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PASTORALE KONSTITUTION GAUDIUM ET SPES
ÜBER DIE KIRCHE IN DER WELT VON HEUTE
VORWORT
1. Die engste Verbundenheit der Kirche mit der ganzen
Menschheitsfamilie
Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der
Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst
der Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht in ihren
Herzen seinen Widerhall fände.
Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet, die, in Christus
geeint, vom Heiligen Geist auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet
werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist.
Darum erfährt diese Gemeinschaft sich mit der Menschheit und ihrer Geschichte
wirklich engstens verbunden.
2. Wen das Konzil hier anspricht
Daher wendet sich das Zweite Vatikanische Konzil nach einer tieferen Klärung
des Geheimnisses der Kirche ohne Zaudern nicht mehr bloß an die Kinder der
Kirche und an alle, die Christi Namen anrufen, sondern an alle Menschen
schlechthin in der Absicht, allen darzulegen, wie es Gegenwart und Wirken der
Kirche in der Welt von heute versteht. Vor seinen Augen steht also die Welt der
Menschen, das heißt die ganze Menschheitsfamilie mit der Gesamtheit der
Wirklichkeiten, in denen sie lebt; die Welt, der Schauplatz der Geschichte der
Menschheit, von ihren Unternehmungen, Niederlagen und Siegen geprägt; die Welt,
die nach dem Glauben der Christen durch die Liebe des Schöpfers begründet ist
und erhalten wird; die unter die Knechtschaft der Sünde geraten, von Christus
aber, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, durch Brechung der Herrschaft des
Bösen befreit wurde; bestimmt, umgestaltet zu werden nach Gottes Heilsratschluß
und zur Vollendung zu kommen.
3. Der Auftrag zum Dienst am Menschen
Gewiß ist die Menschheit in unseren Tagen voller Bewunderung für die eigenen
Erfindungen und die eigene Macht; trotzdem wird sie oft ängstlich bedrückt durch
die Fragen nach der heutigen Entwicklung der Welt, nach Stellung und Aufgabe des
Menschen im Universum, nach dem Sinn seines individuellen und kollektiven
Schaffens, schließlich nach dem letzten Ziel der Dinge und Menschen. Als Zeuge
und Künder des Glaubens des gesamten in Christus geeinten Volkes Gottes kann
daher das Konzil dessen Verbundenheit, Achtung und Liebe gegenüber der ganzen
Menschheitsfamilie, der dieses ja selbst eingefügt ist, nicht beredter bekunden
als dadurch, daß es mit ihr in einen Dialog eintritt über all diese
verschiedenen Probleme; daß es das Licht des Evangeliums bringt und daß es dem
Menschengeschlecht jene Heilskräfte bietet, die die Kirche selbst, vom Heiligen
Geist geleitet, von ihrem Gründer empfängt. Es geht um die Rettung der
menschlichen Person, es geht um den rechten Aufbau der menschlichen Gesellschaft.
Der Mensch also, der eine und ganze Mensch, mit Leib und Seele, Herz und
Gewissen, Vernunft und Willen steht im Mittelpunkt unserer Ausführungen.
Die Heilige Synode bekennt darum die hohe Berufung des Menschen, sie erklärt,
daß etwas wie ein göttlicher Same in ihn eingesenkt ist, und bietet der
Menschheit die aufrichtige Mitarbeit der Kirche an zur Errichtung jener
brüderlichen Gemeinschaft aller, die dieser Berufung entspricht.
Dabei bestimmt die Kirche kein irdischer Machtwille, sondern nur dies eine:
unter Führung des Geistes, des Trösters, das Werk Christi selbst weiterzuführen,
der in die Welt kam, um der Wahrheit Zeugnis zu geben (1); zu retten, nicht zu
richten; zu dienen, nicht sich bedienen zu lassen (2).
EINFÜHRUNG
DIE SITUATION DES MENSCHEN IN DER HEUTIGEN WELT
4. Hoffnung und Angst
Zur Erfüllung dieses ihres Auftrags obliegt der Kirche allzeit die Pflicht,
nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten.
So kann sie dann in einer jeweils einer Generation angemessenen Weise auf die
bleibenden Fragen der Menschen nach dem Sinn des gegenwärtigen und des
zukünftigen Lebens und nach dem Verhältnis beider zueinander Antwort geben. Es
gilt also, die Welt, in der wir leben, ihre Erwartungen, Bestrebungen und ihren
oft dramatischen Charakter zu erfassen und zu verstehen. Einige Hauptzüge der
Welt von heute lassen sich folgendermaßen umschreiben. Heute steht die
Menschheit in einer neuen Epoche ihrer Geschichte, in der tiefgehende und rasche
Veränderungen Schritt um Schritt auf die ganze Welt übergreifen. Vom Menschen,
seiner Vernunft und schöpferischen Gestaltungskraft gehen sie aus; sie wirken
auf ihn wieder zurück, auf seine persönlichen und kollektiven Urteile und
Wünsche, auf seine Art und Weise, die Dinge und die Menschen zu sehen und mit
ihnen umzugehen. So kann man schon von einer wirklichen sozialen und kulturellen
Umgestaltung sprechen, die sich auch auf das religiöse Leben auswirkt.
Wie es bei jeder Wachstumskrise geschieht, bringt auch diese Umgestaltung
nicht geringe Schwierigkeiten mit sich.
So dehnt der Mensch seine Macht so weit aus und kann sie doch nicht immer so
steuern, daß sie ihm wirklich dient. Er unternimmt es, in immer tiefere
seelische Bereiche einzudringen, und scheint doch oft ratlos über sich selbst.
Schritt für Schritt entdeckt er die Gesetze des gesellschaftlichen Lebens und
weiß doch nicht, welche Ausrichtung er ihm geben soll. Noch niemals verfügte die
Menschheit über soviel Reichtum, Möglichkeiten und wirtschaftliche Macht, und
doch leidet noch ein ungeheurer Teil der Bewohner unserer Erde Hunger und Not,
gibt es noch unzählige Analphabeten.
Niemals hatten die Menschen einen so wachen Sinn für Freiheit wie heute, und
gleichzeitig entstehen neue Formen von gesellschaftlicher und psychischer
Knechtung.
Die Welt spürt lebhaft ihre Einheit und die wechselseitige Abhängigkeit aller
von allen in einer notwendigen Solidarität und wird doch zugleich heftig von
einander widerstreitenden Kräften auseinandergerissen. Denn harte politische,
soziale, wirtschaftliche, rassische und ideologische Spannungen dauern an;
selbst die Gefahr eines Krieges besteht weiter, der alles bis zum Letzten
zerstören würde.
Zwar nimmt der Meinungsaustausch zu; und doch erhalten die gleichen Worte, in
denen sich gewichtige Auffassungen ausdrücken, in den verschiedenen Ideologien
einen sehr unterschiedlichen Sinn.
Man strebt schließlich unverdrossen nach einer vollkommeneren Ordnung im
irdischen Bereich, aber das geistliche Wachstum hält damit nicht gleichen
Schritt.
Betroffen von einer so komplexen Situation, tun sich viele unserer
Zeitgenossen schwer, die ewigen Werte recht zu erkennen und mit dem Neuen, das
aufkommt, zu einer richtigen Synthese zu bringen; so sind sie, zwischen Hoffnung
und Angst hin und her getrieben, durch die Frage nach dem heutigen Lauf der
Dinge zutiefst beunruhigt.
Dieser verlangt eine Antwort vom Menschen. Ja er zwingt ihn dazu.
5. Der tiefgehende Wandel der Situation
Die heute zu beobachtende Unruhe und der Wandel der Lebensbedingungen hängen
mit einem umfassenden Wandel der Wirklichkeit zusammen, so daß im
Bildungsbereich die mathematischen, naturwissenschaftlichen und
anthropologischen Disziplinen, im praktischen Bereich die auf diesen Disziplinen
aufbauende Technik ein wachsendes Gewicht erlangen. Diese
positiv-wissenschaftliche Einstellung gibt der Kultur und dem Denken des
Menschen ein neues Gepräge gegenüber früheren Zeiten. Schon geht die Technik so
weit, daß sie das Antlitz der Erde selbst umformt, ja sie geht schon an die
Bewältigung des planetarischen Raumes. Auch über die Zeit weitet der Geist des
Menschen gewissermaßen seine Herrschaft aus; über die Vergangenheit mit Hilfe
der Geschichtswissenschaft; über die Zukunft durch methodisch entwickelte
Voraussicht und Planung. In ihrem Fortschritt geben Biologie, Psychologie und
Sozialwissenschaften dem Menschen nicht nur ein besseres Wissen um sich selbst;
sie helfen ihm auch, in methodisch gesteuerter Weise das gesellschaftliche Leben
unmittelbar zu beeinflussen.
Gleichzeitig befaßt sich die Menschheit in immer steigendem Maß mit der
Vorausberechnung und Steuerung ihres eigenen Bevölkerungswachstums. Der Gang der
Geschichte selbst erfährt eine so rasche Beschleunigung, daß der Einzelne ihm
schon kaum mehr zu folgen vermag. Das Schicksal der menschlichen Gemeinschaft
wird eines und ist schon nicht mehr aufgespalten in verschiedene geschichtliche
Abläufe. So vollzieht die Menschheit einen Übergang von einem mehr statischen
Verständnis der Ordnung der Gesamtwirklichkeit zu einem mehr dynamischen und
evolutiven Verständnis. Die Folge davon ist eine neue, denkbar große Komplexheit
der Probleme, die wiederum nach neuen Analysen und Synthesen ruft.
6. Wandlungen in der Gesellschaft
Damit aber erfahren die überlieferten örtlichen Gemeinschaften, wie
patriarchalische Familien, Clans, Stämme, Dörfer, die verschiedenen Gruppen und
sozialen Verflochtenheiten einen immer tiefer greifenden Wandel. Es breitet sich
allmählich der Typ der Industriegesellschaft aus; einige Nationen gelangen durch
ihn zu wirtschaftlichem Wohlstand; zugleich gestaltet er in Jahrhunderten
gewordene Denk- und Lebensformen der Gesellschaft völlig um. Entsprechend nimmt
die Verstädterung zu, teils infolge des Wachstums der Städte und ihrer
Einwohnerzahl, teils durch das Ausgreifen der städtischen Lebensart auf die
Landbevölkerung. Die neuen und immer mehr vervollkommneten sozialen
Kommunikationsmittel tragen dazu bei, daß man über das Zeitgeschehen informiert
wird und daß sich Ansichten und Einstellungen rasch und weit verbreiten mit all
den damit verbundenen Kettenreaktionen. Nicht zu unterschätzen ist die Bedeutung
der Tatsache, daß Menschen, aus verschiedenen Gründen zur Wanderung veranlaßt,
dadurch ihre Lebensart ändern. So nehmen unablässig die Verflechtungen der
Menschen untereinander zu und führt die "Sozialisation" zu immer neuen
Verflechtungen, ohne aber immer eine entsprechende Reifung der Person und
wirklich personale Beziehungen ("Personalisation") zu fördern. Diese Entwicklung
zeichnet sich klarer ab in den durch wirtschaftlichen und technischen
Fortschritt begünstigten Nationen; sie ergreift aber auch die Entwicklungsländer,
die auch für ihre Gegenden die Vorteile der Industrialisierung und städtischen
Kultur erringen möchten.
Gleichzeitig erfahren diese Völker, besonders jene mit alten Überlieferungen,
eine Bewegung hin zu einem entwickelteren und persönlicheren Vollzug der
Freiheit.
7. Psychologische, sittliche und religiöse Wandlungen
Die Wandlungen von Denkweisen und Strukturen stellen häufig überkommene Werte
in Frage, zumal bei der jüngeren Generation, die nicht selten ungeduldig, ja
angsthaft rebellisch wird und im Bewußtsein der eigenen Bedeutung im
gesellschaftlichen Leben rascher daran teilzuhaben beansprucht.
Von daher erfahren Eltern und Erzieher bei der Erfüllung ihrer Aufgabe immer
größere Schwierigkeiten.
Die von früheren Generationen überkommenen Institutionen, Gesetze, Denk- und
Auffassungsweisen scheinen aber den wirklichen Zuständen von heute nicht mehr in
jedem Fall gut zu entsprechen. So kommt es zu schweren Störungen im Verhalten
und sogar in den Verhaltensnormen. Die neuen Verhältnisse üben schließlich auch
auf das religiöse Leben ihren Einfluß aus. Einerseits läutert der geschärfte
kritische Sinn das religiöse Leben von einem magischen Weltverständnis und von
noch vorhandenen abergläubischen Elementen und fordert mehr und mehr eine
ausdrücklicher personal vollzogene Glaubensentscheidung, so daß nicht wenige zu
einer lebendigeren Gotteserfahrung kommen. Andererseits geben breite Volksmassen
das religiöse Leben praktisch auf. Anders als in früheren Zeiten sind die
Leugnung Gottes oder der Religion oder die völlige Gleichgültigkeit ihnen
gegenüber keine Ausnahme und keine Sache nur von Einzelnen mehr.
Heute wird eine solche Haltung gar nicht selten als Forderung des wissen
schaftlichen Fortschritts und eines sogenannten neuen Humanismus ausgegeben.
Das alles findet sich in vielen Ländern nicht nur in Theorien von Philosophen,
sondern bestimmt in größtem Ausmaß die Literatur, die Kunst, die Deutung der
Wissenschaft und Geschichte und sogar das bürgerliche Recht. Die Verwirrung
vieler ist die Folge.
8. Die Störungen des Gleichgewichts in der heutigen Welt
Ein so rascher Wandel der Zustände, der oft ordnungslos vor sich geht, und
dazu ein schärferes Bewußtsein für die Spannungen in der Welt erzeugen oder
vermehren Widersprüche und Störungen des Gleichgewichts. Schon in der
Einzelperson entsteht öfters eine Störung des Gleichgewichts zwischen dem auf
das Praktische gerichteten Bewußtsein von heute und einem theoretischen Denken,
dem es nicht gelingt, die Menge der ihm angebotenen Erkenntnisse selber zu
bewältigen und sie hinlänglich in Synthesen zu ordnen.
Eine ähnliche Störung des Gleichgewichts entsteht ferner zwischen dem
entschlossenen Willen zu wirkmächtigem Handeln und den Forderungen des
sittlichen Gewissens, aber oft auch zwischen den kollektiven Lebensbedingungen
und den Voraussetzungen für ein persönliches Denken oder sogar eines
besinnlichen Lebens.
Endlich entsteht eine Störung des Gleichgewichts zwischen der Spezialisierung
des menschlichen Tuns und einer umfassenden Weltanschauung. In der Familie
entstehen Spannungen unter dem Druck der demographischen, wirtschaftlichen und
sozialen Situation, aus den Konflikten zwischen den aufeinanderfolgenden
Generationen, aus den neuen gesellschaftlichen Beziehungen zwischen Mann und
Frau. Große Spannungen entstehen auch zwischen den Rassen, sogar zwischen den
verschiedenartigen Gruppen einer Gesellschaft, zwischen reicheren und
schwächeren oder notleidenden Völkern, schließlich zwischen den internationalen
Institutionen, die aus der Friedenssehnsucht der Völker entstanden sind, und der
rücksichtslosen Propaganda der eigenen Ideologie samt dem Kollektivegoismus in
den Nationen und anderen Gruppen.
Die Folge davon sind gegenseitiges Mißtrauen und Feindschaft, Konflikte und
Notlagen. Ihre Ursache und ihr Opfer zugleich ist der Mensch.
9. Das umfassendere Verlangen der Menschheit
Gleichzeitig wächst die Überzeugung, daß die Menschheit nicht nur ihre
Herrschaft über die Schöpfung immer weiter verstärken kann und muß, sondern daß
es auch ihre Aufgabe ist, eine politische, soziale und wirtschaftliche Ordnung
zu schaffen, die immer besser im Dienst des Menschen steht und die dem Einzelnen
wie den Gruppen dazu hilft, die ihnen eigene Würde zu behaupten und zu entfalten.
Daher erheben sehr viele heftig Anspruch auf jene Güter, die ihnen nach ihrer
tief empfundenen Überzeugung durch Ungerechtigkeit oder falsche Verteilung
vorenthalten werden.
Die aufsteigenden Völker, wie jene, die erst jüngst unabhängig geworden sind,
verlangen ihren Anteil an den heutigen Kulturgütern nicht nur auf politischem,
sondern auch auf wirtschaftlichem Gebiet und wollen frei ihre Rolle in der Welt
spielen, während andererseits zugleich ihr Abstand und häufig auch ihre
wirtschaftliche Abhängigkeit von den reicheren Völkern wächst, die sich
schneller weiterentwickeln.
Die vom Hunger heimgesuchten Völker fordern Rechenschaft von den reicheren
Völkern.
Die Frauen verlangen für sich die rechtliche und faktische Gleichstellung mit
den Männern, wo sie diese noch nicht erlangt haben. Die Arbeiter und Bauern
wollen nicht bloß das zum Lebensunterhalt Notwendige erwerben können, sondern
durch ihre Arbeit auch ihre Persönlichkeitswerte entfalten und überdies an der
Gestaltung des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, politischen und kulturellen
Lebens ihren Anteil haben. Zum erstenmal in der Geschichte der Menschheit haben
alle Völker die Überzeugung, daß die Vorteile der Zivilisation auch wirklich
allen zugute kommen können und müssen.
Hinter allen diesen Ansprüchen steht ein tieferes und umfassenderes Verlangen:
die Einzelpersonen und die Gruppen begehren ein erfülltes und freies Leben, das
des Menschen würdig ist, indem sie sich selber alles, was die heutige Welt ihnen
so reich darzubieten vermag, dienstbar machen.
Die Völker streben darüber hinaus immer stärker nach einer gewissen alle
umfassenden Gemeinschaft.
Unter diesen Umständen zeigt sich die moderne Welt zugleich stark und schwach,
in der Lage, das Beste oder das Schlimmste zu tun; für sie ist der Weg offen zu
Freiheit oder Knechtschaft, Fortschritt oder Rückschritt, Brüderlichkeit oder
Haß. Zudem wird nun der Mensch sich dessen bewußt, daß es seine eigene Aufgabe
ist, jene Kräfte, die er selbst geweckt hat und die ihn zermalmen oder ihm
dienen können, richtig zu lenken.
Wonach er fragt, ist darum er selber.
10. Die tieferen Fragen der Menschheit
In Wahrheit hängen die Störungen des Gleichgewichts, an denen die moderne
Welt leidet, mit jener tiefer liegenden Störung des Gleichgewichts zusammen, die
im Herzen des Menschen ihren Ursprung hat. Denn im Menschen selbst sind viele
widersprüchliche Elemente gegeben. Einerseits erfährt er sich nämlich als
Geschöpf vielfältig begrenzt, andererseits empfindet er sich in seinem Verlangen
unbegrenzt und berufen zu einem Leben höherer Ordnung. Zwischen vielen
Möglichkeiten, die ihn anrufen, muß er dauernd unweigerlich eine Wahl treffen
und so auf dieses oder jenes verzichten. Als schwacher Mensch und Sünder tut er
oft das, was er nicht will, und was er tun wollte, tut er nicht (3).
So leidet er an einer inneren Zwiespältigkeit, und daraus entstehen viele und
schwere Zerwürfnisse auch in der Gesellschaft. Freilich werden viele durch eine
praktisch materialistische Lebensführung von einer klaren Erfassung dieses
dramatischen Zustandes abgelenkt oder vermögen unter dem Druck ihrer Verelendung
sich nicht mit ihm zu beschäftigen. Viele glauben, in einer der vielen
Weltdeutungen ihren Frieden zu finden.
Andere wieder erwarten vom bloßen menschlichen Bemühen die wahre und volle
Befreiung der Menschheit und sind davon überzeugt, daß die künftige Herrschaft
des Menschen über die Erde alle Wünsche ihres Herzens erfüllen wird. Andere
wieder preisen, am Sinn des Lebens verzweifelnd, den Mut derer, die in der
Überzeugung von der absoluten Bedeutungslosigkeit der menschlichen Existenz
versuchen, ihr nun die ganze Bedeutung ausschließlich aus autonomer Verfügung
des Subjekts zu geben.
Dennoch wächst angesichts der heutigen Weltentwicklung die Zahl derer, die
die Grundfragen stellen oder mit neuer Schärfe spüren: Was ist der Mensch?
Was ist der Sinn des Schmerzes, des Bösen, des Todes - alles Dinge, die trotz
solchen Fortschritts noch immer weiterbestehen?
Wozu diese Siege, wenn sie so teuer erkauft werden mußten?
Was kann der Mensch der Gesellschaft geben, was von ihr erwarten?
Was kommt nach diesem irdischen Leben?
Die Kirche aber glaubt: Christus, der für alle starb und auferstand4, schenkt
dem Menschen Licht und Kraft durch seinen Geist, damit er seiner höchsten
Berufung nachkommen kann; es ist kein anderer Name unter dem Himmel den Menschen
gegeben, in dem sie gerettet werden sollen (5).
Sie glaubt ferner, daß in ihrem Herrn und Meister der Schlüssel, der
Mittelpunkt und das Ziel der ganzen Menschheitsgeschichte gegeben ist. Die
Kirche bekennt überdies, daß allen Wandlungen vieles Unwandelbare zugrunde liegt,
was seinen letzten Grund in Christus hat, der derselbe ist gestern, heute und in
Ewigkeit (6).
Im Licht Christi also, des Bildes des unsichtbaren Gottes, des Erstgeborenen
vor aller Schöpfung (7), will das Konzil alle Menschen ansprechen, um das
Geheimnis des Menschen zu erhellen und mitzuwirken dabei, daß für die
dringlichsten Fragen unserer Zeit eine Lösung gefunden wird.
I. HAUPTTEIL
DIE KIRCHE UND DIE BERUFUNG DES MENSCHEN
11. Antworten auf die Antriebe des Geistes
Im Glauben daran, daß es vom Geist des Herrn geführt wird, der den Erdkreis
erfüllt, bemüht sich das Volk Gottes, in den Ereignissen, Bedürfnissen und
Wünschen, die es zusammen mit den übrigen Menschen unserer Zeit teilt, zu
unterscheiden, was darin wahre Zeichen der Gegenwart oder der Absicht Gottes
sind. Der Glaube erhellt nämlich alles mit einem neuen Licht, enthüllt den
göttlichen Ratschluß hinsichtlich der integralen Berufung des Menschen und
orientiert daher den Geist auf wirklich humane Lösungen hin.
Das Konzil beabsichtigt, vor allem jene Werte, die heute besonders in Geltung
sind, in diesem Licht zu beurteilen und auf ihren göttlichen Ursprung
zurückzuführen.
Insofern diese Werte nämlich aus der gottgegebenen Anlage des Menschen
hervorgehen, sind sie gut. Infolge der Verderbtheit des menschlichen Herzens
aber fehlt ihnen oft die notwendige letzte Ausrichtung, so daß sie einer
Läuterung bedürfen.
Was denkt die Kirche vom Menschen?
Welche Empfehlungen erscheinen zum Aufbau der heutigen Gesellschaft
angebracht?
Was ist die letzte Bedeutung der menschlichen Tätigkeit in der gesamten Welt?
Auf diese Fragen erwartet man Antwort. Von da wird klarer in Erscheinung
treten, daß das Volk Gottes und die Menschheit, der es eingefügt ist, in
gegenseitigem Dienst stehen, so daß die Sendung der Kirche sich als eine
religiöse und gerade dadurch höchst humane erweist.
KAPITEL I
DIE WÜRDE DER MENSCHLICHEN PERSON
12. Der Mensch nach dem Bild Gottes
Es ist fast einmütige Auffassung der Gläubigen und der Nichtgläubigen, daß
alles auf Erden auf den Menschen als seinen Mittel- und Höhepunkt hinzuordnen
ist.
Was ist aber der Mensch?
Viele verschiedene und auch gegensätzliche Auffassungen über sich selbst hat
er vorgetragen und trägt er vor, in denen er sich oft entweder selbst zum
höchsten Maßstab macht oder bis zur Hoffnungslosigkeit abwertet, und ist so
unschlüssig und voll Angst.
In eigener Erfahrung dieser Nöte kann die Kirche doch, von der Offenbarung
Gottes unterwiesen, für sie eine Antwort geben, um so die wahre Verfassung des
Menschen zu umreißen und seine Schwäche zu erklären, zugleich aber auch die
richtige Anerkennung seiner Würde und Berufung zu ermöglichen.
Die Heilige Schrift lehrt nämlich, daß der Mensch "nach dem Bild Gottes"
geschaffen ist, fähig, seinen Schöpfer zu erkennen und zu lieben, von ihm zum
Herrn über alle irdischen Geschöpfe gesetzt (1), um sie in Verherrlichung Gottes
zu beherrschen und zu nutzen (2).
"Was ist der Mensch, daß du seiner gedenkst? Oder des Menschen Kind, daß du
dich seiner annimmst?
Wenig geringer als Engel hast du ihn gemacht, mit Ehre und Herrlichkeit ihn
gekrönt und ihn über die Werke deiner Hände gesetzt. Alles hast du ihm unter die
Füße gelegt" (Ps 8,5-7).
Aber Gott hat den Menschen nicht allein geschaffen: denn von Anfang an hat er
ihn "als Mann und Frau geschaffen" (Gen 1,27); ihre Verbindung schafft
die erste Form personaler Gemeinschaft.
Der Mensch ist nämlich aus seiner innersten Natur ein gesellschaftliches
Wesen; ohne Beziehung zu den anderen kann er weder leben noch seine Anlagen zur
Entfaltung bringen.
Gott sah also, wie wir wiederum in der Heiligen Schrift lesen, "alles, was er
gemacht hatte, und es war sehr gut" (Gen 1,31).
13. Die Sünde
Obwohl in Gerechtigkeit von Gott begründet, hat der Mensch unter dem Einfluß
des Bösen gleich von Anfang der Geschichte an durch Auflehnung gegen Gott und
den Willen, sein Ziel außerhalb Gottes zu erreichen, seine Freiheit mißbraucht.
"Obwohl sie Gott erkannten, haben sie ihn nicht als Gott verherrlicht,
sondern ihr unverständiges Herz wurde verfinstert, und sie dienten den
Geschöpfen statt dem Schöpfer" (3).
Was uns aus der Offenbarung Gottes bekannt ist, steht mit der Erfahrung in
Einklang: der Mensch erfährt sich, wenn er in sein Herz schaut, auch zum Bösen
geneigt und verstrickt in vielfältige Übel, die nicht von seinem guten Schöpfer
herkommen können.
Oft weigert er sich, Gott als seinen Ursprung anzuerkennen; er durchbricht
dadurch auch die geschuldete Ausrichtung auf sein letztes Ziel, zugleich aber
auch seine ganze Ordnung hinsichtlich seiner selbst wie hinsichtlich der anderen
Menschen und der ganzen Schöpfung.
So ist der Mensch in sich selbst zwiespältig.
Deshalb stellt sich das ganze Leben der Menschen, das einzelne wie das
kollektive, als Kampf dar, und zwar als einen dramatischen, zwischen Gut und
Böse, zwischen Licht und Finsternis.
Ja, der Mensch findet sich unfähig, durch sich selbst die Angriffe des Bösen
wirksam zu bekämpfen, so daß ein jeder sich wie in Ketten gefesselt fühlt.
Der Herr selbst aber ist gekommen, um den Menschen zu befreien und zu stärken,
indem er ihn innerlich erneuerte und "den Fürsten dieser Welt" (Joh
12,31) hinauswarf, der ihn in der Knechtschaft der Sünde festhielt (4).
Die Sünde mindert aber den Menschen selbst, weil sie ihn hindert, seine
Erfüllung zu erlangen. Im Licht dieser Offenbarung finden zugleich die erhabene
Berufung wie das tiefe Elend, die die Menschheit erfährt, ihre letzte Erklärung.
14. Der Wesensstand des Menschen
In Leib und Seele einer, vereint der Mensch durch seine Leiblichkeit die
Elemente der stofflichen Welt in sich: Durch ihn erreichen diese die Höhe ihrer
Bestimmung und erheben ihre Stimme zum freien Lob des Schöpfers (5).
Das leibliche Leben darf also der Mensch nicht geringachten; er muß im
Gegenteil seinen Leib als von Gott geschaffen und zur Auferweckung am Jüngsten
Tage bestimmt für gut und der Ehre würdig halten.
Durch die Sünde aber verwundet, erfährt er die Widerstände seiner
Leiblichkeit.
Daher verlangt die Würde des Menschen, daß er Gott in seinem Leibe
verherrliche6 und ihn nicht den bösen Neigungen seines Herzens dienen lasse.
Der Mensch irrt aber nicht, wenn er seinen Vorrang vor den körperlichen
Dingen bejaht und sich selbst nicht nur als Teil der Natur oder als anonymes
Element in der menschlichen Gesellschaft betrachtet, denn in seiner
Innerlichkeit übersteigt er die Gesamtheit der Dinge.
In diese Tiefe geht er zurück, wenn er in sein Herz einkehrt, wo Gott ihn
erwartet, der die Herzen durchforscht (7), und wo er selbst unter den Augen
Gottes über sein eigenes Geschick entscheidet. Wenn er daher die Geistigkeit und
Unsterblichkeit seiner Seele bejaht, wird er nicht zum Opfer einer trügerischen
Einbildung, die sich von bloß physischen und gesellschaftlichen Voraussetzungen
herleitet, sondern erreicht er im Gegenteil die tiefe Wahrheit der Wirklichkeit.
15. Die Würde der Vernunft, die Wahrheit und die Weisheit
In Teilnahme am Licht des göttlichen Geistes urteilt der Mensch richtig, daß
er durch seine Vernunft die Dingwelt überragt.
In unermüdlicher Anwendung seiner Geistesanlagen hat er im Lauf der Zeit die
empirischen Wissenschaften, die Technik und seine geistige und künstlerische
Bildung sehr entwickelt. In unserer Zeit aber hat er mit ungewöhnlichem Erfolg
besonders die materielle Welt erforscht und sich dienstbar gemacht.
Immer jedoch suchte und fand er eine tiefere Wahrheit.
Die Vernunft ist nämlich nicht auf die bloßen Phänomene eingeengt, sondern
vermag geistig-tiefere Strukturen der Wirklichkeit mit wahrer Sicherheit zu
erreichen, wenn sie auch infolge der Sünde zum Teil verdunkelt und geschwächt
ist. Die zuerstrebende Vollendung der Vernunftnatur der menschlichen Person ist
die Weisheit, die den Geist des Menschen sanft zur Suche und Liebe des Wahren
und Guten hinzieht und den durch sie geleiteten Menschen vom Sichtbaren zum
Unsichtbaren führt.
Unsere Zeit braucht mehr als die vergangenen Jahrhunderte diese Weisheit,
damit humaner wird, was Neues vom Menschen entdeckt wird. Es gerät nämlich das
künftige Geschick der Welt in Gefahr, wenn nicht weisere Menschen entstehen.
Zudem ist zu bemerken, daß viele Nationen an wirtschaftlichen Gütern
verhältnismäßig arm, an Weisheit aber reicher sind und den übrigen hervorragende
Hilfe leisten können.
Dank der Gabe des Heiligen Geistes kommt der Mensch im Glauben zu Erkenntnis
und innerem Einverständnis des Geheimnisses des göttlichen Ratschlusses (8).
16. Die Würde des sittlichen Gewissens
Im Innern seines Gewissens entdeckt der Mensch ein Gesetz, das er sich nicht
selbst gibt, sondern dem er gehorchen muß und dessen Stimme ihn immer zur Liebe
und zum Tun des Guten und zur Unterlassung des Bösen anruft und, wo nötig, in
den Ohren des Herzens tönt: Tu dies, meide jenes.
Denn der Mensch hat ein Gesetz, das von Gott seinem Herzen eingeschrieben ist,
dem zu gehorchen eben seine Würde ist und gemäß dem er gerichtet werden wird
(9). Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo
er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist
(10).
Im Gewissen erkennt man in wunderbarer Weise jenes Gesetz, das in der Liebe
zu Gott und dem Nächsten seine Erfüllung hat (11). Durch die Treue zum Gewissen
sind die Christen mit den übrigen Menschen verbunden im Suchen nach der Wahrheit
und zur wahrheitsgemäßen Lösung all der vielen moralischen Probleme, die im
Leben der Einzelnen wie im gesellschaftlichen Zusammenleben entstehen. Je mehr
also das rechte Gewissen sich durchsetzt, desto mehr lassen die Personen und
Gruppen von der blinden Willkür ab und suchen sich nach den objektiven Normen
der Sittlichkeit zu richten. Nicht selten jedoch geschieht es, daß das Gewissen
aus unüberwindlicher Unkenntnis irrt, ohne daß es dadurch seine Würde verliert.
Das kann man aber nicht sagen, wenn der Mensch sich zuwenig darum müht, nach
dem Wahren und Guten zu suchen, und das Gewissen durch Gewöhnung an die Sünde
allmählich fast blind wird.
17. Die hohe Bedeutung der Freiheit
Aber nur frei kann der Mensch sich zum Guten hinwenden.
Und diese Freiheit schätzen unsere Zeitgenossen hoch und erstreben sie
leidenschaftlich. Mit Recht. Oft jedoch vertreten sie sie in verkehrter Weise,
als Berechtigung, alles zu tun, wenn es nur gefällt, auch das Böse.
Die wahre Freiheit aber ist ein erhabenes Kennzeichen des Bildes Gottes im
Menschen: Gott wollte nämlich den Menschen "in der Hand seines Entschlusses
lassen" (12), so daß er seinen Schöpfer aus eigenem Entscheid suche und frei zur
vollen und seligen Vollendung in Einheit mit Gott gelange.
Die Würde des Menschen verlangt daher, daß er in bewußter und freier Wahl
handle, das heißt personal, von innen her bewegt und geführt und nicht unter
blindem innerem Drang oder unter bloßem äußerem Zwang. Eine solche Würde erwirbt
der Mensch, wenn er sich aus aller Knechtschaft der Leidenschaften befreit und
sein Ziel in freier Wahl des Guten verfolgt sowie sich die geeigneten
Hilfsmittel wirksam und in angestrengtem Bemühen verschafft. Die Freiheit des
Menschen, die durch die Sünde verwundet ist, kann nur mit Hilfe der Gnade Gottes
die Hinordnung auf Gott zur vollen Wirksamkeit bringen.
Jeder aber muß vor dem Richterstuhl Gottes Rechenschaft geben von seinem
eigenen Leben, so wie er selber Gutes oder Böses getan hat (13).
18. Das Geheimnis des Todes
Angesichts des Todes wird das Rätsel des menschlichen Daseins am größten.
Der Mensch erfahrt nicht nur den Schmerz und den fortschreitenden Abbau des
Leibes, sondern auch, ja noch mehr die Furcht vor immerwährendem Verlöschen.
Er urteilt aber im Instinkt seines Herzens richtig, wenn er die völlige
Zerstörung und den endgültigen Untergang seiner Person mit Entsetzen ablehnt.
Der Keim der Ewigkeit im Menschen läßt sich nicht auf die bloße Materie
zurückführen und wehrt sich gegen den Tod. Alle Maßnahmen der Technik, so
nützlich sie sind, können aber die Angst des Menschen nicht beschwichtigen. Die
Verlängerung der biologischen Lebensdauer kann jenem Verlangen nach einem
weiteren Leben nicht genügen, das unüberwindlich in seinem Herzen lebt. Während
vor dem Tod alle Träume nichtig werden, bekennt die Kirche, belehrt von der
Offenbarung Gottes, daß der Mensch von Gott zu einem seligen Ziel jenseits des
irdischen Elends geschaffen ist. Außerdem lehrt der christliche Glaube, daß der
leibliche Tod, dem der Mensch, hätte er nicht gesündigt, entzogen gewesen wäre
(14), besiegt wird, wenn dem Menschen sein Heil, das durch seine Schuld
verlorenging, vom allmächtigen und barmherzigen Erlöser wiedergeschenkt wird.
Gott rief und ruft nämlich den Menschen, daß er ihm in der ewigen Gemeinschaft
unzerstörbaren göttlichen Lebens mit seinem ganzen Wesen anhange. Diesen Sieg
hat Christus, da er den Menschen durch seinen Tod vom Tod befreite, in seiner
Auferstehung zum Leben errungen (15).
Jedem also, der ernsthaft nachdenkt, bietet daher der Glaube, mit
stichhaltiger Begründung vorgelegt, eine Antwort auf seine Angst vor der Zukunft
an; und zugleich zeigt er die Möglichkeit, mit den geliebten Brüdern, die schon
gestorben sind, in Christus Gemeinschaft zu haben in der Hoffnung, daß sie das
wahre Leben bei Gott erlangt haben.
19. Formen und Wurzeln des Atheismus
Ein besonderer Wesenszug der Würde des Menschen liegt in seiner Berufung zur
Gemeinschaft mit Gott.
Zum Dialog mit Gott ist der Mensch schon von seinem Ursprung her aufgerufen:
er existiert nämlich nur, weil er, von Gott aus Liebe geschaffen, immer aus
Liebe erhalten wird; und er lebt nicht voll gemäß der Wahrheit, wenn er diese
Liebe nicht frei anerkennt und sich seinem Schöpfer anheimgibt. Viele unserer
Zeitgenossen erfassen aber diese innigste und lebensvolle Verbindung mit Gott
gar nicht oder verwerfen sie ausdrücklich. So muß man den Atheismus zu den
ernstesten Gegebenheiten dieser Zeit rechnen und aufs sorgfältigste prüfen. Mit
dem Wort Atheismus werden voneinander sehr verschiedene Phänomene bezeichnet.
Manche leugnen Gott ausdrücklich; andere meinen, der Mensch könne überhaupt
nichts über ihn aussagen; wieder andere stellen die Frage nach Gott unter
solchen methodischen Voraussetzungen, daß sie von vornherein sinnlos zu sein
scheint. Viele überschreiten den Zuständigkeitsbereich der
Erfahrungswissenschaften und erklären, alles sei nur Gegenstand solcher
naturwissenschaftlicher Forschung, oder sie verwerfen umgekehrt jede Möglichkeit
einer absoluten Wahrheit. Manche sind, wie es scheint, mehr interessiert an der
Bejahung des Menschen als an der Leugnung Gottes, rühmen aber den Menschen so,
daß ihr Glaube an Gott keine Lebensmacht mehr bleibt.
Andere machen sich ein solches Bild von Gott, daß jenes Gebilde, das sie
ablehnen, keineswegs der Gott des Evangeliums ist. Andere nehmen die Fragen nach
Gott nicht einmal in Angriff, da sie keine Erfahrung der religiösen Unruhe zu
machen scheinen und keinen Anlaß sehen, warum sie sich um Religion kümmern
sollten. Der Atheismus entsteht außerdem nicht selten aus dem heftigen Protest
gegen das Übel in der Welt oder aus der unberechtigten Übertragung des Begriffs
des Absoluten auf gewisse menschliche Werte, so daß diese an Stelle Gottes
treten. Auch die heutige Zivilisation kann oft, zwar nicht von ihrem Wesen her,
aber durch ihre einseitige Zuwendung zu den irdischen Wirklichkeiten, den Zugang
zu Gott erschweren.
Gewiß sind die, die in Ungehorsam gegen den Spruch ihres Gewissens
absichtlich Gott von ihrem Herzen fernzuhalten und religiöse Fragen zu vermeiden
suchen, nicht ohne Schuld; aber auch die Gläubigen selbst tragen daran eine
gewisse Verantwortung.
Denn der Atheismus, allseitig betrachtet, ist nicht eine ursprüngliche und
eigenständige Erscheinung; er entsteht vielmehr aus verschiedenen Ursachen, zu
denen auch die kritische Reaktion gegen die Religionen, und zwar in einigen
Ländern vor allem gegen die christliche Religion, zählt.
Deshalb können an dieser Entstehung des Atheismus die Gläubigen einen
erheblichen Anteil haben, insofern man sagen muß, daß sie durch Vernachlässigung
der Glaubenserziehung, durch mißverständliche Darstellung der Lehre oder auch
durch die Mängel ihres religiösen, sittlichen und gesellschaftlichen Lebens das
wahre Antlitz Gottes und der Religion eher verhüllen als offenbaren.
20. Der systematische Atheismus
Der moderne Atheismus stellt sich oft auch in systematischer Form dar, die,
außer anderen Ursachen, das Streben nach menschlicher Autonomie so weit treibt,
daß er Widerstände gegen jedwede Abhängigkeit von Gott schafft. Die Bekenner
dieses Atheismus behaupten, die Freiheit bestehe darin, daß der Mensch sich
selbst Ziel und einziger Gestalter und Schöpfer seiner eigenen Geschichte sei.
Das aber, so behaupten sie, sei unvereinbar mit der Anerkennung des Herrn, des
Urhebers und Ziels aller Wirklichkeit, oder mache wenigstens eine solche
Bejahung völlig überflüssig.
Diese Lehre kann begünstigt werden durch das Erlebnis der Macht, das der
heutige technische Fortschritt dem Menschen gibt. Unter den Formen des heutigen
Atheismus darf jene nicht übergangen werden, die die Befreiung des Menschen vor
allem von seiner wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Befreiung erwartet. Er
behauptet, daß dieser Befreiung die Religion ihrer Natur nach im Wege stehe,
insofern sie die Hoffnung des Menschen auf ein künftiges und trügerisches Leben
richte und ihn dadurch vom Aufbau der irdischen Gesellschaft abschrecke.
Daher bekämpfen die Anhänger dieser Lehre, wo sie zur staatlichen Macht
kommen, die Religion heftig und breiten den Atheismus aus, auch unter Verwendung,
vor allem in der Erziehung der Jugend, jener Mittel der Pression, die der
öffentlichen Gewalt zur Verfügung stehen.
21. Die Haltung der Kirche zum Atheismus
Die Kirche kann, in Treue zu Gott wie zu den Menschen, nicht anders, als voll
Schmerz jene verderblichen Lehren und Maßnahmen, die der Vernunft und der
allgemein menschlichen Erfahrung widersprechen und den Menschen seiner
angeborenen Größe entfremden, mit aller Festigkeit zu verurteilen, wie sie sie
auch bisher verurteilt hat (16). Jedoch sucht die Kirche die tiefer in der
atheistischen Mentalität liegenden Gründe für die Leugnung Gottes zu erfassen
und ist im Bewußtsein vom Gewicht der Fragen, die der Atheismus aufgibt, wie
auch um der Liebe zu allen Menschen willen der Meinung, daß diese Gründe ernst
und gründlicher geprüft werden müssen. Die Kirche hält daran fest, daß die
Anerkennung Gottes der Würde des Menschen keineswegs widerstreitet, da diese
Würde eben in Gott selbst gründet und vollendet wird. Denn der Mensch ist vom
Schöpfergott mit Vernunft und Freiheit als Wesen der Gemeinschaft geschaffen;
vor allem aber ist er als dessen Kind zur eigentlichen Gemeinschaft mit Gott und
zur Teilnahme an dessen eigener Seligkeit berufen. Außerdem lehrt die Kirche,
daß durch die eschatologische Hoffnung die Bedeutung der irdischen Aufgaben
nicht gemindert wird, daß vielmehr ihre Erfüllung durch neue Motive unterbaut
wird.
Wenn dagegen das göttliche Fundament und die Hoffnung auf das ewige Leben
schwinden, wird die Würde des Menschen aufs schwerste verletzt, wie sich heute
oft bestätigt, und die Rätsel von Leben und Tod, Schuld und Schmerz bleiben ohne
Lösung, so daß die Menschen nicht selten in Verzweiflung stürzen. Jeder Mensch
bleibt vorläufig sich selbst eine ungelöste Frage, die er dunkel spürt. Denn
niemand kann in gewissen Augenblicken, besonders in den bedeutenderen
Ereignissen des Lebens, diese Frage gänzlich verdrängen.
Auf diese Frage kann nur Gott die volle und ganz sichere Antwort geben; Gott,
der den Menschen zu tieferem Nachdenken und demütigerem Suchen aufruft. Das
Heilmittel gegen den Atheismus kann nur von einer situationsgerechten Darlegung
der Lehre und vom integren Leben der Kirche und ihrer Glieder erwartet werden.
Denn es ist Aufgabe der Kirche, Gott den Vater und seinen menschgewordenen Sohn
präsent und sozusagen sichtbar zu machen, indem sie sich selbst unter der
Führung des Heiligen Geistes unaufhörlich erneuert und läutert (17); das wird
vor allem erreicht durch das Zeugnis eines lebendigen und gereiften Glaubens,
der so weit herangebildet ist, daß er die Schwierigkeiten klar zu durchschauen
und sie zu überwinden vermag.
Ein leuchtendes Zeugnis dieses Glaubens gaben und geben die vielen Märtyrer.
Dieser Glaube muß seine Fruchtbarkeit bekunden, indem er das gesamte Leben
der Gläubigen, auch das profane, durchdringt und sie zu Gerechtigkeit und Liebe,
vor allem gegenüber den Armen, bewegt.
Dazu, daß Gott in seiner Gegenwärtigkeit offenbar werde, trägt schließlich
besonders die Bruderliebe der Gläubigen bei, wenn sie in einmütiger Gesinnung
zusammenarbeiten für den Glauben an das Evangelium18 und sich als Zeichen der
Einheit erweisen. Wenn die Kirche auch den Atheismus eindeutig verwirft, so
bekennt sie doch aufrichtig, daß alle Menschen, Glaubende und Nichtglaubende,
zum richtigen Aufbau dieser Welt, in der sie gemeinsam leben, zusammenarbeiten
müssen. Das kann gewiß nicht geschehen ohne einen aufrichtigen und klugen Dialog.
Deshalb beklagt sie die Diskriminierung zwischen Glaubenden und Nichtglaubenden,
die gewisse Staatslenker in Nichtachtung der Grundrechte der menschlichen Person
ungerechterweise durchführen. Für die Glaubenden verlangt die Kirche
Handlungsfreiheit, damit sie in dieser Welt auch den Tempel Gottes errichten
können. Die Atheisten aber lädt sie schlicht ein, das Evangelium Christi
unbefangen zu würdigen.
Denn sehr genau weiß die Kirche, daß ihre Botschaft dann dem tiefsten
Verlangen des menschlichen Herzens entspricht, wenn sie die Würde der
menschlichen Berufung verteidigt und denen, die schon an ihrer höheren
Bestimmung verzweifeln, die Hoffnung wiedergibt.
Ihre Botschaft mindert nicht nur den Menschen nicht, sondern verbreitet, um
ihn zu fördern, Licht, Leben und Freiheit; und außer ihr vermag nichts dem
Menschenherzen zu genügen: "Du hast uns auf dich hin gemacht", o Herr, "und
unruhig ist unser Herz, bis es Ruhe findet in dir" (19).
22. Christus, der neue Mensch
Tatsächlich klärt sich nur im Geheimnis des fleischgewordenen Wortes das
Geheimnis des Menschen wahrhaft auf.
Denn Adam, der erste Mensch, war das Vorausbild des zukünftigen (20), nämlich
Christi des Herrn.
Christus, der neue Adam, macht eben in der Offenbarung des Geheimnisses des
Vaters und seiner Liebe dem Menschen den Menschen selbst voll kund und
erschließt ihm seine höchste Berufung.
Es ist also nicht verwunderlich, daß in ihm die eben genannten Wahrheiten
ihren Ursprung haben und ihren Gipfelpunkt erreichen. Der "das Bild des
unsichtbaren Gottes" (Kol 1,15) (21) ist, er ist zugleich der vollkommene
Mensch, der den Söhnen Adams die Gottebenbildlichkeit wiedergab, die von der
ersten Sünde her verunstaltet war.
Da in ihm die menschliche Natur angenommen wurde, ohne dabei verschlungen zu
werden (22), ist sie dadurch auch schon in uns zu einer erhabenen Würde erhöht
worden.
Denn er, der Sohn Gottes, hat sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit
jedem Menschen vereinigt.
Mit Menschenhänden hat er gearbeitet, mit menschlichem Geist gedacht, mit
einem menschlichen Willen hat er gehandelt (23), mit einem menschlichen Herzen
geliebt. Geboren aus Maria, der Jungfrau, ist er in Wahrheit einer aus uns
geworden, in allem uns gleich außer der Sünde (24). Als unschuldiges Opferlamm
hat er freiwillig sein Blut vergossen und uns Leben erworben. In ihm hat Gott
uns mit sich und untereinander versöhnt (25) und der Knechtschaft des Teufels
und der Sünde entrissen. So kann jeder von uns mit dem Apostel sagen: Der Sohn
Gottes "hat mich geliebt und sich selbst für mich dahingegeben" (Gal
2,20). Durch sein Leiden für uns hat er uns nicht nur das Beispiel gegeben, daß
wir seinen Spuren folgen (26), sondern er hat uns auch den Weg gebahnt, dem wir
folgen müssen, damit Leben und Tod geheiligt werden und neue Bedeutung erhalten.
Der christliche Mensch empfängt, gleichförmig geworden dem Bild des Sohnes,
der der Erstgeborene unter vielen Brüdern ist (27), "die Erstlingsgaben des
Geistes" (Röm 8,23), durch die er fähig wird, das neue Gesetz der Liebe
zu erfüllen (28).
Durch diesen Geist, der das "Unterpfand der Erbschaft" (Eph 1,14) ist,
wird der ganze Mensch innerlich erneuert bis zur "Erlösung des Leibes" (Röm
8,23): "Wenn der Geist dessen, der Jesus von den Toten erweckt hat, in euch
wohnt, wird er, der Jesus Christus von den Toten erweckt hat, auch eure
sterblichen Leiber lebendig machen wegen des in euch wohnenden Geistes" (Röm
8,11) (29).
Auch auf dem Christen liegen ganz gewiß die Notwendigkeit und auch Pflicht,
gegen das Böse durch viele Anfechtungen hindurch anzukämpfen und auch den Tod zu
ertragen; aber dem österlichen Geheimnis verbunden und dem Tod Christi
gleichgestaltet, geht er, durch Hoffnung gestärkt, der Auferstehung entgegen
(30).
Das gilt nicht nur für die Christgläubigen, sondern für alle Menschen guten
Willens, in deren Herzen die Gnade unsichtbar wirkt (31). Da nämlich Christus
für alle gestorben ist (32) und da es in Wahrheit nur eine letzte Berufung des
Menschen gibt, die göttliche, müssen wir festhalten, daß der Heilige Geist allen
die Möglichkeit anbietet, diesem österlichen Geheimnis in einer Gott bekannten
Weise verbunden zu sein.
Solcher Art und so groß ist das Geheimnis des Menschen, das durch die
christliche Offenbarung den Glaubenden aufleuchtet. Durch Christus und in
Christus also wird das Rätsel von Schmerz und Tod hell, das außerhalb seines
Evangeliums uns überwältigt. Christus ist auferstanden, hat durch seinen Tod den
Tod vernichtet und uns das Leben geschenkt (33), auf daß wir, Söhne im Sohn, im
Geist rufen: Abba, Vater! (34)
KAPITEL II
DIE MENSCHLICHE GEMEINSCHAFT
23. Die Absicht des Konzils
Zu den charakteristischen Aspekten der heutigen Welt gehört die Zunahme der
gegenseitigen Verflechtungen unter den Menschen, zu deren Entwicklung der
heutige technische Fortschritt ungemein viel beiträgt.
Doch das brüderliche Gespräch der Menschen findet seine Vollendung nicht in
diesen Fortschritten, sondern grundlegender in jener Gemeinschaft von Personen,
die eine gegenseitige Achtung der allseits erfaßten geistigen Würde verlangt.
Zur Förderung dieser Gemeinschaft der Personen bietet die christliche
Offenbarung eine große Hilfe; gleichzeitig führt sie uns zu einem tieferen
Verständnis der Gesetze des gesellschaftlichen Lebens, die der Schöpfer in die
geistliche und sittliche Natur des Menschen eingeschrieben hat.
Da nun neuere Dokumente des kirchlichen Lehramts die christliche Lehre über
die menschliche Gesellschaft ausführlich dargelegt haben (1), ruft das Konzil
nur einige Hauptwahrheiten wieder in Erinnerung und trägt deren Grundlagen im
Licht der Offenbarung vor.
Im Anschluß daran legt es Nachdruck auf einige Folgerungen, die in unseren
Tagen von erhöhter Bedeutung sind.
24. Der Gemeinschaftscharakter der menschlichen Berufung im Ratschluß
Gottes
Gott, der väterlich für alle sorgt, wollte, daß alle Menschen eine Familie
bilden und einander in brüderlicher Gesinnung begegnen. Alle sind ja geschaffen
nach dem Bild Gottes, der "aus einem alle Völker hervorgehen ließ, die das
Antlitz der Erde bewohnen" (Apg 17,26), und alle sind zu einem und
demselben Ziel, d.h. zu Gott selbst, berufen. Daher ist die Liebe zu Gott und
zum Nächsten das erste und größte Gebot. Von der Heiligen Schrift werden wir
belehrt, daß die Liebe zu Gott nicht von der Liebe zum Nächsten getrennt werden
kann: "... und wenn es ein anderes Gebot gibt, so ist es in diesem Wort
einbegriffen: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst ... Demnach ist
die Liebe die Fülle des Gesetzes" (Röm 13,9-10; 1 Joh 4,20).
Das ist offenkundig von höchster Bedeutung für die immer mehr voneinander
abhängig werdenden Menschen und für eine immer stärker eins werdende Welt. Ja,
wenn der Herr Jesus zum Vater betet, "daß alle eins seien ... wie auch wir eins
sind" (Joh 17,20-22), und damit Horizonte aufreißt, die der menschlichen
Vernunft unerreichbar sind, legt er eine gewisse Ähnlichkeit nahe zwischen der
Einheit der göttlichen Personen und der Einheit der Kinder Gottes in der
Wahrheit und der Liebe.
Dieser Vergleich macht offenbar, daß der Mensch, der auf Erden die einzige
von Gott um ihrer selbst willen gewollte Kreatur ist, sich selbst nur durch die
aufrichtige Hingabe seiner selbst vollkommen finden kann (2).
25. Die gegenseitige Abhängigkeit von menschlicher Person und
menschlicher Gesellschaft
Aus der gesellschaftlichen Natur des Menschen geht hervor, daß der
Fortschritt der menschlichen Person und das Wachsen der Gesellschaft als solcher
sich gegenseitig bedingen.
Wurzelgrund nämlich, Träger und Ziel aller gesellschaftlichen Institutionen
ist und muß auch sein die menschliche Person, die ja von ihrem Wesen selbst her
des gesellschaftlichen Lebens durchaus bedarf (3).
Da also das gesellschaftliche Leben für den Menschen nicht etwas äußerlich
Hinzukommendes ist, wächst der Mensch nach allen seinen Anlagen und kann seiner
Berufung entsprechen durch Begegnung mit anderen, durch gegenseitige
Dienstbarkeit und durch den Dialog mit den Brüdern. Unter den gesellschaftlichen
Bindungen, die für die Entwicklung des Menschen notwendig sind, hängen die einen,
wie die Familie und die politische Gemeinschaft, unmittelbarer mit seinem
innersten Wesen zusammen; andere hingegen gehen eher aus seiner freien
Entscheidung hervor.
In unserer gegenwärtigen Zeit mehren sich beständig aus verschiedenen
Ursachen die gegenseitigen Verflechtungen und Abhängigkeiten, und so entstehen
mannigfache Verbindungen und Institutionen öffentlichen oder privaten Rechts.
Obschon dieser Vorgang, den man als "Sozialisation" bezeichnet, gewiß nicht
ohne Gefahren ist, bringt er doch viele Vorteile für die Festigung und Förderung
der Eigenschaften der menschlichen Person und für den Schutz ihrer Rechte mit
sich (4). Wenn nun die menschliche Person zur Erfüllung ihrer Berufung, auch der
religiösen, dem gesellschaftlichen Leben viel verdankt, so kann dennoch nicht
geleugnet werden, daß die Menschen aus den gesellschaftlichen Verhältnissen
heraus, in denen sie leben und in die sie von Kindheit an eingefangen sind, oft
vom Tun des Guten abgelenkt und zum Bösen angetrieben werden.
Ganz sicher stammen die so häufig in der gesellschaftlichen Ordnung
vorkommenden Störungen zum Teil aus der Spannung in den wirtschaftlichen,
politischen und gesellschaftlichen Gebilden selbst.
Doch ihre tieferen Wurzeln sind Stolz und Egoismus der Menschen, die auch das
gesellschaftliche Milieu verderben. Wenn aber einmal die objektiven Verhältnisse
selbst von den Auswirkungen der Sünde betroffen sind, findet der mit Neigung zum
Bösen geborene Mensch wieder neue Antriebe zur Sünde, die nur durch angestrengte
Bemühung mit Hilfe der Gnade überwunden werden können.
26. Die Förderung des Gemeinwohls
Aus der immer engeren und allmählich die ganze Welt erfassenden gegenseitigen
Abhängigkeit ergibt sich als Folge, daß das Gemeinwohl, d.h. die Gesamtheit
jener Bedingungen des gesellschaftlichen Lebens, die sowohl den Gruppen als auch
deren einzelnen Gliedern ein volleres und leichteres Erreichen der eigenen
Vollendung ermöglichen, heute mehr und mehr einen weltweiten Umfang annimmt und
deshalb auch Rechte und Pflichten in sich begreift, die die ganze Menschheit
betreffen.
Jede Gruppe muß den Bedürfnissen und berechtigten Ansprüchen anderer Gruppen,
ja dem Gemeinwohl der ganzen Menschheitsfamilie Rechnung tragen (5).
Gleichzeitig wächst auch das Bewußtsein der erhabenen Würde, die der
menschlichen Person zukommt, da sie die ganze Dingwelt überragt und Träger
allgemeingültiger sowie unverletzlicher Rechte und Pflichten ist. Es muß also
alles dem Menschen zugänglich gemacht werden, was er für ein wirklich
menschliches Leben braucht, wie Nahrung, Kleidung und Wohnung, sodann das Recht
auf eine freie Wahl des Lebensstandes und auf Familiengründung, auf Erziehung,
Arbeit, guten Ruf, Ehre und auf geziemende Information; ferner das Recht zum
Handeln nach der rechten Norm seines Gewissens, das Recht auf Schutz seiner
privaten Sphäre und auf die rechte Freiheit auch in religiösen Dingen.
Die gesellschaftliche Ordnung und ihre Entwicklung müssen sich dauernd am
Wohl der Personen orientieren; denn die Ordnung der Dinge muß der Ordnung der
Personen dienstbar werden und nicht umgekehrt. So deutete der Herr selbst es an,
als er sagte, der Sabbat sei um des Menschen willen da, nicht der Mensch um des
Sabbats willen (6). Die gesellschaftliche Ordnung muß sich ständig
weiterentwickeln, muß in Wahrheit gegründet, in Gerechtigkeit aufgebaut und von
Liebe beseelt werden und muß in Freiheit ein immer humaneres Gleichgewicht
finden (7).
Um dies zu verwirklichen, sind Gesinnungswandel und weitreichende Änderungen
in der Gesellschaft selbst notwendig. Der Geist Gottes, dessen wunderbare
Vorsehung den Lauf der Zeiten leitet und das Antlitz der Erde erneuert, steht
dieser Entwicklung bei.
Der Sauerteig des Evangeliums hat im Herzen des Menschen den unbezwingbaren
Anspruch auf Würde erweckt und erweckt ihn auch weiter.
27. Die Achtung vor der menschlichen Person
Zu praktischen und dringlicheren Folgerungen übergehend, will das Konzil die
Achtung vor dem Menschen einschärfen: alle müssen ihren Nächsten ohne Ausnahme
als ein "anderes Ich" ansehen, vor allem auf sein Leben und die notwendigen
Voraussetzungen eines menschenwürdigen Lebens bedacht (8). Sonst gleichen sie
jenem Reichen, der sich um den armen Lazarus gar nicht kümmerte (9). Heute ganz
besonders sind wir dringend verpflichtet, uns zum Nächsten schlechthin eines
jeden Menschen zu machen und ihm, wo immer er uns begegnet, tatkräftig zu helfen,
ob es sich nun um alte, von allen verlassene Leute handelt oder um einen
Fremdarbeiter, der ungerechter Geringschätzung begegnet, um einen
Heimatvertriebenen oder um ein uneheliches Kind, das unverdienterweise für eine
von ihm nicht begangene Sünde leidet, oder um einen Hungernden, der unser
Gewissen aufrüttelt durch die Erinnerung an das Wort des Herrn: "Was ihr einem
der Geringsten von diesen meinen Brüdern getan habt, das habt ihr mir getan" (Mt
25,40). Was ferner zum Leben selbst in Gegensatz steht, wie jede Art Mord,
Völkermord, Abtreibung, Euthanasie und auch der freiwillige Selbstmord; was
immer die Unantastbarkeit der menschlichen Person verletzt, wie Verstümmelung,
körperliche oder seelische Folter und der Versuch, psychischen Zwang auszuüben;
was immer die menschliche Würde angreift, wie unmenschliche Lebensbedingungen,
willkürliche Verhaftung, Verschleppung, Sklaverei, Prostitution, Mädchenhandel
und Handel mit Jugendlichen, sodann auch unwürdige Arbeitsbedingungen, bei denen
der Arbeiter als bloßes Erwerbsmittel und nicht als freie und verantwortliche
Person behandelt wird: all diese und andere ähnliche Taten sind an sich schon
eine Schande; sie sind eine Zersetzung der menschlichen Kultur, entwürdigen weit
mehr jene, die das Unrecht tun, als jene, die es erleiden. Zugleich sind sie in
höchstem Maße ein Widerspruch gegen die Ehre des Schöpfers.
28. Die Achtung und die Liebe gegenüber dem Gegner
Achtung und Liebe sind auch denen zu gewähren, die in gesellschaftlichen,
politischen oder auch religiösen Fragen anders denken oder handeln als wir. Je
mehr wir in Menschlichkeit und Liebe inneres Verständnis für ihr Denken
aufbringen, desto leichter wird es für uns, mit ihnen ins Gespräch zu kommen.
Diese Liebe und Güte dürfen uns aber keineswegs gegenüber der Wahrheit und
dem Guten gleichgültig machen. Vielmehr drängt die Liebe selbst die Jünger
Christi, allen Menschen die Heilswahrheit zu verkünden. Man muß jedoch
unterscheiden zwischen dem Irrtum, der immer zu verwerfen ist, und dem Irrenden,
der seine Würde als Person stets behält, auch wenn ihn falsche oder weniger
richtige religiöse Auffassungen belasten (10).
Gott allein ist der Richter und Prüfer der Herzen; darum verbietet er uns,
über die innere Schuld von irgend jemandem zu urteilen (11). Christi Lehre
fordert auch, die Beleidigung zu verzeihen; sie dehnt das Gebot der Liebe als
das Gebot des Neuen Bundes auf alle Feinde aus: "Ihr habt gehört, daß gesagt
wurde: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage
euch: Liebet eure Feinde, tut Gutes denen, die euch hassen, und betet für eure
Verfolger und Verleumder" (Mt 5,43-44)12.
29. Die wesentliche Gleichheit aller Menschen und die soziale
Gerechtigkeit
Da alle Menschen eine geistige Seele haben und nach Gottes Bild geschaffen
sind, da sie dieselbe Natur und denselben Ursprung haben, da sie, als von
Christus Erlöste, sich derselben göttlichen Berufung und Bestimmung erfreuen,
darum muß die grundlegende Gleichheit aller Menschen immer mehr zur Anerkennung
gebracht werden.
Gewiß, was die verschiedenen physischen Fähigkeiten und die unterschiedlichen
geistigen und sittlichen Kräfte angeht, stehen nicht alle Menschen auf gleicher
Stufe. Doch jede Form einer Diskriminierung in den gesellschaftlichen und
kulturellen Grundrechten der Person, sei es wegen des Geschlechts oder der Rasse,
der Farbe, der gesellschaftlichen Stellung, der Sprache oder der Religion, muß
überwunden und beseitigt werden, da sie dem Plan Gottes widerspricht.
Es ist eine beklagenswerte Tatsache, daß jene Grundrechte der Person noch
immer nicht überall unverletzlich gelten; wenn man etwa der Frau das Recht der
freien Wahl des Gatten und des Lebensstandes oder die gleiche Stufe der
Bildungsmöglichkeit und Kultur, wie sie dem Mann zuerkannt wird, verweigert.
Obschon zwischen den Menschen berechtigte Unterschiede bestehen, fordert
ferner die Gleichheit der Personwürde doch, daß wir zu humaneren und der
Billigkeit entsprechenden Lebensbedingungen kommen.
Allzu große wirtschaftliche und gesellschaftliche Ungleichheiten zwischen den
Gliedern oder Völkern in der einen Menschheitsfamilie erregen Ärgernis; sie
widersprechen der sozialen Gerechtigkeit, der Billigkeit, der menschlichen
Personwürde und dem gesellschaftlichen und internationalen Frieden.
Die privaten und öffentlichen menschlichen Institutionen sollen sich darum
bemühen, der Würde und dem Ziel des Menschen zu dienen, indem sie gegen jedwede
gesellschaftliche oder politische Verknechtung entschieden ankämpfen und die
Wahrung der Grundrechte des Menschen unter jedem politischen Regime sichern.
Ja die Institutionen dieser Art müssen allmählich ein entsprechendes
Verhältnis finden auch zu den eigentlich geistigen Werten, die an Rang am
höchsten stehen, auch wenn manchmal zur Erreichung des erstrebten Zieles eine
ziemlich lange Zeit nötig sein wird.
30. Man muß über die individualistische Ethik hinausschreiten
Der tiefe und rasche Wandel der Verhältnisse stellt mit besonderer
Dringlichkeit die Forderung, daß niemand durch mangelnde Beachtung der
Entwicklung oder durch müde Trägheit einer rein individualistischen Ethik
verhaftet bleibe. Die Pflicht der Gerechtigkeit und der Liebe wird immer mehr
gerade dadurch erfüllt, daß jeder gemäß seinen eigenen Fähigkeiten und den
Bedürfnissen der Mitmenschen zum Gemeinwohl beiträgt und auch die öffentlichen
oder privaten Institutionen, die der Hebung der menschlichen Lebensverhältnisse
dienen, fördert und unterstützt. Es gibt aber auch solche, die zwar großzügige
und hochherzige Auffassungen im Munde führen, in Wirklichkeit jedoch immer so
leben, als ob sie sich nicht um die Bedürfnisse der Gesellschaft zu kümmern
brauchten, ja in verschiedenen Ländern beachten nicht wenige die sozialen
Gesetze und Vorschriften so gut wie gar nicht.
Viele scheuen sich nicht, durch Betrug und Schliche sich gerechten Steuern
oder anderen der Gesellschaft geschuldeten Leistungen zu entziehen. Andere haben
wenig Achtung vor gewissen Vorschriften des gesellschaftlichen Lebens, z.B. vor
solchen, die zum Schutz der Gesundheit oder zur Verkehrsregelung aufgestellt
wurden, und beachten nicht, daß sie durch diese Fahrlässigkeit ihr eigenes Leben
und das der anderen gefährden. Allen sei es ein heiliges Gesetz, die Forderungen
aus der gesellschaftlichen Verflochtenheit unter die Hauptpflichten des heutigen
Menschen zu rechnen und sie als solche zu beobachten.
Je mehr nämlich die Welt zusammenwächst, desto offenkundiger greifen die
Aufgaben der Menschen über die Sondergruppen hinaus und erhalten allmählich eine
Bedeutung für die Welt als ganze.
Das wird nur dann zur Auswirkung kommen, wenn die Einzelnen und ihre Gruppen
die sittlichen und gesellschaftlichen Tugenden bei sich selbst pflegen und in
der Gesellschaft zur Geltung bringen; dann werden sie mit der notwendigen Hilfe
der göttlichen Gnade wahrhaft neue Menschen und Erbauer einer neuen Menschheit.
31. Die Verantwortung und die Beteiligung
Damit die einzelnen Menschen ihre Gewissenspflicht sowohl gegenüber sich
selbst als auch gegenüber den verschiedenen Gruppen, deren Glieder sie sind,
genauer erfüllen, muß man darauf bedacht sein, sie mit den heute der Menschheit
zur Verfügung stehenden reichen Hilfen zu einer umfassenderen Kultur des inneren
Menschen zu erziehen. Vor allem ist die Erziehung der Jugendlichen jedweder
gesellschaftlichen Herkunft so zu gestalten, daß Männer und Frauen werden, die
nicht bloß intellektuell ausgezeichnet gebildet sind, sondern auch jenen
hochherzigen Charakter besitzen, Menschen, wie sie unsere Zeit dringend fordert.
Doch zu diesem Verantwortungsbewußtsein kommt der Mensch kaum, wenn die
Lebensbedingungen ihn nicht zu einer Erfahrung seiner Würde und zur Erfüllung
seiner Berufung durch die Hingabe seiner selbst für Gott und den Nächsten kommen
lassen.
Die menschliche Freiheit ist oft eingeschränkt, wenn der Mensch in äußerster
Armut lebt, wie sie umgekehrt verkommt, wenn der Mensch es sich im Leben zu
bequem macht und sich in einer "einsamen Selbstherrlichkeit" verschanzt.
Umgekehrt gewinnt sie an Kraft, wenn der Mensch die unvermeidlichen
Notwendigkeiten des gesellschaftlichen Lebens auf sich nimmt, die vielfachen
Forderungen des menschlichen Zusammenlebens bejaht und sich dem Dienst an der
menschlichen Gemeinschaft verpflichtet weiß. Bei allen muß daher der Wille zur
Mitwirkung an gemeinsamen Werken geweckt werden. Anerkennung verdient das
Vorgehen jener Nationen, in denen ein möglichst großer Teil der Bürger in echter
Freiheit am Gemeinwesen beteiligt ist.
Zu berücksichtigen sind jedoch die konkrete Lage jedes einzelnen Volkes und
die notwendige Stärke der öffentlichen Gewalt. Damit aber alle Bürger zur
Beteiligung am Leben der verschiedenen Gruppen des Gesellschaftskörpers bereit
seien, müssen sie auch in diesen Gruppen Werte finden, die sie anziehen und zum
Dienst für andere willig machen. Mit Recht dürfen wir annehmen, daß das künftige
Schicksal der Menschheit in den Händen jener ruht, die den kommenden
Geschlechtern Triebkräfte des Lebens und der Hoffnung vermitteln können.
32. Das menschgewordene Wort und die menschliche Solidarität
So wie Gott die Menschen nicht zu einem Leben in Vereinzelung, sondern zum
Zusammenschluß in gesellschaftlicher Einheit erschuf, hat es ihm ebenso "gefallen,
die Menschen nicht einzeln, unabhängig von aller wechselseitigen Verbindung, zu
heiligen und zu retten, sondern sie zu einem Volke zu machen, das ihn in
Wahrheit anerkennen und ihm in Heiligkeit dienen soll" (13). Seit Beginn der
Heilsgeschichte erwählte er Menschen nicht nur als Einzelwesen, sondern als
Glieder einer bestimmten Gemeinschaft. Denn jene Erwählten, denen Gott seinen
Heilsratschluß offenbarte, nannte er "sein Volk" (Ex 3,7-12); mit ihm
schloß er dann den Sinaibund (14).
Dieser Gemeinschaftscharakter wird im Werk Jesu Christi vollendet und erfüllt.
Als fleischgewordenes Wort wollte er selbst in die menschliche
Lebensgemeinschaft eingehen.
Er hat an einer Hochzeit in Kana teilgenommen, er ist in das Haus des Zachäus
eingekehrt und hat mit Zöllnern und Sündern gegessen.
Mit Hinweisen auf die allergewöhnlichsten gesellschaftlichen Verhältnisse und
mit Redewendungen und Bildern aus dem Alltagsleben offenbarte er die Liebe des
Vaters und die hohe Berufung der Menschen.
Die menschlichen, besonders die familiären Verflechtungen, den Anfang der
Gesellschaftlichkeit überhaupt, hat er geheiligt; freiwillig war er den Gesetzen
seines Heimatlandes untertan; er hat das Leben eines Arbeiters, wie es Zeit und
Land eigen war, leben wollen. In seiner Verkündigung gab er den Kindern Gottes
das klare Gebot, einander wie Brüder zu begegnen, und in seinem Gebet bat er
darum, daß alle seine Jünger eins seien.
Er selbst hat sich als der Erlöser aller bis in den Tod hinein für alle
dahingegeben. "Eine größere Liebe hat niemand als der, der für seine Freunde
sein Leben hergibt" (Joh 15,13).
Den Aposteln befahl er, allen Völkern die Frohbotschaft zu verkünden, damit
die Menschheit zur Familie Gottes werde, in der die Liebe die Fülle des Gesetzes
sein soll. Erstgeborener unter vielen Brüdern, stiftete er nach seinem Tode und
seiner Auferstehung unter allen, die ihn im Glauben und in der Liebe annehmen,
durch das Geschenk seines Geistes eine neue brüderliche Gemeinschaft in seinem
Leib, der Kirche, in dem alle einander Glieder sind und sich entsprechend der
Verschiedenheit der empfangenen Gaben gegenseitig dienen sollen. Diese
Solidarität muß stetig wachsen bis zu jenem Tag, an dem sie vollendet sein wird
und die aus Gnade geretteten Menschen als eine von Gott und Christus, ihrem
Bruder, geliebte Familie Gott vollkommen verherrlichen werden.
KAPITEL III
DAS MENSCHLICHE SCHAFFEN IN DER WELT
33. Das Problem
Durch Arbeit und Geisteskraft hat der Mensch immer versucht, sein Leben
reicher zu entfalten. Heute jedoch hat er, vor allem mit den Mitteln der
Wissenschaft und der Technik, seine Herrschaft über beinahe die gesamte Natur
ausgebreitet und breitet sie beständig weiter aus. Vor allem dank den zwischen
den Völkern zunehmenden Beziehungen der mannigfaltigsten Art erfährt und
gestaltet sich die Menschheitsfamilie allmählich als eine die ganze Welt
umfassende Gemeinschaft. Die Folge von alldem ist, daß sich der Mensch heute
viele Güter, die er einst vor allem von höheren Mächten erwartete, durch seine
eigene Tat beschafft.
Angesichts dieses unermeßlichen Unternehmens, das schon die ganze Menschheit
erfaßt, stellen sich den Menschen viele Fragen: Was ist der Sinn und der Wert
dieser angestrengten Tätigkeit?
Wie sind all diese Güter zu nutzen? Was ist das Ziel dieses individuellen und
kollektiven Bemühens?
Die Kirche hütet das bei ihr hinterlegte Wort Gottes, aus dem die Grundsätze
der religiösen und sittlichen Ordnung gewonnen werden, wenn sie auch nicht immer
zu allen einzelnen Fragen eine fertige Antwort bereit hat; und so ist es ihr
Wunsch, das Licht der Offenbarung mit der Sachkenntnis aller Menschen in
Verbindung zu bringen, damit der Weg, den die Menschheit neuerdings nimmt,
erhellt werde.
34. Der Wert des menschlichen Schaffens
Eines steht für die Glaubenden fest: das persönliche und gemeinsame
menschliche Schaffen, dieses gewaltige Bemühen der Menschen im Lauf der
Jahrhunderte, ihre Lebensbedingungen stets zu verbessern, entspricht als solches
der Absicht Gottes.
Der nach Gottes Bild geschaffene Mensch hat ja den Auftrag erhalten, sich die
Erde mit allem, was zu ihr gehört, zu unterwerfen, die Welt in Gerechtigkeit und
Heiligkeit zu regieren (1) und durch die Anerkennung Gottes als des Schöpfers
aller Dinge sich selbst und die Gesamtheit der Wirklichkeit auf Gott hinzuordnen,
so daß alles dem Menschen unterworfen und Gottes Name wunderbar sei auf der
ganzen Erde (2).
Das gilt auch für das gewöhnliche alltägliche Tun; denn Männer und Frauen,
die, etwa beim Erwerb des Lebensunterhalts für sich und ihre Familie, ihre
Tätigkeit so ausüben, daß sie ein entsprechender Dienst für die Gemeinschaft ist,
dürfen überzeugt sein, daß sie durch ihre Arbeit das Werk des Schöpfers
weiterentwickeln, daß sie für die Wohlfahrt ihrer Brüder sorgen und durch ihre
persönliche Bemühung zur geschichtlichen Erfüllung des göttlichen Plans
beitragen (3). Den Christen liegt es deshalb fern, zu glauben, daß die von des
Menschen Geist und Kraft geschaffenen Werke einen Gegensatz zu Gottes Macht
bilden oder daß das mit Vernunft begabte Geschöpf sozusagen als Rivale dem
Schöpfer gegenübertrete. Im Gegenteil, sie sind überzeugt, daß die Siege der
Menschheit ein Zeichen der Größe Gottes und die Frucht seines unergründlichen
Ratschlusses sind. Je mehr aber die Macht der Menschen wächst, desto mehr weitet
sich ihre Verantwortung, sowohl die der Einzelnen wie die der Gemeinschaften.
Daraus wird klar, daß die christliche Botschaft die Menschen nicht vom Aufbau
der Welt ablenkt noch zur Vernachlässigung des Wohls ihrer Mitmenschen hintreibt,
sondern sie vielmehr strenger zur Bewältigung dieser Aufgaben verpflichtet (4).
35. Die Ordnung des menschlichen Schaffens
So wie das menschliche Schaffen aus dem Menschen hervorgeht, so ist es auch
auf den Menschen hingeordnet.
Durch sein Werk formt der Mensch nämlich nicht nur die Dinge und die
Gesellschaft um, sondern vervollkommnet er auch sich selbst. Er lernt vieles,
entwickelt seine Fähigkeiten, überschreitet sich und wächst über sich empor.
Ein Wachstum dieser Art ist, richtig verstanden, mehr wert als
zusammengeraffter äußerer Reichtum. Der Wert des Menschen liegt mehr in ihm
selbst als in seinem Besitz (5).
Ebenso ist alles, was die Menschen zur Erreichung einer größeren
Gerechtigkeit, einer umfassenderen Brüderlichkeit und einer humaneren Ordnung
der gesellschaftlichen Verflechtungen tun, wertvoller als der technische
Fortschritt. Dieser technische Fortschritt kann nämlich gewissermaßen die Basis
für den menschlichen Aufstieg bieten; den Aufstieg selbst wird er von sich
allein aus keineswegs verwirklichen.
Richtschnur für das menschliche Schaffen ist daher, daß es gemäß dem Plan und
Willen Gottes mit dem echten Wohl der Menschheit übereinstimme und dem Menschen
als Einzelwesen und als Glied der Gesellschaft gestatte, seiner ganzen Berufung
nachzukommen und sie zu erfüllen.
36. Die richtige Autonomie der irdischen Wirklichkeiten
Nun scheinen viele unserer Zeitgenossen zu befürchten, daß durch eine engere
Verbindung des menschlichen Schaffens mit der Religion die Autonomie des
Menschen, der Gesellschaften und der Wissenschaften bedroht werde.
Wenn wir unter Autonomie der irdischen Wirklichkeiten verstehen, daß die
geschaffenen Dinge und auch die Gesellschaften ihre eigenen Gesetze und Werte
haben, die der Mensch schrittweise erkennen, gebrauchen und gestalten muß, dann
ist es durchaus berechtigt, diese Autonomie zu fordern. Das ist nicht nur eine
Forderung der Menschen unserer Zeit, sondern entspricht auch dem Willen des
Schöpfers.
Durch ihr Geschaffensein selber nämlich haben alle Einzelwirklichkeiten ihren
festen Eigenstand, ihre eigene Wahrheit, ihre eigene Gutheit sowie ihre
Eigengesetzlichkeit und ihre eigenen Ordnungen, die der Mensch unter Anerkennung
der den einzelnen Wissenschaften und Techniken eigenen Methode achten muß.
Vorausgesetzt, daß die methodische Forschung in allen Wissensbereichen in
einer wirklich wissenschaftlichen Weise und gemäß den Normen der Sittlichkeit
vorgeht, wird sie niemals in einen echten Konflikt mit dem Glauben kommen, weil
die Wirklichkeiten des profanen Bereichs und die des Glaubens in demselben Gott
ihren Ursprung haben (6).
Ja wer bescheiden und ausdauernd die Geheimnisse der Wirklichkeit zu
erforschen versucht, wird, auch wenn er sich dessen nicht bewußt ist, von dem
Gott an der Hand geführt, der alle Wirklichkeit trägt und sie in sein Eigensein
einsetzt.
Deshalb sind gewisse Geisteshaltungen, die einst auch unter Christen wegen
eines unzulänglichen Verständnisses für die legitime Autonomie der Wissenschaft
vorkamen, zu bedauern. Durch die dadurch entfachten Streitigkeiten und
Auseinandersetzungen schufen sie in der Mentalität vieler die Überzeugung von
einem Widerspruch zwischen Glauben und Wissenschaft (7).
Wird aber mit den Worten "Autonomie der zeitlichen Dinge" gemeint, daß die
geschaffenen Dinge nicht von Gott abhängen und der Mensch sie ohne Bezug auf den
Schöpfer gebrauchen könne, so spürt jeder, der Gott anerkennt, wie falsch eine
solche Auffassung ist.
Denn das Geschöpf sinkt ohne den Schöpfer ins Nichts.
Zudem haben alle Glaubenden, gleich, welcher Religion sie zugehören, die
Stimme und Bekundung Gottes immer durch die Sprache der Geschöpfe vernommen.
Überdies wird das Geschöpf selbst durch das Vergessen Gottes unverständlich.
37. Das von der Sünde verderbte menschliche Schaffen
Die Heilige Schrift aber, der die Erfahrung aller Zeiten zustimmt, belehrt
die Menschheitsfamilie, daß der menschliche Fortschritt, der ein großes Gut für
den Menschen ist, freilich auch eine große Versuchung mit sich bringt:
Dadurch, daß die Wertordnung verzerrt und Böses mit Gutem vermengt wird,
beachten die einzelnen Menschen und Gruppen nur das, was ihnen, nicht aber was
den anderen zukommt. Daher ist die Welt nicht mehr der Raum der wahren
Brüderlichkeit, sondern die gesteigerte Macht der Menschheit bedroht bereits
diese selbst mit Vernichtung.
Die ganze Geschichte der Menschheit durchzieht ein harter Kampf gegen die
Mächte der Finsternis, ein Kampf, der schon am Anfang der Welt begann und nach
dem Wort des Herrn (8) bis zum letzten Tag andauern wird.
Der einzelne Mensch muß, in diesen Streit hineingezogen, beständig kämpfen um
seine Entscheidung für das Gute, und nur mit großer Anstrengung kann er in sich
mit Gottes Gnadenhilfe seine eigene innere Einheit erreichen. Deshalb kann die
Kirche Christi, obwohl sie im Vertrauen auf den Plan des Schöpfers anerkennt,
daß der menschliche Fortschritt zum wahren Glück der Menschen zu dienen vermag,
nicht davon absehen, das Wort des Apostels einzuschärfen: "Macht euch nicht
dieser Welt gleichförmig" (Röm 12,2), das heißt, dem Geist des leeren
Stolzes und der Bosheit, der das auf den Dienst Gottes und des Menschen
hingeordnete menschliche Schaffen in ein Werkzeug der Sünde verkehrt.
Vor der Frage, wie dieses Elend überwunden werden kann, bekennen die Christen,
daß alles Tun des Menschen, das durch Stolz und ungeordnete Selbstliebe täglich
gefährdet ist, durch Christi Kreuz und Auferstehung gereinigt und zur Vollendung
gebracht werden muß.
Als von Christus erlöst und im Heiligen Geist zu einem neuen Geschöpf gemacht,
kann und muß der Mensch die von Gott geschaffenen Dinge lieben.
Von Gott empfängt er sie, er betrachtet und schätzt sie als Gaben aus Gottes
Hand.
Er dankt seinem Wohltäter für die Gaben; in Armut und Freiheit des Geistes
gebraucht und genießt er das Geschaffene; so kommt er in den wahren Besitz der
Welt als einer, der nichts hat und doch alles besitzt9. "Alles gehört euch, ihr
aber gehört Christus und Christus Gott" (1 Kor 3,22-23).
38. Das im Ostergeheimnis zur Vollendung geführte menschliche Schaffen
Das Wort Gottes, durch das alles geworden ist, ist selbst Fleisch geworden
und ist, auf der Erde der Menschen wohnend (10), als wirklicher Mensch in die
Geschichte der Welt eingetreten, hat sie sich zu eigen gemacht und in sich
zusammengefaßt (11). Er offenbart uns, "daß Gott die Liebe ist" (1 Joh
4,8), und belehrt uns zugleich, daß das Grundgesetz der menschlichen
Vervollkommnung und deshalb auch der Umwandlung der Welt das neue Gebot der
Liebe ist.
Denen also, die der göttlichen Liebe glauben, gibt er die Sicherheit, daß
allen Menschen der Weg der Liebe offensteht und daß der Versuch, eine
allumfassende Brüderlichkeit herzustellen, nicht vergeblich ist.
Zugleich mahnt er, dieser Liebe nicht nur in großen Dingen nachzustreben,
sondern auch und besonders in den gewöhnlichen Lebensverhältnissen.
Für uns Sünder alle nahm er den Tod auf sich (12) und belehrt uns so durch
sein Beispiel, daß auch das Kreuz getragen werden muß, das Fleisch und Welt
denen auf die Schultern legen, die Frieden und Gerechtigkeit suchen. Durch seine
Auferstehung zum Herrn bestellt, wirkt Christus, dem alle Gewalt im Himmel und
auf Erden gegeben ist (13), schon durch die Kraft seines Geistes in den Herzen
der Menschen dadurch, daß er nicht nur das Verlangen nach der zukünftigen Welt
in ihnen weckt, sondern eben dadurch auch jene selbstlosen Bestrebungen belebt,
reinigt und stärkt, durch die die Menschheitsfamilie sich bemüht, ihr eigenes
Leben humaner zu gestalten und die ganze Erde diesem Ziel dienstbar zu machen.
Verschieden sind jedoch die Gaben des Geistes: die einen beruft er dazu, daß
sie das Verlangen nach der Heimat bei Gott deutlich bezeugen und es in der
Menschheitsfamilie lebendig erhalten; andere beruft er, damit sie im irdischen
Bereich den Menschen hingebungsvoll dienen und so durch ihren Beruf die
Voraussetzungen für das Himmelreich schaffen. Alle aber befreit er, damit sie
durch Absage an ihren Egoismus und unter Dienstbarmachung aller Naturkräfte für
das menschliche Leben nach jener Zukunft streben, in der die Menschheit selbst
eine Gott angenehme Opfergabe wird (14).
Ein Angeld dieser Hoffnung und eine Wegzehrung hinterließ der Herr den Seinen
in jenem Sakrament des Glaubens, in dem unter der Pflege des Menschen gewachsene
Früchte der Natur in den Leib und das Blut des verherrlichten Herrn verwandelt
werden zum Abendmahl brüderlicher Gemeinschaft und als Vorfeier des himmlischen
Gastmahls.
39. Die neue Erde und der neue Himmel
Den Zeitpunkt der Vollendung der Erde und der Menschheit kennen wir nicht
(15), und auch die Weise wissen wir nicht, wie das Universum umgestaltet werden
soll. Es vergeht zwar die Gestalt dieser Welt, die durch die Sünde mißgestaltet
ist (16), aber wir werden belehrt, daß Gott eine neue Wohnstätte und eine neue
Erde bereitet, auf der die Gerechtigkeit wohnt (17), deren Seligkeit jede
Sehnsucht nach Frieden in den Herzen der Menschen erfüllt und übertrifft (18).
Der Tod wird besiegt sein, die Kinder Gottes werden in Christus auferweckt
werden, und was in Schwachheit und Verweslichkeit gesät wurde, wird sich mit
Unverweslichkeit bekleiden (19). Die Liebe wird bleiben wie das, was sie einst
getan hat (20), und die ganze Schöpfung, die Gott um des Menschen willen schuf,
wird von der Knechtschaft der Vergänglichkeit befreit sein (21).
Zwar werden wir gemahnt, daß es dem Menschen nichts nützt, wenn er die ganze
Welt gewinnt, sich selbst jedoch ins Verderben bringt (22); dennoch darf die
Erwartung der neuen Erde die Sorge für die Gestaltung dieser Erde nicht
abschwächen, auf der uns der wachsende Leib der neuen Menschenfamilie eine
umrißhafte Vorstellung von der künftigen Welt geben kann, sondern muß sie im
Gegenteil ermutigen.
Obschon der irdische Fortschritt eindeutig vom Wachstum des Reiches Christi
zu unterscheiden ist, so hat er doch große Bedeutung für das Reich Gottes,
insofern er zu einer besseren Ordnung der menschlichen Gesellschaft beitragen
kann (23). Alle guten Erträgnisse der Natur und unserer Bemühungen nämlich, die
Güter menschlicher Würde, brüderlicher Gemeinschaft und Freiheit, müssen im
Geist des Herrn und gemäß seinem Gebot auf Erden gemehrt werden; dann werden wir
sie wiederfinden, gereinigt von jedem Makel, lichtvoll und verklärt, dann
nämlich, wenn Christus dem Vater "ein ewiges, allumfassendes Reich übergeben
wird: das Reich der Wahrheit und des Lebens, das Reich der Heiligkeit und der
Gnade, das Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens" (24).
Hier auf Erden ist das Reich schon im Geheimnis da; beim Kommen des Herrn
erreicht es seine Vollendung.
KAPITEL IV
DIE AUFGABE DER KIRCHE IN DER WELT VON HEUTE
40. Die gegenseitige Beziehung von Kirche und Welt
Alles, was wir über die Würde der menschlichen Person, die menschliche
Gemeinschaft und über den letzten Sinn des menschlichen Schaffens gesagt haben,
bildet das Fundament für die Beziehung zwischen Kirche und Welt wie auch die
Grundlage ihres gegenseitigen Dialogs (1).
Unter Voraussetzung all der bisherigen Aussagen dieses Konzils über das
Geheimnis der Kirche ist sie nun darzustellen, insofern sie gerade in dieser
Welt besteht und mit ihr lebt und wirkt.
Hervorgegangen aus der Liebe des ewigen Vaters (2), in der Zeit gestiftet von
Christus dem Erlöser, geeint im Heiligen Geist (3), hat die Kirche das
endzeitliche Heil zum Ziel, das erst in der künftigen Weltzeit voll verwirklicht
werden kann. Sie ist aber schon hier auf Erden anwesend, gesammelt aus Menschen,
Gliedern des irdischen Gemeinwesens, die dazu berufen sind, schon in dieser
geschichtlichen Zeit der Menschheit die Familie der Kinder Gottes zu bilden, die
bis zur Ankunft des Herrn stetig wachsen soll. Der himmlischen Güter willen
geeint und von ihnen erfüllt, ist diese Familie von Christus "in dieser Welt als
Gesellschaft verfaßt und geordnet" (4) und "mit geeigneten Mitteln sichtbarer
und gesellschaftlicher Einheit" (5) ausgerüstet. So geht denn diese Kirche,
zugleich "sichtbare Versammlung und geistliche Gemeinschaft" (6), den Weg mit
der ganzen Menschheit gemeinsam und erfährt das gleiche irdische Geschick mit
der Welt und ist gewissermaßen der Sauerteig und die Seele der in Christus zu
erneuernden und in die Familie Gottes umzugestaltenden menschlichen Gesellschaft
(7). Dieses Ineinander des irdischen und himmlischen Gemeinwesens kann nur im
Glauben begriffen werden, ja es bleibt ein Geheimnis der menschlichen
Geschichte, die bis zur vollen Offenbarung der Herrlichkeit der Kinder Gottes
durch die Sünde verwirrt ist.
In Verfolgung ihrer eigenen Heilsabsicht vermittelt die Kirche nicht nur den
Menschen das göttliche Leben, sondern läßt dessen Widerschein mehr oder weniger
auf die ganze Welt fallen, vor allem durch die Heilung und Hebung der
menschlichen Personwürde, durch die Festigung des menschlichen
Gemeinschaftsgefüges, durch die Erfüllung des alltäglichen menschlichen
Schaffens mit tieferer Sinnhaftigkeit und Bedeutung. So glaubt die Kirche durch
ihre einzelnen Glieder und als ganze viel zu einer humaneren Gestaltung der
Menschenfamilie und ihrer Geschichte beitragen zu können.
Unbefangen schätzt zudem die katholische Kirche all das hoch, was zur
Erfüllung derselben Aufgabe die anderen christlichen Kirchen und kirchlichen
Gemeinschaften in Zusammenarbeit beigetragen haben und noch beitragen.
Zugleich ist sie der festen Überzeugung, daß sie selbst von der Welt, sei es
von einzelnen Menschen, sei es von der menschlichen Gesellschaft, durch deren
Möglichkeiten und Bemühungen viele und mannigfache Hilfe zur Wegbereitung für
das Evangelium erfahren kann. Zur sachgemäßen Förderung dieser gegenseitigen
Beziehung und Hilfe in jenem Bereich, der Kirche und Welt gewissermaßen
gemeinsam ist, werden hier einige allgemeinere Grundsätze vorgelegt.
41. Die Hilfe, welche die Kirche den einzelnen Menschen leisten möchte
Der heutige Mensch ist unterwegs zur volleren Entwicklung seiner
Persönlichkeit und zu einer immer tieferen Einsicht und Durchsetzung seiner
Rechte. Da es aber der Kirche anvertraut ist, das Geheimnis Gottes, des letzten
Zieles der Menschen, offenkundig zu machen, erschließt sie dem Menschen
gleichzeitig das Verständnis seiner eigenen Existenz, das heißt die letzte
Wahrheit über den Menschen.
Die Kirche weiß sehr wohl, daß Gott, dem sie dient, allein die Antwort ist
auf das tiefste Sehnen des menschlichen Herzens, das an den Gaben der Erde nie
voll sich sättigen kann.
Sie weiß auch darum, daß der Mensch unter dem ständigen Antrieb des Geistes
Gottes niemals dem Problem der Religion gegenüber ganz gleichgültig sein kann,
wie es nicht nur die Erfahrung so vieler vergangener Jahrhunderte, sondern auch
das vielfältige Zeugnis unserer Zeit beweist.
Denn immer wird der Mensch wenigstens ahnungsweise Verlangen in sich tragen,
zu wissen, was die Bedeutung seines Lebens, seines Schaffens und seines Todes
ist. Schon das reine Dasein der Kirche als solches erinnert ihn an diese
Probleme. Gott allein, der den Menschen nach seinem Bild geschaffen und von der
Sünde erlöst hat, gibt auf diese Fragen die erschöpfende Antwort in seiner
Offenbarung in seinem Sohn, der Mensch geworden ist.
Wer Christus, dem vollkommenen Menschen, folgt, wird auch selbst mehr Mensch.
Aus diesem Glauben heraus vermag die Kirche die Würde des menschlichen Wesens
allen Meinungsschwankungen zu entziehen, die z.B. den menschlichen Leib zu sehr
abwerten oder über das rechte Maß emporheben.
Durch kein menschliches Gesetz können die personale Würde und die Freiheit
des Menschen so wirksam geschützt werden wie durch das Evangelium Christi, das
der Kirche anvertraut ist.
Diese Frohbotschaft nämlich verkündet und proklamiert die Freiheit der Kinder
Gottes; sie verwirft jede Art von Knechtschaft, die letztlich aus der Sünde
stammt (8); sie respektiert sorgfältig die Würde des Gewissens und seiner freien
Entscheidung; unablässig mahnt sie dazu, alle menschlichen Talente im Dienst
Gottes und zum Wohl der Menschen Frucht bringen zu lassen; alle endlich
empfiehlt sie der Liebe aller (9).
Dies entspricht dem grundlegenden Gesetz der christlichen Heilsordnung.
Wenn auch derselbe Gott Schöpfer und Erlöser ist, Herr der Profangeschichte
und der Heilsgeschichte, so wird doch in eben dieser göttlichen Ordnung die
richtige Autonomie der Schöpfung und besonders des Menschen nicht nur nicht
aufgehoben, sondern vielmehr in ihre eigene Würde eingesetzt und in ihr
befestigt.
Kraft des ihr anvertrauten Evangeliums verkündet also die Kirche die Rechte
des Menschen, und sie anerkennt und schätzt die Dynamik der Gegenwart, die diese
Rechte überall fördert.
Freilich muß diese Bewegung vom Geist des Evangeliums erfüllt und gegen jede
Art falscher Autonomie geschützt werden.
Wir sind nämlich der Versuchung ausgesetzt, unsere persönlichen Rechte nur
dann für voll gewahrt zu halten, wenn wir jeder Norm des göttlichen Gesetzes
ledig wären.
Auf diesem Wege aber geht die Würde der menschlichen Person, statt gewahrt zu
werden, eher verloren.
42. Die Hilfe, welche die Kirche der menschlichen Gemeinschaft bringen
möchte
Die Einheit der menschlichen Familie wird durch die Einheit der Familie der
Kinder Gottes, die in Christus begründet ist (10), in vieler Hinsicht gestärkt
und erfüllt. Die ihr eigene Sendung, die Christus der Kirche übertragen hat,
bezieht sich zwar nicht auf den politischen, wirtschaftlichen oder sozialen
Bereich: das Ziel, das Christus ihr gesetzt hat, gehört ja der religiösen
Ordnung an (11).
Doch fließen aus eben dieser religiösen Sendung Auftrag, Licht und Kraft, um
der menschlichen Gemeinschaft zu Aufbau und Festigung nach göttlichem Gesetz
behilflich zu sein.
Ja wo es nötig ist, kann und muß sie selbst je nach den Umständen von Zeit
und Ort Werke zum Dienst an allen, besonders an den Armen, in Gang bringen, wie
z. B. Werke der Barmherzigkeit oder andere dieser Art.
Die Kirche anerkennt weiterhin, was an Gutem in der heutigen
gesellschaftlichen Dynamik vorhanden ist, besonders die Entwicklung hin zur
Einheit, den Prozeß einer gesunden Sozialisation und Vergesellschaftung im
bürgerlichen und wirtschaftlichen Bereich. Förderung von Einheit hängt ja mit
der letzten Sendung der Kirche zusammen, da sie "in Christus gleichsam das
Sakrament, das heißt Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott
wie für die Einheit der ganzen Menschheit" (12) ist. So zeigt sie der Welt, daß
die wahre Einheit in der äußeren gesellschaftlichen Sphäre aus einer Einheit der
Gesinnungen und Herzen erwächst, aus jenem Glauben und jener Liebe nämlich, auf
denen im Heiligen Geist ihre unauflösliche Einheit beruht.
Die Kraft nämlich, die die Kirche der menschlichen Gesellschaft von heute
mitzuteilen vermag, ist jener Glaube und jene Liebe, die sich in Tat und
Wahrheit des Lebens auswirken, nicht aber irgendeine äußere, mit rein
menschlichen Mitteln ausgeübte Herrschaft. Da sie weiterhin kraft ihrer Sendung
und Natur an keine besondere Form menschlicher Kultur und an kein besonderes
politisches, wirtschaftliches oder gesellschaftliches System gebunden ist, kann
die Kirche kraft dieser ihrer Universalität ein ganz enges Band zwischen den
verschiedenen menschlichen Gemeinschaften und Nationen bilden. Nur müssen diese
ihr Vertrauen schenken und ihr wahre Freiheit zur Erfüllung dieser ihrer Sendung
ehrlich zuerkennen. So mahnt denn die Kirche ihre Kinder, aber auch alle
Menschen, sie sollen in diesem Familiengeist der Gotteskinder alle Zwistigkeiten
zwischen den Nationen und den Rassen überwinden und von innen her den legitimen
menschlichen Vergesellschaftungen Festigkeit verleihen. Mit großer Achtung
blickt das Konzil auf alles Wahre, Gute und Gerechte, das sich die Menschheit in
den verschiedenen Institutionen geschaffen hat und immer neu schafft. Es erklärt
auch, daß die Kirche alle diese Einrichtungen unterstützen und fördern will,
soweit es von ihr abhängt und sich mit ihrer Sendung vereinbaren läßt.
Sie selbst hat keinen dringlicheren Wunsch, als sich selbst im Dienst des
Wohles aller frei entfalten zu können unter jeglicher Regierungsform, die die
Grundrechte der Person und der Familie und die Erfordernisse des Gemeinwohls
anerkennt.
43. Die Hilfe, mit der die Kirche durch die Christen das menschliche
Schaffen unterstützen möchte
Das Konzil fordert die Christen, die Bürger beider Gemeinwesen, auf, nach
treuer Erfüllung ihrer irdischen Pflichten zu streben, und dies im Geist des
Evangeliums.
Die Wahrheit verfehlen die, die im Bewußtsein, hier keine bleibende Stätte zu
haben, sondern die künftige zu suchen (13), darum meinen, sie könnten ihre
irdischen Pflichten vernachlässigen, und so verkennen, daß sie, nach Maßgabe der
jedem zuteil gewordenen Berufung, gerade durch den Glauben selbst um so mehr zu
deren Erfüllung verpflichtet sind (14).
Im selben Grade aber irren die, die umgekehrt meinen, so im irdischen Tun und
Treiben aufgehen zu können, als hätte das darum gar nichts mit dem religiösen
Leben zu tun, weil dieses nach ihrer Meinung in bloßen Kultakten und in der
Erfüllung gewisser moralischer Pflichten besteht.
Diese Spaltung bei vielen zwischen dem Glauben, den man bekennt, und dem
täglichen Leben gehört zu den schweren Verirrungen unserer Zeit.
Dieses Ärgernis haben schon die Propheten im Alten Bund heftig angegriffen
(15), und noch viel strenger hat es Jesus Christus selbst im Neuen Bund mit
schweren Strafen bedroht (16).
Man darf keinen künstlichen Gegensatz zwischen beruflicher und
gesellschaftlicher Tätigkeit auf der einen Seite und dem religiösen Leben auf
der anderen konstruieren. Ein Christ, der seine irdischen Pflichten
vernachlässigt, versäumt damit seine Pflichten gegenüber dem Nächsten, ja gegen
Gott selbst und bringt sein ewiges Heil in Gefahr.
Die Christen sollen vielmehr froh sein, in der Nachfolge Christi, der als
Handwerker gearbeitet hat, ihre ganze irdische Arbeit so leisten zu können, daß
sie ihre menschlichen, häuslichen, beruflichen, wissenschaftlichen oder
technischen Anstrengungen mit den religiösen Werten zu einer lebendigen Synthese
verbinden; wenn diese Werte nämlich die letzte Sinngebung bestimmen, wird alles
auf Gottes Ehre hingeordnet. Die Laien sind eigentlich, wenn auch nicht
ausschließlich, zuständig für die weltlichen Aufgaben und Tätigkeiten. Wenn sie
also, sei es als Einzelne, sei es in Gruppen, als Bürger dieser Welt handeln, so
sollen sie nicht nur die jedem einzelnen Bereich eigenen Gesetze beobachten,
sondern sich zugleich um gutes fachliches Wissen und Können in den einzelnen
Sachgebieten bemühen. Sie sollen bereitwilligst mit denen, die die gleichen
Aufgaben haben wie sie, zusammenarbeiten. In Anerkennung der Forderungen des
Glaubens und in seiner Kraft sollen sie, wo es geboten ist, mit Entschlossenheit
Neues planen und ausführen.
Aufgabe ihres dazu von vornherein richtig geschulten Gewissens ist es, das
Gebot Gottes im Leben der profanen Gesellschaft zur Geltung zu bringen. Von den
Priestern aber dürfen die Laien Licht und geistliche Kraft erwarten.
Sie mögen aber nicht meinen, ihre Seelsorger seien immer in dem Grade
kompetent, daß sie in jeder, zuweilen auch schweren Frage, die gerade auftaucht,
eine konkrete Lösung schon fertig haben könnten oder die Sendung dazu hätten.
Die Laien selbst sollen vielmehr im Licht christlicher Weisheit und unter
Berücksichtigung der Lehre des kirchlichen Lehramtes (17) darin ihre eigene
Aufgabe wahrnehmen.
Oftmals wird gerade eine christliche Schau der Dinge ihnen eine bestimmte
Lösung in einer konkreten Situation nahelegen. Aber andere Christen werden
vielleicht, wie es häufiger, und zwar legitim, der Fall ist, bei gleicher
Gewissenhaftigkeit in der gleichen Frage zu einem anderen Urteil kommen.
Wenn dann die beiderseitigen Lösungen, auch gegen den Willen der Parteien,
von vielen andern sehr leicht als eindeutige Folgerung aus der Botschaft des
Evangeliums betrachtet werden, so müßte doch klar bleiben, daß in solchen Fällen
niemand das Recht hat, die Autorität der Kirche ausschließlich für sich und
seine eigene Meinung in Anspruch zu nehmen.
Immer aber sollen sie in einem offenen Dialog sich gegenseitig zur Klärung
der Frage zu helfen suchen; dabei sollen sie die gegenseitige Liebe bewahren und
vor allem auf das Gemeinwohl bedacht sein.
Die Laien aber, die am ganzen Leben der Kirche ihren tätigen Anteil haben,
sind nicht nur gehalten, die Welt mit christlichem Geist zu durchdringen,
sondern sie sind auch dazu berufen, überall, und zwar inmitten der menschlichen
Schicksalsgemeinschaft, Christi Zeugen zu sein.
Die Bischöfe aber, denen das Amt, die Kirche Gottes zu leiten, anvertraut ist,
sollen mit ihren Priestern die Botschaft Christi so verkündigen, daß alle
irdischen Tätigkeiten der Gläubigen von dem Licht des Evangeliums erhellt werden.
Zudem sollen alle Seelsorger bemüht sein, in ihrer Lebensführung und ihrem
Berufseifer (18) der Welt ein solches Antlitz der Kirche zu zeigen, daß die
Menschen sich daran ein Urteil über die Kraft und Wahrheit der christlichen
Botschaft bilden können. In Leben und Wort sollen sie zusammen mit den
Ordensleuten und ihren Gläubigen beweisen, daß die Kirche mit all ihren Gütern
schon durch ihre bloße Gegenwart eine unerschöpfliche Quelle jener sittlichen
Kräfte ist, deren die heutige Welt so sehr bedarf.
Durch beharrliches Studium sollen sie sich fähig machen, zum Dialog mit der
Welt und mit Menschen jedweder Weltanschauung ihren Beitrag zu leisten.
Besonders aber sollen sie die Worte dieses Konzils beherzigen: "Weil die
Menschheit heute mehr und mehr zur Einheit im bürgerlichen, wirtschaftlichen und
sozialen Bereich zusammenwächst, sollen die Priester um so mehr in vereinter
Sorge und Arbeit unter Leitung der Bischöfe und des Papstes jede Art von
Spaltung beseitigen, damit die ganze Menschheit der Einheit der Familie Gottes
zugeführt werde." (19)
Obwohl die Kirche in der Kraft des Heiligen Geistes die treue Braut des Herrn
geblieben ist und niemals aufgehört hat, das Zeichen des Heils in der Welt zu
sein, so weiß sie doch klar, daß unter ihren Gliedern (20), ob Klerikern oder
Laien, im Lauf so vieler Jahrhunderte immer auch Untreue gegen den Geist Gottes
sich fand,
Auch in unserer Zeit weiß die Kirche, wie groß der Abstand ist zwischen der
von ihr verkündeten Botschaft und der menschlichen Armseligkeit derer, denen das
Evangelium anvertraut ist. Wie immer auch die Geschichte über all dies Versagen
urteilen mag, wir selber dürfen dieses Versagen nicht vergessen, sondern müssen
es unerbittlich bekämpfen, damit es der Verbreitung des Evangeliums nicht schade.
Die Kirche weiß auch, wie sehr sie selbst in ihrer lebendigen Beziehung zur Welt
an der Erfahrung der Geschichte immerfort reifen muß.
Vom Heiligen Geist geführt, mahnt die Mutter Kirche unablässig ihre Kinder "zur
Läuterung und Erneuerung, damit das Zeichen Christi auf dem Antlitz der Kirche
klarer erstrahle" (21).
44. Die Hilfe, welche die Kirche von der heutigen Welt erfährt
Wie es aber im Interesse der Welt liegt, die Kirche als gesellschaftliche
Wirklichkeit der Geschichte und als deren Ferment anzuerkennen, so ist sich die
Kirche auch darüber im klaren, wieviel sie selbst der Geschichte und Entwicklung
der Menschheit verdankt. Die Erfahrung der geschichtlichen Vergangenheit, der
Fortschritt der Wissenschaften, die Reichtümer, die in den verschiedenen Formen
der menschlichen Kultur liegen, durch die die Menschennatur immer klarer zur
Erscheinung kommt und neue Wege zur Wahrheit aufgetan werden, gereichen auch der
Kirche zum Vorteil.
Von Beginn ihrer Geschichte an hat sie gelernt, die Botschaft Christi in der
Vorstellungswelt und Sprache der verschiedenen Völker auszusagen und darüber
hinaus diese Botschaft mit Hilfe der Weisheit der Philosophen zu verdeutlichen,
um so das Evangelium sowohl dem Verständnis aller als auch berechtigten
Ansprüchen der Gebildeten angemessen zu verkünden. Diese in diesem Sinne
angepaßte Verkündigung des geoffenbarten Wortes muß ein Gesetz aller
Evangelisation bleiben. Denn so wird in jedem Volk die Fähigkeit, die Botschaft
Christi auf eigene Weise auszusagen, entwickelt und zugleich der lebhafte
Austausch zwischen der Kirche und den verschiedenen nationalen Kulturen
gefördert (22). Zur Steigerung dieses Austauschs bedarf die Kirche vor allem in
unserer Zeit mit ihrem schnellen Wandel der Verhältnisse und der Vielfalt ihrer
Denkweisen der besonderen Hilfe der in der Welt Stehenden, die eine wirkliche
Kenntnis der verschiedenen Institutionen und Fachgebiete haben und die
Mentalität, die in diesen am Werk ist, wirklich verstehen, gleichgültig, ob es
sich um Gläubige oder Ungläubige handelt.
Es ist jedoch Aufgabe des ganzen Gottesvolkes, vor allem auch der Seelsorger
und Theologen, unter dem Beistand des Heiligen Geistes auf die verschiedenen
Sprachen unserer Zeit zu hören, sie zu unterscheiden, zu deuten und im Licht des
Gotteswortes zu beurteilen, damit die geoffenbarte Wahrheit immer tiefer erfaßt,
besser verstanden und passender verkündet werden kann.
Da die Kirche eine sichtbare gesellschaftliche Struktur hat, das Zeichen
ihrer Einheit in Christus, sind für sie auch Möglichkeit und Tatsache einer
Bereicherung durch die Entwicklung des gesellschaftlichen Lebens gegeben, nicht
als ob in ihrer von Christus gegebenen Verfassung etwas fehle, sondern weil sie
so tiefer erkannt, besser zur Erscheinung gebracht und zeitgemäßer gestaltet
werden kann.
Die Kirche erfährt auch dankbar, daß sie sowohl als Gemeinschaft wie auch in
ihren einzelnen Kindern mannigfaltigste Hilfe von Menschen aus allen Ständen und
Verhältnissen empfängt.
Wer nämlich die menschliche Gemeinschaft auf der Ebene der Familie, der
Kultur, des wirtschaftlichen und sozialen Lebens, der nationalen und
internationalen Politik voranbringt, leistet nach dem Plan Gottes auch der
kirchlichen Gemeinschaft, soweit diese von äußeren Bedingungen abhängt, eine
nicht unbedeutende Hilfe.
Ja selbst die Feindschaft ihrer Gegner und Verfolger, so gesteht die Kirche,
war für sie sehr nützlich und wird es bleiben (23).
45. Christus, Alpha und Omega
Während sie selbst der Welt hilft oder von dieser vieles empfängt, strebt die
Kirche nach dem einen Ziel, nach der Ankunft des Reiches Gottes und der
Verwirklichung des Heiles der ganzen Menschheit. Alles aber, was das Volk Gottes
in der Zeit seiner irdischen Pilgerschaft der Menschenfamilie an Gutem mitteilen
kann, kommt letztlich daher, daß die Kirche das "allumfassende Sakrament des
Heiles" (24) ist, welches das Geheimnis der Liebe Gottes zu den Menschen
zugleich offenbart und verwirklicht. Gottes Wort, durch das alles geschaffen ist,
ist selbst Fleisch geworden, um in vollkommenem Menschsein alle zu retten und
das All zusammenzufassen. Der Herr ist das Ziel der menschlichen Geschichte, der
Punkt, auf den hin alle Bestrebungen der Geschichte und der Kultur konvergieren,
der Mittelpunkt der Menschheit, die Freude aller Herzen und die Erfüllung ihrer
Sehnsüchte (25). Ihn hat der Vater von den Toten auferweckt, erhöht und zu
seiner Rechten gesetzt; ihn hat er zum Richter der Lebendigen und Toten bestellt.
Von seinem Geist belebt und geeint, schreiten wir der Vollendung der
menschlichen Geschichte entgegen, die mit dem Plan seiner Liebe zusammenfällt: "alles
in Christus dem Haupt zusammenzufassen, was im Himmel und was auf Erden ist" (Eph
1,10). Der Herr selbst spricht: " Sieh, ich komme bald, und mein Lohn ist mit
mir, einem jeden zu vergelten nach seinen Werken. Ich bin das Alpha und das
Omega, der Erste und der Letzte, Anfang und Ende" (Offb 22,12-13).
II. HAUPTTEIL
WICHTIGERE EINZELFRAGEN
46. Vorwort
Nachdem das Konzil die Würde der menschlichen Person und die Erfüllung der
individuellen und gesellschaftlichen Aufgabe dieser Person kraft ihrer Berufung
in der ganzen Welt dargelegt hat, lenkt das Konzil nun im Licht des Evangeliums
und der menschlichen Erfahrung die Aufmerksamkeit aller auf bestimmte besonders
schwere Nöte dieser Zeit hin, welche die Menschheit in hohem Maß bedrängen.
Unter den vielen Problemen, die heute die Sorge aller wachrufen, sollen vor
allem die folgenden behandelt werden: die Ehe und Familie, die Kultur, das
wirtschaftliche, soziale und politische Leben, die Verbindung der Völkerfamilie
und der Friede. Hinsichtlich dieser Einzelfragen sollen die lichtvollen
Prinzipien, die von Christus herkommen, verdeutlicht werden, damit durch sie die
Gläubigen geleitet werden und alle Menschen Klarheit finden bei der Suche nach
der Lösung so vieler schwieriger Probleme.
KAPITEL I
FÖRDERUNG DER WÜRDE DER EHE UND DER FAMILIE
47. Ehe und Familie in der heutigen Welt
Das Wohl der Person sowie der menschlichen und christlichen Gesellschaft ist
zuinnerst mit einem Wohlergehen der Ehe- und Familiengemeinschaft verbunden.
Darum begrüßen die Christen zusammen mit allen, welche diese Gemeinschaft
hochschätzen, aufrichtig all die verschiedenen Hilfen, mittels derer man heute
in der Förderung dieser Gemeinschaft der Liebe und im Schutz des Lebens
vorwärtskommt und Gatten und Eltern bei ihrer großen Aufgabe unterstützt werden.
Die Christen hoffen von daher auf noch bessere Resultate und suchen dazu
beizutragen.
Jedoch nicht überall erscheint die Würde dieser Institution in gleicher
Klarheit. Polygamie, um sich greifende Ehescheidung, sogenannte freie Liebe und
andere Entartungen entstellen diese Würde. Darüber hinaus wird die eheliche
Liebe öfters durch Egoismus, bloße Genußsucht und durch unerlaubte Praktiken
gegen die Fruchtbarkeit der Ehe entweiht. Außerdem tragen die heutigen
wirtschaftlichen, sozialpsychologischen und staatlichen Verhältnisse erhebliche
Störungen in die Familie hinein. Schließlich werden in manchen Teilen der Welt
die Probleme der Bevölkerungszunahme mit Besorgnis registriert. Durch all dies
wird das Gewissen der Menschen beunruhigt. Andererseits zeigen sich Bedeutung
und Stärke von Ehe und Familie als Institution gerade dadurch, daß sogar die
tiefgreifenden Veränderungen der heutigen Gesellschaft trotz aller daraus
entstehenden Schwierigkeiten sehr oft die wahre Eigenart dieser Institution in
der verschiedensten Weise deutlich werden lassen.
Darum will das Konzil durch besondere Hervorhebung bestimmter Hauptpunkte der
kirchlichen Lehre die Christen und alle jene Menschen belehren und bestärken,
die die ursprüngliche Würde der Ehe und ihren hohen und heiligen Wert zu
schützen und zu fördern suchen.
48. Die Heiligkeit von Ehe und Familie
Die innige Gemeinschaft des Lebens und der Liebe in der Ehe, vom Schöpfer
begründet und mit eigenen Gesetzen geschützt, wird durch den Ehebund, d.h. durch
ein unwiderrufliches personales Einverständnis, gestiftet. So entsteht durch den
personal freien Akt, in dem sich die Eheleute gegenseitig schenken und annehmen,
eine nach göttlicher Ordnung feste Institution, und zwar auch gegenüber der
Gesellschaft. Dieses heilige Band unterliegt im Hinblick auf das Wohl der Gatten
und der Nachkommenschaft sowie auf das Wohl der Gesellschaft nicht mehr
menschlicher Willkür. Gott selbst ist Urheber der Ehe, die mit verschiedenen
Gütern und Zielen ausgestattet ist (1); sie alle sind von größter Bedeutung für
den Fortbestand der Menschheit, für den persönlichen Fortschritt der einzelnen
Familienmitglieder und ihr ewiges Heil; für die Würde, die Festigkeit, den
Frieden und das Wohlergehen der Familie selbst und der ganzen menschlichen
Gesellschaft.
Durch ihre natürliche Eigenart sind die Institutionen der Ehe und die
eheliche Liebe auf die Zeugung und Erziehung von Nachkommenschaft hingeordnet
und finden darin gleichsam ihre Krönung. Darum gewähren sich Mann und Frau, die
im Ehebund nicht mehr zwei sind, sondern ein Fleisch (Mt 19,6), in
inniger Verbundenheit der Personen und ihres Tuns gegenseitige Hilfe und
gegenseitigen Dienst und erfahren und vollziehen dadurch immer mehr und voller
das eigentliche Wesen ihrer Einheit.
Diese innige Vereinigung als gegenseitiges Sichschenken zweier Personen wie
auch das Wohl der Kinder verlangen die unbedingte Treue der Gatten und fordern
ihre unauflösliche Einheit (2).
Christus der Herr hat diese Liebe, die letztlich aus der göttlichen Liebe
hervorgeht und nach dem Vorbild seiner Einheit mit der Kirche gebildet ist,
unter ihren vielen Hinsichten in reichem Maße gesegnet. Wie nämlich Gott einst
durch den Bund der Liebe und Treue seinem Volk entgegenkam (3), so begegnet nun
der Erlöser der Menschen und der Bräutigam (4) der Kirche durch das Sakrament
der Ehe den christlichen Gatten. Er bleibt fernerhin bei ihnen, damit die Gatten
sich in gegenseitiger Hingabe und ständiger Treue lieben, so wie er selbst die
Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat (5). Echte eheliche Liebe wird in
die göttliche Liebe aufgenommen und durch die erlösende Kraft Christi und die
Heilsvermittlung der Kirche gelenkt und bereichert, damit die Ehegatten wirksam
zu Gott hingeführt werden und in ihrer hohen Aufgabe als Vater und Mutter
unterstützt und gefestigt werden (6). So werden die christlichen Gatten in den
Pflichten und der Würde ihres Standes durch ein eigenes Sakrament gestärkt und
gleichsam geweiht (7). In der Kraft dieses Sakramentes erfüllen sie ihre Aufgabe
in Ehe und Familie. Im Geist Christi, durch den ihr ganzes Leben mit Glaube,
Hoffnung und Liebe durchdrungen wird, gelangen sie mehr und mehr zu ihrer
eigenen Vervollkommnung, zur gegenseitigen Heiligung und so gemeinsam zur
Verherrlichung Gottes.
Wenn somit die Eltern durch ihr Beispiel und ihr gemeinsames Gebet auf dem
Weg vorausgehen, werden auch die Kinder und alle, die in der
Familiengemeinschaft leben, leichter diesen Weg des echten Menschentums, des
Heils und der Heiligkeit finden.
Die Gatten aber müssen in ihrer Würde und Aufgabe als Vater und Mutter die
Pflicht der Erziehung, vornehmlich der religiösen, die ihnen in ganz besonderer
Weise zukommt, sorgfältig erfüllen.
Die Kinder als lebendige Glieder der Familie tragen auf ihre Weise zur
Heiligung der Eltern bei. In Dankbarkeit, Ehrfurcht und Vertrauen müssen sie das
erwidern, was die Eltern ihnen Gutes tun, und ihnen, wie es Kindern ziemt, im
Unglück und in der Einsamkeit des Alters beistehen. Ein Leben, das nach dem Tod
des einen Gatten als Fortführung der bisherigen ehelichen Berufung tapfer bejaht
wird, soll von allen geachtet werden (8). Von einem reichen geistlichen Leben
soll die Familie auch anderen Familien in hochherziger Weise mitgeben. Daher
soll die christliche Familie - entsteht sie doch aus der Ehe, die das Bild und
die Teilhabe an dem Liebesbund Christi und der Kirche ist (9) - die lebendige
Gegenwart des Erlösers in der Welt und die wahre Natur der Kirche allen
kundmachen, sowohl durch die Liebe der Gatten, in hochherziger Fruchtbarkeit, in
Einheit und Treue als auch in der bereitwilligen Zusammenarbeit aller ihrer
Glieder.
49. Die eheliche Liebe
Mehrfach fordert Gottes Wort Braut- und Eheleute auf, in keuscher Liebe ihre
Brautzeit zu gestalten und in ungeteilter Liebe ihre Ehe durchzuhalten und zu
entfalten (10). Auch in unserer Zeit hat die wahre Liebe zwischen Mann und Frau
in der Ehe, wie sie sich in verschiedener Weise je nach Volk und Zeit geziemend
äußert, als hoher Wert Geltung. Diese eigentümlich menschliche Liebe geht in
frei bejahter Neigung von Person zu Person, umgreift das Wohl der ganzen Person,
vermag so den leib-seelischen Ausdrucksmöglichkeiten eine eigene Würde zu
verleihen und sie als Elemente und besondere Zeichen der ehelichen Freundschaft
zu adeln.
Diese Liebe hat der Herr durch eine besondere Gabe seiner Gnade und Liebe
geheilt, vollendet und erhöht. Eine solche Liebe, die Menschliches und
Göttliches in sich eint, führt die Gatten zur freien gegenseitigen Übereignung
ihrer selbst, die sich in zarter Zuneigung und in der Tat bewährt, und
durchdringt ihr ganzes Leben (11); ja gerade durch ihre Selbstlosigkeit in Leben
und Tun verwirklicht sie sich und wächst. Sie ist viel mehr als bloß eine
erotische Anziehung, die, egoistisch gewollt, nur zu schnell wieder erbärmlich
vergeht.
Diese Liebe wird durch den eigentlichen Vollzug der Ehe in besonderer Weise
ausgedrückt und verwirklicht. Jene Akte also, durch die die Eheleute innigst und
lauter eins werden, sind von sittlicher Würde; sie bringen, wenn sie human
vollzogen werden, jenes gegenseitige Übereignetsein zum Ausdruck und vertiefen
es, durch das sich die Gatten gegenseitig in Freude und Dankbarkeit reich machen.
Diese Liebe, die auf gegenseitige Treue gegründet und in besonderer Weise durch
Christi Sakrament geheiligt ist, bedeutet unlösliche Treue, die in Glück und
Unglück Leib und Seele umfaßt und darum unvereinbar ist mit jedem Ehebruch und
jeder Ehescheidung. Wenn wirklich durch die gegenseitige und bedingungslose
Liebe die gleiche personale Würde sowohl der Frau wie des Mannes anerkannt wird,
wird auch die vom Herrn bestätigte Einheit der Ehe deutlich.
Um die Pflichten dieser christlichen Berufung beständig zu erfüllen, ist
ungewöhnliche Tugend erforderlich. Von daher müssen die Gatten, durch die Gnade
zu heiligem Leben gestärkt, Festigkeit in der Liebe, Seelengröße und Opfergeist
pflegen und im Gebet erbitten. Die echte eheliche Liebe wird höher geschätzt
werden, und es wird sich eine sachgerechte öffentliche Meinung über sie bilden,
wenn die christlichen Gatten durch das Zeugnis der Treue und Harmonie in dieser
Liebe und durch Sorge für die Kindererziehung sich hervortun und ihre Pflicht
erfüllen bei einer notwendigen kulturellen, psychologischen und sozialen
Erneuerung zugunsten von Ehe und Familie.
Jugendliche sollen über die Würde, die Aufgaben und den Vollzug der ehelichen
Liebe am besten im Kreis der Familie selbst rechtzeitig in geeigneter Weise
unterrichtet werden, damit sie, an keusche Zucht gewöhnt, im entsprechenden
Alter nach einer sauberen Brautzeit in die Ehe eintreten können.
50. Die Fruchtbarkeit der Ehe
Ehe und eheliche Liebe sind ihrem Wesen nach auf die Zeugung und Erziehung
von Nachkommenschaft ausgerichtet. Kinder sind gewiß die vorzüglichste Gabe für
die Ehe und tragen zum Wohl der Eltern selbst sehr viel bei. Derselbe Gott, der
gesagt hat: "Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei" (Gen
2,28), und der "den Menschen von Anfang an als Mann und Frau schuf" (Mt
19,14), wollte ihm eine besondere Teilnahme an seinem schöpferischen Wirken
verleihen, segnete darum Mann und Frau und sprach: "Wachset und mehret euch" (Gen
1,28). Ohne Hintansetzung der übrigen Eheziele sind deshalb die echte Gestaltung
der ehelichen Liebe und die ganze sich daraus ergebende Natur des Familienlebens
dahin ausgerichtet, daß die Gatten von sich aus entschlossen bereit sind zur
Mitwirkung mit der Liebe des Schöpfers und Erlösers, der durch sie seine eigene
Familie immer mehr vergrößert und bereichert.
In ihrer Aufgabe, menschliches Leben weiterzugeben und zu erziehen, die als
die nur ihnen zukommende Sendung zu betrachten ist, wissen sich die Eheleute als
mitwirkend mit der Liebe Gottes des Schöpfers und gleichsam als Interpreten
dieser Liebe.
Daher müssen sie in menschlicher und christlicher Verantwortlichkeit ihre
Aufgabe erfüllen und in einer auf Gott hinhörenden Ehrfurcht durch gemeinsame
Überlegung versuchen, sich ein sachgerechtes Urteil zu bilden. Hierbei müssen
sie auf ihr eigenes Wohl wie auf das ihrer Kinder - der schon geborenen oder zu
erwartenden - achten; sie müssen die materiellen und geistigen Verhältnisse der
Zeit und ihres Lebens zu erkennen suchen und schließlich auch das Wohl der
Gesamtfamilie, der weltlichen Gesellschaft und der Kirche berücksichtigen.
Dieses Urteil müssen im Angesicht Gottes die Eheleute letztlich selbst fällen.
In ihrem ganzen Verhalten seien sich die christlichen Gatten bewußt, daß sie
nicht nach eigener Willkür vorgehen können; sie müssen sich vielmehr leiten
lassen von einem Gewissen, das sich auszurichten hat am göttlichen Gesetz; sie
müssen hören auf das Lehramt der Kirche, das dieses göttliche Gesetz im Licht
des Evangeliums authentisch auslegt.
Dieses göttliche Gesetz zeigt die ganze Bedeutung der ehelichen Liebe,
schützt sie und drängt zu ihrer wahrhaft menschlichen Vollendung.
So verherrlichen christliche Eheleute in Vertrauen auf die göttliche
Vorsehung und Opfergesinnung (12) den Schöpfer und streben zur Vollkommenheit in
Christus, indem sie in hochherziger menschlicher und christlicher
Verantwortlichkeit Kindern das Leben schenken.
Unter den Eheleuten, die diese ihnen von Gott aufgetragene Aufgabe erfüllen,
sind besonders jene zu erwähnen, die in gemeinsamer kluger Beratung eine größere
Zahl von Kindern, wenn diese entsprechend erzogen werden können, hochherzig auf
sich nehmen (13).
Die Ehe ist aber nicht nur zur Zeugung von Kindern eingesetzt, sondern die
Eigenart des unauflöslichen personalen Bundes und das Wohl der Kinder fordern,
daß auch die gegenseitige Liebe der Ehegatten ihren gebührenden Platz behalte,
wachse und reife. Wenn deshalb das - oft so erwünschte - Kind fehlt, bleibt die
Ehe dennoch als volle Lebensgemeinschaft bestehen und behält ihren Wert sowie
ihre Unauflöslichkeit.
51. Die eheliche Liebe und der Fortbestand des menschlichen Lebens
Das Konzil weiß, daß die Gatten in ihrem Bemühen, das Eheleben harmonisch zu
gestalten, oft durch mancherlei Lebensbedingungen der heutigen Zeit eingeengt
sind und sich in einer Lage befinden, in der die Zahl der Kinder - mindestens
zeitweise - nicht vermehrt werden kann und der Vollzug treuer Liebe und die
volle Lebensgemeinschaft nur schwer gewahrt werden können. Wo nämlich das intime
eheliche Leben unterlassen wird, kann nicht selten die Treue als Ehegut in
Gefahr geraten und das Kind als Ehegut in Mitleidenschaft gezogen werden; denn
dann werden die Erziehung der Kinder und auch die tapfere Bereitschaft zu
weiteren Kindern gefährdet.
Manche wagen es, für diese Schwierigkeiten unsittliche Lösungen anzubieten,
ja sie scheuen selbst vor Tötung nicht zurück. Die Kirche aber erinnert daran,
daß es keinen wahren Widerspruch geben kann zwischen den göttlichen Gesetzen
hinsichtlich der Übermittlung des Lebens und dem, was echter ehelicher Liebe
dient.
Gott, der Herr des Lebens, hat nämlich den Menschen die hohe Aufgabe der
Erhaltung des Lebens übertragen, die auf eine menschenwürdige Weise erfüllt
werden muß. Das Leben ist daher von der Empfängnis an mit höchster Sorgfalt zu
schützen. Abtreibung und Tötung des Kindes sind verabscheuenswürdige Verbrechen.
Die geschlechtliche Anlage des Menschen und seine menschliche Zeugungsfähigkeit
überragen in wunderbarer Weise all das, was es Entsprechendes auf niedrigeren
Stufen des Lebens gibt. Deshalb sind auch die dem ehelichen Leben eigenen Akte,
die entsprechend der wahren menschlichen Würde gestaltet sind, zu achten und zu
ehren. Wo es sich um den Ausgleich zwischen ehelicher Liebe und verantwortlicher
Weitergabe des Lebens handelt, hängt die sittliche Qualität der Handlungsweise
nicht allein von der guten Absicht und Bewertung der Motive ab, sondern auch von
objektiven Kriterien, die sich aus dem Wesen der menschlichen Person und ihrer
Akte ergeben und die sowohl den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den
einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe wahren. Das ist nicht möglich
ohne aufrichtigen Willen zur Übung der Tugend ehelicher Keuschheit. Von diesen
Prinzipien her ist es den Kindern der Kirche nicht erlaubt, in der
Geburtenregelung Wege zu beschreiten, die das Lehramt in Auslegung des
göttlichen Gesetzes verwirft (14). Mögen alle daran denken: Das menschliche
Leben und die Aufgabe, es weiterzuvermitteln, haben nicht nur eine Bedeutung für
diese Zeit und können deshalb auch nicht von daher allein bemessen und
verstanden werden, sondern haben immer eine Beziehung zu der ewigen Bestimmung
des Menschen.
52. Die Sorge aller um die Förderung von Ehe und Familie
Die Familie ist eine Art Schule reich entfalteter Humanität. Damit sie aber
ihr Leben und ihre Sendung vollkommen verwirklichen kann, sind herzliche
Seelengemeinschaft, gemeinsame Beratung der Gatten und sorgfältige
Zusammenarbeit der Eltern bei der Erziehung der Kinder erforderlich. Zu ihrer
Erziehung trägt die anteilnehmende Gegenwart des Vaters viel bei. Aber auch die
häusliche Sorge der Mutter, deren besonders die jüngeren Kinder bedürfen, ist zu
sichern, ohne daß eine berechtigte gesellschaftliche Hebung der Frau dadurch
irgendwie beeinträchtigt wird. Die Kinder sollen so erzogen werden, daß sie
erwachsen in vollem Verständnis für ihre Verantwortung ihrer Berufung, auch
einer geistlichen, folgen und einen Lebensstand wählen können, in dem sie, wenn
sie heiraten, eine eigene Familie gründen können, und dies unter günstigen
sittlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Vorraussetzungen. Es ist
Aufgabe der Eltern oder Erzieher, die jungen Menschen bei der Gründung einer
Familie mit klugem Rat, den sie gern hören sollen, anzuleiten. Doch sollen sie
sich dabei hüten, sie mit direktem oder indirektem Zwang zum Eingehen einer Ehe
oder zur Wahl des Partners zu bestimmen.
So ist die Familie, in der verschiedene Generationen zusammenleben und sich
gegenseitig helfen, um zu größerer Weisheit zu gelangen und die Rechte der
einzelnen Personen mit den anderen Notwendigkeiten des gesellschaftlichen Lebens
zu vereinbaren, das Fundament der Gesellschaft. Deshalb müssen alle, die einen
Einfluß auf Gemeinden und gesellschaftliche Gruppen haben, zur Förderung von Ehe
und Familie wirksam beitragen. Die staatliche Gewalt möge es als ihre heilige
Aufgabe betrachten, die wahre Eigenart von Ehe und Familie anzuerkennen, zu
hüten und zu fördern, die öffentliche Sittlichkeit zu schützen und den
häuslichen Wohlstand zu begünstigen. Das Recht der Eltern auf Zeugung der
Nachkommenschaft und auf Erziehung in der Familie ist zu sichern. Durch
umsichtige Gesetzgebung und andere Maßnahmen soll auch für diejenigen Sorge
getragen und entsprechende Hilfe gegeben werden, die das Gut der Familie leider
entbehren müssen.
Die christlichen Laien, die die Gegenwart auszukaufen (15) und das Ewige von
den wandelbaren Formen zu unterscheiden haben, mögen die Werte der Ehe und
Familie durch das Zeugnis ihres eigenen Lebens wie durch Zusammenarbeit mit den
anderen Menschen guten Willens eifrig fördern, und so werden sie trotz aller
Schwierigkeiten für die Familie das erreichen, was sie braucht, und auch das,
was die moderne Zeit an Vorteilen bietet. Um dieses Ziel zu erreichen, sind die
christliche Gesinnung der Gläubigen, das richtige sittliche Gewissen der
Menschen und eine weise Erfahrung theologischer Fachleute von großem Nutzen.
Die Fachleute in den Wissenschaften, besonders in Biologie, Medizin,
Sozialwissenschaften und Psychologie, können dem Wohl von Ehe und Familie und
dem Frieden des Gewissens sehr dienen, wenn sie durch ihre gemeinsame
wissenschaftliche Arbeit die Voraussetzungen für eine sittlich einwandfreie
Geburtenregelung genauer zu klären suchen.
Die Seelsorger haben die Aufgabe, unter Voraussetzung einer genügenden
Kenntnis des Familienproblems, mittels der verschiedenen pastoralen Hilfen,
durch die Verkündigung des Wortes Gottes, durch die Feier der Liturgie und durch
anderen geistlichen Beistand, die Berufung der Gatten in ihrem Ehe- und
Familienleben zu fördern, sie menschlich und geduldig in Schwierigkeiten zu
stützen und sie in der Liebe zu stärken, damit Familien von großer
Ausstrahlungskraft entstehen.
Mancherlei Einrichtungen, besonders Familienvereinigungen, mögen den
Jugendlichen und den Eheleuten selbst, besonders den Jungverheirateten, durch
Rat und Tat beistehen und helfen, sie zu einem Familienleben hinzuführen, das
seiner gesellschaftlichen und apostolischen Aufgabe gerecht wird.
Die Ehegatten selber aber sollen, nach dem Bild des lebendigen Gottes
geschaffen, in eine wahre personale Ordnung gestellt, eines Strebens, gleichen
Sinnes und in gegenseitiger Heiligung vereint (16) sein, damit sie, Christus,
dem Ursprung des Lebens (17), folgend, in den Freuden und Opfern ihrer Berufung
durch ihre treue Liebe Zeugen jenes Liebesgeheimnisses werden, das der Herr
durch seinen Tod und seine Auferstehung der Welt geoffenbart hat (18).
KAPITEL II
DIE RICHTIGE FÖRDERUNG DES KULTURELLEN FORTSCHRITTS
53. Einführung
In der Person des Menschen selbst liegt es begründet, daß sie nur durch
Kultur, das heißt durch die entfaltende Pflege der Güter und Werte der Natur,
zur wahren und vollen Verwirklichung des menschlichen Wesens gelangt. Wo immer
es daher um das menschliche Leben geht, hängen Natur und Kultur engstens
zusammen.
Unter Kultur im allgemeinen versteht man alles, wodurch der Mensch seine
vielfältigen geistigen und körperlichen Anlagen ausbildet und entfaltet; wodurch
er sich die ganze Welt in Erkenntnis und Arbeit zu unterwerfen sucht; wodurch er
das gesellschaftliche Leben in der Familie und in der ganzen bürgerlichen
Gesellschaft im moralischen und institutionellen Fortschritt menschlicher
gestaltet; wodurch er endlich seine großen geistigen Erfahrungen und Strebungen
im Lauf der Zeit in seinen Werken vergegenständlicht, mitteilt und ihnen Dauer
verleiht zum Segen vieler, ja der ganzen Menschheit.
Daraus folgt, daß die Kultur des Menschen notwendig eine geschichtliche und
eine gesellschaftliche Seite hat und darum der Begriff der Kultur meist das
Gesellschaftliche und das Völkische mitbezeichnet. In diesem Sinn spricht man
von Kulturen im Plural. Denn aus der verschiedenen Weise des Gebrauchs der
Sachen, der Arbeitsgestaltung, der Selbstdarstellung, der Religion und der
Sittlichkeit, der Gesetzgebung und der rechtlichen Institution, der Entfaltung
von Wissenschaft, Technik und Kunst entsteht eine Verschiedenheit der
gemeinschaftlichen Lebensformen und der Gestalten, in denen die Lebenswerte zu
einer Einheit zusammentreten. So bildet sich aus den überlieferten Einrichtungen
ein jeder menschlichen Gemeinschaft eigentümliches Erbe. So entsteht für den
Menschen jedweden Volkes und jeder Zeit auch eine abgegrenzte und geschichtliche
Umwelt, in die er eingefügt bleibt und von der her er die Werte zur
Weiterentwicklung der menschlichen und gesellschaftlichen Kultur empfängt.
Erster Abschnitt: Die Situation der Kultur in der Welt von heute
54. Neue Lebensformen
Die Lebensbedingungen des modernen Menschen sind in gesellschaftlicher und
kultureller Hinsicht zutiefst verändert, so daß man von einer neuen Epoche der
Menschheitsgeschichte sprechen darf (1). Somit öffnen sich neue Wege zur
Entwicklung und weiteren Ausbreitung der Kultur durch das unerhörte Wachstum der
Natur- und Geisteswissenschaften, auch der Gesellschaftswissenschaften, die
Ausweitung der Technik sowie den Fortschritt im Ausbau und in der guten
Organisation der Kommunikationsmittel. Dementsprechend ist die heutige Kultur
durch besondere Merkmale gekennzeichnet: die sogenannten exakten Wissenschaften
bilden das kritische Urteilsvermögen besonders stark aus; die neueren
Forschungen der Psychologie bieten eine tiefere Erklärung des menschlichen Tuns;
die historischen Fächer tragen sehr dazu bei, die Dinge unter dem Gesichtspunkt
ihrer Wandelbarkeit und Entwicklung zu sehen; der Lebensstil und die ethische
Haltung werden immer einheitlicher; Industrialisierung, Verstädterung und andere
Ursachen, die die Vergemeinschaftung des Lebens vorantreiben, schaffen neue
Kulturformen (Massenkultur), aus denen ein neues Lebensgefühl, neue Weisen des
Handelns und der Freizeitgestaltung erwachsen; zugleich macht der Austausch
zwischen verschiedenen Völkern und gesellschaftlichen Gruppen die Schätze
verschiedener Kulturformen der Masse und den Einzelnen immer mehr zugänglich. So
bildet sich allmählich eine universalere Form der menschlichen Kultur, die die
Einheit der Menschheit um so mehr fördert und zum Ausdruck bringt, je besser sie
die Besonderheiten der verschiedenen Kulturen achtet.
55. Der Mensch als Schöpfer der Kultur
Immer größer wird die Zahl der Männer und Frauen jeder geselIschaftlichen
Gruppe und Nation, die sich dessen bewußt sind, selbst Gestalter und Schöpfer
der Kultur ihrer Gemeinschaft zu sein. Immer mehr wächst in der ganzen Welt der
Sinn für Autonomie und zugleich für Verantwortlichkeit, was ohne Zweifel für die
geistige und sittliche Reifung der Menschheit von größter Bedeutung ist. Diese
tritt noch deutlicher in Erscheinung, wenn wir uns die Einswerdung der Welt und
die uns auferlegte Aufgabe vor Augen stellen, eine bessere Welt in Wahrheit und
Gerechtigkeit aufzubauen. So sind wir Zeugen der Geburt eines neuen Humanismus,
in dem der Mensch sich vor allem von der Verantwortung für seine Brüder und die
Geschichte her versteht.
56. Schwierigkeiten und Aufgaben
In dieser Situation ist es nicht verwunderlich, daß der Mensch, der seine
Verantwortung für den Fortschritt der Kultur erkennt, einerseits Größeres als je
hofft, andererseits aber auch mit Angst auf die vielfältigen Antinomien blickt,
die er selbst auflösen muß: Was ist zu tun, damit der zunehmende Austausch der
Kulturen, der zu einem wahren und fruchtbaren Dialog unter den verschiedenen
Gruppen und Nationen führen müßte, das Leben der Gemeinschaften nicht in
Verwirrung bringt, die Weisheit der Vorfahren nicht verwirft, noch den je
eigenen Volkscharakter gefährdet?
Wie kann man für die Dynamik und Expansion der neuen Kultur eintreten, ohne
daß die lebendige Treue zum überlieferten Erbe verlorengeht? Dies ist schon
deshalb ein besonders drängendes Problem, weil die Kultur, die aus dem
ungeheuren Fortschritt der Naturwissenschaft und der Technik entsteht, zur
Einheit gefügt werden muß mit jener Geisteskultur, die von denjenigen Studien
lebt, die entsprechend den verschiedenen Überlieferungen als klassisch gelten.
Wie kann eine so schnell voranschreitende Zersplitterung der
Einzeldisziplinen mit der Notwendigkeit in Einklang gebracht werden, sie in eine
Synthese zu bringen und dem Menschen die Fähigkeit zu jener Kontemplation und zu
jenem Staunen zu wahren, die zur Weisheit führen?
Was ist zu tun, daß alle Menschen der kulturellen Güter in der Welt
teilhaftig werden, wo doch zur gleichen Zeit die Kultur der Gebildeteren immer
sublimer und komplexer wird?
Wie kann man endlich die Autonomie als rechtmäßig anerkennen, die die Kultur
für sich beansprucht, ohne daß man zu einem rein innerweltlichen, ja
religionsfeindlichen Humanismus kommt?
Inmitten all dieser Antinomien muß die menschliche Kultur heute so entwickelt
werden, daß sie die volle menschliche Persönlichkeit harmonisch ausbildet und
den Menschen bei den Aufgaben behilflich ist, zu deren Erfüllung alle, vor allem
aber die Christen, in einer einzigen menschlichen Familie brüderlich vereint,
berufen sind.
Zweiter Abschnitt: Einige Prinzipien zur richtigen Förderung der Kultur
57. Glaube und Kultur
Die Christen müssen auf der Pilgerschaft zur himmlischen Vaterstadt suchen
und sinnen, was oben ist (2); dadurch wird jedoch die Bedeutung ihrer Aufgabe,
zusammen mit allen Menschen am Aufbau einer menschlicheren Welt mitzuarbeiten,
nicht vermindert, sondern gemehrt. In der Tat bietet ihnen das Mysterium des
christlichen Glaubens wirksame Antriebe und Hilfen, jene Aufgabe mit größerer
Hingabe zu erfüllen und vor allem den vollen Sinn solchen Tuns zu entdecken, so
daß die menschliche Kulturbemühung innerhalb der ganzen und einen Berufung des
Menschen einen hervorragenden Platz erhält.
Wenn nämlich der Mensch mit seiner Handarbeit oder mit Hilfe der Technik die
Erde bebaut, damit sie Frucht bringe und eine würdige Wohnstätte für die gesamte
menschliche Familie werde, und bewußt seinen Anteil nimmt an der Gestaltung des
Lebens der gesellschaftlichen Gruppen, dann führt er den schon am Anfang der
Zeiten kundgemachten Auftrag Gottes aus, sich die Erde untertan zu machen (3)
und die Schöpfung zu vollenden, und entfaltet er sich selbst; zugleich befolgt
er das große Gebot Christi, sich in den Dienst seiner Brüder zu stellen.
Wenn überdies der Mensch sich den verschiedenen Fächern, der Philosophie und
Geschichte, der Mathematik und Naturwissenschaft, widmet und sich künstlerisch
betätigt, dann kann er im höchsten Grad dazu beitragen, daß die menschliche
Familie zu den höheren Prinzipien des Wahren, Guten und Schönen und zu einer
umfassenden Weltanschauung kommt und so heller von jener wunderbaren Weisheit
erleuchtet wird, die von Ewigkeit her bei Gott war, alles mit ihm ordnete, auf
dem Erdkreis spielte und ihre Wonne darin findet, bei den Menschen zu sein (4).
Ebendadurch kann sich der Geist des Menschen, von der Versklavung unter die
Sachwelt befreit, ungehinderter zur Kontemplation und Anbetung des Schöpfers
erheben. Ja unter dem Antrieb der Gnade wird er zur Erkenntnis des Wortes Gottes
vorbereitet, das schon, bevor es Fleisch wurde, um alle zu retten und in sich
als dem Haupt zusammenzufassen, "in der Welt war" als "das wahre Licht, das
jeden Menschen erleuchtet" (Joh 1,9)5.
Freilich kann der heutige Fortschritt der Naturwissenschaft und der Technik,
die kraft ihrer Methode nicht zu den innersten Seinsgründen vordringen können,
einen gewissen Phänomenalismus und Agnostizismus begünstigen, wenn die
Forschungsmethode dieser Disziplinen unberechtigt als oberste Norm der Findung
der Wahrheit schlechthin angesehen wird.
Ja es besteht die Gefahr, daß der Mensch in allzu großem Vertrauen auf die
heutigen Errungenschaften sich selbst zu genügen glaubt und darüber hinaus nicht
mehr sucht.
Doch diese Fehlentwicklungen ergeben sich nicht zwangsläufig aus der heutigen
Kultur, und sie dürfen uns nicht dazu verleiten, ihre positiven Werte zu
verkennen. Unter diesen sind zu nennen: die Pflege der Naturwissenschaften,
unbedingte Sachlichkeit gegenüber der Wahrheit bei der wissenschaftlichen
Forschung, die heute gegebene Unerläßlichkeit der Zusammenarbeit mehrerer in
dafür organisierten Teams, der Geist der internationalen Solidarität, das immer
wacher werdende Bewußtsein von der Verantwortung der Fachleute für den Dienst am
Menschen und dessen Schutz, der Wille zur Verbesserung der menschlichen
Lebensbedingungen aller, besonders jener, die die Verantwortung für sich selbst
nicht übernehmen können oder kulturell zurückgeblieben sind. Das alles kann für
die Aufnahme der Botschaft des Evangeliums in gewissem Sinn eine Vorbereitung
bedeuten, die durch die göttliche Liebe von dem beseelt wird, der gekommen ist,
die Welt zu retten.
58. Der vielfältige Zusammenhang zwischen der guten Botschaft Christi
und der Kultur
Vielfache Beziehungen bestehen zwischen der Botschaft des Heils und der
menschlichen Kultur. Denn Gott hat in der Offenbarung an sein Volk bis zu seiner
vollen Selbstkundgabe im fleischgewordenen Sohn entsprechend der den
verschiedenen Zeiten eigenen Kultur gesprochen. In gleicher Weise nimmt die
Kirche, die im Lauf der Zeit in je verschiedener Umwelt lebt, die
Errungenschaften der einzelnen Kulturen in Gebrauch, um die Botschaft Christi in
ihrer Verkündigung bei allen Völkern zu verbreiten und zu erklären, um sie zu
erforschen und tiefer zu verstehen, um sie in der liturgischen Feier und im
Leben der vielgestaltigen Gemeinschaft der Gläubigen besser Gestalt werden zu
lassen.
Zugleich ist die Kirche wohl zu allen Völkern, welcher Zeit und welchen
Landes auch immer, gesandt, jedoch an keine Rasse oder Nation, an keine
besondere Art der Sitte, an keinen alten oder neuen Brauch ausschließlich und
unlösbar gebunden. Sie läßt zwar den Zusammenhang mit ihrer eigenen
geschichtlichen Herkunft nicht abreißen, ist sich aber zugleich der
Universalität ihrer Sendung bewußt und vermag so mit den verschiedenen
Kulturformen eine Einheit einzugehen, zur Bereicherung sowohl der Kirche wie der
verschiedenen Kulturen.
Die gute Botschaft Christi erneuert unausgesetzt Leben und Kultur des
gefallenen Menschen und bekämpft und beseitigt Irrtümer und Übel, die aus der
stets drohenden Verführung zur Sünde hervorgehen. Unablässig reinigt und hebt
sie die Sitten der Völker. Die geistigen Vorzüge und Anlagen eines jeden Volkes
oder einer jeden Zeit befruchtet sie sozusagen von innen her mit überirdischen
Gaben, festigt, vollendet und erneuert sie in Christus6. Schon durch die
Erfüllung der eigenen Aufgabe7 treibt die Kirche die menschliche und
mitmenschliche Kultur voran und trägt zu ihr bei; durch ihr Wirken, auch durch
ihre Liturgie, erzieht sie den Menschen zur inneren Freiheit.
59.
Verschiedene Gesichtspunkte für die rechte Pflege der Formen menschlicher
Kultur
Aus den genannten Gründen erinnert die Kirche alle daran, daß die Kultur auf
die Gesamtentfaltung der menschlichen Person und auf das Wohl der Gemeinschaft
sowie auf das der ganzen menschlichen Gesellschaft auszurichten ist. Darum muß
der menschliche Geist so gebildet werden, daß die Fähigkeit des Staunens, der
eigentlichen Wesenserkenntnis, der Kontemplation, der persönlichen
Urteilsbildung und das religiöse, sittliche und gesellschaftliche Bewußtsein
gefördert werden.
Da nämlich die Kultur unmittelbar aus der vernünftigen und gesellschaftlichen
Anlage des Menschen hervorgeht, bedarf sie immer des ihr zustehenden
Freiheitsraumes, um sich zu entfalten, und der legitimen Möglichkeit, den
eigenen Prinzipien gemäß selbständig zu handeln. Sie hat also einen berechtigten
Anspruch auf Anerkennung, und ihr eignet eine gewisse Unverletzlichkeit,
freilich unter Wahrung der Rechte der Person und der Gemeinschaft, von der
einzelnen bis zur universalen, und innerhalb der Grenzen des Gemeinwohls.
Die Heilige Synode macht sich daher die Lehre des Ersten Vatikanischen
Konzils zu eigen, daß es "zwei verschiedene Erkenntnisordnungen" gibt, nämlich
die des Glaubens und die der Vernunft, und daß die Kirche keineswegs verbietet,
"daß die menschlichen Künste und Wissenschaften bei ihrer Entfaltung, jede in
ihrem Bereich, jede ihre eigenen Grundsätze und ihre eigene Methode gebrauchen".
Daher bejaht sie "in Anerkennung dieser berechtigten Freiheit" die rechtmäßige
Eigengesetzlichkeit der Kultur und vor allem der Wissenschaften (8).
Damit ist auch gefordert, daß der Mensch unter Wahrung der sittlichen
Ordnung und des Gemeinnutzes frei nach der Wahrheit forschen, seine Meinung
äußern und verbreiten und die Kunst nach seiner Wahl pflegen kann; schließlich,
daß er wahrheitsgemäß über öffentliche Vorgänge unterrichtet werde (9).
Aufgabe der öffentlichen Gewalt ist es nicht, die Kulturformen in ihrer
besonderen Eigenart jeweils festzulegen, sondern günstige Voraussetzungen zu
schaffen und entsprechende Hilfen zu gewähren, um das kulturelle Leben bei allen,
auch bei nationalen Minderheiten, zu fördern10. Darum muß man vor allem
verhindern, daß die Kultur ihrem eigenen Zweck entfremdet und politischen oder
wirtschaftlichen Mächten zu dienen gezwungen wird.
Dritter Abschnitt: Einige dringliche Aufgaben der Christen im Bereich der
Kultur
60. Die Anerkennung und Verwirklichung des Rechts aller auf die
Wohltaten der Kultur
Da jetzt die Möglichkeit gegeben ist, die meisten Menschen aus dem Elend der
Unwissenheit zu befreien, ist es heute eine höchst zeitgemäße Pflicht, vor allem
für die Christen, tatkräftig darauf hinzuarbeiten, daß in der Wirtschaft wie in
der Politik, auf nationaler wie auf internationaler Ebene Grundentscheidungen
getroffen werden, durch die das Recht aller auf menschliche und mitmenschliche
Kultur auf der ganzen Welt anerkannt wird und zur Verwirklichung kommt, ein
Recht, das entsprechend der Würde der menschlichen Person allen ohne Unterschied
der Rasse, des Geschlechts, der Nation, der Religion oder der sozialen Stellung
zukommt.
Daher ist dafür Sorge zu tragen, daß die Kulturgüter in ausreichendem Maße
allen zugänglich sind, vor allem jene, die die sogenannte Grundkultur ausmachen,
damit nicht weiterhin ein großer Teil der Menschheit durch Analphabetismus und
Mangel an verantwortlicher Eigeninitiative von einer wahrhaft menschlichen
Mitarbeit am Gemeinwohl ausgeschlossen wird. Ziel muß also sein, daß alle, die
entsprechend begabt sind, zu höheren Studien aufsteigen können, und zwar so, daß
sie, soweit es möglich ist, in der Gesellschaft jene Aufgaben, Ämter und Dienste
erreichen, die ihrer Begabung und ihren Fachkenntnissen entsprechen (11). So
werden jeder Einzelne und alle gesellschaftlichen Gruppen eines jeden Volkes zur
vollen Entfaltung ihres kulturellen Lebens gelangen können, wie sie ihren
Anlagen und Überlieferungen gemäß ist.
Darüber hinaus sind ernste Anstrengungen zu machen, daß sich alle des Rechtes
auf Kultur bewußt werden und der Pflicht, sich selbst zu bilden und andere bei
ihrer Bildung zu unterstützen; gibt es doch mitunter Lebens- und
Arbeitsbedingungen, die die kulturellen Bemühungen der Menschen behindern und
das Streben nach Kultur in ihnen ersticken. Das gilt in besonderer Weise für
Landbevölkerung und Arbeiter; diesen müssen Arbeitsbedingungen geboten werden,
die ihre menschliche Kultur nicht beeinträchtigen, sondern fördern. Die Frauen
sind zwar schon in fast allen Lebensbereichen tätig, infolgedessen sollen sie
aber auch in der Lage sein, die ihrer Eigenart angemessene Rolle voll zu
übernehmen. Sache aller ist es, die je eigene und notwendige Teilnahme der Frau
am kulturellen Leben anzuerkennen und zu fördern.
61. Die Erziehung zur menschlichen Gesamtkultur
Die verschiedenen Wissenschaften und Künste in eine Synthese zu bringen ist
heute schwieriger als früher. Denn einerseits nimmt die Menge und Vielfalt der
Elemente zu, die die Kultur ausmachen, andererseits verringert sich die
Fähigkeit der Einzelnen, diese zu erfassen und organisch zu ordnen, so daß das
Idealbild eines universal gebildeten Menschen immer mehr schwindet. Dennoch
bleibt es Verpflichtung eines jeden, die Totalität der menschlichen Person zu
wahren, die vor allem durch die Werte der Vernunft, des Willens, des Gewissens
und der Brüderlichkeit bestimmt ist, Werte, die alle in Gott dem Schöpfer ihren
Grund haben und in Christus wunderbar geheilt und erhoben sind.
Insbesondere in der Familie, sozusagen der Mutter und Hüterin dieser
Erziehung, lernen die Kinder, von Liebe umhegt, leichter die wahre Ordnung der
Wirklichkeit; die erprobten Formen der menschlichen Kultur prägen sich gleichsam
von selbst dem Geist der heranwachsenden Jugend ein.
Für eben diese Erziehung gibt es in der heutigen Gesellschaft günstige
Möglichkeiten, besonders durch weitere Verbreitung von Büchern und die neuen
kulturellen und sozialen Kommunikationsmittel, die einer Universalkultur
förderlich sein können. Da nämlich die Arbeitszeit allenthalben verkürzt wird,
nimmt die frei verfügbare Zeit für sehr viele ständig zu. Die Freizeit soll nun
sinnvoll zur Entspannung und zur Kräftigung der geistigen und körperlichen
Gesundheit verwendet werden: durch Beschäftigung nach eigener Wahl und Studien;
durch Reisen in andere Länder (Tourismus), durch die der menschliche Geist
weitergebildet wird, die Menschen aber auch durch gegenseitige Bekanntschaft
bereichert werden; durch den Sport mit seinen Veranstaltungen, der zum
psychischen Gleichgewicht des Einzelnen und der Gesellschaft sowie zur
Anknüpfung brüderlicher Beziehungen zwischen Menschen aller Lebensverhältnisse,
Nationen oder Rassen beiträgt. Die Christen sollen sich also an den kollektiven
Veranstaltungen und Aktionen im kulturellen Bereich beteiligen, die unserer Zeit
eigentümlich sind, damit sie mit humanem und christlichem Geist durchdrungen
werden.
Alle diese offenen Möglichkeiten aber vermögen eine volle kulturelle
Erziehung des Menschen nicht zu verwirklichen, wenn man sich nicht gleichzeitig
gründlich mit der Bedeutung von Kultur und Wissenschaft für die menschliche
Person befaßt.
62. Das rechte Verhältnis der menschlichen und mitmenschlichen Kultur
zur christlichen Bildung
Wiewohl die Kirche zum kulturellen Fortschritt viel beigetragen hat, so steht
doch durch Erfahrung fest, daß ein friedliches Verhältnis von Kultur und
Christentum, wenn auch aus historisch bedingten Ursachen, sich nicht immer ohne
Schwierigkeiten einstellt.
Diese Schwierigkeiten brauchen das Glaubensleben nicht notwendig zu schädigen,
können vielmehr den Geist zu einem genaueren und tieferen Glaubensverständnis
anregen. Denn die neuen Forschungen und Ergebnisse der Naturwissenschaften, aber
auch der Geschichtswissenschaft und Philosophie stellen neue Fragen, die sogar
für das Leben Konsequenzen haben und auch von den Theologen neue Untersuchungen
verlangen. Außerdem sehen sich die Theologen veranlaßt, immer unter Wahrung der
der Theologie eigenen Methoden und Erfordernisse nach einer geeigneteren Weise
zu suchen, die Lehre des Glaubens den Menschen ihrer Zeit zu vermitteln. Denn
die Glaubenshinterlage selbst, das heißt die Glaubenswahrheiten, darf nicht
verwechselt werden mit ihrer Aussageweise, auch wenn diese immer den selben Sinn
und Inhalt meint (12). In der Seelsorge sollen nicht nur die theologischen
Prinzipien, sondern auch die Ergebnisse der profanen Wissenschaften, vor allem
der Psychologie und der Soziologie, wirklich beachtet und angewendet werden, so
daß auch die Laien zu einem reineren und reiferen Glaubensleben kommen.
Auf ihre Weise sind auch Literatur und Kunst für das Leben der Kirche von
großer Bedeutung. Denn sie bemühen sich um das Verständnis des eigentümlichen
Wesens des Menschen, seiner Probleme und seiner Erfahrungen bei dem Versuch,
sich selbst und die Welt zu erkennen und zu vollenden; sie gehen darauf aus, die
Situation des Menschen in Geschichte und Universum zu erhellen, sein Elend und
seine Freude, seine Not und seine Kraft zu schildern und ein besseres Los des
Menschen vorausahnen zu lassen. So dienen sie der Erhebung des Menschen in
seinem Leben in vielfältigen Formen je nach Zeit und Land, das sie darstellen.
Durch angestrengtes Bemühen soll erreicht werden, daß die Künstler das
Bewußtsein haben können, in ihrem Schaffen von der Kirche anerkannt zu sein, und
daß sie im Besitz der ihnen zustehenden Freiheit leichter zum Kontakt mit der
christlichen Gemeinde kommen. Auch die neuen Formen der Kunst, die gemäß der
Eigenart der verschiedenen Völker und Länder den Menschen unserer Zeit
entsprechen, sollen von der Kirche anerkannt werden. In das Heiligtum aber
sollen sie aufgenommen werden, wenn sie in einer dafür angepaßten Aussageweise
den Erfordernissen der Liturgie entsprechen und den Geist zu Gott erheben (13).
So wird das Wissen um Gott besser verdeutlicht, die evangelische Botschaft
wird dem Geist der Menschen zugänglicher und zeigt sich als etwas, was
gewissermaßen ihrem Dasein schon immer eingestiftet war.
Die Gläubigen sollen also in engster Verbindung mit den anderen Menschen
ihrer Zeit leben und sich bemühen, ihre Denk- und Urteilsweisen, die in der
Geisteskultur zur Erscheinung kommen, vollkommen zu verstehen. Das Wissen um die
neuen Wissenschaften, Anschauungen und Erfindungen sollen sie verbinden mit
christlicher Sittlichkeit und mit ihrer Bildung in der christlichen Lehre, damit
religiöses Leben und Rechtschaffenheit mit der wissenschaftlichen Erkenntnis und
dem täglich wachsenden technischen Fortschritt bei ihnen Schritt halten und sie
so alles aus einer umfassenden christlichen Haltung zu beurteilen und zu deuten
vermögen.
Die Vertreter der theologischen Disziplinen an den Seminarien und
Universitäten sollen mit hervorragenden Vertretern anderer Wissenschaften in
gemeinsamer Bemühung und Planung zusammenzuarbeiten suchen. Die theologische
Forschung soll sich zugleich um eine tiefe Erkenntnis der geoffenbarten Wahrheit
bemühen und die Verbindung mit der eigenen Zeit nicht vernachlässigen, um den in
so verschiedenen Wissenszweigen gebildeten Menschen zu einem umfassenderen
Glaubensverständnis verhelfen zu können. Dieses gemeinsame Bemühen wird auch für
die Ausbildung der Seelsorger von größtem Nutzen sein, damit diese imstande sind,
die Lehre der Kirche über Gott, den Menschen und die Welt den Menschen unserer
Zeit in geeigneter Weise darzulegen, und so das Wort der Kirche von diesen auch
bereitwilliger angenommen wird (14). Es ist sogar wünschenswert, daß einer
großen Zahl von Laien eine hinreichende Bildung in der Theologie vermittelt
werde und recht viele von ihnen die Theologie auch zum Hauptstudium machen und
selber weiter fördern. Zur Ausführung dieser Aufgabe muß aber den Gläubigen,
Klerikern wie Laien, die entsprechende Freiheit des Forschens, des Denkens sowie
demütiger und entschiedener Meinungsäußerung zuerkannt werden in allen Bereichen
ihrer Zuständigkeit (15).
KAPITEL III
DAS WIRTSCHAFTSLEBEN
63. Zum Erscheinungsbild des Wirtschaftslebens
Auch im Wirtschaftsleben sind die Würde der menschlichen Person und ihre
ungeschmälerte Berufung wie auch das Wohl der gesamten Gesellschaft zu achten
und zu fördern, ist doch der Mensch Urheber, Mittelpunkt und Ziel aller
Wirtschaft.
Wie die andern Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, so ist auch die
heutige Wirtschaft geprägt durch die wachsende Herrschaft des Menschen über die
Natur, durch die steigende Dichte und Gewichtigkeit der Beziehungen und
wechselseitigen Abhängigkeit der Einzelnen, der Gruppen und der Völker sowie
durch das immer häufigere Eingreifen der öffentlichen Gewalt. Zugleich haben die
Fortschritte in der Produktionstechnik wie auch im Austausch von Gütern und
Dienstleistungen die Wirtschaft in den Stand gesetzt, die gestiegenen
Bedürfnisse der Menschheitsfamilie besser zu befriedigen.
Es fehlt aber auch nicht an Gründen zur Beunruhigung. Nicht wenige Menschen,
namentlich in den wirtschaftlich fortgeschrittenen Ländern, sind von der
Wirtschaft geradezu versklavt, so daß fast ihr ganzes persönliches und
gesellschaftliches Leben von ausschließlich wirtschaftlichem Denken bestimmt ist,
und dies ebenso in Ländern, die einer kollektivistischen Wirtschaftsweise
zugetan sind, wie in anderen. Gerade zu der Zeit, da das Wachstum der Wirtschaft,
vernünftig und human gelenkt und koordiniert, die sozialen Ungleichheiten
mildern könnte, führt es allzu oft zu deren Verschärfung, hie und da sogar zur
Verschlechterung der Lage der sozial Schwachen und zur Verachtung der
Notleidenden. Während einer ungeheueren Masse immer noch das absolut Notwendige
fehlt, leben einige auch in zurückgebliebenen Ländern - in Üppigkeit und treiben
Verschwendung. Nebeneinander bestehen Luxus und Elend. Einige wenige erfreuen
sich weitestgehender Entscheidungsfreiheit, während viele fast jeder Möglichkeit
ermangeln, initiativ und eigenverantwortlich zu handeln, und sich oft in Lebens-
und Arbeitsbedingungen befinden, die des Menschen unwürdig sind.
Ähnliche Störungen des ökonomischen und sozialen Gleichgewichts bestehen
zwischen Landwirtschaft, Industrie und Dienstleistungsgewerben wie auch zwischen
verschiedenen Gebieten einer und derselben Nation. Zwischen den wirtschaftlich
fortgeschrittenen Völkern und anderen bildet sich ein ständig sich
verschärfender Gegensatz heraus, der sogar den Weltfrieden gefährden kann.
Diese Gleichgewichtsstörungen werden von unseren Zeitgenossen mit um so
wacherem Bewußtsein erlebt, als sie fest überzeugt sind, die gewaltigen
technischen und ökonomischen Mittel, über die wir heute verfügen, machten es
nicht nur möglich, sondern zur Pflicht, diesen unseligen Zustand zu überwinden.
Daher werden vielfältige institutionelle Reformen in der Wirtschaft wie auch
eine allgemeine Umstellung der Gesinnung und Verhaltensweise gefordert. Hierzu
hat die Kirche Grundsätze der Gerechtigkeit und Billigkeit sowohl für das
persönliche und das gesellschaftliche als auch für das internationale Leben, wie
die rechte Vernunft sie fordert, im Lauf der Jahrhunderte unter dem Licht des
Evangeliums erarbeitet und namentlich in jüngster Zeit vorgelegt. Das Heilige
Konzil möchte diese Grundsätze der heutigen Lage entsprechend unterstreichen und
vorzugsweise im Hinblick auf die Bedürfnisse einer im Fortschritt befindlichen
Wirtschaft einige Orientierungen geben (1).
Erster Abschnitt: Der wirtschaftliche Fortschritt
64. Wirtschaftlicher Fortschritt zum Dienst am Menschen
Das Bemühen um vermehrte Erzeugung landwirtschaftlicher und industrieller
Güter und um gesteigerte Darbietung von Dienstleistungen mit dem Ziel, den
Bedürfnissen der wachsenden Menschenzahl gerecht zu werden und den immer höheren
Ansprüchen der Menschen Genüge zu tun, erscheint heute mehr als je
gerechtfertigt. Darum verdienen technischer Fortschritt, Aufgeschlossenheit für
das Neue, die Bereitschaft, neue Unternehmen ins Leben zu rufen und bestehende
zu erweitern, die Entwicklung geeigneter Produktionsverfahren, das ernsthafte
Bemühen aller irgendwie am Produktionsprozeß Beteiligten, überhaupt alles, was
zu diesem Fortschritt beiträgt, durchaus gefördert zu werden. Die fundamentale
Zweckbestimmung dieses Produktionsprozesses besteht aber weder in der vermehrten
Produktion als solcher noch in Erzielung von Gewinn oder Ausübung von Macht,
sondern im Dienst am Menschen, und zwar am ganzen Menschen im Hinblick auf seine
materiellen Bedürfnisse, aber ebenso auch auf das, was er für sein geistiges,
sittliches, spirituelles und religiöses Leben benötigt. Das gilt ausdrücklich
für alle Menschen und für jeden einzelnen, für jede Gruppe, für Menschen jeder
Rasse und jeden Erdteils. Daraus folgt: Alle wirtschaftliche Tätigkeit ist -
nach den ihr arteigenen Verfahrensweisen und Gesetzmäßigkeiten - immer im Rahmen
der sittlichen Ordnung (2) so auszuüben, daß das verwirklicht wird, was Gott mit
dem Menschen vorhat (3).
65. Der Mensch Herr des wirtschaftlichen Fortschritts
Niemals darf der wirtschaftliche Fortschritt der Herrschaft des Menschen
entgleiten; ebensowenig darf er der ausschließlichen Bestimmung durch wenige mit
übergroßer wirtschaftlicher Macht ausgestattete Einzelmenschen oder Gruppen noch
auch durch den Staat, noch durch einige übermächtige Nationen ausgeliefert sein.
Im Gegenteil ist geboten, daß auf jeder Stufe möglichst viele Menschen und,
soweit es sich um den zwischenstaatlichen Bereich handelt, alle Nationen an der
Lenkung des wirtschaftlichen Fortschritts aktiv beteiligt seien. Gleicherweise
bedarf es der rechten Zusammenordnung und des sachgerechten inneren Verbundes
des der eigenen Initiative entspringenden Wirkens der Einzelnen und der freien
Gruppen einerseits und der Maßnahmen öffentlicher Gewalten andererseits.
Das Wachstum ist weder ausschließlich dem Automatismus des Tuns und Lassens
der einzelnen Wirtschaftssubjekte noch ausschließlich dem Machtgebot der
öffentlichen Gewalt zu überantworten. Sowohl die Lehren, die unter Berufung auf
eine mißverstandene Freiheit notwendigen Reformen den Weg verlegen, als auch
solche, die um einer kollektivistischen Organisation des Produktionsprozesses
willen grundlegende Rechte der Einzelpersonen und der Gruppen hintansetzen, sind
daher gleicherweise als irrig abzulehnen (4).
Die Bürger sollen sich ihrer auch von der Staatsgewalt anzuerkennenden
Berechtigung und Verpflichtung bewußt sein, nach Maßgabe ihrer Möglichkeiten zum
wahren Fortschritt ihres Gemeinwesens beizutragen. Namentlich in den
wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern, wo alle verfügbaren Mittel dringend
benötigt werden, heißt es das Gemeinwohl ernstlich gefährden, wenn man seine
Mittel dem produktiven Einsatz vorenthält oder - unbeschadet des persönlichen
Rechtes auszuwandern - seinem Gemeinwesen materielle und ideelle Hilfen, auf die
es angewiesen ist, entzieht.
66. Abbau übergroßer sozialökonomischer Unterschiede
Um den Erfordernissen von Gerechtigkeit und Billigkeit Genüge zu tun, müssen
ernsthafte Anstrengungen unternommen werden, um - unbeschadet der Rechte der
menschlichen Person und der besonderen Veranlagung jedes einzelnen Volkes - die
übergroßen und noch weiter zunehmenden Ungleichheiten der wirtschaftlichen Lage
und die damit Hand in Hand gehende persönliche und soziale Diskriminierung
möglichst rasch abzubauen. Desgleichen bedarf es in manchen Gegenden an gesichts
der besonderen Schwierigkeiten, denen die Landwirtschaft in bezug auf Gewinnung
und Absatz ihrer Erzeugnisse unterliegt, besonderer Maßnahmen zugunsten der
Bauern mit dem Ziel, ihre Produktion zu erhöhen oder günstiger abzusetzen oder
erforderliche Entwicklungen und Neugestaltungen in die Wege zu leiten oder ihr
Einkommen auf eine angemessene Höhe zu bringen und so zu verhüten, daß sie, wie
es öfters vorkommt, auf die Dauer über die Lage von Staatsbürgern zweiter Klasse
nicht hinauskommen. Sache der Bauern selbst, vor allem der jungen Generation,
ist es, sich angelegentlich darum zu bemühen, ihr berufliches Können zu steigern,
ohne das es keinen Fortschritt in der Landwirtschaft geben kann (5).
Gerechtigkeit und Billigkeit gebieten ferner, die für wirtschaftlichen
Fortschritt unerläßliche Mobilität so zu regeln, daß das Leben der Einzelnen und
der Familien nicht ungesichert oder gefährdet wird. Die aus anderen Völkern und
Ländern herangezogenen Arbeiter, die durch ihre Arbeit zum wirtschaftlichen
Aufstieg des Volkes oder Landes beitragen, dürfen, was Entlohnung und
Arbeitsbedingungen angeht, in keiner Weise diskriminiert werden. Alle im
Aufnahmeland, namentlich aber die öffentlichen Stellen, dürfen sie nicht als
bloße Produktionsmittel behandeln, sondern haben ihnen als menschlichen Personen
zu begegnen und sollen ihnen helfen, ihre Familien nachzuziehen und sich
angemessene Wohngelegenheit zu verschaffen, sollen auch ihre Eingliederung in
das gesellschaftliche Leben des Aufnahmelandes und seiner Bevölkerung
begünstigen. Soweit wie möglich sollte man jedoch in ihren Heimatländern selbst
Arbeitsgelegenheit schaffen.
Angesichts der heute sich vollziehenden Umwälzungen im Wirtschaftsleben und
des Gestaltwandels zur industriellen Gesellschaft, wo beispielsweise die
Automation im Vormarsch ist, muß Sorge dafür getragen werden, daß ausreichende
und für den Einzelnen passende Arbeitsgelegenheit, verbunden mit der Möglichkeit
ausreichender technischer und fachlicher Ausbildung, bereitsteht und zugleich
der Lebensunterhalt und die Menschenwürde namentlich derer gesichert sind, die
wegen ihres gesundheitlichen Zustandes oder ihres Alters sich in besonders
schwieriger Lage befinden.
Zweiter Abschnitt: Einige für das ganze sozialökonomische Leben
verbindliche Grundsätze
67. Arbeit, Arbeitsbedingungen, Freizeit
Die in der Gütererzeugung, der Güterverteilung und in den
Dienstleistungsgewerben geleistete menschliche Arbeit hat den Vorrang vor allen
anderen Faktoren des wirtschaftlichen Lebens, denn diese sind nur werkzeuglicher
Art.
Die Arbeit nämlich, gleichviel, ob selbständig ausgeübt oder im
Lohnarbeitsverhältnis stehend, ist unmittelbarer Ausfluß der Person, die den
stofflichen Dingen ihren Stempel aufprägt und sie ihrem Willen dienstbar macht.
Durch seine Arbeit erhält der Mensch sein und der Seinigen Leben, tritt in
tätigen Verbund mit seinen Brüdern und dient ihnen; so kann er praktische
Nächstenliebe üben und seinen Beitrag zur Vollendung des Schöpfungswerkes Gottes
erbringen. Ja wir halten fest: Durch seine Gott dargebrachte Arbeit verbindet
der Mensch sich mit dem Erlösungswerk Jesu Christi selbst, der, indem er in
Nazareth mit eigenen Händen arbeitete, der Arbeit eine einzigartige Würde
verliehen hat. Daraus ergibt sich für jeden Einzelnen sowohl die Verpflichtung
zu gewissenhafter Arbeit wie auch das Recht auf Arbeit; Sache der Gesellschaft
aber ist es, nach jeweiliger Lage der Dinge für ihren Teil behilflich zu sein,
daß ihre Bürger Gelegenheit zu ausreichender Arbeit finden können. Schließlich
ist die Arbeit so zu entlohnen, daß dem Arbeiter die Mittel zu Gebote stehen, um
sein und der Seinigen materielles, soziales, kulturelles und spirituelles Dasein
angemessen zu gestalten - gemäß der Funktion und Leistungsfähigkeit des
Einzelnen, der Lage des Unternehmens und unter Rücksicht auf das Gemeinwohl (6).
Da der Wirtschaftsprozeß im allgemeinen auf Arbeitsvereinigung beruht, ist es
unbillig und menschenunwürdig, ihn so zu gestalten und zu lenken, daß
irgendwelche Arbeitenden zu Schaden kommen. Nicht selten aber geschieht es auch
heute noch, daß die Werktätigen geradezu zu Sklaven ihres eigenen Werkes werden.
Das aber läßt sich auf keinen Fall durch sogenannte Gesetzmäßigkeiten des
wirtschaftlichen Lebens rechtfertigen. Der ganze Vollzug werteschaffender Arbeit
ist daher auf die Bedürfnisse der menschlichen Person und ihrer
Lebensverhältnisse auszurichten, insbesondere auf die Bedürfnisse des häuslichen
Lebens, dies namentlich bei den Familienmüttern, unter ständiger Rücksichtnahme
auf Geschlecht und Alter. Überdies sollte der arbeitende Mensch in seiner Arbeit
selbst Gelegenheit haben zur Entwicklung seiner Anlagen und Entfaltung seiner
Personwerte. Alle aber, die ihre Zeit und Kraft mit gebührendem
Verantwortungsbewußtsein der Arbeit widmen, sollten auch über ausreichende
Ruhezeiten und Muße verfügen für das Leben mit ihren Familien, für ihr
kulturelles, gesellschaftliches und religiöses Leben. Ja sie sollten auch die
Möglichkeit haben, gerade diejenigen Anlagen und Fähigkeiten frei zu entwickeln,
zu deren Entfaltung ihre berufliche Tätigkeit vielleicht nur wenig Gelegenheit
bietet.
68. Die Beteiligung in der Ordnung von Unternehmen und Gesamtwirtschaft;
die Arbeitskämpfe
In den wirtschaftlichen Unternehmen stehen Personen miteinander in Verbund,
d.h. freie, selbstverantwortliche, nach Gottes Bild geschaffene Menschen. Darum
sollte man unter Bedachtnahme auf die besonderen Funktionen der Einzelnen, sei
es der Eigentümer, der Arbeitgeber, der leitenden oder der ausführenden Kräfte,
und unbeschadet der erforderlichen einheitlichen Werkleitung die aktive
Beteiligung aller an der Unternehmensgestaltung (7) voranbringen; die geeignete
Art und Weise der Verwirklichung wäre näher zu bestimmen. In großem Umfang
werden Entscheidungen über wirtschaftliche und soziale Angelegenheiten, die für
das künftige Los der Arbeiter und ihrer Nachkommenschaft von Bedeutung sind,
nicht so sehr in den einzelnen Unternehmen als vielmehr an höheren Stellen
getroffen; darum sollten die Arbeiter auch daran beteiligt sein, sei es
unmittelbar, sei es durch frei gewählte Abgesandte.
Eines der grundlegenden Rechte der menschlichen Person ist das Recht der im
Arbeitsverhältnis stehenden Menschen, in voller Freiheit Organisationen zu
gründen, die sie echt vertreten und imstande sind, zur rechten Gestaltung des
Wirtschaftslebens einen wirksamen Beitrag zu leisten, wie auch in diesen
Organisationen sich frei zu betätigen, ohne Gefahr zu laufen, deswegen
irgendwelchen Nachteilen ausgesetzt zu sein. Durch eine solche geordnete
Beteiligung, verbunden mit steigendem wirtschaftlichem und sozialem
Bildungsstand, werden bei allen das Verständnis der eigenen Aufgabe und das
Verantwortungsbewußtsein ständig zunehmen; das wird weiter dazu führen, alle -
gemäß den Anlagen und Fähigkeiten eines jeden - ihrer Verbundenheit im
gemeinsamen Bemühen um das allumfassende Werk des wirtschaftlichen und sozialen
Fortschritts und um die allseitige Verwirklichung des Gemeinwohls inne werden zu
lassen.
Wo der Gegensatz wirtschaftlicher oder sozialer Interessen zu kämpferischen
Auseinandersetzungen zu führen droht, müssen alle Bemühungen dahin zielen, eine
friedliche Lösung zu finden. An erster Stelle muß immer die ehrliche Aussprache
der Beteiligten stehen. Nichtsdestoweniger wird auch unter den heutigen
Verhältnissen der Streik, wenn auch nur als letzter Behelf, unentbehrlich
bleiben, um Rechte der Arbeiter zu verteidigen oder berechtigte Forderungen
durchzusetzen. So schnell als möglich muß dann aber versucht werden, den Weg zur
Wiederaufnahme von Verhandlungen und gemeinsamen Überlegungen über eine
Verständigung zu finden.
69. Die Widmung der irdischen Güter an alle Menschen
Gott hat die Erde mit allem, was sie enthält, zum Nutzen aller Menschen und
Völker bestimmt; darum müssen diese geschaffenen Güter in einem billigen
Verhältnis allen zustatten kommen; dabei hat die Gerechtigkeit die Führung, Hand
in Hand geht mit ihr die Liebe (8). Wie immer das Eigentum und seine nähere
Ausgestaltung entsprechend den verschiedenartigen und wandelbaren Umständen in
die rechtlichen Institutionen der Völker eingebaut sein mag, immer gilt es,
achtzuhaben auf diese allgemeine Bestimmung der Güter. Darum soll der Mensch,
der sich dieser Güter bedient, die äußeren Dinge, die er rechtmäßig besitzt,
nicht nur als ihm persönlich zu eigen, sondern muß er sie zugleich auch als
Gemeingut ansehen in dem Sinn, daß sie nicht ihm allein, sondern auch anderen
von Nutzen sein können (9). Zudem steht allen das Recht zu, einen für sich
selbst und ihre Familien ausreichenden Anteil an den Erdengütern zu haben. Das
war die Meinung der Väter und Lehrer der Kirche, die sagen, es sei Pflicht, die
Armen zu unterstützen, und zwar nicht nur vom Überfluß (10). Wer aber sich in
äußerster Notlage befindet, hat das Recht, vom Reichtum anderer das Benötigte an
sich zu bringen (11). Angesichts der großen Zahl derer, die in der Welt Hunger
leiden, legt das Heilige Konzil sowohl den Einzelnen als auch den öffentlichen
Gewalten dringend ans Herz, sie möchten doch eingedenk des Väterwortes: "Speise
den vor Hunger Sterbenden, denn ihn nicht speisen heißt ihn töten (12)", jeder
nach dem Maße dessen, was ihm möglich ist, Ernst damit machen, ihre Güter
mitzuteilen und hinzugeben und dabei namentlich jene Hilfen zu gewähren, durch
die sie, seien es Einzelne, seien es ganze Völker, sich selber helfen und
entwickeln können.
In den wirtschaftlich wenig entwickelten Gesellschaften wird der
Gemeinwidmung der Güter zu einem Teil durch Gewohnheiten und Überlieferungen
Rechnung getragen, die jedem Glied der Gemeinschaft das unbedingt Nötige sichern.
Es muß aber vermieden werden, bestimmte Gewohnheiten als starr und
unveränderlich anzusehen, wenn sie neuen Bedürfnissen der Gegenwart nicht mehr
genügen, nicht minder aber auch, in unkluger Weise gegen an sich achtenswerte
Gewohnheiten anzugehen, die bei geschickter Anpassung an die heutigen
Verhältnisse auch weiterhin großen Nutzen stiften. In ähnlicher Weise kann in
wirtschaftlich weit fortgeschrittenen Ländern eine Vielfalt von Einrichtungen
sozialer Vorsorge und Sicherung zu ihrem Teil die Gemeinwidmung der Güter
verwirklichen. Weiter auszubauen sind Familien- und Gemeinschaftsdienste,
namentlich solche mit bildenden und erzieherischen Zielen. Bei allen Maßnahmen
dieser Art gilt es aber darauf zu achten, daß die Staatsbürger nicht zu
Passivität gegenüber der Gesellschaft verleitet werden, nicht der Erfüllung der
ihnen obliegenden Pflichten aus dem Wege gehen oder ihre Dienstleistung
verweigern.
70. Investitionen, Währung
Investitionen ihrerseits müssen dahin zielen, in ausreichendem Maße Arbeits-
und Verdienstgelegenheiten zu schaffen nicht allein für die gegenwärtige,
sondern auch für die künftige Bevölkerung. Alle, die über diese Investitionen
und über die Ausrichtung der Wirtschaft zu entscheiden haben, seien es Einzelne,
Gruppen oder öffentliche Gewalten, sind gehalten, diese Zielsetzung vor Augen zu
haben und ihrer strengen Verpflichtung eingedenk zu sein, einerseits den
derzeitigen Bedarf menschenwürdiger Lebenshaltung sowohl der Einzelnen als auch
des gesellschaftlichen Ganzen zu decken, andererseits den Blick auf die Zukunft
zu richten und für ein ausgewogenes Verhältnis zu sorgen zwischen dem, was zur
Deckung der derzeitigen privaten und öffentlichen Verbrauchsbedürfnisse
bereitgestellt wird, und den notwendigen Investitionen zugunsten der
nachfolgenden Generation. Auch die dringenden Bedürfnisse der wirtschaftlich
weniger fortgeschrittenen Völker und Länder sind ständig im Auge zu halten.
In Sachen der Währung hüte man sich, dem wahren Wohl der eigenen oder fremder
Nationen zuwiderzuhandeln. Darüber hinaus treffe man Vorsorge, daß die
wirtschaftlich Schwachen nicht durch Änderungen des Geldwertes ungerecht
geschädigt werden.
71. Der Zugang zu Eigentum und privatem Vermögen; landwirtschaftlicher
Großgrundbesitz
Eigentum und andere Formen privater Verfügung über äußere Güter tragen bei
zur Selbstdarstellung der Person; überdies geben sie dem Menschen die
Möglichkeit, seine Aufgabe in Gesellschaft und Wirtschaft zu erfüllen; darum
liegt viel daran, den Zugang sowohl der Einzelnen als auch der
Vergemeinschaftungen zu einem gewissen Maß von Verfügungsmacht über äußere Güter
zu begünstigen.
Privateigentum oder ein gewisses Maß an Verfügungsmacht über äußere Güter
vermitteln den unbedingt nötigen Raum für eigenverantwortliche Gestaltung des
persönlichen Lebens jedes Einzelnen und seiner Familie; sie müssen als eine Art
Verlängerung der menschlichen Freiheit betrachtet werden; auch spornen sie an
zur Übernahme von Aufgaben und Verantwortung; damit zählen sie zu den
Voraussetzungen staatsbürgerlicher Freiheit (13).
Diese Verfügungsmacht oder dieses Eigentum gibt es heute in vielerlei Gestalt;
von Tag zu Tag werden sie noch vielgestaltiger. Alle behalten auch neben den
Einrichtungen der sogenannten sozialen Sicherheit, neben den von der
Gesellschaft gewährleisteten Rechtsansprüchen und Dienstleistungen ihre
Bedeutung als nicht geringzuschätzende Daseinssicherung. Das gilt aber nicht
allein vom materiellen, sondern auch vom immateriellen Eigentum, z.B. von
beruflichen Fähigkeiten.
Das Recht auf Privateigentum schließt aber die Rechtmäßigkeit von
Gemeineigentum in verschiedenen Formen nicht aus. Die Überführung von Gütern in
Gemeineigentum kann nur von den zuständigen obrigkeitlichen Stellen entsprechend
dem, was das Gemeinwohl fordert, und in dieser Begrenzung sowie gegen billige
Entschädigung erfolgen. Sache der öffentlichen Gewalt ist es auch, Vorsorge zu
treffen gegen einen Mißbrauch privaten Eigentums im Widerspruch zum Gemeinwohl
(14).
Aber auch das Privateigentum selbst hat eine ihm wesentliche soziale Seite;
sie hat ihre Grundlage in der Widmung der Erdengüter an alle (15). Bei
Außerachtlassung dieser seiner sozialen Seite führt das Eigentum in großem
Umfang zu Raffgier und schweren Verirrungen; das aber liefert seinen Gegnern den
Vorwand, das Eigentumsrecht als solches in Frage zu stellen.
In manchen wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern besteht großer, ja
riesengroßer Landbesitz, der nur schwach genutzt oder gar in spekulativer
Absicht völlig ungenützt liegen gelassen wird, während die Mehrheit der
Bevölkerung entweder überhaupt keinen Boden besitzt oder nur äußerst geringe
landwirtschaftliche Nutzflächen in Bestellung hat, während auf der anderen Seite
die Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge unverkennbar dringlich ist.
Nicht selten beziehen diejenigen, die von den Eigentümern als Arbeitskräfte
gedungen werden oder Teile von deren Besitz als Pächter bewirtschaften, nur
einen menschenunwürdigen Lohn oder Ertragsanteil, ermangeln angemessener
Unterkunft und werden von Mittelspersonen ausgebeutet. Ohne jede
Daseinssicherung leben sie in einer Dienstbarkeit, die ihnen nahezu jede
Möglichkeit raubt, aus eigenem Antrieb und in eigener Verantwortung etwas zu
unternehmen, ihnen jeden kulturellen Fortschritt und jede Beteiligung am
gesellschaftlichen und politischen Leben versagt. Hier sind Reformen geboten mit
dem Ziel, je nach Lage des Falles die Bezüge zu erhöhen, die Arbeitsbedingungen
zu verbessern, das Beschäftigungsverhältnis zu sichern, Anreiz zu eigener
Unternehmungslust zu bieten, schließlich auch die nicht hinreichend genutzten
Besitzungen aufzuteilen unter diejenigen, die imstande sind, diese Flächen
ertragbringend zu machen. In letzterem Falle müssen die nötigen Sachmittel und
Hilfseinrichtungen beigestellt werden, insbesondere Ausbildungsbeihilfe und
organisatorischer Verbund echt genossenschaftlicher Art. Wo das Gemeinwohl die
Entziehung des Eigentums erfordert, ist die Entschädigung nach Billigkeit zu
bemessen unter Abwägung aller einschlägigen Gesichtspunkte.
72. Wirtschaft und Reich Christi
Wer als Christ am heutigen sozialökonomischen Fortschritt mitwirkt und dabei
für Gerechtigkeit und Liebe eintritt, der möge überzeugt sein, er könne viel
beitragen zum Wohl der Menschheit und zum Frieden auf dieser Welt. Bei all
diesem seinem Wirken möge er, gleichviel, ob er als Einzelner oder im Verbund
mit anderen tätig wird, leuchtendes Beispiel geben. Hat er sich erst einmal die
unerläßliche Sachkenntnis und Erfahrung angeeignet, dann möge er unter den
irdischen Betätigungen die rechte Ordnung innehalten, in Treue gegen Christus
und seine frohe Botschaft, dergestalt, daß sein ganzes persönliches und
gesellschaftliches Auftreten geprägt sei vom Geist der Bergpredigt, insbesondere
von der Seligpreisung der Armut. Wer immer im Gehorsam gegen Christus zuerst das
Reich Gottes sucht, der stärkt und läutert dadurch seine Liebesgesinnung, um
allen seinen Brüdern zu helfen und unter dem Antrieb der göttlichen Liebe das,
was die Gerechtigkeit verlangt, zur vollen Verwirklichung zu führen (16)
KAPITEL IV
DAS LEBEN IN DER POLITISCHEN GEMEINSCHAFT
73. Das öffentliche Leben heute
Tiefgreifende Änderungen zeigen sich heute auch innerhalb der politischen
Strukturen und Einrichtungen der Völker als Folge ihrer kulturellen,
wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Diese Veränderungen haben
großen Einfluß auf das Leben der politischen Gemeinschaft, vor allem
hinsichtlich der Rechte und Pflichten aller bei der Ausübung der
staatsbürgerlichen Freiheit, zur Verwirklichung des Gemeinwohls und bei der
Ordnung der Beziehungen der Bürger untereinander und zur öffentlichen Gewalt.
Aus dem lebendigeren Bewußtsein der menschlichen Würde wächst ja in den
verschiedenen Teilen der Welt das Bestreben, eine neue politisch-rechtliche
Ordnung zu schaffen, in der die Rechte der menschlichen Person im öffentlichen
Leben besser geschützt sind, etwa das Recht auf Versammlungs-, Vereinigungs- und
Meinungsfreiheit und das Recht auf privates und öffentliches Bekenntnis der
Religion.
Der Schutz dieser Personenrechte ist nämlich die notwendige Bedingung dafür,
daß die Bürger einzeln oder im Verbund am Leben und der Leitung des Staates
tätigen Anteil nehmen können. Parallel zu dem kulturellen, wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Fortschritt wächst bei vielen das Verlangen nach mehr Anteil
an der Gestaltung des Lebens der politischen Gemeinschaft.
Im Bewußtsein vieler wächst das Verlangen, die Rechte der Minderheiten zu
wahren, ohne daß deren Pflichten der politischen Gemeinschaft gegenüber außer
acht gelassen werden; überdies nimmt die Achtung vor Menschen anderer Meinung
oder Religion zu. Gleichzeitig bildet sich eine immer breitere Zusammenarbeit
dafür heraus, daß alle Bürger, nicht nur einige privilegierte, wirklich in den
Genuß ihrer persönlichen Rechte gelangen können.
Umgekehrt werden alle jene politischen Formen in manchen Ländern verworfen,
die die staatsbürgerliche und religiöse Freiheit schmälern, die Zahl der Opfer
politischer Leidenschaften und Verbrechen vermehren und die Ausübung der
staatlichen Gewalt zum Eigennutz einer bestimmten Partei oder gar der Machthaber
selbst und zum Schaden des Gemeinwohls mißbrauchen.
Für den Aufbau eines wirklich menschenwürdigen politischen Lebens ist nichts
so wichtig wie die Pflege der inneren Einstellung auf Gerechtigkeit, Wohlwollen
und Dienst am Gemeinwohl sowie die Schaffung fester Grundüberzeugungen über das
wahre Wesen politischer Gemeinschaft und über das Ziel, den rechten Gebrauch und
die Grenzen der öffentlichen Gewalt.
74. Natur und Endzweck der politischen Gemeinschaft
Die Einzelnen, die Familien und die verschiedenen Gruppen, aus denen sich die
politische Gemeinschaft zusammensetzt, wissen, daß sie allein nicht imstande
sind, alles das zu leisten, was zu einem in jeder Richtung menschlichen Leben
gehört. Sie erfassen die Notwendigkeit einer umfassenderen Gesellschaft, in der
alle täglich ihre eigenen Kräfte zusammen zur ständig besseren Verwirklichung
des Gemeinwohls einsetzen (1).
So begründen sie denn die politische Gemeinschaft in ihren verschiedenen
Formen.
Die politische Gemeinschaft besteht also um dieses Gemeinwohls willen; in ihm
hat sie ihre letztgültige Rechtfertigung und ihren Sinn, aus ihm leitet sie ihr
ursprüngliches Eigenrecht ab.
Das Gemeinwohl aber begreift in sich die Summe aller jener Bedingungen
gesellschaftlichen Lebens, die den Einzelnen, den Familien und
gesellschaftlichen Gruppen ihre eigene Vervollkommnung voller und ungehinderter
zu erreichen gestatten (2).
Aber die Menschen, die zu einer politischen Gemeinschaft zusammenfinden, sind
zahlreich und verschiedenartig. Sie können mit Recht verschiedene Meinungen
haben. Damit nun der Staat nicht dadurch, daß jeder seiner eigenen Ansicht folgt,
zerfällt, bedarf es einer Autorität, welche die Kräfte aller Bürger auf das
Gemeinwohl lenkt, nicht bloß durch die Automatismen des Institutionellen oder
durch brutale Gewalt, sondern vor allem als moralische Macht, die sich stützt
auf die Freiheit und auf das Bewußtsein einer übernommenen Verantwortung.
Offenkundig sind also die politische Gemeinschaft und die öffentliche
Autorität in der menschlichen Natur begründet und gehören zu der von Gott
vorgebildeten Ordnung, wenngleich die Bestimmung der Regierungsform und die
Auswahl der Regierenden dem freien Willen der Staatsbürger überlassen bleiben
(3).
Ebenso ergibt sich, daß sich die Ausübung der politischen Gewalt in der
Gemeinschaft als solcher oder in den für sie repräsentativen Institutionen immer
nur im Rahmen der sittlichen Ordnung vollziehen darf, und zwar zur
Verwirklichung des Gemeinwohls - dieses aber dynamisch verstanden - und
entsprechend einer legitimen juridischen Ordnung, die bereits besteht oder noch
geschaffen werden soll. Dann aber sind auch die Staatsbürger im Gewissen zum
Gehorsam verpflichtet4. Daraus ergeben sich also die Verantwortlichkeit, Würde
und Bedeutung der Regierenden.
Wo jedoch die Staatsbürger von einer öffentlichen Gewalt, die ihre
Zuständigkeit überschreitet, bedrückt werden, sollen sie sich nicht weigern, das
zu tun, was das Gemeinwohl objektiv verlangt. Sie haben jedoch das Recht, ihre
und ihrer Mitbürger Rechte gegen den Mißbrauch der staatlichen Autorität zu
verteidigen, freilich innerhalb der Grenzen des Naturrechts und des Evangeliums.
Die konkrete Art und Weise, wie die politische Gemeinschaft ihre eigene
Verfassung und die Ausübung der öffentlichen Gewalt ordnet, kann entsprechend
der Eigenart der verschiedenen Völker und der geschichtlichen Entwicklung
verschieden sein. Immer aber muß sie im Dienst der Formung eines gebildeten,
friedliebenden und gegenüber allen anderen wohlwollenden Menschen stehen, zum
Vorteil der gesamten Menschheitsfamilie.
75. Die Mitarbeit aller am öffentlichen Leben
In vollem Einklang mit der menschlichen Natur steht die Entwicklung von
rechtlichen und politischen Strukturen, die ohne jede Diskriminierung allen
Staatsbürgern immer mehr die tatsächliche Möglichkeit gibt, frei und aktiv
teilzuhaben an der rechtlichen Grundlegung ihrer politischen Gemeinschaft, an
der Leitung des politischen Geschehens, an der Festlegung des
Betätigungsbereichs und des Zwecks der verschiedenen Institutionen und an der
Wahl der Regierenden (5).
Alle Staatsbürger aber sollen daran denken, von Recht und Pflicht der freien
Wahl Gebrauch zu machen zur Förderung des Gemeinwohls.
Die Kirche ihrerseits zollt der Arbeit jener, die sich zum Dienst an den
Menschen für das Wohl des Staates einsetzen und die Lasten eines solchen Amtes
tragen, Anerkennung und Achtung.
Soll die verantwortungsbewußte Mitarbeit der Bürger im täglichen Leben des
Staates den gewünschten Erfolg haben, so muß eine Ordnung des positiven Rechtes
vorhanden sein, in der eine sinnvolle Aufteilung der Ämter und Institutionen der
öffentlichen Gewalt in Verbindung mit einem wirksamen und nach allen Seiten hin
unabhängigen Schutz der Rechte gegeben ist.
Die Rechte aller Personen, Familien und gesellschaftlichen Gruppen und deren
Ausübung sollen anerkannt, geschützt und gefördert werden6 zusammen mit den
Pflichten, die alle Staatsbürger binden. Unter diesen Pflichten muß ausdrücklich
die Pflicht genannt werden, dem Staat jene materiellen und persönlichen Dienste
zu leisten, die für das Gemeinwohl notwendig sind.
Die Regierenden sollen sich davor hüten, den Familien, gesellschaftlichen und
kulturellen Gruppen, vorstaatlichen Körperschaften und Institutionen Hindernisse
in den Weg zu legen oder ihnen den ihnen zustehenden freien Wirkungskreis zu
nehmen; vielmehr sollen sie diese großzügig und geregelt fördern.
Aber auch die Staatsbürger, einzeln oder in Gruppen, sollen der öffentlichen
Autorität nicht eine zu umfangreiche Gewalt zugestehen noch von ihr ungebührlich
große Zuwendungen und Begünstigungen fordern, so daß die Eigenverantwortung der
Einzelnen, der Familien und gesellschaftlichen Gruppen gemindert wird.
Die heutzutage stets verwickelter werdenden Verhältnisse zwingen die
staatliche Autorität, häufiger in soziale, wirtschaftliche und kulturelle
Angelegenheiten einzugreifen; sie will damit geeignetere Voraussetzungen dafür
schaffen, daß die Staatsbürger und gesellschaftlichen Gruppen wirksamer in
Freiheit das Wohl des Menschen in jeder Hinsicht verwirklichen können. Je nach
der Verschiedenheit der Länder und der Entwicklung der Völker können jedoch die
Beziehungen zwischen der Sozialisation (7) und der Autonomie sowie der
Entfaltung der Person verschieden gedacht werden. Überall jedoch, wo die
Ausübung von Rechten um des Gemeinwohls willen zeitweise beschränkt wird, muß
die Freiheit, sobald die Voraussetzungen für diese Beschränkung wegfallen,
unverzüglich wiederhergestellt werden. Unmenschlich ist es, wenn eine Regierung
auf totalitäre oder diktatorische Formen verfällt, die die Rechte der Person und
der gesellschaftlichen Gruppen verletzen.
Die Staatsbürger sollen eine hochherzige und treue Vaterlandsliebe pflegen,
freilich ohne geistige Enge, vielmehr so, daß sie dabei das Wohl der ganzen
Menschheitsfamilie im Auge behalten, die ja durch die mannigfachen Bande
zwischen den Rassen, Völkern und Nationen miteinander verbunden ist.
Die Christen sollen in der politischen Gemeinschaft jene Berufung beachten,
die ihnen ganz besonders eigen ist. Sie sollen beispielgebend dafür sein,
insofern sie pflichtbewußt handeln und sich für das Gemeinwohl einsetzen. Sie
sollen durch ihre Tat zeigen, wie sich Autorität mit Freiheit, persönliche
Initiative mit solidarischer Verbundenheit zum gemeinsamen Ganzen, gebotene
Einheit mit fruchtbarer Vielfalt verbinden lassen. Berechtigte
Meinungsverschiedenheiten in Fragen der Ordnung irdischer Dinge sollen sie
anerkennen, und die anderen, die als Einzelne oder kollektiv solche Meinungen
anständig vertreten, sollen sie achten.
Die politischer Parteien müssen das fördern, was ihres Erachtens nach vom
Gemeinwohl gefordert wird; sie dürfen niemals ihre Sonderinteressen über dieses
Gemeinwohl stellen.
Die heute dem Volk und besonders der Jugend so notwendige staatsbürgerliche
und politische Erziehung ist eifrig zu pflegen, so daß alle Bürger am Leben der
politischen Gemeinschaft aktiv teilnehmen können. Wer dazu geeignet ist oder
sich dazu ausbilden kann, soll sich darauf vorbereiten, den schweren, aber
zugleich ehrenvollen8 Beruf des Politikers auszuüben, und sich diesem Beruf
unter Hintansetzung des eigenen Vorteils und materiellen Gewinns widmen.
Sittlich integer und klug zugleich, soll er angehen gegen alles Unrecht und jede
Unterdrückung, gegen Willkürherrschaft und Intoleranz eines Einzelnen oder einer
politischen Partei. Redlich und gerecht, voll Liebe und politischen Muts soll er
sich dem Wohl aller widmen.
76. Politische Gemeinschaft und Kirche
Sehr wichtig ist besonders in einer pluralistischen Gesellschaft, daß man das
Verhältnis zwischen der politischen Gemeinschaft und der Kirche richtig sieht,
so daß zwischen dem, was die Christen als Einzelne oder im Verbund im eigenen
Namen als Staatsbürger, die von ihrem christlichen Gewissen geleitet werden, und
dem, was sie im Namen der Kirche zusammen mit ihren Hirten tun, klar
unterschieden wird.
Die Kirche, die in keiner Weise hinsichtlich ihrer Aufgabe und Zuständigkeit
mit der politischen Gemeinschaft verwechselt werden darf noch auch an irgendein
politisches System gebunden ist, ist zugleich Zeichen und Schutz der
Transzendenz der menschlichen Person.
Die politische Gemeinschaft und die Kirche sind auf je ihrem Gebiet
voneinander unabhängig und autonom. Beide aber dienen, wenn auch in
verschiedener Begründung, der persönlichen und gesellschaftlichen Berufung der
gleichen Menschen. Diesen Dienst können beide zum Wohl aller um so wirksamer
leisten, je mehr und besser sie rechtes Zusammenwirken miteinander pflegen;
dabei sind jeweils die Umstände von Ort und Zeit zu berücksichtigen. Der Mensch
ist ja nicht auf die zeitliche Ordnung beschränkt, sondern inmitten der
menschlichen Geschichte vollzieht er ungeschmälert seine ewige Berufung.
Die Kirche aber, in der Liebe des Erlösers begründet, trägt dazu bei, daß
sich innerhalb der Grenzen einer Nation und im Verhältnis zwischen den Völkern
Gerechtigkeit und Liebe entfalten. Indem sie nämlich die Wahrheit des
Evangeliums verkündet und alle Bereiche menschlichen Handelns durch ihre Lehre
und das Zeugnis der Christen erhellt, achtet und fördert sie auch die politische
Freiheit der Bürger und ihre Verantwortlichkeit.
Wenn die Apostel und ihre Nachfolger mit ihren Mitarbeitern gesandt sind, den
Menschen Christus als Erlöser der Welt zu verkünden, so stützen sie sich in
ihrem Apostolat auf die Macht Gottes, der oft genug die Kraft des Evangeliums
offenbar macht in der Schwäche der Zeugen. Wer sich dem Dienst am Wort Gottes
weiht, muß sich der dem Evangelium eigenen Wege und Hilfsmittel bedienen, die
weitgehend verschieden sind von den Hilfsmitteln der irdischen Gesellschaft.
Das Irdische und das, was am konkreten Menschen diese Welt übersteigt, sind
miteinander eng verbunden, und die Kirche selbst bedient sich des Zeitlichen,
soweit es ihre eigene Sendung erfordert. Doch setzt sie ihre Hoffnung nicht auf
Privilegien, die ihr von der staatlichen Autorität angeboten werden. Sie wird
sogar auf die Ausübung von legitim erworbenen Rechten verzichten, wenn feststeht,
daß durch deren Inanspruchnahme die Lauterkeit ihres Zeugnisses in Frage
gestellt ist, oder wenn veränderte Lebensverhältnisse eine andere Regelung
fordern.
Immer und überall aber nimmt sie das Recht in Anspruch, in wahrer Freiheit
den Glauben zu verkünden, ihre Soziallehre kundzumachen, ihren Auftrag unter den
Menschen unbehindert zu erfüllen und auch politische Angelegenheiten einer
sittlichen Beurteilung zu unterstellen, wenn die Grundrechte der menschlichen
Person oder das Heil der Seelen es verlangen. Sie wendet dabei alle, aber auch
nur jene Mittel an, welche dem Evangelium und dem Wohl aller je nach den
verschiedenen Zeiten und Verhältnissen entsprechen.
In der Treue zum Evangelium, gebunden an ihre Sendung in der Welt und
entsprechend ihrem Auftrag, alles Wahre, Gute und Schöne in der menschlichen
Gemeinschaft zu fördern (9) und zu überhöhen, festigt die Kirche zur Ehre Gottes
den Frieden unter den Menschen (10).
KAPITEL V
DIE FÖRDERUNG DES FRIEDENS UND DER AUFBAU DER VÖLKERGEMEINSCHAFT
77. Einführung
In unseren Jahren, in denen die Leiden und Ängste wütender oder drohender
Kriege noch schwer auf den Menschen lasten, ist die gesamte Menschheitsfamilie
in einer entscheidenden Stunde ihrer Entwicklung zur Reife angelangt. Allmählich
ist sie sich untereinander nähergekommen, und überall ist sie sich schon klarer
ihrer Einheit bewußt. Da kann sie ihre Aufgabe, die Welt für alle überall
wirklich menschlicher zu gestalten, nur erfüllen, wenn alle sich in einer
inneren Erneuerung dem wahren Frieden zuwenden. Dann strahlt unserer Zeit jene
Botschaft des Evangeliums, die dem höchsten Sehnen und Bemühen der Menschheit
entspricht, in neuem Licht auf, jene Botschaft, die die Friedensstifter
seligpreist, "denn sie werden Kinder Gottes heißen" (Mt 5,9).
Darum möchte das Konzil den wahren und hohen Begriff des Friedens klarlegen,
die Unmenschlichkeit des Krieges verurteilen und mit allem Ernst einen Aufruf an
alle Christen richten, mit Hilfe Christi, in dem der Friede gründet, mit allen
Menschen zusammenzuarbeiten, um untereinander in Gerechtigkeit und Liebe den
Frieden zu festigen und all das bereitzustellen, was dem Frieden dient.
78. Vom Wesen des Friedens
Der Friede besteht nicht darin, daß kein Krieg ist; er läßt sich auch nicht
bloß durch das Gleichgewicht entgegengesetzter Kräfte sichern; er entspringt
ferner nicht dem Machtgebot eines Starken; er heißt vielmehr mit Recht und
eigentlich ein "Werk der Gerechtigkeit" (Jes 32,17). Er ist die Frucht
der Ordnung, die ihr göttlicher Gründer selbst in die menschliche Gesellschaft
eingestiftet hat und die von den Menschen durch stetes Streben nach immer
vollkommenerer Gerechtigkeit verwirklicht werden muß. Zwar wird das Gemeinwohl
des Menschengeschlechts grundlegend vom ewigen Gesetz Gottes bestimmt, aber in
seinen konkreten Anforderungen unterliegt es dem ständigen Wandel der Zeiten;
darum ist der Friede niemals endgültiger Besitz, sondern immer wieder neu zu
erfüllende Aufgabe. Da zudem der menschliche Wille schwankend und von der Sünde
verwundet ist, verlangt die Sorge um den Frieden, daß jeder dauernd seine
Leidenschaft beherrscht und daß die rechtmäßige Obrigkeit wachsam ist.
Dies alles genügt noch nicht. Dieser Friede kann auf Erden nicht erreicht
werden ohne Sicherheit für das Wohl der Person und ohne daß die Menschen frei
und vertrauensvoll die Reichtümer ihres Geistes und Herzens miteinander teilen.
Der feste Wille, andere Menschen und Völker und ihre Würde zu achten, gepaart
mit einsatzbereiter und tätiger Brüderlichkeit - das sind unerläßliche
Voraussetzungen für den Aufbau des Friedens. So ist der Friede auch die Frucht
der Liebe, die über das hinausgeht, was die Gerechtigkeit zu leisten vermag.
Der irdische Friede, der seinen Ursprung in der Liebe zum Nächsten hat, ist
aber auch Abbild und Wirkung des Friedens, den Christus gebracht hat und der von
Gott dem Vater ausgeht. Dieser menschgewordene Sohn, der Friedensfürst, hat
nämlich durch sein Kreuz alle Menschen mit Gott versöhnt und die Einheit aller
in einem Volk und in einem Leib wiederhergestellt. Er hat den Haß an seinem
eigenen Leib getötet (1), und durch seine Auferstehung erhöht, hat er den Geist
der Liebe in die Herzen der Menschen ausgegossen.
Das ist ein eindringlicher Aufruf an alle Christen: "die Wahrheit in Liebe zu
tun" (Eph 4,15) und sich mit allen wahrhaft friedliebenden Menschen zu
vereinen, um den Frieden zu erbeten und aufzubauen.
Vom gleichen Geist bewegt, können wir denen unsere Anerkennung nicht versagen,
die bei der Wahrung ihrer Rechte darauf verzichten, Gewalt anzuwenden, sich
vielmehr auf Verteidigungsmittel beschränken, so wie sie auch den Schwächeren
zur Verfügung stehen, vorausgesetzt, daß dies ohne Verletzung der Rechte und
Pflichten anderer oder der Gemeinschaft möglich ist.
Insofern die Menschen Sünder sind, droht ihnen die Gefahr des Krieges, und
sie wird ihnen drohen bis zur Ankunft Christi. Soweit aber die Menschen sich in
Liebe vereinen und so die Sünde überwinden, überwinden sie auch die
Gewaltsamkeit, bis sich einmal die Worte erfüllen: "Zu Pflügen schmieden sie
ihre Schwerter um, zu Winzermessern ihre Lanzen. Kein Volk zückt mehr gegen das
andere das Schwert. Das Kriegshandwerk gibt es nicht mehr" (Jes 2,4).
Erster Abschnitt: Von der Vermeidung des Krieges
79. Der Unmenschlichkeit der Kriege Dämme setzen
Obwohl die jüngsten Kriege unserer Welt ungeheuren materiellen und
moralischen Schaden zugefügt haben, setzt der Krieg doch jeden Tag in
irgendeinem Teil der Welt seine Verwüstungen fort. Es droht sogar beim Gebrauch
wissenschaftlicher Waffen, gleich welcher Art, eine Barbarei der Kriegführung,
die die Kämpfenden zu Grausamkeiten verleitet, die die vergangener Zeiten weit
übersteigt. Die Kompliziertheit der heutigen Lage und die Verflochtenheit der
internationalen Beziehungen ermöglichen zudem neue hinterhältige und
umstürzlerische Methoden, Kriege zu tarnen und in die Länge zu ziehen. In vielen
Fällen gibt der Einsatz terroristischer Praktiken der Kriegführung eine neue
Gestalt.
Diesen beklagenswerten Zustand der Menschheit vor Augen, möchte das Konzil
vor allem an die bleibende Geltung des natürlichen Völkerrechts und seiner
allgemeinen Prinzipien erinnern. Das Gewissen der gesamten Menschheit bekennt
sich zu diesen Prinzipien mit wachsendem Nachdruck. Handlungen, die in bewußtem
Widerspruch zu ihnen stehen, sind Verbrechen; ebenso Befehle, die solche
Handlungen anordnen; auch die Berufung auf blinden Gehorsam kann den nicht
entschuldigen, der sie ausführt. Zu diesen Handlungen muß man an erster Stelle
rechnen: ein ganzes Volk, eine Nation oder eine völkische Minderheit aus welchem
Grunde und mit welchen Mitteln auch immer auszurotten. Das sind furchtbare
Verbrechen, die aufs schärfste zu verurteilen sind. Höchste Anerkennung verdient
dagegen die Haltung derer, die sich solchen Befehlen furchtlos und offen
widersetzen.
Für den Kriegsfall bestehen verschiedene internationale Konventionen, von
einer recht großen Anzahl von Ländern mit dem Ziel unterzeichnet, die
Unmenschlichkeit von Kriegshandlungen und -folgen zu mindern, etwa die
Konventionen zum Schutz der Verwundeten und Kriegsgefangenen und verschiedene
ähnliche Abmachungen. Diese Verträge müssen gehalten werden. Außerdem müssen
alle, insbesondere die Regierungen und die Sachverständigen, alles tun, um diese
Abmachungen nach Möglichkeit zu verbessern und dadurch die Unmenschlichkeiten
des Krieges besser und wirksamer einzudämmen. Ferner scheint es angebracht, daß
Gesetze für die in humaner Weise Vorsorge treffen, die aus Gewissensgründen den
Wehrdienst verweigern, vorausgesetzt, daß sie zu einer anderen Form des Dienstes
an der menschlichen Gemeinschaft bereit sind.
Allerdings - der Krieg ist nicht aus der Welt geschafft. Solange die Gefahr
von Krieg besteht und solange es noch keine zuständige internationale Autorität
gibt, die mit entsprechenden Mitteln ausgestattet ist, kann man, wenn alle
Möglichkeiten einer friedlichen Regelung erschöpft sind, einer Regierung das
Recht auf sittlich erlaubte Verteidigung nicht absprechen. Die Regierenden und
alle, die Verantwortung für den Staat tragen, sind verpflichtet, das Wohl der
ihnen anvertrauten Völker zu schützen, und sie sollen diese ernste Sache ernst
nehmen. Der Einsatz militärischer Mittel, um ein Volk rechtmäßig zu verteidigen,
hat jedoch nichts zu tun mit dem Bestreben, andere Nationen zu unterjochen. Das
Kriegspotential legitimiert auch nicht jeden militärischen oder politischen
Gebrauch. Auch wird nicht deshalb, weil ein Krieg unglücklicherweise
ausgebrochen ist, damit nun jedes Kampfmittel zwischen den gegnerischen Parteien
erlaubt.
Wer als Soldat im Dienst des Vaterlandes steht, betrachte sich als Diener der
Sicherheit und Freiheit der Völker. Indem er diese Aufgabe recht erfüllt, trägt
er wahrhaft zur Festigung des Friedens bei.
80. Der totale Krieg
Mit der Fortentwicklung wissenschaftlicher Waffen wachsen der Schrecken und
die Verwerflichkeit des Krieges ins Unermeßliche. Die Anwendung solcher Waffen
im Krieg vermag ungeheure und unkontrollierbare Zerstörungen auszulösen, die die
Grenzen einer gerechten Verteidigung weit überschreiten. Ja wenn man alle Mittel,
die sich schon in den Waffenlagern der Großmächte befinden, voll einsetzen würde,
würde sich daraus eine fast totale und gegenseitige Vernichtung des einen
Gegners durch den anderen ergeben, abgesehen von den zahllosen Verwüstungen in
der Welt, die dem Gebrauch solcher Waffen als verhängnisvolle Nachwirkungen
folgen.
All dies zwingt uns, die Frage des Krieges mit einer ganz neuen inneren
Einstellung zu prüfen (2). Die Menschen unseres Zeitalters sollen wissen, daß
sie über ihre kriegerischen Handlungen einmal schwere Rechenschaft abzulegen
haben. Von ihren heutigen Entscheidungen hängt nämlich weitgehend der Lauf der
Zukunft ab.
Deshalb macht sich diese Heilige Synode die Verurteilung des totalen Krieges,
wie sie schon von den letzten Päpsten ausgesprochen wurde (3), zu eigen und
erklärt:
Jede Kriegshandlung, die auf die Vernichtung ganzer Städte oder weiter
Gebiete und ihrer Bevölkerung unterschiedslos abstellt, ist ein Verbrechen gegen
Gott und gegen den Menschen, das fest und entschieden zu verwerfen ist.
Die besondere Gefahr des modernen Krieges besteht darin, daß er sozusagen
denen, die im Besitz neuerer wissenschaftlicher Waffen sind, die Gelegenheit
schafft, solche Verbrechen zu begehen, und in einer Art unerbittlicher
Verstrickung den Willen des Menschen zu den fürchterlichsten Entschlüssen
treiben kann. Damit in Zukunft so etwas nie geschieht, beschwören die
versammelten Bischöfe des ganzen Erdkreises alle, insbesondere die Regierenden
und die militärischen Befehlshaber, sich jederzeit der großen Verantwortung
bewußt zu sein, die sie vor Gott und der ganzen Menschheit tragen.
81. Der Rüstungswettlauf
Die wissenschaftlichen Waffen werden nun aIlerdings nicht nur zum Einsatz im
Kriegsfall angehäuft. Weil man meint, daß die Stärke der Verteidigung von der
Fähigkeit abhänge, bei einem Angriff des Gegners blitzartig zurückzuschlagen,
dient diese noch jährlich wachsende Anhäufung von Waffen dazu, auf diese
ungewöhnliche Art mögliche Gegner abzuschrecken. Viele halten dies heute für das
wirksamste Mittel, einen gewissen Frieden zwischen den Völkern zu sichern.
Wie immer man auch zu dieser Methode der Abschreckung stehen mag - die
Menschen sollten überzeugt sein, daß der Rüstungswettlauf, zu dem nicht wenige
Nationen ihre Zuflucht nehmen, kein sicherer Weg ist, den Frieden zu sichern,
und daß das daraus sich ergebende sogenannte Gleichgewicht kein sicherer und
wirklicher Friede ist. Statt daß dieser die Ursachen des Krieges beseitigt,
drohen diese dadurch sogar eher weiter zuzunehmen. Während man riesige Summen
für die Herstellung immer neuer Waffen ausgibt, kann man nicht genügend
Hilfsmittel bereitstellen zur Bekämpfung all des Elends in der heutigen Welt.
Anstatt die Spannungen zwischen den Völkern wirklich und gründlich zu lösen,
überträgt man sie noch auf andere Erdteile. Neue Wege, von einer inneren
Wandlung aus beginnend, müssen gewählt werden, um dieses Ärgernis zu beseitigen,
die Welt von der drückenden Angst zu befreien und ihr den wahren Frieden zu
schenken.
Darum muß noch einmal erklärt werden: Der Rüstungswettlauf ist eine der
schrecklichsten Wunden der Menschheit, er schädigt unerträglich die Armen. Wenn
hier nicht Hilfe geschaffen wird, ist zu befürchten, daß er eines Tages all das
tödliche Unheil bringt, wozu er schon jetzt die Mittel bereitstellt.
Gewarnt vor Katastrophen, die das Menschengeschlecht heute möglich macht,
wollen wir die Frist, die uns noch von oben gewährt wurde, nützen, um mit
geschärftem Verantwortungsbewußtsein Methoden zu finden, unsere
Meinungsverschiedenheiten auf eine Art und Weise zu lösen, die des Menschen
würdiger ist. Die göttliche Vorsehung fordert dringend von uns, daß wir uns von
der alten Knechtschaft des Krieges befreien.
Wohin uns der verhängnisvolle Weg, den wir beschritten haben, führen mag,
falls wir nicht diesen Versuch zur Umkehr machen, das wissen wir nicht.
82. Die absolute Ächtung des Krieges: eine weltweite Aktion, ihn zu
verhindern
Es ist also deutlich, daß wir mit all unseren Kräften jene Zeit vorbereiten
müssen, in der auf der Basis einer Übereinkunft zwischen allen Nationen
jeglicher Krieg absolut geächtet werden kann. Das erfordert freilich, daß eine
von allen anerkannte öffentliche Weltautorität eingesetzt wird, die über
wirksame Macht verfügt, um für alle Sicherheit, Wahrung der Gerechtigkeit und
Achtung der Rechte zu gewährleisten. Bevor aber diese wünschenswerte Autorität
konstituiert werden kann, müssen die jetzigen internationalen höchsten Gremien
sich intensiv um Mittel bemühen, die allgemeine Sicherheit besser zu
gewährleisten. Da der Friede aus dem gegenseitigen Vertrauen der Völker
erwachsen sollte, statt den Nationen durch den Schrecken der Waffen auferlegt zu
werden, sollten alle sich bemühen, dem Wettrüsten ein Ende zu machen. Man soll
wirklich mit der Abrüstung beginnen, nicht einseitig, sondern in vertraglich
festgelegten gleichen Schritten und mit echten und wirksamen Sicherungen (4).
Inzwischen sind Versuche, wie sie schon unternommen wurden und noch werden,
die Gefahr des Krieges abzuwenden, keineswegs geringzuschätzen. Man sollte
vielmehr den guten Willen der überaus vielen stützen, die, beladen durch ihr
hohes Amt, aber zugleich im Gewissen bedrängt durch die Schwere ihrer
Verantwortung, darauf hinwirken, daß der Krieg, den sie verabscheuen, aus der
Welt geschafft werde, wenn sie auch nicht an der Kompliziertheit der faktischen
Verhältnisse vorbeisehen können. Inständig muß man zu Gott beten, daß er ihnen
die Kraft gibt, dieses hohe Werk der Liebe zu den Menschen, den kraftvollen
Aufbau des Friedens immer wieder neu zu beginnen und tapfer durchzuhalten. Dies
verlangt heute sicher von ihnen, daß sie mit Geist und Herz über die Grenzen
ihrer eigenen Nation hinausschauen, daß sie auf nationalen Egoismus und den
Ehrgeiz, andere Nationen zu beherrschen, verzichten, daß sie eine tiefe
Ehrfurcht empfinden für die ganze Menschheit, die sich so mühsam schon auf eine
größere Einheit hinbewegt.
Über die Probleme des Friedens und der Abrüstung sind schon tiefe, mutige und
unermüdliche Forschungen angestellt worden. Internationale Kongresse befaßten
sich damit. Man sollte dies alles als erste Schritte zur Lösung dieser so
schwierigen Fragen ansehen und für die Zukunft noch intensiver fördern, wenn man
praktikable Ergebnisse erreichen will. Indessen soll man sich hüten, sich nur
auf die Anstrengungen einiger zu verlassen, ohne die eigene Einstellung zu
überprüfen. Denn die Staatsmänner, die das Gemeinwohl ihres eigenen Volkes zu
verantworten und gleichzeitig das Wohl der gesamten Welt zu fördern haben, sind
sehr abhängig von der öffentlichen Meinung und Einstellung der Massen. Nichts
nützt ihnen ihr Bemühen, Frieden zu stiften, wenn Gefühle der Feindschaft,
Verachtung, Mißtrauen, Rassenhaß und ideologische Verhärtung die Menschen
trennen und zu Gegnern machen. Darum sind vor allem eine neue Erziehung und ein
neuer Geist in der öffentlichen Meinung dringend notwendig. Wer sich der Aufgabe
der Erziehung, vor allem der Jugend, widmet und wer die öffentliche Meinung
mitformt, soll es als seine schwere Pflicht ansehen, in allen eine neue
Friedensgesinnung zu wecken. Wir alle müssen uns wandeln in unserer Gesinnung
und müssen die ganze Welt und jene Aufgaben in den Blick bekommen, die wir alle
zusammen zum Fortschritt der Menschheit auf uns nehmen können.
Täuschen wir uns nicht durch eine falsche Hoffnung! Wenn Feindschaft und Haß
nicht aufgegeben werden, wenn es nicht zum Abschluß fester und ehrenhafter
Verträge kommt, die für die Zukunft einen allgemeinen Frieden sichern, dann geht
die Menschheit, die jetzt schon in Gefahr schwebt, trotz all ihrer
bewundernswürdigen Wissenschaft jener dunklen Stunde entgegen, wo sie keinen
andern Frieden mehr spürt als die schaurige Ruhe des Todes.
Aber während die Kirche Christi mitten in den Ängsten dieser Zeit lebt und
diese Worte ausspricht, hört sie nicht auf, zuversichtlich zu hoffen. Unserer
Zeit will sie immer wieder - gelegen oder ungelegen - die apostolische Botschaft
verkünden: "Seht, jetzt ist die Zeit der Gnade" zur Bekehrung der Herzen; "jetzt
ist der Tag des Heils" (5).
Zweiter Abschnitt: Der Aufbau der internationalen Gemeinschaft
83. Die Ursachen der Zwietracht und ihre Heilmittel
Um den Frieden aufzubauen, müssen vor allem die Ursachen der Zwietracht in
der Welt, die zum Krieg führen, beseitigt werden, an erster Stelle die
Ungerechtigkeiten. Nicht wenige entspringen allzu großen wirtschaftlichen
Ungleichheiten oder auch der Verzögerung der notwendigen Hilfe. Andere entstehen
aus Herrschsucht und Mißachtung der Menschenwürde und, wenn wir nach den
tieferen Gründen suchen, aus Neid, Mißtrauen, Hochmut und anderen egoistischen
Leidenschaften. Da der Mensch so viel Unordnung nicht ertragen kann, folgt
daraus, daß die Welt auch ohne das Wüten des Krieges dauernd von
zwischenmenschlichen Spannungen und gewaltsamen Auseinandersetzungen vergiftet
wird. Weil außerdem dieselben Übel auch in den Beziehungen unter den Völkern zu
finden sind, müssen, will man sie überwinden oder verhüten und die zügellose
Gewaltanwendung verhindern, die internationalen Institutionen besser und enger
zusammenarbeiten und koordiniert werden; ebenso muß auf die Bildung neuer Organe
für die Förderung des Friedens unermüdlich hingearbeitet werden.
84. Die Völkergemeinschaft und die internationalen Institutionen
Um bei der wachsenden gegenseitigen engen Abhängigkeit aller Menschen und
aller Völker auf dem ganzen Erdkreis das allgemeine Wohl der Menschheit auf
geeignetem Weg zu suchen und in wirksamerer Weise zu erreichen, muß sich die
Völkergemeinschaft eine Ordnung geben, die den heutigen Aufgaben entspricht, vor
allem im Hinblick auf die zahlreichen Gebiete, die immer noch unerträgliche Not
leiden.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen die Institutionen der internationalen
Gemeinschaft den verschiedenen Bedürfnissen der Menschen nach Kräften Rechnung
tragen, und zwar sowohl in den Bereichen des sozialen Lebens, z.B. Ernährung,
Gesundheit, Erziehung, Arbeit, als auch in besonderen Situationen, die hier und
dort entstehen können, z.B. die allgemein bestehende Notwendigkeit, den Aufstieg
der Entwicklungsländer zu fördern, die Leiden der Flüchtlinge in der ganzen Welt
zu lindern oder auch Auswanderer und ihre Familien zu unterstützen.
Die bereits bestehenden internationalen Institutionen, sowohl auf weltweiter
wie auf regionaler Ebene, machen sich ohne Zweifel um die Menschheit hoch
verdient. Sie erscheinen als erste Versuche, eine internationale Grundlage für
die Gemeinschaft der ganzen Menschheit zu schaffen, damit so die schweren Fragen
unserer Zeit gelöst werden: den Fortschritt überall zu fördern und Kriege in
jeder Form zu verhindern. Die Kirche freut sich über den Geist wahrer
Brüderlichkeit zwischen Christen und Nichtchristen, der auf all diesen Gebieten
zu immer größeren Anstrengungen drängt, um die ungeheuere Not zu lindern.
85. Die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit
Die heutige enge Verbundenheit der Menschheit erfordert auch auf
wirtschaftlichem Gebiet eine stärkere internationale Zusammenarbeit. Wenn auch
fast alle Völker politische Unabhängigkeit erlangt haben, ist es doch noch lange
nicht so weit, daß sie von allzu großen Ungleichheiten und jeder Form
ungebührlicher Abhängigkeit frei und jeder Gefahr schwerer innerer Konflikte
enthoben sind.
Die Entwicklung einer Nation hängt von menschlichen und finanziellen Hilfen
ab. Die Bürger einer jeden Nation müssen durch Erziehung und Berufsausbildung
für die verschiedenen Aufgaben in Wirtschaft und Gesellschaft vorbereitet werden.
Dazu ist die Hilfe ausländischer Fachkräfte erforderlich, die bei ihrem Einsatz
nicht als Herren auftreten dürfen, sondern Helfer und Mitarbeiter sein sollen.
Materielle Hilfe wird den aufstrebenden Völkern nicht zuteil werden, wenn die
Praktiken des heutigen Welthandels sich nicht von Grund auf ändern. Darüber
hinaus müssen von den hochentwickelten Ländern Hilfen in Form von Zuschüssen,
Krediten und Kapitalinvestitionen gewährt werden. Diese sollen von der einen
Seite großherzig und ohne Profitsucht gewährt und von der anderen in ehrenhafter
Haltung angenommen werden.
Um zu einer echten weltumfassenden Wirtschaftsordnung zu kommen, muß auf
übertriebenes Gewinnstreben, nationales Prestige, politische Herrschsucht,
militaristische Überlegungen und Machenschaften zur zwangsweisen Verbreitung von
Ideologien verzichtet werden. Viele wirtschaftliche und soziale Systeme werden
vorgeschlagen. Es ist zu wünschen, daß Fachleute eine gemeinsame Grundlage für
einen gesunden Welthandel finden können. Das wird leichter zu erreichen sein,
wenn die Einzelnen ihre Vorurteile ablegen und zu einem aufrichtigen Dialog
bereit sind.
86. Einige praktische Normen
Für diese Zusammenarbeit scheinen folgende Normen nützlich zu sein:
a) Den Völkern der Entwicklungsländer muß sehr daran gelegen sein, als Ziel
des Fortschritts ausdrücklich und entschieden die volle menschliche Entfaltung
ihrer Bürger zu erstreben. Sie sollen daran denken, daß der Fortschritt vor
allem aus der Arbeit und den Fähigkeiten der Völker selbst entspringt und sich
steigert und sich nicht allein auf fremde Hilfe, sondern vor allem auf die volle
Erschließung der eigenen Hilfsquellen und ihren Ausbau entsprechend den eigenen
Fähigkeiten und Traditionen stützen muß. Hier sollen jene Völker mit gutem
Beispiel vorangehen, die größeren Einfluß auf andere haben.
b) Es ist eine schwere Verpflichtung der hochentwickelten Länder, den
aufstrebenden Völkern bei der Erfüllung der genannten Aufgaben zu helfen. Darum
sollen sie bei sich selbst die geistigen und materiellen Anpassungen durchführen,
die zur Organisation dieser weltweiten Zusammenarbeit erforderlich sind. So
sollen sie beim Handel mit den schwächeren und ärmeren Nationen deren Wohl
bewußt berücksichtigen. Denn diese brauchen den Erlös aus dem Verkauf ihrer
Erzeugnisse zum eigenen Unterhalt.
c) Aufgabe der internationalen Gemeinschaft ist es, die wirtschaftliche
Entwicklung zu ordnen und ihr Anreize zu geben, jedoch so, daß die dafür
bestimmten Mittel so wirksam und gerecht wie möglich vergeben werden. Sache
dieser Gemeinschaft ist es auch, unter Berücksichtigung des
Subsidiaritätsprinzips die wirtschaftlichen Verhältnisse weltweit so zu ordnen,
daß sie sich nach der Norm der Gerechtigkeit entwickeln.
Es sollen geeignete Institutionen zur Förderung und Ordnung des
internationalen Handels gegründet werden, vor allem mit den weniger entwickelten
Nationen, und zwar zum Ausgleich der Unzuträglichkeit, die sich aus den allzu
großen Machtunterschieden zwischen den Völkern ergeben. Solche ordnende
Maßnahmen in Verbindung mit technischer, kultureller und finanzieller
Unterstützung sollen den aufstrebenden Nationen die notwendigen Hilfen gewähren,
damit sie ein entsprechendes Wachstum ihrer Wirtschaft erreichen können.
d) In vielen Fällen besteht die Notwendigkeit, die wirtschaftliche und
soziale Struktur zu überprüfen. Aber man muß sich hüten vor bloß
organisatorischen, unausgereiften Lösungen, besonders vor solchen, die dem
Menschen zwar materielle Erleichterungen bieten, seiner geistigen Anlage und
Entwicklung aber schaden. Denn "nicht vom Brot allein lebt der Mensch, sondern
von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes kommt" (Mt 4,4). Jeder Teil der
Menschheitsfamilie trägt in sich und in seinen besten Traditionen einen Teil des
geistigen Erbes, das Gott der Menschheit anvertraut hat, wenn auch viele seine
Herkunft nicht kennen.
87. Die internationale Zusammenarbeit im Hinblick auf das
Bevölkerungswachstum
Besonders drängend wird die internationale Zusammenarbeit im Hinblick auf
jene Völker, die heute häufig neben vielen anderen Problemen vor allem durch
jenes bedrängt werden, das aus dem raschen Bevölkerungswachstum entsteht. Es ist
dringend erforderlich, daß alle Nationen, besonders die wohlhabenden, in
umfassender und gründlicher Zusammenarbeit Wege suchen, wie die zum
Lebensunterhalt und zur angemessenen Ausbildung nötigen Mittel bereitgestellt
und der ganzen Menschheit zugänglich gemacht werden können. Manche Völker
könnten ihre Lebensbedingungen sehr verbessern, wenn sie nach entsprechender
Unterweisung von veralteten Methoden der landwirtschaftlichen Erzeugung zu neuen
technischen Verfahren übergingen, die sie mit der notwendigen Klugheit ihren
Verhältnissen anpassen müßten, und darüber hinaus eine bessere soziale Ordnung
einführten sowie die Verteilung des Landbesitzes gerechter ordneten.
Die Regierungen aber haben in bezug auf die Bevölkerungsprobleme in ihrem
eigenen Land Rechte und Pflichten innerhalb der Grenzen ihrer Zuständigkeit,
z.B. was die Sozial- und Familiengesetzgebung angeht, die Landflucht und die
Information über den Zustand und die Bedürfnisse der Nation. Da die Menschen
heute von diesem Problem so stark bewegt werden, ist auch zu wünschen, daß
katholische Fachleute, vor allem an den Universitäten, die Forschung und die
Versuche auf diesem Gebiet planmäßig weiterverfolgen und entwickeln.
Vielfach wird die Behauptung aufgestellt, das Wachstum der Erdbevölkerung
müsse, wenigstens in bestimmten Ländern, mit allen Mitteln, auch durch Eingriffe
des Staates, gleich welcher Art, radikal gedrosselt werden. Das Konzil richtet
deshalb an alle die Mahnung, sich vor öffentlich oder privat empfohlenen,
manchmal auch aufgenötigten Lösungen zu hüten, die dem Sittengesetz
widersprechen. Nach dem unveräußerlichen Menschenrecht auf Ehe und Kinderzeugung
hängt die Entscheidung über die Zahl der Kinder vom rechten Urteil der Eltern ab
und kann keinesfalls dem Urteil der staatlichen Autorität überlassen werden. Da
aber das Urteil der Eltern ein richtig gebildetes Gewissen voraussetzt, ist es
von großer Bedeutung, daß allen die Möglichkeit geboten wird, in sich die rechte
und wahrhaft menschliche Verantwortlichkeit zu bilden, die sich am göttlichen
Gesetz orientiert und die jeweiligen Verhältnisse berücksichtigt. Das erfordert
aber, daß weithin die erzieherischen und sozialen Bedingungen verbessert werden
und vor allem daß eine religiöse Bildung oder wenigstens eine umfassende
sittliche Unterweisung geboten wird. Über die wissenschaftlichen Fortschritte in
der Erforschung von sicheren und moralisch einwandfreien Methoden, die den
Eheleuten bei der Regelung der Kinderzahl helfen können, sollen die Menschen in
kluger Weise unterrichtet werden.
88. Der Auftrag der Christen zur Hilfeleistung
Zum Aufbau einer internationalen Ordnung, in der die rechtmäßigen Freiheiten
aller wirklich geachtet werden und wahre Brüderlichkeit bei allen herrscht,
sollen die Christen gern und von Herzen mitarbeiten, und das um so mehr, als der
größere Teil der Welt noch unter solcher Not leidet, daß Christus selbst in den
Armen mit lauter Stimme seine Jünger zur Liebe aufruft. Das Ärgernis soll
vermieden werden, daß einige Nationen, deren Bürger in überwältigender Mehrheit
den Ehrennamen "Christen" tragen, Güter in Fülle besitzen, während andere nicht
genug zum Leben haben und von Hunger, Krankheit und Elend aller Art gepeinigt
werden. Denn der Geist der Armut und Liebe ist Ruhm und Zeugnis der Kirche
Christi.
Lob und Unterstützung verdienen jene Christen, vor allem jene jungen Menschen,
die freiwillig anderen Menschen und Völkern ihre persönliche Hilfe zur Verfügung
stellen. Es ist jedoch Sache des ganzen Volkes Gottes, wobei die Bischöfe mit
Wort und Beispiel vorangehen müssen, die Nöte unserer Zeit nach Kräften zu
lindern, und zwar nach alter Tradition der Kirche nicht nur aus dem Überfluß,
sondern auch von der Substanz.
Das Sammeln und Verteilen von Mitteln muß, zwar ohne starre und einförmige
Organisation, jedoch ordnungsgemäß, in den Diözesen, den Ländern und in der
ganzen Welt durchgeführt werden, und das in Zusammenarbeit der Katholiken mit
den übrigen Christen, wo immer es angebracht erscheint. Denn der Geist der Liebe
verbietet durchaus nicht die wohlüberlegte und organisierte Durchführung einer
sozialen und caritativen Aktion, sondern fordert sie sogar. Darum ist es auch
notwendig, daß diejenigen, die sich dem Dienst in Entwicklungsländern widmen
wollen, in geeigneten Instituten ausgebildet werden.
89. Die wirksame Präsenz der Kirche in der internationalen Gemeinschaft
Kraft ihrer göttlichen Sendung verkündet die Kirche allen Menschen das
Evangelium und spendet ihnen die Schätze der Gnade. Dadurch leistet sie überall
einen wichtigen Beitrag zur Festigung des Friedens und zur Schaffung einer
soliden Grundlage der brüderlichen Gemeinschaft unter den Menschen und Völkern,
nämlich die Kenntnis des göttlichen und natürlichen Sittengesetzes. Darum muß
die Kirche in der Völkergemeinschaft präsent sein, um die Zusammenarbeit unter
den Menschen zu fördern und anzuregen. Das geschieht sowohl durch ihre
öffentlichen Institutionen wie durch die umfassende und aufrichtige
Zusammenarbeit aller Christen, deren einziger Beweggrund der Wunsch ist, allen
zu dienen.
Das wird um so eher gelingen, wenn alle Gläubigen im Bewußtsein ihrer
menschlichen und christlichen Verantwortung in ihrem eigenen Lebensbereich daran
mitwirken, den Wunsch zu tatkräftiger Zusammenarbeit mit der internationalen
Gemeinschaft zu wecken. Besondere Sorgfalt ist dabei auf die Bildung der Jugend
zu verwenden, vor allem in der religiösen und staatsbürgerlichen Erziehung.
90. Die Aufgabe der Christen in den internationalen Institutionen
Eine hervorragende Form des internationalen Wirkens der Christen ist
zweifellos die Mitarbeit, die sie einzeln und organisiert in den vorhandenen
oder zu gründenden Institutionen zur Förderung der Zusammenarbeit unter den
Nationen leisten. Darüber hinaus können die verschiedenen katholischen
internationalen Organisationen auf vielfache Weise zum Aufbau einer friedlichen
und brüderlichen Völkergemeinschaft beitragen. Sie verdienen gestärkt zu werden
durch erhöhten Einsatz gut vorgebildeter Mitarbeiter, durch Vermehrung der
notwendigen Hilfsmittel und durch geeignete Koordinierung der Kräfte. Denn in
unserer Zeit sind sowohl zum Erfolg von Aktionen als auch zu dem notwendig
gewordenen Dialog gemeinsame Bemühungen erforderlich. Solche Vereinigungen
tragen außerdem nicht wenig dazu bei, den Sinn für die Weltprobleme zu
entwickeln, was den Katholiken gemäß ist, und das Bewußtsein wahrhaft weltweiter
Solidarität und Verantwortung zu wecken.
Schließlich ist zu wünschen, daß die Katholiken zur rechten Erfüllung ihrer
Aufgabe in der internationalen Gemeinschaft eine tatkräftige und positive
Zusammenarbeit anstreben mit den getrennten Brüdern, die sich gemeinsam mit
ihnen zur Liebe des Evangeliums bekennen, und mit allen Menschen, die den wahren
Frieden ersehnen. Aber angesichts der zahllosen Drangsale, unter denen der
größere Teil der Menschheit auch heute noch leidet, hält es das Konzil für sehr
zweckmäßig, ein Organ der Gesamtkirche zu schaffen, um die Gerechtigkeit und
Liebe Christi den Armen in aller Welt zuteil werden zu lassen. Seine Aufgabe
soll es sein, die Gemeinschaft der Katholiken immer wieder anzuregen, den
Aufstieg der notleidenden Gebiete und die soziale Gerechtigkeit unter den
Völkern zu fördern.
SCHLUSSWORT
91. Der Auftrag der einzelnen Gläubigen und der Teilkirchen
Was diese HeiIige Synode aus dem Schatz der kirchlichen Lehre vorlegt, will
allen Menschen unserer Zeit helfen, ob sie an Gott glauben oder ihn nicht
ausdrücklich anerkennen, klarer ihre Berufung unter jeder Hinsicht zu erkennen,
die Welt mehr entsprechend der hohen Würde des Menschen zu gestalten, eine
weltweite und tiefer begründete Brüderlichkeit zu erstreben und aus dem Antrieb
der Liebe in hochherzigem, gemeinsamem Bemühen den dringenden Erfordernissen
unserer Zeit gerecht zu werden.
Mit Rücksicht auf die unabsehbare Differenzierung der Verhältnisse und der
Kulturen in der Welt hat diese konziliare Erklärung in vielen Teilen mit Bedacht
einen ganz allgemeinen Charakter; ja, obwohl sie eine Lehre vorträgt, die in der
Kirche schon anerkannt ist, wird sie noch zu vervollkommnen und zu ergänzen sein,
da oft von Dingen die Rede ist, die einer ständigen Entwicklung unterworfen sind.
Wir sind aber von der festen Zuversicht erfüllt, daß vieles von dem, was wir,
gestützt auf Gottes Wort und den Geist des Evangeliums, vorgetragen haben, allen
eine gute Hilfe sein kann, zumal wenn es von den Gläubigen unter Leitung ihrer
Hirten an die Situation und Denkweisen der einzelnen Völker angepaßt sein wird.
92. Der Dialog mit allen Menschen
Die Kirche wird kraft ihrer Sendung, die ganze Welt mit der Botschaft des
Evangeliums zu erleuchten und alle Menschen aller Nationen, Rassen und Kulturen
in einem Geist zu vereinigen, zum Zeichen jener Brüderlichkeit, die einen
aufrichtigen Dialog ermöglicht und gedeihen läßt.
Das aber verlangt von uns, daß wir vor allem in der Kirche selbst, bei
Anerkennung aller rechtmäßigen Verschiedenheit, gegenseitige Hochachtung,
Ehrfurcht und Eintracht pflegen, um ein immer fruchtbareres Gespräch zwischen
allen in Gang zu bringen, die das eine Volk Gottes bilden, Geistliche und Laien.
Stärker ist, was die Gläubigen eint als was sie trennt. Es gelte im Notwendigen
Einheit, im Zweifel Freiheit, in allem die Liebe (1).
Im Geist umarmen wir auch die Brüder, die noch nicht in voller Einheit mit
uns leben, und ihre Gemeinschaften, mit denen wir aber im Bekenntnis des Vaters
und des Sohnes und des Heiligen Geistes und durch das Band der Liebe verbunden
sind. Dabei sind wir uns bewußt, daß heute auch von vielen Nichtchristen die
Einheit der Christen erwartet und gewünscht wird.
Je mehr diese Einheit unter dem mächtigen Antrieb des Heiligen Geistes in
Wahrheit und Liebe wächst, um so mehr wird sie für die ganze Welt eine
Verheißung der Einheit und des Friedens sein. Darum müssen wir mit vereinten
Kräften und in Formen, die zur wirksamen Erreichung dieses großen Zieles immer
besser geeignet sind, in immer größerer Übereinstimmung mit dem Evangelium
brüderlich zusammenarbeiten, um der Menschheitsfamilie zu dienen, die in
Christus Jesus zur Familie der Gotteskinder berufen ist.
Wir wenden uns dann auch allen zu, die Gott anerkennen und in ihren
Traditionen wertvolle Elemente der Religion und Humanität bewahren, und wünschen,
daß ein offener Dialog uns alle dazu bringt, die Anregungen des Geistes treulich
aufzunehmen und mit Eifer zu erfüllen.
Der Wunsch nach einem solchen Dialog, geführt einzig aus Liebe zur Wahrheit
und unter Wahrung angemessener Diskretion, schließt unsererseits niemanden aus,
weder jene, die hohe Güter der Humanität pflegen, deren Urheber aber noch nicht
anerkennen, noch jene, die Gegner der Kirche sind und sie auf verschiedene Weise
verfolgen.
Da Gott der Vater Ursprung und Ziel aller ist, sind wir alle dazu berufen,
Brüder zu sein. Und darum können und müssen wir aus derselben menschlichen und
göttlichen Berufung ohne Gewalt und ohne Hintergedanken zum Aufbau einer
wahrhaft friedlichen Welt zusammenarbeiten.
93. Der Aufbau und die Vollendung der Welt
Die Christen können, eingedenk des Wortes des Herrn: "Daran werden alle
erkennen, daß ihr meine Jünger seid, wenn ihr einander liebt" (Joh
13,35), nichts sehnlicher wünschen, als den Menschen unserer Zeit immer
großherziger und wirksamer zu dienen. Dem Evangelium gewissenhaft folgend und
aus seinen Kräften lebend, verbunden mit allen, die die Gerechtigkeit lieben und
pflegen, haben sie das große Werk, das sie hier auf Erden zu erfüllen haben,
begonnen, über das sie ihm, der am Jüngsten Tag alle richten wird, Rechenschaft
geben müssen.
Nicht alle, die sagen "Herr, Herr", werden ins Himmelreich eingehen, sondern
die den Willen des Vaters tun (2) und tatkräftig ans Werk gehen. Der Vater will,
daß wir in allen Menschen Christus als Bruder sehen und lieben in Wort und Tat
und so der Wahrheit Zeugnis geben und anderen das Geheimnis der Liebe des
himmlischen Vaters mitteilen.
Auf diese Weise wird in den Menschen überall in der Welt eine lebendige
Hoffnung erweckt, die eine Gabe des Heiligen Geistes ist, daß sie am Ende in
Frieden und vollkommenem Glück aufgenommen werden in das Vaterland, das von der
Herrlichkeit des Herrn erfüllt ist. "Dem aber, der Macht hat, gemäß der in uns
wirkenden Kraft weitaus mehr zu tun als alles, was wir erbitten oder ersinnen,
ihm sei Ehre in der Kirche und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von
Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen" (Eph 3,20-21).
Anmerkungen:
* Die Pastoralkonstitution über die Kirche in der Welt von heute besteht zwar
aus zwei Teilen, bildet jedoch ein Ganzes.
Sie wird "pastoral" genannt, weil sie, gestützt auf Prinzipien der Lehre, das
Verhältnis der Kirche zur Welt und zu den Menschen von heute darzustellen
beabsichtigt. So fehlt weder im ersten Teil die pastorale Zielsetzung noch im
zweiten Teil die lehrhafte Zielsetzung.
Im ersten Teil entwickelt die Kirche ihre Lehre vom Menschen, von der Welt,
in die der Mensch eingefügt ist, und von ihrem Verhältnis zu beiden. Im zweiten
Teil betrachtet sie näher die verschiedenen Aspekte des heutigen Lebens und der
menschlichen Gesellschaft, vor allem Fragen und Probleme, die dabei für unsere
Gegenwart besonders dringlich erscheinen. Daher kommt es, daß in diesem zweiten
Teil die Thematik zwar den Prinzipien der Lehre unterstellt bleibt, aber nicht
nur unwandelbare, sondern auch geschichtlich bedingte Elemente enthält.
Die Konstitution ist also nach den allgemeinen theologischen
Interpretationsregeln zu deuten, und zwar, besonders im zweiten Teil, unter
Berücksichtigung des Wechsels der Umstände, der mit den Gegenständen dieser
Thematik verbunden ist.
(Anmerkung des Übersetzers. Die Titel der einzelnen Nummern gehören bei
dieser Konstitution aufgrund einer eigenen Abstimmung zum verkündeten
Konzilstext selbst.)
Vorwort/Einführung:
(1) Vgl. Joh 18,37.
(2) Vgl. Joh 3,17; Mt 20,28; Mk 10,45.
(3) Vgl. Röm 7,14ff.
(4) Vgl. 2 Kor 5,15.
(5) Vgl. Apg 4,12.
(6) Vgl. Hebr 13,8.
(7) Vgl. Kol 1,15.
I. Hauptteil: Kapitel 1:
(1) Vgl. Gen 1,26: Weish 2,23.
(2) Vgl. Sir 17,3-10.
(3) Vgl. Röm 1,21-25.
(4) Vgl. Joh 8,34.
(5) Vgl. Dan 3,57-90.
(6) Vgl. 1 Kor 6,13-20.
(7) Vgl. 1 Kg 16,7; Jer 17,10.
(8) Vgl. Sir 17,7-8.
(9) Vgl. Röm 2,14-16.
(10) Vgl. Pius XII., Radiobotschaft über die rechte Ausbildung des christlichen
Gewissens in den Jugendlichen, 23. März 1952: AAS 44 (1952) 271.
(11) Vgl. Mt 22,37-40; Gal 5,14.
(12) Vgl. Sir 15,14.
(13) Vgl. 2 Kor 5,10.
(14) Vgl. Weish 1,13; 2,23-24; Röm 5,21; 6,23; Jak 1,15.
(15) Vgl. 1 Kor 15,56-57.
(16) Vgl. Pius XI., Enz. Divini Redemptoris, 19. März 1937: AAS 29 (1937)
65-106; Pius XIl., Enz. Ad Apostolorum Principis, 29. Juni 1958: AAS 50 (1958)
601-614; Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra, 15. Mai 1961: AAS 53 (1961)
451-453; Paul VI., Enz. Ecclesiam suam, 6. Aug. 1964: AAS 56 (1964) 651-653.
(17) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, I. Kap.,
Nr. 8: AAS 57 (1965) 12.
(18) Vgl. Phil 1,27.
(19) Augustinus, Bekenntnisse I,1: PL 32, 661.
(20) Vgl. Röm 5,14. Vgl, Tertullian, De carnis resurr. 6: "Was im Lehm geformt
wurde, war auf Christus hin gedacht, den künftigen Menschen": PL 2, 802 (848);
CSEL 47, S. 33, Z. 12-13.
(21) Vgl. 2 Kor 4,4.
(22) Vgl. II. Konzil von Konstantinopel, Can. 7: "Weder wurde das Wort (Gottes)
in die Natur des Fleisches verwandelt, noch ging das Fleisch in die Natur des
Wortes über": Denz. 219 (428). - Vgl. auch III. Konzil von Konstantinopel: "Wie
nämlich sein heiligstes und unbeflecktes beseeltes Fleisch durch die
Vergöttlichung nicht verschlungen, sondern in dem ihm eigenen Zustand und Wesen
blieb": Denz. 291 (556). Vgl. Konzil von Chalcedon: "in beiden Naturen
unvermischt, unverwandelt, ungetrennt, ungesondert": Denz. 148 (302).
(23) Vgl. III. Konzil von Konstantinopel: "So ist auch sein menschlicher Wille
durch die Vergöttlichung nicht zerstört worden": Denz. 291 (556).
(24) Vgl. Hebr 4,15.
(25) Vgl. 2 Kor 5,18-19; Kol 1,20-22.
(26) Vgl. 1 Petr 2,21; Mt 16,24; Lk 14,27.
(27) Vgl. Röm 8,29; Kol 3,10-14.
(28) Vgl. Röm 8,1-11.
(29) Vgl. 2 Kor 4,14.
(30) Vgl. Phil 3,10; Röm 8,17.
(31) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, II. Kap.,
Nr. 16: AAS 57 (1965) 20.
(32) Vgl. Röm 8,32.
(33) Vgl. die byzantinische Osterliturgie.
(34) Vgl. Röm 8,15; Gal 4,6; Joh 1,12 u. 1 Joh 3,1.
Kapitel 2:
(1) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra, 15. Mai 1961: AAS 53 (1961)
401-404; ders., Enz. Pacem in terris, 11. Apr. 1963: AAS 55 (1963) 257-304; Paul
VI., Enz. Ecclesiam suam, 6. Aug. 1964: AAS 56 (1964) 609-659.
(2) Vgl. Lk 17,33.
(3) Vgl. Thomas v. Aquin, L. 1 zum I. Buch der Ethik.
(4) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: AAS 53 (1961) 418; Pius XI.,
Enz. Quadragesimo anno, 15. Mai 1931: AAS 23 (1931) 222ff.
(5) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: AAS 53 (1961) 417.
(6) Vgl. Mk 2,27.
(7) Vgl. Johannes XXlII., Enz. Pacem in terris: AAS 55 (1963) 266.
(8) Vgl. Jak 2,15-16.
(9) Vgl. Lk 16,19-31.
(10) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Pacem in terris: AAS 55 (1963) 299-300.
(11) Vgl. Lk 6,37-38; Mt 7,1-2; Röm 2,1-11; 14,10-12.
(12) Vgl. Mt 5,45-47.
(13) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Kap. II, Nr.
9: AAS 57 (1965) 12-13.
(14) Vgl. Ex 24,1-8.
Kapitel 3:
(1) Vgl. Gen 1,26-27; 9,3; Weish 9,3.
(2) Vgl. Ps 8,7.10.
(3) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Pacem in terris: AAS 55 (1963) 297.
(4) Vgl. Botschaft der Konzilsväter an alle Menschen zu Beginn des II. Vat.
Konzils, 20. Okt. 1962: AAS 54 (1962) 822-823.
(5) Vgl. Paul VI., Ansprache an das Diplomatische Korps, 7. Jan. 1965: AAS 57
(1965) 232.
(6) Vgl. I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den katholischen Glauben Dei Filius,
Kap. III: Denz. 1785-1786 (3004-3005).
(7) Vgl. Pio Paschini, Vita e opere di Galileo Galilei, 2 Bde. (Päpstl.
Akademie der Wissenschaften, Vatikanstadt 1964).
(8) Vgl. Mt 24,13; 13,24-30.36-43.
(9) Vgl. 2 Kor 6,10.
(10) Vgl. Joh 1,3.14.
(11) Vgl. Eph 1,10.
(12) Vgl. Joh 3,14-16; Röm 5,8-10.
(13) Vgl. Apg 2,36; Mt 28,18.
(14) Vgl. Röm 15,16.
(15) Vgl. Apg 1,7.
(16) Vgl. 1 Kor 7,31; Irenäus, Adv. Hær. V, 36: PG 7, 1222.
(17) Vgl. 2 Kor 5,2; 2 Petr 3,13.
(18) Vgl. 1 Kor 2,9; Offb 21,4-5.
(19) Vgl. 1 Kor 15,42.53.
(20) Vgl. 1 Kor 13,8; 3,14.
(21) Vgl. Röm 8,19-21.
(22) Vgl. Lk 9,25.
(23) Vgl. Pius XI., Enz. Quadragesimo anno: AAS 23 (1931) 207.
(24) Missale Romanum, Präfation vom Christkönigsfest.
Kapitel 4:
(1) Vgl. Paul VI., Enz. Ecclesiam suam, III: AAS 56 (1964) 637-659.
(2) Vgl. Tit 3,4: 7.
(3) Vgl. Eph 1,3.5.6.13-14.23.
(4) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Kap. I, Nr. 8:
AAS 57 (1965) 12.
(5) Ebd. Kap. II, Nr. 9: AAS 57 (1965) 14; vgl. Nr. 8: a. a. O. 11.
(6) Ebd. Kap. I, Nr. 8: AAS 57 (1965) 11.
(7) Ebd. Kap. IV, Nr. 38: AAS 57 (1965) 43, mit Anm. 120.
(8) Vgl. Röm 8,14-17.
(9) Vgl. Mt 22,39.
(10) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Kap. II,
Nr. 9: AAS 57 (1965) 12-14.
(11) Vgl. Pius XII., Ansprache an Historiker und Archäologen, 9. März 1956: AAS
48 (1956) 212: "Ihr göttlicher Stifter Jesus Christus gab ihr weder einen
Auftrag noch eine Zielsetzung auf der Ebene der Kultur. Das Ziel, das Christus
ihr anweist, ist streng religiös (...). Die Kirche muß die Menschen zu Gott
führen, damit sie sich ihm vorbehaltlos hingeben (...). Die Kirche kann dieses
streng religiöse und übernatürliche Ziel nie aus dem Auge verlieren. Der Sinn
all ihrer Tätigkeiten, bis zum letzten Artikel ihres Rechtsbuches, kann nur der
sein, direkt oder indirekt zu diesem Ziel beizutragen."
(12) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Kap. I, Nr.
1: AAS 57 (1965) 5.
(13) Vgl. Hebr 13,14.
(14) Vgl. 2 Thess 3,6-13; Eph 4,28.
(15) Vgl. Jes 58,1-12.
(16) Vgl. Mt 23,3-33; Mk 7,10-13.
(17) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra, IV: AAS 53 (1961) 456-457,
I: a. a. O. 407.410-411.
(18) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Kap. III.,
Nr. 28: AAS 57 (1965) 34-35.
(19) Ebd. Nr. 28: AAS 57 (1965) 35-36.
(20) Vgl. Ambrosius, De Virginitate, Kap. VIII., Nr. 48: PL 16, 278.
(21) II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Kap. II, Nr.
15: AAS 57 (1965) 20.
(22) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Kap. II,
Nr. 13: AAS 57 (1965) 17.
(23) Vgl. Justin, Dialogus cum Tryphone, Kap. 110: PG 6, 729: ed. Otto (1897)
391-393: " ... je mehr aber solches uns zugefügt wird, um so mehr entstehen
andere Gläubige und Fromme durch den Namen Jesu." Vgl. Tertullian, Apologeticus,
Kap. 50, 13: PL 1, 534; CChr ser. lat. I, 171: "Auch werden wir mehr, sooft wir
von euch niedergemäht werden: der Samen ist das Blut der Christen!" Vgl. Dogm.
Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Kap. II, Nr. 9: AAS 57 (1965) 14.
(24) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Kap. VII.,
Nr. 48: AAS 57 (1965) 53.
(25) Vgl. Paul VI., Ansprache, 3. Febr. 1965: L,Osservatore Romano, 4. Febr.
1965.
II. Hauptteil: Kapitel 1:
(1) Vgl. Augustinus, De bono coniugali: PL 40, 375-376 u. 394; Thomas v. Aquin,
Summa Theol., Suppl. q. 49, a. 3, ad 1; Decretum pro Armenis: Denz. 702 (1327);
Pius XI., Enz. Casti connubii: AAS 22 (1930) 543-555; Denz. 2227-2238
(3703-3714).
(2) Vgl. Pius XI., Enz. Casti connubii: AAS 22 (1930) 546-547; Denz. 2231
(3706).
(3) Vgl. Hos 2; Jer 3,6-13; Ez 16 u. 23; Jes 54.
(4) Vgl. Mt 9,15; Mk 2,19-20; Lk 5,34-35; Joh 3,29; 2 Kor 11,2; Eph 5,27; Offb
19,7-8; 21,2.9.
(5) Vgl. Eph 5,25.
(6) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium: AAS 57
(1965) 15-16.40-41.47.
(7) Vgl. Pius XI., Enz. Casti connubii: AAS 22 (1930) 583.
(8) Vgl. 1 Tim 5,3.
(9) Vgl. Eph 5,32.
(10) Vgl. Gen 2,22-24; Spr 5,18-20; 31,10-31; Tob 8,4-8; Hld 1,1-3; 2,16; 4,16
- 5,1; 7,8-14; 1 Kor 7,3-6; Eph 5,25-33.
(11) Vgl. Pius XI., Enz. Casti connubii: AAS 22 (1930) 547-548; Denz. 2232
(3707).
(12) Vgl. 1 Kor 7,5.
(13) Vgl. Pius XII., Ansprache "Tra le visite", 20. Jan. 1958: AAS 50 (1958)
91.
(14) Vgl. Pius XI., Enz. Casti connubii: AAS 22 (1930) 559-561; Denz.-Schönm.
3716-3718; Pius XII., Ansprache an die Hebammen, 29. Okt. 1951: AAS 43 (1951)
835-854; Paul VI., Ansprache an die Kardinäle, 23. Juni 1964: AAS 56 (1964)
581-589. Bestimmte Fragen, die noch anderer sorgfältiger Untersuchungen bedürfen,
sind auf Anordnung des Heiligen Vaters der Kommission für das Studium des
Bevölkerungswachstums, der Familie und der Geburtenhäufigkeit übergeben worden,
damit, nachdem diese Kommission ihre Aufgabe erfüllt hat, der Papst eine
Entscheidung treffe. Bei diesem Stand der Doktrin des Lehramtes beabsichtigt das
Konzil nicht, konkrete Lösungen unmittelbar vorzulegen.
(15) Vgl. Eph 5,16; Kol 4,5.
(16) Vgl. Sacramentarium Gregorianum: PL 78, 262.
(17) Vgl. Röm 5,15.18; 6,5-11; Gal 2,20.
(18) Vgl. Eph 5,25-27.
Kapitel 2:
(1) Vgl. die Einführung dieser Konstitution, Nr. 4-10.
(2) Vgl. Kol 3,1-2.
(3) Vgl. Gen 1,28.
(4) Vgl. Spr 8,30-31.
(5) Vgl. Irenäus, Adv. Hær. III., 11,8: ed. Sagnard, S. 200: vgl. ebd. 16, 6,
S. 290 bis 292; 21, 10-22, S. 370-372; 22, 3, S. 378 u. ö.
(6) Vgl. Eph 1,10.
(7) Vgl. die Worte Pius' XI. an M.-D. Roland-Gosselin: "Nie darf man aus dem
Blick verlieren, daß es das Ziel der Kirche ist, zu evangelisieren, und nicht,
Kultur zu treiben. Wenn sie Kultur betreibt, dann durch Evangelisation" (Semaine
sociale de Versailles, 1936, 461-462).
(8) I. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über den kath. Glauben Dei Filius, Kap. IV: D
1795.1799 (3015.3019): Vgl. Pius XI., Enz. Quadragesimo anno: AAS 23 (1931) 190.
(9) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Pacem in terris: AAS 55 (1963) 260.
(10) Johannes XXlII., Enz. Pacem in terris: AAS 55 (1963) 283; Pius XII.,
Radiobotschaft, 24. Dez. 1941: AAS 34 (1942) 16-17.
(11) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Pacem in terris: AAS 55 (1963) 260.
(12) Vgl. Johannes XXIII., Rede zur Konzilseröffnung, 11. Okt. 1962: AAS 54
(1962) 792.
(13) Vgl. II. Vat. Konzil, Konstitution über die heilige Liturgie Sacrosanctum
Concilium, Nr. 123: AAS 56 (1964) 131; Paul VI., Ansprache an die römischen
Künstler ("Messa degli Artisti"), 7. Mai 1964: AAS 56 (1964) 439-442.
(14) Vgl. II. Vat. Konzil, Dekret über die Ausbildung der Priester Optatam
totius und Erklärung über die christliche Erziehung Gravissimum educationis.
(15) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Kap. IV,
Nr. 37: AAS 57 (1965) 42-43.
Kapitel 3:
(1) Vgl. Pius XII., Botschaft, 23. März 1952: AAS 44 (1952) 273; Johannes XXIII.,
Ansprache an die ACLI., 1. Mai 1959: AAS 51 (1959) 358.
(2) Vgl. Pius XI., Enz. Quadragesimo anno: AAS 23 (1931) 190ff.; Pius XII.,
Botschaft, 23. März 1952: AAS 44 (1952) 276ff.; Johannes XXIII., Enz. Mater et
Magistra: AAS 53 (1961) 450; II. Vat. Konzil, Dekret über die sozialen
Kommunikationsmittel Inter mirifica, Kap. I, Nr. 6: AAS 56 (1964) 147.
(3) Vgl. Mt 16,26; Lk 16,1-31; Kol 3,17.
(4) Vgl. Leo XIII., Enz. Libertas præstantissimum, 20. Juni 1888: ASS 20
(1887-88) 597ff.; Pius XI., Enz. Quadragesimo anno: AAS 23 (1931) 191ff.; ders.,
Divini Redemptoris: AAS 29 (1937) 65ff.; Pius XII., Weihnachtsbotschaft 1941:
AAS 34 (1942) 10ff.; Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: AAS 53 (1961)
401-464.
(5) Zum Problem der Landwirtschaft vgl. vor allem Johannes XXIII., Enz. Mater
et Magistra: AAS 53 (1961) 431ff.
(6) Vgl. Leo XIII., Enz. Rerum novarum: ASS 23 (1890-91) 649-662: Pius XI., Enz.
Quadragesimo anno: AAS 23 (1931) 200-201; ders., Enz. Divini Redemptoris: AAS 29
(1937) 92; Pius XII., Radiobotschaft am Vorabend des Weihnachtsfestes 1942: AAS
35 (1943) 20; ders., Ansprache, 13. Juni 1943: AAS 35 (1943) 172; ders.,
Radiobotschaft an die Arbeiter Spaniens, 11. März 1951: AAS 43 (1951) 215;
Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: AAS 53 (1961) 419.
(7) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: AAS (1961) 408.424.427; der
Begriff "curatio" (Mitgestaltung) wurde dem lateinischen Text der Enz.
Quadragesimo anno entnommen: AAS 23 (1931) 199. Für die Entwicklung dieses
Problemkreises vgl. auch Pius XII., Ansprache, 3. Juni 1950: AAS 42 (1950)
485-488; Paul VI., Ansprache, 8. Juni 1964: AAS 56 (1964) 574-579.
(8) Vgl. Pius XII., Enz. Sertum Lætitiæ: AAS 31 (1939) 642; Johannes XXIII.,
Konsistorialrede: AAS 52 (1960) 5-11; ders., Enz. Mater et Magistra: AAS 53
(1961) 411.
(9) Vgl. Thomas, Summa Theol. II-II., q. 32, a. 5, ad 2; q. 66, a. 2; vgl. die
Erklärung dazu bei Leo XIII., Enz. Rerum novarum: ASS 23 (1890-91) 651; vgl.
auch Pius XII., Ansprache, 1. Juni 1941: AAS 35 (1941) 199; ders.,
Radiobotschaft zum Weihnachtsfest 1954: AAS 47 (1955) 27.
(10) Vgl. Basilius, Homilie zu Lukas Destruam horrea mea, Nr. 2: PG 31, 263;
Lactantius, Divinarum Institutionum, 5. Buch: Über die Gerechtigkeit: PL 6, 565
B; Augustinus, In Ioannis Evang. tr. 50, N. 6: PL 35, 1760; ders., Enarratio in
Ps 147,12: PL 37,1922; Gregor d. Gr., Homilien zu den Evangelien, hom. 20, 12:
PL 76, 1165; ders., Regulæ Pastoralis liber, Pars III., c. 21: PL 77, 87;
Bonaventura, In III Sent., d. 33, dub. 1: ed. Quaracchi III., 728; ders., In IV
Sent., d. 15, p. 2, a. 2, q. 4: ed. cit. IV, 371b; q. de superfluo: ms. Assisi,
Bibl. Commun. 186, fol. 112a-113a; Albertus Magnus, In III Sent., d. 33, a. 3,
sol. 1: ed. Borgnet XXVIII., 611; ders., In IV Sent., d. 15, a. 16: ed. cit.
XXlX, 494-497.Was die Bestimmung des "superfluum" für unsere Zeit angeht, vgl.
Johannes XXIII., Radio- und Fernsehbotschaft, 11. Sept. 1962: AAS 54 (1962) 682:
"Pflicht eines jeden Menschen, drängende Pflicht des Christen ist es, den
Überfluß am Maßstab der Not anderer zu betrachten und gut darüber zu wachen, daß
die Verwaltung und Verteilung der geschaffenen Güter zum Vorteil aller erfolgt."
(11) Für diesen Fall gilt das alte Prinzip: "In äußerster Notlage ist alles
gemeinsam, d. h. mitzuteilen." Andererseits vgl. für die Begründung, das Ausmaß
und die Art und Weise, wie das Prinzip im vorliegenden Text angewendet wird,
neben bewährten modernen Autoren schon Thomas, Summa Theol. II-II., q. 66, a. 7.
Natürlich sind für die richtige Anwendung dieses Prinzips alle erforderlichen
sittlichen Voraussetzungen zu erfüllen.
(12) Vgl. Gratiani Decretum, C. 21, dist. 86: ed. Friedberg I, 302. Dieser Satz
findet sich schon in PL 54, 591 A und PL 56, 1132 B. Vgl. Antonianum 27 (1952)
349-366.
(13) Vgl. Leo XIII., Enz. Rerum novarum: ASS 23 (1890-91) 643-646; Pius XI.,
Enz. Quadragesimo anno: AAS 23 (1931) 191; Pius XII., Radiobotschaft, 1. Juni
1941: AAS 33 (1941) 199; ders., Radiobotschaft am Vorabend des Weihnachtsfestes
1942: AAS 35 (1943) 17: ders., Radiobotschaft. 1. Sept. 1944: A AS 36 (1944)
253: Johannes XXlII., Enz. Mater et Magistra: AAS 53 (1961) 428-429.
(14) Vgl. Pius XI., Enz. Quadragesimo anno: AAS 23 (1931) 214;Johannes XXIII.,
Enz. Mater et Magistra: AAS 53 (1961) 429.
(15) Vgl. Pius XII., Radiobotschaft zum Pfingstfest 1941: AAS 33 (1941) 199;
Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: AAS 53 (1961) 430.
(16) Zum rechten Gebrauch der Güter nach der Lehre des Neuen Testaments vgl. Lk
3,11; 10,30ff.; 11,41; 1 Petr 5,3; Mk 8,36; 12,29-31; Jak 5,1-6; 1 Tim 6,8; Eph
4,28; 2 Kor 8,13ff.; 1 Joh 3,17-18.
Kapitel 4:
(1) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: AAS 53 (1961) 417.
(2) Vgl. ders., ebd.
(3) Vgl. Röm 13,1-5.
(4) Vgl. Röm 13,5.
(5) Vgl. Pius XII., Radiobotschaft, 24. Dez. 1942: AAS 35 (1943) 9-24; ders.,
Radiobotschaft, 24. Dez. 1944: AAS 37 (1945) 11-17; Johannes XXIII., Enz. Pacem
in terris: AAS 55 (1963) 263.272.277f.
(6) Vgl. Pius XII., Radiobotschaft, 1. Juni 1941: AAS 33 (1941) 200; Johannes
XXIII., Enz. Pacem in terris: AAS 55 (1963) 273f.
(7) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Mater et Magistra: AAS 53 (1961) 415-418.
(8) Pius XI., Ansprache an die Leiter der "Federazione Universitaria
Cattolica": Discorsi di Pio XI., Bd. I: ed. Bertetto (Turin 1960) 743.
(9) Vgl. II. Vat. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen Gentium, Nr. 13:
AAS 57 (1965) 17.
(10) Vgl. Lk 2,14.
Kapitel 5:
(1) Vgl. Eph 2,16; Kol 1,20-22.
(2) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Pacem in terris, 11. April 1963: AAS 55 (1963)
291: "Darum ist es in unserer Zeit, die sich des Besitzes der Atomkraft rühmt,
sinnlos, den Krieg als geeignetes Mittel zur Wiederherstellung verletzter Rechte
zu betrachten."
(3) Vgl. Pius XII., Ansprache, 30. Sept. 1954: AAS 46 (1954) 589; ders.,
Radiobotschaft, 24. Dez. 1954: AAS 47 (1955) 15ff.; Johannes XXIII., Enz. Pacem
in terris: AAS 55 (1963) 286-291; Paul VI., Ansprache an die Vereinten Nationen,
4. Okt. 1965: AAS 57 (1965) 877-885.
(4) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Pacem in terris, wo von der Abrüstung die Rede
ist: AAS 55 (1963) 287.
(5) Vgl. 2 Kor 2,6.
Kapitel 6:
(1) Vgl. Johannes XXIII., Enz. Ad Petri Cathedram, 29. Juni 1959: AAS 51 (1959)
513.
(2) Vgl. Mt 7,21.
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