JOHANNES PAUL II.
ANGELUS
8. Dezember 2000 Hochfest der ohne Erbsünde
empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria
1. Wir feiern heute das Hochfest der Unbefleckten Empfängnis der seligen
Jungfrau Maria. Dieses beim Christenvolk so beliebte Fest fügt sich gut in das
Klima des Advents ein und erleuchtet mit dem Glanz reinsten Lichtes unseren
geistlichen Weg auf das Weihnachtsfest zu.
Heute betrachten wir das demütige
Mädchen aus Nazaret, das aufgrund außerordentlichen und unsagbaren Vorrechtes
vom Makel der Ursünde und von jeder Schuld bewahrt blieb, um würdige Wohnung des
fleischgewordenen Wortes zu sein. In Maria, der neuen Eva, Mutter des neuen
Adam, wird der ursprüngliche wundersame Liebesplan des Vaters in noch
wundersamerer Weise wiederhergestellt. Daher ruft die Kirche voller Dankbarkeit:
»Durch dich, o heilige Jungfrau, ist uns das Leben neu geschenkt; du hast
empfangen durch den Heiligen Geist und der Welt den Heiland geboren«
(Stundenbuch, Gedächtnis der seligen Jungfrau Maria am Samstag, Benedictus-Antiphon).
2. Die heutige Liturgie legt uns den Evangeliumsbericht
von der Verkündigung wieder vor. In ihrer Antwort an den Engel bekräftigt die
Jungfrau: »Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast« (Lk
1,38). Maria bekundet ihre vollkommene Zustimmung des Geistes und Herzens zum
geheimnisvollen göttlichen Willen und macht sich bereit, zuerst im Glauben und
dann im jungfräulichen Schoß den Sohn Gottes zu empfangen.
Marias spontane
Bereitschaft gegenüber dem Willen Gottes stellt für uns Glaubende ein Vorbild
dar, uns in den großen Ereignissen wie auch in den gewöhnlichen Dingen ganz dem
Herrn anzuvertrauen.
Mit dem Zeugnis ihres Lebens ermutigt uns Maria, an die
Erfüllung der göttlichen Verheißungen zu glauben. Sie ermahnt uns zum Geist der
Demut, der richtigen inneren Haltung des Geschöpfes gegenüber dem Schöpfer; sie
weist uns an, sichere Hoffnung in Christus zu setzen, der den Heilsplan
vollkommen verwirklicht, auch wenn die Ereignisse düster erscheinen und schwer
anzunehmen sind. Als leuchtender Stern lenkt Maria unsere Schritte dem Herrn,
der kommt, entgegen.
3. Meine lieben Brüder und Schwestern! Erheben wir die
Augen zur Unbefleckten, ganz Heiligen und ganz Schönen. Maria, unsere
Fürsprecherin, Mutter des »Königs des Friedens«, die der Schlange den Kopf
zertritt, hilf uns Männern und Frauen des dritten Jahrtausends, den Versuchungen
des Bösen zu widerstehen; laß in unseren Herzen den Glauben, die Hoffnung und
die Liebe wiederaufleben, damit wir unserer Berufung treu und um den Preis jedes
Opfers unerschrockene Zeugen Christi Jesu, Heilige Pforte des ewigen Heils, zu
sein vermögen!
Nach dem Angelus
Herzlich
grüße ich die Pilger spanischer Sprache, insbesondere die Gruppe des Werkes »La Obra de la Iglesia«. Die Feier des in Spanien und Lateinamerika tief
verwurzelten Festes der Unbefleckten Empfängnis lädt ein, fortzufahren, den
Blick auf Maria gerichtet zu halten und sie nachzuahmen. Ihr, die wir heute
freudig als die »ohne Sünde Empfangene« betrachten, vertraue ich eure Vorhaben
und Hoffnungen wie auch eure Gemeinschaften und Familien an. – [auf
italienisch:]
Mit Zuneigung richte ich nun meine Gedanken an die Pilger
italienischer Sprache. Insbesondere grüße ich die Mitglieder der Päpstlichen
Akademie der Immaculata, heute vollzählig hier versammelt – Seminaristen,
Familien und »Ordo Virginum« – mit ihrem Präsidenten, dem geliebten Kardinal
Andrzej Maria Deskur. Ich danke euch für eure Anwesenheit und für die Mitarbeit,
die ihr zum Gelingen des heutigen Festes anbietet. Ich weiß, daß ihr gerade
heute eure Weihe an Maria erneuert, und schließe euch deshalb in mein besonderes
Gebetsgedenken ein.
Einen Gruß möchte ich nun an die Mitglieder der
Italienischen Katholischen Aktion richten, die heute in den Pfarrgemeinden den
»Beitrittstag« feiern. Ich wünsche der ganzen Vereinigung ein fruchtbares Wirken
in Bildung und Apostolat und drücke meine Anerkennung aus für den erneuerten
Vorsatz, die Kenntnis des II. Vatikanischen Konzils zu verbreiten.
Sodann grüße
ich die Freiwilligen des Werkes für die Religiöse Betreuung der Kranken (O.A.R.I.
– Opera per l’Assistenza Religiosa agli Infermi), die heute ihr Jubiläum feiern;
ferner die Jungen und Mädchen aus einigen Pfarreien und katholischen Schulen
Mailands, die gekommen sind, um das »Versprechen« abzulegen, Jesus als
Lebensideal zu folgen.
Mit euch, liebe Römer und liebe Pilger, verabrede ich
mich für heute nachmittag auf dem Spanischen Platz und wünsche euch zugleich
einen geruhsamen Feiertag im Licht der Madonna Immaculata.
Copyright 2000 © Libreria Editrice Vaticana
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