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KONGREGATION FÜR DIE EVANGELISIERUNG
DER VÖLKER
PREDIGT VON KARD. CRESCENZIO SEPE
BEI DER EINWEIHUNG DER KATHEDRALE IN
ULAN BATOR
Samstag,
30. August 2003
Eminenz, Exzellenz, Hochwürdigster Herr Apostolischer
Nuntius, Exzellenzen, liebe Bevölkerung, Vertreter der staatlichen
Autoritäten und Freunde!
»Dieser Tag ist unserem Herrn heilig, lasset uns froh und
glücklich sein!«
Erneut sind wir eingeladen, uns über diesen frohen und
historischen Anlaß zu freuen, der sich vor unseren Augen ereignet. Und wir
freuen uns, denn wir alle dürfen teilnehmen an diesem wichtigen Augenblick!
Auch diesmal ist der Heilige Vater mit uns vereint; er erteilt
uns seinen Segen und übermittelt seine besten Wünsche für diese besondere Feier.
Gestern haben wir der ersten Bischofsweihe hier im Land des »ewigen
blauen Himmels« beigewohnt. Wir preisen und danken Gott für das Geschenk, das er
uns in unserem Hirten, Bischof Wens Padilla, gegeben hat. Heute sind wir nicht
nur Zeugen eines historischen Ereignisses, sondern, viel wichtiger noch, uns
wird Zeugnis gegeben. Wir sind das Volk Gottes, die Schafe seiner Herde – seiner
Kirche! Ihr gehört ebenso wie ich zur Herde des Guten Hirten. Heute werden wir
Gott geweiht, wenn wir diese erste Kathedrale hier in der Mongolei weihen, die
dem Andenken an die beiden Stützpfeiler der Kirche, den hll. Petrus und Paulus,
gewidmet ist. Damit werden wir zur würdigen Wohnstatt des Gottes aller Völker,
der gesamten Schöpfung, in der alle Menschen Heim und Zuflucht finden können.
Die Weihe der Kirche und des Altars, die ich nun vornehmen werde,
macht dieses Gebäude zu einem Ort, an dem sich unsere Gemeinde versammelt, um
das Wort Gottes zu hören, ihn anzurufen und zu loben, vor allem aber, um die
heiligen Mysterien zu feiern und das heilige Sakrament der Eucharistie
aufzubewahren. Das bringt ein besonderes Bild der Kirche zum Ausdruck, die der
mit lebendigen Steinen gebaute Tempel Gottes ist. Und der Altar der Kirche, um
den ihr euch versammelt, um am Opfer des Herrn teilzunehmen und euch an der
himmlischen Speise zu laben, stellt Christus selbst dar, der Priester, Opfer und
Altar seines eigenen Opfers ist.
Die Geburt der Kirche in der Steppe
Es ist wundervoll, die Realität der Kirche hier in der Mongolei
kennenzulernen und über sie nachzudenken – wie ihr euch zu dem entwickelt habt,
was ihr nun seid, nämlich zu einer lebendigen, jungen Kirche! Die Hand des
gütigen Gottes ist wahrhaft in euch am Wirken! Ich war Zeuge all dessen, da ich
im vergangenen Jahr die Ehre hatte, mit euch euer 10. Jubiläum als Kirche hier
zu feiern.
Vor elf Jahren habt ihr buchstäblich aus dem Nichts euren Weg
als Gemeinde Gottes begonnen, ohne lokale Gemeinde oder Struktur. Das konnte
jedoch die ersten drei Missionare (unseren neuen Bischof, Msgr. Wens Padilla,
Pater Robert Gooseens und Frater Gilbert Sales – alle drei sind heute hier in
unserer Mitte) nicht davon abhalten, ihren Glauben an Jesus Christus unter euch,
der mongolischen Bevölkerung, zu bezeugen. Vielmehr wagten sie es, trotz der
Schwierigkeiten und getreu ihrem missionarischen Eifer und ihrer Berufung, nach
dem Vorbild des Apostels Paulus das Fundament dessen zu legen, was ihr heute
seid: die Kirche.
Anfangs feierten sie die Eucharistie mit einer Gemeinschaft von
ausländischen Gläubigen, was mit der Zeit auch die Aufmerksamkeit der
einheimischen Bevölkerung hervorrief. Einige kamen und nahmen an den Meßfeiern
teil. Mit weiteren Missionaren begannen sie ihr Apostolat unter den Menschen auf
der Straße. Aus ihrer Mitte kamen die ersten Katholiken hier in der Äußeren
Mongolei. Und ihr wißt, wie die Geschichte weitergeht. Langsam habt ihr dem
fremden Angesicht und Wesen der Kirche eine mongolische Prägung gegeben. Aus
drei Missionaren wurden 45; aus einer Handvoll lokaler Katholiken wurden über
150, und viele andere möchten es werden; aus einer Gemeinde von Gläubigen sind
drei geworden; von einem Verbiten- Hilfszentrum bis hin zu den verschiedenen
Werken und Apostolaten setzt ihr euch gegenwärtig im Dienst am Volk Gottes in
der Mongolei ein. Wahrhaft, Gott ist groß!
Diese Strukturen betrachtend, in die wir nun eingebunden sind,
erkennen wir voll Staunen die Wunder, die Gott an uns wirkt! Während sich die
Gemeinschaft Gottes zu dem hin entwickelt, was ihr nun seid, entwickelt sich mit
euch auch eure Struktur. Sie nimmt selbst den Charakter der Menschen an. Von
Anfang an war sie »nomadisch« geprägt. Mir ist gesagt worden, daß das bereits
euer achter Umzug ist! Angefangen habt ihr in Wohnungen, dann habt ihr einige
Räume eines Gebäudes in Sansar gemietet, später seid ihr in das
Missionszentrum der katholischen Kirche umgezogen und danach in zwei andere
Kirchen in Khaan Uul. Und schließlich in diese neue Kathedrale – die
erste katholische Kirche des Landes. Sicher, noch ist sie nicht fertig, noch
wird an ihr gebaut. Doch das gibt uns auch Zeit, darüber nachzudenken, daß der
Aufbau der Kirche Gottes (ich spreche von dem physischen Aufbau) ein langer mit
vielen Schwierigkeiten und Wechselfällen verbundener Prozeß ist. Darum wollen
wir diese Kathedrale weihen, als Zeichen unserer Gemeinschaft gläubiger Menschen,
die einem Gott geweiht ist, dem wir unser persönliches und gemeinschaftliches
Leben verdanken und anvertrauen. Gelobt sei Gott!
Unsere historischen Wurzeln Es mag wahr
sein, daß die Kirche hier ohne jede lokale Gemeinde oder Struktur entstanden ist.
Dennoch lohnt es sich, die Tatsache hervorzuheben, daß unsere Vorfahren im
Glauben das Samenkorn unserer Präsenz hier eingepflanzt haben. Ich spreche von
den ersten Missionaren an den Höfen der großen mongolischen Khans im 13. und 14.
Jahrhundert, wie Giovanni di Pian del Carpine, Giovanni di Montecorvino, William
Rubrouck wie auch der berühmte Kaufmann Marco Polo und noch andere. Ihnen
verdanken wir unsere historischen Wurzeln im Land der Steppe.
Der große Kublai Khan zeigte ganz besonderes Interesse für das
Christentum. Persönlich bat er Papst Clemens IV., sein Volk im Christentum und
in der Wissenschaft zu unterweisen. Marco Polo diente 17 Jahre lang an seinem
Hof. Möglich war das nur, weil die großen mongolischen Khans, angefangen von
Dschingis-Khan, dem bedeutendsten unter ihnen, eine für das 13. Jahrhundert
seltene Weisheit zeigten, nämlich Toleranz und Wertschätzung gegenüber allen
Religionen, wie die Worte von Möngke Khan (türk. Mangù Khan) zu William Rubrouck
zum Ausdruck bringen: »Gott hat der Hand verschiedene Finger und dem Menschen
verschiedene Wege gegeben.«
Ich möchte hervorheben, daß die Weisheit eurer großen Vorfahren
möglicherweise das Leitprinzip derer war, die eure neue Konstitution
ausgearbeitet haben, als sie das fundamentale Recht auf Religion und ihre freie
Ausübung mit aufgenommen haben. Und wahrscheinlich diente das historische
christliche Erbe der frühen Mongolei den Verantwortlichen für die neue
demokratische Mongolei als Inspiration bei der Aufnahme diplomatischer
Beziehungen zum Vatikan. Wir loben diese edle Geste eurer Regierung. Mit größter
Freude begrüßte unser derzeitiger Papst, Seine Heiligkeit Johannes Paul II.,
diese Initiative. Er stellte die Beziehungen zwischen dem Vatikan und der
Mongolei wieder her und entsandte die Missionare der Kongregation vom
Unbefleckten Herzen Mariä (CICM) mit dem Auftrag, die katholische Kirche hier zu
vertreten.
Liebe mongolische Katholiken, seid stolz auf euer historisches
Erbe. Dank der Arbeit der ersten Missionare, einschließlich der Patres und
Brüder der CICM, die hier ihre ersten Missionen gegründet haben, sind wir heute
hier!
Unser religiöses Fundament
Während ihr euer historisches christliches Erbe als Volk
bekräftigt, solltet ihr nicht vergessen, daß es unser Glaube an den liebenden
und barmherzigen Gott ist, der unsere Bemühungen für den Aufbau unserer
christlichen Gemeinden unterstützt. Es ist der Glaube an Jesus Christus, den
Guten Hirten, der sein Leben für uns, seine Herde, dargebracht hat.
Ihr wißt wahrscheinlich besser als ich, was es bedeutet, eine Herde zu leiten.
Von euren Vorfahren bis zur heutigen Zeit war insbesondere auf dem Land die
Viehzucht und das Hüten der Herde in eurer Seele tief verankert. Daher ist euch
das Bild Jesu als der Gute Hirt durchaus bekannt und vertraut.
Es überrascht daher nicht, daß in dem bei diesem Anlaß
verlesenen Evangelium der auferstandene Jesus sich dreimal an Petrus wendet mit
der Aufforderung, sich der Herde anzunehmen und als Guter Hirt in seine
Fußstapfen zu treten. Vielsagend ist, daß diese Kathedrale dem Andenken an
denjenigen geweiht ist, dem Jesus den Aufbau und die Leitung seiner Herde,
seiner Kirche, anvertraut hat. Und vielleicht habt ihr bemerkt, daß,
bevor er Petrus die Aufgabe anvertraute, seine Herde zu weiden, Jesus ihn
bevollmächtigte und ihn der Fürsorge und der Kraft seiner Liebe versicherte,
obwohl Petrus ihn dreimal verleugnet hatte. Die Frage »Liebst du mich?«
unterstreicht die eigentliche Grundlage dieser Hirtensorge: die Liebe und Sorge
Jesu für seine Herde. Es bedeutet, in der Zuneigung und Liebe
zum Nächsten verwurzelt zu sein. Das ist das Fundament unserer Kirche: die
bedingungslose Liebe Gottes zu uns.
Das ist es, was Paulus, der große Völkerapostel, auf seiner
Reise nach Damaskus erfahren hat. Die bedingungslose Liebe Gottes machte ihn zum
»Sklaven« dieser Liebe. Wie die Zweite Lesung verkündet, hat diese Liebe, die
Gottes Gnade ist, Paulus eine besondere Rolle gegeben und ihn, den unermüdlichen
Verfolger der Kirche Gottes, zum größten Missionar der guten Nachricht gemacht,
daß Gott jeden von uns liebt, ungeachtet, wer wir sind! Diese Kathedrale widmen
wir auch seinem Andenken.
Die hll. Petrus und Paulus sind die Stützpfeiler der Kirche
Gottes. Beide verkörpern unsere Menschlichkeit und unsere Aufnahme der Gnade
Gottes. Trotz ihres jeweiligen Versagens vertraute Gott ihnen die Errichtung und
den Aufbau seines Volkes, seiner Herde, an.
Liebe Katholiken, gerne sage ich euch, daß der Nachfolger Petri,
Papst Johannes Paul II., derjenige, der für die gesamte katholische Herde in
aller Welt verantwortlich ist, unser Guter Hirt, in seinem Gebet stets eurer
gedenkt. Er versichert euch seiner immerwährenden Sorge, seiner Unterstützung
und Zuneigung. Er liebt euch, er liebt das ganze mongolische Volk.
Schluß
Wenn wir nun diese Kirche Gottes weihen, weihen wir auch unser
Menschsein und bitten Gott, uns von unserer Schwäche zu befreien. Es ist wie ein
Ehebündnis zwischen Gott und eurer Gemeinde, zwischen Gott und jedem einzelnen
von euch: den Familien, den Jugendlichen, den alten Menschen. Es ist eine
immerwährende Allianz.
Mögen auch wir, wie die Heiligen Petrus und Paulus, stets
angespornt werden von der Kraft der Liebe und Sorge des Guten Hirten für uns,
während wir unsere Gemeinde, unsere Kirche, aufbauen. In seinem Gespräch mit dem
großen Möngke Khan sagte William Rubrouck: »Herr, wir sind keine Männer des
Krieges. Es ist unser Wunsch, daß nur jene, die die Welt in Gerechtigkeit
regieren, im Einklang mit dem Willen Gottes über sie herrschen sollten. Unsere
Aufgabe ist es, die Menschen zu lehren, dem Willen Gottes entsprechend zu leben.
Das ist es, was uns hierher geführt hat, in der Hoffnung, daß es euch gefällt.«
Meine lieben Brüder und Schwestern der Mongolei, Gott und die
Kirche schenken euch heute diesen heiligen Tempel und bitten euch, ihn durch die
Heiligkeit eures Lebens erstrahlen zu lassen!
Wie Jesus rufe ich allen zu: »Kommt und seht!« Kirche in der
Mongolei, das ist deine Berufung! Gott segne euch, und es schütze euch die
Jungfrau Maria!
Amen.
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