Speise, die den Hunger auf unserem Wege stillt.
3. Wir glauben, Herr Jesus, dass sich deine Menschwerdung in deinem eucharistischen Leib fortsetzt, um diejenigen zu speisen, die nach Licht und Wahrheit, nach Liebe und Vergebung, nach Gnade und Heil hungern.
4. Wir glauben, dass du dich in der Eucharistie in der Geschichte fortsetzst, um die Pilger zu stärken und ihren Traum zu nähren, die Früchte ihrer Arbeit zu ernten. Wir wissen, dass in Bethlehem, dem „Haus des Brotes“, der Ewige Vater im Schoss der Jungfrau Maria das Brot den Hungernden gibt, die nach Ewigem verlangen.
5. Wir glauben, dass du, eucharistischer Christus, im konsekrierten Brot und Wein wirklich gegenwärtig bist, worin du deine Heilsgegenwart fortdauern lässt und deinen Schafen üppige Weide und klares Wasser reichst.
6. Wir glauben, dass sich unsere Augen täuschen, wenn sie Brot sehen, und dass sich unsere Zunge irrt, wenn sie Wein schmeckt, denn Du bist ganz gegenwärtig, als Opfer dargebracht, und sich der Welt Leben schenkend, die immer nach dem Paradies hungert.
7. Damals, in jener Nacht im Abendmahlsaal, als Du Herr das Brot und den Wein in deine Hände nahmst, brachtest du uns für alle diese Gaben dar, in alle Ewigkeit.
8. Mit Dir, Lamm des Neuen Bundes, werden an jedem Altar, auf dem du dich dem Vater darbringst, die Früchte der Erde und der Arbeit des Menschen, das Leben des Gläubigen, der Zweifel der Suchenden, das Lächeln der Kinder, die Pläne der jungen Menschen, der Schmerz der Leidenden und die Opfergabe dessen, der gibt und der sich für
die Brüder und Schwestern hingibt, dargebracht.
9.Wir glauben, Herr Jesus, dass deine Güte einen Tisch für die Kleinen und die Großen bereitet hat, und dass wir an deinem Tisch zu Brüder und Schwestern werden, und sogar unser Leben für unsere Brüder und Schwestern hingeben, wie Du es für uns hingegeben hast.
10. Wir glauben, Jesus, dass wir auf dem Altar deines Opfers die Kraft für unser schwaches Fleisch wiedererlangen, das nicht immer dem Verlangen des Geistes folgt, das du aber nach dem Ebenbild deines Leibes verwandeln willst.
11. Wir glauben, dass an dem für alle bereiteten Tisch, immer ein Platz sein wird für den, der sucht, und Raum für den, der an den Rand des Lebens gedrängt wurde, wo die Zeichen des Todes überwunden werden und der neue Himmel und die neue Erde beginnen.
12. Wir glauben, Jesus, dass du deine Brüder und Schwestern nicht verlassen hast, sondern verborgen in unserem Innersten und auf deinem Tisch im Brot und Wein als Licht und Stärkung für den schwachen Pilger, gegenwärtig bist.
13. Wir glauben schließlich, dass du uns zu Beginn des Dritten Jahrtausends auf unserem Weg begleitest. „Fahr hinaus auf den See“ ist in diesem Moment die Losung deiner Kirche, um voller Hoffnung eine neue Etappe der Geschichte zu einzuläuten.
14. Wir danken dir, eucharistischer Christus, dass du uns zu einer durch neuen und durch dich gestärkten Evangelisierung treibst. Wir bitten dich: Lass deine Mutter diejenigen begleiten, die dein Wort annehmen, leben und verkünden, auf dass durch ihre Fürsprache deine Saat Frucht bringe.
Amen.
Übersetzung
aus dem Spanischen durch das Päpstliche Komitee für die Eucharistischen Weltkongresse.
gebetdes 48. eucharistischen weltkongresses
Gott, unser Vater, Du schenkst uns in Deinem Sohn, Jesus Christus, der in Eucharistie wirklich gegenwärtig ist, das Licht, das jeden Menschen erleuchtet, der in diese Welt kommt, Du schenkst uns auch das wahre Leben, das uns mit Freude erfüllt.
Wir bitten dich: gewähre deinem Volk, das zu Beginn des neuen Jahrtausends unterwegs ist, den 48. Eucharistischen Weltkongress vertrauensvoll zu feiern, damit wir durch dieses heilige Mahl gestärkt, in Christus zum Licht in der Finsternis werden, und mit Ihm, der unser Leben ist, innig verbunden bleiben.
Möge Maria, die Mutter des lebendigen Gottes, uns stets beschützen und uns auf den Wegen unseres
begleiten.
Darum bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus, Deinen
Sohn, der lebt und herrscht mit dir in der Einheit des Heiligen
Geistes, in alle Ewigkeit. Amen.
[1]Vgl. Myst Fid: AAS 57 (1965) 766
[2]Johannes Paul II., Schreiben über die eucharistische Anbetung an den
Bischof von Lüttich anläßlich des 750. Jahrestages der Entstehung des
Hochfestes des Leibes und des Blutes Christi, 28. Mai 1996 Nr. 4.
[3]Ebd. Nr. 7 –LG 28; PO 6 zitierend.
[4]Johannes Paul II., Schreiben über die eucharistische Anbetung, Nr. 3.
[5]BIFFI F., Il magistero dei Papi: Seminarium 35 (1983) 347
[6] Vgl. Johannes Paul II., Dominicae Cenae, 9
[7]Predigt12, 7; zitiert in LG 26
[8]LAMADRID J.G., Nican Mopohua, Edition Jus, S. 45
[9]BACK E., CSCO, 218-219, Louvain, 1961
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