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VERKÜNDIGUNGSBULLE DES GROSSEN JUBILÄUMS DES JAHRES 2000
JOHANNES PAUL BISCHOF DIENER DER DIENER GOTTES AN ALLE GLÄUBIGEN AUF DEM WEG INS DRITTE JAHRTAUSEND GRUSS UND APOSTOLISCHER SEGEN!
1. Den Blick fest auf das Geheimnis der Menschwerdung des Gottessohnes
gerichtet, schickt sich die Kirche an, die Schwelle des dritten
Jahrtausends zu überschreiten. Wie nie zuvor empfinden wir es in
diesem Augenblick als unsere Pflicht und Schuldigkeit, uns das Lob- und
Danklied des Apostels zu eigen zu machen: »Gepriesen sei der Gott und
Vater unseres Herrn Jesus Christus: Er hat uns mit allem Segen seines
Geistes gesegnet durch unsere Gemeinschaft mit Christus im Himmel. Denn in
ihm hat er uns erwählt vor der Erschaffung der Welt, damit wir heilig
und untadelig leben vor Gott; er hat uns aus Liebe im voraus dazu
bestimmt, seine Söhne zu werden durch Jesus Christus und nach seinem
gnädigen Willen zu ihm zu gelangen. [...] Er hat uns das Geheimnis
seines Willens kundgetan, wie er es gnädig im voraus bestimmt hat: Er
hat beschlossen, die Fülle der Zeiten heraufzuführen, in
Christus alles zu vereinen, alles, was im Himmel und auf Erden ist« (Eph
1, 3-5.9-10).
Aus diesen Worten geht klar hervor, daß die Heilsgeschichte in
Jesus Christus ihren Höhepunkt und letzten Sinn findet. In ihm haben
wir alle »Gnade über Gnade« (Joh 1, 16) empfangen;
so wurde es uns gewährt, mit dem Vater versöhnt zu werden (vgl.
Röm 5, 10; 2 Kor 5, 18).
Die Geburt Jesu in Betlehem ist kein Ereignis, das sich in die
Vergangenheit verbannen ließe. Denn vor ihm steht die ganze
Menschheitsgeschichte: unsere Gegenwart und die Zukunft der Welt werden
von seinem Dasein erleuchtet. Er ist »der Lebendige« (Offb
1, 18), »der ist und war und der kommt« (Offb 1, 4). Vor
ihm muß jeder im Himmel, auf der Erde und unter der Erde sein Knie
beugen, und jeder Mund muß bekennen, daß er der Herr ist (vgl.
Phil 2, 10-11). Durch die Begegnung mit Christus entdeckt jeder
Mensch das Geheimnis seines eigenen Lebens.(1)
Jesus ist die wahre Neuheit, die jede Erwartung der Menschheit übersteigt.
Er wird es durch die aufeinanderfolgenden Geschichtsepochen hindurch für
immer bleiben. Die Menschwerdung des Gottessohnes und das Heil, das er
durch seinen Tod und seine Auferstehung gewirkt hat, sind daher das
eigentliche Kriterium für die Beurteilung der zeitlichen Wirklichkeit
und jedes Vorhabens, das sich zum Ziel setzt, das Leben des Menschen immer
menschlicher zu machen.
2. Das Große Jubiläum des Jahres 2000 steht vor der Tür.
Seit meiner ersten Enzyklika Redemptor hominis habe ich auf dieses
Datum mit der alleinigen Absicht hingewiesen, die Herzen aller darauf
vorzubereiten, sich auf das Wirken des Geistes einzulassen.(2) Es wird ein
festliches Ereignis sein, das gleichzeitig in Rom und in allen, über
die Welt verstreuten Teilkirchen stattfindet. Es wird gleichsam zwei
Zentren haben: einerseits die Stadt, in der nach dem Willen der Vorsehung
der Stuhl des Nachfolgers Petri steht, und andererseits das Heilige Land,
in dem der Sohn Gottes durch die Annahme unserer fleischlichen Gestalt von
einer Jungfrau namens Maria als Mensch geboren wurde (vgl. Lk 1,
27). Daher wird das Jubeljahr außer in Rom mit gleicher Würde
und Bedeutung in dem Land gefeiert werden, das mit Recht »heilig«
heißt, hat es doch Jesus zur Welt kommen und sterben sehen. Jenes
Land, in dem sich die erste christliche Gemeinde gebildet hat, ist der
Ort, wo sich die Offenbarungen Gottes an die Menschheit ereignet haben. Es
ist das Gelobte Land, das die Geschichte des jüdischen Volkes geprägt
hat und das auch von den Anhängern des Islam verehrt wird. Möge
uns das Jubiläum einen weiteren Schritt im wechselseitigen Dialog
voranbringen, bis wir eines Tages alle Juden, Christen und Muslime
miteinander in Jerusalem den Friedensgruß austauschen können.(3)
Die Jubiläumszeit führt uns in jene kraftvolle Sprache ein,
welche die göttliche Pädagogik des Heiles anwendet, um den
Menschen zu Umkehr und Buße anzuhalten; sie ist Anfang und Weg
seiner Rehabilitierung und die Voraussetzung für die Wiedererlangung
dessen, was der Mensch mit seinen Kräften allein nicht erreichen könnte:
die Freundschaft Gottes, seine Gnade, das übernatürliche und
damit das einzige Leben, in dem sich die tiefsten Sehnsüchte des
menschlichen Herzens erfüllen können.
Der Eintritt in das neue Jahrtausend ermutigt die christliche
Gemeinschaft dazu, bei der Verkündigung des Reiches Gottes im Glauben
auf neue Horizonte hinauszublicken. Aus diesem besonderen Anlaß
verlangt es die Pflicht, mit Festigkeit und Treue auf die Lehre des II.
Vatikanischen Konzils zurückzugreifen, die in den missionarischen
Einsatz der Kirche neues Licht gebracht und dabei die heutigen
Erfordernisse der Evangelisierung berücksichtigt hat. Auf dem Konzil
ist sich die Kirche auf sehr lebendige Weise ihres Geheimnisses und der
apostolischen Aufgabe bewußt geworden, die ihr von ihrem Herrn übertragen
wurde. Dieses Bewußtsein verpflichtet die Gemeinschaft der Gläubigen,
in der Welt zu leben, wohl wissend, daß sie »der Sauerteig und
die Seele der in Christus zu erneuernden und in die Familie Gottes
umzugestaltenden menschlichen Gesellschaft« (4) sein muß. Um
dieser Verpflichtung wirksam zu entsprechen, muß sie in der Einheit
bleiben und in der von ihr gelebten Communio wachsen.(5) Das bevorstehende
Jubiläumsereignis stellt einen starken Ansporn in dieser Richtung
dar.
Der Gang der Gläubigen in das dritte Jahrtausend leidet keineswegs
unter einer Ermüdung, wie sie die Last von zweitausend Jahren
Geschichte mit sich bringen könnte; vielmehr fühlen sich die
Christen ermuntert durch das Bewußtsein, der Welt das wahre Licht zu
bringen: Jesus Christus, den Herrn. Wenn die Kirche Jesus von Nazaret als
wahren Gott und vollkommenen Menschen verkündet, eröffnet sie
jedem Menschen die Aussicht, »vergöttlicht« und damit mehr
Mensch zu werden.(6) Das ist der einzige Weg, durch den die Welt die hohe
Berufung, zu der sie ausersehen ist, entdecken und in dem von Gott
gewirkten Heil leben kann.
3. In diesen Jahren der unmittelbaren Vorbereitung auf das Jubeljahr
bereiten sich in Übereinstimmung mit dem, was ich in meinem Schreiben
Tertio millennio adveniente geschrieben habe,(7) die Ortskirchen
durch Gebet, Katechese und Einsatz in den verschiedenen Formen der
Seelsorge auf diesen Termin vor, der die gesamte Kirche in eine neue Zeit
der Gnade und Sendung hineinführt. Das Näherrücken des
Jubiläums ruft zudem wachsendes Interesse bei denjenigen hervor, die
nach einem geeigneten Zeichen suchen, das ihnen hilft, die Spuren der
Gegenwart Gottes in unserer Zeit zu erkennen.
Die Vorbereitungsjahre auf das Große Jubeljahr wurden unter das
Zeichen der Heiligsten Dreifaltigkeit gestellt: durch Christus im
Heiligen Geist zu Gott Vater. Das Geheimnis der Dreifaltigkeit ist
der Ursprung des Glaubensweges und sein letztes Ziel, wenn unsere Augen
endlich auf ewig das Antlitz Gottes schauen werden. Während wir die
Menschwerdung Gottes feiern, heften wir den Blick unverwandt auf das
Geheimnis der Dreifaltigkeit. Jesus von Nazaret, der Gott geoffenbart hat,
hat den im Herzen jedes Menschen verborgenen Wunsch nach Gotteserkenntnis
erfüllt. Was die Schöpfung wie ein Siegel bewahrte, das ihr von
Gottes Schöpferhand eingeprägt worden war, und was die Propheten
des Alten Testaments als Verheißung angekündigt hatten, das
tritt in der Offenbarung Christi endgültig in Erscheinung.(8)
Jesus enthüllt das Antlitz Gottes, des Vaters »voll Erbarmen
und Mitleid« (Jak 5, 11), und macht mit der Aussendung des
Heiligen Geistes das dreifaltige Geheimnis der Liebe offenbar. Es ist der
Geist Christi, der in der Kirche und in der Geschichte wirkt: auf ihn muß
man unablässig hören, um die Zeichen der neuen Zeit zu erkennen
und im Herzen der Gläubigen die Erwartung der Wiederkunft des
verherrlichten Herrn immer lebendiger zu machen. Das Heilige Jahr wird
daher ein einziger, ununterbrochener Lobgesang auf die Dreifaltigkeit, auf
den Allerhöchsten, sein müssen. Zu Hilfe kommen uns dabei die
poetischen Worte des hl. Kirchenlehrers Gregor von Nazianz:
»Ehre sei Gott dem Vater und dem Sohn, König des Universums. Ehre sei dem Geist, lobenswürdig und allheilig. Die Dreifaltigkeit ist ein einziger Gott, der alles schuf und ausfüllte: den Himmel mit himmlischen Wesen und die Erde mit irdischen. Das Meer, die Flüsse und die Quellen füllte er mit Wasserpflanzen, während er alles mit seinem Geist belebte, auf daß jede Kreatur ihren weisen Schöpfer preise, den einzigen Grund des Lebens und Fortbestehens. Mehr als jedes andere verherrliche das vernunftbegabte Geschöpf ihn stets als großen König und gütigen Vater«.(9)
4. Möge sich dieser Hymnus an die Dreifaltigkeit zum Dank für
die Menschwerdung des Sohnes gemeinsam erheben von all denen, die durch
den Empfang der einen Taufe denselben Glauben an den Herrn Jesus Christus
teilen. Der ökumenische Charakter des Jubeljahres möge ein
konkretes Zeichen für den Weg sein, den die Gläubigen der
verschiedenen christlichen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften vor
allem in diesen letzten Jahrzehnten zurückgelegt haben. Das Hören
auf den Geist soll uns alle dazu befähigen, endlich in voller
Gemeinschaft die Gnade der von der Taufe eröffneten Gotteskindschaft
sichtbar zu bekunden: wir alle sind Kinder eines einzigen Vaters. Der
Apostel versäumt es nicht, auch für uns heute die verpflichtende
Mahnung zu wiederholen: »Ein Leib und ein Geist, wie
euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben
ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein
Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist«
(Eph 4, 4-6). Um es mit den Worten des hl. Irenäus zu sagen:
Wir können es uns nicht leisten, vor der Welt das Bild eines ausgedörrten
Bodens abzugeben, nachdem wir das Wort Gottes als Regen vom Himmel
empfangen haben; noch werden wir uns jemals anmaßen können, zu
einem einzigen Brot zu werden, wenn wir verhindern, daß das Mehl mit
Hilfe des Wassers, das in uns ausgegossen worden ist, zu einem Teig
verknetet wird.(10)
Alle Jubeljahre sind wie eine Einladung zu einem Hochzeitsfest. Aus den über
die Welt verstreuten verschiedenen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften
eilen wir alle zu dem Fest, das vorbereitet wird; wir bringen mit, was uns
schon verbindet, und der allein auf Christus gerichtete Blick läßt
uns an die Einheit glauben, die Frucht des Geistes ist. Als Nachfolger des
Petrus ist der Bischof von Rom hier, um die Einladung zur Feier des Jubiläums
zu bekräftigen, damit nun die zweitausendste Wiederkehr des zentralen
Geheimnisses des christlichen Glaubens als Weg der Versöhnung und als
Zeichen echter Hoffnung für alle erlebt werde, die auf Christus und
seine Kirche, das Sakrament »der innigsten Vereinigung mit Gott und
der Einheit der ganzen Menschheit«,(11) blicken.
5. Wie viele historische Ereignisse ruft das Jubiläumsereignis in
uns wach! In Gedanken gehen wir zurück in das Jahr 1300, als Papst
Bonifatius VIII., dem Wunsch des ganzen Volkes von Rom entsprechend,
feierlich das erste Jubeljahr der Geschichte ausrief. Indem er auf eine
uralte Überlieferung zurückgriff, wonach allen, die die
Petersbasilika in der Ewigen Stadt besuchten, »reiche Nachlässe
und Ablässe der Sünden« gespendet wurden, gewährte er
aus jenem Anlaß »nicht nur volle und reichliche, sondern sogar
vollste Vergebung aller Sünden«.(12) Von da an hat die Kirche
das Jubeljahr stets als einen bedeutsamen Abschnitt ihres Schreitens auf
die Fülle Christi zu gefeiert.
Die Geschichte zeigt, mit welch leidenschaftlichem Aufbruch das Volk
Gottes die Heiligen Jahre stets gelebt hat. Es sah in ihnen eine
wiederkehrende Gelegenheit, bei der die Aufforderung Jesu zur Umkehr auf
intensivste Weise spürbar wird. Mißbräuche und Verständnislosigkeit
sind im Verlauf dieses Weges nicht ausgeblieben, bei weitem größer
waren aber die Zeugnisse echten Glaubens und aufrichtiger Liebe. Das
beweist auf beispielhafte Weise die Gestalt des hl. Philipp Neri, der anläßlich
des Jubeljahres 1550 als greifbares Zeichen für die freundliche
Aufnahme der Pilger die »Caritas romana« ins Leben rief.
Ausgehend von der Durchführung des Jubeljahres und den Früchten
der Bekehrung, welche die Gnade der Vergebung in unzähligen Gläubigen
hervorgebracht hat, ließe sich eine lange Geschichte der Heiligkeit
schreiben.
6. Ich hatte während meines Pontifikates im Jahre 1983 die Freude,
das außerordentliche Jubeljahr anläßlich der
1950-Jahr-Feier der Erlösung des Menschengeschlechtes auszurufen.
Dieses Geheimnis, das sich im Tod und in der Auferstehung Jesu vollzogen
hat, stellt den Höhepunkt eines Ereignisses dar, das mit der
Menschwerdung des Gottessohnes seinen Anfang nimmt. So kann dieses Jubiläum
zu Recht als »Großes Jubiläum« angesehen werden, und
die Kirche äußert den lebhaften Wunsch, alle Gläubigen in
ihre Arme zu schließen, um ihnen die Freude der Versöhnung
anzubieten. Aus der ganzen Kirche wird der Lob- und Dankhymnus zum Vater
emporsteigen, der uns in seiner unvergleichlichen Liebe in Christus
zugestanden hat, »Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes«
(Eph 2, 19) zu sein. Anläßlich dieses großen
Festes sind auch die Anhänger anderer Religionen sowie auch alle, die
dem Glauben an Gott fernstehen, herzlich eingeladen, sich an unserer
Freude zu beteiligen. Als Brüder und Schwestern der einen
Menschheitsfamilie überschreiten wir gemeinsam die Schwelle eines
neuen Jahrtausends, das den Einsatz und die Verantwortung aller einfordern
wird.
Für uns Gläubige wird das Jubiläumsjahr mit aller
Klarheit die von Christus durch seinen Tod und seine Auferstehung
vollbrachte Erlösung herausstellen. Niemand kann nach diesem Tod von
der Liebe Gottes getrennt werden (vgl. Röm 8, 21-39), es sei
denn durch eigene Schuld. Die Gnade der Barmherzigkeit kommt allen
entgegen, damit alle, die versöhnt wurden, auch »gerettet werden
[können] durch sein Leben« (Röm 5, 10).
Ich lege daher fest, daß das Große Jubiläum des
Jahres 2000 in der Weihnachtsnacht 1999 mit der Öffnung der
Heiligen Pforte der Petersbasilika im Vatikan beginnt, die der in
Jerusalem und in Betlehem vorgesehenen Eröffnungsfeier und der Öffnung
der Heiligen Pforte in den anderen Patriarchalbasiliken in Rom um einige
Stunden vorausgehen wird. Für die Basilika Sankt Paul vor den Mauern
wird die Öffnung der Heiligen Pforte auf Dienstag, 18. Januar, den
Beginn der Gebetswoche für die Einheit der Christen, verlegt, um auch
auf diese Weise den besonderen ökumenischen Charakter zu
unterstreichen, der dieses Jubiläum kennzeichnet.
Darüber hinaus lege ich für die Teilkirchen fest, daß
die Eröffnung des Jubiläumsjahres am heiligen Tag des
Geburtsfestes des Herrn mit einer festlichen Eucharistiefeier unter dem
Vorsitz des Diözesanbischofs in der Kathedrale und auch in der
Konkathedrale begangen wird. In der Konkathedrale kann der Bischof den
Vorsitz der Feier einem von ihm bevollmächtigten Vertreter übertragen.
Da der Ritus der Öffnung der Heiligen Pforte der Vatikanbasilika und
den Patriarchalbasiliken vorbehalten ist, sind für die Eröffnung
der Jubiläumszeit in den einzelnen Diözesen, entsprechend den
Hinweisen im »Rituale für die Feier des Großen Jubiläums
in den Teilkirchen«, folgende liturgische Handlungen vorgesehen: die
statio in einer anderen Kirche, von der sich dann der Pilgerzug
zur Kathedrale bewegt, die liturgische Hervorhebung des Evangelienbuches
und die Lesung einiger Abschnitte dieser Bulle.
Weihnachten 1999 möge für alle ein leuchtender Festtag, das Präludium
zu einem besonders tiefen Erlebnis göttlicher Gnade und
Barmherzigkeit sein, das bis zum Abschluß des Jubiläumsjahres
andauern soll: dem Fest der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus am 6.
Januar 2001. Jeder Gläubige nehme die Einladung der Engel an, die
unaufhörlich verkünden: »Ehre sei Gott in der Höhe und
Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade« (vgl. Lk 2, 14).
So wird die Weihnachtszeit das pulsierende Herz des Heiligen Jahres sein,
das in das Leben der Kirche die Fülle der Gaben des Geistes für
eine Neuevangelisierung einbringen wird.
7. Die Einrichtung des Jubeljahres ist im Laufe ihrer Geschichte reicher
geworden an Zeichen, die den Glauben des christlichen Volkes bezeugen und
eine Hilfe für seine Frömmigkeit sind. Unter diesen Zeichen ist
vor allem die Wallfahrt zu erwähnen. Sie spielt auf die
Situation des Menschen an, der sein Leben gern als einen Weg beschreibt.
Von der Geburt bis zum Tod ist es jedem Menschen eigen, homo viator
zu sein. Die Heilige Schrift ihrerseits bezeugt mehrmals die Bedeutung
des Brauches, daß man sich auf den Weg zu den heiligen Stätten
macht; es war Brauch, daß der Israelit in die Stadt pilgerte, wo die
Bundeslade aufbewahrt wurde, oder daß er entweder das Heiligtum in
Bet-El (vgl. Ri 20, 18) oder jenes in Schilo besuchte, wo das
Gebet Hannas, der Mutter Samuels, erhört worden war (vgl. 1 Sam
1, 3). Auch Jesus unterwarf sich willig dem Gesetz und zog mit Maria und
Josef hinauf in die heilige Stadt Jerusalem (vgl. Lk 2, 41). Die
Geschichte der Kirche ist das lebendige Tagebuch einer niemals endenden
Pilgerschaft. Unterwegs zur Stadt der heiligen Petrus und Paulus, zum
Heiligen Land oder zu den alten und neuen Heiligtümern, die der
Jungfrau Maria und den Heiligen geweiht sind: das ist das Ziel vieler Gläubiger,
die auf diese Weise ihre Frömmigkeit fördern.
Die Wallfahrt ist seit jeher ein bedeutsamer Vorgang im Leben der Gläubigen
gewesen, der in den verschiedenen Epochen unterschiedliche kulturelle
Ausdrucksformen angenommen hat. Sie erinnert an den persönlichen Weg
des Glaubenden auf den Spuren des Erlösers: eine Übung tätiger
Askese, der Reue über die menschlichen Schwächen und der inneren
Vorbereitung auf die Erneuerung des Herzens. Durch Wachen, Fasten und
Gebet kommt der Pilger auf dem Weg der christlichen Vollkommenheit voran,
indem er sich bemüht, mit Hilfe der Gnade Gottes »zum
vollkommenen Menschen [zu] werden und Christus in seiner vollendeten
Gestalt dar[zu]stellen« (Eph 4, 13).
8. Zur Wallfahrt gesellt sich das Zeichen der Heiligen Pforte,
die zum ersten Mal während des Jubeljahres 1423 in der Basilika des
heiligsten Erlösers im Lateran geöffnet wurde. Sie erinnert an
den Übergang von der Sünde zur Gnade, den zu vollziehen jeder
Christ aufgerufen ist. Jesus hat gesagt: »Ich bin die Tür«
(Joh 10, 7), um anzuzeigen, daß niemand zum Vater Zugang
hat, außer durch ihn. Diese Selbstbestimmung Jesu bezeugt, daß
er allein der vom Vater gesandte Erlöser ist. Es gibt nur einen
Zugang, der den Eintritt in das Leben der Gemeinschaft mit Gott aufschließt:
dieser Zugang ist Jesus, der einzige und absolute Heilsweg. Auf ihn allein
läßt sich das Wort des Psalmisten in vollem Ausmaß
anwenden: »Das ist das Tor zum Herrn, nur Gerechte treten hier ein«
(Ps 118, 20).
Der Hinweis auf die Tür erinnert an die Verantwortung jedes Gläubigen,
deren Schwelle zu überschreiten. Durch jene Tür gehen, heißt
bekennen, daß Jesus Christus der Herr ist, und den Glauben an ihn stärken,
um das neue Leben zu leben, das er uns geschenkt hat. Es ist eine
Entscheidung, welche die Freiheit der Wahl und zugleich den Mut zum
Loslassen voraussetzt im Wissen darum, daß man das göttliche
Leben gewinnt (vgl. Mt 13, 4446). In diesem Geist wird der
Papst als erster in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember 1999 durch die
Heilige Pforte gehen. Während er ihre Schwelle überschreitet,
wird er der Kirche und der Welt das Heilige Evangelium zeigen, die Quelle
des Lebens und der Hoffnung für das bevorstehende dritte Jahrtausend.
Durch die Heilige Pforte, die in symbolischer Hinsicht am Ende eines
Jahrtausends größer ist,(13) wird uns Christus tiefer in die
Kirche, seinen Leib und seine Braut, einführen. So verstehen wir, wie
bedeutungsvoll der Hinweis des Apostels Petrus ist, wenn er schreibt, daß,
vereint mit Christus, auch wir uns »als lebendige Steine zu einem
geistigen Haus, zu einer heiligen Priesterschaft aufbauen lassen, um durch
Jesus Christus geistige Opfer darzubringen, die Gott gefallen« (1
Petr 2, 5).
9. Ein weiteres, den Gläubigen wohlbekanntes besonderes Zeichen ist
der Ablaß, der eines der wesentlichen Elemente des Jubiläumsereignisses
ausmacht. In ihm offenbart sich die Fülle des Erbarmens des Vaters,
der mit seiner Liebe, die zuallererst in der Vergebung der Schuld zum
Ausdruck kommt, allen entgegenkommt. Üblicherweise gewährt Gott
Vater seine Vergebung durch das Sakrament der Buße und Versöhnung.(14)
Denn der Gläubige, der sich bewußt und aus freien Stücken
der schweren Sünde überläßt, trennt sich damit vom
Gnadenleben mit Gott und schließt sich selbst von der Heiligkeit
aus, zu der er berufen ist. Die Kirche, gestützt auf die ihr von
Christus verliehene Vollmacht, in seinem Namen Schuld zu vergeben (vgl.
Mt 16, 19; Joh 20, 23), stellt in der Welt die lebendige
Gegenwart der Liebe Gottes dar, der sich über jede menschliche Schwäche
niederbeugt, um sie aufzunehmen in die Umarmung seines Erbarmens. Ja,
durch den Dienst seiner Kirche breitet Gott in der Welt seine
Barmherzigkeit aus durch jene kostbare Gabe, die mit dem uralten Namen »Ablaß«
bezeichnet ist.
Das Bußsakrament bietet dem Sünder »eine neue Möglichkeit,
sich zu bekehren und die Gnade der Rechtfertigung wiederzuerlangen«,(15)
die durch das Opfer Christi erwirkt worden ist. So wird er wieder in das
Leben Gottes und in die volle Teilnahme am Leben der Kirche zurückgeführt.
Wenn der Gläubige seine Sünden bekennt, erhält er wirklich
die Vergebung und kann, als Zeichen für die wiedergewonnene
Gemeinschaft mit dem Vater und mit seiner Kirche, wieder an der
Eucharistie teilnehmen. Die Kirche ist jedoch von alters her immer
zutiefst davon überzeugt gewesen, daß die von Gott ungeschuldet
gewährte Vergebung als notwendige Folge eine tatsächliche Lebensänderung,
einen zunehmenden innerlichen Abbau des Bösen und eine Erneuerung der
eigenen Existenz einschließt. Der sakramentale Akt sollte mit einer
existentiellen Handlung, mit einer tatsächlichen Reinigung von der
Schuld, die eben Buße genannt wird, einhergehen. Vergebung heißt
nicht, daß dieser existentielle Prozeß überflüssig würde,
sondern vielmehr, daß er einen Sinn erhält, daß er
angenommen und aufgenommen wird.
Die eingetretene Versöhnung mit Gott schließt nämlich
nicht aus, daß gewisse Folgen der Sünde zurückgeblieben
sind, von denen man geläutert werden muß. Gerade in diesem
Bereich gewinnt der Ablaß, durch den das »Vollgeschenk des göttlichen
Erbarmens« (16) zum Ausdruck gebracht wird, an Bedeutung. Mit dem
Ablaß wird dem reuigen Sünder die zeitliche Strafe für Sünden
erlassen, die hinsichtlich der Schuld schon getilgt sind.
10. Auf Grund ihrer Eigenschaft, die Heiligkeit und Gerechtigkeit Gottes
zu verletzen sowie die persönliche Freundschaft, die Gott für
den Menschen hegt, zu verachten, zieht die Sünde in der Tat eine
doppelte Folge nach sich. Einerseits bringt sie, wenn es sich um eine
schwere Sünde handelt, den Entzug der Gemeinschaft mit Gott und somit
den Ausschluß von der Teilhabe am ewigen Leben mit sich. Dem reuigen
Sünder gewährt jedoch Gott in seinem Erbarmen die Vergebung der
schweren Sünde und den Nachlaß der »ewigen Sündenstrafe«,
die sie eigentlich nach sich ziehen würde.
Außerdem »zieht jede Sünde, selbst eine geringfügige,
eine schädliche Bindung an die Geschöpfe nach sich, was der Läuterung
bedarf, sei es hier auf Erden, sei es nach dem Tod im sogenannten
Purgatorium [Läuterungszustand]. Diese Läuterung befreit von
dem, was man zeitliche Sündenstrafe nennt«,(17) eine
Sühne, durch die getilgt wird, was der vollen Gemeinschaft mit Gott
und mit den Brüdern und Schwestern im Wege steht.
Auf der anderen Seite lehrt die Offenbarung, daß der Christ auf
seinem Bekehrungsweg nicht allein gelassen ist. In Christus und durch
Christus ist sein Leben durch ein geheimnisvolles Band mit dem Leben aller
anderen Christen in der übernatürlichen Einheit des mystischen
Leibes verbunden. So kommt es zwischen den Gläubigen zu einem
wunderbaren Austausch geistlicher Güter, kraft dessen die Heiligkeit
des einen den anderen zugute kommt, und zwar mehr als die Sünde des
einen den anderen schaden kann. Es gibt Menschen, die geradezu ein Übermaß
an Liebe, an ertragenem Leid, an Reinheit und Wahrheit zurücklassen,
das die anderen einbezieht und aufrichtet. Es ist die Wirklichkeit der »Stellvertreterschaft«,
auf die sich das ganze Geheimnis Christi gründet. Seine überreiche
Liebe rettet uns alle. Trotzdem gehört es zur Größe der
Liebe Christi, daß sie uns nicht im Zustand passiver Empfänger
beläßt, sondern in sein heilbringendes Wirken und insbesondere
in sein Leiden einbezieht. Das besagt die bekannte Stelle aus dem
Kolosserbrief: »Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze
ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt«
(1, 24).
Wunderbar ausgedrückt ist diese tiefgründige Wirklichkeit auch
an einer Stelle der Geheimen Offenbarung, wo die Kirche als die Braut
beschrieben wird, die mit einem Gewand aus weißem Linnen, aus
blendend reinem Leinen bekleidet ist. Und der hl. Johannes sagt: »Das
Leinen bedeutet die gerechten Taten der Heiligen« (Offb 19,
8). Denn im Leben der Heiligen wird das blendend weiße Leinen
gewoben, welches das Kleid der Ewigkeit ist.
Alles kommt von Christus, aber da wir sein Eigentum sind, wird auch das,
was uns gehört, zu seinem Eigentum und gewinnt eine heilbringende
Kraft. Das ist gemeint, wenn man vom »Schatz der Kirche«
spricht, der aus den guten Werken der Heiligen besteht. Für die
Erlangung des Ablasses beten heißt, in diese geistliche Gemeinschaft
eintreten und sich damit ganz den anderen öffnen. Denn auch im
geistlichen Bereich lebt keiner nur für sich allein. Und die heilsame
Sorge um das eigene Seelenheil wird erst dann von Furcht und Egoismus
befreit, wenn sie zur Sorge auch um das Heil des anderen wird. Das ist die
Wirklichkeit der Gemeinschaft der Heiligen, das Geheimnis der »stellvertretenden
Wirklichkeit« und des Gebetes als Weg zur Vereinigung mit Christus
und mit seinen Heiligen. Er nimmt uns zu sich, damit wir zusammen mit ihm
das makellose Gewand des neuen Menschengeschlechtes weben, das Gewand der
Braut Christi aus blendend weißem Leinen.
Diese Lehre über die Ablässe macht also zunächst
deutlich, »wie traurig und bitter es ist, sich von Gott dem Herrn
abgewandt zu haben (vgl. Jer 2, 19). Denn wenn die Gläubigen
die Ablässe erwerben, begreifen sie, daß sie aus eigener Kraft
nicht fähig wären, das Übel, das sie durch die Sünde
sich selbst und der ganzen Gemeinschaft zugefügt haben,
wiedergutzumachen; so werden sie zu heilbringenden Taten der Demut
angespornt«.(18) Die Wahrheit von der Gemeinschaft der Heiligen,
welche die Gläubigen mit Christus und untereinander verbindet, sagt
uns außerdem, wie sehr ein jeder den anderen Lebenden wie
Verstorbenen dabei helfen kann, immer inniger mit dem Vater im
Himmel verbunden zu sein.
Indem ich mich auf diese Lehraussagen stütze und den mütterlichen
Sinn der Kirche deute, verfüge ich, daß alle Gläubigen,
sofern sie angemessen vorbereitet sind, während des ganzen Jubiläumsjahres
in den reichlichen Genuß des Ablaßgeschenkes kommen können,
wie es den dieser Bulle beigefügten Anweisungen entspricht (vgl.
Dekret).
11. Diese genannten Zeichen gehören schon zur Tradition der Jubiläumsfeier.
Das Volk Gottes soll es aber nicht versäumen, mit wachem Geist noch
andere mögliche Zeichen für das im Jubeljahr wirksame Erbarmen
Gottes zu erkennen. In dem Apostolischen Schreiben Tertio millennio
adveniente habe ich auf einige solcher Zeichen hingewiesen,(19) die in
angemessener Weise dazu dienen können, die außerordentliche
Gnade des Jubiläums intensiver zu erleben. Ich führe sie hier
kurz an.
Da ist vor allem das Zeichen der Reinigung des Gedächtnisses:
es verlangt von allen einen mutigen Akt der Demut, nämlich die
Verfehlungen zuzugeben, die von denen begangen wurden, die den Namen
Christen trugen und tragen.
Das Heilige Jahr ist seinem Wesen nach eine Zeit des Aufrufes zur
Umkehr. Das ist auch das erste Wort der Verkündigung Jesu, das sich
auf vielsagende Weise mit der Bereitschaft zum Glauben verbindet: »Kehrt
um, und glaubt an das Evangelium!« (Mk 1, 15). Der Imperativ,
den Christus hier setzt, folgt aus der Bewußtwerdung des Umstandes,
daß »die Zeit erfüllt ist« (ebd.). Das
Sich-Erfüllen der Zeit Gottes setzt sich in den Aufruf zur Umkehr um.
Diese aber ist vor allem Frucht der Gnade. Der Geist ist es, der jeden
dazu drängt, »in sich zu gehen« und zu merken, daß er
zum Haus des Vaters zurückkehren muß (vgl. Lk 15,
17-20). Die Gewissenserforschung ist also einer der bedeutsamsten Vorgänge
der persönlichen Existenz. Denn durch sie wird jeder Mensch mit der
Wahrheit des eigenen Lebens konfrontiert. So entdeckt er, wie weit seine
Handlungen von dem Ideal entfernt sind, das er sich zuvor gesteckt hat.
Die Geschichte der Kirche ist eine Geschichte der Heiligkeit. Das Neue
Testament bestätigt nachdrücklich folgende charakteristische
Eigenschaft der Getauften: Sie sind in dem Maße »heilig«,
wie sie sich von der dem Bösen unterworfenen Welt trennen und der
Verehrung des einzigen und wahren Gottes hingeben. Tatsächlich tritt
diese Heiligkeit in den wechselvollen Lebensgeschichten vieler von der
Kirche anerkannter Heiliger und Seliger ebenso in Erscheinung wie im Leben
einer unendlichen Schar unbekannter Männer und Frauen, deren Zahl
sich unmöglich errechnen läßt (vgl. Offb 7, 9).
Ihr Leben gibt Zeugnis von der Wahrheit des Evangeliums und bietet der
Welt das sichtbare Zeichen für die Möglichkeit der
Vollkommenheit. Man muß jedoch eingestehen, daß die Geschichte
auch viele Ereignisse verzeichnet, die ein Antizeugnis gegenüber dem
Christentum darstellen. Wegen jenes Bandes, das uns im mystischen Leib
miteinander vereint, tragen wir alle die Last der Irrtümer und der
Schuld derer, die uns vorausgegangen sind, auch wenn wir keine persönliche
Verantwortung dafür haben und nicht den Richterspruch Gottes, der
allein die Herzen kennt, ersetzen wollen. Aber auch wir haben als Söhne
und Töchter der Kirche gesündigt, und es wurde der Braut Christi
verwehrt, in ihrer ganzen Schönheit zu erstrahlen. Unsere Sünde
hat das Wirken des Geistes im Herzen vieler Menschen behindert. Unser
schwacher Glaube hat viele der Gleichgültigkeit verfallen lassen und
sie von einer echten Begegnung mit Christus abgehalten.
Als Nachfolger Petri fordere ich, daß die Kirche, gestärkt
durch die Heiligkeit, die sie von ihrem Herrn empfängt, in diesem
Jahr der Barmherzigkeit vor Gott niederkniet und von ihm Vergebung für
die Sünden ihrer Kinder aus Vergangenheit und Gegenwart erfleht. Alle
haben gesündigt, und niemand kann sich vor Gott gerecht nennen (vgl.
1 Kön 8, 46). Man möge ohne Furcht wiederholen: »Wir
haben gesündigt« (Jer 3, 25), doch soll die Gewißheit
lebendig erhalten werden, daß dort, »wo die Sünde mächtig
wurde, die Gnade übergroß geworden ist« (Röm
5, 20).
Die Umarmung, die der Vater demjenigen vorbehält, der ihm reumütig
entgegengeht, wird der gerechte Lohn für das demütige Eingeständnis
der eigenen und der Schuld anderer sein; es stützt sich auf das Bewußtsein
von dem tiefen Band, das alle Glieder des mystischen Leibes Christi
untereinander vereint. Die Christen werden aufgefordert, vor Gott und vor
den Menschen, die ihr Verhalten verletzt hat, zu den von ihnen begangenen
Fehlern zu stehen. Das sollen sie tun, ohne irgendetwas dafür
einzufordern, stark allein durch die »Liebe Gottes, die in unsere
Herzen ausgegossen ist« (Röm 5, 5). Es wird nicht an
Personen fehlen, die ohne Vorurteile fähig sind anzuerkennen, daß
die vergangene und gegenwärtige Geschichte häufig Fälle von
Ausgrenzung, Ungerechtigkeiten und Verfolgungen gegenüber den Söhnen
und Töchtern der Kirche vermerkt hat und weiter vermerkt.
Niemand möge sich in diesem Jubeljahr von der Umarmung des Vaters
ausschließen. Niemand verhalte sich wie der ältere Bruder im
Gleichnis des Evangeliums, der sich weigert, das Haus zu betreten, um am
Fest teilzunehmen (vgl. Lk 15, 25-30). Die Freude über die
Vergebung möge stärker und größer sein als jeder
Groll. Wenn das geschieht, wird die Braut vor den Augen der Welt in jener
Schönheit und Heiligkeit erstrahlen, die aus der Gnade des Herrn
stammen. Seit zweitausend Jahren ist die Kirche die Wiege, in die Maria
Jesus legt und ihn allen Völkern zur Anbetung und Betrachtung
anvertraut. Möge durch die Demut der Braut die Herrlichkeit und Kraft
der Eucharistie, die sie in ihrem Schoß feiert und bewahrt, noch stärker
strahlen. Im Zeichen der konsekrierten Gestalten von Brot und Wein
offenbart der auferstandene und verherrlichte Jesus Christus als Licht der
Heiden (vgl. Lk 2, 32) die Kontinuität seiner Menschwerdung.
Er bleibt lebendig und wahrhaftig mitten unter uns, um die Gläubigen
mit seinem Leib und seinem Blut zu speisen.
Der Blick sei daher fest auf die Zukunft gerichtet. Der barmherzige
Vater stellt die Sünden, die wir wirklich bereut haben, nicht in
Rechnung (vgl. Jes 38, 17). Er vollbringt nun etwas Neues und
nimmt in verzeihender Liebe den neuen Himmel und die neue Erde vorweg. Im
Hinblick auf einen erneuerten Einsatz für das christliche Zeugnis in
der Welt des nächsten Jahrtausends möge der Glaube erstarken,
die Hoffnung wachsen und die Liebe immer tätiger werden.
12. Ein Zeichen der Barmherzigkeit Gottes, das heute besonders nötig
ist, stellt die Liebe dar, die uns die Augen für die Bedürfnisse
derer öffnet, die in Armut und am Rande der Gesellschaft leben. Diese
Zustände erfassen heute weite gesellschaftliche Räume und
bedecken mit ihrem Todesschatten ganze Völker. Die Menschheit steht
neuen und subtileren Formen von Sklaverei gegenüber, als wir sie aus
der Vergangenheit kennen; für allzu viele Menschen bleibt Freiheit
weiterhin ein Wort ohne Inhalt. Nicht wenige Nationen, besonders die ärmsten,
werden von einer Schuldenlast förmlich erdrückt, die solche
Ausmaße angenommen hat, daß eine Rückzahlung praktisch
unmöglich ist. Es ist allerdings klar, daß ohne die
erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Völkern aller Sprachen,
Rassen, Nationalitäten und Religionen kein wirklicher Fortschritt
erreicht werden kann. Es müssen Formen der Unterdrückung
beseitigt werden, die zur Vorherrschaft der einen über die anderen führen:
wir haben es dabei mit Sünde und Ungerechtigkeit zu tun. Wem es darum
geht, nur hier auf der Erde Schätze anzuhäufen (vgl. Mt
6, 19), der »ist vor Gott nicht reich« (Lk 12, 21).
Außerdem muß man eine neue Kultur internationaler Solidarität
und Zusammenarbeit schaffen, in der alle besonders die reichen Länder
und der private Bereich ihre Verantwortung für ein
Wirtschaftsmodell übernehmen, das jedem Menschen dient. Es darf der
Zeitpunkt nicht weiter hinausgezögert werden, an dem sich auch der
arme Lazarus neben den reichen Mann setzen kann, um an demselben Mahl
teilzunehmen, und nicht mehr gezwungen ist, sich von dem zu ernähren,
was vom Tisch des Reichen herunterfällt (vgl. Lk 16, 19-31).
Die extreme Armut ist Quelle von Gewalt, Groll und Skandalen. Abhilfe
schaffen kann man hier nur durch aktiven Einsatz für die
Gerechtigkeit und damit für den Frieden.
Das Jubeljahr ist ein weiterer Aufruf zur Umkehr des Herzens durch die Änderung
der Lebensweise. Es erinnert alle daran, daß sie weder die Güter
der Erde absolut setzen dürfen, weil sie nicht Gott sind, noch die
Herrschaft oder den Herrschaftsanspruch des Menschen, weil die Erde Gott
und nur ihm allein gehört: »Das Land gehört mir, und ihr
seid nur Fremde und Halbbürger bei mir« (Lev 25, 23). Möge
dieses Gnadenjahr das Herz derer berühren, die das Schicksal der Völker
in Händen haben!
13. Ein dauerndes, aber heutzutage besonders beredtes Zeichen für
die Wahrheit der christlichen Liebe ist das Gedächtnis der Märtyrer.
Ihr Zeugnis soll nicht vergessen werden. Sie sind diejenigen, die das
Evangelium verkündet haben, indem sie aus Liebe ihr Leben hingaben.
Der Märtyrer ist vor allem in unseren Tagen Zeichen jener größeren
Liebe, die jeden anderen Wert einschließt. Sein Dasein spiegelt die
letzten von Christus am Kreuz gesprochenen Worte wider: »Vater,
vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun« (Lk 23,
34). Der Gläubige, der seine christliche Berufung, für die das
Martyrium eine schon in der Offenbarung angekündigte Möglichkeit
ist, ernsthaft erwogen hat, kann diese Perspektive nicht aus seinem
Lebenshorizont ausschließen. Die zweitausend Jahre seit der Geburt
Christi sind von dem beständigen Zeugnis der Märtyrer geprägt.
Unser nunmehr zu Ende gehendes Jahrhundert hat vor allem als Folge des
Nationalsozialismus, des Kommunismus und der Rassen- oder Stammeskämpfe
zahllose Märtyrer hervorgebracht. Menschen aller
Gesellschaftsschichten haben für ihren Glauben gelitten, indem sie
ihr Festhalten an Christus und der Kirche mit dem Leben bezahlten oder
mutig endlose Jahre der Gefangenschaft und Entbehrungen aller Art auf sich
nahmen, um nicht vor einer Ideologie zurückzuweichen, die sich in das
Regime einer grausamen Diktatur verwandelt hatte. Vom psychologischen
Gesichtspunkt her ist das Martyrium der eindrucksvollste Beweis für
die Wahrheit des Glaubens, die selbst dem gewaltsamsten Tod ein
menschliches Gesicht zu geben vermag und ihre Schönheit auch in den
grausamsten Verfolgungen zum Ausdruck bringt.
Erfüllt von der Gnade des kommenden Jubeljahres werden wir mit größerer
Kraft den Dankhymnus zum Vater erheben und singen können: Te
martyrum candidatus laudat exercitus. Ja, das ist das Heer derer, die »ihre
Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht [haben]«
(Offb 7, 14). Darum wird die Kirche überall auf der Erde im
Zeugnis der Märtyrer verankert bleiben und ihr Gedächtnis
sorgsam verteidigen müssen. Möge das Volk Gottes, das durch das
Beispiel dieser glaubwürdigen Kämpfer jeden Alters, jeder
Sprache und Nationalität im Glauben gestärkt ist, mit Zuversicht
die Schwelle des dritten Jahrtausends überschreiten. Die Bewunderung
für ihr Martyrium verbinde sich im Herzen der Gläubigen mit dem
Wunsch, mit Gottes Gnade ihrem Beispiel folgen zu können, falls es
die Umstände erfordern würden.
14. Die Freude über das Jubiläum wäre nicht vollkommen,
wenn sich der Blick nicht derjenigen zuwendete, die in vollem Gehorsam
gegenüber dem Vater für uns den Sohn Gottes leibhaftig
hervorgebracht hat. In Betlehem kam für Maria »die Zeit ihrer
Niederkunft« (Lk 2, 6); vom Geist erfüllt, brachte sie
den Erstgeborenen der neuen Schöpfung zur Welt. Nach ihrer Berufung,
die Mutter Gottes zu sein, hat Maria vom Tag der jungfräulichen Empfängnis
an ihre Mutterschaft voll gelebt und sie auf Golgota zu Füßen
des Kreuzes gekrönt. Hier ist sie durch das wunderbare Geschenk
Christi auch zur Mutter der Kirche geworden, die allen den Weg zeigt, der
zum Sohn führt.
Die Jungfrau Maria war eine Frau, die sich der Stille aussetzte, die zuhören
konnte und sich in die Hände des Vaters gab. Deshalb wird sie von
allen Generationen als »selig« angerufen, weil sie die vom
Heiligen Geist an ihr vollbrachten Wunder zu erkennen vermochte. Niemals
werden die Völker aufhören, die Mutter des Erbarmens anzurufen,
und immer werden sie unter ihrem Schutz Zuflucht finden. Sie, die mit
ihrem Sohn Jesus und ihrem Mann Josef zum heiligen Tempel Gottes pilgerte,
beschütze den Weg aller, die in diesem Jubiläumsjahr zu Pilgern
werden. Besonders eindringlich möge in den nächsten Monaten ihre
Fürbitte für das christliche Volk sein, damit es die Fülle
der Gnade und Barmherzigkeit erlange, während es sich über die
zweitausend Jahre freut, die seit der Geburt seines Erlösers
vergangen sind.
An Gott Vater im Heiligen Geist gehe das Lob der Kirche für das
Geschenk der Erlösung im Herrn Jesus Christus jetzt und in Ewigkeit.
Gegeben zu Rom, bei Sankt Peter, am 29. November, dem ersten
Adventsonntag des Jahres des Herrn 1998, im einundzwanzigsten Jahr meines
Pontifikates.
Joannes Paulus II
ANWEISUNGEN FÜR DIE ERLANGUNG DES JUBILÄUMSABLASSES
Mit vorliegendem Dekret, das in dem vom Heiligen Vater in der Verkündigungsbulle
des Großen Jubiläums des Jahres 2000 zum Ausdruck gebrachten
Willens verfaßt ist, und kraft der ihr von demselben Papst übertragenen
Vollmacht legt die Apostolische Pönitentiarie die Ordnung fest, die für
die Erlangung des Jubiläumsablasses einzuhalten ist.
Alle Gläubigen können, wenn sie entsprechend vorbereitet sind,
während des ganzen Jubeljahres gemäß den im folgenden
ausgeführten Bestimmungen in den reichlichen Genuß des Ablaßgeschenkes
gelangen.
Unter der Voraussetzung, daß die sowohl in allgemeiner Form wie
auf besonderes Reskript hin gewährten Ablässe während des
Großen Jubiläums in Kraft bleiben, wird daran erinnert, daß
der Jubiläumsablaß den Seelen der Verstorbenen durch Fürbittgebet
zugewendet werden kann: mit diesem Angebot wird eine hervorragende Übung
übernatürlicher Liebe vollbracht, kraft des Bandes, durch das im
mystischen Leib Christi die noch auf Erden pilgernden Gläubigen mit
jenen vereint sind, die ihren irdischen Lebensweg schon abgeschlossen
haben. Auch während des Jubeljahres bleibt überdies die Regelung
in Geltung, daß ein vollkommener Ablaß nur einmal am Tag
gewonnen werden kann.(20)
Der Höhepunkt des Jubiläums ist die Begegnung mit Gott Vater
durch den Erlöser Jesus Christus, der in seiner Kirche besonders in
ihren Sakramenten gegenwärtig ist. Deswegen hat der ganze Weg des
Jubeljahres, von der Wallfahrt vorbereitet, als Ausgangs- und Endpunkt die
Feier des Bußsakramentes und der Eucharistie, des Paschamysteriums
Christi also, der unser Friede und unsere Versöhnung ist: das ist die
verwandelnde Begegnung, die auf das Geschenk des Ablasses für sich
und für andere hin öffnet.
Nach Ablegung der sakramentalen Beichte, die ordentlicherweise nach can.
960 CIC und nach can. 720 § 1 CCEO persönlich und vollständig
sein muß, kann der Gläubige durch Erfüllung der verlangten
Anordnungen das Geschenk des vollkommenen Ablasses während einer
angemessenen Zeitfrist auch täglich empfangen oder zuwenden, ohne die
Beichte wiederholen zu müssen. Es ist jedoch besser, daß die Gläubigen
häufig die Gnade des Bußsakramentes empfangen, um in der
Bekehrung und Reinheit des Herzens zu wachsen.(21) Die Teilnahme an der
Eucharistie, die für jeden Ablaß notwendig ist, soll am selben
Tag erfolgen, an dem die vorgeschriebenen Werke erfüllt werden.(22)
Mit diesen zwei herausragenden Momenten müssen vor allem das
Zeugnis der Gemeinschaft mit der Kirche einhergehen, das durch ein Gebet
nach Meinung des Heiligen Vaters bekundet wird, sowie auch die Ausführung
von Handlungen der Nächstenliebe und der Buße nach den weiter
unten gegebenen Anweisungen: solche Handlungen sollen jene echte Umkehr
des Herzens zum Ausdruck bringen, zu der die Gemeinschaft mit Christus in
den Sakramenten hinführt. Denn Christus ist unsere Vergebung und die
Sühne für unsere Sünden (vgl. 1 Joh 2, 2). Indem er
den Heiligen Geist, der »die Vergebung aller Sünden ist«,(23)
in die Herzen der Gläubigen ausgießt, bringt er jeden zu einer
kindlichen und vertrauensvollen Begegnung mit dem Vater des Erbarmens.
Dieser Begegnung entspringen die Bemühungen um Umkehr und Erneuerung,
um kirchliche Gemeinschaft und Liebe zu den Brüdern und Schwestern.
Auch für das kommende Jubiläum wird die Regelung bestätigt,
wonach die Beichtväter für diejenigen, die rechtmäßig
verhindert sind, sowohl das vorgeschriebene Werk als auch die geforderten
Bedingungen ändern können.(24) Die klausurierten Ordensmänner
und Ordensfrauen, die Kranken und alle, die nicht imstande sind, ihre
Wohnung zu verlassen, können statt des Besuches einer bestimmten
Kirche die Kapelle ihres Hauses aufsuchen; sollte auch das nicht möglich
sein, können sie den Ablaß dadurch erlangen, daß sie sich
geistig mit denen verbinden, die das vorgeschriebene Werk in ordentlicher
Weise erfüllen, und daß sie Gott ihre Gebete, Leiden und
Entbehrungen aufopfern.
Was die Erfüllung der Bedingungen betrifft, so werden die Gläubigen
den Jubiläumsablaß erlangen können:
1) In Rom, wenn sie eine Wallfahrt zu einer der
Patriarchalbasiliken der Basilika Sankt Peter im Vatikan oder der
Erzbasilika des Heiligsten Erlösers am Lateran oder der Basilika
Santa Maria Maggiore oder der Basilika Sankt Paul an der Via Ostiense
unternehmen und dort mit Andacht an der hl. Messe oder an einer anderen
liturgischen Feier, wie den Laudes oder der Vesper, oder an einer Frömmigkeitsübung
(z.B. Kreuzweg, Rosenkranz, Gebet des Hymnus Akathistos zu Ehren
der Muttergottes) teilnehmen; außerdem, wenn sie als Gruppe oder
einzeln eine der vier Patriarchalbasiliken besuchen und dort für eine
angemessene Zeit in Verehrung der Eucharistie und in andächtiger
Betrachtung verweilen und diese dann mit dem »Vaterunser«, mit
einer anerkannten Form des Glaubensbekenntnisses und mit der Anrufung der
seligen Jungfrau Maria abschließen. Zu den vier Patriarchalbasiliken
kommen bei diesem besonderen Anlaß des Großen Jubiläums
folgende andere Stätten zu denselben Bedingungen hinzu: die Basilika
Santa Croce in Gerusalemme, die Basilika San Lorenzo al Verano, das
Heiligtum der Muttergottes von der Göttlichen Liebe (Madonna del
Divino Amore), die christlichen Katakomben.(25)
2) Im Heiligen Land, wenn sie unter Beachtung derselben
Bedingungen die Grabeskirche in Jerusalem oder die Geburtskirche in
Betlehem oder die Verkündigungsbasilika in Nazaret besuchen.
3) In den anderen kirchlichen Jurisdiktionsbereichen, wenn sie
eine Wallfahrt zur Kathedrale oder zu anderen vom Bischof bestimmten
Kirchen oder Orten machen und dort andächtig an einer liturgischen
Feier oder einer anderen Frömmigkeitsübung teilnehmen, wie sie
oben für die Stadt Rom angegeben wurden; außerdem, wenn sie als
Gruppe oder einzeln die Kathedrale oder ein vom Bischof bestimmtes
Heiligtum besuchen, dort für eine angemessene Zeit in andächtiger
Betrachtung verweilen und diese dann mit dem »Vaterunser«, mit
einer anerkannten Form des Glaubensbekenntnisses und mit der Anrufung der
seligen Jungfrau Maria abschließen.
4) An jedem Ort, wenn sie für eine angemessene Zeit Brüder
und Schwestern, die sich in Not oder Schwierigkeiten befinden (Kranke,
Gefangene, einsame alte Menschen, Behinderte usw.), besuchen, dabei
gleichsam zu Christus pilgern, der in diesen Menschen gegenwärtig ist
(vgl. Mt 25, 34-36), und die üblichen geistlichen und
sakramentalen Bedingungen, einschließlich der vorgeschriebenen
Gebete, erfüllen. Die Gläubigen werden sicher solche Besuche im
Laufe des Heiligen Jahres wiederholen; bei jedem dieser Besuche können
sie den vollkommenen Ablaß erlangen, natürlich nur einmal am
Tag.
Den vollkommenen Jubiläumsablaß kann man auch durch
Unternehmungen erlangen, welche die Bußgesinnung, die gleichsam die
Seele des Jubiläums ist, konkret und hochherzig in die Tat umsetzen.
Sie bestehen unter anderem darin, daß die Gläubigen sich
wenigstens einen Tag lang überflüssigen Konsums enthalten (z.B.
nicht rauchen, keine alkoholischen Getränke zu sich nehmen,
entsprechend den allgemeinen Normen der Kirche und den Einzelbestimmungen
der Bischofskonferenzen fasten oder Enthaltsamkeit üben) und eine
angemessene Geldsumme den Armen zuwenden; daß sie mit einem
ansehnlichen Beitrag Werke religiösen oder sozialen Charakters
unterstützen (besonders zu Gunsten verwahrloster Kinder, in
Schwierigkeiten geratener Jugendlicher, bedürftiger alter Menschen
und Fremder in den verschiedenen Ländern auf der Suche nach besseren
Lebensbedingungen); daß sie einen angemessenen Teil ihrer Freizeit Tätigkeiten
widmen, die der Gemeinschaft zugute kommen, oder daß sie andere ähnliche
Formen persönlichen Opfers auf sich nehmen.
Rom, aus der Apostolischen Pönitentiarie, am 29. November 1998,
dem ersten Adventsonntag.
William Wakefield Kard. Baum Großpönitentiar
Luigi De Magistris Regens
(1) Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in
der Welt von heute Gaudium et spes, 22.
(2) Vgl. Nr. 1: AAS 71 (1979), 258.
(3) Vgl. Johannes Paul II., Apostol. Schreiben Redemptionis anno
(20. April 1984): AAS 76 (1984), 627.
(4) II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in der
Welt von heute Gaudium et spes, 40.
(5) Vgl. Johannes Paul II., Apostol. Schreiben Tertio millennio
adveniente (10. November 1994), 36: AAS 87 (1995), 28.
(6) Vgl. II. Vat. Konzil, Pastoralkonstitution über die Kirche in
der Welt von heute Gaudium et spes, 41.
(7) Vgl. Nr. 39-54: AAS 87 (1995), 31-37.
(8) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche
Offenbarung Dei Verbum, 2.4.
(9) Lehrgedichte, XXXI, Hymnus alias: PG 37, 510-511.
(10) Vgl. Adversus haereses, III, 17: PG 7, 930.
(11) II. Vat. Konzil, Dogmatische Konstitution über die Kirche Lumen
gentium, 1.
(12) Bulle Antiquorum habet (22. Februar 1300): Bullarium
Romanum III/2, S. 94.
(13) Vgl. Johannes Paul II. Apostol. Schreiben Tertio millennio
adveniente (10. November 1994), 33: AAS 87 (1995), 25.
(14) Vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostol. Schreiben Reconciliatio
et paenitentia (2. Dezember 1984), 28-34: AAS 77 (1985),
250-273.
(15) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1446.
(16) Johannes Paul II., Bulle Aperite portas Redemptori (6.
Januar 1983), 8: AAS 75 (1983), 98.
(17) Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1472.
(18) Paul VI., Apostol. Konstitution Indulgentiarum doctrina (1.
Januar 1967), 9: AAS 59 (1967), 18.
(19) Vgl. Nr. 33.37.51: AAS 87 (1995), 25-26; 29-30; 36.
(20) Vgl. Enchiridion indulgentiarum, LEV 1986 norm. 21, §
1.
(21) Vgl. ebd., norm. 23, §§ 1-2.
(22) Vgl. ebd., norm. 23, § 3.
(23) »Quia ipse est remissio omnium peccatorum«: Missale
Romanum, Super oblata, Sabbato post Dominicam VII Paschae.
(24) Vgl. Ench. indulg., norm. 27.
(25) Vgl. Ench. indulg., conces. 14.
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