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PASTORALBESUCH IN ÖSTERREICH
GEBET VON JOHANNES PAUL
II.
BEI DER WALLFAHRT ZUM HEILIGTUM MARIAZELL
Dienstag, 13. September 1983
1. Selig bist Du, Maria, die Du geglaubt hast! So lobpreisen wir Dich
zusammen mit Elisabeth (Lk 1, 45). Selig bist Du, Mutter unseres Herrn
Jesus Christus und Mutter der Kirche.
Unser aller Mutter bist Du, die wir heute diese Wallfahrt zu Deinem Heiligtum
in Mariazell unternommen haben: Bischöfe, Priester, Diakone, Ordensleute,
Seminaristen, Novizen und viele Gläubige von nah und fern zusammen mit dem
Nachfolger des Apostels Petrus inmitten des pilgernden Gottesvolkes.
Vor Dir möchten wir dieses Gebet unserer Weihe aussprechen. Deinem reinen
Herzen vertrauen wir alles an, was uns in dieser Stunde zutiefst bewegt: all
unsere berechtigten Wünsche und Hoffnungen, zugleich aber auch unsere Sorgen und
Leiden. Führe uns mit unseren Freuden und Lasten zu Deinem Sohn, in das
Heiligtum seines liebenden Herzens, damit er seinen Brüdern und Schwestern den
Vater zeige, das selige Ziel unserer Wege.
2. Heilige Mutter von Mariazell! Dir überantworten wir dieses Land mit seinen
Dörfern und Städten, ganz Österreich und seine Bewohner. Sein kostbares Erbe,
das Christentum, möge weiterhin das Leben der einzelnen und der Familien, das
Leben der Gesellschaft und des Staates heilen und prägen. Es helfe allen, den
tiefsten Sinn ihres irdischen Lebensweges zu finden. Es wecke wieder Mut und
Hoffnung für die Tage und Jahre, die kommen.
3. Deinem mütterlichen Herzen, Maria, vertrauen wir vor allem diejenigen an,
die von Leid und Schmerz bedrückt sind: Kranke und Behinderte, Männer und Frauen
in schwierigen Ehen, Kinder in zerstrittenen Familien, Menschen mit drückenden
Schulden, Arbeitslose, Entwurzelte, Strafgefangene. Wieviel Tränen, wieviel
Angst, wieviel Dunkel auf dem Weg!
Das Kreuz Deines Sohnes leuchte ihnen auf als Zeichen des unendlichen
Erbarmens Gottes. Zeige ihnen die Gesinnung Christi, die es möglich macht, das
Böse durch das Gute zu besiegen (Röm 12, 21) durch tapfere Liebe zu einer neuen
Lebenserfüllung zu gelangen. Nimm an, barmherzige Mutter, jeden selbstlosen
Samariterdienst, jede freiwillig geschenkte Stunde im Dienst für den Nächsten in
Bedrängnis!
4. Ebenso empfehlen wir Dir die Menschen in der vollen Kraft ihres Lebens,
Männer und Frauen, die für ihre Familie, für ihren Berufsbereich, für die
Gemeinschaftsaufgaben im Lande verantwortlich sind. Laß sie in der Frohen
Botschaft Licht und Kraft für ihre Pläne und Entscheidungen finden, geleitet von
einem reifen christlichen Gewissen: die Väter und Mütter, die Lehrer und Ärzte,
die Wissenschaftler und Politiker, die Polizisten, Soldaten und alle, die dem
Gemeinwohl dienen. Zeige ihnen den leuchtenden Wert der Wahrheit, das hohe Gut
der Gerechtigkeit, den stillen Glanz der Selbstlosigkeit!
5. Deinen mütterlichen Schutz, Maria, erbitten wir auch für die junge
Generation: Kinder, Burschen und Mädchen, junge Männer und Frauen. Geleite sie
behutsam Schritt für Schritt auf dem Weg christlicher Verantwortung für sich
selbst und die Gemeinschaft: die Mutigen und die Starken, die
Unternehmungslustigen und die Zupackenden; ebenso die Stillen, die Zögernden,
die Abwägenden; die Lachenden und die Ernsten.
Laß in ihren Herzen das Licht jener Ideale nicht verlöschen, die dem Leben
des Menschen seinen wahren Wert geben. Niemand soll sie auslöschen: weder die
jungen Menschen selbst noch irgendjemand sonst. Mutter, segne die Jugend, daß
sie fähig werde, von sich selbst viel zu fordern und anderen viel zu geben, den
Versuchungen einer Genußwelt zu widerstehen und dem Wohl ihres Nächsten zu
dienen.
6. Schließlich weihen wir Dir, Gottesmutter von Mariazell, die Kirche Jesu
Christi hier in Österreich: alle, die in ihr Verantwortung tragen und ihr dienen,
alle Hirten und Gläubigen ín den Diözesen Salzburg und Wien; Sankt Pölten und
Linz; Graz-Seckau und Eisenstadt; Gurk, Innsbruck und Feldkirch. Die Kirche
erfülle heute wie in Zukunft ihren Heilsauftrag: im Namen des Evangeliums Jesu
Christi, in fester Einheit mit den anderen Ortskirchen der Weltkirche und mit
dem Petrusamt in Rom, zum Wohl und Segen aller Menschen dieses Landes, der
Einheimischen und der Zugezogenen, der Gläubigen und der Suchenden.
Mutter der Kirche, zeige dem Volk Gottes in diesem Lande wieder den Weg,
Berufungen zum Priestertum und Ordensleben in größerer Zahl zu entdecken und zu
fördern. Möge sich zugleich das vielfältige Laienapostolat noch vertiefen und
ausbreiten, die missionarische Verantwortung aller noch zunehmen. Magna Mater Austriae, segne die Kirche Österreichs!
Christus, Guter Hirt der Deinen, nimm im Herzen Deiner Mutter unser ganzes
Vertrauen, unseren guten Willen, unsere hochherzige Weihe entgegen. Amen.
© Copyright 1983 - Libreria Editrice
Vaticana
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