KONGREGATION FÜR DEN KLERUS
DIREKTORIUM
FÜR DIENST UND LEBEN
DER PRIESTER
LIBRERIA EDITRICE VATICANA
00120 CITTA DEL VATICANO
EINLEITUNG
Die reiche Erfahrung der Kirche mit dem Amt und Leben der Priester, die
in verschiedenen Dokumenten des Lehramtes(1) enthalten ist, hat in unseren Tagen
dank der Lehraussagen der nachsynodalen apostolischen Exhortation Pastores
dabo vobis(2) einen neuen Impuls erhalten.
Die Veröffentlichung dieses Dokuments - in welchem der Papst seine
Stimme als Bischof von Rom und Nachfolger des Apostels Petrus mit jener der
Synodenväter vereinen wollte - hat für die Priester und für die
ganze Kirche, den Beginn eines treuen und fruchtbaren Weges der Vertiefung und
der Anwendung seiner Inhalte bedeutet.
»Insbesondere die vorrangige pastorale Aufgabe der
Neu-Evangelisierung, die das ganze Volk Gottes betrifft und einen neuen Eifer,
neue Methoden und eine neue Ausdruckskraft für die Verkündigung und
das Zeugnis des Evangeliums fordert, verlangt heute Priester, die radikal und
vollständig in das Geheimnis Christi eingebettet und fähig sind, einen
neuen, von tiefer Verbundenheit mit dem Papst, den Bischöfen und
untereinander und von fruchtbarer Zusammenarbeit mit den gläubigen Laien
gekennzeichneten Stil des pastoralen Lebens zu verwirklichen«.(3)
Die ersten Verantwortlichen dieser »Neu-Evangelisierung« des
dritten Millenniums sind die Priester, die allerdings, um ihre Sendung
verwirklichen zu können, in sich selbst ein Leben pflegen müssen, das
reine Transparenz der eigenen Identität zu sein hat. Sie müssen eine
Gemeinschaft der Liebe mit Christus, dem ewigen Hohenpriester, dem Haupt und
Lehrer, dem Bräutigam und Hirten leben, sowie die eigene Spiritualität
und das eigene Amt durch eine dauernde und vollständige Weiterbildung
festigen.
Dieses Direktorium, das von vielen Bischöfen sowohl während
der Synode 1990 als auch bei der von unserer Kongregation veranstalteten
Konsultation des gesamten Episkopats verlangt wurde, möchte den genannten
Anliegen entsprechen.
In die Vorarbeiten sind die Anregungen des gesamten dazu befragten
Welt-Episkopats eingeflossen, die Ergebnisse der Plenar-Kongregation, die im
Oktober 1993 im Vatikan stattfand und schießlich die Reflexion von mit
heutigen pastoralen Verhältnissen vertrauten Theologen, Kanonisten und
Fachleute verschiedenster Herkunft.
Es wurde versucht, praktische Elemente anzubieten, die Nährboden für
Initiativen sein können und so weit wie möglich auf gemeinschaftlicher
Basis getragen werden sollen. Es wurde vermieden, allzusehr auf jene Details
einzugehen, die nur die legitime lokale Praxis, sowie die wahren Bedingungen
jeder Diözese und Bischofskonferenz, der Klugheit und dem Eifer der Hirten
vorteilhaft nahelegen können. Unter Berücksichtigung der Natur des
vorliegenden Dokuments als Direktorium schien es unter den gegenwärtigen
Umständen angebracht, bloß jene doktrinären Elemente in
Erinnerung zu rufen, die das Fundament der Identität, der Spiritualität
und der ständigen Weiterbildung der Priester darstellen.
Das Dokument beabsichtigt daher weder eine umfassende Darlegung über
das Priestertum noch eine bloße und einfache Wiederholung dessen
anzubieten, was vom Magisterium der Kirche bereits authentischerweise zum
Ausdruck gebracht wurde. Es möchte vielmehr auf die wichtigsten Fragen
doktrinärer, disziplinärer und pastoraler Art antworten, die sich den
Priestern beim Einsatz für die Neu-Evangelisierung stellen.
So wollte man beispielsweise klären, daß wahre priesterliche
Identität, wie sie der göttliche Meister gewollt und die Kirche immer
gelebt hat, nicht mit jenen demokratistischen Tendenzen vereinbar ist, welche
die Realität des Amtspriestertums aushöhlen und annullieren wollen.
Besonderes Augenmerk wollte man auf das spezifische Thema der Gemeinschaft
richten, das heute wegen der Auswirkungen auf das Leben des Priesters als
besonders dringlich empfunden wird. Das gleiche gilt für die priesterliche
Spiritualität, die in unserer Zeit nicht wenige Rückschläge
erlitten hat, vor allem aufgrund des Säkularismus und eines irrigen
Anthropologismus. Schließlich schien es notwendig, einige Ratschläge
für eine geeignete formatio permanens anzubieten, die den Priestern helfen
soll, mit Freude und Verantwortung ihre Berufung zu leben.
Der Text ist natürlich über Vermittlung der Bischöfe an
alle Priester der lateinischen Kirche gerichtet. Die darin enthaltenen
Direktiven betreffen in erster Linie die diözesanen Weltpriester, wenn auch
viele dieser Richtlinien von den priesterlichen Mitgliedern der Ordensinstitute
und der Gemeinschaften apostolischen Lebens - entsprechend angepaßt -
genauso beachtet werden müssen.
Es bleibt zu wünschen, daß dieses Direktorium für jeden
Priester eine Hilfe sein kann: die eigene Identität zu vertiefen und die
eigene Spiritualität zu mehren, eine Ermutigung im Dienst und in der
Verwirklichung der eigenen Weiterbildung, deren Erstverantwortlicher jeder
selbst ist, sowie ein Bezugspunkt für ein reichhaltiges und authentisches
Apostolat zum Nutzen der Kirche und der ganzen Welt.
Seitens der Kongregation für den Klerus, Gründonnerstag 1994.
JOSÉ T. Kard. SANCHEZ
Präfekt
+ CRESCENZIO SEPE
Tit.-Erzbischof von Grado
Sekretär
I. Kapitel
IDENTITÄT DES PRIESTERS
1. Das Priestertum als Geschenk
Der gesamten Kirche wurde an der priesterlichen Salbung Christi im Heiligen
Geist Anteil gegeben. In der Kirche bilden »nämlich alle Gläubigen
eine heilige und königliche Priesterschaft, bringen geistige Opfer durch
Jesus Christus Gott dar und verkünden die Machttaten dessen, der sie aus
der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat« (Petr. 2, 5
u. 9).(4) In Christus ist im Hinblick auf das Heil aller Menschen sein ganzer
mystischer Leib durch den Heiligen Geist mit dem Vater vereint.
Die Kirche kann eine solche Sendung jedoch nicht allein weiterführen:
Ihre gesamte Tätigkeit braucht zuinnerst die Verbundenheit mit Christus als
Haupt seines Leibes. Sie ist unauflöslich mit dem Herrn vereint, von Ihm
selbst empfängt sie ständig Gnade und Wahrheit, sowie Führung und
Unterstützung, damit sie allen und jedem »Zeichen und Werkzeug für
die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit«(5)
sein kann.
Das Amtspriestertum findet seine Daseinsberechtigung in dieser Perspektive
der vitalen und wirksamen Einheit mit Christus. Durch diesen Dienst nämlich
fährt der Herr fort, inmitten seines Volkes jenes Wirken zu vollbringen,
das allein Ihm als Haupt seines Leibes zukommt. Daher macht das Amtspriestertum
das eigene Tun Christi, des Hauptes, greifbar nahe und bezeugt damit, daß
Christus seine Kirche nicht verlassen hat, sie vielmehr mit seinem andauernden
Priestertum weiterhin belebt. Deshalb betrachtet die Kirche das Amtspriestertum
als Geschenk, das ihr durch den Dienst einiger ihrer Gläubigen vermittelt
wird.
Dieses Geschenk wurde von Christus eingesetzt, um seine Heilssendung
weiterzuführen. Anfänglich den Aposteln verliehen, besteht es durch
deren Nachfolger, die Bischöfe, in der Kirche weiter.
2. Sakramentaler Ursprung
Durch die sakramentale Weihe, die durch Handauflegung und Weihegebet des
Bischofs geschieht, wird im Priester ein »besonderes ontologisches Band«
bewirkt, »das den Priester mit Christus, dem Hohenpriester und Guten Hirten
eint«.(6)
Daher leitet sich die Identität des Priesters von der spezifischen
Teilhabe am Priestertum Christi ab. In und für die Kirche wird der Geweihte
ein reales, lebendiges und transparentes Bild des Priesters Christus, »eine
sakramentale Vergegenwärtigung Christi, des Hauptes und des Hirten«.(7)
Durch die Weihe erhält der Priester »als Geschenk eine geistliche
Vollmacht, die Teilhabe an jener Autorität ist, mit welcher Jesus Christus
durch den Heiligen Geist die Kirche leitet«.(8)
Diese sakramentale Identifikation mit dem ewigen Hohenpriester fügt den
Priester in besonderer Weise ins trinitarische Geheimnis und durch das Geheimnis
Christi in die Gemeinschaft des Amtes der Kirche ein, um dem Volk Gottes zu
dienen.(9)
Trinitarische Dimension
3. In Communio mit dem Vater, dem Sohn und dem Hl. Geist
Sosehr es wahr ist, daß jeder Christ durch die Taufe mit dem einen
dreifaltigen Gott verbunden ist, sosehr ist es auch wahr, daß der Priester
durch das Weihesakrament in eine besondere und spezifische Beziehung mit dem
Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist hineingestellt wird. Es stimmt: »Unsere
Identität hat ihren tiefsten Ursprung in der Liebe des Vaters. Wir sind mit
dem von ihm gesandten Sohn, dem Hohenpriester und Guten Hirten, durch den
Heiligen Geist im Amtspriestertum sakramental vereint. Leben und Dienst des
Priesters sind Weiterführung des Lebens und des Tuns Christi selbst. Das
ist unsere Identität, unsere wahre Würde, Quelle unserer Freude und
die Gewißheit unseres Lebens«.(10)
Identität, Amt und Existenz des Priesters sind also wesenhaft auf die
drei göttlichen Personen bezogen, und dies im Hinblick auf den
priesterlichen Dienst in der Kirche.
4. In der trinitarischen Heilsdynamik
Der Priester ist »als sichtbare Weiterführung und sakramentales
Zeichen Christi, der selbst sowohl der Kirche als auch der Welt als dauernder
und immer neuer Ursprung des Heils gegenübersteht«,(11) in die
trinitarische Heilsdynamik mit einer besonderen Verantwortung eingefügt.
Seine Identität leitet sich vom »ministerium verbi et sacramentorum«
ab, das wesenhaft in Beziehung steht: zum Dienst der rettenden Liebe des Vaters
(cf Joh. 17, 6-9; 1 Kor. 1, 1; 2 Kor. 1, 1), zum
priesterlichen Sein Christi, der seinen Diener persönlich beruft und dazu
erwählt, mit ihm zu sein (cf Mk. 3, 15), sowie zur Gabe des Geistes
(cf Joh. 20, 21), die dem Priester die nötige Kraft zuteilt, um den
vielen Kindern Gottes Leben zu schenken, die berufen als ein einziges Volk zum
Reich des Vaters unterwegs sind.
5. Innige Beziehung zur Dreifaltigkeit
Von daher versteht man die wesentlich »relationale« (cf Joh.
17, 11. 21 )(12) Charakteristik der Identität des Priesters.
Die Gnade und der unauslöschliche Charakter, die mit der sakramentalen
Salbung des Heiligen Geistes(13) vermittelt werden, stellen den Priester in eine
personale Beziehung zur Dreifaltigkeit, die ja die Quelle des priesterlichen
Seins und Tuns ist. Diese Beziehung muß vom Priester klarerweise in
intimer und personaler Art gelebt werden: im anbetenden und liebenden Dialog mit
den drei göttlichen Personen und im Bewußtsein, daß ihm das
empfangene Geschenk für den Dienst an allen gegeben wurde.
Christologische Dimension
6. Spezifische Identität
Wie die trinitarische, so leitet sich die christologische Dimension direkt
vom Sakrament ab, das ontologisch mit Christus, dem Priester, Lehrer und Hirten
seines Volkes konfiguriert.(14)
Den Gläubigen, welche zum Amtspriestertum erwählt und bestellt
werden, obzwar sie dem gemeinsamen Priesterum eingefügt bleiben, ist eine
unauslöschliche Teilhabe an demselben und einzigen Priestertum Christi in
der Dimension des Mittlers und Herrn gegeben, und dies im Hinblick auf
Heiligung, Lehre und Leitung des ganzen Gottesvolkes. Wenn also einerseits das
gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das hierarchische od.
Amtspriestertum aufeinander hingeordnet sind, weil beide auf jeweils eigene
Weise am einzigen Priestertum Christi partizipieren, so unterscheiden sie sich
andererseits wesenhaft voneinander.(15)
In diesem Sinn ist die Identität des Priesters neu im Vergleich mit
jener aller Christen, die in ihrer Gesamtheit durch die Taufe am einzigen
Priestertum Christi teilhaben und dazu berufen sind, es auf der ganzen Erde zu
bezeugen.(16) Die Besonderheit des Amtspriestertums ist darin zu sehen, daß
alle Gläubigen der Vermittlung und Herrlichkeit Christi bedürfen, die
durch die Ausübung des Amtspriestertums sichtbar gemacht wird.
In seiner eindeutig christologischen Identität muß sich der
Priester bewußt sein, daß sein Leben als ein Geheimnis in einer
neuen und spezifischen Art ganz eingetaucht ist in das Mysterium Christi und der
Kirche und daß ihn dies im pastoralen Dienst ganz fordert und belohnt.(17)
7. Im Schoß des Volkes Gottes
Christus gibt den Aposteln Anteil an seiner Sendung. »Wie mich der
Vater gesandt hat, so sende ich euch« (Joh. 20, 21 ). In der
heiligen Weihe selbst ist die missionarische Dimension ontologisch gegenwärtig.
Der Priester ist erwählt, geweiht und gesandt, um diese ewige Sendung
Christi, dessen authentischer Repräsentant und Bote er wird, wirksam zu
aktualisieren: »Wer euch hört, hört mich; wer euch verachtet,
verachtet mich und wer mich verachtet, verachtet den, der mich gesandt hat«
(Lk. 10, 16).
Man kann also sagen, daß die Konfiguration mit Christus den Priester
durch die sakramentale Weihe im Schoß des Gottesvolkes einsetzt und ihn in
eigener Weise, der heiligenden, lehrenden und pastoralen Vollmacht Jesu Christi
selbst teilhaftig werden läßt, des Hauptes und Hirten der Kirche.(18)
Indem der Priester »in persona Christi Capitis« handelt, wird er
Diener der wesentlichen Heilstaten, vermittelt die zum Heil notwendige Wahrheit
und leitet das Volk Gottes und führt es zur Heiligkeit.(19)
Pneumatologische Dimension
8. Sakramentaler Charakter
In der Priesterweihe hat der Priester das Siegel des Heiligen Geistes
empfangen, welches aus ihm einen Menschen gemacht hat, der mit sakramentalem
Charakter bezeichnet ist, um für immer Diener Christi und der Kirche zu
sein. Mit der versprochenen Zusicherung, der Tröster werde »für
immer mit ihm sein« (Joh. 14, 16-17), weiß der Priester, daß
er nie die Gegenwart und wirksame Vollmacht des Heiligen Geistes verlieren wird,
um seinen Dienst ausüben und die pastorale Liebe als Ganzhingabe für
das Heil der eigenen Brüder und Schwestern leben zu können.
9. Personale Communio mit dem Heiligen Geist
Wiederum ist es der Heilige Geist, der dem Priester in der Priesterweihe die
prophetische Aufgabe überträgt, das Wort Gottes zu verkünden und
mit Autorität zu erläutern. Mit der gesamten Priesterschaft eingefügt
in die Gemeinschaft der Kirche, wird der Priester vom Geist der Wahrheit
geleitet, den der Vater durch Christus gesandt hat und der ihn alles lehrt und
an alles erinnert, was Jesus den Aposteln gesagt hat. Daher entdeckt der
Priester mit Hilfe des Hl. Geistes und durch das Studium des Gotteswortes in den
Schriften, im Licht der Überlieferung und des Lehramtes,(20) den Reichtum
des Wortes, das ihm anvertraut ist, um es der kirchlichen Gemeinde zu verkünden.
10. Anrufung des Heiligen Geistes
Durch den sakramentalen Charakter und durch die Identifikation mit der
Kirche ist der Priester in der Feier der Liturgie immer in Gemeinschaft mit dem
Heiligen Geist, vor allem bei der Feier der Eucharistie und der anderen
Sakramente.
In jedem Sakrament ist es ja Christus selbst, der zum Wohl der Kirche
handelt und zwar duch den Hl. Geist, der in seiner wirksamen Vollmacht vom
zelebrierenden Priester »in persona Christi« angerufen wird.(21)
Die sakramentale Feier erhält ihre Wirksamkeit durch das Wort Christi,
der sie eingesetzt hat, und durch die Kraft des Geistes, den die Kirche in der
Epiklese oftmals anruft.
Dies ist besonders evident im eucharistischen Hochgebet: Der Priester ruft über
Brot und Wein die Macht des Heiligen Geistes an, spricht die Worte Jesu und
vollzieht das Geheimnis des Leibes und Blutes des real gegenwärtigen
Christus, die Transubstantiation.
11. Kraft zur Gemeindeleitung
Schließlich findet der Priester in der Gemeinschaft des Heiligen
Geistes die Kraft, die ihm anvertraute Gemeinde zu leiten und sie in der vom
Herrn gewollten Einheit zu bewahren.(22) Das Gebet des Priesters im Heiligen
Geist kann sich das priesterliche Gebet Jesu Christi zum Vorbild nehmen (cf Joh.
17). Daher muß er für die Einheit der Gläubigen beten, damit sie
eins seien und die Welt glaube, daß der Vater zum Heil aller den Sohn
gesandt hat.
Ekklesiologische Dimension
12. »In« und »gegenüber« der Kirche
Christus, der dauernde und immer neue Quell des Heils, ist das ursprüngliche
Geheimnis, aus dem das Geheimnis der Kirche hervorgeht. Sie ist sein Leib und
seine Braut, die er als Bräutigam berufen hat, Zeichen und Werkzeug der Erlösung
zu sein. Durch das den Aposteln und ihren Nachfolgern anvertraute Werk fährt
Christus fort, seiner Kirche Leben zu schenken.
Durch das Geheimnis Christi ist der Priester in der Ausübung seines
vielfältigen Dienstes auch in das Geheimnis der Kirche eingefügt, die »sich
im Glauben bewußt wird, nicht aus sich selbst zu sein, sondern aus der
Gnade Christi im Heiligen Geist«.(23) So findet sich der Priester zugleich
in der Kirche und ihr gegenüber.(24)
13. In gewisser Weise Teilhaber an Christus, dem Bräutigam
Tatsächlich macht das Weihesakrament den Priester nicht nur zum
Teilhaber am Geheimnis Christi, des Priesters, Lehrers, Haupt und Hirten,
sondern in gewisser Weise auch am Geheimnis Christi, des »Dieners und Bräutigams
der Kirche«.(25) Sein »Leib« ist sie, die er geliebt hat und die
er liebt bis zur Hingabe seiner selbst für sie (cf Eph 5, 25); er
erneuert und läutert sie ständig durch das Wort Gottes und die
Sakramente (cf Ibid. 5, 26); er macht sie immer schöner (cf Ibtd.
5, 27) und schließlich nährt und umsorgt er sie (cf Ibid.
5, 29).
Die Priester bilden als Mitarbeiter der Bischöfe mit ihrem Bischof ein
einziges Presbyterium(26) und partizipieren auf untergeordneter Stufe am
einzigen Priestertum Christi. Sie partizipieren sogar ähnlich dem Bischof
an jener bräutlichen Dimension hinsichtlich der Kirche, die im Ritus der
Bischofsweihe durch die Ringverleihung gut zum Ausdruck kommt.(27)
Die Priester, die »in den einzelnen Ortsgemeinden der Gläubigen
sozusagen den Bischof vergegenwärtigen, mit dem sie vertrauensvoll und großmütig
geeint sind«,(28) sollen der Braut treu sein und gleichsam als lebendige
Ikonen Christi, des Bräutigams, die vielfältige Hingabe Christi an
seine Kirche wirksam entfalten. Wegen dieser Gemeinschaft mit Christus, dem Bräutigam,
gründet auch das Amtspriestertum - wie Christus, mit Christus und in
Christus - in jenem Geheimnis erlösender Liebe, an der die Ehe unter
Christen teilhat.
Berufen aus übernatürlicher Liebe, absolut ohne Gegenleistung, muß
der Priester die Kirche lieben wie Christus sie geliebt hat, indem er ihr all
seine Energien widmet und sich ihr mit pastoraler Liebe bis zur täglichen
Hingabe seines eigenen Lebens schenkt.
14. Universalität des Priestertums
Die Weisung des Herrn, zu allen Völkern zu gehen (Mt. 28,
18-20), bestimmt eine weitere Modalität der Einstellung des Priesters »gegenüber«
der Kirche.(29) Gesandt - »missus« - vom Vater durch Christus, gehört
der Priester »in unmittelbarer Weise«(30) der gesamten Kirche an, die
die »Mission« hat, die Frohbotschaft »bis an die Enden der Erde«
(Apg. 1, 8) zu verkünden.(31)
»Das geistliche Geschenk, das die Priester in der Weihe empangen haben,
bereitet sie auf eine sehr weite und universale Heilssendung vor«.(32)
Durch die Weihe und das übertragene Amt sind ja alle Priester den Bischöfen
verbunden und - in hierarchischer Gemeinschaft mit ihnen - dienen sie gemäß
ihrer Berufung und Gnade dem Wohl der ganzen Kirche.(33) Daher darf die durch
die Inkardination (34) gegebene Zugehörigkeit zu einer Teilkirche den
Priester nicht in einer engen und partikularistischen Mentalität einschließen.
Vielmehr muß er zum Dienst auch an anderen Kirchen offen sein, weil jede
Kirche die Verwirklichung eines Teiles der einzigen Kirche Jesu Christi ist.
Denn die universale Kirche lebt und vollzieht ihre Sendung in und aus den
Teilkirchen, in wirkungsvoller Gemeinschaft miteinander. Daher müssen alle
Priester »ein missionarisches Herz und eine ebensolche Mentalität
haben und offen sein für die Nöte der Kirche und der Welt«.(35)
15. Missionarisches Priestertum
Es ist wichtig, daß sich der Priester dieser missionarischen Realität
seines Priestertums voll bewußt ist und diese wirklich lebt, und zwar in
voller Übereinstimmung mit der Kirche, die es heute wie gestern als nötig
erachtet, ihre Diener dorthin zu schicken, wo sie besonders dringend gebraucht
werden, und die sich darum bemüht, eine gerechtere Verteilung des Klerus zu
erreichen.(36)
Dieses Lebensbedürfnis der Kirche in der heutigen Welt, muß von
jedem Priester gespürt und gesehen werden, vor allem und eigentlich als
eine Lebensaufgabe inmitten der Institution und zu ihrem Dienst.
Daher sind alle jene Meinungen nicht zulässig, die im Namen eines mißverstandenen
Respekts vor bestimmten Kulturen dazu tendieren, die missionarische Tätigkeit
der Kirche zu verfälschen, die ja zum universalen Vollzug jenes
Heilsgeheimnisses berufen ist, das alle Kulturen transzendiert und beleben muß.(37)
Man muß auch sagen, daß die universale Verbreitung des
Priesteramtes in den soziokulturellen Charakteristiken der heutigen Welt eine
Entsprechung findet, wo man ja die Forderung spürt, Barrieren, die Völker
und Nationen teilen, zu eliminieren, und vor allem durch Kulturaustausch
verschiedenste Leute zu verbrüdern, ungeachtet der geographischen Distanzen
voneinander.
Mehr als je zuvor muß sich deshalb der Klerus heute apostolisch
engagiert vorfinden, um alle Menschen in Christus und seiner Kirche zu einen.
16. Autorität als »amoris officium«
Weiters stellt sich der Priester der Kirche deutlich als Leiter »gegenüber«,
der jene Gläubigen zur Heiligung hinführt, die seinem wesenhaft
pastoralen Dienst anvertraut sind.
Diese mit Demut und Kohärenz zu lebende Realität kann zwei gegensätzlichen
Versuchungen ausgesetzt sein.
Die erste ist die, das eigene Amt herrisch gegenüber der Herde auszuüben
(cf Lk. 22, 24-27; 1 Petr. 5, 1-4), während die zweite jene
ist, in einer unrichtigen Vorstellung von »Gemeinschaft« die eigene
Gleichgestaltung mit Christus, dem Haupt und Hirten, herabzumindern.
Die erste Versuchung war auch für die Jünger sehr stark und erfuhr
von Jesus einen deutlichen und wiederholten Verweis: jede Autorität ist im
Geiste des Dienstes auszuüben und zwar als »amoris officium«(38)
und als vorbehaltlose Hingabe zum Wohl der Herde (cf Joh. 13, 14; 10,
11).
Der Priester muß sich immer daran erinnern, daß der Herr und
Meister »nicht gekommen ist, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen«
(Mk. 10, 45), daß er sich niederkniete, um seinen Jüngern die
Füße zu waschen (cf Joh. 13, 5), bevor er am Kreuz starb und
bevor er sie in die ganze Welt aussandte (cf Joh.20, 21).
Die Priester geben dann authentisches Zeugnis für den auferstandenen
Herrn, »dem alle Macht im Himmel und auf der Erde« (cf Mt. 28,
18) gegeben wurde, wenn sie ihre eigene »Macht« im sowohl demütigen
als auch angesehenen Dienst an der eigenen Herde ausüben(39) und die
Aufgaben respektieren, die Christus und die Kirche sowohl gläubigen
Laien(40) als auch im Sinn der evangelischen Räte gottgeweihten Gläubigen(41)
anvertrauen.
17. Demokratistische Versuchung
Häufig geschieht es, daß man, um die erste Fehlhaltung zu
vermeiden, der zweiten verfällt und dazu neigt, jeden Unterschied der
Aufgaben zwischen den Gliedern des mystischen Leibes Christi, der die Kirche
ist, zu eliminieren und damit faktisch die wahre Lehre der Kirche bezüglich
der Unterscheidung von gemeinsamem Priestertum und Amtspriestertum, ablehnt.(42)
Unter den diversen Zerrbildern, die heute zu verzeichnen sind, findet man
den sogenannten »Demokratismus«. Es ziemt sich in diesem Zusammenhang
daran zu erinnern, daß die Kirche all jene Verdienste und Werte anerkennt,
die die demokratische Kultur in der zivilen Gesellschaft mit sich gebracht hat.
Außerdem hat sich die Kirche immer mit allen ihr zur Verfügung
stehenden Mitteln für die Annerkennung der gleichen Würde aller
Menschen eingesetzt. Im Sinne dieser kirchlichen Tradition hat sich das Zweite
Vatikanische Konzil offen zur gemeinsamen Würde aller Getauften
bekannt.(43)
Allerdings muß man auch feststellen, daß die Mentalität und
Praxis in einigen Strömungen der soziopolitischen Kultur unserer Zeit nicht
automatisch auf die Kirche übertragbar sind. Denn die Kirche verdankt ihre
Existenz und ihre Struktur dem Heilsplan Gottes. Sie betrachtet sich selbst als
Gabe eines wohlwollenden Vaters, der sie durch die Erniedrigung seines Sohnes am
Kreuz befreit hat. Die Kirche möchte deshalb - im Heiligen Geist - dem
freien und befreienden Willen ihres Herrn Jesus Christus ganz konform und treu
sein. Dieses Heilsgeheimnis bewirkt, daß sich die Realität der Kirche
aufgrund ihrer Eigennatur von einfachen menschlichen Gesellschaften
unterscheidet.
Es handelt sich daher beim sogenannten »Demokratismus« um eine
sehr schwerwiegende Versuchung, weil sie dahin führt, die Autorität
und Gnade, die Christus als Haupt zukommen, zu leugnen und die Kirche zu
denaturieren, als wäre sie nichts anderes als eine menschliche
Gesellschaft. Eine solche Konzeption schwächt die hierarchische Verfassung
der Kirche selbst, wie sie von ihrem göttlichen Gründer gewollt worden
war, wie sie das Lehramt immer klar gelehrt hat und wie sie die Kirche
ununterbrochen gelebt hat.
Mitbestimmung in der Kirche gründet auf dem Geheimnis der
Glaubensgemeinschaft, das seinem Wesen nach, in sich selbst die Gegenwart und
aktive Funktion der kirchlichen Hierarchie beinhaltet und betrachtet.
Demnach ist in der Kirche eine gewisse Mentalität nicht zulässig,
die sich bisweilen besonders in einigen Organismen der kirchlichen Mitbestimmung
zeigt und die entweder dazu neigt, die Aufgaben der Priester und jene der gläubigen
Laien zu verwechseln oder die dem Bischof eigene Autorität von jener der
Priester als Mitarbeiter der Bischöfe nicht zu unterscheiden oder die
Besonderheit des Petrusamtes im Bischofskollegium zu leugnen.
In diesem Zusammenhang soll daran erinnert werden, daß das
Presbyterium und der Priesterrat nicht Ausdruck des Assoziationsrechts der
Kleriker sind und sie noch weniger nach Betrachtungsweisen gewerkschaftlicher
Art angesehen werden können, die das Aufkommen von Forderungen und
Teilinteressen verursachen, die der kirchlichen Gemeinschaft fremd sind.(44)
18. Unterschied zwischen gemeinsamem Priestertum und Amtspriestertum
Der Unterschied zwischen gemeinsamem Priestertum und Amtspriestertum, weit
entfernt davon Trennung oder Teilung zwischen die Mitglieder der christlichen
Gemeinde zu bringen, harmonisiert und eint das Leben der Kirche. Sie ist ja als
Leib Christi eine organische Gemeinschaft aller Glieder, wo jedes zum
gemeinsamen Leben beiträgt, wenn es die eigene verschiedenartige Rolle und
die eigene spezifische Berufung im vollen Sinne lebt (1 Kor. 12, 12ff
).(45)
Niemandem steht es daher zu, was Christus für seine Kirche gewollt hat,
zu verändern. Sie ist unauflöslich an ihren Gründer und ihr Haupt
gebunden, der ihr als einziger durch die Macht des Heiligen Geistes Amtsträger
zum Dienst an den Gläubigen gibt. An die Stelle Christi, der durch die
legitimen Hirten beruft, weiht und sendet, kann sich keine Gemeinde setzen, die
sich - womöglich in einer Notlage befindlich - auf andere als von der
Kirche vorgesehene Weise ihren eigenen Priester geben möchte.(46) Die
Antwort zur Lösung von Notfällen ist das Gebet Jesu: »Bittet den
Herrn der Ernte, Arbeiter zur Ernte zu senden« (Mt. 9, 38). Wenn
sich an dieses vom Glauben getragene Gebet das intensive Leben karitativer
Gemeinschaft anschließt, dann seien wir sicher, daß es der Herr
nicht versäumen wird, Hirten nach seinem Herzen zu schenken (cf Jer.
3, 15).(47)
19. Nur Priester sind «pastores »
Eine Form, um nicht der »demokratistischen« Versuchung zu
verfallen, besteht darin, die sogenannte »Klerikalisierung« der Laien
zu vermeiden,(48) die dazu neigt, das Amtspriestertum des Presbyters zu unterdrücken,
dem allein aufgrund der vom Bischof empfangenen Priesterweihe im eigentlichen
und eindeutigen Sinn, der Begriff »Pastor« zukommen kann. Tatsächlich
bezieht sich die Bezeichnung »Pastoral« auf die »potestas docendi
et sanctificandi« sowie auf die »potestas regendi«.(49)
Im übrigen wird daran erinnert, daß solche Tendenzen nicht die
wahrhaftige Förderung des Laienstandes begünstigen, da sie oft dazu führen,
daß die authentische Berufung und kirchliche Mission der Laien in der Welt
vergessen wird.
Priesterliche Gemeinschaft
20. »Communio« mit der Dreifaltigkeit und mit Christus
Im Licht all dessen, was bereits über die Identität des Priesters
gesagt wurde, verwirklicht sich dieGemeinschaft des Priesters vor allem mit dem
Vater,dem tiefsten Ursprung jeder seiner Vollmachten, mit dem Sohn, an dessen
Erlösersendung er partizipiert und mit dem Heiligen Geist, der ihm die
Kraft schenkt, jene pastorale Liebe zu leben und zu verwirklichen, die ihn
priesterlich qualifiziert.
Tatsächlich »kann man also das Wesen und die Sendung des
Priestertums des Dienstes nur in diesem vielfältigen und reichen
Zusammenspiel von Beziehungen bestimmen, die aus der innergöttlichen Trinität
kommen und sich in die Gemeinschaft der Kirche, als Zeichen und Wekzeug in
Christus für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der
ganzen Menschheit, hinein fortsetzen«.(50)
21. »Communio« mit der Kirche
Aus dieser fundamentalen Unio-Communio mit Christus und mit der
Dreifaltigkeit leitet sich für den Priester seine Comunio-Beziehung mit der
Kirche im Hinblick auf ihr Mysterium und auf die kirchliche Gemeinschaft ab.(51)
Dort im innersten Geheimnis der Kirche und zwar als Mysterium trinitarischer
Gemeinschaft in missionarischer Spannung, ist es ja, wo sich jede christliche
Identität offenlegt und deshalb auch die spezifische und personale Identität
des Priesters und seines Amtes.
Konkret verwirklicht sich die Gemeinschaft des Priesters mit der Kirche
in verschiedener Weise. Mit der Priesterweihe tritt er nämlich in besondere
Verbundenheit mit dem Papst, mit dem eigenen Bischof, mit den anderen Priestern
und mit den gläubigen Laien.
22. Hierarchische »communio«
Die Communio als Charakteristikum des Priestertums ist auf der Einzigkeit
des Hauptes, Hirten und Bräutigams der Kirche, auf Christus gegründet.(52)
In solcher Gemeinschaft des Amtes nehmen auch bestimmte Bindungen Form an:
zuallererst mit dem Papst, dem Bischofskollegium und dem eigenen Bischof. »Den
priesterlichen Dienst gibt es nur in Gemeinschaft mit dem Papst und mit dem
Bischofskollegium, besonders mit dem eigenen Diözesanbischof; ihnen muß
der Priester »den kindlichen Respekt und den Gehorsam«
entgegenbringen, den er im Ritus der Priesterweihe gelobt hat«.(53) Es
handelt sich also um eine hierarchische Gemeinschaft, d. h. um eine Communio in
jener Hierarchie, wie sie eben in ihrem Innern strukturiert ist.
Solche Communio impliziert aufgrund der Teilhabe am einen Amtspriestertum
auf der den Bischöfen untergeordneten Stufe, eine geistliche und
organisch-strukturelle Bindung der Priester an den gesamten Stand der Bischöfe
sowie an den eigenen Bischof,(54) auch an den Papst, da er Hirte der gesamten
Kirche(55) und jeder Teilkirche ist. Dies wird durch die Tatsache bestärkt,
daß der ganze Stand der Bischöfe in seiner Gesamtheit und jeder
einzelne Bischof in hierarchischer Gemeinschaft mit dem Haupt des Kollegiums
sein muß.(56) Dieses Kollegium setzt sich nämlich nur aus geweihten
Bischöfen zusammen, die in hierarchischer Gemeinschaft mit dem Haupt und
seinen Gliedern stehen.
23. »Communio« in der Eucharistiefeier
Die hierarchische Gemeinschaft findet man im eucharistischen Hochgebet
bedeutungsvoll zum Ausdruck gebracht, wo der Priester für den Papst betet,
für die Gemeinschaft der Bischöfe und für den eigenen Bischof,
und damit nicht bloß ein Gefühl der Verehrung ausdrückt, sondern
die Authentizität seiner Zelebration bezeugt.(57)
Selbst die Konzelebration unter den vorgesehenen Umständen und
Bedingungen,(58) besonders unter dem Vorsitz des Bischofs und unter Mitfeier der
Gläubigen, manifestiert gut die Einheit des Priestertums Christi in der
Vielheit seiner Ämter, wie auch die Einheit des Opfers und des
Gottesvolkes.(59) Außerdem trägt sie dazu bei, die Brüderlichkeit
des Dienstes unter den Priestern zu stärken.(60)
24. »Communio« in der Ausübung des Dienstes
Jeder Priester soll der Person des Heiligen Vaters mit tiefer, demütiger
und kindlicher Liebe verbunden sein und seinem Petrusamt als Lehrer, Priester
und Hirte beispielhaft anhängen.(61)
In Treue und in Achtung der Autorität des eigenen Bischofs wird er die
für die Ausübung seines Priesteramtes erforderliche Gemeinschaft
verwirklichen. Erfahrene Seelsorger stellen leicht die Notwendigkeit fest, jede
Art von Subjektivismus in der Amtsausübung zu vermeiden und sich
mitverantwortlich an die Pastoralpläne zu halten. Solches Zusammenhalten
ist Ausdruck von Reife und trägt zur Auferbauung jener Einheit der
Gemeinschaft bei, die für das Werk der Evangelisierung unerläßlich
ist.(62)
Durch die volle Respektierung der hierarchischen Unterordnung wird der
Priester zum Protagonisten einer aufrichtigen Beziehung zum eigenen Bischof, die
durch ehrliches Vertrauen, herzliche Freundschaft, Suche nach Einvernehmen und
Konvergenz in Ideen und Plänen charakterisiert ist. Überlegte persönliche
Initiative und pastoraler Unternehmungsgeist leiden dabei keinen Schaden.(63)
25. »Communio« im Presbyterium
Aufgrund des Weihesakramentes »ist jeder Priester mit den anderen
Mitgliedern des Presbyteriums durch besondere Bande der apostolischen Liebe, des
Amtes und der Brüderlichkeit vereint«.(64) Er ist ja eingefügt in
den »Ordo Presbyterorum«, der jene Einheit bildet, die sich als eine
wahre Familie verstehen kann, in der die Bande nicht aus Fleisch und Blut,
sondern aus der Weihegnade kommen.(65)
Die Zugehörigkeit zu einem konkreten Presbyterium(66) erfolgt immer im
Bereich einer Teilkirche, eines Ordinariates oder einer Personalprälatur.
Im Unterschied zum Bischofskollegium scheint es nämlich keine theologische
Basis zur Bestätigung der Existenz eines »universalen Presbyteriums«
zu geben.
Priesterliche Brüderlichkeit und Zugehörigkeit zum Presbyterium
sind also den Priester charakterisierende Elemente. Besonders bedeutungsvoll ist
diesbezüglich in der Priesterweihe der Ritus der Handauflegung durch den
Bischof, an dem alle anwesenden Priester teilnehmen, um sowohl die Teilnahme an
der gleichen Amtsstufe anzuzeigen als auch, daß der Priester nicht allein
agieren kann, sondern immer nur innerhalb des Presbyteriums, indem er Mitbruder
all jener wird, die es bilden.(67)
26. Inkardination in einer Teilkirche
Die Inkardination in eine bestimmte Teilkirche(68) bildet eine echte
rechtliche Bindung,(69) die auch spirituellen Wert hat, daß sich von ihr »die
Beziehung zum Bischof in dem einen Presbyterium, die Teilnahme an seinem Bemühen
um die Kirche, und die Hingabe an die am Evangelium orientierte Sorge um das
Volk Gottes unter den konkreten Bedingungen von Geschichte und Umwelt«(70)
ableiten. In dieser Perspektive ist die Bindung an die Teilkirche auch sehr
bedeutungsvoll für das pastorale Wirken.
In diesem Zusammenhang soll nicht vergessen werden, daß in die Diözese
nicht inkardinierte Weltpriester und solche Priester, die als Mitglieder einer
Ordensgemeinschaft in der Diözese wohnhaft sind und zu deren Wohl irgendein
Amt ausüben, sehr wohl ihrem legitimen Ordinarius unterstehen, jedoch voll
oder unter anderem Titel dem Presbyterium der betreffenden Diözese(71)
angehören, wo »sie aktives und passives Wahlrecht bei der Bildung des
Priesterrates haben«.(72) Besonders die Priester der Ordensgemeinschaften
tragen mit vereinten Kräften zum pastoralen Eifer bei, indem sie den
Beitrag spezifischer Charismen anbieten und »durch ihre Anwesenheit die
Teilkirche dazu anspornen, ihre Öffnung nach allen Seiten intensiver zu
leben«.(73)
Priester schließlich, die einer Diözese inkardiniert, jedoch
einer von der zuständigen kirchlichen Autorität anerkannten
kirchlichen Bewegung(74) dienen, sollen sich bewußt sein, daß sie
Mitglieder des Presbyteriums der Diözese sind, wo sie ihren Dienst
verrichten, und daß sie ehrlich mit ihm zusammenarbeiten sollen.
Seinerseits soll der Bischof der Inkardination den durch die Zugehörigkeit
zur Bewegung erforderlichen Lebensstil respektieren und nach Maßgabe des
Rechts bereit sein, dem Priester zu gestatten, sein Amt in anderen Teilkirchen
auszuüben, falls dies zum Charisma der Bewegung gehört.(75)
27. Presbyterium als Ort der Heiligung
Das Presbyterium ist der privilegierte Ort, wo der Priester die
entsprechenden Mittel zur Heiligung und Evangelisation finden können
müßte und wo er Hilfe erfahren sollte, um besonders heute empfundene
menschliche Grenzen und Schwächen zu überwinden.
Er soll sich daher in jeder Weise bemühen, sein eigenes Priestertum
nicht in einer isolierten und subjektivistischen Art zu leben. Er wird die brüderliche
Gemeinschaft zu fördern suchen und zwar durch Geben und Nehmen - von
Priester zu Priester - herzliche Freundschaft, gefühlsmäßige
Anteilnahme, Gastfreundschaft, correctio fraterna, im Bewußtsein, daß
die Weihegnade »die menschlichen, psychologischen, emotionalen,
freundschaftlichen und geistlichen Beziehungen erhebt... und sich verdeutlicht
und konkretisiert in den unterschiedlichen Formen gegenseitiger Hilfeleistung,
nicht nur geistlicher, sondern auch materieller Art«.(76)
All dies ist in der Liturgie der Messe In Coena Domini am Gründonnerstag
zum Ausdruck gebracht, welche zeigt, wie die Priester aus der eucharistischen
Gemeinschaft - eingesetzt beim letzten Abendmahl - die Fähigkeit empfangen,
einander so zu lieben, wie sie der Meister liebt.(77)
28. Priesterfreundschaft
Der tiefe und kirchliche Sinn des Presbyteriums, behindert keinesfalls,
sondern erleichtert vielmehr das Wahrnehmen der persönlichen Verantwortung
jedes Priesters in dem Amt, das ihm vom Bischof anvertraut wurde.(78) Die Fähigkeit
reife und tiefe Freundschaftsbeziehungen zu kultivieren und zu leben macht in
der Ausübung des Amtes Gelassenheit und Freude sichtbar. Sie ist
entscheidende Unterstützung in Schwierigkeiten und wertvolle Hilfe beim
Wachstum pastoraler Liebe, die der Priester besonders jenen Mitbrüdern
zuwenden muß, die sich in Schwierigkeiten befinden, Verständnis,
Hilfe und Unterstützung brauchen.(79)
29. »Vita communis«
Ein Zeichen solcher Gemeinschaft ist auch die von der Kirche immer geförderte
»vita communis«,(80) die erst unlängst von den Dokumenten des II.
Vatikanischen Konzils(81) sowie vom Lehramt(82) neuerlich empfohlen und in nicht
wenigen Diözesen positiv praktiziert wtrd.
Unter ihren verschiedenen Formen (gemeinsames Haus, Tischgemeinschaft, usw.
) muß man die gemeinsame Teilnahme am liturgischen Gebet(83) am höchsten
einschätzen. Die verschiedenen Modalitäten müssen gemäß
den Möglichkeiten und praktischen Vorteilen gefördert werden, ohne
deshalb lobenswerte Modelle des Ordenslebens zu kopieren. Besonders sind jene
Vereinigungen zu loben, welche die priesterliche Brüderlichkeit fördern
sowie die Heiligkeit in der Ausübung des Dienstes und die Gemeinschaft mit
dem Bischof und mit der ganzen Kirche.(84)
Es ist zu wünschen, daß Pfarrer dazu bereit sind, im Pfarrhaus
die »vita communis« mit ihren Pfarrvikaren zu fördern,(85) indem
sie diese effektiv als Kooperatoren und Teilhaber an der pastoralen Sorge
hochachten; ihrerseits müssen die Pfarrvikare zum Gelingen der
priesterlichen Gemeinschaft beitragen, indem sie die Autorität des Pfarrers
anerkennen und respektieren.(86)
30. »Communio« mit den gläubigen Laien
Als Mensch der Gemeinschaft wird der Priester seine Liebe zum Herrn und zur
Kirche nicht zum Ausdruck bringen können, ohne sie in eine tatkräftige
und bedingungslose Liebe zum christlichen Volk, dem Objekt seiner pastoralen
Sorge, umzusetzen.(87)
Wie Christus muß er diese »in der ihm anvertrauten Herde
gleichsam an sich selbst transparent werden lassen«,(88) indem er mit den
gläubigen Laien einen positiven und förderlichen Umgang pflegt. Deren
Würde als Kinder Gottes anerkennend, fördert er deren eigene Rolle in
der Kirche und dient ihnen mit seinem gesamten priesterlichen Dienst und mit
seiner pastoralen Liebe.(89) Im Bewußtsein der tiefen Gemeinschaft, die
ihn mit den gläubigen Laien und den Ordensleuten verbindet, wird sich der
Priester alle Mühe geben, um »die Mitverantwortung für die eine
gemeinsame Heilssendung anzuregen und zu entfalten, mit lebhafter und herzlicher
Anerkennung aller Charismen und Aufgaben, die der Geist den Gläubigen für
die Auferbauung der Kirche schenkt«.(90)
Konkret wird also der Pfarrer, der immer um das Gemeinwohl der Kirche bemüht
ist, die Vereinigungen und Bewegungen der Gläubigen mit religiösen
Zielsetzungen fördern,(91) sie alle aufnehmen und ihnen dabei helfen,
untereinander Einheit in den Absichten, im Gebet und im Apostolat zu finden.
Insofern er die Familie Gottes vereint und die Kirche als Comunio
verwirklicht, wird der Priester zum »Pontifex«, der den Menschen mit
Gott verbindet und sich zum Bruder der Menschen macht, gerade indem er ihnen
Hirte, Vater und Lehrer sein will.(92) Dem heutigen Menschen, der den Sinn
seiner Existenz sucht, ist er Wegbegleiter zur Christusbegegnung. Diese
Begegnung geschieht als Zusage und als zwar noch nicht endgültige, aber
doch schon gegenwärtige Realität in der Kirche. So wird sich der zum
Dienst am Volk Gottes bestimmte Priester als Experte der Menschlichkeit
erweisen, als ein Mensch der Wahrheit und der Gemeinschaft sowie als Zeuge der
Sorge des einzigen Hirten für alle und jedes einzelne seiner Schafe. Die
Gemeinde wird mit Sicherheit auf seinen Einsatz zählen können, auf
seine Verfügbarkeit, auf seine unermüdliche Evangelisierungsarbeit und
vor allem auf seine treue und bedingungslose Liebe.
Weiters wird er seine geistliche Aufgabe mit Liebenswürdigkeit und
Festigkeit ausüben, mit Demut und Dienstgesinnung,(93) indem er aus Mitleid
teilnimmt an den Leiden, die den Menschen aufgrund verschiedener Formen der
Armut, spiritueller und materieller, alter und neuer, erwachsen. Er wird es auch
verstehen, mit Barmherzigkeit den schweren und unsicheren Weg der Bekehrung der
Sünder zu begleiten, denen er das Geschenk der Wahrheit und das geduldige
und ermutigende Wohlwollen des Guten Hirten anbietet, der das verirrte Schaf
nicht bestraft, sondern voller Freude über seine Rückkehr zur Herde
auf die Schultern nimmt (cf Lk. 15, 4-7).(94)
31. »Communio« mit Ordensleuten
Besondere Aufmerksamkeit wird er den Brüdern und Schwestern
vorbehalten, die in den verschiedensten Formen des gottgeweihten Lebens
engagiertsind, indem er mit ehrlicher Hochachtung und im Geist apostolischer
Zusammenarbeit deren spezifische Charismen respektiert und fördert. Er wird
außerdem dazu beitragen, daß das gottgeweihte Leben zum Nutzen der
ganzen Kirche immer leuchtender erscheint, sowie immer überzeugender und
anziehender für neue Generationen.
Im Sinne solcher Hochschätzung des gottgeweihten Lebens, wird sich der
Priester besonders um jene Gemeinschaften kümmern, die aus verschiedenen Gründen
größeren Bedarf an guter Glaubenslehre, an Hilfestellung und an
Ermutigung zur Treue haben.
32. Förderung von Berufungen
Jeder Priester wird sich besonders der Förderung von Berufungen widmen,
ohne zu versäumen, das Gebet um Berufungen anzuregen, sowie in der
Katechese, in der Ausbildung der Ministranten und in sonstigen geeigneten
Initiativen durch persönlichen Kontakt darauf zu achten, daß Talente
entdeckt werden und daß der Wille Gottes zu einer mutigen Entscheidung für
die Nachfolge Christi erkannt wird.(95)
Sicherlich bilden auch das klare Bewußtsein der eigenen Identität,
die Kohärenz des Lebens, offensichtliche Freude und missionarischer Eifer
unerläßliche Elemente einer Pastoral der Berufungen, die in eine
organische und allgemein übliche Pastoral zu integrieren sind.
Mit dem Seminar als Wiege der eigenen Berufung und als Lernstätte
erster Erfahrungen gemeinschaftlichen Lebens, wird der Priester immer
Beziehungen herzlicher Zusammenarbeit und ehrlicher Fürsorge pflegen.
»Es ist ein unaufhebbares Erfordernis der pastoralen Liebe«,(96)
daß jeder Priester - die Gnade des Heiligen Geistes unterstützend - »sich
mit sorgsamem Eifer darum bemüht«, wenigstens einen »Nachfolger
im priesterlichen Dienst zu finden«.
33. Politischer und sozialer Einsatz
Der Priester wird als Diener der Kirche, die sich ihrer Universalität
und ihrer Katholizität wegen an keine historische Kontingenz binden kann, über
jeglichen politischen Parteiungen stehen. Er kann nicht in politischen Parteien
oder in der Führung gewerkschaftlicher Vereinigungen aktiv teilnehmen, außer
es wäre nach Ansicht der zuständigen kirchlichen Autorität für
die Verteidigung der Rechte der Kirche oder zur Förderung des Gemeinwohls
erforderlich.(97) Obwohl nämlich diese Dinge in sich gut sind, so sind sie
doch dem Stand der Kleriker nicht angemeßen, insofern sie eine schwere
Gefahr der Spaltung der kirchlichen Gemeinschaft darstellen können.(98)
Wie Jesus (cf Joh. 6, 15 ff) muß der Priester »darauf
verzichten, sich in Formen aktiver Politik zu betätigen, vor allem wenn
dies fast unvermeidlich auf nur einer Seite geschieht, damit er als Mensch aller
seine Schlüsselstellung hinsichtlich spiritueller Brüderlichkeit
behalten kann«.(99) Jeder Gläubige muß daher jederzeit zum
Priester hingehen können, ohne sich jemals aus irgendeinem Grund
ausgeschlossen fühlen zu müssen.
Der Priester wird sich daran erinnern, daß es »nicht Sache der
Hirten der Kirche ist, in die politischen Strukturen und in die Organisation des
Gesellschaftslebens direkt einzugreifen. Diese Aufgabe gehört zur Sendung
der gläubigen Laien, die aus eigenem Ansporn mit ihren Mitbürgern
zusammenarbeiten.«(100) Allerdings wird er nicht versäumen, sich »für
die rechte Bildung ihres Gewissens« einzusetzen.(101)
Die Reduktion seiner Sendung auf zeitliche Aufgaben, bloß sozial,
politisch oder jedenfalls seiner Identität fremd, ist keine Errungenschaft,
vielmehr ein schwerer Verlust für die evangelische Fruchtbarkeit der ganzen
Kirche.
II. Kapitel
PRIESTERLICHE SPIRITUALITÄT
Der Historische Kontext der Gegenwart
34. Die Zeichen der Zeit verstehen
Leben und Dienst der Priester entwickeln sich immer im historischen Kontext,
manchmal voll neuer Probleme und unvermuteter Umstände, in denen die
pilgernde Kirche zu leben hat.
Das Priestertum erwächst nicht aus der Geschichte, sondern aus dem
unveränderlichen Willen des Herrn. Allerdings konfrontiert es sich mit den
historischen Umständen und - obgleich es sich selbst immer treu bleibt -
gestaltet es sich durch die konkrete Form der Entscheidungen aber auch durch
eine kritische Bezugnahme und eine Suche nach einer, dem Evangelium
entsprechenden, Antwort auf die »Zeichen der Zeit«. Aus diesem Grund
haben die Priester die Pflicht, solche »Zeichen« im Licht des Glaubens
zu interpretieren und sie einer klugen Unterscheidung zu unterziehen. Jedenfalls
können sie diese nicht ignorieren, besonders dann nicht, wenn man das
eigene Leben in wirksamer und gehöriger Weise so orientieren möchte,
daß Dienst und Zeugnis immer mehr fruchtbar werden für das Reich
Gottes.
In der gegenwärtigen Lebensphase von Kirche und Gesellschaft sind die
Priester gerufen, mit ganzer Tiefe ihren Dienst zu leben, angesichts der immer
tiefgreifenderen, zahlreicheren und schwierigeren nicht nur pastoralen, sondern
auch sozialen und kulturellen Bedürfnisse, die anzugehen sind.(102)
Sie sind daher heute in verschiedenen Ebenen des Apostolats engagiert, wo
Großzügigkeit und ganze Hingabe, intellektuelle Vorbereitung und vor
allem ein reifes und tiefes, in pastoraler Liebe verwurzeltes geistliches Leben
verlangt wird. Dies ist ihr spezifischer Weg zur Heiligkeit und dies stellt im
Rahmen der pastoralen Tätigkeit einen authentischen Dienst an den Gläubigen
dar.
35. Dringlichkeit der Neu-Evangelisierung
Daraus ergibt sich, daß der Priester in ganz besonderer Weise in den
Einsatz der gesamten Kirche für die Neu-Evangelisierung einbezogen ist.
Ausgehend vom Glauben an Jesus Christus, dem Erlöser des Menschen, hat er
die Gewähr, daß in Ihm ein »unausschöpflicher Reichtum«
(Eph. 3, 8) da ist, den keine Kultur und keine Epoche je aufbrauchen
kann, und aus dem die Menschen immer ihre Bereicherung erfahren.(103)
Daher ist dies die Stunde der Erneuerung unseres Glaubens an Jesus Christus,
der »gestern, heute und immer« (Hebr. 13, 8) derselbe ist.
Deshalb ist »der Aufruf zur Neu-Evangelisierung zunächst ein Aufruf
zur Bekehrung«.(104) Gleichzeitig ist es ein Aufruf zur Hoffnung, »die
sich auf die Verheißungen Gottes stützt, auf die Treue zu seinem
Wort, und die als unumstößliche Gewißheit die Auferstehung
Christi hat,- seinen endgültigen Sieg über Sünde und Tod, die
erste Botschaft und Begründung jeder Evangelisierung, das Fundament jeden
menschlichen Fortschritts, das Prinzip jeder authentischen christlichen Kultur«.(105)
In diesem Kontext muß der Priester zunächst seinen Glauben, seine
Hoffnung und seine aufrichtige Liebe zum Herrn verlebendigen, damit er Ihn den
Gläubigen und allen Menschen veranschaulichen kann wie Er wahrhaft ist:
eine lebendige Person, faszinierend, uns mehr als alle anderen liebend, weil er
sein Leben für uns hingab; »niemand hat eine größere Liebe
als der, der sein Leben hingibt für seine Freunde« (Joh. 15,
13).
Gleichzeitig wird der Priester als Antwort auf alle Ängste Jesus
Christus verkünden und zwar im Bewußtsein, daß jeder Mensch auf
verschiedene Weise eine Liebe sucht, die ihn die engen Grenzen seiner Schwächen,
seines Egoismus und schließlich seines Todes überwinden lassen kann.
Der Priester ist aufgerufen, in der Neu-Evangelisierung ein Bote der
Hoffnung(106) zu sein.
36. Herausforderung durch Sekten und neue Kulte
Eine besondere Herausforderung ergibt sich für den pastoralen Dienst
aus der Verbreitung von Sekten und neuen Kulten, die sich auch unter gläubigen
Katholiken ausbreiten.
Dieses Phänomen hat komplexe Ursachen. Jedenfalls wird vom Dienst der
Priester verlangt, auf die heute besonders stark vorhandene Suche nach dem
Heiligen und nach authentischer Spiritualität entsprechend vorbereitet und
gezielt einzugehen.
Tatsächlich war in den letzten Jahren feststellbar, daß es
insbesonders pastorale Beweggründe sind, die es erforderlich machen, daß
der Priester ein Mann Gottes und ein Meister des Gebetes ist.
Gleichzeitig erscheint es notwendig, daß die seiner pastoralen Sorge
anvertraute Gemeinde eine Atmosphäre bietet, wo sich niemand, der zu ihr
gehört, der Anonymität oder der Gleichgültigkeit überlassen
erfahren muß.
Es handelt sich dabei um eine Verantwortung, die sicherlich alle Gläubigen
angeht, aber in besonderer Weise doch den Priester als Mann der Gemeinschaft.
Wenn es der Priester versteht, mit Freundlichkeit und Respekt jemanden, der
kommt, anzunehmen und als Persönlichkeit ernst zu nehmen, dann entsteht
daraus ein Stil authentischer Liebe, der sich schrittweise in der ganzen
Gemeinde bemerkbar machen wird.
Um der Herausforderung durch Sekten und neue Kulte zu begegnen, bedarf es
besonders einer bewährten und umfassenden Katechese, die heute vonseiten
des Priesters spezielle Anstrengungen verlangt, damit alle seine Gläubigen
die Bedeutung der christlichen Berufung und des katholischen Glaubens wirklich
kennenlernen. Insbesonders müssen die Gläubigen darüber genau
unterrichtet werden, welche Beziehung zwischen ihrer spezifischen Berufung in
Christus und ihrer Zugehörigkeit zu seiner Kirche besteht, die sie ergeben
und standhaft lieben sollen.
All das läßt sich verwirklichen, wenn der Priester in seinem
Leben und Dienst alles vermeidet, was Lauheit, Kälte oder bloß
selektive Identifikation mit der Kirche hervorrufen könnte.
37. Licht- und Schattenseiten der Dienstausübung
Sehr tröstlich ist festzustellen, daß heute Priester aller
Alterstufen in überwiegender Mehrheit mit freudigem Einsatz, der oft Frucht
eines stillen Heroismus ist, ihren Dienst ausüben und bis an die Grenzen
der eigenen Leistungsfähigkeit arbeiten, manchmal ohne die Früchte
ihrer Arbeit zu sehen.
Durch diesen ihren Einsatz stellen sie heute eine lebendige Verkündigung
jener göttlichen Gnade dar, die im Augenblick der Priesterweihe gespendet,
dauernd neue Kraft zum heiligen Dienst schenkt.
Diesem Licht, welches das Leben des Priesters erhellt, fehlen freilich nicht
die Schatten, die dazu neigen, die Schönheit des Zeugnisses an die Welt
abzuschwächen und den Dienst weniger wirksam zu machen.
Der pastorale Dienst ist ein faszinierendes, aber auch schwieriges
Unternehmen, vielfach dem Unverständnis und der Verdrängung
ausgesetzt, und heute vor allem der Müdigkeit, der Isolation und manchmal
der Einsamkeit.
Um gegenüber den Herausforderungen zu bestehen, die sich für den
Priester von der verweltlichten Mentalität her ständig ergeben, wird
er dem spirituellen Leben, dem Sein mit Christus und dem Leben großmütiger
pastoraler Liebe den absoluten Vorrang einräumen, sowie die Gemeinschaft
mit allen und zuallererst mit den anderen Priestern intensivieren.
Mit Christus im Gebet Bleiben
38. Primat des geistlichen Lebens
Der Priester wurde in jenem langen Gebet sozusagen »konzipiert«,
als Jesus zum Vater von seinen Aposteln gesprochen hat und sicherlich von allen,
die im Lauf der Jahrhunderte an seiner eigenen Sendung partizipieren würden
(cf Lk. 6, 12; Joh. 17, 15-20). Auch das ganz auf das
priesterliche Golgatha-Opfer ausgerichtete Gebet Jesu im Garten von Gethsemane
(cf Mt. 26, 36-44 par.), zeigt in paradigmatischer Weise, »wie
unser Priestertum zutiefst an das Gebet gebunden sein muß: verwurzelt im
Gebet«.(107)
Aus diesen Gebeten geboren und zur Erneuerung des von ihnen untrennbaren
Opfers berufen, werden die Priester ihren Dienst lebendig erhalten durch ein
spirituelles Leben, dem sie den absoluten Vorrang einräumen, indem sie
vermeiden, es wegen diverser Aktivitäten zu vernachlässigen. Gerade um
den pastoralen Dienst fruchtbar gestalten zu können, braucht der Priester
den besonderen und tiefen Einklang mit Christus, dem guten Hirten, der allein
der eigentliche Protagonist jeder pastoralen Tätigkeit bleibt.
39. Mittel für das geistliche Leben
Ein solches spirituelles Leben muß in der Existenz jedes Priesters
inkarniert werden, sowohl durch die Liturgie und durch das persönliche
Gebet als auchdurch entsprechenden Lebensstil und durch Praxis der christlichen
Tugenden, die zum Gelingen der dienstlichen Tätigkeit beitragen. Christus
gleichförmig zu werden, verlangt sozusagen klimatische Bedingungen der
Freundschaft und der persönlichen Begegnung mit Jesus, dem Herrn, und
ebensolche des Dienstes an der Kirche, die sein Leib ist und die der Priester
offensichtlich liebt, indem er treu und unermüdlich seine Pflichten im
pastoralen Dienst erfüllt.(108)
Daher ist es für den Priester notwendig, sein Gebetsleben dermaßen
zu gestalten, daß es folgendes umfaßt: die tägliche
Eucharistiefeier(109) mit geeigneter Vorbereitung und Danksagung; die häufige
Beichte(110) und die bereits im Seminar praktizierte Seelenführung;(111)
die vollständige und eifrige Feier des Stundengebetes,(112) wozu er täglich
angehalten ist;(113) die Gewissenserforschung;(114) das stille Gebet in
angemessener Weise;(115) die lectio divina;(116) die ausgedehnten Zeiten des
Schweigens und des Gesprächs, vor allem in den Exerzitien und in
periodischen Einkehrtagen;(117) die kostbaren Ausdrucksformen marianischer Frömmigkeit,
wie der Rosenkranz;(118) die »Via Crucis« und die übrigen Frömmigkeitsübungen;(119)
die lohnende hagiographische Lektüre.(120)
Jedes Jahr, während der hl. Messe des Gründonnerstags, sollen die
Priester vor ihrem Bischof und zusammen mit ihm als Zeichen dauernden Treuebemühens,
die in der Priesterweihe gegebenen Versprechen erneuern.(121)
Die Sorge um das geistliche Leben muß vom Priester selbst als freudige
Pflicht wahrgenommen werden, aber auch als ein Recht der Gläubigen, die in
ihm bewußt oder unbewußt den Mann Gottes suchen, den Berater, den
Friedensstifter, den treuen und klugen Freund, den sicheren Begleiter, dem man
sich in den härtesten Augenblicken des Lebens anvertrauen kann, um Trost
und Sicherheit zu finden.(122)
40. Das Vorbild des betenden Christus
Aufgrund vieler Verpflichtungen, die in hohem Maß mit der pastoralen Tätigkeit
zu tun haben, ist das Leben der Priester heute mehr denn je einer Reihe von
Anforderungen ausgesetzt, die es in Richtung eines wachsenden äußeren
Aktivismus lenken und es manchmal einem frenetischen und überfordernden
Rhytmus unterwerfen könnten.
Gegenüber solcher »Versuchung« darf man nicht vergessen, daß
die erste Absicht Jesu jene war, Apostel um sich zu sammeln, damit sie vor allem
»mit ihm seien« (Mk. 3, 14).
Der Sohn Gottes selbst wollte uns auch das Zeugnis seines Gebetes
hinterlassen.
Tatsächlich präsentieren uns die Evangelien mit großer Häufigkeit
Christus im Gebet: bei der Offenbarung seiner Sendung durch den Vater (cf Lk.
3, 21-22), vor der Berufung der Apostel (cf Lk. 6, 12), in der
Danksagung an Gott bei der Brotvermehrung (cf Mt. 14, 19; 15, 36; Mk.
6, 41; 8, 7; Lk. 9, 16; Joh. 6, 11), bei der Verklärung auf
dem Berg (cf Lk. 28-29), als er den Taubstummen heilt (cf Mk. 7,
34) und Lazarus erweckt (cf Joh. 11, 41 ff), vor dem Petrusbekenntnis (Lk.
9, 18), als er die Jünger beten lehrt (Lk. 11, 1), und diese dann
von ihrer Mission zurückkehren (cf Mt. 11, 25 ff; Lk. 10,
21 ff), bei der Segnung der Kinder (cf Mt. 19, 13) und beim Beten für
Petrus (cf Lk. 22, 32).
All sein tägliches Tun kam aus dem Gebet. So zog er sich in die Wüste
oder auf den Berg zurück, um zu beten (cf Mk. 1, 35; 6, 46; Lk.
5, 16; Mt. 4, 1; Mt. 14, 23), er stand früh am Morgen auf
(cf Mk. 1, 35) und verbrachte die ganze Nacht im Gebet mit Gott (cf Mt.
14, 23. 25; Mk. 6, 46. 48; Lk. 6, 12).
Bis ans Ende seines Lebens, beim letzten Abendmahl (cf Joh. 17,
1-26), in der Agonie (cf Mt. 26, 36-44 par.) und am Kreuz (cf Lk.
23, 34. 46; Mt. 27, 46; Mk. 15, 34) hat der göttliche
Meister gezeigt, daß das Gebet seinen messianischen Dienst und seinen österlichen
Exodus beseelte. Auferweckt vom Tod, lebt er für immer und betet für
uns (cf Hbr. 7, 25).(123)
Nach dem Beispiel Christi muß es der Priester verstehen, sich die
Lebendigkeit und Fülle der Augenblicke des Schweigens und des Gebetes zu
erhalten und darin die eigene existentielle Beziehung mit der lebendigen Person
Jesu, des Herrn, zu kultivieren und zu vertiefen.
41. Das Vorbild der betenden Kirche
1. Um seinem engagierten »Mit Jesus Sein« treu zu bleiben, soll
sich der Priester die betende Kirche zum Vorbild nehmen.
2. Bei der Weitergabe des Wortes Gottes sei der Priester eingedenk der an
ihn am Tag seiner Priesterweihe vom Bischof gerichteten Mahnung: »Damit
mache das Wort zum Gegenstand deiner ständigen Betrachtung, glaube immer
was du liest, lehre was du glaubst, verwirkliche im Leben was du lehrst. So
wirst du mit der Glaubenslehre das Volk Gottes nähren und es mit dem guten
Beispiel deines Lebens trösten und unterstützen. Du wirst mitbauen am
Tempel Gottes, der die Kirche ist«. Ähnliches gilt hinsichtlich der
Feier der Sakramente und insbesonders der Eucharistie: »Sei dir daher
dessen bewußt, was du tust, ahme nach was du vollziehst. Nachdem du das
Mysterium des Todes und der Auferstehung des Herrn feierst, trage den Tod
Christi in deinem Körper und gehe ein in sein neues Leben«. Und schließlich
gilt es hinsichtlich der pastoralen Leitung des Gottesvolkes, damit es hingeführt
wird zum Vater, durch Christus und im Heiligen Geist: »Damit höre nie
auf, den Blick auf Christus, den Guten Hirten zu richten, der nicht gekommen
ist, sich bedienen zu lassen, sondern um zu dienen und heimsuchend jene zu
retten, die verloren waren«.(124)
42. Gebet als »communio«
Kraft der besonderen Bindung an den Herrn wird der Priester jene Augenblicke
zu bestehen wissen, in denen er sich mitten unter den Menschen einsam fühlen
könnte; und zwar indem er nachdrücklich sein Sein mit Christus
erneuert, der in der Eucharistie sein Zufluchtsort und bester Ruheplatz ist.
Wie Jesus, der im Alleinsein ständig mit dem Vater war (cf Lk.
3, 21; Mk. 1, 35),(125) so muß auch der Priester ein Mensch sein,
der in der Einsamkeit die Gemeinschaft mit Gott findet, um dann mit dem hl.
Ambrosius sagen zu können: »Nie bin ich weniger einsam als dann, wenn
ich einsam zu sein scheine«.(126)
Beim Herrn wird der Priester Kraft und Mittel finden, um die Menschen wieder
Gott anzunähern, um ihren Glauben zu entfachen und um Einsatz und Mitarbeit
zu erreichen.
Pastorale Liebe
43.Zeichen der Liebe Christi
Die pastorale Liebe bildet das innere und dynamische Prinzip, das die vielfältigen
und verschiedenen pastoralen Tätigkeiten des Priesters einen kann.
Angesichts des soziokulturellen und religiösen Umfeldes, in dem er lebt,
ist sie ein unverzichtbares Werkzeug, um die Menschen zum Gnadenleben hinzuführen.
Durchdrungen von solcher Liebe muß der Dienst eine Manifestation der
Liebe Christi sein, deren Einstellungen und Haltungen der Priester erkennen
lassen wird, bis zur eigenen Ganzhingabe für die Herde, die ihm anvertraut
wurde.(127)
Die Nachahmung der Hirtenliebe Christi bis zur entsprechenden Gestaltung des
eigenen Lebens, ist ein Ziel, das vom Priester Bemühungen und fortwährende
Opfer verlangt, weil es nicht im Improvisieren besteht, noch ein Pausemachen
oder ein ein-für-allemal Erreichthaben kennt. Der Diener Christi wird sich
verpflichtet fühlen, diese Realität immer und überall zu leben
und zu bezeugen, auch wenn er aus Altersgründen keine konkreten pastoralen
Aufgaben mehr haben sollte.
44. Funktionalismus
Die pastorale Liebe läuft vor allem heute Gefahr, durch den sogenannten
»Funktionalismus« ihres Sinnes entleert zu werden. Tatsächlich
nimmt man nicht selten, auch seitens einiger Priester, den Einfluß einer
Mentalität wahr, die irrigerweise dazu neigt, das Amtspriestertum lediglich
auf die funktionalen Aspekte zu reduzieren. Den Priester »machen«,
einzelne Serviceleistungen anbieten und manche Dienste garantieren, wäre
demnach die ganze priesterliche Existenz. Eine derart reduzierte Konzeption von
Identität und Amt des Priesters, riskiert dessen Leben in Richtung einer
Leere zu drängen, die dann oft mit nicht zum eigenen Amt passenden
Lebensformen ausgefüllt wird.
Der Priester, der Diener Christi und seiner Braut zu sein weiß, wird
im Gebet, im Studium und in der geistlichen Lesung die nötige Kraft finden,
auch diese Gefahr zu überwinden.(128)
Wortverkündigung
45. Treue zum Wort
Christus hat den Aposteln und der Kirche den Auftrag zur Verkündigung
der Frohbotschaft an alle Menschen anvertraut. Die Weitergabe des Glaubens ist
Aufdecken, Verkünden und Vertiefen der christlichen Berufung; d.h. der Ruf
Gottes ergeht an jeden Menschen, dem das Heilsgeheimnis gezeigt wird und damit
gleichzeitig der Platz, den er unter Bezugnahme auf jenes Geheimnis als
Adoptivsohn im Sohn einnehmen soll.(129) Dieser doppelte Aspekt wird
zusammengefaßt im Glaubensbekenntnis hervorgehoben, das eine der
bevorzugten Ausdrucksweisen jenes Glaubens ist, mit dem die Kirche immer auf den
Ruf Gottes geantwortet hat.(130)
Nun stellen sich dem priesterlichen Dienst zwei Aufgaben, die gleichsam die
beiden Seiten derselben Medaille sind. Da gibt es zunächst den
missionarischen Charakter der Weitergabe des Glaubens. Der Dienst am Wort kann
nicht abstrakt und fern vom Leben der Leute sein; im Gegenteil, er muß auf
den Lebenssinn des Menschen, jedes Menschen, direkten Bezug nehmen und daher auf
die drängendsten Fragen eingehen, die sich dem menschlichen Gewissen
stellen.
Andererseits ist Authentizität erforderlich, sowie Konformität mit
dem Glauben der Kirche, welche die Wahrheit über Gott und über den
Menschen bewahrt. Dies muß mit äußerstem Verantwortungsbewußtsein
geschehen, geht es doch dabei um die wichtigsten Fragen nach dem Leben und nach
dem Sinn der Existenz des Menschen.
Für einen fruchtbaren Dienst am Wort wird der Priester in diesem
Kontext den Vorrang des gelebten Zeugnisses berücksichtigen, das die Macht
der Liebe Gottes entdecken läßt und sein Wort überzeugend macht.
Dies gilt ebenso für die verbale Predigt über das Geheimnis Christi an
die Gläubigen, an die Nicht-Glaubenden und an die Nicht-Christen; für
die Katechese, die eine geordnete und organische Darlegung der Lehre der Kirche
ist; für die Anwendung der geoffenbarten Wahrheit zur Lösung konkreter
Fälle.(131)
Das Bewußtsein der absoluten Notwendigkeit, treu und am Wort Gottes
sowie an der Tradition verankert zu »bleiben«, um wahrhaft Jünger
Christi zu sein und die Wahrheit zu erkennen (cf Joh. 8. 31-32), hat die
Geschichte der priesterlichen Spiritualität immer begleitet. Dies wurde
auch vom II. Vatikanischen Konzil feierlich bekräftigt.(132)
Besonders die zeitgenössische Gesellschaft, die vom theoretischen und
vom praktischen Materialismus, von Subjektivismus und von Problematizismus
gezeichnet ist, hat es notwendig, daß ihr das Evangelium als »die
Macht Gottes, die jene retten kann, die glauben« (cf Röm. 1,
16), angeboten wird. Die Priester, eingedenk dessen, daß »der Glaube
von der Predigt abhängig ist und die Predigt ihrerseits durch das Wort
Christi geschieht« (Röm. 10, 17), werden alle ihre Energien
aufbringen, um dieser Mission, die in ihrem Dienst vorrangig ist, zu
entsprechen. Sie sind ja nicht nur Zeugen, sondern auch Verkünder und Überlieferer
des Glaubens.(133)
Dieser Dienst - ausgeübt in hierarchischer Gemeinschaft - befähigt
sie, mit Autorität den katholischen Glauben darzulegen und den Glauben der
Kirche offiziell zu bezeugen. Denn »das Volk Gottes wird an erster
Stelle geeint durch das Wort des lebendigen Gottes, das man mit Recht vom
Priester verlangt«.(134)
Um authentisch zu sein, muß das Wort »ohne Doppelzüngigkeit
und ohne jede Verfälschung, aber als offenes Aufzeigen der Wahrheit vor
Gott« (2 Kor. 4, 2) überliefert werden. Der Priester wird es
mit gereifter Verantwortung vermeiden, die göttliche Botschaft zu
verkehren, zu reduzieren, zu verzerren oder zu verwässern. Seine Aufgabe
ist nämlich »nicht eine eigene Weisheit zu lehren, vielmehr das Wort
Gottes zu lehren und alle nachdrücklich zur Bekehrung und zur Heiligkeit
einzuladen«.(135)
Die Predigt kann sich also nicht darauf beschränken, eigene Gedanken
mitzuteilen, die persönliche Erfahrung hervorzukehren und simple Erklärungen
psychologischer,(136) soziologischer oder philanthropischer Art anzubieten;
genausowenig kann sie exzessiv in faszinierender Rethorik schwelgen, wie es in
Massenmedien oft geschieht. Es geht darum, ein Wort zu verkünden, worüber
nicht willkürlich verfügt werden kann, weil es der Kirche anvertraut
ist, damit es gehütet, erforscht und treu überliefert wird.(137)
46. Wort und Leben
Das Bewußtsein der eigenen Sendung als Verkünder des Evangeliums
wird immer mehr pastoral konkretisiert werden müssen, damit der Priester im
Licht des Wortes Gottes die verschiedenen Situationen und Umfelder, in denen er
seinen Dienst ausübt, entsprechend beleben kann.
Um wirkungsvoll und glaubhaft sein zu können, ist es daher wichtig, daß
der Priester - aus der Sicht seines Glaubens und seines Dienstes - mit
konstruktivem kritischem Sinn, die Ideologien, die Sprache, die kulturellen
Verflechtungen und die Typologien, die von den Massenmedien verbreitet werden
und die weithin Geisteshaltungen kondizionieren, zu durchschauen vermag.
Angeregt vom Apostel, der ausrief: »Weh mir, wenn ich das Evangelium
nicht verkündigte!« (1 Kor. 9, 16), wird er alle jene
Kommunikationsmittel, die ihm die Wissenschaft und die moderne Technik anbieten,
zu nützen wissen.
Sicherlich hängt nicht alles von solchen Mitteln oder von menschlichen
Fähigkeiten ab, da ja die göttliche Gnade ihren Zweck auch unabhängig
vom Werk der Menschen erreichen kann. Aber im Plan Gottes ist die Wortverkündigung
normalerweise der privilegierte Weg der Glaubensweitergabe und der
Evangelisierung.
Für die Vielen, die heute außerhalb oder fern der Christusverkündigung
sind, wird der Priester die angstvollen Fragen besonders dringlich und aktuell
empfinden: »Wie werden sie glauben können, ohne davon gehört zu
haben? Und wie werden sie davon hören können, ohne jemanden, der verkündigt?«
(Röm. 10, 14).
Um auf solche Fragen zu antworten, wird er sich persönlich bemüßigt
fühlen, durch das Studium einer gesunden, vor allem patristischen Exegese,
mit der Heiligen Schrift besonders vertraut umzugehen, auch durch Meditation
nach Methoden, die sich in der spirituellen Tradition der Kirche bewährt
haben, um sich solchermaßen ein von Liebe beseeltes Verständnis
anzueignen.(138) Deshalb hat der Priester die Pflicht, der lang- und
kurzfristigen Vorbereitung der liturgischen Homilie besondere Aufmerksamkeit zu
widmen, hinsichtlich der Inhalte, der Ausgewogenheit zwischen expositiven und
applikativen Teilen, der Pädagogik und der Vortragstechnik, bis hin zur
guten Diktion, die Rücksicht nimmt auf die Würde der Sache und der
Adressaten.(139)
47. Wort und Katechese
Die Katechese ist ein bedeutsamer Teil jener Sendung zur Evangelisierung und
ein privilegiertes Werkzeug der Lehre und der Reifung des Glaubens.(140) Der
Priester trägt als Mitarbeiter und Beauftragter des Bischofs die
Verantwortung dafür, die katechetischen Aktivitäten der ihm
anvertrauten Gemeinde anzuregen, zu koordinieren und zu leiten. Es ist wichtig,
daß er es versteht, solche Aktivitäten in ein organisches Projekt der
Evangelisation zu integrieren und dabei vor allem die Einmütigkeit der
Katechese der eigenen Gemeinde mit der Person des Bischofs, mit der Ortskirche
und mit der Gesamtkirche zu garantieren.(141)
Insbesonders wird er darauf bedacht sein, eine rechte und angemessene
Verantwortung und Mitarbeit hinsichtlich der Katechese zu erreichen, sei es bei
Mitgliedern von Ordensinstituten und von Gemeinschaften apostolischen Lebens,
sei es bei entsprechend vorbereiteten gläubigen Laien,(142) denen er
Anerkennung und Achtung für die katechetische Aufgabe entgegenbringt.
Spezielles Bemühen wird er für die Grundausbildung und für
die Weiterbildung der Katecheten aufbringen, sowie für Vereinigungen und für
Bewegungen. Im Rahmen des Möglichen müßte der Priester der »Katechet
der Katecheten« sein, der mit ihnen eine wahre Gemeinschaft der Jünger
des Herrn bildet, die als Bezugspunkt für die Katechese-Teilnehmer dient.
Als Lehrer(143) und Erzieher(144) des Glaubens wird der Priester
sicherstellen, daß die Katechese überhaupt einen privilegierten Teil
der christlichen Erziehung in der Familie, im Religionsunterricht, im
Ausbildungswesen der apostolischen Bewegungen, usw. darstellt und daß sie
alle Kategorien von Gläubigen erreicht: Kinder, Jugendliche, Erwachsene,
Senioren. Darüberhinaus wird er es verstehen, katechetische Lehrinhalte
weiterzugeben, indem er sämtliche Hilfen benützt wie etwa didaktische
Hilfsmittel und Kommunikationsmittel, die wirkungsvoll sein können, damit
die Gläubigen entsprechend ihrem Verstehenshorizont, ihren Fähigkeiten,
ihrem Lebensalter und ihren praktischen Lebensverhältnissen, in die Lage
versetzt werden, die christliche Lehre umfassender zu erfahren und sie auf
geeignete Weise in die Praxis umzusetzen.(145)
Zu diesem Zweck wird der Priester als hauptsächlichen Bezugspunkt den
Katechismus der Katholischen Kirche nicht missen wollen. Dieser Text stellt nämlich
die sichere und authentische Norm der kirchlichen Lehre dar.(146)
Das Sakrament der Eucharistie
48. Das eucharistische Geheimnis
Wenn der Dienst am Wort das Grundelement des priesterlichen Amtes ist, so
bildet dessen Herz und vitales Zentrum ohne Zweifel die Eucharistie, die vor
allem die reale Präsenz des einzigen und ewigen Opfers Christi in der Zeit
ist.(147)
Als sakramentales Gedenken des Todes und der Auferstehung Christi, als reale
und wirksame Vergegenwärtigung des einzigen Erlösungsopfers, als
Quelle und Gipfelpunkt des christlichen Lebens und aller Evangelisierung,(148)
ist die Eucharistie der Anfang, die Mitte und das Ziel des priesterlichen
Dienstes, denn »alle kirchlichen Dienste und Apostolatswerke sind eng an
die Eucharistie gebunden und auf sie hingeordnet«.(149) Geweiht, um das
heilige Opfer weiterhin darzubringen, manifestiert der Priester dabei auf augenfällige
Weise seine Identität.
Es gibt nämlich einen innigen Zusammenhang zwischen der Zentralität
der Eucharistie, der pastoralen Liebe und der Einheit des Lebens des
Priesters,(150) welcher durch sie entscheidende Weisungen für den Weg der
Heiligkeit erhält, die zu erlangen er auf besondere Weise berufen ist.
Wenn der Priester durch den eigenen Dienst, Christus, dem ewigen
Hohenpriester, Intelligenz, Willen, Stimme und Hände anbietet, damit er dem
Vater das sakramentale Opfer der Erlösung darbringen kann, soll er sich die
innere Einstellung des Meisters zu eigen machen und wie Er als »Geschenk«
für seine eigenen Brüder leben müssen. Deshalb muß er
lernen sich mit der Opfergabe innig zu vereinen, indem er auf dem Opferaltar
sein ganzes Leben als sichtbares Zeichen der freien und zuvorkommenden Liebe
Gottes darbringt.
49. Feier der Hl. Eucharistie
Es ist notwendig, an den unersetzlichen Wert zu erinnern, den die tägliche
Zelebration der hl. Messe(151) für den Priester hat, auch wenn dafür
keine Gläubigen zusammenkommen sollten. Er wird sie als den zentralen
Moment des ganzen Tages und des täglichen Dienstes erleben, als Frucht
ehrlicher Sehnsucht und als Gelegenheit zur tiefen und wirksamen Begegnung mit
Christus. Und er wird sehr darauf achten, sie mit Andacht und inniger
Anteilnahme des Geistes und des Herzens zu feiern.
In einer Zivilisation, die immer mehr sensibel ist für die
Kommunikation durch Zeichen und Bilder, wird der Priester all dem sein Augenmerk
schenken, was Schmuck und Sakralität der eucharistischen Zelebration erhöhen
kann. Es ist wichtig, bei der Eucharistiefeier die Eignung und Sauberkeit des
Ortes in rechter Weise zu berücksichtigen, die Architektur des Altares und
des Tabernakels,(152) die Erhabenheit der Gefäße, der Paramente,(153)
des Gesangs,(154) der Musik,(155) das heilige Schweigen(156) usw. All dies sind
Elemente, die zu einer besseren Teilnahme am eucharistischen Opfer beitragen können.
Zuwenig Aufmerksamkeit nämlich für die symbolischen Aspekte der
Liturgie, weiters Auslassungen und Eile, Oberflächlichkeit und Unordnung,
entleeren die Zeichenhaftigkeit und schwächen das Glaubenswachstum.(157)
Wer schlecht zelebriert, zeigt damit die Schwachheit seines Glaubens und erzieht
andere nicht zum Glauben. Gut zelebrieren dagegen bildet eine erste wichtige
Katechese über das heilige Opfer.
Dann muß sich der Priester, auch wenn er alle seine Fähigkeiten
in den Dienst der Eucharistiefeier stellt, um sie in der Mitfeier aller Gläubigen
lebendig zu gestalten, an den festgelegten Ritus halten, gemäß den
von den zuständigen Autoritäten approbierten liturgischen Büchern,
ohne Hinzufügungen, ohne Weglassungen und ohne irgenwelchen Veränderungen.(158)
Alle Ordinarien, Ordensoberen und Moderatoren der Gemeinschaften
apostolischen Lebens haben die ernste Pflicht, mit gutem Beispiel voranzugehen
und außerdem darüber zu wachen, daß die liturgischen Normen bezüglich
der Eucharistiefeier überall treu befolgt werden.
Zelebrierende und auch konzelebrierende Priester haben die von den Rubriken
vorgeschriebenen heiligen Gewänder anzulegen.(159)
50. Eucharistische Anbetung
Die zentrale Stellung der Eucharistie soll nicht nur durch die würdige
Feier des Opfers erkennbar sein, sondern auch durch häufige Anbetung des
Sakraments in solcher Form, daß der Priester damit der Gemeinde auch
Vorbild ist, was fromme Aufmerksamkeit und eifrige Meditation - wo immer es möglich
ist - vor dem im Tabernakel gegenwärtigen Herrn betrifft. Es ist zu wünschen,
daß mit Gemeindeleitung beauftragte Priester der gemeinschaftlichen
Anbetung breiten Raum geben und dafür sorgen, daß das allerheiligste
Sakrament des Altares auch außerhalb der Meßfeier mehr als jeder
andere Ritus und Gestus beachtet und in Ehren gehalten wird. »Der Glaube
und die Liebe zur Eucharistie können nicht gestatten, daß der im
Tabernakel gegenwärtige Christus allein bleibt«.(160)
Eine privilegierte Zeit der eucharistischen Anbetung kann die Feier des
Stundengebetes sein, die während des Tages die echte Fortsetzung des Lob-
und Dankopfers darstellt, das in der hl. Messe sein Zentrum und seinen
sakramentalen Ursprung hat. In der Feier des Stundengebetes ist der mit Christus
vereinte Priester die Stimme der Kirche für die ganze Welt. Die Feier wird,
wenn möglich auch gemeinschaftlich, in geeigneter Form so erfolgen, daß
sie »Interpret und Übertragungsmittel der universalen Stimme ist, die
die Herrlichkeit Gottes besingt und das Heil des Menschen erfleht«.(161)
Beispielhafte Feierlichkeit soll bei solchen Zelebrationen von den Kapiteln
der Kanoniker beachtet werden.
Man muß allerdings immer vermeiden, sowohl in der gemeinschaftlichen
als auch in der individuellen Feier, sie auf eine bloße Pflicht zu
reduzieren, die mechanisch wie eine einfache und hastige Lesung abläuft,
ohne die nötige Aufmerksamkeit für den Sinn des Textes.
Das Sakrament der Busse
51. Diener der Versöhnung
Die Gabe des Auferstandenen an die Apostel ist der Heilige Geist zur
Vergebung der Sünden: »Empfangt den Heiligen Geist; wem ihr die Sünden
vergebt, dem sind sie vergeben und wem ihr sie nicht vergebt, dem sind sie nicht
vergeben« (Joh. 20, 21-23). Christus hat das Werk der Versöhnung
des Menschen mit Gott exklusiv seinen Aposteln und ihren Nachfolgern anvertraut.
Priester sind daher nach dem Willen Christi die einzigen Ausspender des
Sakramentes der Versöhnung.(162) Sie sind wie Christus gesandt, Sünder
zur Bekehrung aufzurufen und durch barmherziges Urteil zum Vater zurückzubringen.
Die sakramentale Versöhnung stellt die Freundschaft mit Gott Vater
wieder her und mit allen seinen Kindern in seiner Familie, welche die Kirche
ist, die damit verjüngt und in allen ihren Dimensionen auferbaut wird:
universal, diözesan, pfarrlich.(163)
Trotz der traurigen Feststellung, daß in den Kulturen unserer Zeit der
Sinn für die Sünde weithin abhanden gekommen ist, muß der
Priester mit Freude und Hingabe den Dienst der Gewissensbildung, der Vergebung
und des Friedens ausüben.
Deshalb soll er sich gewissermaßen mit dem Sakrament zu identfizieren
wissen und sich in Annahme der Haltung Christi wie ein guter Samariter über
die verwundete Menschheit beugend, das christlich Neue an der heilsamen
Dimension der Buße erkennbar machen, die auf Heilung und Vergebung
hinzielt.(164)
52. Hingabe für den Dienst der Versöhnung
Der Priester muß aufgrund seines Amtes(165) und aufgrund seiner
sakramentalen Weihe zum Beichthören Zeit und Energie aufwenden. Wie die
Erfahrung zeigt, kommen die Gläubigen gerne zum Sakramentenempfang, wo sie
wissen, daß dafür Priester zur Verfügung stehen. Dies gilt überall,
aber vor allem für die meistbesuchten Kirchen und für die
Wallfahrtskirchen, wo eine brüderliche und verantwortungsvolle
Zusammenarbeit mit Ordensangehörigen und älteren Priestern möglich
ist.
Jeder Priester wird sich an die kirchlichen Normen halten, die den Wert der
individuellen Beichte verteidigen und fördern und auch das persönliche
umfassende Sündenbekenntnis im direkten Gespräch mit dem Beichthörenden.(166)
Die Vornahme gemeinschaftlicher Beichte und Absolution ist unter bestimmten
Bedingungen nur solchen außerordentlichen Fällen vorbehalten, die in
den geltenden Richtlinien genannt sind.(167) Der Beichthörende soll das
Gewissen des Pönitenten mit womöglich wenigen, jedoch der konkreten
Situation angepaßten Worten erhellen, um derart eine persönliche
Neuorientieung in Richtung der Bekehrung zu födern und tiefgründig auf
seinen spirituellen Weg einzugehen, auch durch Auferlegung einer angemessenen
Genugtuung.(168)
Jedenfalls wird es der Priester verstehen, die Feier der Versöhnung auf
der sakramentalen Ebene zu halten und der Gefahr zu begegnen, sie auf eine bloß
psychologische oder einfach formalistische Tätigkeit zu reduzieren.
Dies wird sich unter anderem auch durch treue Einhaltung der geltenden
Disziplin hinsichtlich Ort und Beichtstuhl zeigen.(169)
53. Beichten als Notwendigkeit
Wie jeder gute Gläubige hat es auch der Priester nötig, die
eigenen Sünden und Schwächen zu beichten. Er weiß als erster, daß
ihn die Praxis dieses Sakraments im Glauben sowie in der Gottes- und Nächstenliebe
stärkt.
Damit unter besten Bedingungen und wirksam die Schönheit der Buße
gezeigt werden kann, ist es wesentlich, daß der Diener des Sakramentes ein
persönliches Zeugnis bietet und den anderen Gläubigen in der Erfahrung
von Vergebung vorangeht. Dies ist auch die erste Bedingung für eine
pastorale Wiederaufwertung des Sakraments der Versöhnung. In diesem Sinn
ist es gut, wenn die Gläubigen wissen und sehen, daß auch ihre
Priester regelmäßig beichten gehen:(170) »Die ganze
priesterliche Existenz würde unweigerlich schweren Schaden nehmen, wenn man
es aus Nachlässigkeit oder anderen Gründen unterließe, regelmäßig
und mit echtem Glauben und tiefer Frömmigkeit das Bußsakrament zu
empfangen. Wenn ein Priester nicht mehr zur Beichte geht oder nicht gut
beichtet, so schlägt sich das sehr schnell in seinem priesterlichen Leben
und Wirken nieder, und auch die Gemeinde, deren Hirte er ist, wird dessen bald
gewahr«.(171)
54. Seelenführung für sich und für andere
Parallel zum Sakrament der Versöhnung wird es der Priester auch am
Dienst der Seelenführung nicht fehlen lassen. Die Wiederentdeckung und
Verbreitung dieser Praxis, auch zu anderen als zu den für die Beichte
vorgesehenen Zeiten, ist eine große Wohltat für die Kirche in der
gegenwärtigen Zeit.(172) Die großzügige und aktive Einstellung
der Priester, die sie praktizieren, ist auch eine wichtige Gelegenheit,
Berufungen zum Priester- und Ordensleben auszumachen und zu unterstützen.
Um zur Verbesserung ihrer Spiritualität beizutragen, ist es notwendig,
daß die Priester selbst die Seelenführung praktizieren. Indem sie die
Formung ihrer Seele in die Hände eines weisen Mitbruders legen, werden sie
schon von den ersten Schritten im Dienst an ein Bewußtsein entwickeln für
die Wichtigkeit, nicht allein die Wege des geistlichen Lebens und des pastoralen
Einsatzes zu gehen. Beim Gebrauch dieses in der Kirche sosehr erprobten und
wirksamen Mittels der geistlichen Formung, werden die Priester volle Freiheit in
der Wahl jener Person haben, die sie führen soll.
Gemeindeleiter
55. Priester für die Gemeinde
Der Priester ist aufgefordert, sich mit den typischen Anforderungen eines
weiteren Aspektes seines Amtes auseinanderzusetzen, neben den bereits
behandelten. Es handelt sich um die Sorge für das Leben der ihm
anvertrauten Gemeinde, die sich vor allem im Zeugnis der Liebe ausdrückt.
Als Hirte der Gemeinde existiert und lebt der Priester für sie; für
sie betet, studiert, arbeitet er und für sie opfert er sich. Für sie
ist er bereit, sein Leben hinzugeben, indem er sie liebt wie Christus und ihr
all seine Liebe und Hochachtung entgegenbringt,(173) indem er sich mit allen Kräften
und ohne Zeitgrenzen zu setzen für sie verschwendet, um sie gemäß
dem Bild der Kirche als Braut Christi zum Wohlgefallen des Vaters immer schöner
und der Liebe des Heiligen Geistes würdig erscheinen zu lassen.
Diese bräutliche Dimension des Priesterlebens als Hirte wird bewirken,
daß er seine Gemeinde leiten wird, indem er hingebungsvoll allen und jedem
ihrer Mitglieder dient, ihnen ihr Bewußtsein mit dem Licht der
geoffenbarten Wahrheit erhellt, mit Vollmacht Sorge trägt für die
evangelische Authentizität des christlichen Lebens, Irrtümer
korrigiert, verzeiht, Wunden heilt, die Betrübten tröstet und die Brüderlichkeit
fördert.(174)
Dieses Gesamt heikler und komplexer Anliegen garantiert ein immer mehr
transparentes und wirksames Zeugnis der Liebe. Darüberhinaus wird es auch
die tiefe Gemeinschaft sichtbar machen, die zwischen dem Priester und seiner
Gemeinde entsteht, gleichsam als Fortsetzung und Aktualisierung der Gemeinschaft
mit Gott, mit Christus und mit der Kirche.(175)
56. »Sentire cum ecclesia«
Um ein guter »Leiter« seines Volkes zu sein, wird der Priester
darauf achten, die Zeichen der Zeit zu erkennen: jene mehr weitreichenden und
tiefgründigen, welche die Gesamtkirche und ihren Weg in der
Menschheitsgeschichte betreffen, sowie jene eher naheliegenden, welche die
konkrete Situation der einzelnen Gemeinde betreffen.
Diese Unterscheidung erfordert die ständige und korrekte Offenheit beim
Studium theologischer und pastoraler Probleme, sowie die Durchführung einer
gewissenhaften Reflexion der sozialen, kulturellen und wissenschaftlichen Daten,
die unsere Zeit kennzeichnen.
Diese Anforderung werden die Priester in der Ausübung ihres Amtes in
eine konstante und ehrliche Haltung des »sentire cum ecclesia«
einzubringen wissen, sodaß sie stets in verbindlicher Gemeinschaft mit dem
Papst arbeiten werden, mit den Bischöfen, mit den anderen Mitbrüdern
im Priestertum, mit den Ordensleuten und mit den Laien.
Sie werden bei der Ausübung ihrer Tätigkeit überdies nicht
versäumen, um die Mitarbeit von Ordensleuten und gläubigen Laien zu
ersuchen, unter Berücksichtigung der legitimen Formen und der jeweiligen Fähigkeiten
jeder einzelnen Person.
Der Priesterliche Zölibat
57. Fester Wille der Kirche
Überzeugt von tiefen theologischen und pastoralen Gründen, welche
die Beziehung zwischen Priestertum und Zölibat unterstützen, und
erleuchtet vom Zeugnis, das auch heute trotz schmerzlicher negativer Fälle
den spirituellen und evangelischen Wert in so vielen priesterlichen Existenzen
bestätigt, hat die Kirche beim II. Vatikanischen Konzil und wiederholt bei
späteren päpstlichen Lehraussagen den »festen Willen bekräftigt,
das Gesetz beizubehalten, das von den Priesterkandidaten im lateinischen Ritus
den frei gewählten und dauernden Zölibat verlangt«.(176)
Der Zölibat ist nämlich eine Gabe, welche die Kirche erhalten hat
und bewahren will, davon überzeugt, daß er für sie selbst und für
die Welt ein hohes Gut ist.
58. Theologisch-spirituelle Begründung des Zölibats
Wie jeder evangelische Wert muß der Zölibat als das befreiend
Neue gelebt werden, als besonderes Zeugnis der Radikalität in der Nachfolge
Christi und als Zeichen eschatologischer Realität. »Nicht alle können
es verstehen, sondern nur jene, denen es zugestanden wurde. Es gibt nämlich
Eunuchen, die schon als solche von ihrer Mutter geboren wurden; manche wurden
von Menschen zu Eunuchen gemacht und es gibt noch andere, die sich um des
Himmelreiches willen zu Eunuchen gemacht haben. Wer es fassen kann, der fasse es«
(Mt. 19, 10-12).(177)
Um mit Liebe und Großmut die erhaltene Gabe zu leben, ist es besonders
wichtig, daß der Priester schon von der Seminarausbildung an die
theologische und spirituelle Begründung der kirchlichen Disziplin des Zölibats
versteht(178) Dieser verlangt als Gabe Gottes und als besonderes Charisma die
Einhaltung der Keuschheit, also der vollkommenen und dauernden Enthaltsamkeit um
des Himmelreiches willen, damit die geweihten Diener Christus mit ungeteiltem
Herzen leichter anhangen und sich freier dem Dienst für Gott und für
die Menschen widmen können(179) Bevor noch jemand seinen Willen bekundet,
dazu bereit zu sein, manifestiert die kirchliche Disziplin den Willen der
Kirche, der seinen tiefsten Grund im engen Band zwischen Zölibat und
heiliger Weihe findet, die den Priester mit Jesus Christus, dem Haupt und Bräutigam
der Kirche, konfiguriert.(180)
Der Brief an die Epheser (cf 5, 25-27) stellt die priesterliche Gabe Christi
(cf. 5, 25) in einen engen Zusammenhang mit der Heiligung der Kirche (cf 5, 26),
welche mit bräutlicher Liebe geliebt wird. Sakramental eingefügt in
dieses Priestertum der exklusiven Liebe Christi zur Kirche, seiner treuen Braut,
bringt der Priester mit seinem zölibatären Einsatz solche Liebe zum
Ausdruck, die auch fruchtbare Quelle pastoraler Wirksamkeit wird.
Der Zölibat ist also weder ein Einfluß, der von außen auf
den priesterlichen Dienst einwirkt, noch kann er einfach als eine vom Gesetz
auferlegte Institution betrachtet werden. Denn wer das Weihesakrament empfängt,
hat es voll bewußt und frei angestrebt,(181) nach mehrjähriger
Vorbereitung, gründlicher Reflexion und eifrigem Gebet. Zur festen Überzeugung
gelangt, daß ihm Christus diese Gabe gibt für das Wohl der Kirche und
für den Dienst an den anderen, übernimmt der Priester den Zölibat
für das ganze Leben und bekräftigt diesen seinen Willen gemäß
dem schon während der Diakonatsweihe gegebenen Versprechen.(182)
Aus diesen Gründen bestätigt das kirchliche Gesetz einerseits das
Charisma des Zölibats und zeigt auf, wie innig es mit dem heiligen Dienst
verbunden ist in jener doppelten Dimension der Beziehung zwischen Christus und
der Kirche, andererseits schützt sie die Freiheit dessen, der ihn übernimmt.(183)
Der demnach unter einem neuen und hehren Titel(184) Christus geweihte Priester
muß sich voll bewußt sein, daß er eine rechtsverbindlich genau
festgelegte Gabe erhalten hat, aus der sich eine moralische Verpflichtung zur
Einhaltung ergibt. Diese freiwillig übernommene rechtsverbindliche
Verpflichtung hat theologischen Charakter. Sie ist Zeichen jener bräutlichen
Wirklichkeit, die in der sakramentalen Weihe zum Tragen kommt. Der Priester übernimmt
auch jene geistliche und doch reale Vaterschaft, die eine universale Dimension
hat und dann besonders gegenüber der ihm anvertrauten Gemeinde
konkretisiert wird.(185)
59. Das Beispiel Jesu
Der Zölibat ist also Sich-selbst-Hingeben »in« und »mit«
Christus an seine Kirche und Ausdruck des Priesterdienstes an der Kirche »in«
und »mit« dem Herrn.(186)
Man würde in einer permanenten Unreife bleiben, wenn man den Zölibat
leben wollte als »einen Tribut, der dem Herrn zu entrichten ist«, um
zu den heiligen Weihen zugelassen zu werden und nicht vielmehr als »Gabe,
die man von seiner Barmherzigkeit empfängt«,(187) als freie Wahl und
dankbare Annahme einer besonderen Berufung der Liebe zu Gott und zu den
Menschen.
Das Vorbild ist der Herr selbst, indem er, entgegen der zu seiner Zeit
dominierenden Kultur, sich freiwillig entschieden hat, zölibatär zu
leben. In seiner Nachfolge verließen die Jünger »alles«, um
die ihnen anvertraute Mission auszuführen (Lk. 18, 28-30).
Aus diesem Grund wollte die Kirche seit den Zeiten der Aposteln die Gabe der
dauernden Enthaltsamkeit der Kleriker bewahren und sie ist dazu übergegangen,
die Kandidaten für heilige Weihen unter den Zölibatären auszuwählen
(cf 2 Thess. 2, 15; 1 Kor. 7, 5; 9, 5; 1 Tim. 3, 2. 12;
5, 9; Tit. 1, 6. 8).(188)
60. Schwierigkeiten und Einwände
Im aktuellen kulturellen Klima, häufig konditioniert von einer Sicht
des Menschen ohne Werte und vor allem unfähig, der menschlichen Sexualität
einen vollen, positiven und befreienden Sinn zu geben, stellt man immer wieder
die Frage nach dem Wert und der Bedeutung des priesterlichen Zölibats oder
manchmal danach, wie sehr die Angemessenheit seiner engen Verbindung und seines
tiefen Einklangs mit dem Amtspriestertum zu bejahen ist.
Schwierigkeiten und Einwände haben im Lauf der Jahrhunderte immer die
Entscheidung der lateinischen und mancher orientalischen Kirche begleitet, das
Amtspriestertum nur solchen Männern zu übertragen, die von Gott die
Gabe der Keuschheit im Zölibat erhalten haben. Die Disziplin der anderen
orientalischen Kirchen, die verheiratete Priester zulassen, steht in keinem
Widerspruch zur lateinischen Kirche. Immerhin verlangen dieselben orientalischen
Kirchen nämlich den Zölibat der Bischöfe. Außerdem
gestatten sie nicht die Heirat von Priestern und sie erlauben nicht die
Wiederverheiratung von Witwern. Es handelt sich immer und nur um die Weihe
bereits verheirateter Männer.
Die Schwierigkeiten, die manche auch heute vorbringen,(189) werden oft mit
einem Vorwand als Argument begründet, wie zum Beispiel der Vorwurf eines
fleischlosen Spiritualismus oder daß Enthaltsamkeit Mißtrauen und
Verachtung der Sexualität mit sich brächten oder man geht von der
Betrachtung von schwierigen und schmerzlichen Fällen aus oder man
generalisiert Einzelfälle. Man vergißt allerdings das Zeugnis, das
von der überwiegenden Mehrheit der Priester angeboten wird, die den eigenen
Zölibat mit innerer Freiheit leben, mit reichhaltiger evangelischer
Motivation, mit spiritueller Fruchtbarkeit, in einem Horizont überzeugter
Treue und voll Freude über die eigene Berufung und Sendung.
Um dieser Gabe ein Klima froher Ausgeglichenheit und spirituellen
Fortschritts zu sichern und zu bewahren, müssen alle jene Maßnahmen
ergriffen werden, die den Priester von möglichen Gefahren fernhalten.(190)
Es ist daher notwendig, daß sich Priester mit entsprechender Klugheit
im Umgang mit Personen verhalten, mit denen vertraut zu sein die Treue zur Gabe
gefährden oder die Gläubigen skandalisieren könnte.(191) In
Einzelfällen muß man sich dem Urteil des Bischofs unterwerfen, der
verpflichtet ist, in der Materie genaue Normen zu erlassen.(192)
Überdies sollen die Priester jene asketischen Regeln befolgen, die von
der Erfahrung der Kirche garantiert sind und die von den heutigen Umständen
erst recht eingefordert werden. Daher sollen sie klugerweise vermeiden, gewisse
Orte zu frequentieren und Spektakeln beizuwohnen oder sich schlechter Lektüre
zu widmen, was immer die Einhaltung der zölibatären Keuschheit gefährden
könnte.(193) Beim Gebrauch von sozialen Kommunikationsmitteln, als
Mitarbeiter oder als Nutznießer derselben, sollen sie die nötige
Diskretion wahren und alles vermeiden, was der Berufung schaden könnte.
Um die empfangene Gabe mit Liebe zu bewahren, müssen sie in der
Gemeinschaft mit Christus und mit der Kirche und in der Verehrung der seligen
Jungfrau Maria, ebenso wie in der Betrachtung der Beispiele heiliger Priester
aller Zeiten, die nötige Kraft zur Überwindung der Schwierigkeiten
finden, die ihnen in einem Klima ausgeprägter sexueller Permissivität
auf ihrem Weg begegnen und außerdem mit jener Reife agieren, die sie vor
der Welt glaubwürdig macht.(194)
Der Gehorsam
61. Fundament des Gehorsams
Der Gehorsam ist ein priesterlicher Wert von vorrangiger Wichtigkeit. Das
Kreuzesopfer Jesu erwarb selbst Wert und Heilsbedeutung aufgrund seines
Gehorsams und seiner Treue zum Willen des Vaters. Er war »gehorsam bis zum
Tod, bis zum Tod am Kreuz« (Phil. 2, 8). Der Hebräerbrief
unterstreicht auch, daß Jesus »durch sein Leiden Gehorsam gelernt hat«
(Hebr. 5, 8). Man kann also sagen, daß der Gehorsam gegenüber
dem Vater im Herzen des Priestertums Christi selbst ist.
Wie für Christus ist auch für den Priester der Gehorsam Ausdruck
vom Willen Gottes, der sich dem Priester durch die legitimen Superioren
manifestiert. Solche Bereitschaft muß als wahre Verwirklichung der persönlichen
Freiheit verstanden werden und als Konsequenz einer im Gebet vor dem Angesicht
Gottes konstant gereiften Entscheidung. Die Tugend des Gehorsams ist in sich im
Sakrament und in der hierarchischen Struktur der Kirche verlangt und sie ist vom
Kleriker klar versprochen, zunächst bei der Diakonatsweihe und dann bei der
Priesterweihe. Damit verstärkt der Priester seinen Willen zur Unterordnung
und so begibt er sich in die Dynamik des Gehorsams Christi, der sich zum Knecht
gemacht hat, gehorsam bis zum Tod am Kreuz (cf Phil. 2, 7-8).(195)
In der zeitgenössischen Kultur werden die Werte der Subjektivität
und der Autonomie der einzelnen Person als Innerstes ihrer Würde
unterstrichen. Diese an sich positiven Werte nehmen, wenn sie verabsolutiert und
außerhalb des rechtmäßigen Kontextes eingefordert werden, eine
negative Bedeutung an.(196) Dies kann sich auch im kirchlichen Bereich und im
Leben des Priesters selbst zeigen, so daß es in diesem Falle dazu kommt,
daß die Aktivitäten, die er zum Wohl der Gemeinde entwickelt, zu
einer rein subjektiven Angelegenheit reduziert werden.
In Wirklichkeit befindet sich der Priester aufgrund der eigentlichen Natur
seines Amtes im Dienst Christi und der Kirche. Er wird sich also bereitwillig
zeigen, anzunehmen, was ihm rechtmäßig von den Vorgesetzten
aufgetragen ist und insbesondere, wenn er nicht legitimerweise gehindert ist, muß
er die ihm von seinem Ordinarius anvertraute Aufgabe akzeptieren und treu erfüllen.(197)
62. Hierarchischer Gehorsam
Dem Priester obliegt dem Papst und dem eigenen Ordinarius gegenüber »die
besondere Pflicht der Ehrfurcht und des Gehorsams«.(198) Aufgrund der Zugehörigkeit
zu einem bestimmten Presbyterium ist der Priester sodann dem Dienst in einer
Teilkirche zugeordnet. Das Prinzip und Fundament ihrer Einheit ist
derBischof,(199) der dazu über alle für die Ausübung seines
pastoralen Amtes nötige, ordentliche, eigenberechtigte und unmittelbare
Gewalt verfügt.(200) Die vom Weihesakrament geforderte hierarchische
Unterordnung findet ihre ekklesiologisch-strukturelle Verwirklichung in Bezug
auf den eigenen Bischof und auf den Papst, der den Primat (principatus) der
ordentlichen Gewalt über alle Teilkirchen innehat.(201)
Die Verpflichtung, dem Magisterium in Glaubens- und Sittenlehre anzuhangen,
ist an alle Funktionen, die der Priester in der Kirche auszuüben hat,
zuinnerst gebunden. Dissens in dieser Hinsicht ist als schwerwiegend anzusehen,
weil er unter den Gläubigen Skandal und Verwirrung hervorruft. Niemand ist
sich mehr als der Priester der Tatsache bewußt, daß die Kirche
Normen braucht: daß nämlich ihre hierarchische und organische
Struktur sichtbar ist, muß die Ausübung der ihr göttlich
anvertrauten Funktionen, besonders jene der Leitung und der Sakramentenspendung,
entsprechend organisiert sein.(202)
Als Diener Christi und seiner Kirche macht sich der Priester großmütig
die Aufgabe zu eigen, treu alle und die einzelnen Normen zu erfüllen, indem
er jene Formen einer nach subiektiven Kriterien bloß teilweisen Einhaltung
vermeidet, die Spaltungen schaffen und mit beträchtlichem pastoralem
Schaden Rückwirkungen auf die Gläubigen und auf die öffentliche
Meinung haben. In der Tat »verlangen die kanonischen Gesetze naturgemäß
deren Einhaltung« und sie erfordern, daß »was vom Haupt befohlen
wird, von den Gliedern ausgeführt werde«.(203)
Indem der Priester der eingesetzten Autorität gehorcht, begünstigt
er unter anderem die gegenseitige Liebe innerhalb des Presbyteriums und jene
Einheit, die ihr Fundament in der Wahrheit hat.
63. Autorität mit Liebe ausüben
Damit die Beobachtung des Gehorsams verwirklicht und der kirchlichen
Gemeinschaft von Nutzen sein kann, müssen jene, die als Autorität
eingesetzt sind (alle Ordinarien, die Superioren der Orden, die Moderatoren der
Gemeinschaften apostolischen Lebens), neben der nötigen und konstanten persönlichen
Beispielgebung, mit Liebe das eigene institutionelle Charisma ausüben,
indem sie in entsprechender Art und zur rechten Zeit, das Anhangen an jede
Disposition im Bereich des Magisteriums und der Disziplin vorsehen und
verlangen.(204)
Solches Anhangen ist Quelle der Freiheit, insofern es die reife Spontaneität
des Priesters nicht hindert, sondern stimuliert. Er wird es verstehen, eine
frohe und ausgeglichene pastorale Haltung an den Tag zu legen, indem er die
Harmonie herbeiführt, in der die persönliche Eigentümlichkeit mit
einer Einheit, die auf höherer Ebene liegt, verschmilzt.
64. Beachtung der liturgischen Normen
Unter den verschiedenen Aspekten des Problems, die heute häufig
aufgezeigt werden, verdient jener hervorgehoben zu werden, der die überzeugte
Respektierung liturgischer Normen betrifft.
Die Liturgie ist Ausübung des Priestertums Christi,(205) »der
Gipfel, auf den das Tun der Kirche hinstrebt und gleichfalls die Quelle, aus der
alle ihre Tugenden hervorfließen«.(206) Sie bildet einen Bereich, wo
sich der Priester in besonderer Weise bewußt sein muß, daß er
Amtsträger ist und daß er der Kirche treu gehorchen muß. »Das
Recht, die heilige Liturgie zu ordnen, steht einzig der Autorität der
Kirche zu. Diese Autorität liegt beim Apostolischen Stuhl und nach Maßgabe
des Rechtes beim Bischof«.(207) Deshalb wird der Priester nach eigenem Gutdünken
in dieser Materie nichts hinzufügen, wegnehmen oder ändern.(208)
Dies gilt in besonderer Weise für die Feier der Sakramente, die
herausragende Akte Christi und der Kirche sind und die der Priester in der
Person Christi und im Namen der Kirche zum Wohl der Gläubigen
ausspendet.(209) Diese haben ein wahres Recht darauf, an liturgischen Feiern so
teilzunehmen, wie sie die Kirche will, und nicht nach dem persönlichen
Geschmack des einzelnen Amtsträgers, nach partikularistischen Ritualen, die
nicht approbiert sind, oder nach den Ausdrucksweisen einzelner Gruppen, die dazu
neigen, sich der Universalität des Volkes Gottes zu verschließen.
65. Einheit bei Pastoralplänen
Es ist notwendig, daß die Priester in der Ausübung ihres Dienstes
nicht nur an der Erstellung von Pastoralplänen, die der Bischof in
Zusammenarbeit mit dem Priesterrat(210) vorlegt, verantwortungsbewußt
mitarbeiten, sondern auch, daß sie deren praktische Verwirklichung in
ihren eigenen Gemeinden danach ausrichten.
Die der Reife des Priesters entsprechende weise schöpferische Kraft und
der Sinn für Initiative werden so nicht abgetötet, sondern im
Gegenteil zum Vorteil der pastoralen Fruchtbarkeit entsprechend gewürdigt.
Getrennte Wege auf diesem Gebiet einzuschlagen, kann effektiv die Schwächung
des Werkes der Neu-Evangelisierung bedeuten.
66. Kirchliche Kleidungsvorschriften
In einer säkularisierten und tendentiell materialistischen
Gesellschaft, wo auch äußere Zeichen sakraler und übernatürlicher
Wirklichkeiten im Schwinden begriffen sind, wird besonders die Notwendigkeit
empfunden, daß der Priester - als Mann Gottes und als Ausspender seiner
Geheimnisse - den Augen der Gemeinde auch durch seine Kleidung als unmißverständliches
Zeichen seiner Hingabe und seiner Identität als Träger eines öffentlichen
Amtes zu erkennen sei.(211) Der Priester muß vor allem durch sein
Verhalten erkennbar sein, aber auch durch seine Bekleidung, so daß jedem
Gläubigen und überhaupt jedem Menschen (212) seine Identität und
seine Zugehörigkeit zu Gott und zur Kirche unmittelbar erkenntlich ist.
Aus diesem Grund muß der Kleriker gemäß den von der
Bischofskonferenz herausgegebenen Normen und gemäß den legitimen
lokalen Gewohnheiten eine schickliche kirchliche Kleidung tragen.(213) Dies
bedeutet, daß diese Bekleidung, falls sie nicht der Talar ist, verschieden
von der Art der Kleidung der Laien zu sein hat und konform der Würde und
Sakralität des Amtes. Schnitt und Farbe müssen von der
Bischofskonferenz festgelegt werden, immer in Harmonie mit den Dispositionen des
allgemeinen Rechts.
Wegen ihrer Inkohärenz mit dem Geist solcher Disziplin, können
konträre Praktiken nicht als legitime Gewohnheiten angesehen werden und so
müssen sie von den zuständigen Autoritäten abgeschafft
werden.(214)
Abgesehen von ganz außergewöhnlichen Situationen, kann der
Nichtgebrauch der kirchlichen Kleidung seitens des Klerikers, einen schwachen
Sinn für die eigene Identität als ganz dem Dienst der Kirche ergebener
Hirte manifestieren.(215)
Priesterliche Armut
67. Armut als Verfügbarkeit
Die Armut Jesu hat einen heilsbezogenen Inhalt. Christus, der reich war, hat
sich für uns arm gemacht, damit wir durch seine Armut reich würden (2
Kor. 8, 9).
Der Brief an die Philipper zeigt die Beziehung zwischen Entäußerung
seiner selbst und dem Geist des Dienstes, der den pastoralen Amtsträger
beseelen muß.
Paulus schreibt ja, daß Jesus nicht »daran festhielt, Gott gleich
zu sein, sondern sich selbst erniedrigte und die Gestalt eines Knechtes annahm«
(2, 6-7). In Wahrheit wird der Priester schwerlich zum wahren Knecht und Diener
seiner Brüder werden, wenn er sich allzusehr um seine Annehmlichkeiten und
um ein exzessives Wohlergehen kümmert.
Durch seine Armutsgestalt zeigt Christus, daß er alles von Ewigkeit
her vom Vater empfangen hat und ihm alles bis zur Ganzhingabe seines Lebens zurückgibt.
Das Beispiel Christi muß den Priester dahin bringen, ihm gleichförmig
zu werden, in innerer Freiheit gegenüber allen Gütern und Reichtümern
der Welt.(216) Der Herr lehrt uns, daß das wahre Gut Gott ist und daß
der wahre Reichtum im Gewinn des ewigen Lebens besteht: »Was nützt es
dem Menschen, wenn er die ganze Welt gewinnt, aber dabei seine Seele verliert?
Und was könnte ein Mensch jemals zum Tausch für seine Seele anbieten?«
(Mk. 8, 36-37).
Der Priester, dessen Erbteil der Herr ist (cf Nm. 18, 20), weiß
darum, daß seine Sendung wie jene der Kirche inmitten der Welt auszuführen
ist und daß die geschaffenen Güter für die persönliche
Entwicklung des Menschen nötig sind. Er wird jedoch solche Güter mit
Sinn für Verantwortung und Bescheidenheit gebrauchen, mit rechter Intention
und Abstand, eben wie jemand, der seinen Schatz im Himmel hat und weiß, daß
alles zum Aufbau des Reiches Gottes genützt werden muß (Lk.
10, 7; Mt. 10, 9-19; 1 Kor. 9, 14; Gal. 6, 6).(217)
Daher wird er sich gewinnbringender Tätigkeiten enthalten, die nicht seinem
Amt entsprechen.(218)
Sich überdies erinnernd, daß das Geschenk, welches er erhalten
hat, umsonst ist, sei er bereit, umsonst zu geben (Mt. 10, 8; Apg.
8, 18-25)(219) und was er bei der Ausübung seines Amtes erhalten hat, für
das Wohl der Kirche und karitative Zwecke einzusetzen, nachdem er für den
eigenen angemessenen Unterhalt und für die Erfüllung seiner
Standespflichten gesorgt hat.(220)
Schließlich ist der Priester, obwohl er Armut nicht durch ein öffentliches
Gelübde versprochen hat, an eine einfache Lebensführung gehalten. Er
muß sich all dessen enthalten, was den Geschmack von »vanitas«
hat(221) und so die freiwillige Armut annehmen,um so Christus näher zu
folgen.(222) In allem (Wohnung, Transportmittel, Urlaub, usw.) vermeide der
Priester jede Art von Wählerischsein und Luxus.(223)
Als Freund der Ärmsten wird er ihnen die besondere Aufmerksamkeit
seiner pastorale Liebe widmen, mit einer bevorzugenden, jedoch weder ausschließlichen
noch ausschließenden, Option für alle alte und neue Armut, die es
tragischerweise auf der Welt gibt. Er erinnert sich immer daran, daß das
erste Elend, von dem der Mensch befreit werden muß, die Sünde ist,
die tiefste Wurzel jeden Übels.
Marienverehrung
68. Die Tugenden der Mutter
Es gibt eine »wesenhafte Beziehung... zwischen der Mutter Jesu und dem
Priestertum der Diener ihres Sohnes«, die aus jener zwischen der
Gottesmutterschaft Marias und dem Priestertum Christi hervorgeht.(224) In dieser
Beziehung ist die marianische Spiritualität jedes Priesters verwurzelt.
Priesterliche Spiritualität kann nicht vollständig sein ohne die
ernsthafte Erwägung des letzen Willens Christi am Kreuz, der die Mutter dem
auserwählten Jünger anvertraute und durch ihn allen Priestern, die zur
Fortführung seines Erlösungswerkes berufen sind.
Wie dem Johannes zu Füßen des Kreuzes, so ist in besonderer Weise
jedem Priester Maria als Mutter anvertraut (cf Joh. 19, 26-27).
Die Priester, die zu den geliebtesten Jüngern des gekreuzigten und
auferstandenen Jesus zählen, müssen Maria als ihre Mutter in ihr
eigenes Leben aufnehmen und sie zum Objekt ständiger Aufmerksamkeit und
Gebetsverbundenheit machen. Die immerwährende Jungfrau wird dann die
Mutter, die sie zu Christus hinführt, die sie authentische Liebe zur Kirche
lehrt, die für sie eintritt und die sie zum Himmelreich geleitet.
Jeder Priester weiß, daß Maria eben weil sie Mutter ist, auch
die hervorragendste Erzieherin in seinem Priestertum ist, ja, daß sie es
ist, die sein priesterliches Herz zu formen, ihn vor Gefahren, vor Müdigkeiten
und vor Entmutigungen zu schützen weiß, sowie mit mütterlichem
Eifer wacht, bis er an Weisheit, Alter und Gnade zunimmt, vor Gott und vor den
Menschen (cf 2, 40).
Allerdings sind jene keine guten Söhne, welche die Tugenden der Mutter
nicht nachzuahmen wissen. Der Priester wird also auf Maria schauen, um ein demütiger
Diener zu sein, gehorsam, keusch und um die Liebe in der Ganzhingabe an den
Herrn und an die Kirche zu bezeugen.(225)
Als erste Frucht des priesterlichen Opfers Christi repräsentiert die
hl. Muttergottes die Kirche in reinster Form, »ohne Makel und Runzel«,
ganz »heilig und unbefleckt« (Eph. 5, 27). Diese Betrachtung
der seligen Jungfrau stellt dem Priester das Ideal vor Augen, das es im Dienst
an der eigenen Gemeinde hochzuhalten gilt, bis auch sie »verherrlichte
Kirche« (ibid.) wird durch das priesterliche Geschenk des eigenen
Lebens.
III. Kapitel
FORMATIO PERMANENS
Prinzipien (Grundsätze/Leitlinien/Voraussetzungen)
69. Notwendigkeit von Weiterbildung heute
Die Weiterbildung ist ein Erfordernis, das entsteht und sich entfaltet aus
dem Empfang des Weihesakramentes, durch das der Priester nicht nur vom Vater »geweiht«
und vom Sohn »gesandt« wird, sondern auch »beseelt« vom
Heiligen Geist. Sie entspringt deshalb einer Gnade, die eine übernatürliche
Kraft ausströmt mit der Bestimmung, fortschreitend - und das immer
ausgreifender und tiefgehender - Leben und Wirken des Priesters zu ergreifen in
Treue zur empfangenen Gabe: »Darum rufe ich dir ins Gedächtnis -
schreibt der hl. Paulus an Timotheus -: Entfache die Gnade Gottes wieder, die
dir... zuteil geworden ist« (2 Tim 1, 6).
Es handelt sich dabei um eine Notwendigkeit, die zutiefst verbunden ist mit
der göttlichen Gabe selber,(226) die immerfort »belebt« werden muß,
auf daß der Priester seiner Berufung angemessen entsprechen kann. Als
geschichtlich eingebundenem Menschen eignet ihm das Bedürfnis, sich in
allen Sparten seiner menschlichen und geistlichen Existenz zu vervollkommnen, um
jene Gleichförmigkeit mit Christus zu erreichen, die das Einheitsprinzip
von allem darstellt.
Die schnellen und vielfältigen Veränderungen und ein oft säkularisiertes
soziales Umfeld sind Kennzeichen der gegenwärtigen Welt und darüberhinaus
Faktoren, die eine Verpflichtung des Priesters unabweisbar machen, dafür
angemessen vorbereitet zu sein, um die eigene Identität nicht aufzulösen
und auf die Anforderungen der neuen Evangelisierung zu antworten. Diese bereits
schwere Verpflichtung geht einher mit einem ausdrücklichen Recht der Gläubigen,
denen die Früchte der guten Ausbildung und Heiligkeit der Priester zugute
kommen.(227)
70. Fortgesetzte Arbeit an sich selbst
Das geistliche Leben des Priesters und sein pastoraler Dienst sind mit der
fortgesetzten Arbeit an sich selbst in der Weise zu vereinen, daß sowohl
die geistliche Bildung, als auch die menschliche, wie die geistige und pastorale
vertieft und in eine harmonische Synthese gebracht werden. Diese Arbeit, die mit
der Seminarzeit beginnen muß, ist von den Bischöfen auf verschiedenen
Ebenen zu fördern: national, regional und vor allem diözesan.
Es ist Anlaß zur Ermutigung, feststellen zu können, daß
bereits zahlreiche Diözesen und Bischofskonferenzen vielversprechende
Initiativen unternehmen, um eine echte Weiterbildung der eigenen Priester zu gewährleisten.
Es ist zu wünschen, daß alle Diözesen sich diesem Erfordernis
stellen. Wo dies jedoch momentan nicht geschehen kann, ist es ratsam, daß
solche sich untereinander verständigen, oder Kontakt aufnehmen mit jenen
Einrichtungen oder Personen, die besonders geeignet sind für die Ausführung
einer so bedeutsamen Aufgabe.(228)
71. Mittel der Heiligung
Die Weiterbildung erweist sich für den Priester von heute als
notwendiges Mittel, um den Sinn seiner Berufung zu erfüllen: den Dienst
Gottes und seines Volkes.
Praktisch besteht sie darin, allen Priestern zu helfen, großzügig
dem Einsatz zu entsprechen, den die Würde und die Verantwortung erfordern,
die Gott ihnen durch das Weihesakrament übertragen hat; im Bewahren,
Verteidigen und Entfalten ihrer spezifischen Identität und Berufung; in der
Heiligung ihrer selbst und der anderen durch die Ausübung ihres Dienstes.
Dies bedeutet, daß der Priester jeglichen Dualismus zwischen
Spiritualität und Amtlichkeit vermeiden muß, die wesentliche Ursache
mancher Krise.
Klar ist: um diese Zielsetzungen übernatürlicher Ordnung zu
erreichen, müssen die allgemeinen Kriterien freigelegt und analysiert
werden, mit denen die Weiterbildung der Priester strukturiert werden soll.
Diese allgemeinen Kriterien oder Prinzipien der Organisation müssen
entworfen werden von ihrer Zielsetzung her, die ihnen vorgegeben ist, oder -
treffender ausgedrückt - sie sind in ihr zu suchen.
72. Von der Kirche erteilt
Weiterbildung ist Recht und Pflicht des Priesters, sie zu erteilen, ist
Recht und Pflicht der Kirche. Dies ist vom allgemeinen Recht festgelegt.(229)
Wie nämlich die Berufung zum heiligen Dienst empfangen wird in der Kirche,
so kommt es allein der Kirche zu, die spezifische Ausbildung gemäß
der Verantwortung dieses Dienstes vorzuschreiben. Weil die Weiterbildung eine
Unternehmung ist, die an die Ausübung des Amtspriestertums gebunden ist,
gehört sie in die Verantwortung des Papstes und der Bischöfe. Die
Kirche hat deshalb die Pflicht und das Recht, die Ausbildung ihrer Diener
fortzuführen, um ihnen beim Fortschritt zu helfen im großzügigen
Antworten auf die Gabe, die Gott ihnen verliehen hat.
Der Amtsträger hat mit der Weihe - als Erfordernis der Gabe - auch das
Recht erhalten, seitens der Kirche die nötige Hilfe zu empfangen, um seinen
Dienst wirksam und heiligmäßig zu erfüllen.
73. Ständige Aufgabe
Die Bildungstätigkeit gründet auf einem dynamischen, dem Charisma
des Amtes innewohnenden Anspruch, wobei das Amt selbst in sich fortdauernd
Bestand hat und unwiderruflich ist. Sie kann darum niemals als abgeschlossen
gelten, weder auf seiten der Kirche, die sie vorschreibt, noch auf seiten des
Amtsträgers, der sie erhält. Es ist also notwendig, sie in solcher
Weise zu konzipieren und zu entfalten, daß alle Priester sie stets
empfangen können, wobei jenen Möglichkeiten und Eigenheiten Rechnung
zu tragen ist, die mit der Verschiedenheit in Alter, Lebensbedingungen und
anvertrauten Aufgaben verbunden sind.(230)
74. Vollständigkeit
Eine solche Ausbildung soll alle Dimensionen der priesterlichen Bildung
umfassen und aufeinander abstimmen. Sie soll also darauf ausgerichtet sein, daß
jedem Priester zur Entfaltung einer menschlich gereiften Persönlichkeit im
Geist des Dienstes an den anderen verholfen wird, welche Aufgabe auch immer ihm
anvertraut wird; daß er in den theologischen und auch in den
Humanwissenschaften, die mit seinem Dienst verbunden sind, intellektuell
ausgebildet ist, damit er mit größerer Wirksamkeit seine Aufgabe als
Zeuge des Glaubens ausüben kann; daß er ein tiefes geistliches Leben
zu führen vermag, das von der Vertrautheit mit Jesus Christus und von der
Liebe zur Kirche genährt wird; daß er seinen pastoralen Dienst mit
Einsatz und Hingabe ausüben kann.
Daher muß eine solche Ausbildung umfassend sein: in gleicher Weise
spirituell, pastoral, menschlich, intellektuell, systematisch und personal.
75. Menschlich
Diese Bildung ist in der heutigen Welt extrem wichtig, wie es ja immer war.
Der Priester darf nicht vergessen, daß er ein von den Menschen ausgewählter
Mensch ist, damit er dem Menschen diene.
Um sich zu heiligen und um seine priesterliche Sendung zu erfüll