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SCHREIBEN VON JOHANNES
PAUL II. AN DEN VORSITZENDEN DER DEUTSCHEN BISCHOFSKONFERENZ
Dem verehrten Bruder Msgr. KARL LEHMANN
Bischof von Mainz Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz
Ich habe aufmerksam den Brief vom 17. November dieses Jahres
gelesen, den Sie mir bei der Gelegenheit des »Ad-limina«-Besuches
übergeben haben, und ich habe die von Ihnen dargelegten Überlegungen im Gebet
erwogen. In diesen Tagen haben alle deutschen Bischöfe während der »Ad-limina«-Besuche
in ihren Gesprächen mit mir auch das Thema des Lebensschutzes angesprochen.
Ich habe sie alle sehr engagiert für ein klares Zeugnis zum Schutz dieses
fundamentalen menschlichen Wertes erlebt. In ihren Berichten habe ich eine
Bestätigung gefunden, wie viel die Personen, die in den katholischen
Beratungsstellen tätig sind, getan haben und noch tun, um den Frauen in Not zu
helfen und um sie dahin zu bewegen, über ihre Verantwortung gegenüber ihrem
ungeborenen Kind nachzudenken. Ich möchte Sie bitten, diesen Personen die von
Herzen kommende Wertschätzung des Papstes und zugleich seinen Wunsch zu
überbringen, daß die katholischen Beratungsstellen auch in Zukunft eine so
verdienstvolle Tätigkeit zugunsten des Lebens fortführen und verstärken, ohne
jedoch den Schein auszustellen, den die katholischen Beratungsstellen in ein
System mithineinzieht, welches die Abtreibung zuläßt.
Was die Bitte betrifft, die Sie im Schlußteil Ihres Briefes
dargelegt haben, bitte ich – nachdem ich darüber gebetet habe – Sie und über
Sie alle anderen Diözesanbischöfe Deutschlands, sich für eine einheitliche
Lösung einzusetzen, weil ich es in einem hohen Maß für schädlich halte, in
einer so bedeutsamen Angelegenheit zwei verschiedene Vorgehensweisen innerhalb
desselben Episkopats zu akzeptieren. Ich vertraue also darauf, daß man bei der
nächsten Sitzung des Ständigen Rates der Deutschen Bischofskonferenz einmütig
und einträchtig zu einer endgültigen Entscheidung kommt, um die Weisungen
zügig zu verwirklichen.
Diese Entscheidung schließt jedoch nicht aus, daß einige
Diözesen für die praktische Durchführung verschieden lange Zeiten benötigen,
um zu einer konkreten Möglichkeit zu gelangen, die Beratung zu erhalten, ohne
jedoch den Schein auszustellen.
Die eine und selbe Vorgehensweise, von allen deutschen
Bischöfen in einer einmütigen Entscheidung gefaßt – auch wenn die notwendigen
Zeiten zur Ausführung zwischen den verschiedenen Diözesen variieren können –,
wird unter den Katholiken in Deutschland eine ruhigere Atmosphäre begünstigen.
Es ist mein lebhafter Wunsch, daß, vor allem während des Großen Jubiläums des
Jahres 2000, alle Gläubigen mit ihren Geistlichen und ihren Bischöfen sich in
der Freude des Glaubens und des christlichen Zeugnisses einig und einträchtig
fühlen und es auch sind. Möge es ein Jahr intensiven geistlichen Engagements,
eines erneuerten Schwungs im Leben der Kirche und der Freude im Herrn werden.
Mit meinem Segen.
Aus dem Vatikan, 20. November 1999
JOHANNES PAUL II.
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