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KONGREGATION FÜR DEN KLERUS
ALLGEMEINES DIREKTORIUM
FÜR DIE KATECHESE

NAMEN UND ABKÜRZUNGEN

I
DIE BIBLISCHEN BÜCHER

Gen: Das Buch Genesis

Ex: Das Buch Exodus

Lev: Das Buch Levitikus

Num: Das Buch Numeri

Dtn: Das Buch Deuteronium

Jos: Das Buch Josua

Ri: Das Buch der Richter

Rut: Das Buch Rut

1 Sam: Das erste Buch Samuel

2 Sam: Das zweite Buch Samuel

1 Kön: Das erste Buch der Könige

2 Kön: Das zweite Buch der Könige

1 Chr: Das erste Buch der Chronik

2 Chr: Das zweite Buch der Chronik

Esra: Das Buch Esra

Neh: Das Buch Nehemia

Tob: Das Buch Tobit

Jdt: Das Buch Judit

Est: Das Buch Ester

1 Makk: Das erste Buch der Makkabäer

2 Makk: Das zweite Buch der Makkabäer

Ijob: Das Buch Ijob

Ps: Die Psalmen

Spr: Das Buch der Sprichwörter

Koh: Das Buch Kohelet

Hld: Das Hohe Lied

Weish: Das Buch der Weisheit

Sir: Das Buch Jesus Sirach

Jes: Das Buch Jesaja

Jer: Das Buch Jeremia

Klgl: Die Klagelieder

Bar: Das Buch Baruch

Ez: Das Buch Ezechiel

Dan: Das Buch Daniel

Hos: Das Buch Hosea

Joël: Das Buch Joël

Am: Das Buch Amos

Obd: Das Buch Obadja

Jona: Das Buch Jona

Mi: Das Buch Micha

Nah: Das Buch Nahum

Hab: Das Buch Habakuk

Zef: Das Buch Zefanja

Hag: Das Buch Haggai

Sach: Das Buch Sacharja

Mal: Das Buch Maleachi

Mt: Das Evangelium nach Matthäus

Mk: Das Evangelium nach Markus

Lk: Das Evanglium nach Lukas

Joh: Das Evangelium nach Johannes

Apg: Die Apostelgeschichte

Röm: Der Brief an die Römer

1 Kor: Der erste Brief an die Korinther

2 Kor: Der zweite Brief an die Korinther

Gal: Der Brief an die Galater

Eph: Der Brief an die Epheser

Phil: Der Brief an die Philipper

Kol: Der Brief an die Kolosser

1 Thess: Der erste Brief an die Thessalonicher

2 Thess: Der zweite Brief an die Thessalonicher

1 Tim: Der erste Brief an Timotheus

2 Tim: Der zweite Brief an Timotheus

Tit: Der Brief an Ttius

Phlm: Der Brief an Philemon

Hebr: Der Brief an die Hebräer

Jak: Der Brief des Jakobus

1 Petr: Der erste Brief des Petrus

2 Petr: Der zweite Brief des Petrus

1 Joh: Der erste Brief des Johannes

2 Joh: Der zweite Brief des Johannes

3 Joh: Der dritte Brief des Johannes

Jud: Der Brief des Judas

Offb: Die Offenbarung des Johannes

« Libreria Editrice Vaticana omnia sibi vindicat iura. Sine eiusdem licentia scripto data nemini liceat hunc Directorium denuo imprimere aut in aliam linguam vertere ».

Copyright 1997 - Libreria Editrice Vaticana

00120 Vatikanstadt

Tel. (06) 698.85003 - Fax (06) 698.84716

ISBN 88-209-2454-4

II
KIRCHLICHE DOKUMENTE

AA: II. Vat. Konzil, Dekret über das Laienapostolat Apostolicam actuositatem (18. November 1965)

AG: II. Vat. Konzil, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad Gentes (7. Dezember 1965)

CA: Johannes Paul II., Enzyklika Centesimus Annus (1. Mai 1991): AAS 83 (1991), S.793-867

CD: II. Vat. Konzil, Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe in der Kirche Christus Dominus (28. Oktober 1965)

CCL: Corpus Christianorum, Series Latina (Turnholti 1953 ff.)

CIC: Codex Iuris Canonici (25. Januar 1983)

ChL: Johannes Paul II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Christifideles Laici (30. Dezember 1988): AAS 81 (1989), S. 393-521

CSEL: Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum (Wien 1866 ff.)

CT: Johannes Paul II., Apostol. Schreiben Catechesi tradendae (16. Oktober 1979): AAS 71 (1979), S. 1277-1340

DCG (1971): Hl. Kongregation für den Klerus, Directorium Catecheticum Generale Ad normam decreti (11. April 1971): AAS 64 (1972), S. 97-176 [Allgemeines Katechetisches Direktorium]

DH: II. Vat. Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae (7. Dezember 1965)

DM: Johannes Paul II., Enzyklika Dives in misericordia (30. November 1980): AAS 72 (1980), S. 1177-1232

DV: II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum (18. November 1965)

DS: H. Denzinger - A. Schönmetzer, Enchiridion symbolorum definitionum et declarationum de rebus fidei et morum, Editio XXXVI emendata, Friburgi Br., Romae, Vindobonae 1976 (die Übersetzung folgt der Ausgabe von Denzinger-Hünermann, 1991)

EA: Johannes Paul II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Ecclesia in Africa (14. September 1995): AAS 88 (1996), S. 5-82

EN: Paul VI., Apostol. Schreiben Evangelii nuntiandi (8. Dezember 1975): AAS 58 (1976), S. 5-76

EV: Johannes Paul II., Enzyklika Evangelium vitae (25. März 1995): AAS 87 (1995), S. 401-522

FC: Johannes Paul II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Familiaris consortio (22. November 1981): AAS 73 (1981), S. 81-191

FD: Johannes Paul II., Apostol. Konstitution Fidei depositum (11. Oktober 1992): AAS 86 (1994), S. 113-118

GE: II. Vat. Konzil, Erklärung über die christliche Erziehung Gravissimum educationis (28. Oktober 1965)

GS: II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes (7. Dezember 1965)

IRK: Internationaler Rat für die Katechese, Die Erwachsenenkatechese in der christlichen Gemeinschaft, Vatikanstadt 1990

KKK: Katechismus der Katholischen Kirche, München - Vatikanstadt 1993

LC: Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion Libertatis conscientia (22. März 1986): AAS 79 (1987), S. 554-599

LE: Johannes Paul II., Enzyklika Laborem exercens (14. September 1981): AAS 73 (1981), S. 577-647

Leitfaden: Kongregation für die Evangelisierung der Völker,Guida per i catechisti [Leitfaden für Katecheten]. Anleitung für Berufung, Ausbildung und Förderung von Katecheten in den Missionsländern, die von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker abhängen (3. Dezember 1993).

LG: II. Vat Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen gentium (21. November 1964)

MM: Johannes XXIII., Enzyklika Mater et Magistra (15. Mai 1961): AAS 53 (1961), S. 401-464

NA: II. Vat Konzil, Dekret über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen Nostra aetate (28. Oktober 1965)

OICA: Ordo initiationis christianae adultorum, Typis Polyglottis Vaticanis 1972

PB: Johannes Paul II., Apostol. Konstitution Pastor Bonus (28. Juni 1988): AAS 80 (1988), S. 841-930

PG: Patrologiae Cursus completus, Series Graeca, hrsg. v. J.-P. Migne, Parisiis 1857 ss.

PL: Patrologiae Cursus completus, Series Latina, hrsg. v. J.-P. Migne, Parisiis 1844 ss.

PO: II. Vat Konzil, Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis (7. Dezember 1965)

PP: Paul VI., Enzyklika Populorum progressio (26. März 1967): AAS 59 (1967), S. 257-299

RH: Johannes Paul II., Enzyklika Redemptor hominis (4. März 1979): AAS 71 (1979), S. 257-324

RM: Johannes Paul II., Enzyklika Redemptoris missio (7. Dezember 1990): AAS 83 (1991), S. 249-340

SC: II. Vat Konzil, Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum Concilium (4. Dezember 1963)

SCh: Sources Chrétiennes, Collection, Paris 1946 ff.

SRS: Johannes Paul II., Enzyklika Sollicitudo rei socialis (30. Dezember 1987): AAS 80 (1988), S. 513-586

SYN 1977: Bischofssynode, Botschaft an das Volk Gottes über die Katechese in unserer Zeit Cum iam ad exitum (28. Oktober 1977), Typis Polyglottis Vaticanis 1977

SYN 1985: Bischofssynode (außerordentliche Versammlung 1985), Schlußbericht Ecclesia sub verbo Dei mysteria Christi celebrans pro salute mundi (7. Dezember 1985)

TMA: Johannes Paul II., Apostol. Schreiben Tertio millennio adveniente (10. November 1994): AAS 87 (1995), S. 5-41

UR: II. Vat Konzil, Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio (21. November 1964)

UUS: Johannes Paul II., Enzyklika Ut unum sint (25. Mai 1995): AAS 87 (1995), S. 921-982

VS: Johannes Paul II., Enzyklika Veritatis splendor (6. August 1993): AAS 85 (1993), S. 1133-1228

VORWORT

1. Das II. Vatikanische Konzil ordnete die Abfassung eines »Direktoriums für die katechetische Unterweisung des christlichen Volkes« an.(1) In Ausführung dieses Auftrags des Konzils bediente sich die Kongregation für den Klerus einer Sonderkommission von Fachleuten und konsultierte die Bischofskonferenzen der Welt, die ihr zahlreiche diesbezügliche Anregungen und Bemerkungen zukommen ließen. Der vorbereitete Text wurde von einer ad hoc zusammengestellten theologischen Kommission und von der Kongregation für die Glaubenslehre überprüft. Am 18. März 1971 wurde er von Paul VI. endgültig approbiert und am 11. April des gleichen Jahres unter dem Titel Directorium Catecheticum Generale [Allgemeines Katechetisches Direktorium] promulgiert.

2. Die dreißig Jahre seit dem Abschluß des II. Vatikanischen Konzils bis zur Schwelle des dritten Jahrtausends stellen zweifellos eine in bezug auf Orientierungen und Förderung der Katechese sehr nutzbringende Zeit dar. Es war eine Zeit, die in gewisser Weise die evangelisierende Vitalität der Urkirche wieder an den Tag legte und treffenderweise auf die Lehren der Väter zurückgriff und auf kluge Weise eine Rückkehr zum altchristlichen Katechumenat förderte. Von 1971 an hat das Allgemeine Katechetische Direktorium den Teilkirchen bei der langwierigen Erneuerung der Katechese den Weg gewiesen, da es sich als Bezugspunkt sowohl hinsichtlich der Inhalte als auch bezüglich des pädagogischen Vorgehens und der zu verwendenden Methoden anbot.

Der Weg, den die Katechese in dieser Periode durchlief, war überall von einem großmütigen Einsatz von seiten vieler Personen, von bewunderungswürdigen Initiativen und sehr positiven Früchten für die Glaubensbildung und –vertiefung bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen gekennzeichnet. Doch fehlte es gleichzeitig nicht an Krisen, Unzulänglichkeiten in bezug auf die Lehre und an Experimenten, welche die Qualität der Katechese absinken ließen; sie gehen zum großen Teil auf die Entwicklung des weltweiten kulturellen Umfeldes und auf kirchliche Fragen nicht katechetischen Ursprungs zurück.

3. Das kirchliche Lehramt hat in diesen Jahren nie aufgehört, seine pastorale Sorge für die Katechese auszuüben. In allen Kontinenten haben zahlreiche Bischöfe und Bischofskonferenzen dem katechetischen Wirken einen beachtlichen Impuls gegeben auch durch die Veröffentlichung trefflicher Katechismen und pastoraler Weisungen; zudem förderten sie die Ausbildung von Fachleuten und die katechetische Forschung. Diese Anstrengungen waren fruchtbar und wirkten sich auf die katechetische Praxis der Teilkirchen günstig aus. Besonders wertvoll für die katechetische Erneuerung war der Ordo initiationis christianae adultorum (Ordnung für die christliche Initiation Erwachsener), der am 6. Januar 1972 von der Kongregation für den Gottesdienst erlassen wurde.

Insbesondere ist das Wirken Pauls VI. zu erwähnen, des Papstes, der die Kirche während der ersten Periode der Nachkonzilszeit leitete. In bezug auf ihn sagte Johannes Paul II.: »Mein verehrter Vorgänger Paul VI. hat durch seine Taten, seine Predigt und seine maßgebliche Interpretation des II. Vatikanischen Konzils — das er als den großen Katechismus für die moderne Zeit ansah —, durch sein ganzes Leben der Katechese der Kirche in sehr beispielhafter Weise gedient«.(2)

4. Ein entscheidender Meilenstein für die Katechese war die anläßlich der Generalversammlung der Bischofssynode über die Evangelisierung in der heutigen Zeit im Oktober 1974 in die Wege geleitete Reflexion. Die Vorschläge dieser Versammlung wurden Papst Paul VI. vorgelegt, der das Nachsynodale Apostolische Schreiben Evangelii nuntiandi am 8. Dezember 1975 promulgierte. Dieses Dokument legt — unter anderem — ein besonders bedeutsames Prinzip vor: die Katechese als evangelisierendes Wirken im Rahmen der großen Sendung der Kirche. Von jetzt an wird man das katechetische Wirken als ständige Teilnahme an den Dringlichkeiten und Sorgen des missionarischen Auftrags für unsere Zeit betrachten müssen.

Auch die letzte von Paul VI. für Oktober 1977 einberufene Synodenversammlung wählte die Katechese als Thema der Analyse und Reflexion der Bischöfe. Diese Synode erblickte »in der katechetischen Erneuerung ein kostbares Geschenk des Heiligen Geistes an die Kirche von heute«.(3)

5. Johannes Paul II. übernahm 1978 dieses Erbe und formulierte seine ersten Weisungen in dem Apostolischen Schreiben Catechesi tradendae vom 16. Oktober 1979. Dieses bildet eine mit dem Schreiben Evangelii nuntiandi völlig kohärente Einheit und stellt die Katechese wieder ganz in den Rahmen der Evangelisierung.

Während seines ganzen Pontifikats hat Johannes Paul II. ein ständiges Lehramt von sehr hohem katechetischem Wert dargeboten. Unter den Reden, Briefen und Lehrschriften ragen die zwölf Enzykliken heraus: von Redemptor hominis bis zu Ut unum sint. Diese Rundschreiben bilden schon an und für sich ein Corpus synthetischer und organischer Lehre zu der vom II. Vatikanischen Konzil geforderten Anwendung der Erneuerung des kirchlichen Lebens.

Was die katechetische Bedeutung dieser Dokumente des Lehramtes Johannes Pauls II. betrifft, sind besonders zu erwähnen die Enzykliken Redemptor hominis (4. März 1979), Dives in misericordia (30. November 1980), Dominum et vivificantem (18. Mai 1986) und, wegen der Bekräftigung der dauernden Gültigkeit des Missionsauftrags, Redemptoris missio (7. Dezember 1990).

6. Andererseits hatten die ordentlichen und außerordentlichen Vollversammlungen der Bischofssynode auf dem Gebiet der Katechese eine besondere Auswirkung. Wegen ihrer besonderen Wichtigkeit ist auf die Synodenversammlungen von 1980 und 1987 hinzuweisen, welche die Sendung der Familie und die Berufung der getauften Laien zum Thema hatten. Auf die Synodenarbeiten folgten die entsprechenden Apostolischen Schreiben Johannes Pauls II.: Familiaris consortio (22. November 1981) und Christifideles laici (30. Dezember 1988). Die außerordentliche Bischofssynode von 1985 wirkte sich ebenfalls entscheidend auf die Gegenwart und Zukunft der Katechese unserer Zeit aus. Auf ihr wurde eine Bilanz von zwanzig Jahren Anwendung des II. Vatikanischen Konzils gezogen, und die Synodenväter schlugen dem Heiligen Vater die Ausarbeitung eines Weltkatechismus für die ganze katholische Kirche vor. Johannes Paul II. hat den Vorschlag der außerordentlichen Bischofssynode von 1985 wohlwollend aufgenommen und sich zu eigen gemacht. Nach dem geduldigen und langwierigen Prozeß der Ausarbeitung wurde der Katechismus der Katholischen Kirche durch die Apostolische Konstitution Fidei depositum vom 11. Oktober 1992 den Bischöfen und den Teilkirchen übergeben.

7. Dieses Ereignis von so tiefgreifender Bedeutung und die Gesamtheit der im vorhergehenden angegebenen Fakten und Interventionen des Lehramtes machten eine Überarbeitung des »Allgemeinen Katechetischen Direktoriums« zur dringenden Aufgabe, um dieses wertvolle pastoraltheologische Instrument auf die neue Situation und die neuen Erfordernisse abzustimmen. Dieses Erbe zu sammeln und für die katechetische Tätigkeit systematisch zusammenzufassen, und zwar im Blick auf die jetzige Etappe des Lebens der Kirche, ist ein Dienst des Heiligen Stuhls für alle.

Die von der Kongregation für den Klerus in Gang gebrachte neue Ausarbeitung des »Allgemeinen Direktoriums für die Katechese« wurde von einer Gruppe von Bischöfen und Fachleuten für Theologie und Katechese geleistet. Sie wurde dann den Bischofskonferenzen und den wichtigsten katechetischen Instituten und Studienzentren zur Konsultation unterbreitet. Bei der Abfassung hielt man sich im wesentlichen an die Grundidee und die Inhalte des Textes von 1971.

Natürlich mußte die neue Redigierung des Allgemeinen Direktoriums für die Katechese zwei Hauptforderungen miteinander in Einklang bringen:

– einerseits die von den Schreiben Evangelii nuntiandi und Catechesi tradendae geforderte Einfügung der Katechese in den Rahmen der Evangelisierung,

– andererseits die Übernahme der vom Katechismus der Katholischen Kirche vorgelegten Glaubensinhalte.

8. Der neue Text des Allgemeinen Direktoriums für die Katechese behält die Grundstruktur des Textes von 1971 bei und ist wie folgt gegliedert:

– Eine Einführende Darlegung, in der Richtlinien für die Deutung und das Verständnis der menschlichen und der kirchlichen Situation im Licht des Glaubens und im Vertrauen auf die Kraft des Samenkorns des Evangeliums geboten werden.

Der Erste Teil(4) gliedert sich in drei Kapitel und verwurzelt die Katechese deutlicher in der Konzilskonstitution Dei verbum, indem er sie in den Rahmen der in Evangelii nuntiandi und Catechesi tradendae vorgezeichneten Evangelisierung hineinstellt. Er legt zudem eine Klärung der Natur der Katechese vor.

– Der Zweite Teil(5) besteht aus zwei Kapiteln. Im ersten werden unter dem Titel »Normen und Richtlinien für die Darbietung der Botschaft des Evangeliums in der Katechese« die Inhalte des entsprechenden Kapitels des früheren Textes in neuer Artikulierung und einer bereicherten Sicht in ihrer Gesamtheit zusammengestellt. Das zweite, vollständig neue Kapitel steht im Dienst der Vorstellung des Katechismus der Katholischen Kirche als Bezugstext für die Glaubensvermittlung in der Katechese und für die Abfassung der örtlichen Katechismen. Der Text bietet auch Grundprinzipien für die Ausarbeitung der Katechismen für die Teil– und Ortskirchen.

– Der Dritte Teil(6) erscheint ziemlich erneuert, denn er formuliert zudem das Wesentliche einer an der göttlichen Pädagogik inspirierten Glaubenserziehung; eine Frage, die sowohl die Theologie wie die Humanwissenschaften betrifft.

– Der Vierte Teil(7) trägt den Titel »Die Adressaten der Katechese«. In fünf kurzen Kapiteln wird das Augenmerk auf die recht unterschiedlichen Situationen der Personen gerichtet, an die sich die Katechese wendet, auf die Aspekte, welche die gesellschaftlich-religiöse Situation betreffen, und ganz besonders auf die Frage der Inkulturation.

– Der Fünfte Teil(8) hat zum zentralen Schwerpunkt die Ortskirche, deren vorrangige Aufgabe es ist, die gesamte katechetische Tätigkeit zu planen, zu überwachen und zu koordinieren. Besondere Bedeutung kommt der Beschreibung der jeweiligen Rollen der verschiedenen katechetisch Tätigen (die stets im Bischof der Teilkirche ihren Bezugspunkt haben) und der Anforderungen an ihre Ausbildung in jedem einzelnen Fall zu.

– Der Schluß, der zu einer Intensivierung des katechetischen Wirkens in unserer Zeit auffordert, schließt die Reflexion und die Weisungen ab mit einem Aufruf zum Vertrauen in das Wirken des Heiligen Geistes und in die Wirkkraft des in der Liebe ausgesäten Gotteswortes.

9. Der Zweck des vorliegenden Direktoriums ist natürlich der gleiche wie der, den der Text von 1971 verfolgte. Das heißt, es setzt sich zum Ziel, »die vom Lehramt der Kirche und besonders vom II. Vatikanischen Konzil festgelegten theologisch-pastoralen Grundprinzipien« darzubieten, »durch die die pastorale Tätigkeit des Dienstes am Wort besser geleitet und koordiniert werden kann«,(9) also ganz konkret die Katechese. Das Grundanliegen war und ist, eher Überlegungen und Grundsätze als unmittelbare Anwendungen oder praktische Weisungen zu bieten. Dieser Weg und diese Methode wurde vor allem aus folgendem Grund gewählt: Nur dann, wenn von Anfang an Wesen und Ziele der Katechese sowie die zu übermittelndenWahrheiten und Werte richtig verstanden werden, werden sich Fehler und Irrtümer im Bereich der Katechese vermeiden lassen.(10)

Die konkretere Anwendung dieser Grundsätze und Aussagen durch nationale, regionale oder diözesane Richtlinien und Direktorien, Katechismen und jedes weitere Mittel, das man als geeignet erachtet für eine wirksame Förderung der Katechese, liegt in der spezifischen Zuständigkeit der Episkopate.

10. Selbstverständlich sind nicht alle Teile des Direktoriums von gleicher Wichtigkeit. Diejenigen, die von der göttlichen Offenbarung, vom Wesen der Katechese, von den Maßstäben handeln, welche die christliche Verkündigung bestimmen, sind für alle von Wert. Die Teile hingegen, welche die gegenwärtige Situation, die Methodologie und die Art und Weise betreffen, die Katechese auf die verschiedenen Situationen, auf das Alter und das kulturelle Umfeld abzustimmen, sind eher als Hinweise und Leitlinien aufzufassen.(11)

11. Die Adressaten des Direktoriums sind in erster Linie die Bischöfe, die Bischofskonferenzen und ganz allgemein alle, die in deren Auftrag und unter ihrer Leitung auf dem Gebiet der Katechese Verantwortung wahrnehmen. Selbstverständlich kann das Direktorium ein treffliches Instrument für die Heranbildung der Priesterkandidaten, für die Weiterbildung der Priester und für die Ausbildung der Katecheten sein.

Eine unmittelbare Zielsetzung des Direktorims ist es, bei der Abfassung der katechetischen Direktorien und Katechismen behilflich zu sein. Der von vielen Bischöfen erhaltenen Anregung entsprechend sind zahlreiche Anmerkungen und Hinweise beigegeben, die zur Ausarbeitung der erwähnten Instrumente von großem Nutzen sein können.

12. Da sich das Direktorium an die Teilkirchen richtet, deren pastorale Situationen und Bedürfnisse sehr unterschiedlich sind, liegt es auf der Hand, daß darin nur gemeinsame oder Zwischensituationen dazwischen berücksichtigt werden konnten. Dasselbe gilt für die Beschreibung der Organisation der Katechese auf den verschiedenen Ebenen. Bei der Benützung des Direktoriums möge man sich folgende Beobachtung — die übrigens schon im Text von 1971 angeführt wurde, vor Augen halten: Was in Regionen, wo die Katechese sowohl qualitativ wie hinsichtlich der aufgewendeten Mittel ein hohes Niveau erreichen konnte, möglicherweise ungenügend sein wird, wird hingegen in den Regionen, wo die Katechese noch nicht einen solchen Fortschritt erleben konnte, vielleicht als außerordentlich erscheinen.

13. In der Veröffentlichung dieses Dokumentes, eines neuen Zeugnisses der Sorge des Apostolischen Stuhls für den katechetischen Dienst, kommt der Wunsch zum Ausdruck, daß es sehr aufmerksam und unter Erwägung der pastoralen Bedürfnisse jeder Teilkirche aufgenommen, geprüft und studiert werden und auch für die Zukunft zu Studien und tiefgreifenderen Forschungen anregen möge, die den Bedürfnissen der Katechese und den Normen und Anleitungen des Lehramtes der Kirche entsprechen.

Die selige Jungfrau Maria, Stern der Neu-Evangelisierung, geleite uns zur vollen Erkenntnis Jesu Christi, unseres Meisters und Herrn.

»Im übrigen, Brüder, betet für uns, damit das Wort des Herrn sich ausbreitet und verherrlicht wird, ebenso wie bei euch« (2 Thess 3,1).

Aus dem Vatikan, 15. August 1997
Fest der Aufnahme Mariens in den Himmel

Darío Castrillón Hoyos

Alterzbischof von Bucaramanga
Pro-Präfekt

Crescenzio Sepe

Titularerzbischof von Grado
Sekretär


EINFÜHRENDE DARLEGUNG
Die Verkündigung des Evangeliums
in der Welt von heute

»Hört! Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen. Als er säte, fiel ein Teil der Körner auf den Weg, und die Vögel kamen und fraßen sie.
Ein anderer Teil fiel auf felsigen Boden, wo es nur wenig Erde gab, und ging sofort auf, weil das Erdreich nicht tief war; als aber die Sonne hochstieg, wurde die Saat versengt und verdorrte, weil sie keine Wurzeln hatte.
Wieder ein anderer Teil fiel in die Dornen, und die Dornen wuchsen und erstickten die Saat, und sie brachte keine Frucht.
Ein anderer Teil schließlich fiel auf guten Boden und brachte Frucht; die Saat ging auf und wuchs empor und trug dreißigfach, ja sechzigfach und hundertfach« (Mk 4,3-8).

14. Diese einführende Darlegung will die Bischöfe und die in der Katechese Tätigen anregen, sich der Notwendigkeit bewußt zu werden, stets auf das Saatfeld zu achten und zwar aus einer Sicht des Glaubens und des Erbarmens. Die hier vorgelegte Deutung der heutigen Welt hat natürlich den Charakter der Vorläufigkeit, der mit der Zufälligkeit der Geschichte zusammenhängt.

»Hört! Ein Sämann ging aufs Feld, um zu säen« (Mk 4,3)

15. Dieses Gleichnis ist eine Inspirationsquelle für die Evangelisierung. »Der Samen ist das Wort Gottes« (Lk 8,11). Der Sämann ist Jesus Christus. Er verkündigte vor zweitausend Jahren das Evangelium in Palästina und sandte seine Jünger, es in der Welt auszusäen. Jesus Christus, der heute durch seinen Geist in der Kirche zugegen ist, streut das Wort des Vaters weiterhin mit freigebigen Händen auf das Saatfeld der Welt.

Der Boden ist stets sehr verschiedenartig beschaffen. Das Evangelium fällt »auf den Weg« (Mk 4,4), wenn man nicht wirklich auf es hört; es fällt »auf felsigen Boden« (Mk 4,5) und dringt nicht tief in die Erde ein; oder es fällt »in die Dornen« (Mk 4,7) und wird im Herzen der Menschen, die von vielen Sorgen abgelenkt werden, sogleich erstickt. Ein Teil aber fällt »auf guten Boden« (Mk 4,8), das heißt in Männer und Frauen, die für die persönliche Beziehung zu Gott aufgeschlossen und mit dem Nächsten solidarisch sind, und bringt reiche Frucht.

Jesus teilt im Gleichnis die gute Nachricht mit, daß ungeachtet der ungünstigen Beschaffenheit des Bodens, der Spannungen, Konflikte und Probleme der Welt das Gottesreich kommen wird. Der Samen des Evangeliums befruchtet die Geschichte der Menschen und kündigt eine reiche Ernte an. Jesus gibt auch eine Mahnung: nur in einem bereitwilligen Herzen keimt das Wort Gottes.

Ein Blick auf die Welt vom Glauben aus

16. Die Kirche sät weiterhin das Evangelium Jesu auf das große Saatfeld Gottes. Die Christen, die in die verschiedenartigsten gesellschaftlichen Umgebungen eingebettet sind, blicken auf die Welt mit den gleichen Augen, mit denen Jesus die Gesellschaft seiner Zeit betrachtet hat. Der Jünger Jesu Christi nimmt ja von innen her an der »Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute«(12) teil, blickt auf die menschliche Geschichte und beteiligt sich an ihr nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Glauben. In dessen Licht erscheint die Welt gleichzeitig als »durch die Liebe des Schöpfers begründet und erhalten, unter die Knechtschaft der Sünde geraten, von Christus aber, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, durch Brechung der Herrschaft des Bösen befreit«.(13)

Der Christ weiß, hinter jeder menschlichen Wirklichkeit und Begebenheit stehen gleichzeitig:

– das schöpferische Wirken Gottes, das jedem Wesen seine gute Beschaffenheit vermittelt;

– die aus der Sünde herrührende Kraft, die den Menschen einengt und abstumpft;

– die aus dem Pascha, aus der Auferstehung Christi, hervorbrechende Dynamik als Keim der Erneuerung, der dem Glaubenden die Hoffnung auf eine endgültige »Vollendung«(14) verleiht.

Ein Blick auf die Welt, der von einem dieser drei Aspekte absähe, wäre nicht wirklich christlich. Deshalb ist es wichtig, daß die Katechese die Katechumenen und die Glaubensschüler in eine »theologische Deutung der modernen Probleme«(15) einzuführen weiß.

Das Saatfeld der Welt

17. Als Mutter der Menschen sieht die Kirche zunächst voll tiefem Schmerz »eine unzählige Menge von Männern und Frauen, Kindern, Erwachsenen und alten Menschen, von konkreten und einmaligen Menschen also, die unter der unerträglichen Last des Elends leiden«.(16) Mit Hilfe einer Katechese, in welcher die Soziallehre der Kirche ihren Platz haben muß,(17) möchte sie im Herzen der Christen »den Einsatz für die Gerechtigkeit«(18) und die »Option oder vorrangige Liebe für die Armen«(19) wecken, damit ihre Präsenz wirklich erhellendes Licht und veränderndes Salz sei.

Die Menschenrechte

18. Bei der Analyse des Saatfeldes der Welt ist die Kirche sehr sensibel für alles, was die Würde der menschlichen Person verletzt. Sie weiß, daß dieser Würde die Menschenrechte entspringen,(20), 270-273) wird auf die haupstächlichen »Pflichten des Menschen« hingewiesen. Die Katechese muß beiden Aspekten die nötige Aufmerksamkeit schenken.] die beständiger Gegenstand der Sorge und des Einsatzes der Christen sind. Deswegen erfaßt ihr Blick nicht nur die wirtschaftlichen und sozialen,(21) sondern vor allem die kulturellen und religiösen Indikatoren. Was sie anstrebt, ist die gesamtheitliche Entwicklung der Menschen und Völker.(22)

Die Kirche gewahrt mit Freude, daß »nunmehr das Bewußtsein von der Würde des Menschen wie ein befreiender Strom alle Völker durchzieht und durchdringt«.(23) Dieses Bewußtsein äußert sich in der lebhaften Sorge für die Respektierung der Menschenrechte und in der entschiedensten Zurückweisung ihrer Verletzungen. Besonders eingefordert werden das Recht auf Leben, auf Arbeit, auf Bildung, auf Gründung einer Familie, auf Teilnahme am öffentlichen Leben, auf Religionsfreiheit.

19. Manchenorts jedoch werden in offensichtlichem Widerspruch zum Gespür für die Würde des Menschen die Menschenrechte klar verletzt.(24) Auf diese Weise kommt es zu anderen Armutsformen, die nicht auf der materiellen Ebene liegen: zu einer kulturellen und religiösen Armut, welche die kirchliche Gemeinschaft ebenfalls mit Besorgnis erfüllt. Denn die Verweigerung oder Beschränkung der Menschenrechte läßt den Menschen und die Völker genauso oder noch mehr verarmen als die Entbehrung materieller Güter.(25)

Auf diesem weiten Feld der Menschenrechte hat das evangelisierende Wirken der Kirche eine unverzichtbare Aufgabe: die unverletzliche Würde jeder menschlichen Person entdecken zu lassen. Dies ist »in einem gewissen Sinn die zentrale und alle anderen einschließende Aufgabe im Rahmen des Dienstes an der Menschheitsfamilie, zu dem die Kirche und in ihr die Laien berufen sind«.(26) Die Katechese muß sie auf diese Aufgabe vorbereiten.

Die Kultur und die Kulturen

20. Der Sämann weiß, daß das Samenkorn in konkrete Bodenbereiche eindringt und alle Elemente in sich aufnehmen muß, die nötig sind, um Frucht bringen zu können.(27) Er weiß auch, daß zuweilen einige dieser Elemente das Keimen und die Ernte beeinträchtigen können.

Die Konstitution Gaudium et Spes betont die große Bedeutung von Wissenschaft und Technik bei der Entstehung und Entwicklung der modernen Kultur. Die wissenschaftliche Einstellung, die von ihnen ausgeht, »gibt der Kultur und dem Denken... ein neues Gepräge«,(28) was sich auf den Menschen und die Reliogiosität stark auswirkt. Die wissenschaftliche und experimentelle Rationalität ist im Menschen von heute tief verwurzelt.

Doch das Bewußtsein, daß diese Art von Rationalität nicht alles zu erklären vermag, gewinnt immer mehr an Boden. Selbst die Wissenschaftler stellen fest, daß es neben der Strenge des Experimentierens einer anderen Art der Erkenntnis bedarf, um das menschliche Wesen in seiner Tiefe begreifen zu können. Die philosophische Reflexion über die Sprache zeigt beispielsweise, daß das symbolische Denken eine Form des Zugangs zum Mysterium der menschlichen Person ist, zu dem man auf andere Weise nicht Zugang findet. Somit wird eine Rationalität unumgänglich, die das menschliche Wesen nicht spaltet, sondern die seine Affektivität integriert, es eint und seinem Leben einen volleren Sinn gibt.

21. Neben dieser »universaleren Form der menschlichen Kultur«(29) stellt man heute auch ein wachsendes Verlangen fest, die bodenständigen Kulturen wieder aufzuwerten. Noch steht die Frage des Konzils im Raum: »Wie kann man für die Dynamik und Expansion der neuen Kultur eintreten, ohne daß die lebendige Treue zum überlieferten Erbe verlorengeht?«.(30)

– An vielen Orten wird man sich bewußt, daß die herkömmlichen Kulturen von dominierenden äußeren Einflüssen und entfremdender Nachahmung importierter Lebensformen angegriffen werden. Auf diese Weise werden die Identität und die Eigenwerte der Völker allmählich zersetzt.

– Man stellt auch den ungeheuren Einfluß der Massenmedien fest, die oftmals aus wirtschaftlichen oder ideologischen Interessen eine Sicht des Lebens aufdrängen, welche die kulturelle Eigenart der Völker, an die sie sich wenden, nicht respektiert.Die Evangelisierung begegnet so in der Inkulturation einer ihrer größten Herausforderungen.

Die Kirche muß alle positiven Werte der Kultur und der Kulturen aufnehmen(31) und im Licht des Evangeliums jene Elemente verwerfen, welche die Menschen und die Völker an der Entfaltung ihrer echten Fähigkeiten hindern.

Die sittlich-religiöse Situation

22. Unter den Elementen, aus denen sich das Kulturerbe eines Volkes zusammensetzt, ist der sittlich-religiöse Faktor für den Sämann von besonderer Bedeutung. In der heutigen Kultur breitet sich unablässig religiöse Gleichgültigkeit aus. »Viele unserer Zeitgenossen erfassen die innigste und lebensvolle Verbindung mit Gott gar nicht oder verwerfen sie ausdrücklich«.(32)

Als Leugnung Gottes »muß man den Atheismus zu den ernstesten Gegebenheiten dieser Zeit rechnen«.(33) Er nimmt verschiedene Formen an, erscheint aber heute besonders in Gestalt des Säkularismus, der in einer autonomistischen Erklärung des Menschen und der Welt besteht, »derzufolge sie sich ganz aus sich selbst erklärt, ohne daß es eines Rückgriffs auf Gott bedürfte«.(34) Im spezifisch religiösen Bereich sind jedoch Anzeichen einer »Wiederkehr zum Heiligen«,(35) eines neuen Durstes nach transzendenten, göttlichen Wahrheiten vorhanden. Die heutige Welt bezeugt reichlicher und vitaler »das Suchen und das Bedürfnis nach dem Religiösen«.(36) Gewiß ist dieses Phänomen »nicht ohne Zweideutigkeit«.(37) Die breite Entwicklung der Sekten und der neuen religiösen Bewegungen und das Wiederaufleben des »Fundamentalismus«(38) sind Gegebenheiten, die an die Kirche ernste Fragen richten und aufmerksam analysiert werden müssen.

23. Die heutige moralische Situation entspricht ganz der religiösen. Es ist in der Tat eine Verdunkelung der ontologischen Wahrheit über den Menschen als Person wahrzunehmen. Es ist, als würde die Zurückweisung Gottes den inneren Bruch der Strebungen des Menschen bedeuten.(39) So kommt es an vielen Orten zu einem »ethischen Relativismus«, der »dem bürgerlichen Zusammenleben jeden sicheren sittlichen Bezugspunkt nimmt«.(40)

Die Evangelisierung trifft auf dem sittlich-religiösen Terrain einen bevorzugten Tätigkeitsbereich an. Die vorrangige Sendung der Kirche ist es ja, Gott zu verkünden, ihn vor der Welt zu bezeugen. Es geht darum, das wahre Antlitz Gottes und seinen Liebes- und Heilsplan für die Menschen, so wie Jesus ihn offenbart hat, bekanntzumachen.

Um solche Zeugen heranzubilden, muß die Kirche eine Katechese entwickeln, die die Begegnung mit Gott begünstigt und ein ständiges Band der Gemeinschaft mit ihm neu festigt.

Die Kirche auf dem Saatfeld der Welt

Der Glaube der Christen

24. Die Jünger Jesu sind zwar als Sauerteig in die Welt getaucht, sind aber zu jeder Zeit nicht dagegen gefeit, dem Einfluß der menschlichen Situationen zu unterliegen. Darum ist es notwendig, sich nach der heutigen Situation des Glaubens der Christen zu fragen. Die in den letzten Jahrzehnten in der Kirche entfaltete katechetische Erneuerung ist im Begriff, sehr positive Früchte zu zeitigen.(41) Die Katechese der Kinder, der Jugendlichen und der Erwachsenen dieser Jahre hat eine Typologie des Christen hervorgebracht, der sich seines Glaubens wirklich bewußt ist und mit ihm in seinem Leben übereinstimmt. Sie hat tatsächlich in ihnen gefördert:

– eine neue, lebensvolle Erfahrung Gottes als barmherzigen Vater;

– eine vertiefte Neu- oder Wiederentdeckung Jesu Christi nicht nur in seiner Göttlichkeit, sondern auch in seiner wahren Menschlichkeit;

– das Gefühl aller, mitverantwortlich zu sein für die Sendung der Kirche in der Welt;

– das Bewußtwerden der sozialen Forderungen des Glaubens.

25. Angesichts des heutigen religiösen Panoramas drängt sich jedoch den Söhnen und Töchtern der Kirche eine Prüfung auf: »Inwieweit sind auch sie von der Atmosphäre des Säkularismus und ethischen Relativismus betroffen?«.(42)

Eine erste Kategorie bilden »sehr viele, die zwar getauft sind, aber gänzlich außerhalb eines christlichen Lebensraumes stehen«.(43) Es handelt sich um eine Menge »nichtpraktizierender Christen«,(44) auch wenn bei vielen von ihnen im Innersten ihres Herzens das religiöse Empfinden nicht völlig verschwunden ist. Sie wieder zum Glauben zu erwecken, ist für die Kirche eine echte Herausforderung. Neben ihnen gibt es auch »das einfache Volk«,(45) das sich manchmal in sehr aufrichtigen religiösen Gefühlen und in einer tiefverwurzelten »Volksfrömmigkeit«(46) äußert. Es hat zwar einen gewissen Glauben, »kennt aber seine Grundlagen kaum«.(47) Zudem gibt es zahlreiche Christen, die sehr gebildet sind, aber nur in der Kindheit eine religiöse Unterweisung erhalten haben und die es nötig haben, ihren Glauben in einem anderen Licht(48) neu durchzudenken und reifer werden zu lassen.

26. Sodann gibt es eine gewisse Anzahl getaufter Christen, die wegen eines mißverstandenen interreligiösen Dialogs oder wegen einer gewissen Scheu, in der heutigen Gesellschaft ihren Glauben an Jesus Christus zu bezeugen, leider ihre christliche Identität verbergen. Diese Glaubenssituationen der Christen verlangen vom Sämann dringend, eine Neu-Evangelisierung in die Wege zu leiten,(49) vor allem in den Kirchen mit einer alten christlichen Tradition, wo der Säkularismus die stärksten Breschen geschlagen hat. In dieser neuen Situation, die einer Evangelisierung bedarf, haben die missionarische Verkündigung und die Katechese, vor allem an Jugendlichen und Erwachsenen, klare Vordringlichkeit.

Das innere Leben der kirchlichen Gemeinschaft

27. Es ist wichtig, sich auch das Leben der kirchlichen Gemeinschaft, ihre innere Beschaffenheit anzusehen. In einer ersten Betrachtung gilt es festzustellen, wie in der Kirche das II. Vatikanische Konzil aufgenommen worden ist und Früchte getragen hat. Die großen Konzilsdokumente sind nicht toter Buchstabe geblieben; ihre Wirkungen sind festzustellen. Die vier Konstitutionen — Sacrosanctum Concilium, Lumen gentium, Dei verbum und Gaudium et spes — haben die Kirche befruchtet. In der Tat:

– Das liturgische Leben wird tiefer als Quelle und Höhepunkt des kirchlichen Lebens verstanden.

– Das Volk Gottes hat ein lebendigeres Bewußtsein des »gemeinsamen Priestertums«(50) erworben, das in der Taufe wurzelt. Gleichzeitig entdeckt es immer mehr wieder die universale Berufung zur Heiligkeit und einen lebendigeren Sinn für den Dienst an der Nächstenliebe.

– Die kirchliche Gemeinschaft hat einen lebendigeren Sinn für das Gotteswort erworben. Beispielsweise wird die Heilige Schrift viel intensiver gelesen, verkostet und meditiert.

– Die Sendung der Kirche in der Welt wird auf neue Weise wahrgenommen. Auf der Grundlage einer inneren Erneuerung hat das Konzil die Katholiken offen gemacht für das Erfordernis einer Evangelisierung, die notwendig mit der Förderung des Menschen verbunden ist, für die Notwendigkeit des Dialogs mit der Welt, mit den verschiedenen Kulturen und Religionen und für die dringliche Suche nach der Einheit unter den Christen.

29. Doch bei all dieser Fruchtbarkeit sind auch »Mängel und Schwierigkeiten in der Aufnahme des Konzils»(51) festzustellen. Trotz einer so reichen und tiefen Lehre über die Kirche ist der Sinn für die Zugehörigkeit zur Kirche schwächer geworden, ja häufig ist eine »Abneigung gegen die Kirche«(52) festzustellen; man betrachtet sie oft einseitig als bloße Institution, die ihres Mysteriums beraubt ist.

In einigen Fällen hat man bei der Interpretation und Anwendung der Erneuerung, die das II. Vatikanische Konzil von der Kirche verlangt hat, einseitige und gegensätzliche Positionen eingenommen. Solche Ideologien und Haltungen haben zu Zersplitterungen geführt und sind der für die Evangelisierung unerläßlichen Bezeugung der Gemeinschaft abträglich.

Das evangelisierende Wirken der Kirche und in ihm der Katechese muß entschiedener einen soliden kirchlichen Zusammenhalt anstreben. Zu diesem Zweck ist es dringlich, eine echte Ekklesiologie der Gemeinschaft zu fördern und zu vertiefen,(53) um in den Christen eine tiefe kirchliche Spiritualität zu erzeugen.

Situation der Katechese: Lebenskraft und Probleme

29. Die Katechese weist in den letzten Jahren viele positive Aspekte auf, die ihre Lebenskraft deutlich machen. Unter anderem sind hervorzuheben:

– Die große Zahl der Priester, Ordensleute und Laien, die sich mit Begeisterung und Ausdauer der Katechese widmen. Sie ist eine der wichtigsten kirchlichen Tätigkeiten.

– Zu betonen ist auch der missionarische Charakter der heutigen Katechese und ihre Bereitschaft, in einer Welt, in der sich das religiöse Empfinden abstumpft, die Glaubenszustimmung der Katechumenen und der Glaubensschüler zu sichern. In dieser Dynamik ist man sich klar bewußt, daß die Katechese den Charakter einer ganzheitlichen Formung annehmen muß und sich nicht auf bloßes Lehren beschränken darf; sie wird sich bemühen müssen, eine echte Bekehrung hervorzurufen.(54)

– Im Einklang mit dem Gesagten wird es außerordentlich wichtig, daß bei der Planung der Katechese möglichst vieler Teilkirchen die Erwachsenenkatechese vermehrt wird.(55) Sie scheint in den Pastoralplänen vieler Diözesen Priorität zu haben. Auch in einigen kirchlichen Bewegungen und Gruppen nimmt sie einen zentralen Platz ein.

– Zweifellos begünstigt von den neueren Anleitungen des Lehramtes, hat das katechetische Denken in unserer Zeit an Dichte und Tiefe gewonnen. In diesem Sinn verfügen viele Ortskirchen schon über geeignete und zweckmäßige pastorale Orientierungshilfen.

30. Es ist jedoch notwendig, einige Probleme mit besonderer Aufmerksamkeit zu prüfen und nach einer Lösung für sie zu suchen:

– Das erste betrifft das Verständnis der Katechese als Glaubensschule, als Erlernung und Lehrzeit des ganzen christlichen Lebens, was bei weitem noch nicht in das Bewußtsein der Katecheten gedrungen ist.

– Was die Grundausrichtung betrifft, so durchtränkt für gewöhnlich der Begriff »Offenbarung« die katechetische Tätigkeit; doch hat der Konzilsbegriff »Überlieferung« weniger großen Einfluß als wirklich inspirierendes Element. In vielen Katechesen wird fast ausschließlich auf die Bibel Bezug genommen, ohne daß das zweitausend Jahre lange Denken und Leben der Kirche ausreichend berücksichtigt wird.(56) Die kirchliche Natur der Katechese wird in diesem Fall weniger klar sichtbar. Die wechselseitige Verknüpfung von Heiliger Schrift, Überlieferung und Lehramt, »jedes auf seine Art«,(57) befruchtet die katechetische Glaubensvermittlung noch nicht harmonisch.

– Hinsichtlich der Zielsetzung der Katechese, die darauf abzielt, die Gemeinschaft mit Jesus Christus zu fördern, ist eine ausgewogenere Darbietung der ganzen Wahrheit des Geheimnisses Christi notwendig. Zuweilen bleibt man bei seinem Menschsein stehen, ohne ausdrücklich auf seine Gottheit zu verweisen; in anderen, heute weniger häufigen Fällen, betont man seine Gottheit so ausschließlich, daß die Wirklichkeit des Mysteriums der Inkarnation des Wortes nicht mehr hervortritt.(58)

– Bezüglich des Inhalts der Katechese bestehen verschiedene Probleme. Es gibt da gewisse Lücken in bezug auf die Wahrheit über Gott und den Menschen, über Sünde und Gnade und die Letzten Dinge. Auch ist eine solidere sittliche Bildung notwendig; man stößt auf eine unzulängliche Darstellung der Kirchengeschichte, und der kirchlichen Soziallehre wird zu wenig Bedeutung beigemessen. In einigen Regionen wimmelt es von Katechismen und Texten, die aus privater Initiative stammen, selektive Tendenzen und so unterschiedliche Akzentsetzungen aufweisen, daß sie der notwendigen Übereinstimmung in der Glaubenseinheit Schaden zufügen.(59)

– »Die Katechese ist von ihrem Wesen her mit dem gesamten liturgischen und sakramentalen Handeln verbunden«.(60) Häufig freilich zeugt die katechetische Praxis nur von einer schwachen, brüchigen Verbindung mit der Liturgie: begrenzte Beachtung der liturgischen Zeichen und Riten, spärliche Ausschöpfung der liturgischen Quellen, katechetische Unterweisungen, die kaum oder gar keinen Bezug zum Kirchenjahr erkennen lassen, nur am Rand vorhandene Hinweise auf Gottesdienste in den Katechese-Anleitungen.

– Was die Pädagogik angeht, so schenkt man, nach einer Überbetonung des Wertes der Methode und der Techniken von seiten einiger, den Forderungen und der besonderen Eigenart der Pädagogik der Glaubenserziehung noch nicht die gebührende Aufmerksamkeit.(61) Man fällt leicht in den »Inhalt-Methode«-Dualismus mit Verkürzungen in der einen oder anderen Richtung. Was den pädagogischen Aspekt betrifft, wurde nicht immer die notwendige theologische Unterscheidung vorgenommen.

– Was schließlich die Unterschiedlichkeit der Kulturen in bezug auf den Dienst am Glauben angeht, stellt sich das Problem, wie das Evangelium so in den Kulturhorizont der Völker, an die man sich richtet, zu übertragen ist, daß es wirklich als eine für das Leben der Menschen und der Gesellschaft wichtige Kunde wahrgenommen werden kann.(62)

– Die Ausbildung für das Apostolat und für die Mission ist eine der fundamentalen Aufgaben der Katechese. Doch während innerhalb der katechetischen Tätigkeit eine neue Sensibilität bei der Heranbildung gläubiger Laien für das christliche Zeugnis, für den interreligiösen Dialog, für den Einsatz in der Welt wächst, macht die Erziehung für die Missionstätigkeit ad gentes noch einen recht schwachen und rückständigen Eindruck. Die gewöhnliche Katechese schenkt den Missionen nur unregelmäßig und am Rande Aufmerksamkeit.

Die Aussaat des Evangeliums

31. Nach Untersuchung des Bodens schickt der Sämann seine Arbeiter aus, um das Evangelium in der ganzen Welt zu verkünden, und teilt ihnen dazu die Kraft seines Geistes mit. Gleichzeitig zeigt er ihnen, wie die Zeichen der Zeit zu deuten sind, und verlangt von ihnen eine sehr gediegene Vorbereitung, um die Aussaat vorzunehmen.

Wie die Zeichen der Zeit zu deuten sind

32. Die Stimme des Geistes, den Jesus vom Vater her seinen Jüngern gesandt hat, spricht auch aus den Ereignissen der Geschichte.(63) Hinter den veränderlichen Gegebenheiten der aktuellen Situation und in den tieferen Motivationen für die Herausforderungen, die sich der Evangelisierung stellen, muß man, »die Zeichen der Gegenwart oder der Absicht Gottes«(64) zu entdecken suchen. Es geht um eine Analyse, die im Licht des Glaubens in einer Haltung des Mitleidens vorzunehmen ist. Während sie sich der stets notwendigen Humanwissenschaften bedient,(65) sucht die Kirche den Sinn der jeweiligen Situation innerhalb der Heilsgeschichte zu ergründen.Ihre Urteile über die Wirklichkeit sind stets Diagnosen für die Sendung.

Einige Herausforderungen für die Katechese

33. Um ihre Lebenskraft und Wirksamkeit zum Ausdruck bringen zu können, müßte die Katechese sich der folgenden Herausforderungen und Orientierungen annehmen:

– sie muß sich vor allem als wirksamen Dienst an der Evangelisierung der Kirche mit betont missionarischem Charakter vorstellen;

– sie muß sich an einige ihrer bevorzugten Adressaten richten: das waren und sind weiterhin die Kinder, die Heranwachsenden, die Jugendlichen und die Erwachsenen, und dabei vor allem mit diesen letzteren beginnen;

– sie muß, nach dem Beispiel der Kirchenväter, die Persönlichkeit des Glaubenden formen und somit eine echte Schule christlicher Pädagogik sein;

– sie muß die wesentlichen Geheimnisse des Christentums verkünden, indem sie die trinitarische Erfahrung eines Lebens in Christus als Zentrum des Glaubenslebens fördert;

– sie muß die Vorbereitung und Ausbildung von tiefgläubigen Glaubenserziehern (Katecheten) als vorrangige Aufgabe betrachten.

ERSTER TEIL
DIE KATECHESE
IN DER
EVANGELISIERENDEN SENDUNG
DER KIRCHE

»Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen« (Mk 16,15).
»Geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern, tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe« (Mt 28,19-20).
»Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein...bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1,8).

Der Missionsauftrag Jesu

34. Nach seiner Auferstehung sandte Jesus vom Vater her den Heiligen Geist, damit er das Heilswerk von innen heraus vollende und die Jünger ansporne, seine Sendung in der ganzen Welt fortzusetzen, so wie er einst vom Vater gesandt worden war. Er war der erste und größte Verkünder des Evangeliums. Er verkündete das Reich Gottes(66) als neuerliches und endgültiges göttliches Eingreifen in die Geschichte und bezeichnete diese Verkündigung als »das Evangelium«, das heißt als die Frohe Botschaft. Ihm widmete er sein ganzes irdisches Dasein: er machte mit der Freude bekannt, dem Reich Gottes anzugehören,(67) er sprach von den Anforderungen und der Magna Charta dieses Reiches,(68) von den Geheimnissen, die es in sich birgt,(69) vom geschwisterlichen Leben derer, die in es eintreten,(70) und von seiner zukünftigen Fülle.(71)

Bedeutung und Zielsetzung dieses Teiles

35. Dieser erste Teil will den Eigencharakter der Katechese bestimmen.

Das erste Kapitel erinnert, entsprechend dem theologischen Denkansatz, kurz an den Begriff der Offenbarung, wie er im Konzilsdokument Dei verbum dargelegt wird. Er bestimmt auf spezifische Weise die Auffassung vom Dienst am Wort. Die Begriffe Wort Gottes, Evangelium, Reich Gottes und Überlieferung, die in dieser dogmatischen Konstitution vorkommen, begründen die Bedeutung der Katechese. Neben ihnen ist für die Katechese der Begriff Evangelisierung verpflichtender Bezugspunkt. Seine Dynamik und seine Elemente werden im Apostolischen Schreiben Evangelii Nuntiandi mit einer neuen und vertieften Präzision dargelegt.

Das zweite Kapitel stellt die Katechese in den Rahmen der Evangelisierung und bringt sie zu den anderen Formen des Dienstes am Gotteswort in Beziehung. Dank dieser Beziehung entdeckt man leichter den eigentlichen Charakter der Katechese.

Das dritte Kapitel analysiert direkter die Katechse als solche: ihre kirchliche Natur, ihre verbindliche Zielsetzung der Gemeinschaft mit Jesus Christus, ihre Aufgaben, die katechumenale Inspiration, die sie beseelt.

Die Auffasung, die man von der Katechese hat, bedingt stark die Auswahl und Anordnung ihrer (erkenntnis-, erfahrungs- und verhaltensbezogenen) Inhalte, bestimmt ihre Empfänger und definiert das pädagogische Vorgehen, das für die Erreichung der Ziele erfordert ist.

Das Wort Katechese hat während der zweitausendjährigen Geschichte der Kirche eine bedeutungsmäßige Entwicklung durchgemacht. Im vorliegenden Direktorium inspiriert sich der Begriff Katechese an den nachkonziliaren päpstlichen Lehrschreiben, vorallem an Evangelii nuntiandi, Catechesi tradendae und Redemptoris missio.

I. KAPITEL

Die Offenbarung und ihre Weitergabe
durch die Evangelisierung

»Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel... Er hat uns das Geheimnis seines Willens kundgetan, wie er es gnädig im voraus bestimmt hat: Er hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, in Christus alles zu vereinen« (Eph 1,3.9-10).

Die Offenbarung des Planes der Vorsehung Gottes

36. »Gott, der durch das Wort alles erschafft und erhält, gibt den Menschen jederzeit in den geschaffenen Dingen Zeugnis von sich«.(72) Der Mensch, der auf Grund seiner Natur und Berufung »zur Erfassung Gottes befähigt ist«, kann, wenn er die Botschaft der Geschöpfe vernimmt, zur Gewißheit gelangen, daß die Existenz Gottes Ursache und Ziel von allem ist und daß Gott sich dem Menschen offenbaren kann.

Die Konstitution Dei verbum des II. Vatikanischen Konzils hat die Offenbarung als Akt beschrieben, durch den Gott sich den Menschen persönlich offenbart. Gott zeigt sich als der, der sich selbst mitteilen will, indem er den Menschen an seiner göttlichen Natur teilhaben läßt.(73) Auf diese Weise verwirklicht er seinen Liebesplan.

»Gott hat in seiner Weisheit und Güte beschlossen, sich selbst zu offenbaren und das Geheimnis seines Willens kundzutun..., um sie (die Menschen) in seine Gemeinschaft einzuladen und aufzunehmen».(74)

37. Dieser »Plan der göttlichen Vorsehung«(75) des Vaters, der in Jesus Christus voll geoffenbart worden ist, verwirklicht sich durch die Kraft des Heiligen Geistes.

Er beinhaltet:

– die Offenbarung Gottes, seiner »intima... veritas«,(76) seines »Geheimnisses«(77) und der wahren Berufung und Würde des Menschen;(78)

– das Heilsangebot an alle Menschen als Geschenk der Gnade und des Erbarmens Gottes,(79) das die Befreiung vom Übel, von der Sünde, vom Tod mit sich bringt;(80)

– den endgültigen Ruf, um alle versprengten Kinder in der Familie Gottes zu sammeln und so zwischen den Menschen die geschwisterliche Einheit herzustellen.(81)

Die Offenbarung: Taten und Worte

38. In seiner Unermeblichkeit bedient sich Gott, um sich dem Menschen zu offenbaren, eines pädagogischen Vorgehens;(82) er benützt Geschehnisse und menschliche Worte, um seinen Plan mitzuteilen: er tut das nach und nach und in Etappen,(83) um sich den Menschen besser zu nähern. Denn Gott wirkt so, daß die Menschen durch die Ereignisse der Heilsgeschichte und die von Gott inspirierten Worte, die sie begleiten und erklären, seinen Heilsplan kennenlernen.

»Das Offenbarungsgeschehen ereignet sich in Tat und Wort, die innerlich miteinander verknüpft sind:

– die Werke nämlich, die Gott im Verlauf der Heilsgeschichte wirkt, offenbaren und bekräftigen die Lehre und die durch die Worte bezeichneten Wirklichkeiten;

– die Worte verkündigen die Werke und lassen das Geheimnis, das sie enthalten, ans Licht treten«.(84)

39. Auch die Evangelisierung, die die Offenbarung an die Welt weitergibt, erfolgt mit Taten und Worten. Sie ist gleichzeitig Zeugnis und Verkündigung, Wort und Sakrament, Lehre und Einsatz.

Die Katechese gibt ihrerseits die Geschehnisse und Worte der Offenbarung weiter: Sie muß sie verkünden und erzählen und gleichzeitig die tiefen Geheimnisse erklären, die sie enthalten. Und da die Offenbarung für den Menschen Lichtquelle ist, erwähnt die Katechese nicht nur die in der Vergangenheit gewirkten wunderbaren Taten Gottes, sondern deutet im Licht der gleichen Offenbarung die Zeichen der Zeit und das gegenwärtige Leben der Männer und Frauen, da sich in ihnen Gottes Heilsplan für die Welt verwirklicht.(85)

Jesus Christus, Vermittler und Fülle der Offenbarung

40. Gott offenbarte sich den Menschen allmählich durch die Propheten und die Heilsgeschehnisse, bis er mit der Entsendung seines Sohnes seine Offenbarung zu Ende führte.(86)

»Jesus Christus... ist es, der durch sein ganzes Dasein und seine ganze Erscheinung, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder, vor allem aber durch seinen Tod und seine herrliche Auferstehung von den Toten, schließlich durch die Sendung des Geistes der Wahrheit die Offenbarung erfüllt und abschließt«.(87)

Jesus Christus ist nicht nur der größte der Propheten, sondern er ist der menschgewordene ewige Sohn Gottes. Er ist somit das letzte Ereignis, auf das alles Geschehen der Heilsgeschichte hinausläuft.(88) »Er ist das vollkommene, unübertreffbare, eingeborene Wort des Vaters«.(89)

41. Der Dienst am Wort muß diese bewundernswerte Eigenart des Offenbarungsgeschehens zur Geltung bringen: Der Sohn Gottes tritt in die Geschichte der Menschen ein, nimmt das menschliche Leben und Sterben auf sich und verwirklicht den neuen, endgültigen Bund zwischen Gott und den Menschen. Es ist Aufgabe der Katechese aufzuzeigen, wer Jesus Christus ist: sie soll sein Leben und sein Geheimnis und den christlichen Glauben als Nachfolge seiner Person darstellen.(90) Darum muß sie sich beständig auf die Evangelien stützen; diese »sind das Herzstück aller Schriften als Hauptzeugnis für Leben und Lehre des fleischgewordenen Wortes, unseres Erlösers«.(91)

Die Tatsache, daß Jesus Christus die Fülle der Offenbarung ist, bildet die Grundlage der »Christozentrik«(92) der Katechese: In der geoffenbarten Botschaft ist das Mysterium Christi nicht ein zusätzliches Element neben anderen, sondern das Zentrum, von dem her alle anderen Elemente Rang und Licht erhalten.

Die Weitergabe der Offenbarung durch die Kirche als Werk des Heiligen Geistes

42. Die Offenbarung Gottes, die in Jesus Christus gipfelt, ist für die ganze Menschheit bestimmt: Gott »will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen« (1 Tim 2,4). Kraft dieses universalen Heilswillens hat Gott verfügt, daß die Offenbarung allen Völkern und allen Generationen weitergegeben werde und für alle Zeiten unversehrt erhalten bleibe.(93)

43. Um diesen göttlichen Plan zu erfüllen, gründete Jesus Christus die Kirche auf dem Fundament der Apostel und beauftragte sie, indem er ihnen vom Vater her den Heiligen Geist sandte, das Evangelium in der ganzen Welt zu verkünden. Die Apostel führten mit Worten, Werken und Schriften diesen Auftrag getreu aus.(94)

Diese apostolische Überlieferung setzt sich in der Kirche und durch die Kirche fort. Und sie als ganze, Hirten und Gläubige, ist um ihre Bewahrung und Weitergabe besorgt. Das Evangelium wird in der Kirche vollständig und lebendig erhalten; die Jünger Jesu Christi betrachten und meditieren es unablässig, leben es im täglichen Dasein und verkünden es in der Mission. Der Heilige Geist befruchtet die Kirche beständig, während sie das Evangelium lebt;er läßt sie in dessen Verständnis fortwährend wachsen, treibt sie an und unterstützt sie bei der Aufgabe, es in jedem Winkel der Welt zu verkünden.(95)

44. Die unversehrte Bewahrung der Offenbarung, des in der Überlieferung und der Schrift enthaltenen Gotteswortes, sowie seine ständige Weitergabe sind in ihrer Authentizität gewährleistet. Vom Heiligen Geist unterstützt und mit dem »Charisma der Wahrheit« ausgestattet, übt das Lehramt der Kirche die Funktion aus, das Wort Gottes »verbindlich zu erklären«.(96)

45. Die Kirche, das »allumfassende Heilssakrament«,(97) gibt, vom Heiligen Geist dazu bewegt, die Offenbarung durch die Evangelisierung weiter: sie verkündet die Frohe Botschaft vom Heilsplan des Vaters und teilt in den Sakramenten die göttlichen Gaben aus.

Dem sich offenbarenden Gott gebührt der Glaubensgehorsam, durch den der Mensch aus freien Stücken, mit voller verstandes- und willensmäßiger Zustimmung, sein Ja sagt zum »Evangelium von der Gnade Gottes« (Apg 20,24). Vom Glauben, der Gabe des Geistes, geleitet, gelangt der Mensch dahin, den Gott der Liebe zu schauen und zu verkosten, der in Christus die Fülle seiner Herrlichkeit geoffenbart hat.(98)

Die Evangelisierung(99)

46. Die Kirche »ist dazu da, um zu evangelisieren«, (100) das heißt »die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen und sie durch deren Einfluß von innen her umzuwandeln und die Menschheit selbst zu erneuern«. (101)

Der Missionsauftrag Jesu weist verschiedene Aspekte auf, die miteinander eng verknüpft sind: »verkündet« (Mk 16,15), »macht zu Jüngern und lehrt«, (102) »ihr sollt meine Zeugen sein«, (103) »tauft«, (104) »tut dies zu meinem Gedächtnis« (Lk 22,19), »liebt einander« (Joh 15,12). Verkündigung, Zeugnis, Lehre, Sakramente, Nächstenliebe, zu Jüngern machen: alle diese Aspekte sind Wege und Mittel für die Weitergabe des einzigen Evangeliums und bilden die Elemente der Evangelisierung.

Einige dieser Elemente sind von so großer Bedeutung, daß man bisweilen dazu neigt, sie mit dem evangelisierenden Wirken zu identifizieren. »Keine partielle und fragmentarische Definition entspricht jedoch der reichen, vielschichtigen und dynamischen Wirklichkeit, die die Evangelisierung darstellt«. (105) Es besteht immer die Gefahr, sie zu verarmen und sogar zu verstümmeln. Statt dessen muß eine solche Definition »ihre Gesamtheit« (106) entfalten und auch ihre innere Zweipoligkeit in sich aufnehmen: Zeugnis und Verkündigung, (107) Wort und Sakrament, (108) innere Wandlung und gesellschaftliche Veränderung. (109) Die in der Evangelisierung Tätigen müssen in einer »globalen (d.h. die Evangelisierung der Welt betreffenden) Sicht« (110) von ihr zu handeln wissen und sie mit der gesamten Sendung der Kirche identifizieren. (111)

Der Evangelisierungsprozeß

47. Obgleich die Kirche von sich aus stets die Fülle der Heilsmittel enthält, »kennt sie in ihrer Tätigkeit... Stufen«. (112) Das Konzilsdekret Ad gentes hat die Dynamik des Evangelisierungsprozesses gut klargestellt: christliches Zeugnis und Nächstenliebe (11-12), Verkündigung des Evangeliums und Ruf zur Umkehr (13), Katechumenat und christliche Initiation (14), Aufbau der christlichen Gemeinschaft durch die Sakramente und durch Ämter und Dienste (15-18). (113) Das ist die Dynamik der Einpflanzung und des Aufbaus der Kirche.

48. Dementsprechend ist die Evangelisierung als der Vorgang zu verstehen, durch den die Kirche, vom Heiligen Geist dazu bewegt, das Evangelium in der ganzen Welt verkündet und verbreitet.

– Von der Nächstenliebe dazu angetrieben, durchtränkt und verändert sie die ganze zeitliche Ordnung, indem sie die Kulturen aufnimmt und erneuert; (114)

– sie gibt unter den Völkern Zeugnis (115) von der neuen Daseins– und Lebensweise, welche die Christen kennzeichnet;

– sie verkündet ausdrücklich das Evangelium durch die »Erstverkündigung« (116) und den Ruf zur Bekehrung; (117)

– sie führt diejenigen, die sich zu Jesus Christus bekehren oder den Weg seiner Nachfolge von neuem einschlagen, durch die »Katechese«(118) und die »Initiationssakramente« (119) in den Glauben und das christliche Leben ein, indem sie die einen in die christliche Gemeinschaft eingliedert und die anderen zu ihr zurückführt; (120)

– sie stärkt in den Gläubigen ständig die Gabe der Gemeinschaft (121) durch die Weiterbildung im Glauben (Homilie, andere Formen des Dienstes am Wort), die Sakramente und die Pflege der Nächstenliebe;

– sie löst unablässig die Mission (122) aus, indem sie alle Jünger Christi aussendet, mit Worten und Werken auf der ganzen Welt das Evangelium zu verkünden.

49. Der Evangelisierungsprozeß (123) gliedert sich folglich in Etappen oder »wesentliche Momente«: (124) das missionarische Wirken für die Nichtglaubenden und für die, die in religiöser Gleichgültigkeit leben; das katechetisch-initiierende Wirken für die, die sich für das Evangelium entscheiden, und für die, die es nötig haben, ihre Initiation zu vervollständigen oder neu zu strukturieren; und das pastorale Wirken für die schon reifen Christgläubigen im Schoß der christlichen Gemeinde. (125) Diese Momente sind jedoch nicht abgeschlossene Etappen: sie werden, wenn nötig, wiederholt, so daß sie dem geistlichen Wachstum jeder Person und der Gemeinde selbst die passendste evangeliumsgemäbe Nahrung geben.

Der Dienst am Wort Gottes in der Evangelisierung

50. Der Dienst am Wort (126) ist das Grundelement der Evangelisierung. Die christliche Präsenz inmitten der verschiedenen Menschengruppen und das Lebenszeugnis müssen durch die ausdrückliche Verkündigung Jesu Christi, des Herrn, erklärt und begründet werden. »Es gibt keine wirkliche Evangelisierung, wenn nicht der Name, die Lehre, das Leben, die Verheißungen, das Reich, das Geheimnis von Jesus von Nazaret, des Sohnes Gottes, verkündet werden«. (127) Auch die, die schon Jünger Christi sind, haben, um in ihrem christlichen Leben zu wachsen, es nötig, beständig durch das Wort Gottes genährt zu werden. (128)

Innerhalb der Evangelisierung gibt der Dienst am Wort die Offenbarung durch die Kirche weiter, indem er sich menschlicher »Worte« bedient. Diese sind jedoch stets auf die »Werke« bezogen: auf jene, die Gott vollbracht hat und weiterhin vollbringt, zumal in der Liturgie; auf das Lebenszeugnis der Christen; und auf das verändernde Wirken, das diese im Verein mit vielen Menschen guten Willens in der Welt vollziehen. Dieses menschliche Wort der Kirche ist das Mittel, dessen sich der Heilige Geist bedient, um den Dialog mit der Menschheit weiterzuführen. Er ist nämlich der Hauptakteur im Dienst am Wort, der, durch den »die lebendige Stimme des Evangeliums in der Kirche und durch sie in der Welt widerhallt«. (129)

Der Dienst am Wort wird »demgemäß auf verschiedene Weise ausgeübt«. (130) Seit der Zeit der Apostel (131) hat die Kirche in ihrem Verlangen, das Wort Gottes auf die geeignetste Weise darzubieten, diesen Dienst in verschiedensten Formen vollzogen.(132) Sie alle dienen dazu, jene grundlegenden Funktionen in Gang zu bringen, die der Dienst am Wort zu versehen berufen ist.

Funktionen und Formen des Dienstes am Wort Gottes

51. Die Hauptfunktionen des Dienstes am Wort sind folgende:

Versammlung und Ruf zum Glauben

Das ist die Funktion, die sich am unmittelbarsten aus dem Missionsauftrag Jesu herleitet. Sie wird verrichtet durch die »Erstverkündigung«, die sich an die Nichtglaubenden richtet: an die, die sich für den Unglauben entschieden haben, an die Getauften, die am Rand des christlichen Lebens stehen, an die Anhänger anderer Religionen... (133) Die religiöse Weckung der Kinder in den christlichen Familien ist auch eine vortreffliche Form dieser Funktion.

Die Initiation

Wer, von der Gnade bewegt, sich dazu entscheidet, Christus nachzufolgen, wird »stufenweise in das Leben des Glaubens, der Liturgie und der liebenden Gemeinschaft des Gottesvolkes eingeführt«. (134) Die Kirche vollbringt diese Aufgabe grundlegend durch die Katechese, in engem Zusammenhang mit den Initiationssakramenten, gleich, ob diese erst zu empfangen oder schon empfangen worden sind. Wichtige Formen sind: die Katechese der ungetauften Erwachsenen im Katechumenat; die Katechese der getauften Erwachsenen, die zum Glauben zurückzukehren wünschen, oder derer, die einer Vervollständigung ihrer Initiation bedürfen; die Kinder- und Jugendkatechese, die von sich aus Initiationscharakter hat. Auch die christliche Erziehung in der Familie und der Religionsunterricht in den Schulen üben eine Initiationsfunktion aus.

Die ständige Glaubenserziehung

In verschiedenen Ländern wird sie auch »fortdauernde Katechese« genannt. (135)

Sie wendet sich an Christen, die in die Grundelemente eingeführt sind, es aber nötig haben, ihren Glauben während des ganzen Lebens beständig zu nähren und reifen zu lassen. Sie ist eine Funktion, die in sehr verschiedenartigen Formen ausgeführt wird: »systematisch und gelegentlich, für einzelne und für Gemeinschaften, organisiert und spontan usw«. (136)

Die liturgische Funktion

Der Dienst am Wort umfaßt auch eine liturgische Funktion, denn wenn er innerhalb einer heiligen Handlung vorgenommen wird, ist er ein integrierender Teil von ihr. (137) Sie kommt in vortrefflicher Weise durch die Homilie zum Ausdruck. Weitere Formen sind die Ermahnungen bei den Wortgottesdiensten. Hinzuweisen ist auch auf die unmittelbare Vorbereitung auf die verschiedenen Sakramente, auf die Sakramentalien und vor allem auf die Teilnahme der Gläubigen an der Eucharistie als Grundform der Glaubenserziehung.

Die theologische Funktion

Sie sucht das Glaubensverständnis zu entwickeln, indem sie sich in die Dynamik der »fides quaerens intellectum« versetzt, d.h. des Glaubens, der zu verstehen sucht. (138) Um diese Funktion zu erfüllen, muß die Theologie sich auseinandersetzen oder in Dialog treten mit den philosophischen Formen des Denkens, mit den Humanismen, die die Kultur bestimmen, und mit den Wissenschaften vom Menschen. Sie artikuliert sich in Formen, welche »die wissenschaftliche Behandlung und wissenschaftliche Erforschung der Glaubenswahrheiten« (139) fördern.

52. Wichtige Formen des Dienstes am Wort sind: Erstverkündigung oder missionarische Verkündigung, Katechese vor und nach der Taufe, liturgische Form und theologische Form. Es kommt häufig vor, daß diese Formen — wegen pastoraler Umstände — mehr als eine Funktion übernehmen müssen. Die Katechese zum Beispiel muß zusätzlich zu ihrer Initiationsfunktion oft missionarische Aufgaben erfüllen. Selbst die Homilie wird unter entsprechenden Umständen die Funktionen der Versammlung und der organischen Initiation zu übernehmen haben.

Die Umkehr und der Glaube

53. Durch die Verkündigung der Frohbotschaft von der Offenbarung an die Welt lädt die Evangelisierung Männer und Frauen zur Bekehrung und zum Glauben ein. (140) Der Aufruf Jesu »Kehrt um, und glaubt an das Evangelium« (Mk 1,15) ertönt heute durch die Evangelisierung der Kirche weiter. Der christliche Glaube ist vor allem Bekehrung zu Jesus Christus, (141) volle, aufrichtige Bindung an seine Person, und die Entscheidung, in seiner Nachfolge zu leben. (142) Der Glaube ist eine persönliche Begegnung mit Jesus Christus, in der man zu seinem Jünger wird. Dies erfordert das beständige Bemühen, zu denken wie er, zu urteilen wie er und zu leben, wie er gelebt hat. (143) So vereint sich der Glaubende mit der Gemeinde der Jünger und macht sich den Glauben der Kirche zu eigen. (144)

54. Dieses Ja zu Jesus Christus, Fülle der Offenbarung des Vaters, weist eine doppelte Dimension auf: sich vertrauensvoll Gott zu überlassen und allem, was er geoffenbart hat, liebend zuzustimmen. Das ist nur durch das Wirken des Heiligen Geistes möglich. (145)

»Im Gehorsam des Glaubens» (Röm 12,26)...

– überantwortet sich der Mensch Gott als ganzer in Freiheit,

– indem er sich dem offenbarenden Gott mit Verstand und Willen voll unterwirft und seiner Offenbarung willig zustimmt«. (146)

»Glauben hat also einen doppelten Bezug: den zur Person und den zur Wahrheit; der Glaubensakt bezieht sich auf die Wahrheit durch das Vertrauen in die Person, die sie bezeugt«. (147)

55. Der Glaube zieht eine Lebensänderung, eine »metanoia« (148) nach sich, eine tiefgreifende Änderung der Gesinnung und des Herzens; er bewirkt, daß der Glaubende jene »neue Weise des Seins, des Lebens, des Zusammenlebens« erlebt, »die das Evangelium eröffnet«. (149) Diese Lebensänderung zeigt sich auf allen Daseinsebenen des Christen: in seinem Innenleben durch Anbetung und Annahme des göttlichen Willens; in seiner aktven Beteiligung an der Sendung der Kirche; in seinem Ehe- und Familienleben; in der Ausübung des Berufslebens; im Wirken auf wirtschaftlichem und sozialem Gebiet.

Der Glaube und die Umkehr entspringen dem »Herzen«, das heibt dem innersten Kern der menschlichen Person, und involviert sie In der Begegnung mit Jesus Christus und in der Bindung an ihn sieht der Mensch seine tiefsten Sehnsüchte gestillt; er findet das, wonach er stets gesucht hat, und findet es in Überfülle. (150) Der Glaube entspricht jener oft unbewußten und stets begrenzten »Erwartung«, (151) die Wahrheit über Gott, den Menschen selbst und das Schicksal, das ihn erwartet, zu kennen. Er ist wie klares Wasser, (152) das den Weg des Menschen, des Pilgers auf der Suche nach seinem Zuhause, neu belebt.

Der Glaube ist eine Gottesgabe. Er kann im Innersten des Menschen nur entstehen als Frucht der »zuvorkommenden und helfenden Gnade Gottes« (153) und als völlig freie Antwort auf den Antrieb des Heiligen Geistes, der das Herz bewegt und es Gott zuwendet, und es ihm leicht macht, »der Wahrheit zuzustimmen und zu glauben«. (154)

Die Jungfrau Maria hat diese Dimensionen des Glaubens aufs vollkommenste gelebt. Die Kirche verehrt in ihr »die lauterste Glaubensgestalt«.(155)

Der Vorgang ständiger Bekehrung

56. Der Glaube ist eine Gabe, die dazu bestimmt ist, im Herzen der Glaubenden zu wachsen. (156) Die Bindung an Jesus Christus leitet nämlich einen Prozeß ständiger Umkehr ein, der das ganze Leben andauert: (157) Wer zum Glauben hinzutritt, ist wie ein Kindlein, das eben zur Welt gekommen ist (158) und nach und nach zu einem Erwachsenen heranwachsen wird, der »zum vollkommenen Menschen werden«, (159) zur Fülle Christi heranreifen möchte.

Im Glaubens- und Bekehrungsprozeß lassen sich vom theologischen Standpunkt aus verschiedene wichtige Momente hervorheben:

a) Das Interesse für das Evangelium. Der erste Moment ist der, wo im Herzen des Nichtglaubenden, des Gleichgültigen oder des Angehörigen einer andern Religion als Folge der Erstverkündigung ein Interesse für das Evangelium entsteht, ohne daß noch ein fester Entschluß vorhanden ist. Diese erste Hinbewegung des menschlichen Geistes zum Glauben, die schon Frucht der Gnade ist, wird verschieden bezeichnet: als »Hingezogenwerden zum Glauben«, (160) »Vorbereitung auf das Evangelium«, (161) Neigung zum Glauben, »Suche nach religiösen Werten«. (162) Die Kirche nennt Personen, die von dieser Unruhe beseelt sind, »Sympathisanten«.(163)

b) Die Bekehrung. Dieses erste Interesse für das Evangelium benötigt eine Zeit der Suche, (164) um zu einer festen Entscheidung zu werden. Der Entschluß zum Glauben muß erwogen werden und reifen. Diese durch den Heiligen Geist und die Verkündigung des Kerygmas angeregte Suche bereitet auf die Bekehrung vor, die — sicher — »anfanghaft« (165) ist, aber schon die Bindung an Jesus Christus und den Willen mit sich bringt, in seiner Nachfolge zu leben. Diese »Grundoption« legt den Grund zum ganzen christlichen Leben des Jüngers des Herrn. (166)

c) Das Glaubensbekenntnis. Die Hingabe an Jesus Christus erzeugt in den Glaubenden das Verlangen, ihn tiefer kennenzulernen und sich mit ihm zu identifizieren. Die Katechese führt sie in die Kenntnis des Glaubens und in das Einüben des christlichen Lebens ein; sie begünstigt einen geistlichen Weg, der »einen fortschreitenden Wandel des Empfindens und Verhaltens« (167) hervorruft in Entsagungen und Kämpfen, aber auch in Freuden, die Gott maßlos gewährt. Der Jünger Jesu Christi ist dann imstande, ein lebendiges, ausdrückliches und wirksames Glaubensbekenntnis abzulegen. (168)

d) Der Weg zur Vollkommenheit. Diese grundlegende Reife, aus der das Glaubensbekenntnis hervorgeht, ist im ständigen Bekehrungsprozeß nicht der Endpunkt. Das Glaubensbekenntnis bei der Taufe legt den Grund zu einem geistlichen Gebäude, das bestimmt ist ausgebaut zu werden. Stets vom Geist angetrieben, von den Sakramenten, dem Gebet und der Ausübung der Nächstenliebe genährt und von den vielfältigen Formen ständiger Glaubenserziehung unterstützt, sucht der Getaufte sich das Verlangen Christi zu eigen zu machen: »Ihr sollt vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer Vater ist«. (169) Es ist der Ruf zur Fülle, der sich an jeden Getauften richtet.

57. Der Dienst am Wort steht im Dienst dieses Vorgangs der vollen Bekehrung. Die Erstverkündigung hat zum Glauben zu rufen; die Katechese hat der Bekehrung ein Fundament und dem christlichen Leben eine Grundstruktur zu geben; die ständige Erziehung zum Glauben, vorzüglich die Homilie, hat die ständige Nahrung zu sein, die jeder erwachsene Organismus zum Leben braucht. (170)

Die Evangelisierung angesichts unterschiedlicher sozio-religiöser Situationen

58. Die Evangelisierung der Welt hat ein sehr vielgestaltiges und wandelbares religiöses Panorama vor sich, worin sich im Grunde »drei Situationen« (171) unterscheiden lassen, die entsprechende differenzierte Antworten verlangen.

a) Die Situation jener »Völker, Menschengruppen, sozio-kulturellen Zusammenhänge, in denen Christus und sein Evangelium nicht bekannt sind oder in denen es an genügend reifen christlichen Gemeinden fehlt, um den Glauben in der eigenen Umgebung Fuß fassen zu lassen und anderen Menschengruppen verkündigen zu können«. (172) Diese Situation erfordert die eigentliche »Mission ad gentes«(173) in einem evangelisierenden Wirken, das sich vorzugsweise auf die Jugendlichen und die Erwachsenen konzentriert. Ihre Besonderheit besteht darin, daß sie sich an die Nichtchristen wendet und sie zur Bekehrung einlädt. In dieser Situation vollzieht sich die Katechese für gewöhnlich innerhalb des Taufkatechumenates.

b) Zudem gibt es Situationen, in denen in einem bestimmten sozio-kulturellen Umfeld in sehr signifikanter Weise »christliche Gemeinden« leben, »die angemessene und solide kirchliche Strukturen besitzen, die eifrig sind im Glauben und im Leben, die mit ihrem Zeugnis vom Evangelium in ihre Umgebung ausstrahlen und die Verantwortung für die Weltmission spüren«.(174) Diese Gemeinden benötigen ein intensives »pastorales Wirken der Kirche«, da sie aus tief christlichen Personen und Familien bestehen. In diesem Umfeld muß die Katechese der Kinder, der Heranwachsenden und Jugendlichen unbedingt gut gegliederte echte Prozesse christlicher Initiation entwickeln, die es ihnen ermöglicht, mit reifem Glauben das Erwachsenenalter zu erreichen. Auch in diesen Situationen sind die Erwachsenen Adressaten verschiedener Weisen christlicher Bildung.

c) In vielen »Ländern mit alter christlicher Tradition, aber manchmal auch in jüngeren Kirchen« gibt es »eine Situation dazwischen«, (175) »wo ganze Gruppen von Getauften den lebendigen Sinn des Glaubens verloren haben oder sich gar nicht mehr als Mitglieder der Kirche erkennen, da sie sich in ihrem Leben von Christus und dem Evangelium entfernt haben«. (176) Diese Situation erfordert eine »Neu-Evangelisierung«. Ihre Besonderheit besteht darin, daß sich das missionarische Wirken an Getaufte jedes Alters wendet, die in einem religiösen Umfeld von christlichen Bezügen leben, die bloß äußerlich wahrgenommen werden. In dieser Situation sind die Erstverkündigung und eine Grundkatechese die vordringlichste Option.

Wechselseitiger Zusammenhang zwischen den evangelisierenden Tätigkeiten, die diesen Situationen entsprechen

59. Diese sozio-religiösen Situationen sind natürlich unterschiedlich, und man darf sie nicht einfach gleichsetzen. Diese Verschiedenheit, die in der Sendung der Kirche schon immer vorhanden war, wird heute in unserer sich wandelnden Welt zu etwas Neuem. Häufig bestehen nämlich unterschiedliche Situationen auf ein und demselben Territorium nebeneinander. In vielen Großstädten zum Beispiel gibt es die Situation, die eine »Mission ad gentes« erfordert, gleichzeitig neben der Situation, die eine »Neu-Evangelisierung« erfordert. Neben ihnen sind christliche Missionsgemeinden, die von einem entsprechenden »pastoralen Wirken« gefördert werden, in dynamischer Weise präsent. Heute kommt es oft vor, daß man auf dem Territorium einer Teilkirche mit allen diesen Situationen umzugehen wissen muß. »Die Grenzen zwischen Seelsorge, Neu-Evangelisierung und ausgesprochen missionarischer Tätigkeit sind nicht eindeutig bestimmbar, und es ist undenkbar, zwischen ihnen Barrieren oder scharfe Trennungen zu ziehen«. (177) »Jede von ihnen hat Einfluß auf die andere, regt sie an und hilft ihr«. (178)

Deshalb muß man sich zur gegenseitigen Bereicherung der evangelisierenden Tätigkeiten, die nebeneinander ausgeübt werden, bewußt sein:

– Die Mission ad gentes ist, in welcher Zone oder welchem Umfeld sie auch vorgenommen wird, die spezifischeste missionarische Verantwortung, die Jesus seiner Kirche anvertraut hat, und deshalb das beispielhafte Modell des gesamten missionarischen Wirkens der Kirche. Die »Neu-Evangelisierung« darf die »Mission ad gentes« nicht verdrängen oder ersetzen, die weiterhin die spezifische missionarische Tätigkeit und primäre Aufgabe ist.(179)

– »Das Modell jeder Katechese ist das Taufkatechumenat, nämlich die spezifische Bildung, durch die der zum Glauben gekommene Erwachsene während der Ostervigil zum Glaubensbekenntnis geführt wird«. (180) Diese katechumenale Bildung muß die anderen Formen von Katechese in ihren Zielsetzungen und ihrer Dynamik inspirieren.

– »Da sich die Katechese für Erwachsene an Menschen wendet, die zu einer wirklich verantwortlichen Glaubensentscheidung fähig sind, ist sie die vorzügliche Form der Katechese, auf die alle anderen Formen, die sicher immer notwendig sind, gewissermaßen hingeordnet sind«. (181) Darum muß die Katechese der anderen Altersstufen sie zum Bezugspunkt haben und sich mit ihr über eine kohärente katechetische Planung der diözesanen Pastoral verständigen.

Wenn die Katechese so als wesentliches »Moment« in der evangelisierenden Sendung der Kirche angesiedelt wird, erhält sie von der Evangelsierung eine missionarische Dynamik, die sie innerlich befruchtet und in ihrer Identität ausprägt. Der Dienst der Katechese erscheint so als ein für die Ausführung des Missionsauftrags Jesu grundlegender kirchlicher Dienst.

II. KAPITEL
Die Katechese im Evangelisierungsprozeß

»Was wir hörten und erfuhren, was uns die Väter erzählten, das wollen wir unseren Kindern nicht verbergen, sondern dem kommenden Geschlecht erzählen: die ruhmreichen Taten und die Stärke des Herrn, die Wunder, die er getan hat« (Ps 78,3-4).
»Apollo war unterwiesen im Weg des Herrn. Er sprach mit glühendem Geist und trug die Lehre von Jesus genau vor« (Apg 18,25).

60. In diesem Kapitel wird die Beziehung der Katchese zu den anderen Elementen der Evangelisierung aufgezeigt, deren integrierender Bestandteil sie ist.

In diesem Sinn wird an erster Stelle die Beziehung der Katechese zur Erstverkündigung beschrieben, die in der Mission vorgenommen wird. Dann wird der enge Zusammenhang zwischen der Katechese und den Sakramenten der christlichen Initiation aufgezeigt. Darauf wird die grundlegende Rolle der Katechese im gewöhnlichen Leben der Kirche an ihrer Aufgabe der ständigen Glaubenserziehung verdeutlicht.

Eine besondere Erwägung wird der Beziehung gewidmet, die zwischen der Katechese und dem Religionsunterricht in den Schulen besteht, denn die beiden Betätigungen hängen innerlich eng zusammen und erweisen sich, zusammen mit der christlichen Erziehung in der Familie, als grundlegend für die Bildung der Kinder und Jugendlichen.

Erstverkündigung und Katechese

61. Die Erstverkündigung richtet sich an die Nichtglaubenden und an die, die in religiöser Gleichgültigkeit leben. Sie hat die Aufgabe, das Evangelium zu verkünden und zur Umkehr zu rufen. »Im Unterschied zur Erstverkündigung des Evangeliums« (182) fördert die Katechese diese beginnende Bekehrung und bringt sie zur Reife, indem sie den Bekehrten zum Glauben erzieht und in die christliche Gemeinde eingliedert. Die Beziehung zwischen diesen beiden Formen des Dienstes am Wort ist deshalb eine Beziehung des Verschiedenseins in gegenseitiger Ergänzung.

Die Erstverkündigung, zu der jeder Christ aufgerufen ist, gründet auf dem wiederholten »Geht!«, (183) das Jesus zu seinen Jüngern gesprochen hat; es besagt also das Hinausgehen, Sich-Beeilen, Vorstellen. Die Katechese hingegen geht von der Voraussetzung aus, die Jesus genannt hat: »Wer glaubt«, (184) wer umkehrt, wer sich entschließt. Beide Tätigkeiten sind wesentlich und erfordern einander: gehen und aufnehmen, verkünden und erziehen, rufen und eingliedern.

62. In der pastoralen Praxis jedoch lassen sich die Grenzen zwischen den beiden Tätigkeiten nicht leicht ziehen. Die Menschen, welche zur Katechse kommen, haben in der Tat oft eine wahre Bekehrung nötig. Deshalb wünscht die Kirche, daß für gewöhnlich eine erste Etappe des katechetischen Vorgehens der Sicherung der Bekehrung gewidmet sei. (185) In der »Mission ad gentes« wird diese Aufgabe im »Vorkatechumenat« geleistet. (186) In der von der »Neu-Evangelisierung« geforderten Situation wird sie durch die »kerygmatische Katechese« vollzogen, die manche als »Vorkatechese« (187) bezeichnen, weil sie, inspiriert vom Vorkatechumenat, ein Angebot der Frohbotschaft für eine sichere Glaubensoption ist. Erst von der Bekehrung an, das heißt, wenn sie sich auf die innere Haltung dessen, »der glaubt«, verläßt, wird die eigentliche Katechese ihre spezifische Aufgabe der Glaubenserziehung leisten können. (188)

Der Umstand, daß die Katechese zunächst diese missionarischen Aufgaben übernimmt, dispensiert eine Teilkirche nicht davon, eine institutionalisierte Erstverkündigung als direktere Verwirklichung des Missionsauftrags Jesu zu fördern. Die katechetische Erneuerung muß sich auf diese vorhergehende missionarische Evangelisierung stützen.

Die Katechese im Dienst der christlichen Initiation

Die Katechese, ein wesentliches »Moment« des Evangelisierungsprozesses

63. Das Apostolische Schreiben Catechesi tradendae, das die Katechese in die Sendung der Kirche stellt, erinnert daran, daß die Evangelisierung eine reichhaltige, vielschichtige und dynamische Wirklichkeit ist, die verschiedene wesentliche »Momente« aufweist. Und es fügt hinzu: »Die Katechese ist eines... dieser Momente — wohl ein sehr wichtiges — des ganzen Evangelisierungsprozesses«. (189) Das heißt, es gibt Tätigkeiten, welche auf die Katechese »vorbereiten«, (190) und Tätigkeiten, die »auf sie folgen«. (191)

Das »Moment« der Katechese entspricht der Periode, in welcher die Bekehrung zu Jesus Christus Gestalt annimmt, indem es die Grundlagen für dieses erste Ja bietet. Durch eine »Einführung und genügend lange Einübung im ganzen christlichen Leben« (192) werden die Bekehrten in das Heilsmysterium eingeweiht und zu einem Lebensstil angeleitet, der dem Evangelium entspricht. Es geht nämlich darum, sie »in die Fülle des christlichen Lebens einzuführen«. (193)

64. Durch den in verschiedenen Formen erfolgenden Vollzug dieser Initiationsfunktion des Dienstes am Wort legt die Katechese die Fundamente zum Glaubensgebäude. (194) Weitere Funktionen dieses Dienstes werden dann die verschiedenen Stockwerke dieses Gebäudes aufbauen.

Die Initiationskatechese ist somit die notwendige Verbindung zwischen dem missionarischen Wirken, das zum Glauben ruft, und dem pastoralen Wirken, das die christliche Gemeinschaft fortwährend nährt. Sie ist also nicht ein beliebiges Tun, sondern eine grundlegende Tätigkeit für den Aufbau sowohl der Persönlichkeit des Glaubensschülers wie der Gemeinde. Ohne sie hätte das missionarische Wirken keine Kontinuität und es bliebe unfruchtbar. Ohne sie hätte das pastorale Wirken keine Wurzeln und es wäre oberflächlich und verworren: ein gewöhnliches Unwetter würde das ganze Gebäude zum Einsturz bringen. (195)

»Das innere Wachstum der Kirche, ihre Übereinstimmung mit Gottes Heilsplan, hängen wesentlich von der Katechese ab«. (196) In diesem Sinn muß die Katechese stets als ein vorrangiges Moment in der Evangelisierung betrachtet werden.

Die Katechese als Dienst an der christlichen Initiation

65. Der Glaube, durch den der Mensch auf die Verkündigung des Evangeliums anspricht, erfordert die Taufe. Die enge Beziehung zwischen beiden Gegebenheiten wurzelt im Willen Christi selbst, der seinen Aposteln befahl, alle Völker zu Jüngern zu machen und sie zu taufen. »Die Sendung zu taufen — und damit die sakramentale Sendung — ist inbegriffen in der Sendung zu evangelisieren«. (197)

Diejenigen, die sich zu Jesus Christus bekehrt haben und durch die Katechese im Glauben erzogen worden sind, werden beim Empfang der Sakramente der christlichen Initiation, der Taufe, der Firmung und der Eucharistie, »von der Macht der Finsternis befreit; mit Christus sterben sie, werden sie begraben und erstehen sie; sie empfangen den Geist der Kindschaft und feiern das Gedächtnis des Todes und der Auferstehung des Herrn mit dem ganzen Gottesvolk«. (198)

66. Die Katechese ist somit das grundlegende Element der christlichen Initiation und eng mit den Initiationssakramenten verbunden, besonders mit der Taufe, dem »Sakrament des Glaubens«. (199) Das Band, das die Katechese mit der Taufe verbindet, ist das Glaubensbekenntnis, das gleichzeitig das diesem Sakrament innewohnende Element und Ziel der Katechese ist. Die Zielsetzung des katechetischen Wirkens besteht genau in folgendem: ein lebendiges, ausdrückliches und sich in Taten auswirkendes Bekenntnis des Glaubens zu fördern. (200) Um das zu erreichen, vermittelt die Kirche den Katechumenen und den Glaubensschülern die lebendige Erfahrung des Evangeliums, ihren Glauben, damit diese, wenn sie ihn bekennen, ihn sich aneignen. Deshalb ist »die echte Katechese immer eine geordnete und systematische Einführung in die Offenbarung, die Gott von sich selber dem Menschen in Jesus Christus geschenkt hat, eine Offenbarung, die im tiefen Bewußtsein der Kirche und in der Heiligen Schrift bewahrt und fortwährend durch eine lebendige und aktive "traditio" von einer Generation zur anderen weitergegeben wird«. (201)

Grundlegende Merkmale der Initiationskatechese

67. Aus der Tatsache, daß sie »wesentliches Moment« des Evangelisierungsprozesses im Dienst der christlichen Initiation ist, ergeben sich für die Katechese einige Merkmale. (202) Sie ist:

– eine organische und systematische Bildung des Glaubens. Die Synode von 1977 betonte die Notwendigkeit einer »organischen und systematischen Katechese«, (203), und die Betrachtung des organischen Charakters der Katechese als das für sie bezeichnende Hauptmerkmal, denn das lebendige und organische Sich-Vertiefen in das Mysterium Christi ist das, was die Katechese von allen anderen Formen der Darbietung des Gotteswortes grundsätzlich unterscheidet.

– Diese organische Bildung ist mehr als ein Unterricht: sie ist ein Erlernen des ganzen christlichen Lebens, eine »vollständige Einführung ins Christentum«, (204) die eine auf seine Person ausgerichtete echte Nachfolge Christi begünstigt. Es geht nämlich darum, so zur Glaubenserkenntnis und zum Glaubensleben zu erziehen, daß sich der ganze Mensch in seinen tiefsten Erfahrungen durch das Gotteswort befruchtet fühlt. Man wird somit dem Jünger Christi helfen, den alten Menschen umzugestalten, seine Verpflichtungen als Getaufter auf sich zu nehmen und den Glauben »von Herzen« zu bekennen. (205)

– Sie ist eine wesentliche, eine Grundausbildung, (206) auf das konzentriert, was den Kern der christlichen Erfahrung ausmacht, auf die Grundwahrheiten des Glaubens und auf die Grundwerte des Evangeliums. Die Katechese legt das Fundament zum geistlichen Gebäude des Christen, nährt die Wurzeln seines Glaubenslebens, indem sie ihn daran gewöhnt, die nachfolgende feste Speise im gewöhnlichen Leben der christlichen Gemeinde zu empfangen.

68. Zusammenfassend: Da die Initiationskatechese organisch und systematisch ist, beschränkt sie sich nicht auf das bloß Gelegentliche oder Zufällige; (207) da sie Heranbildung zum christlichen Leben ist, geht sie — dieses einschließend — über bloßes Belehren hinaus; (208) und da sie wesentlich ist, ist sie auf das bedacht, was für den Christen »allgemein gilt«, ohne auf strittige Fragen einzugehen oder zu theologischer Forschung zu werden. Und da sie schließlich Initiation ist, gliedert sie sich in die Gemeinschaft ein, die den Glauben lebt, feiert und bezeugt. Sie erfüllt also gleichzeitig Initiations-, Erziehungs- und Unterrichtsaufgaben.(209) Dieser Reichtum, der dem Katechumenat der ungetauften Erwachsenen innewohnt, muß die anderen Formen von Katechese inspirieren.

Die Katechese im Dienst der ständigen Glaubenserziehung

Die ständige Glaubenserziehung in der christlichen Gemeinschaft

69. Die ständige Glaubenserziehung folgt auf die Grundausbildung und setzt sie voraus. Beide erfüllen im Dienst des ständigen Bekehrungsprozesses zwei voneinander verschiedene und einander ergänzende Funktionen des Dienstes am Wort.

Die Initiationskatechese legt in den Jüngern Jesu die Grundlagen des christlichen Glaubens. Der ständige Bekehrungsprozeß geht über das hinaus, was die Grundkatechese leistet. Um diesen Vorgang zu fördern, bedarf es einer christlichen Gemeinschaft, welche die Neueingeführten aufnimmt, um sie im Glauben zu unterstützen und zu bilden. »Die Katechese droht kraftlos zu werden, wenn nicht eine Gemeinschaft von glaubenden und christlich lebenden Menschen den Katechumenen in einem bestimmten Stadium seines katechetischen Unterrichts aufnimmt«.(210) Die Begleitung, welche die Gemeinschaft im Dienst des Neueingeührten ausübt, wird dann zu dessen voller Eingliederung in die Gemeinde.

70. In der christlichen Gemeinschaft nähren sich die Jünger Jesu Christi von einem doppelten Tisch: »vom Tisch des Wortes Gottes wie des Leibes Christi«. (211) Das Evangelium und die Eucharistie sind die beständige Speise auf dem Pilgerweg zum Haus des Vaters. Das Wirken des Heiligen Geistes veranlaßt, daß die Gabe der »Gemeinschaft« und das »missionarische« Engagement sich vertiefen und immer intensiver ins Leben umgesetzt werden.

Die ständige Glaubenserziehung ist nicht nur für jeden Christen gedacht, um ihn auf seinem Weg zur Heiligkeit zu begleiten, sondern auch für die Christengemeinde als solche, damit sie in ihrem inneren Leben der Liebe zu Gott und zu den Brüdern und Schwestern heranreift wie auch in ihrer Aufgeschlossenheit für die Welt als missionarische Gemeinschaft. Der Wunsch Jesu im Gebet an den Vater ist ein unaufhörlicher Appell: »Alle sollen eins sein: Wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin, sollen auch sie in uns eins sein, damit die Welt glaubt, daß du mich gesandt hast«. (212) Nach und nach diesem Ideal näherzukommen, verlangt in der Gemeinschaft eine große Treue zum Wirken des Heiligen Geistes, ein dauerndes Sich-Nähren vom Leib und Blut des Herrn und eine ständige Glaubenserziehung im Hören auf das Wort.

An diesem Tisch des Gotteswortes nimmt die Homilie einen bevorzugten Platz ein, denn sie »setzt den Weg der in der Katechese gebotenen Glaubensunterweisung fort und führt ihn zu seiner natürlichen Vollendung; zugleich drängt sie die Jünger des Herrn dazu, ihren geistlichen Weg in der Wahrheit, Anbetung und Danksagung jeden Tag wieder neu aufzunehmen«. (213)

Vielfältige Formen ständiger Katechese

71. Für die ständige Glaubenserziehung bedient sich der Dienst am Wort vieler Formen von Katechese. Unter ihnen lassen sich die folgenden hervorheben:

– Das Studium der Heiligen Schrift, die nicht nur in der Kirche, sondern mit der Kirche und ihrem lebendigen Glauben gelesen wird, und das Sich-Vertiefen in sie. Das hilft, die göttliche Wahrheit entdecken, um schließlich eine Glaubensantwort hervorzurufen. Die sogenannte »lectio divina« ist eine vortreffliche Form dieses lebendigen Schriftstudiums. (214)

– Die christliche Deutung der Geschehnisse, die von der missionarischen Berufung der christlichen Gemeinschaft gefordert wird. Diesbezüglich ist das Studium der Soziallehre der Kirche unerläßlich, denn »ihr Hauptziel ist es, solche Wirklichkeiten (die vielschichtigen des Daseins des Menschen in der Gesellschaft und im internationalen Umfeld) zu deuten, wobei sie prüft, ob diese mit den Grundlinien der Lehre des Evangeliums... übereinstimmen«. (215)

– Die liturgische Katechese, die auf die Sakramente vorbereitet und ein tieferes Verständnis und Erlebnis der Liturgie fördert. Sie erklärt die Inhalte der Gebete, den Sinn der Gesten und Zeichen, erzieht zu aktiver Teilnahme, zu Betrachtung und innerer Sammlung. Sie ist als »eine sehr wichtige Form der Katechese« (216) zu betrachten.

– Die Gelegenheitskatechese, die in bestimmten Situationen des persönlichen, familiären, sozialen und kirchlichen Lebens behilflich zu sein sucht, die Gegebenheiten zu deuten und in einer Glaubensperspektive zu leben. (217)

– Die Initiativen zu geistlicher Bildung, welche die Überzeugungen stärken, neue Perspektiven aufreißen und das Durchhalten im Gebet und im Eifer der Nachfolge Christi bewirken.

– Das systematische tiefere Eindringen in die christliche Botschaft durch einen theologischen Unterricht, der wirklich zum Glauben erzieht, in dessen Verständnis wachsen läßt und den Christen befähigt, in der heutigen Welt über seine Hoffnung Auskunft zu geben. (218) In einem gewissen Sinn darf man diesen Unterricht als »vervollkommnende Katechese« bezeichnen.

72. Es ist von grundlegender Wichtigkeit, daß die Initiationskatechese für getaufte oder ungetaufte Erwachsene, die Initiationskatechese für Kinder und Jugendliche und die ständige Katechese im katechetischen Plan der christlichen Gemeinschaft richtig aufeinander abgestimmt werden, damit die Teilkirche harmonisch wächst und ihre evangelisierende Tätigkeit echten Quellen entspringt. »Es ist wichtig, daß Katechese für Kinder und Jugendliche, ständige Katechese und Erwachsenenkatechese keine beziehungslos gegeneinander abgeschlossene Bereiche sind... Man muß sich im Gegenteil dafür einsetzen, daß sie sich vollkommen ergänzen«.(219)

Katechese und Religionsunterricht in den Schulen

Der Eigencharakter des Religionsunterrichts in den Schulen

73. Innerhalb des Dienstes am Wort verdient der Eigencharakter des Religionsunterrichts in den Schulen und seine Beziehung zur Kinder- und Jugendkatechese eine besondere Erwägung.

Die Beziehung zwischen Religionsunterricht und Katechese ist eine Beziehung der Unterscheidung und wechselseitigen Ergänzung: »Zwischen Religionsunterricht und Katechese besteht ein unzerreißbarer Zusammenhang und zugleich ein klarer Unterschied«. (220)

Was dem Religionsunterricht in der Schule seine besondere evangelisierende Eigenart verleiht, ist der Umstand, daß er dazu berufen ist, in den Bereich der Kultur einzudringen und sich mit den anderen Wissensinhalten in Beziehung zu setzen. Denn als originale Form des Dienstes am Wort läßt der Religionsunterricht das Evangelium im persönlichen Prozeß der systematischen und kritischen Anverwandlung der Kultur gegenwärtig werden. (221)

In die Kulturwelt, die von den Schülern in sich aufgenommen und von den Wissensinhalten und Werten, die von den anderen Schulfächern angeboten werden, bestimmt wird, bringt der Religionsunterricht das dynamische Element des Evangeliums ein und sucht, »die anderen Elemente des Wissens und der Erziehung wirklich mitzuerfassen, damit das Evangelium Geist und Herz der Schüler auf der Ebene ihrer Ausbildung erreicht und die Harmonisierung ihrer Kultur im Licht des Glaubens geschieht«. (222)

Darum muß der Religionsunterricht als Schulfach mit demselben Anspruch von Systematik und Strenge erscheinen, wie die anderen Fächer sie haben. Er muß die christliche Botschaft und das christliche Ereignis mit der gleichen Ernsthaftigkeit und Tiefgründigkeit vorlegen, wie die anderen Fächer ihre Wissensinhalte. Er steht jedoch nicht als etwas bloß Zusätzliches neben ihnen, sondern in einem notwendigen interdisiplinären Dialog. Dieser Dialog ist vor allem auf der Ebene vorzunehmen, auf der jedes Fach die Persönlichkeit des Schülers prägt. Dann wird die Darstellung der christlichen Botschaft sich auf die Art und Weise auswirken, wie man sich den Ursprung der Welt und den Sinn der Geschichte, die Grundlage der ethischen Werte, die Funktion der Religion in der Kultur, das Schicksal des Menschen, die Beziehung zur Natur denkt. Der Religionsunterricht begründet, verstärkt, entwickelt und vervollständigt durch diesen interdisziplinären Dialog die Bildungstätigkeit der Schule. (223)

Das Umfeld Schule und die Adressaten des Religionsunterrichts

74. Der Religionsunterricht in den Schulen entfaltet sich in unterschiedlichen schulischen Rahmenbedingungen, was bewirkt, daß er, trotz Beibehaltung seiner spezifischen Eigenart, verschiedene Akzentsetzungen erhält. Diese hängen von den rechtlichen und organisatorischen Verhältnissen, von der didaktischen Konzeption, von den persönlichen Voraussetzungen der Lehrer und der Schüler und von der Verbindung zwischen dem Religionsunterricht in der Schule und der Katechese in Familie und Pfarrei ab.

Es ist unmöglich, sämtliche Modelle des Religionsunterrichts in der Schule, die sich historisch im Zuge der Vereinbarungen mit den Staaten und der Beschlüsse der einzelnen Bischofskonferenzen entwickelt haben, auf eine einzige Form zurückführen. Man muß sich jedoch unbedingt darum bemühen, daß entsprechend den jeweiligen Voraussetzungen der Religionsunterricht an den Schulen seinen besonderen Zielsetzungen und Wesensmerkmalen entspricht. (224)

Die Schüler haben »ein Recht darauf, ihre Religion wahrheitsgemäß und zuverlässig kennenzulernen. Dieses ihr Recht, die Person Christi und das unverkürzte Ganze der von ihm gebrachten Heilsbotschaft gründlicher kennenzulernen, darf nicht mißachtet werden. Der konfessionelle Charakter des Religionsunterrichts, wie ihn die Kirche nach den in den einzelnen Ländern festgelegten Weisen und Formen erteilt, ist daher eine unverzichtbare Garantie für die Familien und die Schüler, die sich für diesen Unterricht entscheiden«. (225)

Für die katholischen Schulen ist der so qualifizierte und durch andere Formen des Dienstes am Wort (Katechese, Gottesdienste usw.) ergänzte Religionsunterricht unersetzlicher Bestandteil ihrer pädagogischen Aufgabe und Grundlage ihrer Existenz. (226)

Der Religionsunterricht im Rahmen der öffentlich-staatlichen und nichtkonfessionellen Schule, wo die staatlichen Behörden oder andere Umstände zu einem gemeinsamen Religionsunterricht für katholische und nichtkatholische Schüler nötigen, (227) wird einen mehr ökumenischen Charakter haben und gemeinsames interreligiöses Kennenlernen fördern.

In anderen Fällen wird der Religionsunterricht in der Schule einen eher kulturellen Charakter haben können, der auf die Kenntnis der Religionen ausgerichtet ist, dabei aber der Darstellung der katholischen Religion einen gebührenden Platz einräumt. (228) Auch in diesem Fall bewahrt der Religionsunterricht an der Schule, vor allem wenn er von einem ehrlich respektvoll eingestellten Professor erteilt wird, eine Dimension echter »Vorbereitung für das Evangelium«.

75. Die Lebens- und Glaubenssituation der Schüler, die den Religionsunterricht in der Schule besuchen, ist von beachtlichem, ständigem Wandel gekennzeichnet. Diesem Umstand muß der Religionsunterricht Rechnung tragen, um seine Ziele erreichen zu können.

Der Religionsunterricht in der Schule verhilft den gläubigen Schülern zu einem besseren Verständnis der christlichen Botschaft mit Bezug auf die großen, den Religionen gemeinsamen und für jedes menschliche Dasein charakteristischen Existenzprobleme, auf die vor allem in der Kultur vorhandenen Lebensauffassungen und auf die hauptsächlichen moralischen Grundprobleme, in die sich die Menschheit heute verstrickt sieht.

Die Schüler hingegen, die sich auf der Suche oder in religiösen Zweifeln befinden, werden im Religionsunterricht in der Schule entdecken können, was der Glaube an Jesus Christus genau ist, welche Antworten die Kirche ihnen auf ihre Fragen gibt, indem sie ihnen Gelegenheit bietet, die eigene Entscheidung besser zu erforschen.

Wenn es sich hingegen um nicht glaubende Schüler handelt, nimmt der Religionsunterricht in der Schule die Merkmale einer missionarischen Verkündigung des Evangeliums an, um eine Glaubensentscheidung herbeizuführen, die dann die Katechese im Rahmen der Gemeinde zum Wachsen und Reifen bringen wird.

Christliche Familienerziehung, Katechese und Religionsunterricht in den Schulen im Dienst der Glaubenserziehung

76. Die christliche Erziehung in der Familie, die Katechese und der Religionsunterricht in der Schule stehen, je nach ihren besonderen Wesensmerkmalen, in enger Wechselbeziehung mit dem Dienst der christlichen Erziehung der Kinder, Heranwachsenden und Jugendlichen. In der Praxis sind jedoch unterschiedliche Variabeln, zu denen es punktuell kommt, in Erwägung zu ziehen, um bei der Anwendung der allgemeinen Weisungen mit Wirklichkeitssinn und pastoraler Klugheit vorzugehen.

Es ist somit Sache jeder Diözese oder Seelsorgeregion, die verschiedenen Umstände, die mitspielen, wahrzunehmen: ob für die Kinder im Kreis der Familien eine christliche Initiation stattfindet oder nicht, oder welche Bildungsaufträge die Pfarreien, die Schulen usw. in der örtlichen Tradition oder Situation erfüllen.

Folglich werden die Teilkirchen und die Bischofskonferenz eigene Anleitungen für die verschiedenen Bereiche festlegen und Aktivitäten anregen, die unterscheidenden und ergänzenden Charakter haben.

III. KAPITEL
Wesen, Zielsetzung
und Aufgaben der Katechese

»... jeder Mund bekennt: "Jesus Christus ist der Herr" – zur Ehre Gottes, des Vaters« (Phil 2,11).

77. Nachdem der Platz der Katechese in der evangelisierenden Sendung der Kirche, ihre Beziehung zu den verschiedenen Elementen der Evangelisierung und zu den anderen Formen des Dienstes am Wort umrissen worden ist, soll in diesem Kapitel über die Katechese selbst nachgedacht werden, und zwar insbesondere über:

– das kirchliche Wesen der Katechese, das heißt über die vom Geist beseelte Kirche als Träger der Katechese;

– das Ziel, das sie beim Glaubensunterricht im wesentlichen anstrebt;

– die Aufgaben, mit denen sie dieses Ziel verwirklicht und die ihre unmittelbaren Zielsetzungen bilden;

– die innere Staffelung des katechetischen Prozesses und die katechumenale Inspiration, die ihn beseelt.

Im letzten Kapitel dieses Teiles soll zudem der Eigencharakter der Katechese — der schon im vorigen Kapitel beschrieben worden ist — noch mehr vertieft und dabei die Beziehungen analysiert werden, die sie zu den anderen kirchlichen Tätigkeiten herstellt.

Die Katechese: eine ihrem Wesen nach kirchliche Tätigkeit

78. Die Katechese ist ihrem Wesen nach ein kirchlicher Akt. (229) Der eigentliche Träger der Katechese ist die Kirche, die in Fortsetzung der Sendung Jesu, des Meisters, und vom Geist beseelt, gesandt ist, Glaubenslehrerin zu sein. Darum bewahrt die Kirche in Nachahmung der Mutter des Herrn das Evangelium treu in ihrem Herzen, (230) verkündet es, feiert es, lebt es und gibt es in der Katechese an alle weiter, die sich dazu entschieden haben, Jesus Christus nachzufolgen.

Diese Weitergabe des Evangeliums ist ein lebendiger Akt kirchlicher Überlieferung: (231)

– Die Kirche gibt den Glauben weiter, den sie selber lebt: ihr Verständnis des Mysteriums Gottes und seines Heilsplanes; ihre Sicht der erhabenen Berufung des Menschen; den evangeliumsgemäßen Lebensstil, der die Freude des Gottesreiches vermittelt; die Hoffnung, die sie durchdringt; die Liebe, die sie für die Menschheit und für alle Geschöpfe Gottes empfindet.

– Die Kirche gibt den Glauben aktiv weiter, sie sät ihn in die Herzen der Katechumenen und Glaubensschüler, um deren tiefste Erfahrungen zu befruchten. (232) Das von der Kirche empfangene Glaubensbekenntnis (»traditio«), das während des Unterrichtsvorgangs keimt und wächst, wird, angereichert mit den Werten der verschiedenen Kulturen, zurückgegeben (»redditio«). (233) Der Katechumenat wird so zu einem fundamentalen Zentrum des Wachstums von Katholizität und zu einem Ferment kirchlicher Erneuerung.

79. Bei der Weitergabe des Glaubens und des neuen Lebens — durch die christliche Initiation — handelt die Kirche als Mutter der Menschen, die Kinder zur Welt bringt, die durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen und aus Gott geboren sind (234) Genauer gesagt, »als unsere Mutter ist die Kirche auch unsere Erzieherin im Glauben«; (235 )sie ist zugleich Mutter und Lehrerin. Durch die Katechese nährt sie ihre Kinder mit ihrem eigenen Glauben und fügt sie als Glieder in die kirchliche Familie ein. Als gute Mutter bietet sie ihnen das Evangelium in seiner ganzen Echtheit und Reinheit an, das ihnen zugleich als kulturell angereicherte und geeignete Speise und als Antwort auf die tiefsten Sehnsüchte des menschlichen Herzens geschenkt wird.

Ziel der Katechese: die Gemeinschaft mit Jesus Christus

80. »Das Endziel der Katechese ist es, jemanden nicht nur in Kontakt, sondern in Gemeinschaft, in Lebenseinheit mit Jesus Christus zu bringen«. (236)

Die ganze katechetische Tätigkeit ist darauf bedacht, die Gemeinschaft mit Jesus Christus zu fördern. Von der »anfanghaften«, (237) vom Heiligen Geist durch die Erstverkündigung angestoßenen Bekehrung eines Menschen zum Herrn an nimmt sich die Katechese vor, dieser ersten Bindung eine Grundlage zu geben und sie reifen zu lassen. Es geht also darum, dem eben Bekehrten zu helfen, »... diesen Christus, dem er sich anvertraut hat, besser kennenzulernen: sein "Geheimnis" zu verstehen und das Reich Gottes, das er verkündet, die Forderungen und Verheißungen seiner Frohen Botschaft zu erfassen und die Wege, die er für alle, die ihm nachfolgen wollen, aufgezeigt hat«. (238) Die Taufe, das Sakrament, durch das wir »Christus gleichgestaltet« (239) werden, unterstützt mit ihrer Gnade dieses Wirken der Katechese.

81. Die Gemeinschaft mit Jesus Christus treibt mit der ihr eigenen Dynamik den Jünger an, sich mit all dem zu vereinen, mit dem Jesus Christus selbst sich tief vereint fühlte: mit Gott, seinem Vater, der ihn in die Welt gesandt hatte, und mit dem Heiligen Geist, der ihm den Impuls zur Sendung gab; mit der Kirche, seinem Leib, für den er sich hingab, und mit den Menschen, seinen Brüdern und Schwestern, deren Los er teilen wollte.

Das Ziel der Katechese kommt zum Ausdruck im Bekenntnis des Glaubens an den einen Gott: den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist

82. Die Katechese ist jene besondere Form des Dienstes am Wort, welche die anfanghafte Bekehrung zum Reifen bringt, bis sie zu einem lebendigen, ausdrücklichen und sich in Taten auswirkenden Glaubensbekenntnis wird: »Die Katechese hat ihren Ursprung im Bekenntnis des Glaubens und führt zum Bekenntnis des Glaubens«. (240)

Das Glaubensbekenntis bei der Taufe (241) ist in hervorstechender Weise trinitarisch. Die Kirche tauft »im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes« (Mt 28,19), (242) des dreieinigen Gottes, dem der Christ sein Leben anvertraut. Die Initiationskatechese bereitet — vor und nach dem Empfang der Taufe — auf diese entscheidende Verpflichtung vor. Die ständige Katechese soll helfen, dieses Glaubensbekenntnis fortwährend reifen zu lassen, es in der Eucharistiefeier zu verkünden und die mit ihm gegebenen Verpflichtungen zu erneuern. Es ist wichtig, daß die Katechese das christologische Glaubensbekenntnis »Jesus ist der Herr« gut mit dem trinitarischen Bekenntnis »Ich glaube an den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist« zu verbinden weiß, denn es sind nur zwei Weisen, um ein und denselben christlichen Glauben zum Ausdruck zu bringen. Wer sich durch die Erstverkündigung zu Jesus Christus bekehrt und ihn als Herrn anerkennt, beginnt einen von der Katechese unterstützten Prozeß, der notwendigerweise in das ausdrückliche Bekenntnis der Dreifaltigkeit mündet.

Mit dem Bekenntnis des Glaubens an den einen Gott verzichtet der Christ darauf, irgendeinem menschlichen Absolutum, wie Macht, Vergnügen, Rasse, Ahnen, Staat, Geld..., (243) hörig zu sein, und befreit sich von jedwedem Idol, das ihn versklavt. Er erklärt damit seinen Willen, Gott und den Menschen ohne irgendeine andere Bindung zu dienen. Durch die Kundmachung seines Glaubens an die Dreifaltigkeit, eine Personengemeinschaft, bekundet der Jünger Christi gleichzeitig, daß die Liebe zu Gott und zum Nächsten das Prinzip ist, das sein Wesen und Wirken formt.

83. Das Glaubensbekenntnis ist nur dann vollständig, wenn es Bezug nimmt auf die Kirche. Jeder Getaufte spricht einzeln das Credo, denn es gibt keinen persönlicheren Akt als diesen. Aber er spricht es in der Kirche und durch sie, denn er tut das als ihr Glied. Das »Ich glaube« und das »wir glauben« schließen einander ein. (244) Indem er sein eigenes Bekenntnis mit dem der Kirche verschmilzt, wird der Christ in ihre Sendung eingegliedert: »allumfassendes Sakrament des Heils« für das Leben der Welt zu sein. Wer das Glaubensbekenntnis ablegt, nimmt Verpflichtungen auf sich, die nicht selten Verfolgung nach sich ziehen werden. In der Geschichte des Christentums sind die Märtyrer die Verkünder und Zeugen schlechthin. (245)

Die Aufgaben der Katechese verwirklichen deren Ziel

84. Das Ziel der Katechese wird durch verschiedene, miteinander verflochtene Aufgaben erreicht. (246) Um sie auszuführen, wird sich die Katechese sicherlich von der Art und Weise inspirieren lassen, wie Jesus seine Jünger bildete: er ließ sie die verschiedenen Dimensionen des Gottesreiches erkennen (»Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs zu erkennen«, Mt 13,11), (247) lehrte sie beten (»Wenn ihr betet, so sprecht: Vater...«, Lk 11,2), (248) prägte ihnen die evangeliumsgemäßen Haltungen ein (»Lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig«, Mt 11,29), führte sie in die Mission ein (»Er sandte sie zu zweit voraus...«, Lk 10,1). (249)

Die Aufgaben der Katechese entsprechen der Erziehung zu den verschiedenen Dimensionen des Glaubens, denn die Katechese ist eine ganzheitliche christliche Bildung, »die sich für alle Bereiche des christlichen Lebens offenhält«. (250) Kraft seiner inneren Dynamik will der Glaube gekannt, gefeiert, gelebt und in Gebet übersetzt werden. Die Katechese muß jede dieser Dimensionen pflegen. Der Glaube wird jedoch in der christlichen Gemeinde gelebt und in der Mission verkündet: er ist ein solidarischer und verkündeter Glaube. Auch diese Dimensionen sollen von der Katechese gefördert werden.

Das II. Vatikanische Konzil brachte diese Aufgaben so zum Ausdruck: »Die katechetische Unterweisung erleuchtet den Glauben und stärkt ihn, sie nährt das Leben im Geiste Christi, führt zum bewußten und aktiven Mitvollzug des Mysteriums der Liturgie und ermuntert zur apostolischen Tat«. (251)

Die grundlegenden Aufgaben der Katechese: helfen, das Geheimnis Christi zu erkennen, zu feiern, zu leben und zu betrachten

85. Die grundlegenden Aufgaben der Katechese sind:

Die Förderung der Kenntnis des Glaubens

Wer Christus begegnet ist, möchte ihn möglichst gut kennenlernen, ebenso wie er wünscht, den von ihm offenbarten Plan des Vaters zu kennen. Die Kenntnis der Glaubensinhalte (fides quae) wird von der Annahme des Glaubens (fides qua) gefordert. (252) Schon auf der menschlichen Ebene bringt es die Liebe zu einem Menschen mit sich, daß man ihn immer besser kennenlernen möchte. Die Katechese muß also dahin führen, »allmählich die ganze Wahrheit des göttlichen Ratschlusses zu erfassen«, (253) indem sie die Jünger Jesu Christi in die Kenntnis der Überlieferung und der Schrift einführt, in die »alles übertreffende Erkenntnis Jesu Christi (Phil 3,8)«. (254)

Die Vertiefung in die Glaubenserkenntnis führt zur christlichen Erleuchtung des menschlichen Daseins, nährt das Glaubensleben und befähigt überdies dazu, den Glauben in der Welt bekanntzumachen. Die Überreichung des Glaubensbekenntnisses, das ein Kompendium der Schrift und des Glaubens der Kirche darstellt, bringt die Verwirklichung dieser Aufgabe zum Ausdruck.

Die liturgische Erziehung

»Christus ist in seiner Kirche immerdar gegenwärtig, besonders in den liturgischen Handlungen«.(255) Die Gemeinschaft mit Jesus Christus veranlaßt, seine Heilsgegenwart in den Sakramenten, zumal in der Eucharistie, zu feiern. Die Kirche wünscht sehr, daß alle Christgläubigen zu jener vollen, bewußten und aktiven Beteiligung geführt werden, wie sie das Wesen der Liturgie und die Würde ihres allgemeinen Priestertums kraft der Taufe verlangt. (256) Deshalb muß die Katechese nicht nur die Kenntnis von der Bedeutung der Liturgie und der Sakramente fördern, sondern auch die Jünger Jesu Christi »zum Gebet, zur Danksagung, zur Buße, zum vertrauensvollen Bitten, zum Gemeinschaftssinn, zum Erfassen der symbolischen Sprache...« (257) erziehen, denn all das ist zu einem echten liturgischen Leben notwendig.

Die sittliche Bildung

Zur Bekehrung zu Jesus Christus gehört, daß man den Weg seiner Nachfolge einschlägt. Die Katechese muß deshalb den Jüngern die dem Meister eigenen Haltungen vermitteln. Diese begeben sich so auf einen Weg innerer Umformung, auf dem sie unter Teilnahme am Ostermysterium des Herrn »vom alten Menschen hinüberschreiten zum neuen Menschen, der in Christus vollendet ist«. (258) Die Bergpredigt, in der Jesus den Dekalog übernimmt und ihm den Geist der Seligpreisungen aufprägt, (259) ist ein unerläßlicher Bezugspunkt in der sittlichen Bildung, die heute so notwendig ist. Die