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NACHSYNODALES
EINFÜHRUNG 1.Die Kirche in Afrika hat vier Wochen lang während der Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode voll Freude und Hoffnung ihren Glauben an den auf- erstandenen Christus gefeiert. Die Erinnerung daran ist im Gedächtnis der gesamten Kirchengemeinschaft noch immer lebendig. In Treue zur Tradition der ersten Jahrhunderte des Christentums in Afrika haben die Bischöfe dieses Kontinents gemeinsam mit dem Nachfolger des Apostels Petrus und den Mitgliedern des Bischofskollegiums, die aus anderen Regionen der Welt gekommen waren, eine Synode abgehalten, die sich als Ereignis der Hoffnung und Wiedererstehung herausstellte, gerade zu dem Zeitpunkt, als die menschlichen Geschehnisse Afrika eher in Entmutigung und Verzweiflung zu treiben schienen. Die Synodenväter haben mit der Assistenz von qualifizierten Vertretern des Klerus, der Ordensleute und der Laien die Licht- und Schattenseiten, die Herausforderungen und die Aussichten auf die Evangelisierung in Afrika mit Blick auf das herannahende dritte Jahrtausend des christlichen Glaubens einer gründlichen und realistischen Prüfung unterzogen. Die Mitglieder der Synodenversammlung haben mich gebeten, die Ergebnisse ihrer Überlegungen und ihrer Gebete, ihrer Diskussionen und ihres Gedankenaustausches der ganzen Kirche zur Kenntnis zu bringen.1 Voll Freude und Dankbarkeit gegenüber dem Herrn bin ich dieser Bitte nachgekommen und gebe heute, genau zu dem Zeitpunkt, da ich gemeinsam mit den Bischöfen und Gläubigen der katholischen Kirche in Afrika die feierliche Phase der Sonderversammlung für Afrika eröffne, den Text dieses Nachsynodalen Apostolischen Schreibens, Frucht einer intensiven und langen kollegialen Arbeit, bekannt. Bevor ich mich aber mit der Darlegung dessen befasse, was im Verlauf der Synode herangereift ist, halte ich es für angebracht, wenn auch im Eiltempo, die verschiedenen Phasen eines Ereignisses zu durchlaufen, dem so entscheidende Bedeutung für die Kirche in Afrika zukommt. Das Konzil 2. Das II. Vatikanische Konzil kann unter dem Gesichtspunkt der Heilsgeschichte sicherlich als der Eckstein dieses Jahrhunderts gelten, das unmittelbar vor seiner Einmündung ins dritte Jahrtausend steht. Im Zusammenhang mit jenem grossen Ereignis konnte die Kirche Gottes in Afrika ihrerseits echte Augenblicke der Gnade erleben. In der Tat reicht die Idee zu einer, wie auch immer gearteten, Begegnung von Bischöfen Afrikas mit dem Ziel, über die Evangelisierung des Kontinents zu diskutieren, in die Zeit des Konzils zurück. Jenes historische Ereig- nis war in der Tat die Feuerprobe für die Kollegialität und eine besondere Ausdrucksform der affektiven und effektiven Gemeinschaft des Welt- episkopats. Die Bischöfe suchten bei dieser Gelegenheit nach geeigneten Mitteln, um ihre Sorge um alle Kirchen besser zu teilen und zur Wirkung zu bringen (vgl. 2 Kor 11, 28) und begannen zu diesem Zweck die notwendigen Strukturen auf nationaler, regionaler und kontinentaler Ebene vorzuschlagen. Das Symposion der Bischofskonferenzen Afrikas und Madagaskars 3. In dieser Atmosphäre beschlossen die beim Konzil anwesenden Bischöfe Afrikas und Madagaskars, ein eigenes Generalsekretariat einzurichten, dem die Aufgabe zukam, ihre Wort- meldungen zu koordinieren, um in der Konzils- aula soweit als möglich einen gemeinsamen Standpunkt zu vertreten. Diese erste Zusammenarbeit unter den Bischöfen Afrikas nahm dann mit der Schaffung des Symposions der Bischofskonferenzen Afrikas und Madagaskars (S.E.C.A.M.) in Kampala die Gestalt einer festen Einrichtung an. Das erfolgte anläblich des Besuches Papst Pauls VI. in Uganda im Juli-August 1969, dem ersten Besuch eines Papstes der Neuzeit in Afrika. Die Einberufung der Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode 4. Die Generalversammlungen der Bischofssynoden, die seit 1967 in periodischen Abständen aufeinanderfolgten, boten der Kirche in Afrika wertvolle Gelegenheiten, im Rahmen der Gesamtkirche ihre Stimme zu Gehör zu bringen. So ergriffen bei der Zweiten Ordentlichen Vollversammlung (1971) die Synodenväter Afrikas mit Freude die sich ihnen bietende Gelegenheit, um eine gröbere Gerechtigkeit in der Welt zu fordern. Die Dritte Ordentliche Vollversammlung über die Evangelisierung in der Welt von heute (1974) bot die Möglichkeit zur besonderen Prüfung der Evangelisierungsprobleme in Afrika. Bei dieser Gelegenheit veröffentlichten die bei der Synode anwesenden Bischöfe jenes Kontinents eine wichtige Botschaft unter dem Titel »Förderung der Evangelisierung in Mitverantwortung«.2 Kurz danach, im Heiligen Jahr 1975, berief S.E.C.A.M. seine eigene Vollversammlung nach Rom ein, um das Thema Evangelisierung zu vertiefen. 5. In der Folge äuberten in den Jahren 1977 bis 1983 verschiedene Bischöfe, Priester, Ordensleute, Theologen und Laien den Wunsch nach einem afrikanischen Konzil oder einer afrikanischen Synode, deren Zweck es sein sollte, zu einem Überblick über die Evangelisierung in Afrika zu gelangen angesichts der groben Entscheidungen, die für die Zukunft des Kontinents zu treffen waren. Ich billigte wohlwollend und unterstützte die Idee eines »Zusammengehens des gesamten afrikanischen Episkopats in der einen oder anderen Form, um die religiösen Fragen zu prüfen, die sich für den ganzen Kontinent stellen«.3 In der Folge war S.E.C.A.M. bemüht, Wege und Mittel zu finden, um das Vorhaben einer solchen Zusammenkunft auf kontinentaler Ebene zu einem guten Abschlub zu bringen. Nachdem eine Beratung und Befragung aller Bischofskonferenzen und jedes einzelnen Bischofs von Afrika und Madagaskar stattgefunden hatte, konnte ich eine Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode einberufen. Am 6. Januar 1989 kündigte ich anläblich des Festes der Erscheinung des Herrn dem liturgischen Gedenktag, an dem sich die Kirche erneut die Universalität ihrer Sendung und die daraus folgende Aufgabe, nämlich allen Völkern das Licht Christi zu bringen, bewubt macht an, diese »für die Ausbreitung des Evangeliums sehr wichtige Initiative« ergriffen zu haben. Und ich erklärte, auf die wiederholt und seit längerer Zeit von den Bischöfen Afrikas, von Priestern, Theologen und Laienvertretern vorgebrachte Bitte, »dab ein organisches solidarisches Zusammenwirken in der Pastoral auf dem gesamten afrikanischen Territorium und den dazugehörigen Inseln gefördert werden möge«, diese Entschei- dung getroffen zu haben.4 Ein Gnadenereignis 6. Die Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode war ein historischer Augenblick der Gnade: der Herr hat sein Volk, das in Afrika lebt, heimgesucht. Dieser Kontinent erlebt heute in der Tat das, was man ein Zeichen der Zeit, einen günstigen Augenblick, einen Tag des Heils für Afrika nennen kann. Es scheint die »Stunde Afrikas« angebrochen zu sein, eine günstige Zeit, die die Boten Christi eindringlich auffordert, hinauszufahren auf den See und die Netze auszuwerfen (vgl. Lk 5, 4). Wie in der Frühzeit des Christentums der hohe Beamte der Königin Äthiopiens, Kandake, glücklich darüber, durch die Taufe den Glauben empfangen zu haben, seinen Weg fortsetzte und zum Zeugen Christi wurde (vgl. Apg 8, 27-39), so mub die Kirche im heutigen Afrika voll Freude und Dankbarkeit über den empfangenen Glauben ihren Evangelisierungsauftrag fortsetzen, um die Völker des Kontinents dadurch an den Herrn heranzuführen, dab sie sie lehrt, alles zu beachten, was er geboten hat (vgl. Mt 28,20). Beginnend mit dem feierlichen Eröffnungsgottesdienst, den ich am 10. April 1994 zusammen mit fünfunddreibig Kardinälen, einem Patriarchen, neununddreibig Erzbischöfen, einhundertsechsundvierzig Bischöfen und neunzig Priestern in der vatikanischen Basilika gefeiert habe, hat sich die Kirche, die Familie Gottes,5 das Volk der Gläubigen, um das Grab Petri versammelt. Hier war, zusammen mit dem ganzen Volk Gottes, Afrika mit der Vielfalt seiner Riten gegenwärtig: in Tänzen äuberte es seine Freude, zum Klang der Tamtam und anderer afrikanischer Musik- instrumente brachte es seinen Glauben an das Leben zum Ausdruck. Bei diesem Anlab spürte Afrika, dab es, nach einem Wort Pauls VI., »neue Heimat Christi«,6 vom ewigen Vater geliebte Erde ist.7 Darum habe ich jene Zeit der Gnade mit den Worten des Psalmisten begrübt: »Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat; wir wollen jubeln und uns an ihm freuen« (Ps 118 [117], 24). Adressaten des Schreibens 7. Mit diesem Nachsynodalen Apostolischen Schreiben will ich mich gemeinsam mit der Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode in erster Linie an die Hirten und an die gläubigen Laien, sodann an die Brüder und Schwestern der anderen christlichen Konfessionen, an alle, die sich zu den groben monotheistischen Religionen bekennen, insbesondere an die Anhänger der traditionellen afrikanischen Religion, und an alle Menschen guten Willens wenden, denen in der einen oder anderen Weise die geistig-geistliche und materielle Entwicklung Afrikas am Herzen liegt oder die das Schicksal dieses groben Kontinents in Händen haben. Vor allem denke ich natürlich an die Afrikaner selber und an alle, die auf dem Kontinent wohnen; ich denke besonders an die Söhne und Töchter der katholischen Kirche: Bischöfe, Priester, Diakone, Seminaristen, Mitglieder der Institute des geweihten Lebens und der Gesellschaften apostolischen Lebens, Katechisten und alle, die den Dienst an ihren Brüdern und Schwestern zu ihrem Daseinsideal machen. Ich möchte sie im Glauben stärken (vgl. Lk 22, 32) und ermuntern, auszuharren in der Hoffnung, die der auferstandene Christus schenkt, und so jede Versuchung zur Mutlosigkeit zu überwinden. Aufbau des Schreibens 8. Die Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode hat das ihr gestellte Thema gründlich untersucht: »Die Kirche in Afrika und ihr Evangelisierungsauftrag im Hinblick auf das Jahr 2000: ?Ihr werdet meine Zeugen sein' (vgl. Apg 1, 8)«. Dieses Schreiben wird sich daher bemühen, unmittelbar diesem vorgegebenen Plan zu folgen. Ausgehen wird es von dem historischen Augenblick einem wahren kairos der Abhaltung der Synode und dabei deren Zielsetzungen, Vorbereitung und Verlauf untersuchen. Es wird bei der aktuellen Situation der Kirche in Afrika verweilen und die verschiedenen Phasen des missionarischen Wirkens erwähnen. Dann wird es die verschiedenen Aspekte des Evangelisierungsauftrags aufgreifen, mit dem es die Kirche zum gegenwärtigen Zeitpunkt aufnehmen mub: Glaubensverkündigung, Inkulturation, Dialog, Gerechtigkeit und Frieden, soziale Kommunikationsmittel. Der Hinweis auf die Dringlichkeiten und Herausforderungen, die sich am Vorabend des Jahres 2000 der Kirche in Afrika stellen, wird es erlauben, in grossen Zügen die Aufgaben des Zeugen Christi in Afrika um eines wirksameren Beitrages zum Aufbau des Reiches Gottes willen darzustellen. So wird es schlieblich möglich sein, die Verpflichtungen der Kirche in Afrika als missionarische Kirche zu umschreiben: eine Missionskirche, die selbst missionarisch wird: »Ihr werdet meine Zeugen sein [...] bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1, 8). KAPITEL I EIN HISTORISCHER KIRCHLICHER AUGENBLICK 9. «Diese Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode ist ein von der Vorsehung gewolltes Ereignis, für das wir dem allmächtigen und barmherzigen Vater durch seinen Sohn im Geist danken und ihn preisen müssen«.8 Mit diesen Worten haben die Synodenväter während der ersten Generalkongregation feierlich die Diskussion über das Thema der Synode eröffnet. Ich selbst hatte schon bei einer früheren Gelegenheit eine ähnliche Überzeugung ausgesprochen, als ich anerkannte, dab »die Sonderversammlung ein kirchliches Ereignis von fundamentaler Bedeutung für Afrika ist, ein kairos, ein Augenblick der Gnade, in der Gott sein Heil offenbart. Die ganze Kirche ist eingeladen, diese Zeit der Gnade in Fülle zu leben durch die Annahme und Verbreitung der Frohbotschaft. Das Bemühen um die Vorbereitung der Synode wird nicht nur der Abhaltung der Synode selbst zum Nutzen gereichen, sondern wird sich von jetzt an zum Vorteil der pilgernden Ortskirchen in Afrika aus- wirken, deren Glaube und Zeugnis durch zunehmende Reife erstarken«.9 Glaubensbekenntnis 10. Diese Zeit der Gnade nahm vor allem in einem feierlichen Glaubensbekenntnis Gestalt an. Die Synodenväter, die sich zur Eröffnung der Sonderversammlung um das Petrusgrab versammelt hatten, verkündeten ihren Glauben, den Glauben des Petrus, der auf die Frage Christi: »Wollt auch ihr weggehen?«, antwortete: »Herr, zu wem sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wir sind zum Glauben gekommen und haben erkannt: Du bist der Heilige Gottes« (Joh 6, 67-69). Die Bischöfe Afrikas, in denen die katholische Kirche in jenen Tagen am Grab des Apostels ihren besonderen Ausdruck fand, betonten ihren festen Glauben daran, dab die Allmacht und Barmherzigkeit des einen Gottes vor allem in der erlösenden Menschwerdung des Sohnes Gottes offenbar geworden sind, des Sohnes, der eines Wesens mit dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes ist und in dieser trinitarischen Einheit Lobpreis und Ehre in Fülle empfängt. Das beteuerten die Synodenväter ist unser Glaube, es ist der Glaube der Kirche, es ist der Glaube aller über den afrikanischen Kontinent verstreuten Ortskirchen, die sich auf dem Weg zum Haus Gottes befinden. Dieser Glaube an Jesus Christus wurde in den Wortmeldungen der Synodenväter während des Gesamthergangs der Sonderversammlung stets nachdrücklich und einmütig bekundet. Gestärkt durch diesen Glauben vertrauten die Bischöfe Afrikas ihren Kontinent Christus, dem Herrn an in der Überzeugung, dab nur er mit seinem Evangelium und mit seiner Kirche Afrika aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten zu retten und von seinen zahlreichen Übeln zu heilen vermag.10 11. Gleichzeitig verkündeten die Bischöfe Afrikas anläblich der feierlichen Eröffnung der Sonderversammlung öffentlich ihren Glauben an »die einzige Kirche Christi, die wir im Glaubensbekenntnis als die eine, heilige, katholische und apostolische bekennen«.11 Diese Eigenschaften bezeichnen Wesenszüge der Kirche und ihrer Sendung. Sie »besitzt sie nicht von sich aus. Christus macht durch den Heiligen Geist seine Kirche zur einen, heiligen, katholischen und apostolischen. Er beruft sie dazu, jede dieser Eigenschaften zu verwirklichen«.12 Alle, die das Privileg der Teilnahme an der Sonderversammlung für Afrika hatten, freuten sich darüber zu sehen, dab die afrikanischen Katholi- ken immer mehr Verantwortung in ihren Ortskirchen übernehmen und sich bemühen besser zu verstehen, was es heibt, katholisch und zugleich Afrikaner zu sein. Die Abhaltung der Sonderversammlung hat der ganzen Welt deutlich gemacht, dab die Ortskirchen Afrikas »zu Recht ihren Platz in der kirchlichen Gemeinschaft haben«, dab sie das Recht haben, »eigene Überlieferungen« zu bewahren und zu entwickeln, »unbeschadet des Primats des Stuhles Petri, welcher der gesamten Liebesgemeinschaft vorsteht, die rechtmäbigen Unterschiede schützt und zugleich darüber wacht, dab die Besonderheiten der Einheit nicht nur nicht schaden, sondern ihr vielmehr dienen«.13 Synode der Wiedererstehung, Synode der Hoffnung 12. Nach einem einzigartigen Plan der Vorsehung fand die feierliche Eröffnung der Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode am zweiten Ostersonntag, also am Schlub der Osteroktav statt. Die Synodenväter, die sich an jenem Tag in der Petersbasilika versammelten, waren sich dessen bewubt, dab die Freude ihrer Kirche demselben Ereignis entsprang, das die Herzen der Apostel am Ostertag mit Freude erfüllt hatte: der Auferstehung des Herrn Jesus (vgl. Lk 24, 40-41). Sie waren sich zutiefst bewubt, dab unter ihnen der auferstandene Herr gegenwärtig war, der zu ihnen wie zu den Aposteln sagte: »Friede sei mit euch!« (Joh 20, 21.26). Sie waren sich seiner Verheibung bewubt, immer bei seiner Kirche zu bleiben (vgl. Mt 28, 20) und somit auch während der ganzen Dauer der Synodenversammlung. Die österliche Atmosphäre, in der die Sonderversammlung mit ihren Mitgliedern, die gemeinsam ihren Glauben an den auferstandenen Christus feierten, ihre Arbeit aufnahm, rief mir unwillkürlich die Worte Jesu an den Apostel Thomas in Erinnerung: »Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!« (Joh 20,29). 13. Es war in der Tat die Synode der Auferstehung und der Hoffnung, wie die Synodenväter in den Einleitungssätzen ihrer an das Volk Gottes gerichteten Botschaft voller Freude und Begeisterung erklärt haben. Es sind Worte, die ich mir gern zu eigen mache: »Wie Maria Magdalena am Morgen nach der Auferstehung, wie die Jünger von Emmaus mit brennendem Herzen und erleuchtetem Geist, so verkündet die Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode: Christus, unsere Hoffnung, ist auferstanden. Er ist zu uns gekommen und mit uns gegangen. Er legte uns die Schrift aus und sagte: ?Ich bin der Erste und der Letzte und der Lebendige. Ich war tot, doch nun lebe ich in alle Ewigkeit, und ich habe die Schlüssel zum Tod und zur Unterwelt' (Offb 1, 17-18) [...]. Und wie der heilige Johannes auf Patmos in besonders schwerer Zeit hoffnungsvolle Prophezeiungen für das Volk Gottes empfangen hat, so verkünden auch wir die Hoffnung. Zu diesem Zeitpunkt, da soviel durch politische Interessen geschürter Bruderhab unsere Völker spaltet, in einem Augenblick, da die Last der internationalen Verschuldung oder der Geldentwertung sie erdrückt, wollen wir, die Bischöfe Afrikas, gemeinsam mit allen Teilnehmern an dieser heiligen Synode in Einheit mit dem Heiligen Vater und allen unseren Brüdern im Bischofsamt, die uns erwählt haben, dir, Familie Gottes in Afrika, dir, Familie Gottes in aller Welt, ein Wort der Zuversicht und des Trostes widmen: Christus, unsere Hoffnung, lebt, auch wir werden leben!«.14 14. Ich fordere das ganze Volk Gottes in Afrika auf, die von der Synodenversammlumg ihm übermittelte Botschaft der Hoffnung mit offenem Herzen anzunehmen. Die Synodenväter, die sich voll darüber im klaren waren, Träger der Erwartungen nicht nur der afrikanischen Katholiken, sondern auch aller Männer und Frauen jenes Kontinents zu sein, haben sich während ihrer Diskussionen klar und deutlich mit den vielfältigen Übeln auseinandergesetzt, die das heutige Afrika bedrücken. Sie haben den ganzen Umfang und die Reichweite dessen erkundet, was die Kirche zu tun aufgerufen ist, um den gewünschten Wandel zu unterstützen; sie haben das aber mit einer Haltung getan, die frei von Pessimismus oder Verzweiflung war. Trotz des vorwiegend negativen Gesamtbildes, das zahlreiche Regionen Afrikas heute bieten, und trotz der traurigen Erfahrungen, die viele Länder durchmachen, hat die Kirche die Pflicht, mit Nachdruck zu bekräftigen, dab sich diese Schwierigkeiten überwinden lassen. Sie mub in allen Afrikanern wieder die Hoffnung auf eine echte Befreiung stärken. Ihre Zuversicht gründet sich im letzten auf das Wissen um die göttliche Verheibung, die uns versichert, dab unsere Geschichte nicht in sich selbst geschlossen ist, sondern offen für das Reich Gottes. Deshalb lassen sich weder die Verzweiflung noch der Pessimismus rechtfertigen, wenn man an die Zukunft sowohl Afrikas wie jedes anderen Teiles der Welt denkt. Affektive und effektive Kollegialität 15. Ehe ich auf die Behandlung der verschiedenen Themen eingehe, will ich hervorheben, dab die Bischofssynode ein überaus günstiges Instrument zur Förderung der kirchlichen Gemeinschaft darstellt. Als Papst Paul VI. gegen Ende des II. Vatikanischen Konzils die Synode einrichtete, wies er mit aller Klarheit darauf hin, dab es eine ihrer wesentlichen Zielsetzungen sein sollte, unter der Führung des Nachfolgers Petri die gegenseitige Verbundenheit der in der Welt verstreuten Bischöfe zum Ausdruck zu bringen und zu fördern.15 Der Einrichtung der Bischofssynode liegt ein einfaches Prinzip zugrunde: je fester die Verbundenheit der Bischöfe untereinander ist, umso reicher erweist sich die Gemeinschaft der Kirche in ihrer Gesamtheit. Die Kirche in Afrika ist Zeugin für die Wahrheit dieser Worte, weil sie die Erfahrung des begeisterten Mitmachens und der konkreten Ergebnisse gemacht hat, von denen die Vorbereitungen der ihr gewidmeten Versammlung der Bischofssynode begleitet waren. 16. Anläblich meiner ersten Begegnung mit dem Rat des Generalsekretariats der Bischofssynode, der im Hinblick auf die Sondersynode für Afrika zusammengetreten war, nannte ich den Grund, warum man die Einberufung dieser Sonderversammlung für opportun gehalten hatte: die Förderung »einer organischen pastoralen Solidarität auf dem gesamten afrikanischen Territorium und den dazugehörigen Inseln«.16 Mit dieser Formulierung wollte ich Zweck und Hauptziele erfassen, auf die sich die genannte Versammlung hin orientieren sollte. Um meine Erwartungen zu verdeutlichen, fügte ich hinzu, dab die Überlegungen zur Vorbereitung der Versammlung »allen wichtigen Aspekten des Lebens der Kirche in Afrika Rechnung tragen und insbesondere die Bereiche Evangelisierung, Inkulturation, Dialog, Seelsorge auf sozialem Gebiet und die sozialen Kommunikationsmittel umfassen sollten«.17 17. Während meiner Pastoralbesuche in Afrika habe ich wiederholt auf die Sonderversammlung für Afrika und auf die wichtigsten Zielsetzungen Bezug genommen, derentwegen sie einberufen worden war. Als ich zum ersten Mal auf afrikanischem Boden an einer Tagung des Synodenrates teilnahm, habe ich meine Überzeugung unterstrichen, dab sich eine Synodenversammlung nicht auf eine Beratung über praktische Fragen beschränken darf. Ihre eigentliche Existenzberechtigung liegt darin, dab die Kirche nur dadurch wachsen kann, dab sie die Verbundenheit ihrer Mitglieder untereinander, angefangen bei den Bischöfen, festigt.18 Jede Synodenversammlung zeigt und entwikkelt die Solidarität zwischen den Leitern der Teilkirchen bei der Erfüllung ihrer Sendung über die Grenzen der jeweiligen Diözesen hinaus. Wie das II. Vatikanische Konzil lehrte, »sollen sich die Bischöfe als rechtmäbige Nachfolger der Apostel und Glieder des Bischofskollegiums immer einander verbunden wissen und sich für alle Kirchen besorgt zeigen. Durch göttliche Einsetzung und Vorschrift ist ja jeder einzelne gemeinsam mit den übrigen Bischöfen mitverantwortlich für die apostolische Aufgabe der Kirche«.19 18. Das Thema, das ich der Sonderversammlung zugeteilt habe »Die Kirche in Afrika und ihr Evangelisierungsauftrag im Hinblick auf das Jahr 2000. ?Ihr werdet meine Zeugen sein' (Apg 1,8)« , drückt meinen Wunsch aus, dab diese Kirche die Zeit bis zum Groben Jubiläum als einen »neuen Advent«, als Zeit der Erwartung und Vorbereitung erleben möge. Ich sehe in der Tat in der Vorbereitung auf das Jahr 2000 gleichsam einen Schlüssel für die Deutung meines Pontifikats.20 Die Synodenversammlungen, die im Zeitraum von fast dreibig Jahren nacheinander abgehalten wurden die Generalversammlungen und die Sonderversammlungen auf kontinentaler, regionaler oder nationaler Ebene , stehen alle in dieser Perspektive der Vorbereitung auf das Grobe Jubeljahr. Der Umstand, dab das Thema aller dieser Synodenversammlungen die Evangelisierung ist, weist darauf hin, wie lebendig heute in der Kirche das Bewubtsein der von Christus empfangenen Heilssendung ist. Dieses Sich-Bewubtwerden kommt besonders klar in den Nachsynodalen Apostolischen Schreiben zum Ausdruck, die der Evangelisierung, der Katechese, der Familie, der Bube und Versöhnung im Leben der Kirche und der ganzen Menschheit, der Berufung und Sendung der Laien sowie der Priesterausbildung gewidmet sind. In voller Gemeinschaft mit der Universalkirche 19. Vom Vorbereitungsbeginn der Sonderversammlung an war mein inständiger Wunsch, der vom Rat des Generalsekretariats voll geteilt wurde, dafür zu sorgen, dab diese Synode wirklich und unmibverständlich afrikanisch sein würde. Zugleich war von grundlegender Bedeutung, dab die Sonderversammlung in voller Gemeinschaft mit der Gesamtkirche abgehalten würde. Tatsächlich hat die Versammlung ständig die Universalkirche berücksichtigt. Im Gegenzug habe ich es nicht versäumt, als der Zeitpunkt der Veröffentlichung der Lineamenta gekommen war, meine Brüder im Bischofsamt und das ganze über die Welt verstreute Volk Gottes einzuladen, im Gebet der Sonderversammlung für Afrika zu gedenken und sich in die Aktivitäten miteinbezogen zu fühlen, die im Hinblick auf dieses Ereignis vorangebracht worden sind. Wie ich wiederholt betonen konnte, kommt dieser Versammlung beachtliche Bedeutung für die Gesamtkirche zu, nicht nur wegen des Interesses, das ihre Einberufung überall hervorgerufen hat, sondern auch wegen der Natur der kirchlichen Gemeinschaft selbst, die jede zeitliche und räumliche Grenze übersteigt. Tatsächlich hat die Sonderversammlung zu vielen Gebeten und guten Werken inspiriert, mit denen die einzelnen Gläubigen und die Gemeinden der Kirche auf den anderen Kontinenten den Verlauf der Synode begleitet haben. Und wie könnte man daran zweifeln, dab ihr im Geheimnis kirchlicher Verbundenheit auch die Gebete der Heiligen im Himmel Halt gegeben haben? Als ich verfügte, dab die erste Phase der Arbeiten der Sonderversammlung in Rom stattfinden sollte, wollte ich damit noch deutlicher die Gemeinschaft unterstreichen, die die Kirche in Afrika mit der Universalkirche verbindet, ja das Engagement aller Gläubigen für Afrika herausstellen. 20. Der feierliche Eröffnungsgottesdienst der Synode, dem ich in der Petersbasilika vorstand, hat die Universalität der Kirche auf wunderbare und ergreifende Weise herausgestellt. Diese Universalität, »die nicht Gleichförmigkeit, sondern Gemeinschaft der mit dem Evangelium zu vereinbarenden Unterschiede ist«,21 wurde von allen Bischöfen erlebt. Alle waren sich bewubt, als Glieder des in der Nachfolge des Apostelkollegiums stehenden Episkopates nicht nur für eine Diözese, sondern für das Heil der ganzen Welt die Weihe empfangen zu haben.22 Ich danke Gott dem Allmächtigen für die Gelegenheit, die er uns geschenkt hat, durch die Sonderversammlung zu erfahren, was echte Katholizität bedeutet. »Kraft dieser Katholizität bringen die einzelnen Teile ihre eigenen Gaben den übrigen Teilen und der ganzen Kirche hinzu«.23 Eine Botschaft, die ankommt und glaubwürdig ist 21. Die Hauptfrage, der sich die Kirche in Afrika stellen mub, besteht nach den Synodenvätern darin, mit aller nur möglichen Klarheit zu beschreiben, was diese Kirche ist und was sie in Fülle verwirklichen soll, damit ihre Botschaft ankommt und glaubwürdig sei.24 Alle Diskussionen in der Versammlung haben auf dieses wirklich wesentliche Grunderfordernis, das eine echte Herausforderung für die Kirche in Afrika darstellt, Bezug genommen. Gewib stimmt es, dab »der Heilige Geist der Erstbeweger der Evangelisierung ist: Er ist es, der antreibt, das Evangelium zu verkünden, und er ist es auch, der die Heilsbotschaft in den Tiefen des Bewubtseins annehmen und verstehen läbt«.25 Aber während die Sonderversammlung diese Wahrheit bestätigte, hat sie mit Recht hinzugefügt, dab die Evangelisierung auch eine Sendung ist, die Jesus, der Herr, seiner Kirche anvertraut hat unter der Führung und in der Kraft des Heiligen Geistes. Es bedarf unserer Mitwirkung durch inniges Gebet, intensives Nachdenken, angemessene Pläne und Mobilisieren von Hilfsmitteln«.26 Die Synodendebatte über das Thema der Botschaft der Kirche in Afrika, die ankommt und glaubwürdig ist, mubte auch eine Überlegung zur Glaubwürdigkeit der Verkünder dieser Botschaft beinhalten. Die Synodenväter sind mit grober Aufrichtigkeit und ohne jede Nachsicht direkt die Frage angegangen. Dieses Problems hatte sich bereits Papst Paul VI. angenommen, als er mit denkwürdigen Worten mahnte: »Oft wird heute gesagt, unser Jahrhundert dürste geradezu nach Authentizität (Echtheit). Vor allem von der Jugend sagt man, sie habe einen Abscheu vor allem Gekünstelten, Unechten und suche vor allem Wahrheit und Transparenz. Diese Zeichen der Zeit sollten uns wachsam finden. Schweigend oder lautstark, immer aber voller Eindringlichkeit fragt man uns: Glaubt ihr wirklich an das, was ihr verkündet? Lebt ihr, was ihr glaubt? Predigt ihr wirklich, was ihr lebt? Das Zeugnis des Lebens ist mehr denn je eine wesentliche Bedingung für die Tiefenwirkung der Verkündigung geworden. Aus diesem Grund sind wir bis zu einem gewissen Grade verantwortlich für den Erfolg des Evangeliums, das wir verkünden«.27 Ich selbst habe darum bezüglich des Evangelisierungsauftrags der Kirche im Bereich der Gerechtigkeit und des Friedens gesagt: »Die Kirche ist sich heute mehr denn je dessen bewubt, dab ihre soziale Botschaft mehr im Zeugnis der Werke als in ihrer inneren Folgerichtigkeit und Logik Glaubwürdigkeit finden wird«.28 22. Sollte man hier etwa nicht daran erinnern, dab die 1987 in Lagos, Nigeria, abgehaltene achte Vollversammlung von S.E.C.A.M. bereits mit bemerkenswerter Klarheit die Frage der glaubwürdigen und treffenden Botschaft der Kirche in Afrika erwogen hatte? Jene selbe Versammlung hatte erklärt, die Glaubwürdigkeit der Kirche in Afrika hänge ab von Bischöfen und Priestern, die fähig sind, nach dem Beispiel Christi das Zeugnis eines vorbildlichen Lebens zu geben; von Ordensleuten, die durch ihre den evangelischen Räten entsprechende Lebensführung wirklich treue, glaubwürdige Zeugen sind; von einem dynamischen Laienstand, mit tiefgläubigen Eltern, ihrer Verantwortung bewubten Erziehern, von tiefem Moralgefühl beseelten politischen Führern.29 Familie Gottes auf dem Weg zur Synode 23. Als ich am 23. Juni 1989 zu den Mitgliedern des Rates des Generalsekretariats sprach, bestand ich sehr stark auf der Beteiligung des ganzen Volkes Gottes auf allen Ebenen, besonders in Afrika, an der Vorbereitung der Sonderversammlung. »Wenn sie gut vorbereitet ist so sagte ich , wird die Tagung der Synode die Einbeziehung sämtlicher Bereiche der christlichen Gemeinschaft ermöglichen: einzelne, kleine Gemeinden, Pfarreien, Diözesen und lokale, nationale und internationale Einrichtungen«.30 Zwischen dem Beginn meines Pontifikats und der Eröffnung der Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode habe ich Afrika und Madagas- kar zehn Pastoralbesuche abstatten und dabei sechsunddreibig Nationen erreichen können. Bei den apostolischen Reisen nach Einberufung der Sonderversammlung nahmen in meinen Begegnungen mit dem Volk Gottes in Afrika das The- ma der Synode und die Notwendigkeit für alle Gläubigen, sich auf die Synodenversammlung vorzubereiten, stets einen vorrangigen Platz ein. Ich habe auch die Ad-limina-Besuche der Bischöfe jenes Kontinents zum Anlab genommen, um auf die Mitarbeit aller an der Vorbereitung der Sonderversammlung für Afrika zu drängen. Bei drei anderen Gelegenheiten habe ich sodann zusammen mit dem Rat des Generalsekretariats der Synode Arbeitssitzungen auf afrikanischem Boden abgehalten: in Yamoussoukro, Elfenbeinküste (1990), in Luanda, Angola (1992) und in Kampala, Uganda (1993), immer in der Absicht, die Afrikaner zur aktiven und gemeinsamen Teilnahme an der Vorbereitung der Synodenversammlung aufzurufen. 24. Die Vorlage der Lineamenta am 25. Juli 1990 in Lomé, Togo, anläblich der neunten Vollversammlung von S.E.C.A.M. war zweifellos ein neuer und bedeutsamer Abschnitt auf dem Vorbereitungsweg zur Sonderversammlung. Man darf wohl sagen, dab die Veröffentlichung der Lineamenta die Synodenvorbereitungen in allen Teilkirchen Afrikas entscheidend in Gang gebracht hat. Die Versammlung von S.E.C.A.M. in Lomé hat ein Gebet für die Sonderversammlung angenommen und ersucht, dab es bis nach Abhaltung der Synode sowohl öffentlich wie privat in allen afrikanischen Pfarreien verrichtet werden sollte. Das war eine wirklich gelungene Initiative von S.E.C.A.M., die auch in der Universalkirche nicht unbeachtet geblieben ist. Um dann die Verbreitung der Lineamenta zu fördern, haben zahlreiche Bischofskonferenzen und Diözesen das Dokument in ihre Sprache übersetzt, wie zum Beispiel in Swahili, ins Arabische, ins Madagassische und andere Sprachen. »Von verschiedenen Bischofskonferenzen, theologischen Institituten und Priesterseminaren, Vereinigungen von Ordensinstituten, Diözesen,einigen wichtigen Tageszeitungen und Zeitschriften, von einzelnen Bischöfen und Theologen wurden über die Themen der Synode Veröffentlichungen her- ausgegeben und Vorträge und Symposien veranstaltet«.31 25. Ich danke Gott dem Allmächtigen für die grobe Sorgfalt, mit der die Lineamenta und das Instrumentum laboris 32 der Synode erstellt worden sind. Es war eine Aufgabe, die von afrikanischen Bischöfen und Experten, angefangen von der Vorbereitungskommission der Synode, im Januar und März 1989 übernommen und dann entfaltet worden war. Die Kommission wurde dann von dem von mir am 20. Juni 1989 errichteten Rat des Generalsekretariats der Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode abgelöst. Zutiefst dankbar bin ich auberdem der Arbeitsgruppe, die für die Eucharistiefeiern zur Eröffnung und zum Abschlub der Synode so gut Sorge getragen hat. Die Gruppe, zu deren Mitgliedern Theologen, Liturgiker und Experten in afrikanischen liturgischen Gesängen und Instrumenten zählten, wollte es meinem Wunsch gemäb bewerkstelligen, dab der Eröffnungs- und der Schlubgottesdienst von einem klaren afrikanischen Charakter geprägt wären. 26. Nun mub ich noch hinzufügen, dab die Antwort der Afrikaner auf meinen Appell, sich an der Vorbereitung der Synode zu beteiligen, wahrhaft bewundernswürdig gewesen ist. Die Aufnahme, die die Lineamenta sowohl innerhalb wie ausserhalb der afrikanischen Teilkirchen und Gemeinden fanden, hat jede Voraussage weit übertroffen. Viele Ortskirchen haben sich der Lineamenta bedient, um die Gläubigen in Bewegung zu bringen, und wir können schon jetzt sagen, dab die Früchte der Synode sich in einem neuen Engagement und in einem erneuerten Bewubtwerden der Christen Afrikas zu zeigen beginnen.33 Im Laufe der verschiedenen Vorbereitungsphasen der Sonderversammlung haben sich zahlreiche Mitglieder der Kirche in Afrika Klerus, Ordensleute, Laien auf beispielhafte Weise auf den Synodenweg begeben, indem sie »miteinander gingen«, jeder seine Talente in den Dienst der Kirche stellte und sie miteinander inbrünstig für den Erfolg der Synode beteten. Die Synodenväter selbst haben im Verlauf der Synodenversammlung mehr als einmal darauf hingewiesen, dab durch die »sorgfältige und gewissenhafte Vorbereitung dieser Synode, im aktiven Einbezogensein der ganzen Kirche in Afrika auf allen Ebenen« ihre Arbeit erleichtert wurde.34 Gott will Afrika retten 27. Der Völkerapostel sagt uns, dab Gott »will, dab alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Denn: Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle« (1 Tim 2, 4-6). Da Gott alle Menschen zu ein und derselben Bestimmung beruft, die göttlich ist, »müssen wir festhalten, dab der Heilige Geist allen die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten Weise verbunden zu sein«.35 Die erlösende Liebe Gottes umfabt die ganze Menschheit, jede Rasse, jeden Stamm, jede Nation: sie umfabt also auch die Völker des afrikanischen Kontinents. Die göttliche Vorsehung wollte es, dab Afrika während des Leidens und Sterbens Christi zugegen war in der Person Simons von Kyrene, den römische Soldaten gezwungen hatten, dem Herrn das Kreuz tragen zu helfen (vgl. Mk 15, 21). 28. Die Liturgie des sechsten Ostersonntags 1994 während des feierlichen Gottesdienstes zum Abschlub der Sitzungsperiode der Sonderversammlung bot mir die Gelegenheit zu einer Reflexion über Gottes Heilsplan für Afrika. Eine der biblischen Lesungen, die der Apostelgeschichte entnommen war, erinnerte an ein Ereignis, das als der erste Schritt in der Sendung der Kirche zu den Heiden angesehen werden kann: der Bericht darüber, dab Petrus auf Eingebung des Heiligen Geistes das Haus eines Heiden, des Hauptmannes Cornelius, besuchte. Bis dahin war das Evangelium vor allem unter den Juden verkündet worden. Nachdem Petrus zunächst ziemlich gezögert hatte, beschlob er, vom Geist erleuchtet, sich in das Haus eines Heiden zu begeben. Als er dort eintraf, war er freudig davon überrascht, dab der Hauptmann auf Christus und die Taufe wartete. Das Buch der Apostelgeschichte berichtet: »Die gläubig gewordenen Juden, die mit Petrus gekommen waren, konnten es nicht fassen, dab auch auf die Heiden die Gabe des Heiligen Geistes ausgegossen wurde. Denn sie hörten sie in Zungen reden und Gott preisen« (10, 45-46). Im Hause des Cornelius wiederholte sich gewissermaben das Pfingstwunder. Da sagte Petrus: »Wahrhaftig, jetzt begreife ich, dab Gott nicht auf die Person sieht, sondern dab ihm in jedem Volk willkommen ist, wer ihn fürchtet und tut, was recht ist [...]. Kann jemand denen das Wasser zur Taufe verweigern, die ebenso wie wir den Heiligen Geist empfangen haben?« (Apg 10, 34-35.47). So begann die Mission der Kirche ad gentes, deren wichtigster Bote Paulus von Tarsus werden sollte. Die ersten Missionare, die in das Innere Afrikas gelangten, haben sicher ein ähnliches Wunder erlebt, wie es die Christen der apostolischen Zeit angesichts der Ausgiebung des Heiligen Geistes erfahren haben. 29. Der Plan Gottes für die Rettung Afrikas steht am Anfang der Ausbreitung der Kirche auf dem afrikanischen Kontinent. Da jedoch nach dem Willen Christi die Kirche ihrem Wesen nach missionarisch ist, folgt daraus, dab die Kirche in Afrika aufgerufen ist, selbst eine aktive Rolle im Dienst am Heilsplan Gottes zu übernehmen. Darum habe ich oft gesagt, »die Kirche in Afrika ist missionarische Kirche und zugleich Missionskirche«.36 Die Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode hatte die Aufgabe, die Mittel zu untersuchen, mit deren Hilfe die Afrikaner besser den Auftrag erfüllen können, den der auferstandene Herr seinen Jüngern erteilt hat: »Darum geht zu allen Völkern [...] und lehrt sie« (Mt 28, 19-20). KAPITEL II DIE KIRCHE IN AFRIKA I. Kurze geschichte der evangelisierung auf dem kontinent 30. Am Eröffnungstag der Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode, der ersten Versammlung dieser Art in der Geschichte, haben die Synodenväter an einige der Wunder erinnert, die im Verlauf der Evangelisierung Afrikas von Gott vollbracht worden sind. Es ist eine Geschichte, die in die Entstehungszeit der Kirche selbst zurückreicht. Die Verbreitung des Evangeliums hat sich in verschiedenen Phasen vollzogen. Die ersten Jahrhunderte des Christentums erlebten die Evangelisierung Ägyptens und Nordafrikas. Eine zweite Phase, die die südlich der Sahara gelegenen Gebiete des Kontinents betraf, erfolgte im 15. und 16. Jahrhundert. Eine von auberordentlicher missionarischer Anstrengung gekennzeichnete dritte Phase hat im 19. Jahrhundert begonnen. Erste Phase 31. In einer die Förderung des materiellen und geistigen Wohlergehens des Kontinents betreffenden Botschaft an die Bischöfe und an alle Völker Afrikas erinnerte mein verehrter Vorgänger Paul VI. in Worten von historischer Bedeutung an die ruhmreiche und glanzvolle christliche Vergangenheit Afrikas: »Wir denken an die christlichen Kirchen Afrikas, deren Ursprung in die apostolische Zeit zurückreicht und der Überlieferung nach mit dem Namen und der Lehre des Evangelisten Markus verbunden ist. Wir denken an die zahllose Schar von Heiligen, Märtyrern, Bekennern, Jungfrauen, die ihnen angehören. Tatsächlich gab es zwischen dem zweiten und vierten Jahrhundert in den nördlichen Regionen Afrikas ein intensives christliches Leben, das sowohl in der theologischen Forschung wie in der literarischen Ausdrucksweise führend war. Da fallen uns die Namen der groben Gelehrten und Schriftsteller ein, wie Origenes, die hll. Athanasius und Kyrillos, Leuchten der alexandrinischen Schule, und am anderen Ende der afrikanischen Mittelmeerküste Tertullian, der hl. Cyprian und vor allem der hl. Augustinus, eine der leuchtendsten Gestalten der Christenheit. Wir werden an die groben Wüstenheiligen erinnert, Paulus, Antonius, Pachomius, die ersten Begründer des Mönchtums, das sich dann nach ihrem Vorbild im Osten und im Abendland verbreitete. Und unter den vielen anderen wollen wir den Namen des hl. Frumentius, genannt Abba Salama, nicht vergessen, der, vom hl. Athanasius zum Bischof geweiht, der Apostel Äthiopiens war«.37 Während dieser ersten Jahrhunderte der Kirche in Afrika haben auch einige Frauen Zeugnis von Christus abgelegt. Unter ihnen verdienen besondere Erwähnung die hll. Felicitas und Perpetua, die hl. Monika und die hl. Thekla. »Diese leuchtenden Beispiele sowie auch die Gestalten der heiligen afrikanischen Päpste Victor I., Miltiades und Gelasius I. gehören zum gemeinsamen Erbe der Kirche, und die Schriften der christlichen Autoren Afrikas sind noch heute grundlegend für eine Vertiefung der Heilsgeschichte im Lichte des Wortes Gottes. Mit der Erinnerung an die antike Glanzzeit des christlichen Afrika möchten wir unsere tiefe Achtung gegenüber den Kirchen zum Ausdruck bringen, mit denen wir nicht in voller Gemeinschaft stehen: der griechischen Kirche des Patriarchats von Alexandrien, der koptischen Kirche Ägyptens und der äthiopischen Kirche, die den Ursprung und das lehrmäbige und spirituelle Erbe der groben Kirchenväter und Heiligen nicht nur ihres Landes, sondern der ganzen alten Kirche mit der katholischen Kirche gemeinsam haben. Sie haben viel getan und gelitten, um den christlichen Namen in Afrika durch die Wechselfälle der Zeiten hindurch lebendig zu erhalten«.38 Diese Kirchen erbringen noch heute das Zeugnis für die christliche Lebenskraft, die sie aus ihren apostolischen Wurzeln besonders in Ägypten und in Äthiopien und, bis zum 17. Jahrhundert, in Nubien schöpfen. Auf dem übrigen Kontinent begann damals ein zweiter Abschnitt der Evangelisierung. Zweite Phase 32. Im 15. und 16. Jahrhundert war die Erforschung der afrikanischen Küste durch die Portugiesen schon bald von der Evangelisierung der südlich der Sahara gelegenen Gebiete Afrikas begleitet. Dieses Bemühen betraf unter anderen die Gebiete der heutigen Staaten Benin, Sâo Tomé, Angola, Mozambique und Madagaskar. Am Pfingstsonntag, dem 7. Juni 1992, habe ich anläblich der 500-Jahrfeier der Evangelisierung Angolas in Luanda unter anderem gesagt: »Die Apostelgeschichte nennt mit Namen die Bewohner der verschiedenen Gegenden, die unmittelbar an der Geburt der Kirche unter dem Wirken und Wehen des Heiligen Geistes teilnahmen. Und alle sagten: ?Wir hören sie in unserer Sprache Gottes grobe Taten verkünden' (Apg 2,11). Vor fünfhundert Jahren traten in diesen Chor der Sprachen auch die Völkerschaften Angolas ein. Damals hat sich in eurer afrikanischen Heimat der Pfingsttag von Jerusalem erneuert. Eure Vorfahren hörten die Frohbotschaft, die die Sprache des Geistes ist. Ihre Herzen nahmen zum ersten Mal dieses Wort auf, und sie neigten ihr Haupt unter dem Wasser des Taufbrunnens, in dem der Mensch unter dem Wirken des Heiligen Geistes zusammen mit dem gekreuzigten Christus stirbt und zum neuen Leben in seiner Auferstehung wiedergeboren wird [...]. Es war gewib der gleiche Geist, der diese Männer des Glaubens, die ersten Missionare, angetrieben hat, die im Jahre 1491 an der Mündung des Flusses Zaire in Pinda an Land gingen und ein wirklich grobartiges Missionswerk begannen. Es war der Heilige Geist, der auf seine Weise in den Herzen der Menschen wirkt, der den groben König von Kongo, Nzinga-a-Nkuwu, veranlabte, um Missionare für die Verkündigung des Evangeliums zu bitten. Es war der Heilige Geist, der im Leben jener vier ersten Christen von Angola am Werk war, die nach der Rückkehr aus Europa den Wert des christlichen Glaubens bezeugten. Nach den ersten Missionaren kamen viele weitere aus Portugal und anderen europäischen Ländern, um das begonnene Werk weiterzuführen, auszuweiten und zu festigen«.39 In dieser Zeit wurde eine gewisse Anzahl von Bischofssitzen errichtet, und eine der ersten Taten dieses missionarischen Einsatzes war im Jahr 1518 in Rom die Weihe von Don Henrique, Sohn des kongolesischen Königs Alphons I., zum Titularbischof von Utica durch Papst Leo X. Don Henrique wurde so der erste einheimische Bischof Schwarzafrikas. In jener Epoche, genau im Jahr 1622, errichtete mein Vorgänger Gregor XV. als ständige Einrichtung die Kongregation De Propaganda Fide zum Zweck einer besseren Organisation und Weiterentwicklung der Missionen. Wegen verschiedenartiger Schwierigkeiten fand die zweite Phase der Evangelisierung Afrikas im 18. Jahrhundert mit der Auslöschung nahezu aller Missionen in den südlich der Sahara gelegenen Regionen ein jähes Ende. Dritte Phase 33. Die dritte Phase der systematischen Evangelisierung Afrikas begann im 19. Jahrhundert, einer Zeit, die von einem auberordentlichen, von groben Aposteln und Anregern der Afrikamission vorangetriebenen Aufschwung geprägt war. Es war eine Zeit raschen Wachstums, wie die der Synodenversammlung von der Kongregation für die Evangelisierung der Völker vorgelegten Statistiken deutlich beweisen.40 Afrika hat sehr grobzügig auf den Anruf Christi geantwortet. In den letzten Jahrzehnten haben zahlreiche afrikanische Länder das Hundertjahr-Jubiläum des Beginns ihrer Evangelisierung begangen. Das Wachstum der Kirche in Afrika seit hundert Jahren stellt wahrlich ein Wunder der Gnade Gottes dar. Leuchtenden Ruhm und Glanz verleihen der Evangelisierung Afrikas in der heutigen Zeit auf wunderbare Weise die Heiligen, die das moderne Afrika der Kirche geschenkt hat. Papst Paul VI. hat dieser Wirklichkeit beredten Ausdruck verliehen, als er anläblich des Weltmissionstages 1964 die Märtyrer Ugandas in der Petersbasilika heiligsprach: »Diese afrikanischen Märtyrer fügen der Liste der Siegreichen, die das Martyrologium ist, eine tragische und grobartige Seite hinzu, die wahrhaft würdig ist, zu jenen wunderbaren Seiten des antiken Afrika hinzuzukommen [...]. Getaucht in das Blut dieser Märtyrer, der ersten der Neuzeit (gebe Gott, dab es die letzten seien, so grobartig und kostbar ihr Opfer auch ist!), ersteht Afrika wieder, frei und erlöst«.41 34. Die Liste der Heiligen, die Afrika der Kirche schenkt, eine Liste, die ihr höchster Ehrentitel ist, wird ständig länger. Wie könnten wir unter den jüngsten Clementina Anwarite, Jungfrau und Märtyrerin aus Zaire, unerwähnt lassen, die ich 1985 auf afrikanischem Boden seliggesprochen habe, Victoria Rasoamanarivo aus Madagaskar und Josephine Bakhita aus dem Sudan, die gleichfalls während meines Pontifikats seliggesprochen wurden? Und mub man nicht an den seligen Isidor Bakanja, Märtyrer aus Zaire, erinnern, den ich während der Sonderversammlung für Afrika zur Ehre der Altäre erheben durfte? »Weitere Prozesse stehen vor dem Abschlub. Die Kirche in Afrika mub für ihr eigenes Martyrologium sorgen, indem sie zu den grobartigen Gestalten der ersten Jahrhunderte [...] die Märtyrer und Heiligen der letzten Zeit hinzufügt«.42 Für das auberordentliche Wachstum der Kirche in Afrika in den letzten hundert Jahren, für die Früchte an Heiligkeit, die erreicht worden sind, gibt es nur eine einzige mögliche Erklärung: das alles ist Gabe Gottes, denn keine menschliche Anstrengung hätte im Laufe einer relativ so kurzen Zeit ein derartiges Werk zu vollbringen vermocht. Menschlicher Triumphalismus ist jedoch nicht angebracht. Wenn die Synodenväter an die Glanzzeit der Kirche in Afrika erinnerten, wollten sie damit lediglich die von Gott für die Befreiung und das Heil Afrikas vollbrachten Wunder preisen. »Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen Anerkennung für die Missionare 35. Das grobartige Wachstum und das Werk der Kirche in Afrika sind grobenteils der heroischen, selbstlosen Hingabe von Generationen von Missionaren zu verdanken. Das wird von allen zugegeben. Die gesegnete Erde Afrikas ist in der Tat übersät von Gräbern tapferer Boten des Evangeliums. Als die Bischöfe Afrikas in Rom zur Sonderversammlung zusammentraten, waren sie sich sehr wohl der Dankesschuld bewubt, die ihr Kontinent ihren Vorfahren im Glauben gegenüber hat. In seiner Ansprache an die erste Versammlung von S.E.C.A.M. am 31. Juli 1969 in Kampala nahm Papst Paul VI. Bezug auf diese Dankesschuld: »Ihr Afrikaner seid nunmehr eure eigenen Missionare. Die Kirche Christi ist wirklich in diese gesegnete Erde eingepflanzt (vgl. Dekret Ad gentes, 6). Eine Verpflichtung müssen wir erfüllen: wir müssen die Erinnerung an diejenigen wachhalten, die in Afrika vor euch das Evangelium verkündet haben und es noch heute mit euch verkündigen, wie uns die Heilige Schrift ermahnt: ?Denkt an eure Vorsteher, die euch das Wort Gottes verkündet haben; schaut auf das Ende ihres Lebens und ahmt ihren Glauben nach' (Hebr 13, 7). Eine Geschichte, die wir nicht vergessen dürfen; sie verleiht der Ortskirche das Kennzeichen ihrer Glaubwürdigkeit und Vortrefflichkeit; ihren ?apostolischen' Charakter; sie ist ein Drama der Liebe, des Heroismus und des Opfers, das die afrikanische Kirche seit ihren Anfängen grob und heilig macht«.43 36. Die Sonderversammlung hat auf würdige Weise diese Dankesschuld beglichen, als sie bei ihrer ersten Generalkongregation erklärte: »An dieser Stelle müssen die Missionare eine warm- empfundene Würdigung erfahren, Männer und Frauen aller Orden und Säkularinstitute, und ebenso alle Länder, die sich während der etwa 2000 Jahre der Evangelisierung des afrikanischen Kontinents [...] intensiv dafür eingesetzt haben, die Fackel des christlichen Glaubens weiterzugeben [...]. Darum ist es uns, den glücklichen Erben dieses wunderbaren Abenteuers, ein Anliegen, Gott bei diesem feierlichen Anlab Dank zu sagen«.44 In der Botschaft an das Volk Gottes haben die Synodenväter noch einmal ausdrücklich die Missionare gewürdigt, aber nicht vergessen, den Söhnen und Töchtern Afrikas, die besonders als Katechisten und Übersetzer mit ihnen zusammenarbeiteten, ihre Anerkennung auszusprechen.45 37. Dank des groben Missionsepos, für das besonders in den letzten zwei Jahrhunderten der afrikanische Kontinent die Bühne abgab, konnten wir in Rom zusammentreten, um die Sonderversammlung für Afrika abzuhalten. Der in Afrika einst ausgesäte Same hat überreiche Frucht getragen. Meine Brüder im Bischofsamt, Söhne der Völker Afrikas, sind dafür beredte Zeugen. Zusammen mit ihren Priestern tragen sie nunmehr den Grobteil der Evangelisierungsarbeit auf ihren Schultern. Davon zeugen auch die zahlreichen Söhne und Töchter Afrikas, die den alten Missionsorden angehören oder in die neuen, in Afrika entstandenen Institute eintreten, indem sie mit ihren Händen die Fackel der totalen Hingabe an den Dienst Gottes und des Evangeliums ergreifen. Verwurzelung und Wachstum der Kirche 38. Der Umstand, dab innerhalb von fast zwei Jahrhunderten die Zahl der Katholiken in Afrika rasch gewachsen ist, stellt an sich in jeder Hinsicht ein bemerkenswertes Ergebnis dar. Die Konsolidierung der Kirche auf dem Kontinent wird besonders durch Faktoren bekräftigt wie die beachtliche und rasche zahlenmäbige Zunahme der Kirchenbezirke, das Ansteigen des einheimischen Klerus, der Seminaristen und der Kandidaten in den Instituten des geweihten Lebens, sowie die schrittweise Ausdehnung des Netzes der Katechisten, deren Beitrag zur Ausbreitung des Evangeliums unter den afrikanischen Völkern allen wohl bekannt ist. Schlieblich verdient der hohe Prozentsatz der einheimischen Bischöfe Afrikas besonders erwähnt zu werden, die nunmehr die Hierarchie des Kontinents bilden. Die Synodenväter haben zahlreiche sehr bedeutsame Schritte zur Kenntnis genommen, die von der Kirche in Afrika auf den Gebieten der Inkulturation und des ökumenischen Dialogs vollzogen worden sind.46 Die beachtlichen und verdienstvollen Leistungen im Erziehungsbereich werden allgemein anerkannt. Obwohl die Katholiken nur vierzehn Prozent der afrikanischen Bevölkerung bilden, stellen die katholischen Einrichtungen im Bereich des Gesundheitswesens siebzehn Prozent der Gesamtstrukturen des Gesundheitswesens des ganzen Kontinents dar. Die Initiativen, die von den jungen Kirchen Afrikas mutig ergriffen wurden, um das Evangelium »bis an die Grenzen der Erde« (Apg 1,8) zu tragen, sind zweifellos bemerkenswert. Die in Afrika errichteten Missionsinstitute haben an Zahl zugenommen und damit begonnen, nicht nur für die Länder des Kontinents, sondern auch für andere Regionen der Erde Missionare bereitzustellen. Afrikanische Diözesanpriester, deren Zahl langsam wächst, stellen sich für begrenzte Zeiträume als fidei donum-Priester in anderen, personalschwachen Diözesen in ihrer Nation oder anderswo zur Verfügung. Die afrikanischen Provinzen sowohl der männlichen wie der weiblichen Ordensinstitute päpstlichen Rechts haben gleichfalls eine Zunahme ihrer Mitglieder erfahren. Auf diese Weise stellt sich die Kirche in den Dienst der afrikanischen Völker; sie akzeptiert auberdem, in den »Gabenaustausch« mit anderen Teilkirchen im Rahmen des ganzen Gottesvolkes einbezogen zu werden. All das zeigt auf greifbare Weise, zu welcher Reife die Kirche in Afrika gelangt ist: dies ist es denn auch, was die Abhaltung der Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode möglich gemacht hat. Was ist aus Afrika geworden? 39. Vor knapp dreibig Jahren erlangten nicht wenige afrikanische Länder ihre Unabhängigkeit von den Kolonialmächten. Das hat grobe Erwartungen geweckt hinsichtlich der politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Entwicklung der afrikanischen Völker. Obgleich »sich in manchen Ländern die innere Lage leider noch nicht gefestigt hat und die Gewalt die Oberhand hatte und manchmal noch immer hat, darf das nicht Anlab zu einer allgemeinen Verurteilung geben, die ein ganzes Volk oder eine ganze Nation oder, noch schlimmer, einen ganzen Kontinent einbezieht«.47 40. Aber wie sieht die tatsächliche Gesamtsituation des afrikanischen Kontinents heute aus, besonders unter dem Gesichtspunkt des Evangelisierungsauftrags der Kirche? In diesem Zusammenhang haben sich die Synodenväter vor allem eine Frage gestellt: »Inwiefern ist auf einem Kontinent, der der schlechten Nachrichten überdrüssig ist, die christliche Verkündigung eine ?gute Nachricht' für unser Volk? Wo sind, mitten in der Verzweiflung, die alles befällt, die Hoffnung und der Optimismus, die das Evangelium mit sich bringt? Die Evangelisierung fördert viele der wesentlichen Werte, die unserem Kontinent so sehr fehlen: Hoffnung, Frieden, Freude, Harmonie, Liebe und Einheit«.48 Nachdem sie zu Recht betont hatten, dab Afrika ein riesiger Kontinent mit ganz unterschiedlichen Gegebenheiten sei und man sich daher sowohl bei der Einschätzung von Problemen wie bei Lösungsvorschlägen vor jeder Verallgemeinerung zu hüten habe, mubte die Synodenversammlung schmerzvoll feststellen: »Eine allgemein verbreitete Situation ist ohne Zweifel die Tatsache, dab Afrika voller Probleme ist: in fast allen unseren Ländern herrscht eine schreckliche Verelendung, schlechte Verwaltung der ohnehin kargen verfügbaren Mittel, politische Instabilität und soziale Orientierungslosigkeit. Das Ergebnis haben wir vor Augen: Elend, Kriege, Verzweiflung. In einer von den reichen und mächtigen Nationen kontrollierten Welt ist Afrika praktisch zu einem unbedeutenden, oft vergessenen und von allen vernachlässigten Anhängsel geworden«.49 41. Für viele Synodenväter kann das heutige Afrika mit jenem Mann verglichen werden, der von Jerusalem hinab nach Jericho ging; er fiel Räubern in die Hände, die ihn ausplünderten, ihn niederschlugen, dann weggingen und ihn halbtot liegen lieben (vgl. Lk 10, 30-37). Afrika ist ein Kontinent, in dem zahllose Menschen Männer und Frauen, Kinder und Jugendliche gleichsam am Strabenrand liegen, krank, verwundet, ohnmächtig, an den Rand geschoben und verlassen. Sie bedürfen dringend barmherziger Samariter, die ihnen zu Hilfe kommen. Ich wünsche mir, dab die Kirche weiterhin geduldig und unermüdlich als guter Samariter tätig ist. Denn lange Zeit haben Regime, die heute verschwunden sind, die Afrikaner auf eine harte Probe gestellt und ihr Reaktionsvermögen geschwächt: der verwundete Mensch mub alle Möglichkeiten seines Menschseins wiederentdecken. Die Söhne und Töchter Afrikas brauchen verständnisvolle Präsenz und pastorale Sorge. Es gilt, ihnen zu helfen, ihre eigenen Kräfte zu sammeln, um sie in den Dienst des Gemeinwohls zu stellen. Positive Werte der afrikanischen Kultur 42. Afrika befindet sich trotz seiner reichen Naturschätze in einer Situation wirtschaftlicher Armut. Trotzdem besitzt es eine Vielfalt von kulturellen Werten und unschätzbaren menschlichen Qualitäten, die es den Kirchen und der ganzen Menschheit anbieten kann. Die Synodenväter haben einige dieser kulturellen Werte hervorgehoben, die gewib eine willkommene Vorbereitung auf die Weitergabe des Evangeliums darstellen; es sind Werte, die eine positive Entwicklung der dramatischen Situation des Kontinents fördern und jenen Gesamtaufschwung in Gang bringen können, von dem die ersehnte Entwicklung der einzelnen Nationen abhängt. Die Afrikaner haben einen tiefen Sinn für das Religiöse, einen Sinn für das Heilige, für die Existenz des Schöpfergottes und einer spirituellen Welt. Die Realität der Sünde in ihren individuellen und sozialen Formen ist dem Bewubtsein jener Völker sehr gegenwärtig, und empfunden wird auch das Bedürfnis nach Reinigungs- und Sühneriten. 43. In der afrikanischen Kultur und Tradition gilt die Rolle der Familie allgemein als grundlegend. Da der Afrikaner offen ist für diesen Sinn für die Familie, für die Liebe und Achtung des Lebens, liebt er die Kinder, die voll Freude als ein Gottesgeschenk angenommen werden. »Die Söhne und Töchter Afrikas lieben das Leben. Gerade diese Liebe zum Leben läbt sie der Verehrung der Vorfahren so grobe Bedeutung beimessen. Sie glauben instinktiv, dab jene Toten weiterleben und in Gemeinschaft mit ihnen bleiben. Ist das nicht irgendwie eine Vorbereitung auf den Glauben an die Gemeinschaft der Heiligen? Die Völker Afrikas achten das Leben, das empfangen und geboren wird. Sie freuen sich über dieses Leben. Sie lehnen den Gedanken ab, es dürfe zerstört werden, auch wenn die sogenannten ?fortschrittlichen Zivilisationen' sie in diese Richtung drängen möchten. Lebensfeindliche Praktiken aber werden ihnen durch Wirtschaftssysteme auferlegt, die dem Egoismus der Reichen dienen«.50 Die Afrikaner bekunden Achtung für das Leben bis zu seinem natürlichen Ende und halten für alte Menschen und Angehörige einen Platz im Schobe der Familie bereit. Die afrikanischen Kulturen besitzen einen scharfen Sinn für Solidarität und Gemeinschaftsleben. Ein Fest wird in Afrika nur mit der ganzen Dorfgemeinschaft vorbereitet und begangen. Das Gemeinschaftsleben in den afrikanischen Gesellschaften ist tatsächlich Ausdruck der Grobfamilie. Ich bete inbrünstig darum und bitte darum zu beten, dab Afrika dieses kostbare kulturelle Erbe für immer bewahren und nie der Versuchung des Individualismus erliegen möge, der seinen besten Traditionen so fremd ist. Einige Optionen der afrikanischen Völker 44. Auch wenn die bereits angeführten tragischen Aspekte der Lage in Afrika keineswegs bagatellisiert werden dürfen, ist es der Mühe wert, hier einige positive Leistungen der Völker des Kontinents zu erwähnen, die Lob und Ermutigung verdienen. Die Synodenväter haben in ihrer Botschaft an das Volk Gottes zum Beispiel mit Freude auf die Anbahnung des Demokratisierungsprozesses in vielen afrikanischen Ländern hingewiesen und den Wunsch ausgesprochen, dab sich dieser Demokratisierungsprozeb festigen möge und alsbald durch die Zusammenarbeit aller mabgeblich Beteiligten und ihren Sinn für das Gemeinwohl die Hindernisse und Widerstände gegen den Rechtsstaat beseitigt würden.51 Auf dem Kontinent weht vielerorts ein starker »Wind der Veränderung«, und das Volk verlangt immer eindringlicher die Anerkennung und Förderung der Rechte und Freiheiten des Menschen. In diesem Zusammenhang stelle ich mit Befriedigung fest, dab sich die Kirche in Afrika getreu ihrer Berufung entschieden auf die Seite der Unterdrückten, der Völker stellt, die keine Stimme haben und an den Rand gedrängt sind. Ich ermutige sie nachhaltig dazu, fortzufahren in diesem Zeugnis. Die Vorzugsoption für die Armen ist »eine besondere, vorrangige Form bei der Ausübung der christlichen Liebe, eine Option, die von der ganzen Tradition der Kirche bezeugt wird [...]. Die aufrüttelnde Sorge für die Armen nach einer aufschlubreichen Formulierung die ?Armen des Herrn' mub auf allen Ebenen in konkrete Taten einmünden, bis schlieblich mit Entschlossenheit eine Reihe notwendiger Reformen erreicht ist«.52 45. Trotz der Armut und der geringen verfügbaren Mittel hat die Kirche in Afrika eine erst- rangige Rolle, was die menschliche Gesamtentwicklung betrifft; ihre beachtlichen Leistungen auf diesem Gebiet finden häufig Anerkennung bei den Regierungen und bei den internationalen Experten. Die Sonderversammlung für Afrika hat »allen Christen und allen Menschen guten Willens, die auf dem Gebiet der Fürsorge und der Entwicklungsförderung gemeinsam mit unserer Caritas oder mit unseren Entwicklungsorganisationen tätig sind«, tiefe Anerkennung ausgesprochen.53 Die Hilfe, die sie gleich barmherzigen Samaritern den afrikanischen Opfern von Kriegen und Katastrophen, den Flüchtlingen und Vertriebenen leisten, verdient von seiten aller Bewunderung, Anerkennung und Unterstützung. Ich halte es für meine Pflicht, der Kirche in Afrika lebhaften Dank für die Rolle auszusprechen, die sie im Laufe der Jahre zugunsten von Frieden und Versöhnung in zahlreichen Konfliktsituationen, politischen Umstürzen oder Bürgerkriegen gespielt hat. II. Aktuelle probleme der kirche in Afrika 46. Die Bischöfe Afrikas stehen vor zwei grundlegenden Fragen: wie soll die Kirche ihren Evangelisierungsauftrag beim Näherrücken des Jahres 2000 voranbringen? Wie werden die afrikanischen Christen zu immer treueren Zeugen des Herrn Jesus werden können? Um auf diese Fragen adäquate Antworten zu bieten, haben die Bischöfe vor und während der Sonderversammlung die wichtigsten Herausforderungen untersucht, denen sich die afrikanischen Ortskirchen heute stellen müssen. Intensive Evangelisierung 47. Die erste grundlegende Feststellung der Synodenväter betrifft den Hunger der afrikanischen Völker nach Gott. Um eine entsprechende Erwartung nicht zu enttäuschen, müssen die Glieder der Kirche vor allem ihren Glauben vertiefen.54 Denn gerade weil sie Trägerin der Evangelisierung ist, mub die Kirche »damit beginnen, sich selbst zu evangelisieren«.55 Sie mub die Herausforderung aufgreifen, die enthalten ist »in diesem Thema von der Kirche, die sich durch eine beständige Bekehrung und Erneuerung selbst evangelisiert, um die Welt glaubwürdig zu evangelisieren«.56 Die Synode hat Kenntnis genommen von der dringenden Notwendigkeit, in Afrika Millionen von Menschen, die noch nicht evangelisiert sind, die Frohe Botschaft zu verkünden. Sicher respektiert und schätzt die Kirche die nichtchristlichen Religionen, zu denen sich unzählige Menschen auf dem afrikanischen Kontinent bekennen, da sie ja lebendiger Ausdruck der Seele breiter Bevölkerungsgruppen sind. Doch »weder die Achtung und Wertschätzung gegenüber diesen Religionen noch die Vielschichtigkeit der aufgeworfenen Fragen können für die Kirche eine Aufforderung darstellen, eher zu schweigen als Jesus Christus vor den Nichtchristen zu verkünden. Im Gegenteil, die Kirche ist der Auffassung, dab diese vielen Menschen das Recht haben, den Reichtum des Geheimnisses Christi (vgl. Eph 3,8) kennenzulernen, worin, nach unserem Glauben, die Menschheit in unerschöpflicher Fülle alles das finden kann, was sie suchend und tastend über Gott, über den Menschen und seine Bestimmung, über Leben und Tod und über die Wahrheit in Erfahrung zu bringen sucht«.57 48. Die Synodenväter sagen mit Recht, dab »sich ein tiefschürfendes Interesse für eine echte und ausgewogene Inkulturation des Evangeliums als notwendig erweist, um in unserer, einer rapiden Entwicklung unterworfenen Gesellschaft Verwirrung und Entfremdung zu vermeiden«.58 Anläblich meines Besuches in Malawi im Jahr 1989 sagte ich: »Ich stelle euch heute vor eine Herausforderung, eine Herausforderung, die darin besteht, eine Lebensweise, die der Qualität eurer lokalen Traditionen und dem christlichen Glauben nicht entspricht, abzulehnen. Viele Menschen in Afrika schauen nach der sogenannten ?Freiheit der modernen Lebensweise' jenseits von Afrika aus. Ich lege euch heute inständig ans Herz, in euch selber zu blicken. Blickt auf den Reichtum eurer Traditionen, blickt auf den Glauben, den wir bei dieser Zusammenkunft feiern. Da werdet ihr wahre Freiheit finden, da werdet ihr Christus finden, der euch zur Wahrheit führt«.59 Überwindung der Gegensätze 49. Eine weitere Herausforderung, die von den Synodenvätern hervorgehoben wurde, betrifft die verschiedenen Formen von Uneinigkeit und Zwietracht, die es durch eine ehrliche Praxis des Dialogs zu beheben gilt.60 Mit Recht wurde darauf hingewiesen, dab innerhalb der von den Kolonialmächten ererbten Grenzen die Koexistenz unterschiedlicher ethnischer Gruppen, Traditionen, Sprachen und auch Religionen oft auf Hindernisse stöbt, die auf schwerwiegende wechselseitige Feindseligkeiten zurückgehen. »Die Stammesgegensätze bringen bisweilen, wenn auch nicht den Frieden, so zumindest die Erreichung des Gemeinwohls der Gesellschaft als ganzer in Gefahr und rufen auch Schwierigkeiten hervor für das Leben der Kirchen und für die Annahme von Bischöfen aus anderen ethnischen Gruppen«.61 Deshalb fühlt sich die Kirche in Afrika genau zu der Aufgabe ermahnt, solche Feindschaften abzubauen. Auch unter diesem Gesichtspunkt hat die Sonderversammlung die Bedeutung des ökumenischen Dialogs mit den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften sowie das Gespräch auch mit der traditionellen afrikanischen Religion und mit dem Islam hervorgehoben. Die Synodenväter haben sich zudem die Frage gestellt, mit welchen Mitteln dieses Ziel erreicht werden könnte. Ehe und geistliche Berufe 50. Eine wichtige Herausforderung, die von den Bischofskonferenzen Afrikas in ihren Antworten auf die Lineamenta nahezu einstimmig unterstrichen wurde, betrifft die christliche Ehe und das Familienleben.62 Der Einsatz, der auf dem Spiel steht, ist sehr hoch: denn »die Zukunft der Welt und der Kirche führt über die Familie«.63 Eine weitere fundamentale Aufgabe, welche von der Sonderversammlung hervorgehoben wurde, stellt die Sorge um die Berufungen zum Priestertum und zum gottgeweihten Leben dar: es gilt, die Berufenen weise zu erkennen, sie von fähigen Ausbildern begleiten zu lassen, die Qualität der tatsächlich gebotenen Ausbildung zu überprüfen. Von der Sorge, die auf die Lösung dieses Problems verwandt wird, hängt es ab, ob sich die Hoffnung auf ein blühendes Anwachsen von afrikanischen Missionsberufen bewahrheitet, wie es von der Verkündigung des Evangeliums in allen Teilen des Kontinents und auch über seine Grenzen hinaus gefordert wird. Soziale und politische Schwierigkeiten 51. »In Afrika ist die Notwendigkeit, das Evangelium auf das konkrete Leben anzuwenden, stark zu spüren. Wie könnte man Christus auf diesem riesigen Kontinent verkünden und dabei vergessen, dab es sich um eines der ärmsten Gebiete der Welt handelt? Wie könnte man die leiderfüllte Geschichte eines Landes unberücksichtigt lassen, wo viele Nationen sich noch immer mit Hunger, Krieg, Rassenspannungen und Stammesfehden, politischer Unsicherheit und Verletzung der Menschenrechte herumschlagen? Das alles bedeutet eine Herausforderung für die Evangelisierung«.64 Sämtliche Vorbereitungsdokumente wie auch die Diskussionen im Verlauf der Versammlung haben ausführlich die Tatsache hervorgehoben, dab Fragen wie die wachsende Armut in Afrika, die Urbanisierung, die internationale Verschuldung, der Waffenhandel, das Problem der Flüchtlinge und Vertriebenen, die Bevölkerungsprobleme und Bedrohungen, die auf der Familie lasten, die Emanzipation der Frauen, die Ausbreitung von AIDS, das Fortbestehen der Sklaverei in einigen Gegenden, der Ethnozentrismus und die Stammesfehden zu den wesentlichen Herausforderungen gehören, die von der Synode untersucht wurden. Vordringen der Massenmedien 52. Schlieblich hat sich die Sonderversammlung mit den sozialen Kommunikationsmitteln beschäftigt, einem Problem von enormer Bedeutung, da es sich zugleich um Werkzeuge im Dienst der Evangelisierung und um Mittel zur Verbreitung einer neuen Kultur handelt, die evangelisiert werden mub.65 So wurden die Synodenväter mit der traurigen Tatsache konfrontiert, dab »die Entwicklungsländer, anstatt sich zu selbständigen Nationen zu entwickeln, die sich um ihren eigenen Weg zur gerechten Teilhabe an den für alle bestimmten Gü- tern und Dienstleistungen bemühen, zu Rädern ei- nes Mechanismus, zu Teilen einer gewaltigen Maschinerie werden. Das geschieht oft auch auf dem Gebiet der sozialen Kommunikationsmittel: Weil diese meistens von Zentren im Norden der Welt aus geleitet werden, berücksichtigen sie nicht immer in gebührender Weise die eigenen vorrangigen Anliegen und Probleme dieser Länder, noch achten sie deren kulturelle Eigenart, sondern drängen ihnen nicht selten ein entstelltes Bild vom Leben und vom Menschen auf und entsprechen so nicht den Anforderungen einer echten Entwicklung« 66 III. Ausbildung der träger der evangelisierung 53. Mit welchen Ressourcen wird es der Kirche in Afrika gelingen, die eben erwähnten Herausforderungen aufzugreifen? »Die bedeutendste ist, nach der Gnade Christi, offensichtlich die des Volkes. Das Volk Gottes verstanden im theologischen Sinn von Lumen gentium, dieses Volk, das die Glieder des Leibes Christi in seiner Ganzheit umfabt hat den Auftrag erhalten, der eine Ehre und eine Pflicht zugleich ist, die Botschaft des Evangeliums zu verkündigen [...]. Die ganze Gemeinschaft mub für die Evangelisierung vorbereitet, motiviert und gestärkt werden, ein jeder nach seiner spezifischen Rolle in der Kirche«.67 Darum hat die Synode starkes Gewicht auf die Ausbildung derer gelegt, die für die Evangelisierung in Afrika tätig sind. Die Notwendigkeit einer geeigneten Ausbildung der Priesteramtskandidaten und derjenigen, die zum Ordensleben berufen sind, habe ich bereits erwähnt. Die Versammlung hat in gleicher Weise der Ausbildung der gläubigen Laien gebührende Aufmerksamkeit gewidmet, in Anerkennung ihrer unverzichtbaren Rolle bei der Evangelisierung Afrikas. Besonders Wert gelegt wurde zu Recht auf die Ausbildung der Laienkatechisten. 54. Noch eine letzte Frage drängt sich auf: Hat die Kirche in Afrika die Laien genügend dafür ausgebildet, ihre Verantwortlichkeiten im zivilen Leben sachkundig wahrzunehmen und die gesellschaftlich-politischen Probleme im Lichte des Evangeliums und des Glaubens an Gott zu bedenken? Das ist zweifellos eine Aufgabe, die die Christen herausfordert; auf das Gesellschaftsgefüge einen Einflub auszuüben, der nicht nur die Denkweisen, sondern die eigentlichen Strukturen der Gesellschaft so umwandeln soll, dab sich darin Gottes Pläne bezüglich der menschlichen Familie besser widerspiegeln. Gerade deshalb habe ich für die Laien eine vollständige Ausbildung gewünscht, die ihnen dazu verhilft, ein völlig kohärentes Leben zu führen. Der Glaube, die Hoffnung und die Liebe müssen für das Verhalten des echten Jüngers Christi in jeder seiner Handlungen, Situationen und Verantwortlichkeiten richtunggebend sein. Da »evangelisieren besagt, die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen, sie durch deren Einflub von innen her umzuwandeln und die Menschheit selbst zu erneuern«,68 müssen die Christen dazu ausgebildet werden, die sozialen Auflagen des Evangeliums so zu leben, dab ihr Zeugnis zu einer prophetischen Herausforderung gegenüber allem wird, was dem wahren Wohl der Menschen Afrikas wie jedes anderen Erdteils schadet. KAPITEL III EVANGELISIERUNG UND INKULTURATION Sendung der Kirche 55. »Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!« (Mk 16, 15). Das ist der Auftrag, den der auferstandene Christus, ehe er zum Vater aufstieg, den Aposteln hinterlassen hat: »Sie aber zogen aus und predigten überall« (Mk 16, 20). »Die Aufgabe, allen Menschen die Frohbotschaft zu verkündigen, ist die wesentliche Sendung der Kirche [...]. Evangelisieren ist die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität. Sie ist da, um zu evangelisieren«.69 Entstanden aus dem evangelisierenden Wirken Jesu und der Zwölf, ist sie ihrerseits gesandt, »Hüterin der Frohbotschaft zu sein, die es zu verkündigen gilt [...] Die Kirche beginnt damit, sich selbst zu evangelisieren«. In der Folge »entsendet die Kirche selbst Glaubensboten. Sie legt ihnen das Wort in den Mund, das rettet«.70 Wie der Völkerapostel kann die Kirche sagen: »Wenn ich das Evangelium verkünde, [...] liegt ein Zwang auf mir. Weh mir, wenn ich das Evangelium nicht verkünde!« (1 Kor 9,16). Die Kirche verkündet die Frohbotschaft nicht allein durch die Verkündigung des Wortes, das sie vom Herrn empfangen hat, sondern auch durch das Zeugnis des Lebens, durch das die Jünger Christi Rechenschaft geben über den Glauben, die Hoffnung und die Liebe, die sie in sich tragen (vgl. 1 Petr 3, 15). Dieses Zeugnis des Christen von Christus und vom Evangelium kann bis zum äubersten Opfer führen: dem Martyrium (vgl. Mk 8, 35). Denn die Kirche und der Christ verkündigen den, der »ein Zeichen [ist], dem widersprochen wird« (Lk 2, 34). Sie verkündigen »Christus als den Gekreuzigten: für Juden ein empörendes Ärgernis, für Heiden eine Torheit« (1 Kor 1, 23). Wie ich oben ausführte, kann sich Afrika nicht nur berühmter Märtyrer der ersten Jahrhunderte rühmen, sondern auch seiner Märtyrer und Heiligen aus unserer Zeit. Die Evangelisierung hat zum Ziel, »die Menschheit selbst von innen her umzuwandeln und zu erneuern«.71 In dem einen Sohn und durch ihn sollen die Beziehungen der Menschen zu Gott, zu den anderen Menschen und zur ganzen Schöpfung erneuert werden. Dadurch kann die Verkündigung des Evangeliums zur inneren Umwandlung aller Menschen guten Willens beitragen, die ein offenes Herz für das Wirken des Heiligen Geistes haben. 56. Das Evangelium durch Worte und Taten bezeugen: das ist der Auftrag, den die Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode erhalten hat und den sie nun an die Kirche des Kontinents weitergibt. »Ihr werdet meine Zeugen sein« (Apg 1, 8): das ist der Einsatz, der auf dem Spiel steht, das sollen in Afrika die Früchte der Synode in allen Bereichen des menschlichen Lebens sein. Entstanden aus der Verkündigung mutiger Bischöfe und Missionspriester mit wirksamer Unterstützung durch die Katechisten »Anerkennung verdient die Schar der Katechisten, die so grobe Verdienste um das Werk der Heidenmission haben«,72 , ist die Kirche in Afrika, der Erde, die zur »neuen Heimat Christi« 73 geworden ist, nunmehr verantwortlich für die Mission auf ihrem Erdteil und in der Welt: »Afrikaner, ihr seid jetzt eure eigenen Missionare«, sagte mein Vorgänger Paul VI. in Kampala.74 Da die grobe Mehrheit der Einwohner des afrikanischen Kontinents die Verkündigung der Frohbotschaft vom Heil noch nicht empfangen hat, empfiehlt die Synode, zu Missionsberufen zu ermutigen, und ersucht, die Darbringung von Gebeten, Opfern und konkreten Hilfen zugunsten der Missionsarbeit der Kirche zu fördern und aktiv zu unterstützen.75 Verkündigung 57. »Die Synode erinnert daran, dab Evangelisieren besagt, durch das Wort und das Leben die Frohbotschaft von Jesus Christus zu verkünden, der gekreuzigt wurde, gestorben und auferstanden ist, der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist«.76 Dem von allen Seiten von aufbrechendem Hab und Gewalt, von Konflikten und Kriegen erdrückten Afrika sollen die Verkünder des Evangeliums die im Ostergeheimnis verwurzelte Hoffnung auf das Leben verkünden. Jesus hat gerade zu dem Zeitpunkt, als sein Leben menschlich gesprochen zum Scheitern verurteilt zu sein schien, die Eucharistie, das »Unterpfand der ewigen Herrlichkeit«,77 eingesetzt, um seinen Sieg über den Tod in Zeit und Raum zu verewigen. Deshalb wollte sich die Sonderversammlung für Afrika zu diesem Zeitpunkt, da sich der afrikanische Kontinent in verschiedener Hinsicht in einer kritischen Lage befindet, als »Synode der Wiedererstehung, Synode der Hoffnung« vorstellen [...] . »Christus, unsere Hoffnung, lebt, auch wir werden leben!«.78 Afrika ist nicht dem Tod, sondern dem Leben geweiht! Daher mub sich »die Neuevangelisierung auf die Begegnung mit der lebendigen Person Christi konzentrieren«.79 »Die Erstverkündigung mub das Ziel haben, dieses erschütternde und begeisternde Erleben Christi, der uns anzieht und mitreibt, schlieblich in ein Abenteuer des Glaubens zu verwandeln«.80 Eine Aufgabe, die auf einzigartige Weise dadurch erleichtert wird, dab »der Afrikaner von seinem Leben und seiner traditionellen Religion her an Gott, den Schöpfer, glaubt. Er ist daher auch offen für die vollständige und endgültige Offenbarung Gottes in Jesus Christus, Gott-mit-uns, fleischgewordenes Wort. Jesus, die Frohe Botschaft, ist Gott, der den Afrikaner [...] aus Unterdrückung und Sklaverei rettet«.81 Die Evangelisierung mub »den Menschen und die Gesellschaft auf allen Bereichen ihres Daseins erreichen. Sie äubert sich in verschiedenen Aktivitäten, insbesondere in den Betätigungsfeldern, die von der Synode ausdrücklich in Betracht gezogen wurden: Verkündigung, Inkulturation, Dialog, Gerechtigkeit und Frieden, soziale Kommunikationsmittel«.82 Damit diese Mission vollständig gelingt, mub »bei der Evangelisierung die eindringliche Anrufung des Heiligen Geistes erfolgen, auf dab sich ein ständiges Pfingsten ereigne, in dem, wie schon beim ersten Pfingsten, Maria ihren Platz haben wird«.83 In der Tat führt die Kraft des Heiligen Geistes die Kirche in die ganze Wahrheit ein (vgl. Joh 16, 13) und läbt sie auf die Welt zugehen, damit sie mit vertrauensvoller Gewibheit Zeugnis gibt von Christus. 58. Das Wort, das aus dem Mund Gottes kommt, ist lebendig und kraftvoll und kehrt nie leer zu ihm zurück (vgl. Jes 55, 11; Hebr 4, 12-13). Man mub es daher unaufhörlich verkünden, bei jeder Gelegenheit »dafür eintreten, ob man es hören will oder nicht [...] in unermüdlicher und geduldiger Belehrung« (2 Tim 4, 2). Das zuerst der Kirche anvertraute geschriebene Wort Gottes »darf nicht eigenmächtig ausgelegt werden« (2 Petr 1, 20); seine authentische Auslegung ist Sache der Kirche.84 Um zu erreichen, dab das Wort Gottes bekannt, geliebt, bedacht und im Herzen der Gläubigen bewahrt werde (vgl. Lk 2, 19.51), ist es notwendig, die Anstrengungen für einen erleichterten Zugang zur Heiligen Schrift zu intensivieren, speziell durch Gesamt- oder Teilübersetzungen der Bibel, die möglichst in Zusammenarbeit mit den anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften erstellt werden und von Leseanleitungen für das Gebet und das Studium des Textes in Familie und Gemeinde begleitet sein sollen. Auberdem gilt es, für die Mitglieder des Klerus, für die Ordensleute, für die Katechisten und für die Laien im allgemeinen die Bibelausbildung zu fördern; für entsprechende Wortgottesdienste zu sorgen; das Bibelapostolat zu fördern mit Hilfe des biblischen Zentrums für Afrika und Madagaskar und anderer ähnlicher Einrichtungen, die auf allen Ebenen Unterstützung verdienen. Kurz gesagt, man wird trachten müssen, allen Gläubigen von Kindheit an die Heilige Schrift in die Hand zu geben.85 Dringlichkeit und Notwendigkeit der Inkulturation 59. Die Synodenväter haben wiederholt die besondere Bedeutung unterstrichen, die bei der Evangelisierung der Inkulturation zukommt, also jenem Prozeb, durch den »sich die Katechese in den unterschiedlichen Kulturen ?inkarniert'«.86 Die Inkulturation weist eine doppelte Dimension auf: einerseits »die innere Umwandlung der authentischen kulturellen Werte durch deren Einfügung ins Christentum« und andererseits »die Verwurzelung des Christentums in den verschiedenen Kulturen«.87 Die Synode betrachtet die Inkulturation als eine Priorität und Dringlichkeit im Leben der Teilkirchen für eine tatsächliche Verwurzelung des Evangeliums in Afrika,88 als »ein Erfordernis der Evangelisierung«,89 als »einen Weg zur vollen Evangelisierung«,90 als eine der gröbten Herausforderungen für die Kirche auf dem Kontinent angesichts des nahenden dritten Jahrtausends.91 Theologische Grundlagen 60. »Als aber die Zeit erfüllt war« (Gal 4, 4), ist das Wort, zweite Person der Heiligen Dreifaltigkeit, Gottes eingeborener Sohn, »Fleisch geworden vom Heiligen Geist aus Maria, der Jungfrau, und ist Mensch geworden«.92 Das ist das erhabene Geheimnis von der Fleischwerdung des Wortes, ein Geheimnis, das in der Geschichte stattgefunden hat: unter genau feststehenden zeitlichen und räumlichen Umständen, in einem Volk, das über seine eigene Kultur verfügt, das Gott auserwählt und durch die ganze Heilsgeschichte begleitet hatte, um durch alles, was er in ihm vollbrachte, zu zeigen, was er für die ganze Menschheit zu tun beabsichtigte. Als offenkundiger Beweis der Liebe Gottes zu den Menschen (vgl. Röm 5, 8) hat Jesus Christus mit seinem Leben, mit der den Armen verkündeten Frohbotschaft, mit dem Leiden, dem Tod und der glorreichen Auferstehung die Vergebung unserer Sünden und unsere Wiederversöhnung mit Gott, seinem Vater und, dank ihm, unserem Vater, erwirkt. Das Wort, das die Kirche verkündet, ist eben das menschgewordene Wort Gottes, er selbst ist Subjekt und Objekt dieses Wortes. Die Frohbotschaft ist Jesus Christus. Wie »das Wort Fleisch geworden ist und unter uns gewohnt hat« (Joh 1, 14), so mub sich die Frohe Botschaft, das den Völkern verkündete Wort Jesu Christi, in das Lebensmilieu seiner Hörer hineinlassen. Die Inkulturation ist genau diese Einverleibung der Botschaft des Evangeliums in die Kulturen.93 Die Menschwerdung des Gottessohnes war in der Tat, eben weil sie vollständig und konkret war,94 auch Inkarnation in einer spezifischen Kultur. 61. In Anbetracht der engen, organischen Be- ziehung, die zwischen Jesus Christus und dem von der Kirche verkündeten Wort besteht, kann die Inkulturation der geoffenbarten Botschaft gar nicht umhin, der dem Geheimnis der Erlösung eigenen »Logik« zu folgen. Die Menschwerdung des Wortes stellt ja kein isoliertes Ereignis dar, sondern strebt auf »die Stunde« Jesu und das Ostergeheimnis zu: »Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein; wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht« (Joh 12,24). »Und ich, sagt Jesus, wenn ich über die Erde erhöht bin, werde alle zu mir ziehen« (Joh 12,32). Diese Selbstentäuberung, diese Kenosis, derer es für die Verherrlichung bedarf, der Weg Jesu und jedes seiner Jünger (vgl. Phil 2, 6-9) ist Leuchtkraft für die Begegnung der Kulturen mit Christus und seinem Evangelium. »Jede Kultur mub von den Wer- ten des Evangeliums im Lichte des Ostergeheimnisses umgewandelt werden«.95 Mit dem Blick auf das Geheimnis der Menschwerdung und der Erlösung mub man zwischen den Werten und den Unwerten der Kulturen unterscheiden. Wie das Wort Gottes in allem uns ähnlich geworden ist auber der Sünde, so übernimmt die Inkulturation der Frohen Botschaft alle authentischen menschlichen Werte, reinigt sie von der Sünde und gibt ihnen ihre volle Bedeutung zurück. Die Inkulturation besitzt auch tiefe Bande zum Pfingstgeheimnis. Durch die Ausgiebung und das Wirken des Heiligen Geistes, der Gaben und Talente vereint, erleben alle Völker der Erde, wenn sie in die Kirche eintreten, ein neues Pfingsten, bekennen in ihrer Sprache den einen Glauben an Jesus Christus und verkündigen die Wundertaten, die der Herr für sie vollbracht hat. Der Geist, der auf der natürlichen Ebene Urquelle der Weisheit der Völker ist, führt die Kirche durch eine übernatürliche Erleuchtung zur Erkenntnis der ganzen Wahrheit. Die Kirche ihrerseits wird, wenn sie die Werte der verschiedenen Kulturen aufnimmt, zur »sponsa ornata monilibus suis«, »Braut, die ihr Geschmeide anlegt« (Jes 61, 10). Kriterien und Bereiche der Inkulturation 62. Das ist eine schwierige und heikle Aufgabe, denn sie stellt die Treue der Kirche zum Evangelium und zur apostolischen Überlieferung in der ständigen Entwicklung der Kulturen in Frage. Zu Recht haben die Synodenväter daher bemerkt: »Was die raschen kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Veränderungen betrifft, so werden unsere Ortskirchen an einem immer wieder erneuerten Inkulturationsprozeb arbeiten und dabei folgende zwei Kriterien beachten müssen: die Vereinbarkeit mit der christlichen Botschaft und die Gemeinschaft mit der Universalkirche [...]. Auf jeden Fall wird man dafür sorgen müssen, jeden Synkretismus zu vermeiden«.96 »Als Weg zu einer vollständigen Evangelisierung zielt die Inkulturation darauf ab, den Menschen in die Lage zu versetzen, angesichts der vollen Anhänglichkeit an Gottvater und eines heiligmäbigen Lebens durch die Wirkung des Heiligen Geistes Jesus Christus in die Gesamtheit des persönlichen, kulturellen, wirtschaftlichen und politischen Daseins aufzunehmen«.97 Indem die Synode Gott für die Früchte dankte, die die Anstrengungen der Inkulturation für das Leben der Kirchen des Kontinents, besonders für die alten orientalischen Kirchen Afrikas bereits erbracht haben, empfahl sie »den Bischöfen und allen Bischofskonferenzen, dem Umstand Rechnung zu tragen, dab die Inkulturation sämtliche Bereiche des Lebens der Kirche und der Evangelisierung einbezieht: Theologie, Liturgie, Leben und Aufbau der Kirche. Das alles unterstreicht, dab es einer Untersuchung im Bereich der afrikanischen Kulturen in ihrer ganzen Komplexität bedarf«. Aus diesem Grund hat die Synode die Hirten aufgefordert, »sich weitestgehend die vielfältigen Möglichkeiten zunutze zu machen, die die derzeitige Disziplin der Kirche diesbezüglich bereits vorsieht«.98 Kirche als Familie Gottes 63. Die Synode hat nicht nur von Inkulturation gesprochen, sondern hat sie auch konkret angewandt, wenn sie als Leitgedanken für die Evangelisierung Afrikas die Idee von der Kirche als Familie Gottes 99 übernahm. Darin erkannten die Sy- nodenväter einen für Afrika besonders passenden Ausdruck für das Wesen der Kirche. Dieser bildhafte Ausdruck betont nämlich die Sorge um den anderen, die Solidarität, die Herzlichkeit der Beziehungen, die Annahme, den Dialog und das Vertrauen.100 Die Neuevangelisierung wird daher den Aufbau der Kirche als Familie anstreben, wobei jeder Ethnozentrismus und jeder übertriebene Partikularismus ausgeschlossen und stattdessen versucht werden soll, auf die Aussöhnung und eine echte Gemeinschaft zwischen den verschiedenen Völkerschaften hinzuarbeiten durch Förderung der Solidarität und der Verteilung des Personals und der Mittel zwischen den Teilkirchen, ohne Ansehen der ethnischen Herkunft.101 »Man kann nur wünschen, dab die Theologen die Theologie von der Kirche als Familie erarbeiten, mit dem ganzen Reichtum, der diesem Begriff innewohnt, und dabei die Komplementarität dieses Begriffes durch andere Kirchenbilder entwickeln«.102 Das setzt ein gründliches Nachdenken über das biblische und das Erbe der Überlieferung voraus, wie es das II. Vatikanische Konzil in der dogmatischen Konstitution Lumen gentium vorgestellt hat. Der wunderbare Text legt die Lehre über die Kirche dar und greift dabei auf Bilder aus der Heiligen Schrift zurück, wie Mystischer Leib, Volk Gottes, Tempel des Geistes, Herde und Schafstall, Haus, in dem Gott mit den Menschen wohnt. Nach Aussage des Konzils ist die Kirche Braut Christi und unsere Mutter, heilige Stadt und Anfang des künftigen Reiches. Diesen eindrucksvollen Bildern wird man aufgrund der Empfehlung der Synode Rechnung tragen müssen, wenn eine auf den Begriff Kirche als Familie Gottes eingestellte Ekklesiologie entwickelt werden soll.103 So wird man die Aussage, von der die Konzilskonstitution ausgeht, in ihrer ganzen Fülle und Dichte bewerten können: »Die Kirche ist ja in Christus gleichsam das Sakrament, das heibt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit«.104 Anwendungsgebiete 64. Ohne jegliches Vorurteil gegenüber den Traditionen, die jeder Kirche, der lateinischen bzw. der orientalischen Kirche, eigen sind, wird man in der Praxis »die Inkulturation der Liturgie vorantreiben müssen wobei freilich dafür zu sorgen ist, dab an den wesentlichen Elementen nichts verändert wird , damit das gläubige Volk die liturgischen Feiern besser verstehen und miterleben kann«.105 Die Synode hat zudem noch einmal beteuert, dab es auch dann, wenn sich trotz einer langen Periode der Evangelisierung die Lehre schwerlich assimilieren läbt oder wenn ihre praktische Handhabung ernste pastorale Probleme, vor allem im sakramentalen Leben, mit sich bringt, geboten ist, der Lehre der Kirche treu zu bleiben und gleichzeitig die Menschen in Gerechtigkeit und mit echter pastoraler Liebe zu respektieren. Unter dieser Voraussetzung hat die Synode den Wunsch ausgesprochen, die Bischofskonferenzen mögen, was die Fragen Ehe, Ahnenverehrung und Geisterwelt betrifft, in Zusammenarbeit mit den Universitäten und den katholischen Instituten Studienkommissionen ins Leben rufen, um alle kulturellen Aspekte der Probleme gründlich zu untersuchen, die sich unter theologischem, sakramentalem, rituellem und kirchenrechtlichem Gesichtspunkt stellen.106 Dialog 65. »Die Dialoghaltung ist die Verhaltensweise des Christen innerhalb seiner Gemeinschaft sowie gegenüber den anderen Gläubigen und Menschen guten Willens«.107 Der Dialog mub yor allem in der Kirhe als Familie gepflegt werden, und zwar auf allen Ebenen: zwischen Bischöfen, Bischofskonferenzen oder Versammlungen der Hierarchie und Apostolischem Stuhl, zwischen den Bischofskonferenzen bzw. Bischofsversammlungen der verschiedenen Nationen desselben Kontinents und jenen der anderen Kontinente und in jeder Teilkirche zwischen dem Bischof, dem Presbyterium, den Ordensleuten, den pastoralen Mitarbeitern und den gläubigen Laien; sowie auch zwischen den verschiedenen Riten innerhalb ein und derselben Kirche. S.E.C.A.M. soll für seine Ausstattung »mit Strukturen und Mitteln« sorgen, »die die Ausübung dieses Dialogs gewährleisten«,108 um insbesondere eine organisch gewachsene pastorale Solidarität zu fördern. »In ihrem Zeugnis in Afrika mit Christus verbunden, sind die Katholiken eingeladen, einen ökumenischen Dialog mit allen getauften Brüdern und Schwestern der anderen christlichen Konfessionen in Gang zu bringen, damit die Einheit, für die Christus gebetet hat, Wirklichkeit werde und auf diese Weise ihr Dienst an den Völkern des Kontinents das Evangelium in den Augen aller Männer und Frauen, die Gott suchen, glaubwürdiger mache«.109 Dieser Dialog kann konkrete Gestalt annehmen in Initiativen wie der ökumenischen Bibelübersetzung, der theologischen Vertiefung des einen oder anderen Aspekts des christlichen Glaubens oder auch durch das gemeinsam dargebrachte evangelische Zeugnis für die Gerechtigkeit, den Frieden und die Achtung der Menschenwürde. Man sollte sich daher um die Errichtung von Ökumenismus-Kommissionen auf nationaler und diözesaner Ebene kümmern.110 Die Christen sind gemeinsam für das Zeugnis des Evangeliums auf dem Kontinent verantwortlich. Die Fortschritte im Ökumenismus haben auch zum Ziel, diesem Zeugnis gröbere Wirksamkeit zu verleihen. 66. »Das Bemühen um den Dialog mub auch die Muslime guten Willens einbeziehen. Die Christen dürfen nicht vergessen, dab viele Muslime willens sind, den Glauben Abrahams nachzuahmen und nach den Vorschriften der Zehn Gebote zu leben«.111 In diesem Zusammenhang unterstreicht die Botschaft der Synode, dab der lebendige Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde und Herr der Geschichte, der Vater der groben Menschheitsfamilie ist, der wir angehören. Als solcher will er, dab wir seine Zeugen sind, indem wir die Werte und religiösen Traditionen eines jeden achten, gemeinsam für die Förderung und Entwicklung des Menschen auf allen Ebenen arbeiten. Weit davon entfernt, jemand sein zu wollen, in dessen Namen andere Menschen sich umbringen, verpflichtet er die Gläubigen dazu, sich gemeinsam in den Dienst am Leben in Gerechtigkeit und Frieden zu stellen.112 Man wird daher besondere Aufmerksamkeit darauf legen müssen, dab der islamisch-christliche Dialog auf beiden Seiten die Ausübung der Religionsfreiheit respektiert, und zwar mit allem, was dazugehört, einschlieblich der äuberen, öffentlichen Glaubenskundgebungen.113 Christen und Muslime sind aufgerufen, sich um die Förderung eines Dialogs zu bemühen, der von den aus einer falschen Irenik oder einem militanten Fundamentalismus herrührenden Gefahren frei ist, und ihre Stimme ebenso gegen unlautere politische Mabnahmen und Praktiken zu erheben wie gegen jedes Fehlen tatsächlicher Reziprozität der Religionsfreiheit.114 67. Was die traditionelle afrikanische Religion betrifft, so wird ein offener und kluger Dialog einerseits vor negativen Einflüssen, die selbst die Lebensweise vieler Katholiken prägen, schützen können und andererseits die Übernahme positiver Werte, wie den Glauben an ein höchstes, ewiges Wesen, einen Schöpfer und vorsorglichen und gerechten Richter sicherstellen, die sich sehr wohl mit dem Inhalt des Glaubens in Einklang bringen lassen. Ja, sie können als eine Vorbereitung auf das Evangelium angesehen werden, da sie kostbare semina Verbi, Samenkörner des Wortes, enthalten, die, wie bereits in der Vergangenheit geschehen, imstande sind, eine grobe Anzahl von Personen zu veranlassen, »sich der Fülle der Offenbarung in Jesus Christus durch die Verkündigung des Evangeliums zu öffnen«.115 Es gilt daher, alle Anhänger der traditionellen Religion mit grober Achtung und Wertschätzung zu behandeln und jede unpassende und respektlose Redeweise zu vermeiden. Zu diesem Zweck soll an den Priesterseminaren und Ausbildungshäusern der Orden der erforderliche Unterricht über die traditionelle Religion gehalten werden.116 Volle menschliche Entfaltung 68. Die volle menschliche Entfaltung die Entfaltung jedes Menschen und des ganzen Menschen, besonders des bedürftigsten und aus der Gemeinschaft ausgegrenzten steht im Zentrum der Evangelisierung. »Zwischen Evangelisierung und menschlicher Entfaltung Entwicklung und Befreiung bestehen in der Tat enge Verbindungen. Verbindungen anthropologischer Natur, denn der Mensch, dem die Evangelisierung gilt, ist kein abstraktes Wesen, sondern sozialen und wirtschaftichen Problemen unterworfen. Verbindungen theologischer Natur, da man ja den Schöpfungsplan nicht vom Erlösungsplan trennen kann, der hineinreicht bis in die konkreten Situationen des Unrechts, das es zu bekämpfen, und der Gerechtigkeit, die es wiederherzustellen gilt. Verbindungen schlieblich jener ausgesprochen biblischen Ordnung, wie sie die der Liebe ist: Wie könnte man in der Tat das neue Gebot der Liebe verkünden, ohne in der Gerechtigkeit und im Frieden das wahre, echte Wachstum des Menschen zu fördern?«.117 So wählte der Herr Jesus, als er in der Synagoge von Nazaret sein öffentliches Wirken aufnahm, zur Erläuterung seiner Sendung den messianischen Text aus dem Buch des Jesaja: »Der Geist des Herrn ruht auf mir: denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht: damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe« (Lk 4, 18-19; vgl. Jes 61, 1-2). Der Herr sieht sich also als den, der gesandt worden ist, um das Elend der Menschen zu lindern und jede Form von Ausgrenzung zu bekämpfen. Er ist gekommen, den Menschen zu befreien; er ist gekommen, um unsere Leiden auf sich zu nehmen und unsere Krankheiten zu tragen: »In der Tat galt der ganze Dienst Jesu der Aufmerksamkeit für alle jene in seiner Umgebung, die von einem Leiden betroffen waren: Menschen in Leid und Schmerz, Lahme, Aussätzige, Blinde, Taube, Stumme (vgl. Mt 8, 17)«.118 »Es ist unmöglich, dab das Werk der Evangelisierung die äusserst schwierigen und heute so stark erörterten Fragen vernachlässigen kann und darf, die die Gerechtigkeit, die Befreiung, die Entwicklung und den Frieden in der Welt betreffen«:119 die Befreiung, die die Evangelisierung verkündet, »kann sich nicht einfach auf die begrenzte wirtschaftliche, politische, soziale oder kulturelle Dimension beschränken, sondern mub den ganzen Menschen in allen seinen Dimensionen sehen, einschlieblich seiner Öffnung auf das Absolute hin, das Gott ist«.120 Zu Recht führt das II. Vatikanische Konzil aus: »In Verfolgung ihrer eigenen Heilsabsicht vermittelt die Kirche nicht nur den Menschen das göttliche Leben, sondern läbt dessen Widerschein mehr oder weniger auf die ganze Welt fallen, vor allem durch die Heilung und Hebung der menschlichen Personwürde, durch die Festigung des menschlichen Gemeinschaftsgefüges, durch die Erfüllung des alltäglichen menschlichen Schaffens mit tieferer Sinnhaftigkeit und Bedeutung. So glaubt die Kirche durch ihre einzelnen Glieder und als ganze viel zu einer humaneren Gestaltung der Menschenfamilie und ihrer Geschichte beitragen zu können«.121 Die Kirche verkündet das Reich Gottes und beginnt es nach dem Beispiel Jesu zu verwirklichen, denn »die Natur des Reiches [ist] die Gemeinschaft aller Menschen untereinander und mit Gott«.122 So ist »das Reich Quelle der völligen Befreiung und des ganzen Heiles für die Menschen: Die Kirche lebt und geht mit ihnen in tiefer und wahrer Solidarität mit der Menschheitsgeschichte«.123 69. Die Geschichte der Menschen erhält ihre wahre Sinnhaftigkeit in der Menschwerdung des Wortes Gottes, die das Fundament der wiederhergestellten menschlichen Würde ist. Durch Christus, »Ebenbild des unsichtbaren Gottes, Erstgeborener der ganzen Schöpfung« (Kol 1, 15), ist der Mensch erlöst worden; ja, »der Sohn Gottes hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaben mit jedem Menschen vereinigt«.124 Mub man da nicht mit dem hl. Leo dem Groben ausrufen: »Christ, werde dir deiner Würde bewubt«?125 Christus verkündigen heibt also dem Menschen seine unveräuberlihe Wrde offenbaren, die Gott durch die Menschwerdung seines eingeborenen Sohnes wiederhergestellt hat. Und das II. Vatikanische Konzil fährt fort: »Da es aber der Kirche anvertraut ist, das Geheimnis Gottes, des letzten Zieles der Menschen, offenkundig zu machen, erschliebt sie dem Menschen gleichzeitig das Verständnis seiner eigenen Existenz, das heibt die letzte Wahrheit über den Menschen und seine Bestimmung«.126 Da der Mensch nun einmal mit dieser unvergleichlichen Würde ausgestattet ist, kann er nicht unter menschenunwürdigen sozialen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Lebensbedingungen leben. Das ist die theologische Grundlage des Kampfes für die Verteidigung der Personwürde, für Gerechtigkeit und sozialen Frieden, für die Förderung, Befreiung und vollständige Entfaltung des Menschen und jedes Menschen. Das auch deshalb, weil mit Rücksicht auf diese Würde die Entwicklung der Völker innerhalb jeder Nation und in den internationalen Beziehungen auf solidarische Weise erfolgen mub, wie mein Vorgänger Paul VI. äuberst treffend bemerkte.127 Genau aus dieser Sicht konnte er feststellen: »Entwicklung ist der neue Name für Friede«.128 Man kann also mit Recht sagen, dab »die volle Entwicklung und Entfaltung die Achtung der Menschenwürde voraussetzt, die sich nur in Gerechtigkeit und Frieden verwirklichen kann«.129 Sich zum Sprecher derer machen, die keine Stimme haben 70. Gestärkt im Glauben und in der Hoffnung auf die Heilskraft Jesu haben die Synodenväter zum Abschlub ihrer Arbeiten die Verpflichtung zur Annahme der Herausforderung erneuert, nämlich in jedem noch so unterschiedlichen Lebensbereich der afrikanischen Völker Heilswerkzeuge zu sein. »Die Kirche so erklärten sie mub weiter ihre prophetische Rolle ausüben und sich zur Stimme derjenigen machen, die keine Stimme haben«,130 damit überall jeder Person die menschliche Würde zuerkannt werde und stets der Mensch im Mittelpunkt jedes Regierungsprogrammes stehe. Die Synode »interpelliert an das Gewissen der Staatsoberhäupter und der für das öffentliche Leben Verantwortlichen, in zunehmendem Mabe die Befreiung und Entwicklung ihrer Völker zu garantieren«.131 Nur um diesen Preis läbt sich der Friede unter den Völkern aufbauen. Die Evangelisierung mub jene Initiativen fördern, die dazu beitragen, den Menschen in seiner geistigen und materiellen Existenz zur Entfaltung zu bringen und zu adeln. Es geht um die Entwicklung und Entfaltung jedes Menschen und des ganzen Menschen, der nicht blob für sich alleinstehend, sondern auch und besonders im Rahmen einer solidarischen und harmonischen Entwicklung aller Mitglieder einer Nation und aller Völker der Erde zu verstehen ist.132 Schlieblich mub die Evangelisierung alles offenlegen und bekämpfen, was den Menschen entwürdigt und zerstört. »Die Durchführung des Verkündigungsauftrages im sozialen Bereich, der ein Aspekt der prophetischen Dimension der Kirche ist, umfabt auch die Offenlegung der Übel und Ungerechtigkeiten. Doch ist die Klarstellung angebracht, dab Verkündigung wichtiger ist als Anklage, und dab diese nicht von jener absehen darf, da sie nur von dort ihre wahre Berechtigung und die Kraft einer höchsten Motivation erhält«.133 Soziale Kommunikationsmittel 71. »Seit jeher ist Gott charakterisiert durch seinen Willen sich mitzuteilen. Er tut dies auf verschiedenste Weise. Allen beseelten oder unbeseelten Geschöpfen schenkt er das Leben. Besonders zum Menschen knüpft er bevorzugte Beziehungen. ?Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen durch die Propheten; in dieser Endzeit aber hat er zu uns gesprochen durch den Sohn' (Hebr 1, 1-2)«.134 Das Wort Gottes ist seiner Natur nach Wort, Dialog und Kommunikation. Er ist gekommen, um einerseits die Kommunikation und die Beziehungen zwischen Gott und den Menschen und andererseits die der Menschen untereinander wiederherzustellen. Die Massenmedien haben die Aufmerksamkeit der Synode unter zwei wichtigen und sich ergänzenden Aspekten auf sich gezogen: als aufkommendes neues Kulturphänomen und als eine Gesamtheit von Mitteln im Dienst an der Kommunikation. Sie stellen von Anfang an eine neue Kultur dar, die ihre eigene Sprache und vor allem eigene spezifische Werte und Unwerte hat. Daher müssen sie, wie alle Kulturen, evangelisiert werden.135 In unseren Tagen stellen die Massenmedien in der Tat nicht nur eine Welt, sondern eine Kultur und Zivilisation dar. Und auch in diese Welt wird die Kirche gesandt, um ihr die Frohe Botschaft vom Heil zu bringen. Die Boten des Evangeliums müssen also eintreten und sich von dieser neuen Zivilisation und Kultur durchdringen lassen, doch zu dem Zweck, sich ihrer auf passende Weise zu bedienen. »Der erste Areopag der neuen Zeit ist die Welt der Kommunikation, die die Menschheit immer mehr eint und, wie man zu sagen pflegt, zu einem ?Weltdorf' macht. Die Massenmedien spielen eine derartig wichtige Rolle, dab sie für viele zum Hauptinstrument der Information und Bildung, der Führung und Beratung für individuelles, familiäres und soziales Verhalten geworden sind«.136 Die Ausbildung zum Gebrauch der Massenmedien ist daher eine Notwendigkeit; das gilt nicht nur für den, der das Evangelium verkündet und der unter anderem über den Kommunikationsstil verfügen mub, sondern auch für den Leser, den Rundfunkhörer und das Fernsehpublikum, die auf Grund einer Schulung zum Verständnis der jeweiligen Kommunikationsart imstande sein sollen, deren Beiträge kritisch zu beurteilen. In Afrika, wo die mündliche Weitergabe eines der Wesensmerkmale der Kultur darstellt, kommt einer solchen Ausbildung eine grundlegende Bedeutung zu. Eben dieser Kommunikationstyp mub die Hirten, besonders die Bischöfe und die Priester, daran erinnern, dab die Kirche gesandt ist, zu sprechen, durch Wort und Zeichen das Evangelium zu verkünden. Sie kann also nicht schweigen auf die Gefahr hin, ihren Auftrag nicht zu erfüllen; es sei denn, dab unter bestimmten Umständen gerade das Schweigen eine Form des Sprechens und Zeugnisgebens wäre. Wir müssen also immer, bei jeder Gelegenheit das Wort verkünden, ob man es hören will oder nicht (vgl. 2 Tim 4, 2), um aufzubauen in Liebe und Wahrheit. KAPITEL IV IM AUSBLICK AUF DAS DRITTE CHRISTLICHE JAHRTAUSEND I. Die gegenwärtigen herausforderungen 72. Die Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode wurde einberufen, um der über den Kontinent verbreiteten Kirche Gottes die Möglichkeit zu geben, über ihren Evangelisierungsauftrag im Hinblick auf das dritte Jahrtausend nachzudenken und, wie ich gesagt habe, »eine organische pastorale Solidarität auf dem gesam- ten Territorium Afrikas und den dazugehörigen Inseln«137 vorzubereiten. Dieser Auftrag bringt, wie bereits hervorgehoben wurde, Dringlichkeiten und Herausforderungen mit sich, die durch die tiefgreifenden und raschen Veränderungen der afrikanischen Gesellschaften und durch die Auswirkungen des Versuchs, sich als Weltzivilisation durchsetzen zu wollen, hervorgerufen werden. Die Notwendigkeit der Taufe 73. An erster Stelle der Dringlichkeiten steht natürlich die Evangelisierung selber. Die Kirche mub sich einerseits die Botschaft, als deren Hüterin sie der Herr eingesetzt hat, immer besser aneignen und sie leben. Andererseits mub sie von dieser Botschaft Zeugnis geben und sie allen, die noch nichts von Jesus Christus wissen, verkünden. Denn ihretwegen hat der Herr zu den Aposteln gesagt: »Darum geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern« (Mt 28, 19). Wie zu Pfingsten hat die Verkündigung des kérygma als natürliches Ziel, den, der hört, zur metànoia und zur Taufe zu veranlassen: »Die Verkündigung des Wortes Gottes hat die christliche Bekehrung zum Ziel, das heibt die volle und ehrliche Zugehörigkeit zu Christus und seinem Evangelium durch den Glauben«.138 Die Bekehrung zu Christus ist allerdings »eng mit der Taufe verbunden: diese Verbindung besteht nicht nur wegen der Praxis der Kirche, sondern auf Grund des Willens Christi und seines Aussendungsauftrags, alle Völker zu seinen Jüngern zu machen und sie zu taufen (vgl. Mt 28, 19); sie besteht auch aus einem inneren Zusammenhang heraus, um die Fülle des neuen Lebens in Ihm zu erhalten: ?Amen, Amen, ich sage dir unterweist Jesus Nikodemus : wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes eingehen' (Joh 3, 5). Die Taufe schafft uns in der Tat neu zum Leben als Kinder Gottes. Sie verbindet uns mit Jesus Christus und salbt uns im Heiligen Geist. Die Taufe ist nicht einfach die Besiegelung der Bekehrung, gleichsam ein äuberes Zeihen der Bestätigung; sie ist vielmehr das Sakrament, das diese Neugeburt im Geist bezeichnet und bewirkt, das reale und unlösbare Bande mit der Trinität knüpft und die Getauften zu Gliedern Christi und seiner Kirche macht«.139 Deshalb würde ein Bekehrungsweg, der nicht bis zur Taufe gelangte, auf halbem Weg stehen bleiben. Tatsächlich werden die Menschen guten Willens, die ohne ihre Schuld von der Verkündigung des Evangeliums nicht erreicht wurden, aber in Übereinstimmung mit ihrem Gewissen nach dem Gesetz Gottes leben, von Christus und in Christus gerettet werden. An jeden Menschen ergeht in der Tat immer der Ruf Gottes, der darauf wartet, erkannt und angenommen zu werden (vgl. 1 Tim 2,4). Um dieses Erkennen und diese Annahme zu erleichtern, sind die Jünger Christi aufgefordert, solange sich nicht zufrieden zu geben, bis allen die Frohbotschaft vom Heil überbracht ist. Dringlichkeit der Evangelisierung 74. Der Name Jesu Christi ist tatsächlich der einzige, durch den gesichert ist, dab wir gerettet werden können (vgl. Apg 4, 12), und da es in Afrika Millionen von Menschen gibt, die das Evangelium noch nicht erreicht hat, steht die Kirche vor der notwendigen und dringenden Aufgabe, die Frohe Botschaft allen zu verkünden und diejenigen, die auf sie hören, zur Taufe und zum christlichen Leben zu führen. »Die Dringlichkeit missionarischer Tätigkeit geht aus der von Christus gebrachten und von seinen Jüngern gelebten grundlegenden Erneuerung des Lebens hervor. Dieses neue Leben ist Gabe Gottes. Von seiten des Menschen ist erforderlich, sie anzunehmen und ihr zum Wachstum zu verhelfen, wenn er sich selbst entsprechend seiner ganzheitlichen Berufung nach dem Bild Christi verwirklichen will«.140 Dieses neue Leben in der radikalen Ursprünglichkeit des Evangeliums ist für jedes Volk der Erde hinsichtlich seiner Gewohnheiten und seiner Kultur auch mit Brüchen verbunden, denn das Evangelium ist niemals ein inneres Produkt eines bestimmten Landes, sondern es kommt immer »von auberhalb«, von oben. Für die Getauften wird die grobe Herausforderung immer in der Konsequenz bestehen, eine den Verpflichtungen der Taufe entsprechende christliche Existenz zu führen, was den Tod der Sünde und tägliche Auferstehung zu einem neuen Leben bedeutet (vgl. Röm 6, 4-5). Ohne diese konsequente Haltung werden die Jünger Christi kaum »Salz der Erde« und »Licht der Welt« (Mt 5, 13.14) sein können. Wenn sich die Kirche in Afrika mit Nachdruck und ohne Zögern auf diesen Weg einläbt, wird überall auf dem Kontinent zur Rettung der Völker, die ohne Furcht dem Erlöser die Türen öffnen, das Kreuz eingepflanzt werden können. Bedeutung der Ausbildung 75. In allen Bereichen des kirchlichen Lebens kommt der Ausbildung vorrangige Bedeutung zu. Denn niemand vermag die Glaubenswahrheiten zu verstehen, die er nie hat lernen können, oder Handlungen zu vollbringen, zu denen er nie angeleitet worden ist. Daher »mub die ganze Gemeinschaft für die Evangelisierung vorbereitet, motiviert und gestärkt werden, ein jeder entsprechend seiner spezifischen Rolle in der Kirche«.141 Das gilt auch für die Bischöfe, die Priester, die Mitglieder der Ordensinstitute und der Gesellschaften apostolischen Lebens, für die Angehörigen der Säkularinstitute und für alle Laien. Die missionarische Erziehung mub einen vorrangigen Platz einnehmen. Sie ist »Aufgabe der Ortskirche unter Mithilfe der Missionare und ihrer Institute, aber ebenso von Leuten der jungen Kirchen. Diese Arbeit darf nicht nebenbei, sondern mub ganz zentral das christliche Leben bestimmen«.142 Das Bildungsprogramm soll in besonderer Weise die Schulung der Laien dahingehend einschlieben, dab sie ihre Rolle einer christlichen Durchdringung der zeitlichen (politischen, kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen) Ordnung voll ausfüllen, worin ja das charakteristische Engagement der weltlichen Berufung der Laien besteht. Man wird in diesem Zusammenhang nicht versäumen dürfen, sachverständige und motivierte Laien zu ermutigen, sich im politischen Bereich zu engagieren,143 wo sie durch eine entsprechende Erfüllung öffentlicher Aufgaben »dem Gemeinwohl dienen und zugleich dem Evangelium einen Weg bahnen« können.144 Den Glauben vertiefen 76. Die Kirche in Afrika mub, um Trägerin der Evangelisierung zu sein, »damit beginnen, sich selbst zu evangelisieren [...]. Sie mub unablässig selbst vernehmen, was sie glauben mub, welches die Gründe ihrer Hoffnung sind und was das neue Gebot der Liebe ist. Als Volk Gottes, das mitten in dieser Welt lebt und oft durch deren Idole versucht wird, mub die Kirche immer wieder die Verkündigung der Grobtaten Gottes hören«.145 Im heutigen Afrika »ist die Glaubensbildung [...] nur allzu oft im ersten Anfangsstadium steckengeblieben, und die Sekten nützen diese Unwissenheit schonungslos aus«.146 Es bedarf daher dringend einer ernsthaften Glaubensvertiefung, weil die rasche Entwicklung der Gesellschaft immer neue Herausforderungen mit sich bringt. Die wichtigsten Phänomene in diesem Zusammenhang sind Entwurzelung der Familien, Verstädterung und Arbeitslosigkeit, verbunden mit materiellen Versuchungen aller Art, sowie eine gewisse Säkularisierung und eine intellektuelle Erschütterung, die eine Lawine unkritisch hingenommener, von den Medien verbreiteter Ideen auslöst.147 Die Kraft des Zeugnisses 77. Ziel der Glaubensbildung mub es sein, den Christen nicht nur ein technisches Geschick zur besseren Weitergabe der Glaubensinhalte zu vermitteln, sondern auch eine tiefe persönliche Überzeugung, um von diesen Inhalten wirksam im Leben Zeugnis zu geben. Alle, die zur Verkündigung des Evangeliums berufen sind, sollen sich daher bemühen, in vollständiger Fügsamkeit gegenüber dem Heiligen Geist zu handeln. Denn er ist es, der »heute wie in den Anfängen der Kirche in all jenen am Werk ist, die das Evangelium verkünden und sich von ihm ergreifen und führen lassen«.148 »Die Methoden der Evangelisierung sind sicher nützlich, doch können auch die vollkommensten unter ihnen das verborgene Wirken des Heiligen Geistes nicht ersetzen. Ohne ihn richtet auch die geschickteste Vorbereitung des Verkündigers nichts aus. Ohne ihn bleibt auch die überzeugendste Dialektik bei den Menschen wirkungslos. Ohne ihn erweisen sich auch die höchstentwickelten soziologischen und psychologischen Methoden als wert- und inhaltslos«.149 In Afrika kommt es heute wesentlich auf ein wahrhaftiges Zeugnis von seiten der Gläubigen an, um den Glauben authentisch zu verkünden. Besonders ist es unerläblich, dab sie Zeugnis geben von einer aufrichtigen wechselseitigen Liebe. »?Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast' (Joh 17, 3). Letzter Sinn der Sendung ist es, Anteil zu geben an der Gemeinschaft, die zwischen Vater und Sohn besteht. Die Jünger sollen die Einheit untereinander leben, sie sollen im Vater und im Sohn ?bleiben', damit die Welt erkennt und glaubt (vgl. Joh 17, 21-23). Dies ist ein bezeichnender missionarischer Text, der begreifen läbt: Missionar ist man zuallererst durch das, was man ist, als Kirche, die zutiefst die Einheit in der Liebe lebt, bevor man es ist durch das, was man sagt oder tut«.150 Den Glauben inkulturieren 78. Aus der tiefen Überzeugung, dab »die Synthese zwischen Kultur und Glauben nicht nur eine Forderung der Kultur, sondern auch des Glaubens ist«, weil »ein Glaube, der nicht zu Kultur wird, ein Glaube ist, der nicht voll angenommen, nicht unverkürzt gedacht, nicht getreu gelebt wird«,151 hat die Sonderversammlung für Afrika der Bischofssynode die Inkulturation zu einer Priorität und Dringlichkeit im Leben der Teilkirchen in Afrika erklärt: nur so kann das Evangelium in den christlichen Gemeinden des Kontinents feste Wurzeln fassen. Im Gefolge des II. Vatikanischen Konzils152 erklärten die Synodenväter die Inkulturation als einen Prozeb, der die ganze Weite des christlichen Lebens umfabt Theologie, Liturgie, Gewohnheiten und Strukturen , ohne natürlich das göttliche Recht und die grobe Ordung der Kirche anzurühren, die im Lauf der Jahrhunderte durch auberordentliche Leistungen der Tugend und des Heroismus bestätigt worden ist.153 Die Herausforderung der Inkulturation in Afrika besteht darin zu bewirken, dab die Jünger Christi die Botschaft des Evangeliums immer besser aufnehmen und dabei doch allen echten afrikanischen Werten treu bleiben. Den Glauben in sämtlichen Bereichen des christlichen und menschlichen Lebens zu inkulturieren stellt freilich eine schwierige Aufgabe dar, zu deren Lösung der Beistand des Geistes des Herrn notwendig ist, der die Kirche in die ganze Wahrheit einführt (vgl. Joh 16, 13). Eine versöhnte Gemeinschaft 79. Die Herausforderung des Dialogs ist im Grunde genommen die Herausforderung der Umwandlung der Beziehungen zwischen den Menschen, zwischen den Nationen und zwischen den Völkern im religiösen, politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben. Es ist die Herausforderung der Liebe Christi zu allen Menschen, einer Liebe, die der Jünger in seinem Leben wiedergeben soll: »Daran werden alle erkennen, dab ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt« (Joh 13, 35). «Die Evangelisierung setzt den Dialog Gottes mit der Menschheit fort, einen Dialog, der seinen Höhepunkt in der Person Jesu Christi erreicht«.154 Durch das Kreuz hat er in sich selbst die Feindschaft zerstört (vgl. Eph 2, 16), die die Menschen voneinander trennt und entfernt. Freilich ist trotz der heutigen Zivili |