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APOSTOLISCHE REISE VON PAPST BENEDIKT XVI.
NACH ÖSTERREICH ANLÄSSLICH DER 850-JAHRFEIER
DES WALLFAHRTSORTES MARIAZELL
INTERVIEW MIT DEM HL. VATER
AUF DEM FLUG NACH WIEN
Freitag, 7. September 2007
Pater Federico Lombardi, der Pressesprecher des Heiligen
Stuhls, sagte einleitend: Wir danken dem Heiligen Vater, daß er gekommen ist, um
uns am Beginn dieser Reise nach Österreich zu begrüßen. Ich werde nun einige
Fragen stellen, die Sie mir in den letzten Tagen gegeben haben, damit ich sie
dem Heiligen Vater vorlege.
Frage: Diese Reise führt den Heiligen Vater in ein Land, das
er seit seiner Kindheit kennt. Welche Bedeutung schreibt er dieser Rückkehr nach
Österreich zu?
Papst Benedikt XVI.: Meine Reise soll vor allem eine Pilgerfahrt
sein; ich möchte mich dieser langen Reihe der Pilger durch die Jahrhunderte – es
sind 850 Jahre – anschließen und so als Pilger unter Pilgern mit ihnen beten.
Und dieses Zeichen der Einheit, das der Glaube bewirkt, scheint mir wichtig zu
sein: Einheit zwischen den Völkern, weil es eine Wallfahrt vieler Völker ist;
Einheit der Zeiten und daher ein Zeichen der einenden Kraft, der Kraft der
Versöhnung, die der Glaube hat. In diesem Sinn soll diese Reise ein Zeichen der
Universalität der Glaubensgemeinschaft der Kirche sein, ein Zeichen auch der
Demut und vor allem auch ein Zeichen des Vertrauens, das wir in Gott haben; ein
Zeichen für die Vorrangstellung Gottes, dafür, daß es Gott gibt, daß wir die
Hilfe Gottes brauchen. Und natürlich auch Ausdruck der Liebe zur Muttergottes.
Ich möchte also einfach diese grundlegenden Elemente des Glaubens in diesem
Augenblick der Geschichte bekräftigen.
Frage: Die österreichische Kirche hat in den neunziger Jahren
eine schwierige und unruhige Zeit erlebt, mit Spannungen auf pastoraler Ebene
und Auseinandersetzungen. Ist der Heilige Vater der Ansicht, daß diese
Schwierigkeiten überwunden sind? Möchte er mit diesem Besuch auch dazu beitragen,
die Wunden zu heilen und die Einheit in der Kirche zu fördern, auch unter denen,
die sich am Rand der Kirche fühlen?
Papst Benedikt XVI.: Vor allem möchte ich all jenen danken, die
in diesen letzten Jahren gelitten haben. Ich weiß, daß die Kirche in Österreich
schwierige Zeiten durchlebt hat: um so mehr bin ich all jenen – Laien,
Ordensleuten und Priestern – dankbar, die trotz dieser Schwierigkeiten, mit
denen die Kirche konfrontiert wurde, dem Zeugnis für Jesus treu geblieben sind,
die in der Kirche der Sünder dennoch das Antlitz Christi erkannt haben. Ich
würde nicht sagen, daß diese Probleme schon vollkommen überwunden sind: das
Leben in unserem Jahrhundert – aber das gilt in etwa für alle Jahrhunderte –
bleibt schwierig; auch der Glaube lebt immer in einem schwierigen Kontext. Aber
ich hoffe, ein wenig dabei helfen zu können, daß diese Wunden heilen, und ich
sehe, daß es eine neue Freude am Glauben gibt, daß es einen neuen Schwung in der
Kirche gibt. Ich möchte soweit es in meiner Macht steht diese Verfügbarkeit
bestärken, mit dem Herrn voranzugehen, darauf zu vertrauen, daß der Herr in
seiner Kirche gegenwärtig bleibt und daß wir so – gerade dadurch, daß wir den
Glauben in der Kirche leben – auch selbst das Ziel unseres Lebens erreichen und
zu einer besseren Welt beitragen können.
Frage: Österreich ist ein Land mit einer tiefen katholischen
Tradition und zeigt dennoch auch Zeichen der Säkularisierung. Mit welcher
ermutigenden Botschaft wird sich der Heilige Vater an die österreichische
Gesellschaft richten?
Papst Benedikt XVI.: Nun, ich möchte einfach die Menschen im
Glauben bestärken, darin, daß wir auch gerade heute Gott brauchen. Wir brauchen
eine Orientierung, die unserem Leben eine Richtung gibt. Man sieht, daß ein
Leben ohne Orientierungspunkte, ohne Gott nicht gelingt: es bleibt leer. Der
Relativismus relativiert alles und letztendlich sind Gut und Böse nicht mehr zu
unterscheiden. Deshalb möchte ich einfach diese Überzeugung bestärken, die immer
offensichtlicher wird, nämlich daß wir Gott, daß wir Christus brauchen und die
große Gemeinschaft der Kirche, die die Völker vereint und sie miteinander
versöhnt.
Frage: Wien ist der Sitz vieler internationaler
Organisationen, unter ihnen auch die Internationale Atomenergiebehörde, und es
ist der traditionelle Ort der Begegnung zwischen Ost und West. Beabsichtigt der
Heilige Vater auch eine Botschaft weiterzugeben zur internationalen Politik und
zum Frieden oder zu den Beziehungen mit der Orthodoxie und dem Islam, um
Uneinigkeit und Polemik zu überwinden?
Papst Benedikt XVI.: Meine Reise ist keine politische Reise, sie
ist eine Pilgerfahrt, wie ich schon gesagt habe. Es sind nur zwei Tage –
ursprünglich war nur die Wallfahrt nach Mariazell vorgesehen, jetzt haben wir
gerade ein wenig mehr Zeit, um verschiedenen Gliedern der österreichischen
Gesellschaft zu begegnen. Es sind in dieser kurzen Zeit keine unmittelbaren
Begegnungen mit anderen Konfessionen oder Religionen vorgesehen; nur ein kurzer
Halt vor dem Mahnmal für die Schoah, um – sagen wir – unserer Trauer Ausdruck zu
verleihen, unserer Reue und auch unserer Freundschaft mit den jüdischen Brüdern,
um in dieser großen Einheit voranzugehen, die Gott mit seinem Volk geschaffen
hat. Unmittelbar sind also derartige Botschaften nicht vorgesehen. Nur zu Beginn,
bei der Begegnung mit der Welt der Politik, möchte ich ein wenig über diese
Wirklichkeit, die Europa darstellt, sprechen, über die christlichen Wurzeln
Europas, über den Weg, den wir einschlagen sollen. Aber es ist
selbstverständlich, daß wir dies alles immer tun gestützt auf den Dialog, sei es
mit den anderen Christen, sei es auch mit den Muslimen und den anderen
Religionen. Der Dialog ist immer da: er ist eine Dimension unseres Handelns,
auch wenn er bei diesem Anlaß nicht so explizit sein wird auf Grund des
besonderen Charakters dieser Pilgerreise.
Pater Federico Lombardi: Heiligkeit, wir danken Ihnen sehr
für diese Worte, und wir alle sprechen Ihnen die besten Wünsche aus für das gute
Gelingen dieser Pilgerreise. Vielen Dank.
© Copyright 2007 - Libreria Editrice Vaticana
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