Ehrwürdige Brüder, liebe Söhne der heiligen Kirche, all ihr
Menschen guten Willens, die ihr uns Gehör schenkt!
Unter so vielen anderen
Worten kam uns eines sofort auf die Lippen, als wir auf den Stuhl Petri erhoben
wurden: es ist das Wort, das die ungeheure Verantwortung, die uns übertragen
wurde, ins rechte Licht stellt, wenn wir die engen Grenzen unserer menschlichen
Möglichkeiten ihr gegenüberstellen: »O Tiefe … der Weisheit und der Erkenntnis!
Wie unergründlich sind seine Urteile, wie unerforschlich seine Wege!« (Röm
11,33). Wer konnte denn voraussehen, daß wir nach dem Tod Pauls VI., dessen
Gedächtnis immer bei uns lebendig bleibt, auch den raschen Tod seines
liebenswürdigen Nachfolgers Johannes Pauls I. erleben würden? Und wie konnten
wir selbst voraussehen, daß ihre ungeheure Erbschaft auf unsere Schultern gelegt
würde? Deshalb müssen wir den verborgenen Ratschluß Gottes, seiner Vorsehung und
Güte, bedenken, nicht um ihn zu durchschauen, sondern um ihn anzubeten und
unsere Gebete auf ihn auszurichten. Wir fühlen uns also verpflichtet, mit den
Worten des Psalmisten, als er seine Augen zum Himmel erhob, auszurufen: »Woher
kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom Herrn!« (Ps 121,1f.).
Diese Ereignisse,
die niemand voraussehen konnte und die in so kurzer Zeit aufeinanderfolgten, und
das Unvermögen, darauf eine Antwort geben zu können, drängen uns nicht nur,
unseren Sinn auf den Herrn zu wenden und uns ihm ganz anzuvertrauen, sondern
hindern uns auch, ein Programm unseres Pontifikates zu entwerfen, das tägliche
Überlegung und sorgfältige Durcharbeitung erfordert. Statt dessen wollen wir
schon jetzt eine Art Grundsatzerklärung im Bewußtsein um die tröstende Gegenwart
Gottes vorlegen. Es ist nämlich kaum ein Monat vergangen, seit wir alle in
dieser durch ihre Geschichte berühmten Sixtinischen Kapelle und außerhalb Papst
Johannes Paul I. zu Beginn seines Amtes haben sprechen hören, auf das so große
Hoffnungen gesetzt werden durften. Wir glauben, diese Ansprache nicht übergehen
zu dürfen, sei es wegen der Erinnerung daran, die noch in uns lebendig ist, sei
es wegen der klugen Mahnungen und Ratschläge, die in ihr enthalten waren. Seine
Worte scheinen trotz der veränderten Umstände, unter denen sie gesprochen wurden,
auch jetzt noch ihre Kraft zu behalten. Wir können sie also zu Beginn dieses
neuen Pontifikates, das uns anvertraut wurde, vor Gott und der Kirche nicht
beiseite legen.
2. Wir wollen aber jene Kapitel, die wir für besonders wichtig
halten, nach unserem Vorsatz und mit Gottes Hilfe nicht nur aufmerksam und
zustimmend weiterverfolgen, sondern ihnen auch ständig neue Anstöße geben, damit
sie im wirklichen Leben der Kirche eine Antwort finden. Vor allem wollen
wir an das Zweite Vatikanische Ökumenische Konzil erinnern, das uns zu seiner
sorgfältigen Durchführung verpflichtet. Ist denn diese allgemeine
Kirchenversammlung nicht ein Meilenstein und ein Ereignis von höchster Bedeutung
in der 2000jährigen Geschichte der Kirche und infolgedessen in der religiösen
Geschichte der Welt und der Menschheitsentwicklung? Das Konzil steht aber nicht
nur in den Dokumenten und endet nicht nur in den Initiativen zu seiner
Durchführung, die in den Jahren nach dem Konzil unternommen wurden. Wir halten
es für unsere erste Pflicht, die sorgfältige Durchführung der Konzilsdekrete und
Bestimmungen zu fördern, was wir in ebenso kluger wie aneifernder Weise tun
müssen mit dem Ziel, daß vor allem eine entsprechende Geisteshaltung
heranwächst. Denn es ist nötig, daß zuerst die Gesinnung sich dem Konzil anpaßt,
damit seine Bestimmungen in die Praxis überführt werden können und damit das,
was zwischen den Zeilen steht oder, anders ausgedrückt, implizit darin enthalten
ist, unter Berücksichtigung der inzwischen gemachten Erfahrung und der
Forderungen, die sich aus den neuen Umständen ergeben, herausgearbeitet wird.
Kurz gesagt: der fruchtbare Samen, den die Väter des Ökumenischen Konzils, vom
Wort Gottes genährt, in gute Erde gesät haben (vgl. Mt 13,8–23), d.h. die
bedeutenden Dokumente und Pastoralbestimmungen, sollen im Leben zur Reife
gebracht werden.
Dieser generelle Entschluß zur Treue gegenüber dem Zweiten
Vatikanischen Konzil und der ausdrückliche Wille, es, soweit es auf uns ankommt,
zum Erfolg zu führen, kann verschiedene Punkte einschließen: die
Glaubensverbreitung und die Ökumene, die Disziplin und Organisation der Kirche;
aber der Punkt, auf den wir besonders große Sorgfalt verwenden werden, ist der ekklesiologische. Ehrwürdige Brüder und liebe Söhne der ganzen katholischen
Kirche! Wir müssen wieder die Magna charta des Konzils, d.h. die Dogmatische
Konstitution Lumen gentium, in die Hand nehmen, um mit erneuertem und größerem
Eifer die Natur und die Aufgabe der Kirche zu betrachten, ihre Art der Existenz
und der Tätigkeit. Wir müssen dies in der Absicht tun, daß nicht nur die
lebendige Gemeinschaft in Christus derer, die an Christus glauben und auf ihn
hoffen, bewirkt wird, sondern auch um einen Beitrag zu leisten zur größeren und
festeren Einheit der ganzen Menschheitsfamilie. Papst Johannes XXIII. drückte
das mit den Worten aus: »Die Kirche Christi ist das Licht der Völker.« Denn die
Kirche ist — das Konzil nahm seine Worte wieder auf — das allgemeine Sakrament
des Heils und der Einheit für das Menschengeschlecht (vgl. Lumen gentium, 1,48;
Ad gentes, 1).
Das Heilsgeheimnis, das sich auf die Kirche als Mittelpunkt
bezieht und das durch die Kirche zum Erfolg geführt wird; die dynamische Kraft,
die durch dieses Geheimnis das Volk Gottes antreibt; die besondere Verbindung
oder kollegiale Form, die die Hirten der Kirche untereinander, »mit Petrus und
unter Petrus«, verbindet, sind Kapitel, die wir nie genug überdenken können,
damit wir angesichts der ständigen oder zeitgebundenen Bedürfnisse der Menschen
die Art und Weise erkennen, in denen die Kirche gegenwärtig und tätig sein muß.
Deshalb wird die Zustimmung, die diesem Konzilsdokument zu leisten ist, im Licht
der Überlieferung und der dogmatischen Formeln des Ersten Vatikanischen Konzils
uns Hirten und den Gläubigen ein sicherer Weg und ein Anstoß sein, um — wir
sagen es noch einmal — auf den Wegen des Lebens und der Geschichte zu wandern.
Aus besonderem Grund betonen wir — damit wir uns der zu übernehmenden Pflicht
immer bewußter werden —, das kollegiale Band gründlicher zu berücksichtigen, das
die Bischöfe eng mit den Nachfolgern des hl. Petrus und untereinander verbindet,
zur Erfüllung der ihnen anvertrauten Aufgaben der Evangelisierung, der Heiligung
durch die Mittel der Gnade und der Leitung des ganzen Gottesvolkes. Diese
kollegiale Form gehört zweifellos auch zum Fortschritt der Einrichtungen, die
teils neu, teils den heutigen Notwendigkeiten angepaßt sind und durch die eine
möglichst große Einheit der Gesinnung, der Vorsätze, der Initiative beim Werk
des Aufbaus des Leibes Christi, der Kirche (vgl. Eph 4,12; Kol 1,24), erreicht
werden soll. Hierzu erinnern wir vor allem an die Einrichtung der
Bischofssynoden, die vor Ende des Konzils von der bedeutenden Persönlichkeit
Pauls VI. geschaffen wurde (vgl. Motu proprio Apostolica sollicitudo, AAS,
LVII, 1965, S. 775–780).
3. Aber über das Konzil hinaus sind wir zur Treue gegenüber dem
Amt, das wir übernommen haben, in seiner ganzen Breite verpflichtet. Berufen zum
höchsten Amt in der Kirche, verpflichtet gerade uns diese Stellung zu
vorbildlichem Beispiel an Entschlossenheit und Einsatz. Wir müssen diese Treue
mit allen Kräften zum Ausdruck bringen, was sich nur durchführen läßt, wenn wir
den Schatz des Glaubens unversehrt bewahren, indem wir besonders jene Gebote
Christi erfüllen, mit denen er den Simon als dem von ihm eingesetzten Fels der
Kirche die Schlüssel des Himmelreiches gegeben hat (vgl. Mt 16,18). Ihm befahl
er, die Brüder zu stärken (vgl. Lk 22,32) und die Lämmer und Schafe seiner Herde
zu weiden zum Beweis seiner Liebe (vgl. Joh 21,15ff.). Wir sind tief überzeugt, daß jede moderne Untersuchung über das sogenannte »Petrusamt«
mit dem Ziel, das Besondere und Spezifische an ihm immer besser herauszuarbeiten,
nicht an diesen drei Sätzen des Evangeliums vorbeigehen kann und darf.
Es handelt sich
tatsächlich um drei Amtsverpflichtungen, die mit der Natur der Kirche selber
zusammenhängen, zur Bewahrung ihrer inneren Einheit und zum Schutz ihres
geistigen Auftrags. Sie sind nicht nur dem hl. Petrus, sondern auch seinen
rechtmäßigen Nachfolgern aufgegeben. Wir sind überzeugt, daß dieses einzigartige
Amt sich immer aus der Quelle der Liebe nähren muß. Auch die Atmosphäre, in der
es sich entfaltet, muß sich davon nähren. Denn die Liebe ist die notwendige
Antwort auf die Frage Jesu: »Liebst du mich?« Deshalb gefällt es uns, die Worte
des hl. Paulus zu wiederholen: »Die Liebe Christi drängt uns« (2 Kor 5,14), denn
wir wollen, daß unser Amt von Anfang an ein Amt der Liebe sei und dies auf jede
Weise darstellt und ausdrückt.
Dabei werden wir uns bemühen, dem Beispiel und
der hohen Schule unserer Vorgänger zu folgen. Wer erinnert sich nicht an die
Worte Pauls VI., der »die Gesellschaft im Zeichen der Liebe verkündete und in
prophetischer Weise ungefähr einen Monat vor seinem Tod bekräftigte: »Ich habe
den Glauben bewahrt« (vgl. Homilie am Fest Peter und Paul, 20.6.78),
nicht um sich selbst zu loben, sondern um nach einem l5jährigen Pontifikat sein
Gewissen zu erforschen.
Was aber sollen wir von Johannes Paul sagen? Es scheint uns, als
wäre er erst gestern aus unserem Kreis gegangen, um das päpstliche Gewand, das
schwerer wiegt, als man glaubt, anzulegen. Aber welch glühende Liebe, mehr noch,
welch überströmende Liebe — wie er sie in seiner letzten Ansprache vor dem
sonntäglichen Angelus ausdrückte — ist in den wenigen Tagen seines Pontifikates
vom ihm in die Welt ausgegangen! Das wird auch durch die klugen Katechesen
bestätigt, die er bei den öffentlichen Audienzen über Glaube, Hoffnung und Liebe
hielt.
4. Ehrwürdige Brüder im Bischofsamt und geliebte Söhne! Zur Treue gehört
ohne Zweifel auch, wie sich von selbst versteht, der Gehorsam gegen das Lehramt
Petri, vor allem in Fragen der Lehre. Man muß immer das »objektive« Moment bei
diesem Lehramt beachten und bewahren, zumal angesichts der Schwierigkeiten, die
man in unserer Zeit da und dort bestimmten Glaubenswahrheiten macht. Zur Treue
gehört ferner die genaue Einhaltung der liturgischen Normen, welche die
katholische Kirche erlassen hat. Abzulehnen ist daher auch jene Haltung, die
willkürlich und ohne amtliche Billigung Neuerungen einführt, wie auch jene
andere Haltung, die sich hartnäckig weigert, das, was für die heiligen Riten
legitim festgelegt wurde und nun zu ihnen gehört, anzunehmen. Die Treue bezieht
sich auch auf die große Disziplin der Kirche, von der unser unmittelbarer
Vorgänger gesprochen hat. Sie ist nicht von der Art, daß sie niederdrückt oder,
wie man sagt, abtötet; sie will vielmehr die rechte Ordnung des mystischen
Leibes Christi schützen und gleichsam bewirken, daß die Verbindung aller
Glieder, aus denen er besteht, natürlich und normal ihren Aufgaben entsprechend
funktioniert. Treue ist endlich das gleiche wie die Erfüllung der Anforderungen
des Priester- und Ordenslebens, so daß alles, was man in Freiheit vor Gott
versprochen hat, auch immer gehalten wird und sich entfaltet, indem man sein
Leben beständig von übernatürlichen Grundsätzen leiten läßt.
Was schließlich die Gläubigen angeht, so weist schon ihr Name
auf die Treue hin: diese muß daher die ihrer christlichen Berufung
natürlicherweise entsprechende Haltung sein. Bereitwillig und ehrlich mögen sie
ihre Treue bezeugen im Gehorsam gegenüber ihren geistlichen Oberhirten, die der
Heilige Geist für die Leitung der Kirche eingesetzt hat (vgl. Apg 20,28);
sie mögen sich auch gern an jenen Werken beteiligen, zu denen sie aufgerufen
werden.
Wir möchten an dieser Stelle auch nicht unsere Brüder und
Schwestern aus den anderen Kirchen und christlichen Gemeinschaften vergessen.
Die Sache des Ökumenismus ist derart erhaben und erfordert Klugheit, daß wir
jetzt nicht davon schweigen können. Wie oft haben wir gemeinsam über den letzten
Willen Christi betend nachgedacht, der für seine Jünger vom Vater das Geschenk
der Einheit erbat (vgl. Joh 17,21–23)? Wer erinnert sich nicht daran, wie
oft der hl. Paulus die »Einheit des Geistes« betont hat, aus der heraus die
Jünger Christi »die gleiche Liebe üben, eines Sinnes und eines Herzens sein«
sollten (vgl. Phil 2,2.5–8)? Man möchte es daher kaum glauben, daß unter
den Christen immer noch eine Spaltung zu beklagen ist, die anderen Anlaß zum
Zweifel oder gar zum Ärgernis wird. Daher wollen wir den Weg, der schon
glücklich begonnen wurde, fortsetzen und alles fördern, was Hindernisse
beseitigen kann: wir wünschen uns dabei, daß wir in vereintem Bemühen doch
schließlich zur vollen Einheit gelangen.
Wir wenden uns auch an alle Menschen, die als Kinder des
allmächtigen Gottes unsere Brüder und Schwestern sind: Wir müssen sie lieben und
ihnen dienen. Daher möchten wir ihnen ohne Überheblichkeit, vielmehr in echter
Demut unseren Willen kundtun, einen wirklichen Beitrag zum immer aktuellen und
wichtigen Anliegen des Friedens, des Fortschritts und der Gerechtigkeit unter
den Völkern zu leisten. Wir haben dabei keineswegs die Absicht, uns in
politische Angelegenheiten oder in die Regelung weltlicher Dinge einzumischen.
Denn wie die Kirche nicht in irgendeiner irdischen Gestalt aufgehen kann, so
leiten uns beim Aufgreifen gerade dieser Fragen der Menschen und Völker
ausschließlich religiöse und moralische Gründe. Wir stehen in der Nachfolge
dessen, der den Seinen jenes vollkommene Verhalten nahelegte, Salz der Erde und
Licht der Welt zu sein (vgl. Mt 5,13–16). Wir wollen uns daher um die
Festigung der geistlichen Grundlagen bemühen, auf welche sich die menschliche
Gesellschaft stützen muß. Wir fühlen uns zur Wahrnehmung dieser Aufgabe um so
mehr verpflichtet, je mehr die Gegensätze und Zwistigkeiten andauern, die in
nicht wenigen Teilen der Welt zu Auseinandersetzungen und Konflikten geführt
haben und zur immer größeren Gefahr weiteren entsetzlichen Unheils werden. Wir
werden daher beharrlich – in rechtzeitigem und selbstlosem Bemühen, das sich nur
vom Geist des Evangeliums leiten läßt – diese Fragen aufgreifen.
Desideriamo, ancora, rivolgerci a tutti gli uomini che, come figli dell’unico
Dio onnipotente, sono nostri fratelli da amare e da servire, per dir loro senza
presunzione, ma con umiltà sincera la nostra volontà di recare un fattivo
contributo alle cause permanenti e prevalenti della pace, dello sviluppo, della
giustizia internazionale. Non ci muove nessuna intenzione di interferenza
politica o di partecipazione alla gestione degli affari temporali: come la
Chiesa esclude un inquadramento in categorie d’ordine terreno, così il nostro
impegno, nell’avvicinarci a questi brucianti problemi degli uomini e dei
popoli, sarà determinato unicamente da motivazioni religiose e morali. Seguaci
di colui che ai suoi prospettò l’ideale di essere “sale della terra” e
“luce del mondo” (Mt 5,13-16), Noi intendiamo adoperarci per il consolidamento delle basi spirituali, su cui
deve poggiare l’umana società. E tanto più impellente a noi sembra un tale
dovere, in ragione delle perduranti diseguaglianze e incomprensioni, che a loro
volta sono causa di tensioni e conflitti in non poche parti del mondo, con
l’ulteriore minaccia di più immani catastrofi. Costante sarà, dunque, la
nostra sollecitudine in ordine a siffatti problemi per un’azione tempestiva,
disinteressata, evangelicamente ispirata.
Wir möchten uns jetzt wenigstens jene schwere Sorge zu eigen
machen, die das Kardinalskollegium während der Sedisvakanz des Apostolischen
Stuhls über die Lage im geliebten Libanon und für dessen Volk gezeigt hat, denen
wir alle von ganzem Herzen Frieden in Freiheit wünschen. Zugleich aber möchten
wir auch allen Völkern und jedem einzelnen unsere Hand entgegenstrecken und
besonders jenen unsere Sympathie aussprechen, die unter Ungerechtigkeit und
Diskriminierung zu leiden haben, ob auf wirtschaftlichem, sozialem oder
politischem Gebiet, ob es um die Gewissensfreiheit geht oder auch um die
gebührende Religionsfreiheit. Wir müssen mit allen Mitteln danach streben, daß
sämtliche Formen der Ungerechtigkeit, die heute vorkommen, gemeinsam erwogen und
wirklich beendet werden, so daß alle Menschen ein wahrhaft menschenwürdiges
Leben führen können. Dies gehört auch zur Sendung der Kirche, die sich darüber
auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil nicht nur in der Dogmatischen Konstitution
Lumen gentium, sondern auch in der Pastoralkonstitution Gaudium et
spes ausgesprochen hat.
Ehrwürdige Brüder und geliebte Söhne! Die Ereignisse der
jüngsten Zeit in Kirche und Welt sind für uns alle eine heilsame Mahnung. Wie
wird unser Pontifikat verlaufen?
Welches wird das Schicksal der Kirche nach Gottes Fügung in den
nächsten Jahren sein? Welchen Weg wird die Menschheit am Ausgang dieses
Jahrhunderts einschlagen, das sich dem Jahr 2000 nähert? Auf diese kühnen Fragen
gibt es nur eine Antwort: Gott weiß es! (vgl. 2 Kor 12.2.3). Wie unser
persönliches Leben verläuft, nachdem uns die schwere Last des Apostolischen
Dienstes unerwartet auferlegt worden ist, bedeutet kaum etwas. Unsere eigene
Person — das möchten wir hier mit aller Deutlichkeit sagen — muß völlig hinter
dem schweren Amt zurücktreten, dem wir gerecht werden müssen. Daher werden
unsere Worte auch zur Bitte. Nachdem wir unser Gebet an Gott gerichtet haben,
spüren wir, daß wir auch euer Gebet brauchen, damit uns jene unerläßliche
übernatürliche Hilfe zuteil wird, die wir zur Weiterführung der Aufgabe unserer
Vorgänger dort nötig haben, wo diese sie aus der Hand legten.
Mit der lebendigen Erinnerung an diese Vorgänger verbinden wir
den Gruß, den wir voll Anerkennung und Dankbarkeit an jeden von euch, ehrwürdige
Brüder, richten. Wir grüßen ferner voll Vertrauen und Zuversicht auch alle
unsere übrigen Brüder im Bischofsamt, die in den verschiedenen Teilen der Welt
die dortige Kirche, den ihnen so lieben Teil des Volkes Gottes (vgl. Dekret
Christus Dominus, 11), leiten und sich dafür einsetzen, daß das Wohl der
Gesamtkirche zunimmt. Hinter ihnen erblicken wir die Scharen der Priester und
die große Zahl der Missionare, die Gruppen der Ordensmänner und Ordensfrauen,
und wir wünschen sogleich aus ganzem Herzen, daß ihre Zahl wachse. Wir rufen uns
die Worte des Herrn ins Gedächtnis: »Die Ernte ist groß, doch der Arbeiter sind
wenige.« Wir denken ferner an die Familien und christlichen Gemeinschaften, an
die zahlreichen Verbände des Apostolats, an alle Gläubigen, die wir freilich
nicht alle einzeln kennen, die aber dennoch keine namenlose Menge sind. Sie sind
uns nicht fremd und auch keineswegs niederen Ranges, gehören sie doch zur
erhabenen Gemeinschaft der Kirche Christi. Unter ihnen aber blicken wir
besonders aufmerksam auf die Schwächeren, die armen, kranken und von Sorgen
gequälten Menschen. Ihnen besonders steht schon vom Anfang unseres obersten
Hirtenamtes an unser Herz offen. Habt ihr, Brüder und Schwestern, in eurem
Leiden nicht Anteil am Leiden unseres Herrn und Erlösers, und bringt ihr es
nicht zur Fülle? Der unwürdige Nachfolger des hl. Petrus, der »die
unerforschlichen Reichtümer Christi« zu erschließen sucht, bedarf dringend eurer
Hilfe, eurer Gebete, eurer Hingabebereitschaft, eurer Opfer.
5. Wir wollen auch euch grüßen, geliebte Brüder und Söhne, die
ihr uns hört, denn mit unzerstörbarer Liebe sind wir dem Land verbunden, in dem
wir geboren wurden. Wir grüßen daher besonders alle Bürger unseres »immer
getreuen« Polens, auch die Priester und Gläubigen der Kirche von Krakau. Mit
unserem Gruß verbinden sich viele Erinnerungen und Empfindungen, zartes Heimweh
und unzerstörbare Hoffnung.
In dieser Stunde voll Schwierigkeiten und Angst können wir uns
nur an die Jungfrau Maria wenden, die im Geheimnis Christi immer als Mutter lebt
und mitwirkt: Wir wenden uns ihr in kindlicher Verehrung zu und wiederholen die
Worte: »Ganz allein Dir!«, die wir vor 20 Jahren am Tag unserer Bischofsweihe in
unserem Herzen und in unserem Wappen eingeschrieben haben. Wir rufen ferner die
hll. Apostel Petrus und Paulus und alle Heiligen und Seligen der ganzen Kirche
an. Zugleich grüßen wir jetzt alle Menschen, die Alten, die Erwachsenen, die
Jugendlichen, die Kinder und Kleinkinder, und unser Herz ist so voll von
väterlicher Zuneigung, daß wir diese auch in Worte fassen müssen. Wir wünschen
ihnen aufrichtig, sie alle mögen »in der Gnade und Erkenntnis unseres Herrn und
Retters Jesus Christus wachsen« (2 Petr 3,18), wie es der Apostelfürst
gewünscht hat. Allen erteilen wir unseren ersten Apostolischen Segen, der nicht
nur ihnen persönlich, sondern auch der gesamten Menschheitsfamilie die Fülle der
Gnaden unseres Vaters im Himmel schenken möge. Amen.