1. Anläßlich des diesjährigen Welttages des Tourismus, der am
kommenden 27. September abgehalten wird, wende ich mich mit Freude an alle, die
in diesem Bereich der menschlichen Aktivität ihren Dienst leisten, um einige
Gedanken vorzulegen, die die positiven Aspekte des Tourismus hervorheben. Wie
ich bereits bei anderer Gelegenheit unterstrichen habe, trägt dieses Phänomen
tatsächlich zum Wachsen der Beziehungen zwischen Personen und Völkern bei, die,
wenn sie herzlich, respektvoll und solidarisch sind, eine offene Tür zum Frieden
und zum harmonischen Zusammenleben darstellen.
In der Tat haben viele Situationen der Gewalt, unter denen die
Menschheit leidet, in unserer Zeit ihre Wurzeln im Unverständnis und auch in der
Ablehnung der Werte und der Identität anderer Kulturen. Darum könnten solche
Situationen oftmals durch eine bessere gegenseitige Kenntnis überwunden werden.
In diesem Zusammenhang denke ich auch an die Millionen Migranten, die in die
Gesellschaft, die sie aufnimmt, auf Grundlage vor allem der Wertschätzung und
der Anerkennung der Identität jeder Person oder Gruppe integriert werden sollen.
Der Welttag des Tourismus bietet daher nicht nur wieder eine
Gelegenheit, den positiven Beitrag des Tourismus am Aufbau einer gerechteren und
friedvolleren Welt zur Geltung zu bringen, sondern zudem über die konkreten
Bedingungen nachzudenken, unter denen er organisiert und begangen wird.
In dieser Hinsicht kann die Kirche nicht davon absehen, noch
einmal den zentralen Kern dessen, was ihre Sicht des Menschen und der Geschichte
ist, darzulegen. Der höchste Grundsatz, der das menschliche Zusammenleben
bestimmt, ist nämlich die Achtung vor der Würde eines jeden, insofern er als
Person nach dem Bilde Gottes geschaffen und daher unser aller Bruder ist.
Dieses Prinzip sollte das gesamte politische und wirtschaftliche
Handeln leiten, wie es von der Soziallehre der Kirche hervorgehoben wird, und
auch das kulturelle und religiöse Zusammenleben inspirieren.
2. In diesem Jahr lautet das Thema des Welttages »Sport und
Tourismus: zwei vitale Kräfte im Dienst am gegenseitigen Verständnis, an der
Kultur und der Entwicklung der Länder«. Sport und Tourismus beziehen sich
zuallererst auf die freie Zeit, in denen Tätigkeiten gefördert werden, die der
körperlichen und geistigen Entwicklung dienen. Es gibt übrigens zahlreiche
Situationen, in denen der Tourismus und der Sport sich in besonderer Weise
begegnen und sich gegenseitig bedingen, falls der Sport eben zum Motiv wird, um
innerhalb des eigenen Landes oder ins Ausland zu reisen.
In der Tat sind Sport und Tourismus eng miteinander verbunden in
den großen Sportereignissen, an denen die Länder einer Region oder der ganzen
Welt teilnehmen wie anläßlich der Olympischen Spiele, die ihre edle Berufung,
die Ideale des Zusammenlebens, des Verständnisses und der Freundschaft
wiederzubeleben, nicht aufgeben dürfen. Das trifft auch auf andere weniger
aufsehenerregende Fälle zu wie auf die Sportaktivitäten im schulischen Bereich
oder auf Ebene der Bezirks- oder Ortsvereine. Bei anderer Gelegenheit ist die
Ausübung eines bestimmten Sportes genau das, was Anlaß gibt zum Planen einer
Reise oder von Ferien. Der Sport ist mit anderen Worten ein Phänomen, das sowohl
Spitzensportler, ihre Mannschaften und ihre Anhänger betrifft als auch
durchschnittliche gesellschaftliche Kreise wie zahlreiche Familien, Jugendliche
und Kinder und schließlich alle, die aus ihrer körperlichen Ertüchtigung einen
wichtigen Faktor ihrer Reise machen.
Da es sich um eine menschliche Tätigkeit handelt, die viele
Personen einbezieht, darf es nicht verwundern, daß sich in vielen Fällen trotz
der edlen Ziele auch Mißbräuche und Unregelmäßigkeiten einschleichen. Nicht von
der Hand zu weisen sind unter anderem die verschärfte Vermarktung, die
Aggressivität in den Wettkämpfen, die Gewalt gegen Personen und Gegenstände bis
hin sogar zur Zerstörung der Umwelt oder der Verletzung der kulturellen
Identität des Gastgebers.
3. Der heilige Apostel Paulus hat mit dem Ziel der
Veranschaulichung des christlichen Lebens den Christen von Korinth das Bild des
Athleten als Beispiel der Anstrengung und der Ausdauer aufgezeigt (vgl. 1 Kor
9,24–25). Die richtige Ausübung des Sportes muß tatsächlich von der Mäßigung und
der Erziehung zum Verzicht begeleitet werden. Häufig erfordert sie auch einen
guten Teamgeist, respektvolles Verhalten, Wertschätzung für die Qualität des
anderen, Ehrlichkeit im Spiel und die Demut, eigene Grenzen anzuerkennen.
Schließlich lädt der Sport, vor allem in seinen weniger vom Wettkampf geprägten
Formen zu Feiern und zu freundschaftlichem Miteinander ein.
Auch der Christ kann also im Sport eine Hilfe für die
Entwicklung der Kardinaltugenden finden: Klugheit und Gerechtigkeit, Stärke und
Mäßigung, um den »nie verwelkenden« Kranz zu gewinnen, wie der heilige Paulus
schreibt.
4. Zweifellos hat der Tourismus der sportlichen Betätigung einen
starken Impuls gegeben. Die Möglichkeiten, die er bietet, einschließlich der
vielfältigen Aktivitäten, die er aus eigenem Antrieb fördert und unterstützt,
haben in der Tat die Zahl derer ansteigen lassen, die den Sport schätzen und ihn
in ihrer Freizeit ausüben. Auf diese Weise haben sich auch die Gelegenheiten zur
Begegnung zwischen Völkern und unterschiedlichen Kulturen in einem Klima des
Verständnisses und der Harmonie vervielfältigt.
Aus diesem Grunde möchte ich, auch unter Berücksichtigung der
Verirrungen, die leider weiterhin vorkommen, eindringlich mit erneuter Hoffnung
dazu auffordern, »einen Sport« zu fördern, »der die Schwachen schützt und
niemanden ausschließt, der die Jugendlichen von den Gefahren der
Teilnahmslosigkeit und Gleichgültigkeit befreit und in ihnen einen gesunden
Kampfgeist weckt. Ein Sport, der zur Emanzipierung der ärmsten Länder beiträgt
und eine Hilfe zur Bekämpfung der Intoleranz und zum Aufbau einer brüderlicheren
und solidarischeren Welt darstellt. Ein Sport, der dazu beiträgt, daß die
Menschen das Leben lieben, und der zu Opferbereitschaft, Achtung und
Verantwortung erzieht, damit der Wert eines jeden Menschen voll zur Geltung
kommen möge« (Predigt von Johannes Paul II. zur Heiligjahrfeier der Sportler
am 29.10.2000; in: O.R. dt. Nr. 46, 17.11.2000, S. 9, 3).
Mit diesen Betrachtungen ermutige ich alle, die sich dem Sport
im Rahmen des Tourismus widmen, und auch die Sportler sowie all jene, die auf
ihren Reisen Sport treiben, in ihrem Einsatz für die Erreichung solch edler
Ziele weiterzumachen, während ich auf einen jeden von ihnen den reichen Segen
Gottes herabrufe.
Vatikan, 30. Mai 2004, Hochfest von Pfingsten
JOHANNES PAUL II.