Liebe Schwestern und Brüder!
Weihnachten ist für viele das Fest der Familie. Wir hegen den
Wunsch, beisammen zu sein und einander zu begegnen. Wir tauschen Geschenke aus.
In diesen Bräuchen steckt eine christliche Botschaft: An
Weihnachten darf sich die Familie neu entdecken als Liebesgemeinschaft unter
Personen, gegründet auf Wahrheit und Liebe sowie auf der Treue der Eheleute,
die unauflöslich ist.
Gerade heute ist die Familie vielen Veränderungen ausgesetzt.
Krisen sind unausweichlich. So stellt das Große Jubiläum eine Gelegenheit für
die Familien dar, in sich zu gehen, umzukehren und manche Wunde zu heilen. Ich wünsche
mir besonders Eines: daß jeder Familie die hohe Sendung bewußt wird, die sie für
Kirche und Welt hat.
Noch ein Anliegen bewegt mich: die Ermutigung zum werdenden
Leben. Denn jedes Kind, das zur Welt kommt, ist ein Geschenk Gottes und ein
Zeichen der Hoffnung für alle.
So bitte ich die Familien, an der Heiligen Familie Maß zu
nehmen: Öffnet mutig die Türen für Christus! Laßt den einzigen Erlöser des
Menschen zu Euch herein!
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Von Herzen grüße ich alle Pilger und Besucher, die aus den Ländern
deutscher Sprache nach Rom gekommen sind. Besonders heiße ich die
Deutsch-Ordens-Gruppe der Kommende "An der Donau" willkommen. Mit
besten Wünschen für ein gnadenreiches Heiliges Jahr erteile ich Euch, Euren
Lieben zuhause und allen, die mit uns über Radio und Fernsehen verbunden sind,
den Apostolischen Segen.
1. Am letzten Sonntag hat die Liturgie die Heilige Familie von
Nazaret vor unseren Blick gestellt, das Vorbild für jede Familie, die sich vom
überraschenden Handeln Gottes leiten läßt.
In der westlichen Welt wird Weihnachten als das Fest der Familie
betrachtet. Das Beisammensein und der Austausch der Geschenke unterstreichen den
starken Wunsch nach gegenseitiger Gemeinschaft und rücken die höchsten Werte
der Institution Familie ans Licht. Die Familie entdeckt sich als
Liebesgemeinschaft von Menschen, gegründet auf Wahrheit und Liebe, auf
unauflöslicher Treue der Ehegatten und Annahme des Lebens. Im Licht von
Weihnachten verspürt die Familie ihre Berufung, eine Gemeinschaft der Pläne,
der Solidarität, der Vergebung, des Glaubens zu sein, worin kein Individuum
seine Identität verliert, sondern durch den Beitrag seiner besonderen Gaben zum
Wachstum aller beiträgt. So ist es in der Heiligen Familie geschehen, die der
Glaube als Anfang und Vorbild der von Christus erleuchteten Familien vorstellt.
2. Wir wollen beten, daß das soeben begonnene Große Jubiläum
wirklich ein Anlaß der Gnade und der Erlösung für alle Familien der Welt sei.
Das Licht der Menschwerdung des Wortes helfe ihnen, ihre eigentliche Berufung
besser zu verstehen und zu verwirklichen, den Plan, den der Gott des Lebens mit
ihnen hat, damit sie lebendiges Bild seiner Liebe werden.
Das Jubiläum wird so die Gelegenheit zu einer Zeit der Umkehr
und gegenseitigen Vergebung innerhalb jeder Familie bieten. Es wird eine
günstige Zeitspanne sein, um die affektiven Beziehungen in jeder Familie zu
festigen und zerrissene Familien wieder zusammenzuführen. Jede christliche
Familie möge sich immer mehr ihrer hohen Sendung in Kirche und Welt bewußt
werden! Es bedarf heute einer besonderen Sorge für alle Familien, besonders die
ärmsten und am wenigsten glücklichen. Es bedarf der Ermutigung und der Annahme
des werdenden Lebens; denn jedes Kind, das auf die Welt kommt, ist Geschenk und
Hoffnung für alle.
3. In dieser unserer Zeit, in der »die Familie […] – wie
andere Institutionen und vielleicht noch mehr als diese – in die umfassenden,
tiefgreifenden und raschen Wandlungen von Gesellschaft und Kultur hineingezogen
[wurde]«, ist es wichtig, daß von seiten der Gläubigen kraftvoll wieder
betont wird, daß »Ehe und Familie zu den kostbarsten Gütern der Menschheit
zählen«. Daher wird die Kirche nicht müde, »ihren Dienst allen Menschen
an[zubieten], die sich über das Schicksal von Ehe und Familie Gedanken machen«
(Familiaris consortio, 1).
Das Große Jubiläum des Jahres 2000 sei für alle Familien eine
Gelegenheit, mutig die Türen für Christus, den einzigen Erlöser des Menschen,
zu öffnen. Denn Christus ist die Neuheit, die jede Erwartung des Menschen
übersteigt, das letzte Kriterium für die Beurteilung der zeitlichen
Wirklichkeit und jedes Vorhabens, das sich zum Ziel setzt, das Leben des
Menschen immer menschlicher zu machen (vgl. Incarnationis mysterium, 1).
Mit diesem Bewußtsein treten wir geistig in das Haus von
Nazaret ein und bitten die Heilige Familie um Schutz und Segen für alle
Familien der Welt, damit sie »Schule reich entfalteter Humanität« (Gaudium
et spes, 52) seien.
An die Pilger, die der Papst am 29. Dezember in der
Petersbasilika zur Generalaudienz empfangen hatte, richtete er folgende
Ansprache:
Mit Zuneigung grüße ich euch alle, die ihr hier in der
Vatikanbasilika versammelt seid, und wünsche euch, den Frieden und die Freude
zu erfahren, die Christus in der Weihnacht gekommen ist, um sie uns zu schenken.
In der Heiligen Nacht haben wir das Große Jubiläum des Jahres 2000 eröffnet,
das uns einlädt, die Liebe Gottes zu uns zu betrachten. Von einzigartiger
Aktualität in dieser Jubiläumszeit bleibt die Aufforderung, die der Apostel
Paulus an die Christen von Thessalonike richtet: »Freut euch zu jeder Zeit!
Betet ohne Unterlaß! Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr
Christus Jesus gehört« (1 Thess 5,16–18). Ja, das Jubiläum ist eine
Zeit der Freude und soll im Gebet und Dank zum Herrn für das Geschenk der
Menschwerdung gelebt werden. Es ist eine Zeit, in der wir aufgerufen sind, mit
unserem Leben in intensiverer und tieferer Weise die »Dreifaltigkeit [zu
verherrlichen], von der alles kommt und der sich alles zuwendet in Welt und
Geschichte« (Tertio millennio adveniente, 55). Diese Gefühle mögen
euch das ganze Heilige Jahr hindurch begleiten, meine Lieben. Seid Verkündiger
der Gegenwart Gottes in der Welt. Von ganzem Herzen segne ich euch alle.
Nach diesen Worten auf italienisch grüßte der Papst die
Anwesenden in weiteren Sprachen, u.a. auf deutsch:
Einen herzlichen Gruß entbiete ich allen Pilgern und Besuchern
aus den Ländern deutscher Sprache. Ihr habt die besondere Gelegenheit, den
Beginn des Großen Jubiläums und den Wechsel ins neue Jahrtausend in Rom zu
erleben. Mögen es für euch Tage der Gnade werden, in denen ihr erfahren
dürft, daß Christus, die Tür, allen und immer offensteht.