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JOHANNES PAUL II.
GENERALAUDIENZ
Mittwoch, 9. April 2003
Lesung: Psalm 135, 1-12
1 Loblied auf Gottes Wirken in Schöpfung und
Geschichte
Halleluja! Lobt den Namen des Herrn, lobt ihn, ihr Knechte des Herrn,
2 die ihr steht im Haus des Herrn, in den Vorhöfen am Haus unsres Gottes.
3 Lobt den Herrn, denn der Herr ist gütig. Singt und spielt seinem Namen,
denn er ist freundlich.
4 Der Herr hat sich Jakob erwählt, Israel wurde sein Eigentum.
5 Ja, das weiß ich: Groß ist der Herr, unser Herr ist größer als alle
Götter.
6 Alles, was dem Herrn gefällt, vollbringt er, im Himmel, auf der Erde, in
den Meeren, in allen Tiefen.
7 Er führt Wolken herauf vom Ende der Erde,
er läßt es blitzen und regnen, aus seinen Kammern holt er den Sturmwind
hervor.
8 Er erschlug Ägyptens Erstgeburt, bei Menschen und beim Vieh.
9 Gegen dich, Ägypten, sandte er Zeichen und Wunder, gegen den Pharao und all
seine Knechte.
10 Er schlug viele Völker nieder und tötete mächtige Könige:
11 Sihon, den König der Amoriter,
Og, den König von Baschan, und alle Reiche Kanaans.
Liebe Brüder und Schwestern!
1. Die Liturgie der Laudes, an deren Abfolge wir uns
bei unseren Katechesen halten, stellt uns den ersten Teil des Psalms 135 vor,
der soeben im Gesang des Chores erklungen ist. Der Text weist auf eine Reihe
anderer Bibelstellen hin, und die Atmosphäre, die ihn kennzeichnet, scheint
österlich zu sein. Die jüdische Tradition hat nicht umsonst unseren Psalm
mit dem nachfolgenden Psalm 136 in Verbindung gebracht, weil sie das Ganze als
das »große Hallel« betrachtet, das heißt als das feierliche und
festliche Loblied, das an Ostern zum Herrn aufsteigen soll.
In der Tat stellt der Psalm besonders den Exodus in den
Vordergrund, er erinnert an die »Plagen« von Ägypten und an den Einzug in
das Land der Verheißung. Aber folgen wir jetzt den einzelnen Etappen, die in
den ersten zwölf Versen von Psalm 135 beschrieben werden: Es ist eine
Reflexion, die wir in ein Gebet umwandeln wollen.
2. Am Anfang begegnen wir der charakteristischen Einladung zum
Lobpreis, einem typischen Element der Hymnen, die im Psalter an den Herrn
gerichtet werden. Der Aufruf, das Halleluja zu singen, ist an die »Knechte
des Herrn« gerichtet (vgl. V. 1), von denen es im hebräischen Original
heißt, daß sie im heiligen Raum des Tempels »stehen« (vgl. V. 2), in der
rituellen Haltung des Gebets (vgl. Ps 133, 1-2).
Am Lobpreis sind vor allem die Vorsteher des Gottesdienstes,
die Priester und Leviten, beteiligt, die »in den Vorhöfen am Haus unsres
Gottes« leben und arbeiten (vgl. Ps 135, 2). Aber mit diesen
»Knechten des Herrn« sind alle Gläubigen gemeint. Denn gleich darauf wird
die Erwählung ganz Israels, Verbündete und Zeugin der Liebe des Herrn zu
sein, erwähnt: »Der Herr hat sich Jakob erwählt, Israel wurde sein
Eigentum« (V. 4). In dieser Perspektive werden zwei Haupteigenschaften Gottes
gepriesen: Er ist »gütig«, und er ist »freundlich« (vgl. V. 3). Das Band,
das zwischen uns und dem Herrn besteht, ist von Liebe, Vertrautheit und von
froher Zustimmung geprägt.
3. Nach der Einladung zum Lobpreis fährt der Psalmist mit
einem feierlichen Bekenntnis des Glaubens fort, das mit den typischen Worten
»Ja, das weiß ich«, das heißt, das erkenne ich an, das glaube ich (vgl. V.
5) beginnt. Zwei Glaubensartikel werden von einem Solisten im Namen des ganzen
Volkes vorgetragen, das sich zur liturgischen Versammlung eingefunden hat.
Gelobt wird vor allem das Wirken Gottes im gesamten Universum. Er ist im
wahrsten Sinne des Wortes der Herr des Kosmos: »Alles, was dem Herrn gefällt,
vollbringt er, im Himmel, auf der Erde« (V. 6). Er herrscht sogar über die
Meere und die Tiefen, die das Sinnbild für das Chaos, die negativen Kräfte,
die Grenzen und das Nichts sind.
Und der Herr bildet auch die Wolken, die Blitze, den Regen und
den Sturmwind, indem er sie aus seinen »Kammern« holt (vgl. V. 7). Denn in
der Antike hatten die Menschen des Nahen Ostens die Vorstellung, daß die
klimatischen Elemente in entsprechenden Behältern aufbewahrt werden, ähnlich
den himmlischen Schreinen, aus denen Gott sie hervorholt, um sie dann über
die Erde auszustreuen.
4. Der andere Bestandteil des Glaubensbekenntnisses betrifft
die Heilsgeschichte. Gott, der Schöpfer, wird jetzt als der Herr und Retter
anerkannt, wobei die wichtigsten Ereignisse der Befreiung Israels aus der
ägyptischen Sklaverei in Erinnerung gerufen werden. Der Psalmist nennt vor
allem die »Plage« der Erstgeborenen (vgl. Ex 12, 29-30), die alle
»Zeichen und Wunder« zusammenfaßt, die von Gott, dem Befreier, im Epos des
Exodus gewirkt worden waren (vgl. Ps 134, 8-9). Es wird an die großen
Siege erinnert, die es Israel ermöglichten, die Schwierigkeiten und
Hindernisse auf seinem Weg zu überwinden (vgl. V. 10-11). Schließlich
erscheint am Horizont das Land der Verheißung, das Israel vom Herrn »zum
Erbe« erhält (vgl. V. 12).
Alle diese Zeichen des Bundes, die im nachfolgenden Psalm 136
noch ausführlicher genannt werden, bekräftigen die im ersten Gebot des
Dekalogs verkündete Grundwahrheit: Gott ist einer, und er ist Person; er
handelt und redet, liebt und rettet: »Groß ist der Herr, unser Herr ist
größer als alle Götter« (V. 5; vgl. Ex 20, 2-3; Ps 95, 3).
5. Auf der Spur dieses Glaubensbekenntnisses erheben auch wir
unseren Lobpreis zu Gott. Der heilige Papst Clemens I. wendet sich an uns mit
folgender Einladung: »Wir wollen den Blick richten auf den Vater und
Schöpfer der ganzen Welt und uns eng verbinden mit seinen großartigen und
überschwenglichen Segnungen des Friedens und seinen Wohltaten.
Betrachten wir ihn im Geiste und schauen wir mit den Augen der
Seele auf die Langmut seines Willens; betrachten wir, wie gütig er sich gegen
seine ganze Schöpfung erzeigt. Die Himmel, die nach seiner Anordnung sich
bewegen, gehorchen ihm in Frieden. Tag und Nacht vollenden sie den von ihm
bestimmten Lauf, ohne einander im geringsten zu hindern. Sonne und Mond und
der Sterne Reigen durchkreisen nach seinem Gesetze einträchtig ohne jede
Abschweifung die ihnen vorgeschriebenen Bezirke. Die Erde bringt Frucht nach
seinem Willen zur rechten Zeit und erzeugt für Menschen und Tiere und
jegliches Wesen, das auf ihr lebt, reichliche Nahrung;dabei zögert sie nicht,
noch ändert sie etwas an seinen Befehlen« (19, 2-20, 4: Die Apostolischen
Väter, Bibliothek der Kirchenväter, Bd. 35, Kempten und München, 1918,
S. 39). Clemens I. schließt mit den Worten: »Dies alles besteht nach des
großen Schöpfers und Herrn der Welt Befehl in Friede und Eintracht, da er
allen Wohltaten spendet, in reichstem Übermaße aber uns, die wir unsere
Zuflucht genommen zu seinen Erbarmungen durch unseren Herrn Jesus Christus.
Ihm sei Ruhm und Herrlichkeit von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen«
(20, 11-12: ebd., S. 40).
„Der Herr ist gütig" (Ps 135, 3). „Groß ist
der Herr" (Ps 135, 5). Wie um zwei Brennpunkte schwingt das gläubige
Bekenntnis des Beters in Psalm 135: Gott ist groß in der Liebe. Stets
aufs Neue tut er dem Gottesvolk seine Freundschaft kund und macht es sich zu
seinem Eigentum (vgl. Ps 135, 4).
Im Lobpreis des Herrn streift unser Blick zugleich über die
Welt. Die Größe Gottes zeigt sich in seiner Schöpfung. Sein Wirken erfüllt
das All. „Alles, was dem Herrn gefällt, vollbringt er" (Ps 135,
6). Diese Erkenntnis spornt uns an, überall Zeugen der Liebe Gottes zu sein. Der Beter weiß: Wer den Willen Gottes
tut, findet in seinem Herzen den
ersehnten Frieden.
***
Herzlich grüße ich die Pilger und Besucher aus den Ländern
deutscher Sprache. Besonders heiße ich eine Gruppe junger Theologen aus dem
Erzbistum Köln willkommen. Stellt euch in all eurem Tun unter den Segen des
Herrn! Seid seine frohen Zeugen! Der Friede des Allmächtigen sei mit euch
allezeit.
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